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Spur der Kohle: Der Deutschlandweg in Sprockhövel

Auf den ersten Blick ist sein Name etwas verwunderlich. Warum gibt es im ländlichen Raum des südlichen Ruhrgebiets einen Deutschlandweg? Dazu einen, der nicht hunderte von Kilometern lang ist und von Nordsee, Ostsee, Allgäu bis Schwarzwald die Besonderheiten unserer Republik erschließt? Doch die Lösung ist einfach und der Weg nicht nur für Patrioten, sondern auch für Freunde ehemaliger Zechen und der Industriekultur geeignet. Mindestens jedoch für die, die gerne in der Natur einen Spaziergang machen und das ein oder andere dabei lernen möchten.

Benannt ist der Rundweg bei Haßlinghausen, einem Stadtteil von Sprockhövel, nach dem größten Bergwerk des Ortes, der Zeche Deutschland. Diese entstand zum Ende des 19. Jahrhunderts aus einem fast unüberblickbaren Wust von bereits zusammengelegten und stillgelegten älteren Zechen, die allesamt mit ihren Wurzeln zu den ersten Bergwerken im Ruhrgebiet zählen. Dies begründet sich durch die oberflächennahe Lage der Kohle, die anfangs durch geringes Abgraben knapp unter der Erdoberfläche gefördert werden konnte.

Über etwa 8 Kilometer verläuft der Deutschlandweg in der Form einer gequetschten Acht und erschließt einige bergbaugeschichtliche Stationen. Das sind Relikte in Form von sogenannten Schachtpingen, Eisenbahnstrecken und Pferdebahnen und wenigen heute noch erhaltenen historischen Gebäuden. Die folgende Übersichtskarte zeigt den Routenverlauf.

Wem die Strecke zu kurz ist oder wer mehr bergbauhistorische Stationen sehen möchte, kann die Tour sehr einfach mit dem benachbarten 6 Kilometer langen Montanweg Nord zu einer ca. 15 Kilometer langen Runde (incl. Verbindungsweg) kombinieren. Ich habe es auch so gemacht, stelle die Touren aber der Übersichtlichkeit trotzdem in eigenen Beiträgen dar.

Karte Deutschlandweg in Sprockhövel

Beschilderung, Wegebeschaffenheit und Anreise:
Der Wanderweg verläuft größtenteils auf sehr ruhigen Wegen. Das sind Waldpfade und Feldwege ebenso wie ruhige Nebenstraßen. Ein großer Teil der Strecke wird über einen gut ausgebauten Rad- und Wanderweg auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse bewältigt. Im Vergleich zu anderen Themenwegen dieser Art sind die Steigungen und Gefälle auf dem Tourenverlauf recht gering.

Beschildert ist der Weg durchgehend in einer Richtung durch das Piktogramm Schlägel und Eisen (wie eigentlich fast alle Themenwege dieser Art im Ruhrgebiet). Dies wiederholt sich auch auf Streckenabschnitten ohne Kreuzung. Ein wenig verwirrend könnte der Verlauf im „Gürtel“ der Acht sein, in dem Hin- und Rückweg auf selber Strecke aber eigentlich bis auf wenige Ausnahmen ganz brauchbar ausgeschildert sind. Lohnenswert ist jedoch mindestens eine Übersichtskarte oder der GPS-Track von der unten angegebenen Internetadresse.

Prinzipiell könnte man den Weg auch mit dem Fahrrad bewältigen, aber an einigen Stellen existieren Engpässe, die Schieben oder gar Tragen des Rades notwendig machen. Daher ist der Wanderweg definitiv für Wanderer besser geeignet. Wie der Name schon sagt.

