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Der Phoenix-See (Phoenix Ost)

Unter dem mythologisch angehauchten Namen »Phoenix« prägte eine Stahl-Produktionskette eine lange Zeit den heute zu Dortmund gehörenden Stadtteil Hörde sowohl in der Fläche, der Beschäftigung, dem Stadtbild und der Ökologie. Dabei ist der Phoenix in der Mythologie der Vogel, der verbrennt, um wieder aufzuerstehen – daher auch der "Phoenix aus der Asche". Etwa die Jahrtausendwende markiert den Wandel vom Stahlwerk zum großen Naherholungsgebiet in Form eines künstlichen Gewässers.

Geschichtliche Entwicklung von Hoesch Phoenix in Dortmund

Phoenix in Hörde ist nicht mythologisch, sondern real – wenn das Gesamtgelände sogar mit viel Phantasie die Form eines fliegenden Vogels hat. Den Anfang bildete die Hermannshütte , die 1841 im östlichem Teil von Hörde auf dem Gelände der im 12. Jahrhundert erbauten Hörder Burg durch Hermann Diedrich Piepenstock gegründet wurde und zuletzt eine Fläche etwa zwischen der Burg als Verwaltungssitz, der Hermannstraße, der Straße Am Remberg sowie der neugebauten B236n einnahm. Dortmund war als Stahlstandort geradezu prädestiniert durch die verkehrsgünstige Lage am Kreuzungspunkt von Hellweg und Hansalinie sowie durch die Nähe zur Steinkohle und zum Eisenerz. Zehn Jahre später entstand westlich von Hörde das Hochofenwerk zwischen der heutigen Bahnstrecke und der Nortkirchenstraße. 1852 gingen beide Anlagen in die »Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein KG« über – der ersten Aktiengesellschaft der Eisenindustrie im Revier. Zugleich bildeten beide Anlagen eines der ersten gemischten Werke mit Hochofenwerk, Puddel- und Walzwerk sowie Kohleneisensteinwerk. Mit der Fusion mit der »Phoenix AG« im Jahre 1906 wurden die Anlagen fortan bekannt unter dem Namen »Phoenix West« und »Phoenix -Ost« und gehörten zu dieser Zeit zum viertgrößten Industrieunternehmen im Deutschen Reich. Im Jahre 1926 erfolgte der Zusammenschluss zur »Vereinigte Stahlwerke AG« – ab 1933 als »Dortmund-Hörder-Hüttenverein AG« unter diesem Mantel. Nach der Auflösung der Vereinigten Stahlwerke AG nach dem zweiten Weltkrieg gelangte das Werk Hörde 1945 in die »Hüttenwerk Hörde AG«, ab 1951 »Dortmund-Hörder Hüttenunion AG« (DHHU), die wiederum 1966 nach längerer intensiver Zusammenarbeit mit der »Hoesch AG« fusionierte. Damit existierten auf Dortmunder Terrain vier "Hoesch-Standorte": die »Westfalenhütte« in Borsigplatznähe, das Werk »Union« in Dorstfeld und die beiden Phoenixwerke in Hörde.

Im Werk Phoenix West wurde das Roheisen in Hochöfen hergestellt und in Phoenix Ost zum hochwertigen Werkstoff Stahl weiterverarbeitet und unter anderem zu Brammen vergossen. Beide Anlagen waren durch die sogenannte »Eliasbahn« miteinander verbunden. Der »Feurige Elias« transportierte flüssiges und glühendes Roheisen von West nach Ost mitten durch den Ort – daher auch der Name. Die Bahntrasse lag teilweise feuergeschützt in einem Trog aus Beton oder Stahl. Besonders markant war über Jahrzehnte die »Hörder Fackel«, ein Schornstein des Stahlwerks Phoenix Ost, der dazu diente, überschüssiges Konvertergas kontrolliert abzubrennen. Tatsächlich machte dieser Schornstein seinem Namen alle Ehre und wirkte gerade nachts nach eigener Erfahrung wie eine große, unheimliche Fackel. Bis zu seiner Sprengung im Jahre 2004.

Nach 1966 war 1991 das nächste prägende Datum in der Geschichte von Phoenix-West. In diesem Jahr wurde der Hoesch-Konzern von Thyssen-Krupp übernommen. Dieser baute für die Zukunft auf seine infrastrukturell besser erschlossenen Stahl- und Hüttenwerke in Duisburg – der bis dato sehr produktive Standort Dortmund wurde daher aufgegeben. 1998 schloss zunächst das Hochofenwerk, das Stahlwerk Phoenix-Ost folgte erst 2001. Teile der Anlagen von Phoenix Ost wurden von chinesischen Arbeitern demontiert und in Fernost wieder aufgebaut. Zurück blieben – neben einem wohl vergessenen Wok (ein entsprechendes Foto und die Original-Chinapfanne befanden sich einige Zeit im Hoesch-Museum) – um die Jahrtausendwende folglich zwei riesige Brachflächen, die von der Stadt Dortmund mit unterschiedlichen Konzepten zukünftig genutzt werden. Phoenix West als kombiniertes Park-, Freizeit-, Gewerbe- und Ausstellungsgebiet, das →im entsprechenden Artikel näher betrachtet wird. Von Phoenix Ost ist hingegen das wenigste erhalten – es wurde geflutet.

