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Halde Rheinpreußen in Moers

Die Halde mit der einzigen Landmarke, die einen Haken hat

Die Zeche Rheinpreußen förderte in Duisburg ab 1876 Kohle an Ort und Stelle der Schachtanlage I im linksrheinischen Homberg, nachdem bereits 1851 erste Bohrungen angestellt wurden. Sie war damit die erste linksrheinische Kohlezeche im Ruhr-Revier. Weitere Schachtanlagen wurden mit der Zeit in Nordwestrichtung auf dem heutigen Moerser Stadtgebiet errichtet. Dabei entstand beispielsweise die andernorts erwähnte Schachtanlage Pattberg in Repelen. So war Zeche Rheinpreußen für kurze Zeit die größte Zeche in der Region. Vom später entstandenen Verbundbergwerk Rheinland ist einzig die Zeche Rossenray als aktives Bergwerk bis heute erhalten.

Südlich der Autobahn A42 befindet sich unmittelbar neben dem Waldsee die höchste Bergehalde der Zeche, die Halde Rheinpreußen. Mit 103 Metern über dem Meeresspiegel und etwa 78 Metern über der gemittelten Umgebung ist sie die derzeit sechsthöchste Halde im Ruhrgebiet, bis sie offiziell von der in Schüttung befindlichen Mottbruchhalde in Gladbeck überholt und auf den siebten Rang geschoben wird. Sie liegt direkt benachbart zur leider noch nicht zugänglichen Halde Lohmannsheide. Große Teile der Halde Rheinpreußen sind bewachsen, aber das Gipfelplateau sowie ein Teil des Nordosthangs bestehen aus einer niedrigen Wiese. Etwa zehn Meter unterhalb des Gipfels steht die begehbare Skulptur einer übergroßen Grubenlampe, ein sogenanntes Geleucht, was dem Kunstwerk auch den Namen gibt. Ein derartiges Geleucht – natürlich in handlicher Bauweise – war früher ein unabdingbares Utensil im Bergbau, war dieses Hilfsmittel doch unter Tage für den Bergmann meist die einzige Lichtquelle im stockdusteren Stollen. Es gab dabei sogar Bauformen, die trotz des offenen Feuers ein mögliches Entflammen von Grubengas verhinderten. Aber nicht nur durch das Spenden von Licht war das Geleucht ein kleiner Lebensretter: In einigen Zechen markierten die Grubenlampen, insbesondere, wenn die elektrischen Varianten mit Akkus in den Lampenstuben aufgeladen werden mussten, ob alle Bergleute einer Schicht wieder heile ans Tageslicht zurückgekehrt waren. Fehlte eine Lampe, so konnte davon ausgegangen werden, dass der Besitzer noch unter Tage war und sich möglicherweise in Schwierigkeiten befand.

Die mit 30 Metern übergroße und leuchtend rot angestrichene Landmarke wurde von Otto Piene entworfen, um die Jahrtausendwende vorgestellt und unter großem privaten Engagement und der Unterstützung einiger Investoren schließlich 2007 errichtet. Sie gehört zweifellos zu den schönsten Landmarken und Kunstwerken im Ruhrgebiet. In der Dämmerung bis etwa Mitternacht ist das Bauwerk rot illuminiert durch Scheinwerfer und kleine Lämpchen. Wer in der Dämmerung vor Ort war, berichtet begeistert von dem tiefroten Licht, in das man hier getaucht ist und das am Boden flüssiges und glühendes Eisen symbolisieren soll. Die Illumination, mittelfristig vorfinanziert durch Sponsoren, erfolgt in der Dämmerung bis 21 Uhr (Winter) bzw. 23 Uhr (Sommer). Man kann das Geleucht in der Sommersaison mittwochs, donnerstags, samstags und sonntags jeweils am Nachmittag (14 bis 18 Uhr) und in der Wintersaison am Wochenende (13 bis 16 Uhr) sogar innen erklimmen. Doch auch ohne Aussichtsplattform ist der Blick vom Haldentop, auf dem Sitzgelegenheiten in Form von Steinquadern aufgestellt sind, über die Rheinbrücken hinüber nach Duisburg und Oberhausen bereits sehr imposant.

