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Der Alte-Haase-Weg in Sprockhövel (Nord und Süd)

Vom Bergbauwanderweg, Malakowturm und einer aufgescheuchten Tarantel

Eine stramme Wanderung in wunderschöner Berg- und Tallandschaft der Elfringhauser Schweiz mit Relikten früher Kohleförderung in der Wiege des Ruhrbergbaus kombiniert der in zwei Varianten verlaufende Alte-Haase-Weg. Er führt auf die Spur der Kohle in Sprockhövel und dabei vor allem auf die der Zeche Alte Haase. So lassen sich sowohl Relikte des frühen Bergbaus wie Pingen aus dem 17. Jahrhundert und kleine Halden ebenso besichtigen wie der burgähnliche Malakowturm an einem Landschaftspark mit zahlreichen museal aufgestellten Werkzeugen und Maschinen aus dem Bergbau.

Der nördliche Weg ist etwa 6,7 km lang mit einer größeren Option eines Abstechers, der südliche etwa 10 km. Beide treffen am Bahnhof von Sprockhövel aufeinander und lassen sich zu einer etwa 14 km langen Gesamtrunde kombinieren. In der nachfolgenden Karte sind beide Wege und die wesentlichen Straßennamen zur Orientierung bei der Anreise abgebildet.

Übersichtskarte Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Der Nord- und der Süd-Wanderweg verlaufen vor allem auf Wald- und Feldwegen, selten auf immerhin ruhigen Nebenstraßen und für kurze Abschnitte auf dem Bahntrassenradweg von Wuppertal nach Hattingen. Bis auf den Radweg sind sämtliche Wegeabschnitte sehr wenig besucht. Prinzipiell sind beide Wege mit Piktogrammen als Wegkennzeichen markiert. Der Alte-Haase-Weg Nord wird durch einen stilisierten Malakowturm (rote, weiße oder schwarze Varianten) symbolisiert, der Alte-Haase-Weg Süd durch einen moderneren Förderturm, der entfernt an einen etwas krakeligen Großbuchstaben R erinnert. Auf die Beschilderung ist jedoch kein Verlass. Insbesondere an Kreuzungen oder an zweifelhaften Stellen ist man eher verlassen. Dies führte an einer Stelle (aufgrund eines fehlenden Schildes an einem Abzweig) bei der eigenen Begehung sogar dazu, plötzlich und ungewollt Privatgrund betreten und die Eigentümerin beim Sonnenbaden überrascht zu haben. Um dies zu vermeiden, seien Ihnen eine Karte oder ein GPS-Track sehr ans Herz gelegt.

Für Radfahrer ist die Tour nur bedingt zu empfehlen, da es einige Abschnitte in Wäldern gibt, die eher eine Mountainbike-Ausrüstung erfordern. Als Wanderer hat man darüber hinaus mehr Zeit, verdeckte Piktogramme zu suchen und zu finden oder sich beim Gehen auf die Karte zu konzentrieren. Es gibt auf den Webseiten des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) Sprockhövel Begleittexte und Videofilme. Insbesondere die Texte dienen während der Tour der Erläuterung der Orte, die nicht überall ausführlich auf Informationstafeln beschrieben sind. Zum Zeitpunkt der Begehung lag eine schriftliche Beschreibung nur für den Nordweg vor. Achtung: Vor einigen Jahren gab es eine konzeptionelle Umlegung des Weges. Nicht alle im Internet erhältlichen Tracks passen zu dieser Tourbeschreibung.

Anreise zum Ausgangspunkt des Alte-Haase-Wegs:

Anreise mit dem Auto: Auf der A43 bis zur Ausfahrt 22 Sprockhövel. Aus Richtung Bochum / A40 links, aus Richtung Wuppertal / A1 rechts abbiegen auf die Querspange Richtung Sprockhövel. Nach 2,5 km an der Ampel links abbiegen auf die Bochumer Straße. Nach 200 m an der Ampel rechts abbiegen in die Mühlenstraße. Nach kurzer Strecke liegt links ein erster Parkplatz. Alternativ an der Kirche rechts in die Hauptstraße und auf der im weiteren Verlauf bezeichneten Hattinger Straße am Rand parken. Wer den Süd-Wanderweg laufen möchte, kann auf der Hauptstraße (an der Kirche links weiter) etwa 600 m weiterfahren und rechts in der Bahnhofstraße parken.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Mühlenstraße oder Hattinger Straße sowie Bahnhofstraße in Sprockhövel

