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Halden Victoria in Lünen

In geringer Entfernung zur Innenstadt befand sich die einst Zeche Victoria in Lünen eingegrenzt durch den Fluss Lippe und die Bahnstrecke Dortmund-Münster. Den Anfang machten die 1907 errichteten und drei Jahre später in Betrieb gegangenen Schachtanlagen I und II an der heutigen Zwolle-Allee. Im Jahr 1940Jahren übernahm die Zeche auch die Schachtanlagen der Zeche Preußen im Süden von Lünen bei Gahmen, die schließlich von Preußen I / II in Victoria III / IV umbenannt wurden. 1992 endete die Ära des Bergbaus in Lünen, die Schächte wurden nacheinander Ende der 90er Jahre verfüllt und die Anlagen übertage größtenteils abgerissen.

Der Abraum aus dem Förderbetrieb unter der Regie der Zeche Victoria wurde auf mindestens drei großen unterschiedlichen Halden im Stadtgebiet abgelagert. Eine ausgedehnte Halde befindet sich westlich des ehemaligen Schachtgeländes I / II. Sie wird der Einfachheit halber hier im Weiteren als Halde Victoria I / II West bezeichnet. Östlich dieses Geländes steht auf der anderen Straßenseite der Zwolle-Allee eine weitere kleine Bergehalde, im weiteren Halde Victoria I / II Ost genannt. Im Ortsteil Gahmen befindet sich neben der ehemaligen Schachtanlage III / IV die dritte Halde dieser Zeche.

Die Halde der Zeche Preußen in Horstmar als vierte Halde auf dem Stadtgebiet Lünens wird in einem eigenen Artikel separat behandelt.

Teil 1: Halde Victoria I / II West

Erste betrachtete ist die große Halde an der Schachtanlage I / II. In üblichen kartographischen Produkten ist dieser Berg nur selten eingezeichnet. Von der Stadtmitte her führt der Weg durch einen alten, kurzen Eisenbahntunnel, der auf einer Seite mit einem Gitter abgesperrt war, aber offenbar vor längerer Zeit wieder aufgebrochen wurde. Von der Ostseite enden Pfade von der Zwolle-Alle kommend an der Halde. Sie liegt recht idyllisch direkt am Ufer der Lippe, erreicht bei 4,5 Hektar Fläche eine Höhe von etwa 25 Metern über der Umgebung und ist damit ungefähr 81 Meter über dem Meeresspiegel hoch. Dabei nimmt die Höhe nach Norden hin gemächlich ab, die höchste Böschung befindet sich an der Südseite am Lippeufer. In zwei verschiedenen Höhenschichten ist sie jeweils auf der Nordseite bewachsen, nach Süden hin erstrecken sich ein noch recht nacktes Plateau und mit Wildgräsern bewachsene Hänge. Die Natur arbeitet mächtig an der Rückgewinnung der Fläche. Ein Konzept für eine Neunutzung ist nicht existent oder wird nicht umgesetzt. Der Berg ist weitestgehend sich selbst überlassen.

Vom höchsten Plateau reicht der Blick in die nahe Umgebung nach Westen und Süden. Ins Auge fallen vor allem die Lüner Innenstadt und das auf diesen Seiten ebenfalls betrachtete Colani-Ei auf dem Gelände der Lüntec bzw. ehemaligen Zeche Minister Achenbach im Lüner Vorort Brambauer. Eisenbahnfreunde können das Überqueren der Züge über die Lippebrücke ausgezeichnet beobachten und fotografieren. Man kann allerdings bisher nicht sagen, dass sich ein Abstecher zu diesem Exemplar lohnt, sofern Sie eine Haldentour durchs Ruhrgebiet planen.

Halden im Ruhrgebiet. Halde Victoria in Lünen

Birkenwald auf dem unteren Plateau im Westen

Unterhalb der Halde Victoria

Von diesem Plateau geht es noch eine Etage höher

Aufstieg

Der Weg führt auf den höchsten Haldenbereich

Blick von der Bergehalde auf Lünen

Blick über die Bahnstrecke auf Lünen mit dem Rathaus

Haldentop

Grenze zwischen dem nacktem Plateau und Birkenwald

Halde Victoria

St.-Marien-Kirche in der Innenstadt Lünens

Gräser, im freien Lauf der Natur

ehemalige Zeche Victoria in Lünen

Mit Wegen erschlossenes ehemaliges Zechengelände

Altes Zechengelände

Brachfläche, wo früher gefördert wurde

Dichter Birkenwald nördlich der Halde Victoria

Die Halde bietet keinerlei gastronomische oder sanitäre Einrichtungen sowie Ruhe- und Rastmöglichkeiten. Sofern der Fußweg durch den Tunnel möglich ist, bietet sich für das leibliche Wohl die nahegelegene Innenstadt mit der Fußgängerzone von Lünen an.