Halde Rheinpreußen Grubenlampe

30 Meter hohe Skulptur »Geleucht« auf der Halde Rheinpreußen

Das Geleucht auf Halde Rheinpreußen

Großskulptur in Form einer Grubenlampe aus dem Bergbau

Das Geleucht auf Halde Rheinpreußen

Spiegelung im eiskalten Wasser

Das Geleucht auf Halde Rheinpreußen

Lampen, die abends das Haldentop in rotes Licht tauchen

Da die Halde Rheinpreußen die einzige Landmarke "mit Haken" im Ruhrgebiet aufweist, bietet es sich an, ganz besondere Fotos zu machen. Sicherlich kennen auch Sie die berühmten Bilder vom Schiefen Turm von Pisa, auf denen es so aussieht, als ob Menschen den Turm vor dem Kippen bewahren würden. Hier lassen sich ähnliche Effekte anstellen. Positioniert man sich geschickt, so kann der Fotografierte die Grubenlampe am Griff in die Hand nehmen (und mithilfe digitaler Bildbearbeitung schweben lassen).

Die Halde ist entgegen einiger Erzählungen Tag und Nacht frei zugänglich, besitzt allerdings wie alle anderen Halden keinerlei sanitären oder gastronomischen Einrichtungen. Als Besonderheit bietet die Halde selbst auf halber Höhe einen PKW-Parkplatz, sodass bei einer Anreise mit dem Auto nicht die komplette Höhe bezwungen werden muss.

Anreise zur Halde Rheinpreußen mit dem Auto: Über die A42 bis zur Ausfahrt 2 Moers-Nord, dort aus allen Richtungen rechts abbiegen Richtung Moers. An der nächsten Ampel links in die Verbandstraße fahren und direkt an der nächsten Kreuzung rechts in die Römerstraße. Im folgenden Kreisverkehr die dritte Ausfahrt wählen und sofort dahinter schräg links dem Hinweisschild folgend auf die Halde fahren. Hier befindet sich auf halber Höhe ein Parkplatz, von dem der Fußweg weiter bergauf direkt zum Geleucht führt.

Alternativ kann die Anreise über die Ausfahrt 3 Duisburg Baerl erfolgen. Aus Richtung Duisburg rechts, aus Richtung Kamp-Lintfort links abbiegen Richtung Baerl. An der nächsten Kreuzung links und hinter der Autobahnbrücke rechts in die Kastellstraße. Hier parken und zu Fuß der Kastellstraße folgen, links abbiegen bis zur Gutenbergstraße, sofort wieder rechts in den Rehwinkel und immer geradeaus auf die Halde zulaufen – quasi durch den "Lieferanteneingang" der Halde.

Zieleingabe: Römerstr. / Kreuzung Gutenbergstr., 47445 Moers
Koordinaten: 51°28'31.06"N, 6°38'48.96"E

Anreise zur Halde Rheinpreußen mit dem ÖPNV: Mit der RB31 von Duisburg nach Rheinberg von dort mit der Buslinie 913 bis nach Duisburg-Kastellstraße. Dort zu Fuß durch die Kastellstraße und durch den Wald von hinten auf die Halde. Zunächst hinter dem kleinen See links in die Jakob-Schroer-Straße, ein kurzes Stück rechts auf die Gutenbergstraße und sofort rechts in den Rehwinkel. Diesem Weg geradeaus folgen. Dort, wo dieser eine scharfe Rechtskurve macht, befindet sich geradeaus ein zweiter Haldenzugang.

Alternativ von Moers mit der Linie 4 Richtung Repelen bis Chemische Werke oder Waldsee (Fahrtzeit etwa 15 Minuten). Von den Chemischen Werken entlang der Fahrtrichtung zum Kreisverkehr und dann schräg rechts auf die Halde, von der Haltestelle Waldsee entweder zurück Richtung Kreisverkehr und die genannte Auffahrt oder nördlich der Halde bis zum See und dort den Nordzugang am Clubhaus nutzen.

  Geleucht Halde Rheinpreußen in die Hand genommen

Quelle und weitere Informationen:

Daten zur Geschichte der Zeche wurden den angegebenen Internetseiten entnommen. Die absolute Höhe der Halde entstammt der Deutschen Grundkarte im Maßstab 1:5.000 (DGK5), die relative Höhe errechnet sich aus der absoluten Höhe subtrahiert durch den Mittelwert von fünf Geländehöhen rings um die Halde. Eindrücke von der Halde basieren auf einem eigenen Besuch Vorort Ende November 2008.

Route Industriekultur (Halde Rheinpreußen): www.route-industriekultur.de
Internetseite über die Landmarke: www.das-geleucht.de
Zeche Rheinpreußen: www.foerdergerueste.de
Zu den Halden im Ruhrgebiet Auf der Themen-Auswahlseite finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten Halden im Ruhrgebiet. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Bergehalden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden. In der Kategorie »Ausflugsziele« werden Tipps für Ausflüge in die Region Ruhrgebiet gegeben.

Angaben zur Anreise mit dem ÖPNV sowie Straßennamen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de • Stand: 02 / 2012