Halden Rheinelbe in Gelsenkirchen
Auf einer ehemaligen Güter-Bahntrasse führt der Emscher-Park-Radweg schnurgerade durch den Süden Gelsenkirchens. Und gerade hier, wo man auf breitem asphaltierten Wege halbwegs kreuzungsfrei zwischen der Pfeilerbrücke an der Erzbahn und der Zeche Zollverein in Essen rasch vorwärts kommen könnte, lohnt es sich anzuhalten und abzusteigen, von der Route abzufahren und das Gebiet rechts und links des Bahndamms zu erkunden. Hier, am südlichsten Punkt der Stadt Gelsenkirchen, in Ückendorf, warten zwei Halden, von denen eine zu den schönsten im Ruhrgebiet zu zählen ist, ein Industrie- und Skulpturenwald, eine ominöse Stufenpyramide neben der größten Forststation im Revier und das markante Gebäude des Wissenschaftsparks Gelsenkirchen auf eine Besichtigung. All dies hängt zusammen mit einer Zeche, die im Namen klangvoll zwei der wichtigsten Flüsse Deutschlands vereinigt: Rheinelbe.
Die Gründungsgeschichte der Zeche Rheinelbe reicht bis ins Jahr 1846 zurück. Die Kohleförderung begann 1861, es entwickelte sich die Schachtanlage I / II mit einer Bahnanbindung. In der Umgebung entstanden mit der Zeit weitere kleinere Schachtanlagen wie Rheinelbe III und Rheinelbe IV, die später in Rheinelbe V umbenannt wurde. Im Oktober 1877 wurden die benachbarten Zechen Rheinelbe und Alma zur Zeche Vereinigte Rheinelbe & Alma konsolidiert, wobei die Fördereinrichtungen jedoch getrennt voneinander weiterliefen. Mitte der 1920er Jahre begann der Anfang vom Ende der Zeche Rheinelbe, deren Schachtanlage I / II bereits im Jahr 1928 geschlossen wurde. Die Grubenfelder der Vereinigten Rheinelbe & Alma wurden an die benachbarten Zechen Holland in Wattenscheid und Pluto in Herne verteilt. Mit der Gesamtstilllegung der Zeche im Jahr 1931 und der Abgabe der Grubenfelder ist der Name Geschichte.
Teil 1 – Halde Rheinelbe (Süd)
Weithin sichtbar ist die allgemein als Halde Rheinelbe bekannte Bergehalde in Gelsenkirchen, die sich direkt an der Stadtgrenze mit Bochum erhebt. Durch ihre Nähe zur Schachtanlage 5 (ehem. Rheinelbe IV) könnte man sie auch als Halde Rheinelbe V bezeichnen. Ihr höchster Punkt überragt die Umgebung um ca. 40 Meter und liegt auf 106,2 Metern über dem Meeresspiegel. Ihre Grundfläche beträgt etwa 19 Hektar. Charakteristisch für sie ist ihr kegelförmiger Gipfel und eine eigen- und einzigartige Großskulptur, die auch aus der Entfernung zu erkennen ist. Die Südhalde ist das einzige Bauwerk der Zeche Rheinelbe südlich der Gleise und entstand etwa 100 Jahre lang von ca. 1900 bis 2000, wobei selbstverständlich die größten Gesteinsmassen während des Betriebs der Zeche aufgeschüttet wurden. Im Jahr 1999 begann die Gestaltung des typischen und von Herman Prigann (1942–2008) konzipierten Spiralberges, dem heutigen Gipfel der Halde, für dessen Schüttung zunächst Vorarbeiten zur Eindämmung eines alten, schwelenden Haldenbrandes gemacht werden mussten. Unter anderem entstand dazu auch eine vierstufige Brandschutzwand aus Gabionen (steingefüllte Drahtkörbe) am Bach an der Ostseite.
Die heutige Gestalt der Halde Rheinelbe ist vielfältig. Zunächst lässt sich der Berg in zwei Hauptterrassen gliedern, die die Halde zu einem Tafelberg machen. Dabei ist die untere dichter und die obere weniger dicht vor allem durch junge Birken und Sanddorn bewachsen. In der Mitte der obersten Terrasse erhebt sich kegelförmig der ca. 20 Meter hohe neue Spiralberg, auf den von drei Seiten führende Wege spiralförmig bis zum höchsten Punkt verlaufen – über eine kurze Treppe lässt sich der Weg aber über den steilen Hang abkürzen. Er ist bisher kaum durch niedrige Büsche und wenige Birken bewachsen und hebt sich damit nahezu vegetationsfrei und dunkel vom restlichen Berg ab.
Auf dem höchsten Punkt der Halde steht die ebenfalls von Herman Prigann konstruierte ca. 10 Meter hohe Skulptur Himmelstreppe (Bild rechts), vereinzelt auch als Himmelsleiter bezeichnet – nicht zu verwechseln mit der Himmelstreppe auf der Halde Norddeutschland bei Neukirchen-Vluyn. Sie besteht aus großen, alten Betonblöcken, die in der Form einer Treppe aufgestapelt wurden und ist Teil des Skulpturenwaldes, der sich nördlich der Halde auf dem ehemaligen Zechengelände fortsetzt. Vom kleinen Plateau unterhalb der Himmelstreppe reicht der Blick weit über das Ruhrgebiet nach Bochum, Essen und Gelsenkirchen. In der Nähe erkennt man die Bramme auf der Schurenbachhalde, das Fördergerüst über dem Deutschen Bergbau-Museum von Bochum, die charakteristischen Fördergerüste und Schornsteine der Zeche und Kokerei Zollverein in Essen und die Veltins-Arena auf Schalke. Regelmäßig beobachten kann man auch Mountainbikefahrer, die die Halde für ihren Sport entdeckt haben – konkret bei einem der zahlreichen Besuche zwei Kinder auf BMX-Rädern, die mit dem Schwung von der Haldenflanke einige Stunts üben. Bis sich schließlich einer von beiden flach auf den Boden legt und der andere mit viel Anlauf und der als Rampe wirkenden Böschung eines Weges darüber hinweg fliegt. Natürlich ist die Skulptur auch beliebt bei Hobby-Fotografen, die häufig mit ihren Stativen kreuz und quer über die Halde laufen und geeignete Fotostandpunkte suchen. Potenzial dazu bietet beispielsweise eine Senke, in der sich Regenwasser sammelt und in der die sich Himmelstreppe bei Windstille schön spiegelt.
Folgende Bilder zeigen Eindrücke von der Halde Rheinelbe (Süd) und der Himmelstreppe:

