Halden der Zeche Alstaden in Oberhausen
Im damals noch zu Mülheim und heute zu Oberhausen gehörenden Ort Alstaden am östlichen Ufer der Ruhr entstand ab 1851 die Kohlezeche Alstaden mit zwei Schächten. Der Förderbetrieb wurde 1859 mit dem Schacht I aufgenommen, der östlich der heutigen Solbadstraße direkt an der Bahnstrecke Hamm - Düsseldorf lag. Etwa zehn Jahre später begann der Bau des zweiten Schachtes zwischen der Block- und Behrensstraße und der 1995 stillgelegten Bahnstrecke Meiderich ↔ Styrum. Im Jahre 1884 stießen Bergleute auf warme, salzhaltige Quellen mit der iodreichsten Schüttung in Deutschland. Noch im selben Jahr eröffnete das Solbad Alstaden auf dem Zechengelände, das dieses Wasser fortan zum Badebetrieb nutzte (und der Solbadstraße ihren Namen gab). 1909 zog das Solbad in den Nachbarort Speldorf um, wo das Solbad Raffelberg erbaut wurde, dessen Gebäude noch heute erhalten sind. Ab dem Jahre 1904 ergänzte eine Brikettfabrik die Zeche Alstaden, die inzwischen von der Hibernia AG betrieben wurde. Anfang der 1930er Jahre begann die Förderung durch einem dritten Schacht neben Schacht II. Im Zuge einer Umstrukturierung wurde dieser zum alleinigen Förderschacht, Schacht II wurde Material- und Schacht I Wetterschacht. Im Jahre 1965 erfolgte eine weitere Umstrukturierung, nach der der Schacht I, der ständig Probleme mit Wassereinbrüchen mit sich führte, verfüllt wurde. Während der Kohlekrise beschloss man, sich innerhalb der neugegründeten RAG auf besonders ertragreiche Zechen zu konzentrieren, was Alstaden II / III nicht war. Zwei Jahre früher als geplant wurde am 15.12.1972 die letzte Kohle gefördert - der dabei verwendete Förderwagen und die ihn ziehende Seilscheibe stehen heute als Denkmal im benachbarten Ruhrpark. Im April des Folgejahres wurden die letzten beiden Schächte verfüllt. Doch damit ist die Geschichte der Zeche Alstaden noch nicht ganz vorüber. Nun kommen die Halden, um die es geht, ins Spiel.
Die Zeche Alstaden schüttete zwei Bergehalden in direkter Nähe der Schächte I und II / III auf. Die größere der beiden war die Halde Am Ruhrufer, westlich der Blockstraße im Bereich der Schachtanlage II / III und direkt am Ruhrdeich gelegen. Die Halde Alstaden, auch Solbadhalde, befindet sich auf dem Gelände von Schacht I gegenüber des Ruhrparks nördlich der Bahnstrecke Duisburg-Essen.
Erster Teil: Ehemalige Halde Am Ruhrufer
Sie hat einen besonders idyllisch klingenden Namen, der Ruhrtalradweg führt direkt an ihr vorbei und dennoch wird der größte Teil der Radfahrer achtlos vorbei fahren, denn die Halde Am Ruhrufer ist nicht mehr als Bergehalde zu erkennen – im Gegenteil. Gegen Anfang der 1970er Jahre brannte die Halde Am Ruhrufer. Wie im Bereich »Grundlagen« beschrieben, passierte dies im Ruhrgebiet recht häufig durch Selbstentzündung der Restkohle im Abraum aufgrund des Wärmestaus. Im Innern glimmt das brennbare Material dann meistens ohne außerhalb sichtbarer Flammen so vor sich hin. Noch heute sind unter den hier betrachteten Halden zahlreiche, die unter die Rubrik »Brennende Halden« fallen, beispielsweise das Große Holz in Bergkamen, Halde Graf Moltke in Gladbeck oder Halde Rungenberg. Je nach Ausmaß der Schwelbrände kann es selten zu mehr oder weniger deutlich sichtbaren Rauch-Ausgasungen kommen. Würde man es heute aus Sicherheitsgründen unterlassen, wurde die Halde bis in die 1990er Jahre wegen der starken (und deutlich sichtbaren) Emissionen, des Staubes und der damit verbundenen Belastung für Anwohner komplett abgetragen - bis auf einen Meter unter dem Grundwasserspiegel. Danach ist im Bereich der ehemaligen Bergehalde ein dichtbewachsenes Feuchtbiotop in einem Krater entstanden. Das Gelände hat heute also exakt die gegensätzliche Form, die es seit Aufhäufen des Abraums hatte. Die Seen sind am Rand stark zugewachsen und nur schwer zugänglich, weswegen sich auch besondere Tier- und Pflanzenarten angesiedelt haben - ein Lichtblick in der sonst an Stillgewässern armen Stadt Oberhausen. Es ist ein gesetzlich geschütztes Biotop, das möglichst nicht betreten werden sollte - von Stören der Tiere, Verschmutzen oder gar Kampieren oder Grillen ganz zu schweigen. Den gewohnten Panoramablick ins Umland gibt es also an der Halde Am Ruhrufer nicht, Freunde der weiten Aussicht können aber mit dem Blick vom Deich auf die idyllisch gelegene Ruhr entschädigt werden.