Anreise mit Bus und Bahn: Sprockhövel hat keinen Bahnhof mehr. Zentraler Ausgangspunkt ist die Bushaltestelle Niedersprockhövel Kirche. Hier beginnt die Tourenbeschreibung. Diese Haltestelle wird von zahlreichen Buslinien aus Richtung Hattingen S-Bahnhof, Wuppertal-Barmen, Bochum Hauptbahnhof, Ruhr-Universität Bochum u.a. angefahren.

Anreise mit dem Fahrrad: In Hattingen besteht vom RuhrtalRadweg aus ein Anschluss an den Bahntrassenradweg auf der alten Eisenbahn von Hattingen nach Wichlinghausen. Hier verlaufen die Touren Von Ruhr zu Ruhr und die Deutsche Fußballroute NRW. Kurz vor Sprockhövel besteht Anschluss zur Zeche Alte Haase.

Da für mich eine Anreise nicht lohnt, um ein paar Kilometer auf dem Nordabschnitt oder Südabschnitt zu laufen, habe ich mich für eine Gesamtrunde entschieden und kombiniere einfach beide Wege zu einem großen Rundweg. Am Schnittpunkt der Touren werde ich einfach auf die zweite Tour wechseln und schließlich wieder am Ausgangspunkt der Nordtour ankommen.

 

Teil 1 – Der hohe Norden (Alte-Haase-Weg Nord)

An der Kirche von Niedersprockhövel geht es los. Offiziell beginnt der nördliche Weg am Busbahnhof direkt nebenan. Die evangelische Kirche aus dem 18. Jahrhundert hat einen sehr schönen und weithin sichtbaren Zwiebelturm. Auf der Hauptstraße nach Norden biegen wir rechts in den Fritz-Lehmhaus-Weg ab. Hier haben wir die Gelegenheit, uns mit dem Symbol des Malakowturms schon einmal vertraut zu machen. Am Ende biegen wir links ab und folgen dem Sprockhöveler Bach, bis wir im Park am Malakowturm ankommen, der ersten Sehenswürdigkeit am Weg.

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Am Sprockhöveler Bach unterhalb der Zeche Alte Haase, unserer nächsten Station, befindet sich ein Regenrückhaltebecken. Es liegt an der Stelle einer ehemaligen Kläranlage aus der Zechenzeit. Rings um dieses Becken ist mit dem im Jahre 2000 errichteten Park am Malakowturm auch Malakowpark genannt, eine öffentliche Grünanlage entstanden. Ihre Besonderheit sind die zahlreichen Exponate aus dem Bergbau, die Besucher hier besichtigen, anfassen und auch fotografieren können. Rings um das Regenrückhaltebecken führt ein Rundweg durch diesen Park und an diesen ungewöhnlichen Skulpturen vorbei. Auf einem kurzen Spaziergang entdeckt man dabei Werkzeuge, Hilfsmittel oder Maschinen aus dem Industriezweig, der die Stadt Sprockhövel einst so prägte.

Als Beispiel seien nur einzelne Ausstellungsstücke vorgestellt, um nicht die Lust vor einem eigenen Besuch zu nehmen: Direkt am Eingang an der Hattinger Straße blickt man auf einen Dampfhammer aus dem Jahre 1908. Direkt daneben befindet sich ein Lüfterrad. Dieses diente zur Belüftung der Grubenanlagen unter Tage. Es stammt aus dem Jahre 1920 und ist doppelaxial ausgeführt. Es folgen ein äußerst flacher und wendiger Senklader zum Verschieben des abgebrochenen Gesteins im Stollen, eine Lore zum Transport der Kohle und ein Teufkübel. Über diesen wurde Abraum beim Teufen des Schachtes transportiert. Das Gruben-Fahrrad fährt auf Schienen und ermöglichte eine zügige Bewegung im ausgedehnten Bergwerk. Es folgen Haspel, Pumpen und einige Gießpfannen. Die meisten der Ausstellungsstücke werden auf Informationstafeln näher erläutert.