Mangels Parkmöglichkeit wird nicht der Ausgangspunkt des Weges an der B 234 als Start der Tourbeschreibung gewählt, sondern die Brücke am Friedhof in der Nähe des Rathauses. Warum der Start der Tour dort liegt, wo er offiziell liegt, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Anreise zum Ausgangspunkt des Bergbauwanderwegs:

Anreise mit dem Auto: Auf der A1 bis zur Ausfahrt 90 Gevelsberg. Aus Richtung Dortmund rechts, aus Richtung Wuppertal links abbiegen auf die Eichholzstraße. Nach etwa 1,1 km an der Ampel rechts abbiegen auf die Straße Am Hagen. Nach 300 m an der nächsten Ampel sofort wieder links abbiegen auf die Schwelmer Straße. Dem Verlauf 3,4 km folgen bis Haßlinghausen. Am Ende der Straße links abbiegen Richtung Ortsmitte. Nach 900 m entweder am Rathaus oder am Friedhof (rechts abbiegen auf die Friedhofstraße) parken. Zu Fuß in die Friedhofstraße bzw. vom Parkplatz dort zur Brücke über den Radweg und diesem in östlicher Richtung folgen.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Friedhofstraße in Sprockhövel

Anreise mit Bus und Bahn: Mit dem Nahverkehr ist der Ausgangspunkt in Haßlinghausen nur durch Busse zu erreichen, z.B. SB 37 von Bochum Hbf., Linie 551 von Ennepetal oder 557 von Schwelm.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Die Tour Von Ruhr zu Ruhr verläuft über den Bahntrassenradweg direkt am Ausgangspunkt vorbei.

Los geht´s – Auf dem Deutschlandweg in Haßlinghausen:

Wir beginnen unsere Wanderung am Friedhof. Das liegt daran, dass man hier gut und kostenlos parken kann, nicht aber dort, wo sich Station 1 des Weges befindet. Wir können direkt an der Brücke den Zugang zum Radweg unten im Einschnitt unter der Brücke nutzen und stehen auf der ehemaligen Bahnstrecke von Schee nach Silschede. Sie war 9 Kilometer lang und diente insbesondere dem Kohletransport auch von der Zeche Deutschland. Heute ist es ein Bahntrassen-Radweg. Steigungsarm, breit ausgebaut und mit nur sanften Kurven führt er durch die hügelige Landschaft. Er besitzt stellenweise scharfe Böschungen, Einschnitte durch den Berg und einige Brückenbauwerke. An mehreren Orten erinnert etwas an die alte Eisenbahnnutzung, sei es eine Denkmallokomotive, kreative Gestaltung eines Biergartens oder auch die im typischen Muster zweier paralleler Schienen gepflasterter „Bahnübergänge“ immer wieder auf dem Wegeverlauf. Wir folgen dem Weg in östlicher Richtung, also vom Zugang am Friedhof geradeaus bzw. links. Wald, Weide und Wiesenlandschaft wechselt sich ab mit Ausläufern der Siedlung. Linkerhand sind Signale und Bahnübergangs-Ampeln in einer Wiese zu sehen. Die stehen auf dem Gelände des Dampfbahnclubs Sprockhövel, der hier eine Gartenbahn betreibt und regelmäßig zu Besuch und Fahrtagen einlädt. Die Anlage ist kontinuierlich im Ausbau.

Vor der Brücke der B 234 geht es links bergauf, vor der Hofeinfahrt rechts zur Straße und sofort links. So kommen wir zum echten Ausgangspunkt des Deutschlandweges unmittelbar an einer Bergmann-Skulptur und haben bereits etwa 1,7 Kilometer zügig (es war ja auch ein Bahntrassenradweg) bewältigt. Es geht links in den Weg, wir überqueren das Hofgelände und der Untergrund geht in einen Feldweg über. Bald wird der Waldrand erreicht. Wir wenden uns in den mittleren der drei Wege und tauchen in den Wald ein. Auf der linken Seite sind mehrfach Pingen von ehemaligen Schächten zu sehen. Das sind trichterförmige, auffällige „Krater“ im Waldboden. Unmittelbar am Weg liegt beispielsweise Schacht Lina der Zeche Nachtigall, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Zeche bei Witten-Bommern.