Der Phoenix-See

Nur noch in Fotografien und in alten Karten lässt sich virtuell oder gedanklich durch die Hallen und vorbei an den Anlagen auf dem riesigen Gelände der Hermannshütte alias Phoenix Ost schlendern. Wo früher schweißtreibend gearbeitet und Qualitätsstahl hergestellt wurde, bekommt man heute nämlich nasse Füße, denn aus dem einst sehr zugebauten Werksgelände wurde ein See.

Im Jahre 2001 endete die letzte Schicht im Hochofenwerk Phoenix Ost. Wie erwähnt wurden einige Maschinen und Anlagenteile abgebaut und in China weiter genutzt, allerdings deutlich weniger als erwartet und erwünscht, weshalb große Teile wider Erwarten zeitaufwändig abgebaut und entsorgt werden mussten. Fünf Jahre später fanden die ersten Erdarbeiten für die Modellierung und den Aushub des späteren Seebodens statt. Die Emscher, die bis dato in einem unterirdischen Kanal (dessen östlicher Einlauf im Bereich der B236n-Brücke heute noch sichtbar ist) quer unter dem Gelände hindurchfloss, verläuft heute rings um den eigentlichen See in einem durch einen Deich abgetrennten naturnah gestalteten Bachbett. Gespeist wird das Stillgewässer vor allem durch Grundwasser und teilweise durch den Hörder Bach. Zum Verhindern einer Verlandung durch in Fließgewässern mitgeführte Sedimentfracht wird der See nicht durch die Emscher gespeist. Lediglich bei Hochwasserereignissen ist es möglich, Wasser der Emscher in den See umzuleiten und diesen als Reservespeicher zu gebrauchen, der See trägt damit auch zum Hochwasserschutz bei. Zur rascheren Auffüllung wurde zusätzlich Trinkwasser verwendet. Durch die Funde verborgener Hallenfundamente, die für die Flutung des Sees entfernt werden mussten, fiel mehr Bodenaushub an als zuvor geplant und auch der Anstau des Wassers verzögerte sich. Aus diesem Grunde entstand im östlichen Bereich neben der Bundesstraße auch ein zunächst ungeplantes und in den Vorentwürfen des Areals nicht eingezeichnetes hohes und pyramidenförmiges Landschaftsbauwerk, eine Halde mit Erdboden, die einen hervorragenden Aussichtspunkt über die gesamte Seefläche darstellt. Ebenfalls zu einer Planänderung führten die Fundamente einer alten Kapelle direkt an der Hörder Burg, die zunächst sorgfältig freigelegt wurden und heute Teil des Hörder Burgplatzes sind. Bedingt durch ihre Lage unterhalb des Grundwasserspiegels liegen sie heute in einer Art Wanne und sind vom Hörder Bach durch eine geschwungene Spundwand abgetrennt. Im Jahr 2009 wurde die Emscher in das neue Bachbett umgeleitet, 2010 begann mit der Aktion »Wasser marsch« die Flutung des Sees. Am Montag, den 9. Mai 2011 erfolgte die lang ersehnte Freigabe der Uferanlagen und der Wege für die Bevölkerung.

Der vollständig gestaltete Phoenix-See wird eine Ost-West-Länge von ca. 1,2 Kilometern und eine Nord-Süd-Erstreckung von maximal ca. 300 Metern haben. Die maximale Tiefe beträgt zirka 3 Meter. Der See besitzt einige Inseln am Rand und in der Mitte. An der bisher wenig beachteten und heute durch die Lage am See betonten Hörder Burg als ehemaliger Verwaltungssitz des Werkes ist ein Hafenbecken angelegt. Hier beginnt eine kurze Promenade mit Platanen. Rings um den See führen ein drei Kilometer langer Fahrrad- und ein Fußgängerweg, erkennbar jeweils am unterschiedlichen Belag. Derzeit sind noch einige Anlagen im Bau und insbesondere die Wohnhäuser am Ufer werden erst jetzt in Angriff genommen. Die maximale Bauzeit ist vertraglich für zwei Jahre festgeschrieben, um Spekulationen vorzubeugen und den Lärm und die Bauarbeiten in Hörde bis zum Jahr 2013 endgültig zu beenden. Dazu wird der Pegel des Sees seine endgültige Marke noch erreichen. Es ist anzumerken, dass trotz der guten Zugänglichkeit und Stege ein Baden im See nicht erlaubt sein wird. Selbst die Krimi-Reihe »Mord am Hellweg« widmet sich den Schadstoffen im Boden, die in einer Geschichte sogar nachts leuchtende Fische hervorrufen...

Phoenixsee vom Florianturm gesehen

Phoenix-See Stand August 2010 vom Florianturm gesehen

Folgende Bilder zeigen den Zustand des Phoenix-Sees und der Anlagen etwa eine Woche nach seiner Freigabe im Mai 2011. Noch wirken einige Hänge und Flächen sehr künstlich (und sauber), was sich allerdings in ein, zwei Jahren geändert haben sollte. Nach gewissem Pflanzenwachstum wird im Sommer 2012 ein erneuter Besuch Vorort anvisiert.