Ausgebauter Fahrradweg rings um die Halde Am Ruhrufer (links) |

Größtenteils lässt sich das Gebiet nicht erreichen |

Verträumter Weiher, wo es vor einigen Jahren noch gebrannt hat |

Feind der Gartenteichbesitzer: Hier darf der Fischreiher angeln |

Ein Schwanenpaar ist einheimisch geworden |

Eine der wenigen zugänglichen Stellen zur Halde |

Nebenarm des Weihers. Der Reiher macht den Abflug |

Halde Am Ruhrufer von Süden vom Ruhrtalradweg gesehen |
Zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt wurden die meisten Aufnahmen mit dem Teleobjektiv vom Rande des Biotops gemacht. Folgen Sie dem Beispiel und tragen Sie dazu bei, dass es bei der Ruhe bleibt.
Anreise mit dem Auto: Auf der A3 bis zur Ausfahrt Oberhausen-Lirich / Duisburg-Meiderich. Dort aus jeder Richtung links abbiegen Richtung Oberhausen. Dem Straßenverlauf unter der Bahnunterführung folgen. An der Ampel dahinter rechts in die Duisburger Straße. Diese geht hinter dem Bahnübergang in die Obermeidericher Straße über. Hinter der leichten Linkskurve links in die Flügelstraße fahren. Am Fröbelplatz – wo die vielen Bushaltestellen sind – rechts halten und in die Blockstraße fahren. Um die scharfe Kurve links, dann scharf rechts und hier am Rand im Bereich der Behrensstraße parken. Zu Fuß entlang des Weges GEGENÜBER der Behrensstraße laufen. Am Ende liegt das Biotop der ehemaligen Halde. Angesichts der recht komplizierten Beschreibung wird ein Navi oder eine Karte dringend empfohlen, in das die Lage der Halde eingetragen werden sollte.
Zieleingabe ins Navigationssystem: Blockstraße, Kreuzung Behrensstraße in 46049 Oberhausen
Koordinaten: 51°27'26.70"N, 6°49'16.09"E (Parkstelle) bzw. 51°27'31.21"N, 6°48'54.92"E (ehemalige Halde)
Die Koordinaten können per Copy&Paste in das Eingabefeld von GoogleEarth eingegeben werden. Der Ort wird dann virtuell direkt angeflogen.
Anreise mit dem ÖPNV: Von Oberhausen Hbf mit Bussen verschiedener Linien (z.B. SB 92 oder 143) bis zum Fröbelplatz. Von dort zu Fuß entlang der Blockstraße Richtung Süden, einmal scharf links, dann scharf rechts. An der T-Kreuzung rechts in den Fußgängerweg. Am Ende dieses Weges ist die ehemalige Halde erreicht.
Anreise mit dem Fahrrad: Der Ruhrtalradweg Winterberg-Duisburg führt unmittelbar an der Halde vorbei. Aus Richtung Mülheim / Solbadstraße führt der Radweg über den Ruhrdeich. Einige hundert Meter hinter der Eisenbahnbrücke befindet sich die ehemalige Halde.
Zweiter Teil: Halde Alstaden »Solbadhalde«
Sie ist als Solbadhalde in der Literatur und im Internet zu finden und auch eine in die Jahre gekommene hölzerne Informationstafel zeichnet das Gelände um den ehemaligen Schacht I in Anlehnung an das erwähnte Solbad mit diesem Namen aus. Doch der offizielle, aber unbekanntere Name, unter dem der Abraumberg geführt wird, lautet Halde Alstaden. Damit ist sie benannt nach der Zeche, der wir den Berg verdanken.
Tatsächlich existiert gegenüber vom Ruhrpark nördlich der Bahnstrecke zwischen Solbad- und Haldenstraße eingequetscht ein Hügel, der sich bemerkenswerte fünf Meter über das umliegende Gelände erhebt und damit eine maximale Höhe von etwa 35 Metern über dem Meeresspiegel erreicht. Ein kleiner Rundweg mit der Gesamtlänge von 400 Metern führt um die Halde, die jedoch bei Ablaufen dieses Weges mehr als bewaldeter Hügel denn als Bergehalde erscheint. Erschlossen wird der Rundweg durch drei Zugänge von der Solbad- und Haldenstraße. Ob ein Besuch lohnt, sollten Sie selber anhand der Bilder entscheiden. Immerhin führt auch hier der Ruhrtalradweg direkt dran vorbei...