Anreise mit dem Auto: Auf der A2 bis zur Ausfahrt 15 Kamen / Bergkamen und aus jeder Richtung rechts abbiegen auf die B61 Richtung Lünen. Dem Straßenverlauf durch Oberaden und Beckinghausen und über die Kanalbrücke knapp sechs Kilometer folgen und an der zweiten Ampel hinter dem Kanal rechts in die Zwolle-Allee abbiegen. Versuchen Sie, in der ersten Straße links zu parken, alternativ in der nächsten Straße rechts (Willi-Melchers-Straße), im Kreisverkehr links und im Wohngebiet am Rand parken. Zu Fuß von der Zwolle-Allee etwa an der Lippe-Brücke nach Westen bis zur Halde.

Alternativ weiter auf der B61 bis zur nächsten Ampelkreuzung. Dort rechts und hinter der Lippebrücke wieder rechts in die Merschstraße. Am Ende parken, für kurze Zeit bietet sich der Aldi-Parkplatz an. Dem Weg folgen, unter der Bahnbrücke hindurch und dann rechts auf die Halde.

Für die Möglichkeit der Unterquerung der Bahn wird keine Gewähr übernommen – kurzfristig kann dieser Zugang versperrt sein. Diese Variante bietet des Weiteren keinen ausgebauten Weg auf die Halde ohne Umweg. Dazu kann der unbeleuchtete Tunnel für manche Menschen einen Angstraum darstellen.

Eingabe in das Navigationssystem: Zwolle-Allee in 44534 Lünen

Koordinaten: 51°36'44.62"N, 7°32'13.91"E (östlicher, ausgebauter Aufstieg)
Die Koordinaten können per Copy&Paste in das Eingabefeld von GoogleEarth eingegeben werden. Der Ort wird dann virtuell angeflogen.

Anreise mit dem ÖPNV / Zu Fuß aus Richtung Lünen: Zunächst von Dortmund Hbf mit RB 50 oder RB 51 nach Lünen. Von Lünen Hauptbahnhof / ZOB zu Fuß südlich an der Kurt-Schuhmacher-Straße entlang und hinter der Polizei in die Merschstraße. Immer geradeaus, bis die Straße in einen Weg übergeht. Diesem bis zur Bahnunterführung folgen, diese durchqueren und dahinter rechts die Halde bezwingen. An dieser Stelle befindet sich kein ausgebauter Weg. Außerdem wird für die Möglichkeit der Unterquerung der Bahn keine Gewähr übernommen - kurzfristig kann dieser Zugang versperrt sein.

 

Teil 2: Halde Victoria I / II Ost

Etwa 500 Meter flussaufwärts von der Halde Victoria I / II West liegt die kleine Halde Victoria I / II Ost recht idyllisch an einem Mäanderbogen der Lippe. Sie wird sonst nur im Norden durch eine Firma und im Westen durch die Zwolle-Allee begrenzt. Mit ihrer mittleren Höhe von 28 Metern über der Umgebung sowie 81 Metern über dem Meeresspiegel überragt dieser in der Fläche etwa 5,5 ha große Berg die anderen beiden Bergehalden der Zeche um wenige Meter. Die optische Höhe wird jedoch durch die Straße verringert. Während die Höhe der Bergehalde vom Ufer der Lippe gemessen wird, überspannt die an der Halde vorbeilaufende Straße die Lippe bereits in gut zwölf Metern Höhe über Grund, also fast auf halber Höhe der Halde. Daher sind die Zugänge recht hoch gelegen und der visuelle Abstand zum Gipfel nur noch sehr gering.