Hörder Burg am Phoenix-See

Phoenix-See an der Hörder Burg

Hörder Bach am Burgplatz

Hörder Bach mit künstlicher Natürlichkeit

Mauern einer Kapelle

Zufällig gefundene Mauern einer alten Kapelle an der Burg

Hafenpromenade in Hörde

Hafenpromenade in Hörde

Phoenix-See in Dortmund

Hörder Burg hinter einer Insel im See. Links: Thomaskonverter

Phoenixsee

Skulpturale Kunst am Seeufer. Hinten Hoesch-Gasometer

Panoramabild Phoenix-See in Dortmund-Hörde

Panoramablick über den Phoenix-See mit Insel, Hörder Burg und Florianturm (rechts)

Insel im Phoenixsee

Zweite Insel am Nordufer

Hörder Burgplatz

Südseite der Burg: "Auch kleine Wunden halte verbunden"

Steg

Steg am Ostufer

Steg im Phoenixsee

Steg mit Skulptur, hinten Vision des fertigen Sees

Landschaftsbauwerk

Landschaftsbauwerk an der B236: Phoenixsee-Halde

Emscher

Idyllisches Emscher-Bächlein – wer hätte das jemals gedacht?!

Hörder Burg

Die Hörder Burg von der Westseite bei sonnigem Wetter

Burg Hörde

Zu dem Zeitpunkt noch abgesperrter Hörder Burgplatz

Das Gelände um den See ist noch großflächig in Bebauung und Gestaltung. Nutzbar sind jedoch sämtliche Plätze, Stege und Promenaden am Hörder Ufer sowie der Rad- und Fußgängerweg um den See wie auch das Landschaftsbauwerk. Aktuell sind gastronomische und sanitäre Einrichtungen (einzige Möglichkeit derzeit in der Hörder Burg am Westufer) rar.

Anreise mit dem Auto: Auf der B1 als Verlängerung der A44 aus Richtung Kassel und der A40 aus Richtung Essen bis zum Kreuz mit der B236. Dort Richtung Schwerte und Schüren nach Süden abbiegen und der B236 bis zur nächsten Ausfahrt folgen. Dort rechts auf die Straße Am Remberg. Für den Parkplatz am Landschaftsbauwerk kurz darauf links in die Kohlensiepenstraße entlang des Seeufers. Der Parkplatz befindet sich dann HINTER der Halde. Für die Hörder Burg weiter fahren bis zur großen Kreuzung mit der Faßstraße (abknickende Vorfahrt von links), hier links Richtung Hörde Stadtmitte. Parken entweder in der ersten Straße rechts (Alfred-Trappen-Straße), an der Hörder Burg (Beschilderung links beachten) oder im Parkhaus.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Meinbergstraße in 44269 Dortmund (Parkpl. Halde) oder Faßstraße in 44263 Dortmund (Parkpl. Burg)

Koordinaten: 51°29'27.09"N, 7°30'15.51"E (Burg); 51°29'18.78"N, 7°31'31.01"E (Halde)
Die Koordinaten können per Copy&Paste in das Eingabefeld von GoogleEarth eingegeben werden. Der Ort wird dann virtuell direkt angeflogen.

Anreise mit dem ÖPNV: Von Dortmund Hbf mit dem RE 57, der RB 53, der RB 59 oder der U41; von Unna mit der RB 59 Richtung Dortmund; von Schwerte mit der RB 53 Richtung Dortmund – jeweils bis Hörde Bahnhof. Von dort in östlicher Richtung entlang der Hörder Bahnhofstraße oder durch die Fußgängerzone (an der »Schlanken Mathilde« immer geradeaus) zum Seeufer, das sich etwas hinter dem Gebäudekomplex an der Faßstraße versteckt.

Achtung: Derzeitig bilden nahezu keine Karten oder Luftbilder das Gelände im aktuellen Zustand ab! Vorort ist vorerst eigenständige Orientierung notwendig.

Quellen und weiterführende Informationen:

Fakten zur Historie und zu den Flächenausmaßen basieren auf Informationstexten und -Broschüren des Hoesch-Museums und der Kokerei Hansa in Dortmund. Für die Texte wurden darüberhinaus vor allem Experteninterviews und fachbezogene Projektseiten im Internet verwendet. Auf Online-Lexika wurde verzichtet. Für die Beschreibung des Sees wurden eigene Eindrücke von einem Besuch nach der Zugänglichkeit-machung mit einer Führung verwendet. Folgende Literatur diente außerdem als Grundlage:

Keuthen, P.: Hoesch in Dortmund. Mehr als nur ein Name für Stahl. Dortmund 2004

Dortmunder Eisenbahn GmbH: 100 Jahre Dortmunder Eisenbahn. Dortmund 1999

Phoenix Dortmund www.phoenixdortmund.de
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Angaben zur Anreise mit dem ÖPNV sowie Straßennamen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de • Stand: 02 / 2012