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

Willkommen im Park am Malakowturm: Doppelaxiales Lüfterrad

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

Seilscheiben (hinten) und Brikett-Presse

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

Hochdruckpumpe (ganz rechts, orangefarbener Kasten) und verschiedene Gießpfannen

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

Detailaufnahme der Brikett-Presse. Quetschgefahr – Früher

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

Grubenfahrrad für die Fortbewegung unter Tage

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

Detailaufnahme der Zahnräder

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

Zahnrad an einer der Gießpfannen

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

 

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

 

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

Moos im Überlauf einer Gießpfanne

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

Teufkübel

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

Senklader

Park am Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

Mit Moosen bewachsene Stahlseile

Der Park Am Malakowturm ist ständig frei zugänglich. Die Zeche selbst ist nicht zu besichtigen.

Anreise zum Park am Malakowturm:

Anreise mit dem Auto: Auf der A43 bis zur Ausfahrt 22 Sprockhövel. Aus Richtung Bochum links, aus Richtung Wuppertal rechts abbiegen auf die Querspange Richtung Sprockhövel. Nach 2,5 Kilometern geht die Straße an der Ampel geradeaus in die South-Kirkby-Straße über. Nach einem weiteren Kilometer links abbiegen in die Hattinger Straße und dieser etwa bis zum sichtbaren Malakowturm folgen. Der Eingang des Parks befindet sich wenige hundert Meter westlich des Turms auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Hattinger Straße 37-39 in Sprockhövel

Anreise mit Bus und Bahn: Zunächst von Essen Hbf. mit der S3 bis Hattingen Mitte / S (Endstation). Dort umsteigen in den Bus der Linie 558 Richtung Niedersprockhövel bis Hattinger Straße (eine Haltestelle davor zum Bereitmachen: Gedulderweg). Zu Fuß ein Stück zurück gegen die Fahrtrichtung und rechts in den Park.

Anreise mit dem Fahrrad: In Hattingen besteht vom RuhrtalRadweg aus ein Anschluss an den Bahntrassenradweg auf der alten Eisenbahn von Hattingen nach Wichlinghausen. Hier verlaufen die Touren Von Ruhr zu Ruhr und die Deutsche Fußballroute NRW. Kurz vor Sprockhövel besteht Anschluss zur Zeche Alte Haase.

Es besteht die Möglichkeit zu einem Abstecher (ca. 2 km mit Hin- und Rückweg) zum Edeltraud-Erbstollen. Dazu auf der Hattinger Straße rechts, links auf die Bredenscheider Straße und nach ein paar Hundert Metern rechts in den Waldweg (der heißt so). Anschließend wieder zurückkehren zum Zugang zum Park am Malakowturm.

Auf der Hattinger Straße wenden wir uns, wenn wir den Park einmal durchquert haben, nach links. Bis ins 17. Jahrhundert reichen die Vorläufer der Zeche Alte Haase in Sprockhövel, die zu den ältesten ihrer Art im Ruhrgebiet gehört. Die Anfänge des Bergbaus im Ruhrgebiet lagen hier im Süden. Das liegt daran, dass die Kohle an dieser Stelle sehr nah an der Oberfläche liegt. Die Ursache dafür ist ein Absinken des nördlichen Gebiets vor Millionen Jahren. Richtung Norden befinden sich die Schichten mit Kohle sehr viel tiefer unter der Erdoberfläche. Dort mussten Zechen daher einen größeren Aufwand betreiben und tiefe Schächte bauen, um an die begehrte Kohle zu gelangen. Hier bei Sprockhövel konnte zunächst in gegrabenen Löchern im Boden (sogenannte „Pingen“) direkt Kohle gewonnen werden – im weiteren Wegeverlauf werden wir noch auf mehrere dieser stoßen. Im Jahre 1883 wurde aus der Stollenzeche eine Tiefbauzeche, als der Schacht Julie geteuft wurde. Dieser zentrale senkrechte „Aufzugsschacht“ für Mensch und Kohle bildete den Ausgangspunkt für davon abgehende Strecken auf verschiedenen Sohlen, also den einzelnen Etagen des Bergwerks unter der Erdoberfläche. Im Jahre 1969 legte man den Betrieb der Zeche still. Teile der Anlagen sind heute Denkmal oder werden anders genutzt, zum Beispiel für Büros oder zum Wohnen.