Aufstieg zur Halde Rheinelbe durch den dichten Birkenwald |

"Himmelstreppe" von Herman Prigann auf der Halde Rheinelbe |

Himmelstreppe mit Stiegen auf der Südseite |

Die steilen Hänge sind beliebt bei Crossbike-Fahrern |

Grenze zwischen Wald und weitgehend freiem Spiralberg |

Spiegelung im gesammelten Regenwasser unterhalb des Gipfels |

Stark durch Erosion zerfurchter Hang |

Himmelstreppe von der Nordwestseite |

Junges Birkenwäldchen auf der Halde |

Der Spiralberg erfreut sich großer Beliebtheit bei Fotografen |
Eine Anfahrtsbeschreibung zur Halde Rheinelbe befindet sich am Ende dieser Seite.
Teil 2 – Halde Rheinelbe (Nord)
Schon durch die Spezifizierung der bekannten Halde Rheinelbe mit dem Zusatz "Süd" wird deutlich, dass es auch noch eine zweite Halde in unmittelbarer Umgebung geben muss. Die Nordhalde liegt auf der anderen Seite des Emscher-Park-Radweges neben der Schachtanlage I / II und wird in Karten vor Ort nicht als Halde, sondern als »Industriewald« bezeichnet. Sie ist mit einer Höhe von 26 Metern über der Umgebung und ihrem höchsten Punkt auf 85 m ü. NN nicht nur deutlich kleiner, sondern mit ihrer Fläche von ca. 9 Hektar auch sehr viel kleiner als ihre berühmte Schwester mit der Himmelstreppe auf der Spitze. Darüber hinaus ist sie vollständig durch recht junge Bäume bewaldet und bietet nur an wenigen Stellen Ausblicke über den Ortsteil Ückendorf.
Das Thema des Skulpturenwaldes führt jedoch auch auf die Nordhalde. Passenderweise ist es wieder eine Treppe, die das Thema aufgreift. In diesem Falle ist die ca. 70 Meter lange sogenannte Große Treppe jedoch bequem begehbar und führt vom Skulpturenwald auf die Halde bis kurz unter den "Gipfel" und wird ebenfalls von Beton- und Felsblöcken begleitet. Am Ende der Treppe stand ursprünglich mit dem Mondholz eine Skulptur aus Holzstämmen aus der Mitte der 1990er Jahre – ebenfalls vom Skulturenwald-Künstler Herman Prigann entworfen –, deren umgefallenes Material heute eine Sitzgelegenheit bietet.
Am nordwestlichen Rand befindet sich teilweise als eine Art Stützmauer in der Halde der ehemalige Sprengstoffbunker der Zeche, in den man durch ein Gitter in der Tür sogar hineinschauen kann.