Entstanden sind die Zwolle-Alle und die Lippebrücke in der derzeitigen Form gegen Ende der 1980er Jahre. In einem alten Luftbild aus dieser Zeit ist bereits die Erschließung der Halde durch Wege inmitten einer noch jungen und niedrigen Bewachsung erkennbar. Mehr als 20 Jahre später ist die Halde hauptsächlich durch Pionierpflanzen (vor allem Birken) dicht bewaldet und bietet insbesondere in der belaubten Saison daher kaum Ausblicke. Das blitzweiße Schloss Cappenberg am Nordrand der Lippeniederung lässt sich im Winterhalbjahr durch die Zweige erahnen, sofern die Lage bekannt ist. Seit den 80er Jahren hat sich auch die Anzahl der begehbaren Wege reduziert. Der »Hauptweg« führt am Rand der Halde über eine schmale Terrasse, wobei es auf der einen Seite bergab und auf der anderen logischerweise bergauf geht. Er ist in recht kurzer Zeit abgeschritten. Am Ostende der Halde zweigt ein Pfad auf die höhere Ebene ab. Sitzgelegenheiten findet man höchstens auf umgefallenen Bäumen oder Baumstümpfen. Der ein oder andere Zeitgenosse hat den hintersten Winkel für die Ablagerung seines Hausrates genutzt. Viele ältere Wege, die durchaus noch in Topographischen Karten enthalten sind, sind hoffnungslos zugewachsen und nur durch Kriechen oder Beschädigen der Kleidung überwindbar. So ist es wohl wenigen Menschen zu verdanken, die hier vielleicht regelmäßig mit dem Hund Gassi gehen, dass diese vergessene Bergehalde überhaupt noch gangbare Wege besitzt.

Halde Victoria 1/2 Ost

Haldenhangweg: immer entlang der Terrasse auf Victoria I / II Ost

Birkenwald auf der Halde

Etwas nachgesackte Erde?

Halde Victoria Lünen

Aufstieg auf den höchsten Punkt der Halde

Gipfel der Halde Victoria Ost

Terrassierter Hang der Halde Victoria Ost

Halde Victoria 1/2 Ost am Lippeufer

Panoramabild mit der Halde Victoria I / II Ost am Ufer der Lippe gesehen von der Brücke Zwolle-Allee

Birkenhalde

Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht

Schmaler Pfad

 

Halde am Fluss

Bergehalde am Ufer der Lippe: von Flussseite höher wirkend

Birken auf der Halde

Birken-Zwilling an der Ostseite der Halde

Wie auf den anderen Victoria-Halden gibt es keine Rastmöglichkeiten oder sanitären Einrichtungen. Die Anreise ist durch die große Entfernung zu Parkplätzen oder zu Haltestellen des Nahverkehrs erschwert.

Anreise mit dem Auto: Auf der A2 bis zur Ausfahrt 15 Kamen / Bergkamen und aus jeder Richtung rechts abbiegen auf die B61 Richtung Lünen. Dem Straßenverlauf durch Oberaden und Beckinghausen und über die Kanalbrücke knapp sechs Kilometer folgen und an der zweiten Ampel hinter dem Kanal rechts in die Zwolle-Allee abbiegen. Nächste Straße rechts (Willi-Melchers-Straße), im Kreisverkehr links und im Wohngebiet am Rand parken. Zu Fuß zurück zur Zwolle-Allee, dieser links folgen. Hinter der ersten Brücke und vor der zweiten Brücke (Fluss) befinden sich je zwei Zugänge. Der jeweils hintere führt einmal um die Halde, die anderen enden in einer Sackgasse.

Eingabe in das Navigationssystem: Zwolle-Allee bzw. Willi-Melchers-Straße in 44534 Lünen

Koordinaten: 51°36'44.62"N, 7°32'13.91"E (östlicher, ausgebauter Aufstieg)

Die Koordinaten können per Copy&Paste in das Eingabefeld von GoogleEarth eingegeben werden. Der Ort wird dann virtuell angeflogen.

Anreise mit dem ÖPNV: Zunächst von Dortmund Hbf mit RB 50 oder RB 51 nach Lünen. Von Lünen Hauptbahnhof / ZOB mit dem Regiobus der Linie R11 Richtung Cappenberger See / Nordlünen bis Wethmarer Dorfstraße (dritte Station). Der Hauptstraße weiter in Fahrtrichtung folgen bis zur Kreuzung Zwolle-Allee. Hier rechts abbiegen und bis zur Lippe-Brücke etwa 800 Meter laufen.

Zu den Halden im Ruhrgebiet Auf der Themen-Auswahlseite finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten Halden im Ruhrgebiet. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Bergehalden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden. In der Kategorie »Ausflugsziele« werden Tipps für Ausflüge in die Region Ruhrgebiet gegeben.

Angaben zur Anreise mit dem ÖPNV sowie Straßennamen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de • Stand: 02 / 2012