Dichter Wald auf der Solbadhalde |

Mini-Rundweg um den Berg |
Auf der kleinen Solbadhalde existieren weder sanitäre noch gastronomische Einrichtungen. Im gegenüberliegenden Ruhrpark finden sich zahlreiche Spielgelegenheiten für Kinder.
Anreise mit dem Auto: Auf der A40 bis zur Ausfahrt 14 Duisburg-Kaiserberg (Achtung: Die Ausfahrt ist Teil des Autobahnkreuzes Kaiserberg mit der A3). Dort aus jeder Fahrtrichtung rechts auf die Carl-Benz-Straße abbiegen. Am Ende rechts auf die Ruhrorter Straße fahren. Es wird die Stadtgrenze überfahren und die A40 unterquert. An der nächsten Kreuzung links und vorbei am Wasserkraftwerk Kahlenberg. Der Straße entlang der Autobahn folgen bis zum Einkaufszentrum und der Straßenbahnhaltestelle Friesenstraße. An der Ampel links in die Friesenstraße. Dem Straßenverlauf folgen. An der Stadtgrenze unter der Bahnunterführung geht diese in die Solbadstraße über. Direkt hinter der Brücke befindet sich ein Haldenzugang, doch hier kann man nicht parken. Fahren Sie rechts in die Haldenstraße (Einbahnstraße), parken am Rand und nutzen den Zugang in der Linkskurve der Straße auf der rechten Seite in Höhe der Bushaltestelle.
Zieleingabe ins Navigationssystem: Haldenstraße in 46049 Oberhausen
Koordinaten:
51°27'4.71"N, 6°50'5.60"E (Zugang Haldenstraße 1)
51°27'0.69"N, 6°50'13.66"E (Zugang Haldenstraße 2)
51°26'58.46"N, 6°50'1.96"E (Zugang Solbadstraße gegenüber Ruhrpark)
Die Koordinaten können per Copy&Paste in das Eingabefeld von GoogleEarth eingegeben werden. Der Ort wird dann virtuell direkt angeflogen.
Anreise mit dem ÖPNV: Ziel ist die Bushaltestelle Grenze Alstaden in Mülheim an der Ruhr. Erreicht wird sie durch die Buslinie 129 vom Bahnhof Mülheim-Styrum (Anfahrt durch die S1 / 7 und S3) oder vom Fröbelplatz, der wiederum z.B. über den SB92 vom Oberhausener Hauptbahnhof erreicht wird (siehe Anreise zur Halde Am Ruhrufer oben).
Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Der Ruhrtalradweg Winterberg-Duisburg führt unmittelbar an der Halde vorbei. Ein Zugang befindet sich an der Stelle, an der der Radweg die Stadtgrenze von Mülheim nach Oberhausen überschreitet hinter der Bahnbrücke rechts.
Quellen und weitere Informationen:
Der Name und die Lage der Halde wurden mit einem Experten (Name und Funktion sind dem Webmaster bekannt) ausgearbeitet. Für die Feststellung des Areals als Schutzgebiet wurde eine beim Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz in NRW downloadbare Shape-Datei mit allen Schutzgebieten in Oberhausen bzw. dem Regierungsbezirk Düsseldorf zum Import in ein Geoinformationssystem (GIS) verwendet. Die Geschichte der Zeche entstammt Chroniken der Stadt Oberhausen. Höhenmessungen auf der Solbadhalde konnten im dichten Wald nicht zuverlässig gemacht werden, weswegen im entsprechenden Abschnitt die Höhendaten aus der Deutschen Grundkarte entnommen wurden. Auf die Benutzung von Online-Lexika wurde gänzlich verzichtet. Folgende Webseiten dienen zur Vertiefung:
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Auf der Themen-Auswahlseite finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten Halden im Ruhrgebiet. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Bergehalden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden. In der Kategorie »Ausflugsziele« werden Tipps für Ausflüge in die Region Ruhrgebiet gegeben. |
ngaben zur Anreise mit dem ÖPNV sowie Straßennamen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de • Stand: 02 / 2012
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