Große Treppe mit viel Beton und Fels am Rande |

Große Betonblöcke am Wegesrand |

Böschung der Halde unweit des ehem. Rheinelbe-Schwimmbades |

Teile des alten Sprengstoffbunkers der Zeche Rheinelbe |
Anfahrt zur Halde Rheinelbe (Nord und Süd)
Anreise mit dem Auto: Auf der die A40 bis zur Ausfahrt 28 Gelsenkirchen und dort auf die B227 Halterner Straße Richtung Gelsenkirchen. Nach ca. 600m in der langgestreckten Linkskurve rechts abbiegen in die Kemnastraße. Geradeaus über die Ampel. An der abknickenden Vorfahrt dem Straßenverlauf links folgen in die Gelsenkirchener Straße, die hinter der Eisenbahnbrücke (kleine Ampel) an der Stadtgrenze in die Leithestraße übergeht. Etwa hundert Meter hinter der Brücke befindet sich der Haldenzugang. Es besteht die Möglichkeit, in Gegenrichtung kostenlos am Rand zu parken. Möglichkeiten dazu bietet auch der Nattmannsweg, die nächste Kreuzung links.
Die Halde Rheinelbe Süd (mit der Himmelstreppe, also den großen aufgeschichteten Betonblöcken auf der Spitze) wird von der Leithestraße über den Zugang am Emscher-Park-Radweg erreicht. Hier stehen schwarze Info-Stelen der Route Industriekultur. Hinter der großen "Windwaage" geht es schräg rechts den Berg hinauf – verlaufen kann man sich hier praktisch nicht.
Die Halde Rheinelbe Nord (mit der Treppe im Wald) wird über zwei Wege erreicht, die wenige Meter hinter dem Zugang zur Südhalde links abbiegen. Dazu hinter der Umspannanlage an der Treppe links halten bis zum Zugang zur Halde.
Zieleingabe ins Navigationssystem: Leithestraße (Kreuzung Hövelmannstraße) in 45884 Gelsenkirchen
Koordinaten:
Südhalde:
51°29'17.22"N, 7° 6'33.76"E (Zugang) | 51°29'14.78"N, 7° 6'44.12"E (Himmelstreppe)
Nordhalde: 51°29'33.76"N, 7° 6'39.55"E (Große Treppe)
Anreise mit dem ÖPNV: Von Bochum Hbf. mit der Straßenbahn der Linie 302 Richtung Buer Rathaus bis Gesamtschule Ückendorf (eine davor zum Bereitmachen: Ückendorfer Platz). Von Gelsenkirchen Hbf. mit der Linie 302 Richtung Bochum-Laer-Mitte ebenfalls bis Gesamtschule Ückendorf (eine davor zum Bereitmachen: Stephanstraße). Aus Richtung Bochum zurück, aus Richtung Gelsenkirchen in Fahrtrichtung ca. 100 Meter laufen, bis der Fahrradweg rechts und links auf der ehemaligen Bahntrasse erreicht wird. Hier rechts abbiegen und Richtung Südwesten etwa 950 Meter bis zur Windwaage laufen (es wird eine kleine, blaue Brücke überquert) und dann scharf links auf die Halde Rheinelbe (die mit der spitz aufragenden Himmelstreppe). Die Nordhalde wird wenige Schritte hinter dem "Tempel" rechts erreicht; hier zweigt ein Weg ab. Die Treppe zur Forststation links liegen lassen und dem Pfadverlauf folgend die Große Stiege im Wald erreichen.
Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Auf dem Emscher-Park-Radweg (Auch vereinzelt "Zollverein-Radweg") bis zu den Informationsstelen vor der Windwaage unterhalb der Halde Rheinelbe. Zusätzlich aus Wattenscheid von der Zeche Holland IV / VI auf dem Bahntrassenradweg bis direkt vor den Haldenzugang. Unterwegs auf dem Fahrrad kann die Halde damit einen schönen Abstecher zwischen den nahen Zielen Pfeilerbrücke an der Erzbahntrasse, Landschaftspark Mechtenberg und der Zeche Zollverein darstellen.
Weitere Informationen:
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ngaben zur Anreise mit dem ÖPNV sowie Straßennamen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de • Stand: 03 / 2012 |