Bergbauwanderweg Deutschlandweg in Sprockhövel

Bahntrassenradweg mit gepflasterten "Schienen"

Bergbauwanderweg Deutschlandweg in Sprockhövel

Eine alte Lok steht am Wegesrand

Bergbauwanderweg Deutschlandweg in Sprockhövel

Insektenhotel und Wildblumenwiese an einer Pferdeweide

Bergbauwanderweg Deutschlandweg in Sprockhövel

Am offiziellen Beginn des Weges an der B234

Nahe dem Talboden teilt sich die Tour auf. Ein Stichweg führt rechts einige hundert Meter entlang einer Weide bis zur Station am Schacht Regina. Hier wurde Spateisenstein gewonnen. Nach kurzem Besuch am Informationsschild gehen wir wieder zurück zur Abzweigung und setzen den Weg durch die Wiese fort. Je nach Jahreszeit sei an dieser Stelle Vorsicht vor dem Riesenbärenklau gemahnt. Eine Berührung mit der Pflanze kann zu schweren Verbrennungen führen. Wir kommen auf einen Waldweg, halten uns rechts und biegen bald an einer Kreuzung rechts ab. Linkerhand befindet sich auf einer Anhöhe das Lichtloch 21 des Stock und Scherenberger Erbstollens. Ein Erbstollen dient der Entwässerung eines Bergwerks. Lichtlöcher wurden in regelmäßigen Abständen vom Stollen bis zur Erdoberfläche errichtet, um die Belüftung (Bewetterung) sicherzustellen. Mit Beleuchtung hatten diese allerdings nichts zu tun. Zur Station gehört auch die Erläuterung einer Ackeldruft, einer oberflächlichen rinnenförmigen Entwässerung eines frühen Bergwerks. Die liegt rechterhand vom Weg. Dem kleinen Infoschild am Baum folgend findet man diese allerdings niemals.

In einem Bogen erreichen wir die Straße Am Bunne. Kurz zuvor weist eine Infotafel auf eine in den Brennnesseln versteckte Station hin: einem Lochstein, der die Grenze des Abbaufeldes der Zeche oberirdisch markierte. Allerdings handelt es sich bei diesem eigentlich historischen Objekt um einen Nachbau.

Bergbauwanderweg Deutschlandweg in Sprockhövel

Breiter Weg führt in den Wald

Bergbauwanderweg Deutschlandweg in Sprockhövel

Es geht vorbei an einigen Weiden

Bergbauwanderweg Deutschlandweg in Sprockhövel

Schacht Lina am Wegesrand

Bergbauwanderweg Deutschlandweg in Sprockhövel

Holzbrücke über einen Bach am Schacht Regina

Bergbauwanderweg Deutschlandweg in Sprockhövel

Waldweg mit Kräutern

Bergbauwanderweg Deutschlandweg in Sprockhövel

Lochstein im Sonnenlicht, das durch die Bäume scheint

Weiter unten fließt der Pleßbach. Wir müssen links abbiegen und an der Kreuzung weiter oben anschließend rechts laufen. Danach stößt man automatisch auf die Straße Zum Sackschacht, die später in Gegenrichtung genutzt wird. Wer genug vom Weg hat, kann links abbiegen und den Schildern zurück zum Ausgangspunkt folgen. Der Weg führt aber erst einmal rechts weiter und überquert die Autobahnbrücke. Unter ihr verläuft die A43 zwischen Wuppertal und Bochum. Hinter der Brücke in der Siedlung Scherenberg biegen wir links ab in die Zechenstraße. Die führt schnurgerade bis zu einer Hauptstraße leicht bergan. Aber Vorsicht – kurz hinter den letzten Häusern müssen wir rechts in einen Waldweg abbiegen! Da kann man auch schnell dran vorbeilaufen und steht auf besagter Straße, die nicht einmal einen Gehweg hat. Sie erkennen an der Tatsache, dass ich diesen Fakt weiß, dass ich ebenfalls vorbeigelaufen bin (wenn man meint, ohne GPS-Track und ohne Blick auf die mitgebrachte Karte den Markierungen folgen zu können). Der Waldweg steigt zum Schluss steil bergan und endet auf einem Forstweg. Hier biegen wir rechts ab.

Wir sind ja nun schon auf dem Rückweg und müssen bis zum Ausgangspunkt nicht einmal 2 Kilometer zurücklegen. Wer noch Lust und Energie hat, kann hier gut zum benachbarten Themenweg Montanweg Nord überwechseln, der gerade einmal 400 m von hier entfernt vorbeiführt. Dazu links abbiegen bis zur Straße, am Rand bis in die Siedlung und links in den Pennekamp. Dann stoßen Sie auf die Beschilderung dieses Bergbauwanderweges. Die übrigens eine Ausnahme unter den Bergbauwanderwegen darstellt: es ist nicht nur das Symbol von Schlägel und Eisen.