Besonders speziell ist der steinerne Malakowturm der Zeche Alte Haase. Er ist ein Wahrzeichen Sprockhövels und in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Er steht über eben diesem Schacht Julie (Schacht I) und wurde 1897 gebaut. Damit ist er der allerletzte in Deutschland überhaupt gebaute Turm dieser Bauart. Diese erinnert an eine Burg oder Festung und ist daher nach dem russischen Fort Malakow benannt. Von den alten und vor den stählernen Strebengerüsten vielfach gebauten Türmen haben im Ruhrgebiet nur wenige bis heute überlebt, weswegen dieser mit seiner vergleichsweise schlanken und ästhetischen Form umso wertvoller als Denkmal ist. Darüber hinaus ist er übrigens der einzige südlich der Ruhr. Von außen lässt er sich gut von der Straße betrachten, jedoch nicht besichtigen. Unmittelbar hinter der Zeche Alte Haase befand sich eine Alte Haalde. Pardon. Hier befand sich eine alte Halde mit dem Abraum aus der Förderung der Zeche. Von ihr ist heute nichts mehr offensichtlich zu erkennen.

Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

Malakowturm der Zeche Alte Haase

Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel

 

In der nachfolgenden Abbildung ist die historische Situation der Zeche Alte Haase I / II in den 1920er Jahren zu sehen. Fast mittig befindet sich schräg oberhalb des Z der Beschriftung "Zeche Alte Haase" der Malakowturm. Südlich davon schließt sich der Verladebahnhof an. Im Bogen der Gleisanlagen befindet sich die große Bergehalde. Die Grafik ist interaktiv. Um zwischen der historischen Schwarz-Weiß-Ansicht und einem aktuellen Luftbild mit demselben Bildausschnitt aus der Jetzt-Zeit hin und her zu wechseln, müssen Sie auf die Abbildung klicken oder mit dem Finger tippen. Das können Sie immer wieder tun, um zu sehen, wie einzelne Gebäude oder Anlagen in der Zwischenzeit verschwunden sind oder neu hinzugekommen. Die im oben gezeigten Luftbild aus den 1920er Jahren und heute markierte Haldenfläche hat ein Ausmaß von etwa 2 ha.

 Historische Ansichten der Zeche Alte Haase

Wir passieren den Malakowturm und biegen rechts ab in die Straße Alte Haase. Nach ein paar hundert Metern stoßen wir auf einen kleinen Rastplatz mit einer Informationstafel zu einem weiteren Schacht. Hier biegt der Weg links ab und teilt sich nochmals in zwei Richtungen auf. Wir folgen dem Weg links. Rechts der Pfad ist eine Abkürzung über die Eisenbahnbrücke, die aber vor allem von unten interessant zu betrachten ist. Für Radfahrer bietet sich jedoch der rechte Weg an, ist dieser dann später schon auf dem Niveau, den alle anderen Wanderer aus dem Taleinschnitt der Eisenbahn wieder hinaufgehen müssen.

Bald stoßen wir auf den Radweg auf der alten Bahntrasse von Wuppertal-Wichlinghausen nach Hattingen. Sie wurde 1884 eröffnet und war wesentlicher Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung der ganzen Region. Sie diente dem Personen- und vor allem dem Güterverkehr. Sogar Eilzüge fuhren hier früher entlang. Ende der 1970er Jahre, wenige Zeit nach Schließung der Zeche Alte Haase, wurde zunächst der Personenverkehr, 1984 auch der Güterverkehr eingestellt und die Strecke stillgelegt. Sie ist heute ein gut ausgebauter und beliebter Bahntrassenradweg. Wir werden später noch einmal auf sie treffen und müssen, rechts abbiegend, ein Stück auf diesem laufen.

Rechts ist die Aufmerksamkeit einem Flözaufschluss am rechten Böschungshang zuzuweisen. Hier sind die schwarzen Kohleschichten im Horizontprofil sichtbar. Hier blicken wir bereits auf die Brücke. Hoch oben zwischen den Bäumen verläuft der sanfte Bogen der Riepelsiepenbrücke. Heute steht sie unter Denkmalschutz.

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Riepelsiepenbrücke über der Bahntrasse

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Vor der Brücke rechts im Hang: Flözaufschluss

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Auf der Eisenbahnbrücke

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Direkt dahinter: Netter Ausblick auf Niedersprockhövel

Hinter der Brücke gehen wir links in den Wald. Wer die Brücke noch einmal überqueren möchte, muss einfach scharf links und wird dahinter mit einer Aussicht über Niedersprockhövel belohnt. Dann aber bitte sofort wieder zurück und den Weg fortsetzen. Nach dieser kurzen Passage durch den Wald erreichen wir die Straße Hölteregge. Links kann man ein Stück zu einer alten Bergehalde weiterlaufen, vor der sogar eine Informationstafel steht. Wir müssen aber rechts, sofort wieder links in den Weg und tauchen links abzweigend wieder in den Wald ein. Dabei tauchen wir auch ab in die ältere Geschichte der Zeche Alte Haase – je weiter wir gehen, umso tiefer.

In der Beschreibung der Zeche Alte Haase habe ich bereits die Pingen erwähnt. Diese Pingen sind an vielen Orten im südlichen Ruhrgebiet noch heute anhand ihrer runden Senken in Form eines Trichters zu erkennen. Später ging man zum Stollenbergbau über. Dabei wurden waagerechte Tunnel gegraben, um an die Flöze in der Tiefe zu gelangen, die die Kohle enthielten. In Etwa so wie Hasen, die ihre Baue in den Untergrund graben. Nach dem Tier ist die Zeche übrigens vermutlich tatsächlich benannt. Ein ganzer Pingenzug aus dieser frühen Zeit der Kohleförderung begleitet uns rechts und links des Weges entlang des bewaldeten Höhenzuges Hölter Egge. Unmittelbar am Pfad lassen sich mehr oder weniger tiefe Kuhlen besichtigen, die zwar theoretisch auch von in Stürmen umgefallenen Bäumen und ausgerissenen Wurzelballen stammen könnten, tatsächlich aber (in den meisten Fällen) sehr viel älter sind und wertvolle Hinweise auf die frühe Kohleförderung geben. Die ersten Pingen befanden sich in der größten Entfernung der heutigen Zeche. Das heißt, dass die Pingen rechts und links vom Weg immer älter sind. Die ältesten sind sogar mit einem Schild gekennzeichnet. Hier hört der Pingenzug erst einmal und plötzlich auf.

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Bergehalde an der Straße Hölteregge

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Schattiger Weg durch den Wald

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Hier kommen wir von der Riepelsiepenbrücke an: auf der Straße Hölteregge erst links zur Halde, dann in den Waldweg (s. Markierung)

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Berg- und Talaussichten in der Elfringhauser Schweiz

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Weg durch Wiesen am Hang entlang

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Deutlich sichtbare Geländemulden rechts und links vom Weg sind (meistens) alte Pingen des frühen Bergbaus

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

 

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

 

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Letzte Wegetappe bergab nach Sprockhövel. In der Siedlung stoßen wir auf den Alte-Haase-Weg Süd und folgen diesem weiter.

Die Tour beschreibt nun eine Schleife, die im Uhrzeigersinn erwandert wird. Wald- und Wiesenwege formen diese „Extrarunde“ auf Spuren der Zeche Hoffnungstal, auf der man höllisch auf die Beschilderung achten muss. Ein kurzes Stück wird der bereits gelaufene Weg in Gegenrichtung genutzt, dann allerdings müssen wir scharf links auf die Höhen der Hölter Egge abbiegen. Es ist ein schöner Wald und eine große Wiese, die wir durchqueren – aber die sichtbaren Relikte halten sich in Grenzen. Einen in der Beschreibung vermerkten Abzweig habe ich übersehen oder er war zugewachsen. Markiert sowieso nicht. Der Weg verlässt, wenn man die Laufrichtung der Extrarunde durchblickt und den Abzweig hinaus gefunden hat, den Wald. Hier haben wir eine gute Aussicht auf die Siedlung vor uns. Als Feldweg geht es ins Tal zur Brinkerstraße. Über diese Straße wird die Wuppertaler Straße erreicht, die talabwärts zum Ausgangspunkt des Nordweges führen würde.

 

Teil 2 – Ab in den Süden (Alte-Haase-Weg Süd)

Die Südrunde beginnt eigentlich am Bahnhof. Züge halten hier nicht mehr, aber mit einem kräftigen Zug kann ein Radfahrer seine Apfelschorle austrinken – eine Gaststätte ist hier heute zu finden. Auf der Brinkerstraße biegen wir von der Nordrunde kommend an der Schulstraße nach rechts ab, um nach einem kurzen Marsch durch die Siedlung rechts abzubiegen in die Straße Im Westenfelde (dritte Straße rechts). Die Südroute biegt bald links ab. Ich bin an dieser Stelle mangels Schildes (und ohne Kontrolle auf der Karte) weitergelaufen und wurde mit guten Aussichten belohnt. Alle Wege gelangen allerdings irgendwann zurück auf den Bergbauwanderweg. Der Weg führt hinterm Wald durch eine Wiese und mit einem kleinen Steg über eine feuchte Stelle des Plaasbachs. Dahinter geht es rechts und bald links auf die Straße Am Vogelbruch. Dabei wird eine Hofansiedlung durchquert. Der Weg steigt stetig an und verspricht weiter oben wieder die ein oder andere gute Aussicht. Rechts in der Wiese am Waldrand liegt einer in der Sonne und liest ein Buch. Zur Romantik fehlt nur noch der Grashalm im Mund.

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Auf der Suche nach der Beschilderung: Alte-Haase-Weg Süd

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Angst vor Zecken? Es geht durch das hohe Gras in die Niederung

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Unten überqueren wir einen kleinen Bach

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Hier entdecken wir auch eine Wegmarkierung

Hier im Wald befand sich die Kleinzeche Lange, auf die jedoch nur noch ein kleines Schild im Dickicht hinweist. Wir verlassen das Waldstück und folgen dem Feldweg, der in einen Hohlweg übergeht, wieder talabwärts. Der Weg endet am Hibbelweg und führt – natürlich – mal wieder bergauf. Bald schon zweigt rechts ein kleiner Weg ab, den wir weiter bergauf bis zur Wuppertaler Straße nutzen.

Wir laufen am Rand rechts Richtung Bossel und sind nicht entfernt weg von einem weiteren Bergbauwanderweg auf der Spur der Kohle, dem Montanweg (Nord). Bevor wir diesen am alten Bahnhof Bossel erreichen und von unserer Tour „überlaufen“, biegen wir an der Bushaltestelle "Im Brahm" links in die Straße Am alten Knapp. An einem Spielplatz halten wir uns rechts und folgen dem Alten Kohlenweg entlang der Siedlung. Der Name spricht für sich. Im Wäldchen hinter der Siedlung, nach der ersten scharfen Linkskurve, liegt rechts ein Abzweig zur Zeche Molly II. Dies ist eine Kleinzeche, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren förderte. Hier konnte ich jedoch nur ein paar Meter bis zu einer Lichtung mit Jagdsitz vorstoßen, bis das Gestrüpp übermächtig wurde. Von Gebäuderesten oder ähnlichem habe ich nichts gesehen. Zurück auf dem Kohlenweg. Scharfe Kurve rechts. Scharfe Kurve links.

In der Rechtskurve im Feld steht eine Infotafel. Hier führt ein weiterer, versteckt oder nicht gekennzeichneter Abstecher in das Gebiet der Zeche Frosch. Diesmal gegen den Uhrzeigersinn erkunden wir das Waldgebiet, das von Schachtpingen nur so gespickt ist. Viele Spuren des Bergbaus lassen sich hier entdecken, obwohl dieser bereits um 1830 in diesem Waldgebiet beendet wurde. Nach Erkundung des Gebietes fahren wir noch ein Stück auf dem Alten Kohlenweg fort, biegen jedoch bald in die Hombergstraße ab. Es geht nur noch einmal bergauf und dann bis zum Ende der Tour fast nur noch abwärts.

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Langsam bergauf führt der Weg zur Zeche Lange (Blick zurück)

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Schachtpinge im Wald: Zeche Frosch

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Idyllische Weglage: Durch Felder geht´s nun abwärts ins Tal nach Sprockhövel zurück

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Pingenfeld der Zeche Frosch

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Kleine Erläuterung an einem ehemaligen Schacht-Standort

Wir halten uns zweimal rechts und erreichen talabwärts laufend das Gelände der Zeche Sprockhövel. Diese ging 1899 in die Kohleförderung und wurde bereits 1905 aufgrund von Unrentabilität und wiederkehrenden Problemen mit Wassereinbrüchen wieder stillegelegt. Sie liegt im Fördergebiet der Zeche Frosch, deren Reste wir im Wald zuvor erkundet haben.

Auch hier lässt sich in alten Luftbildern eine Bergehalde ausmachen, die etwa 1 ha Fläche einnahm. Heute ist nichts mehr von ihr zu erkennen. In der folgenden Grafik ist die Szene des Bergwerks und der heutigen Situation abgebildet. Im historischen Luftbild ist die Zeche allerdings auch schon längst stillgelegt und dürfte weitgehend abgerissen sein. Mit Mausklick auf die Abbildung lässt sich zwischen den beiden Zuständen hin und her schalten. Im historischen Luftbild scheint übrigens gerade ein Zug auf der Bahntrasse an der Zeche unterwegs zu sein!

 Historische Ansichten der Zeche Alte Haase

Vorbei an den Gewerbebetrieben auf dem alten Zechengelände geht es immer weiter talabwärts, bis wir erneut auf die alte Eisenbahn von Wuppertal-Wichlinghausen nach Hattingen stoßen, auf der der Bahntrassenradweg heute verläuft. Wir biegen links ab und reihen uns ein in die Radfahrer auf der Trasse. Nach einer langgezogenen Rechtskurve kommen wir an der Wuppertaler Straße an. Neben Einkaufsmöglichkeiten findet man hier vor allem die Heimatstube (Öffnungszeiten beachten, z.Zt. Mi 16.00-18.00 Uhr, Fr 16.00-19.00 Uhr und So 11.00-12.30 Uhr – außer an Feiertagen. Siehe Internetseite des Heimat- und Geschichtsvereins Sprockhövel) und – in die Bahnhofstraße abbiegend – den alten Bahnhof von Sprockhövel, dem offiziellen Ausgangspunkt der Südtour. Auf der Hauptstraße biegen wir rechts ab, um dieser – immer noch bergab verlaufend – bis zur schon von weitem sichtbaren Kirche mit dem Zwiebelturm zu kommen. Unserem Ausgangspunkt und Start der Nordtour. Auf dem Weg dorthin laden zahlreiche Eisdielen und Cafés zu einer Belohnung der langen Wanderung ein. Für warme Sommertage bietet sich eventuell das Freibad an, das nicht weit von der Kirche entfernt liegt. Wie wäre es nun mit einer kalten Dusche oder ein paar Bahnen im frischen Nass, um die müden Muskeln wieder zum Leben zu erwecken?

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Radweg auf alter Bahntrasse kurz vorm Bahnhof Sprockhövel

Alte-Haase-Weg in Sprockhövel

Rückkehr am Ausgangspunkt des Nord-Weges


Geographische Koordinaten:
51°22'20.55"N, 7°14'40.29"E – Malakowturm Alte Haase
51°22'22.28"N, 7°14'37.17"E – Zugang Park am Malakowturm
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
377811 m, 5692698 m – Malakowturm Alte Haase

377752 m, 5692753 m – Zugang Park am Malakowturm

Quellen und weitere Informationen:

Wegebeschreibung und GPS-Track: www.berg-mark-wege.de
Zeche Alte Haase: www.zechealtehaase.de
Alte-Haase-Weg und Heimatstube (Geschichtsver.):
www.hgv-sprockhoevel.de
Beschreibung der Exponate im Park:

www.hgv-sprockhoevel.de

Industriekultur im Ruhrgebiet

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Halden Ausflugsziele Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 11 / 2018
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