Zurück zum Deutschlandweg: Wenige Schritte nach links führen, auch ohne zum Montanweg zu laufen, zum Schacht Max der Zeche Stock und Scherenberg, die nach einigen Konsolidationen zur Zeche Deutschland wurde. Der Schacht stellt sich als auffällige Pinge im Gelände dar und ist mit einer Infotafel markiert. Auf dem Forstweg – wieder in eigentlicher Laufrichtung des Wanderwegs – gelangt man wieder zurück zur Siedlung. Hier sollen sich historische Karrenspuren vom Kohletransport in den Fels eingegraben haben. Das mag sein, aber vor allem sieht man hier tiefe Spuren von Schleppern und anderen Waldfahrzeugen. Nach dem Schacht Max wird mit Schacht Agnes ein weiterer Schacht der Zeche durch den Weg erschlossen. Wir halten uns rechts. Kurz vor der Kreuzung, die wir vorhin von geradeaus erreicht haben, befindet sich links ein Wohnhaus. Es ist das ehemalige Maschinenhaus der Hauptschachtanlage mit dem Schacht Beust.

Bergbauwanderweg Deutschlandweg in Sprockhövel Bergbauwanderweg Deutschlandweg in Sprockhövel

An Kreuzung gehen wir links und erreichen wieder die Autobahnbrücke. Nun biegen wir aber nicht links ab in den Weg, aus dem wir vorhin gekommen sind, sondern folgen der Straße geradeaus. Ein Hinweisschild habe ich an dieser Stelle in der Richtung nicht gesehen, könnte aber auch auf dem Hinweg verwirren. Der Verlauf der Straße Am Sackschacht entspricht einer historischen Pferdebahn. Rechterhand liegt ein Wohnhaus, das ebenfalls ein historische Gebäude der Schachtanlage Sack ist. Allerdings liegt es auf Privatgrund abseits der Straße und ist daher nicht direkt zugänglich. Wir folgen der Straße so lange leicht bergauf, bis wir auf den Bahntrassenradweg stoßen, also die ehemalige Eisenbahnstrecke von Schee nach Silschede. Links geht es zurück zum Friedhof. Die folgende Bogenbrücke über die alte Bahntrasse ist bereits die am Friedhof. Wir gehen links den Weg hangaufwärts und stehen am Ausgangspunkt dieser Tour am Parkplatz vom Friedhof bzw. in der Nähe des Rathauses.

Geographische Koordinaten:
51°20'11.01"N, 7°16'51.18"E – Start- und Zielpunkt am Friedhof
51°20'51.20"N, 7°17'37.11"E – Offizieller Startpunkt
51°20'24.61"N, 7°16'06.11"E – Maschinenhaus Schacht Beust
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
380248 m, 5688636 m – Start- und Zielpunkt am Friedhof

381166 m, 5689857 m – Offizieller Startpunkt
379386 m, 5689077 m – Maschinenhaus Schacht Beust

 

Kartenmaterial: In den rechts dargestellten reiß- und wetterfesten Radwander- bzw. Rad- und Wanderkarten des Verlages Publicpress ist die Region eingezeichnet.

Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite beim Verlag – Karten werden versandkostenfrei versendet. Für Webseite und Verkauf ist der Verlag verantwortlich.

Radwanderkarte Ruhrgebiet   Motorradkarte Bergisches Land - Ruhrgebiet - Niederrhein   Erlebnisführer Rhein – Ruhr und Wupper

Quellen und weitere Informationen:

Wanderweg bei Ruhrkohlenrevier: www.ruhrkohlenrevier.de
Wanderweg mit GPS bei Berg-Mark-Wege: www.berg-mark-wege.de
Route der Industriekultur: www.route-industriekultur.ruhr
Dampfbahnclub Sprockhövel:

www.dbc-sprockhoevel.de

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Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 09 / 2017
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr