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Auf Spurensuche nach dem Bergbau am Harpener Bach

Harpener Teiche • Halden Jakob & Amalia, Robert Müser, Prinz von Preußen, Caroline und Vollmond • Ümminger See

Auf dem ersten Blick scheint der Harpener Bach ein ganz gewöhnliches Fließgewässer am Rande zweier Großstädte zu sein. Hier gibt es einen See, dort idyllische Teiche. Kaum etwas deutet darauf hin, dass hier im Osten von Bochum sehr aktiv Bergbau betrieben wurde und noch heute mal mehr und mal weniger sichtbare Relikte davon existieren. Karte Harpener Bach im Bochumer Osten

Der Harpener Bach entspringt als Bövinghauser Bach in Dortmund und ändert beim Überfließen der Stadtgrenze zu Bochum seinen Namen. Südlich von Langendreer fließt er in den Oelbach, der wiederum bei Witten-Heven in den Kemnader Stausee der Ruhr mündet. Der Harpener Bach passiert zunächst die Harpener Teiche zwischen Bochum-Harpen und Werne und fließt durch den Ümminger See in Langendreer. Beides sind heute unterschiedlich ausgeprägte Naherholungsgebiete mit der Gemeinsamkeit, dass es sich im Kern immer noch um aktive Klärteiche vor allem für Grubenwasser handelt.

Geprägt ist der Montansektor durch die alten Zechen der Harpener Bergbau AG, namentlich Zeche Amalia, Caroline, Heinrich Gustav, Prinz von Preußen und Vollmond. Sie alle wurden zu dem Verbundbergwerk Robert Müser zusammengeschlossen. Im Jahre 1968 schloss auch diese Zeche ihre Pforten.

Von den Einzelbergwerken gibt es heute nur wenige Relikte, die sich vor allem in Namen von Straßen und Halden sowie in zur Bewetterung erhaltenen Schachtgerüsten zeigen. So existieren die Halde Caroline und Halde Prinz von Preußen zwischen den beiden Bahnstrecken und sind heute unter der Zentraldeponie Kornharpen verborgen. Nördlich der Harpener Teiche liegen die Halden Amalia und Jakob, voneinander getrennt nur durch die Autobahn A40. Nicht weit entfernt vom Ümminger See hat die Zeche Vollmond ihre Halde geschüttet. Eine Anhöhe inmitten der Harpener Teiche stellt sich als Halde Robert Müser heraus.

Alle in Fett dargestellten Ziele sind Teil dieses Artikels und nacheinander bebildert vorgestellt. Zur Orientierung sind die jeweiligen Orte in der nebenstehenden Luftbildkarte markiert.

Die Anfahrtsbeschreibung befindet sich nach dem jeweiligen Abschnitt im Anschluss.


Harpener Teiche

Die Halde Robert Müser und ein Park, in dem Milch und Honig fließen

Zwischen dem Werner Hellweg und dem Bochumer Ruhrpark, einem Einkaufszentrum auf der Grünen Wiese vor den Toren der Stadt, liegen die Harpener Teiche, auch Werner Teiche genannt. Sie sind ein Verbund von Stillgewässern, die zu einigen Teilen durch den Harpener Bach gespeist werden. Sie liegen innerhalb eines durch Wege erschlossenen, ruhigen und wenig überlaufenen Naherholungsgebietes. Ausgebaute Wege führen am Ost- und Nordufer entlang und mit einer Holzbrücke über eine Engstelle, die die Teiche wie bei einer Wespentaille in einen nördlichen und einen südlichen Abschnitt einteilt. Im sogenannten Hochzeitswald spendiert die Stadt Bochum für frisch gebackene Ehepaare je einen jungen Baum, den sie hier als Symbol für die wachsende Verbindung einpflanzt. Doch die Tatsache, dass viele Bänke zum Pausieren einladen und an vielen Stellen ein guter Blick über das idyllische Stillgewässer samt der vielfältigen Vogelwelt ermöglicht wird, lenkt nur bedingt davon ab, dass die Harpener Teiche ursprünglich Klärteiche für Grubenwasser der Zeche Robert Müser sind.

Aufmerksamen Wanderern dürfte wahrscheinlich bereits die besondere Trübung des Wassers aufgefallen sein, die insbesondere das nördlich gelegene Gewässer zu einer milchigen Flüssigkeit verfärbt. Dazu kommt ein zeitlich unregelmäßig auftretender und lokal bestialischer Fäulnisgeruch. Die Quelle des Übels ist schnell gefunden: Zum Standsicherheit des Bergbaus wird eintretendes Grubenwasser aus der Zeche Robert Müser künstlich hochgepumpt und über die Harpener Teiche in den Bach und in die Ruhr eingeleitet. So ist dieser Ort ein besonderes Beispiel für die Beschäftigung mit dem wichtigen Thema Folge- und Ewigkeitskosten im Bergbau. An der Einleitstelle, die sogar vom Weg aus eingesehen werden kann, sprudelt das Wasser kräftig und schäumend aus seiner Quelle hervor. Durch mineralische Ablösung u.a. durch Salze kommt die typische Farbgebung des Teiches zustande, die mit zunehmender Verdünnung im See bzw. im Bachlauf zur Ruhr verblasst und bereits im südlich gelegenen Teich kaum wahrgenommen wird. Organische Stoffe führen ab und zu zu einer Geruchsentwicklung, die an faule Eier erinnert. Sowohl für Tiere als auch für Menschen sind diese Gerüche und Verfärbungen ungefährlich. Es siedeln sich allerdings vor allem Pflanzen an, die einen höheren Salzgehalt im Wasser vertragen können. Ob man in diesem Gewässer, das in einigen Freizeitkarten immer noch als »Klärteiche« verzeichnet ist, baden sollte, sei dahingestellt.

Recht unbekannt ist die Tatsache, dass die westliche Halbinsel, die die Harpener Teiche in den Nord- und Südteil aufteilt, zu großen Teilen aus einer Bergehalde besteht. Es handelt sich um die Halde Robert Müser, die eine Höhe von fast 100 Metern über dem Meeresspiegel erreicht. Dieses enorm hoch wirkende Maß wird allerdings dadurch relativiert, dass das umgebende Gelände nur rund neun Meter niedriger ist und die Halde damit zur niedrigsten Kategorie auf diesen Internetseiten zählt. Die Halde ist aber nicht durch Wege erschlossen und damit nur schwer zugänglich durch versteckte Trampelpfade und vollständig durch Wald und am Rand durch Büsche zugewachsen sowie durch Wasser begrenzt. Damit ist die Halde jedoch die einzige im Ruhrgebiet, die eine Uferkante hat und bis ans Wasser reicht. Doch am bewaldeten Ufer ergeben sich besondere Aussichtspunkte, von denen sich Wasservögel (z.B. Kormoran, Vogel des Jahres 2010) unauffällig und ohne diese zu stören beobachten lassen.

Harpener Teiche in Bochum

Milchiges Wasser durch gelöste Minerale: Harpener Teiche

Hochzeitswald Harpener Teiche

Parkartige Anlage am Ostufer der Teiche

Hochzeitswald Harpener Teiche

Der Hochzeitswald an den Harpener Teichen

Ruhebank an den Harpener Teichen

Eine von vielen Uferzonen mit Blick über das Wasser

Die Harpener Teiche in Bochum im Herbstlaub

Beginnender Herbst an den Harpener Teichen in Bochum

Harpener Teich Wasservogel

Wasservögel, z.B. Kormorane, lassen sich hier gut beobachten

Harpener Teiche

Nordteil der Harpener Teiche mit einem Kormoran

Halde Robert Müser und Harpener Teiche

Blick auf die Brücke und die Halde Robert Müser (hinten links)

Halde Robert Müser in Bochum

Die Halde zeigt sich als zugewachsene Erhebung am Ufer

Bergehalde Robert Müser

Dichter, noch junger Wald auf der Bergehalde Robert Müser

Harpener Teiche Blick von der Halde

Sicht von der Halde auf die Harpener Teiche

Die Harpener Teiche in Bochum im Winter

Harpener Teiche in der dunklen Jahreszeit: Hier gibt es auch im Winter leuchtendes Türkis in grauer Tristesse [M]

Einleitungsstelle für Grubenwasser aus der Zeche Robert Müser

Die Quelle des Übels: Grubenwasser der Zeche Robert Müser

Grubenwasser Harpener Teiche

Die Einleitungsstelle hat mitunter eine hohe Schüttung

Harpener Teiche in Bochum: Park

Herbstlicher Park an den Harpener Teichen (Nordzugang)

milchiges Wasser in den Harpener Teichen

Das Wasser – türkisfarben wie die Lagune in Venedig

Die Wege um die Harpener Teiche sind von Westen, Süden und Norden gut erschlossen und sogar an den Ruhrpark gut angebunden. Sie sind ständig frei zugänglich. Im Bereich der Harpener Teiche existieren weder sanitäre Anlage noch Restauration. Die nächsten Möglichkeiten dazu bietet der fußläufig erreichbare Ruhrpark im Nordwesten.

Anreise mit dem Auto: Auf der A40 bis Ausfahrt 39 Bochum-Werne. Aus Richtung Dortmund links, aus Richtung Duisburg rechts abbiegen auf die Straße Am Ruhrpark, die in die Werner Straße übergeht. In der langen Linkskurve besteht VOR der Brückenüberführung rechts eine Parkmöglichkeit. Alternativ an der nächsten Ampel rechts in den Werner Hellweg und nach 750 Metern rechts in die Müserstraße. Dort am Rand parken und immer geradeaus durch das Wäldchen mit Trampelpfaden zu den Seen laufen.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Werner Straße (K29) / Nähe Kreuzung Auf dem Sporkel bzw. Müserstraße in Bochum

Anreise mit Bus und Bahn: Mit der S-Bahn der Linie S1 von Bochum, Essen, Duisburg oder Dortmund bis Langendreer-West. Dort in den Bus der Linie 355 Richtung Ruhrpark umsteigen und bis zur Haltestelle Am Sporkel fahren (eine zuvor zum Bereitmachen: Werner Straße). Dort befindet sich direkt ein Zugang zu den Teichen. Alternativ von Bochum Hbf. mit den Linien 336 oder 368 bis Brücke Ruhrpark bzw. UCI / Ruhrpark und zu Fuß ganz nach Südost in den Kohlleppelsweg laufen bzw. von der Haltestelle Brücke zunächst die Autobahn über- und den Ruhrpark durchqueren und dabei schräg-links halten. Vom Kohlleppelsweg in den Fußgängerweg gegenüber dem Parkplatz am ehemaligen Aquadrom Richtung Harpener Teiche laufen.

Geographische Koordinaten:
51°29'26.42"N, 7°17'19.94"E – Halde
51°29'28.43"N, 7°17'31.86"E – Grubenwassereinleitung
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
381205 m, 5705780 m – Halde
381436 m, 5705836 m – Grubenwassereinleitung


Kartenmaterial:
In den rechts dargestellten reiß- und wetterfesten Radwander- bzw. Rad- und Wanderkarten des Verlages Publicpress sind die Harpener Teiche dargestellt. In der Rad- und Wanderkarte "Essen und Umgebung" im Maßstab 1:50.000 liegen sie im Planquadrat C8.

Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite beim Verlag – Karten werden versandkostenfrei versendet. Für Webseite und Verkauf ist der Verlag verantwortlich.

 Rad- und Wanderkarte Essen und Umgebung   Radwanderkarte Ruhrgebiet  

 

 

Halden Jakob und Amalia

Die Zeche mit dem schönen Namen Amalia befand sich nördlich der heutigen A40 an der Nörenbergstraße und begann 1885 mit der Förderung. 1928 wurden die Anlagen der Zeche Amalia von der Zeche Heinrich Gustav übernommen (und übertage stillgelegt), die wiederum ein Jahr später mit anderen Zechen zur Zeche Robert Müser zusammengeschlossen wurde. Im Bereich der Zeche Amalia entstand die nach ihr benannte Bergehalde. Die Zeche Heinrich Gustav förderte 1859 erstmals mithilfe des Schachtes Jakob (die Schreibweise Jakob oder Jacob variiert je nach Quelle) Kohle. Die Zeche befand sich nördlich der Bahnstrecke im Bereich des heute noch vorhandenen Arnoldschachtes der ehemaligen Verbundzeche Robert Müser. Es ist davon auszugehen, dass sich der Name der Halde Jakob vom gleichnamigen ersten Schacht der Zeche Heinrich Gustav ableitet. Von der Zeche Amalia existieren nur noch wenige Gebäude auf Privatgrund; Von der Zeche Heinrich Gustav bzw. Robert Müser existiert noch das Fördergerüst über dem Arnoldschacht, der zur Wasserhaltung (siehe Abschnitt Teil 1 »Harpener Teiche«) immer noch genutzt wird.

Sie könnten auch Hänsel und Gretel, Pünktchen und Anton, Asterix und Obelix oder Alice und Ellen heißen, denn irgendwie gehören sie zusammen. Die Halden Jakob und Amalia haben nicht nur eine ähnliche Höhe, nämlich ca. 12 (Jakob) und ca. 13 Meter (Amalia) über der nahezu gleichhohen Umgebung bei einer maximalen Höhe von 110 bzw. 111 Metern über dem Meeresspiegel. Sie haben auch eine sehr ähnliche Begrenzungsform und werden alleine durch die Autobahn voneinander getrennt. Weitere Gemeinsamkeit ist die scharfe westliche Begrenzung durch den Harpener Bach, der von Nord nach Süd an den Bergehalden vorbeifließt. Doch ein elementarer Unterschied spaltet die beiden fast als Geschwister zu bezeichnenden Abraumberge: Während die Jakobhalde gleich von vier Seiten begehbar und öffentlich freigegeben ist, liegt Halde Amalia auf einem Privatgrundstück und ist damit unzugänglich.

Es ist nicht der Jakobsweg, der auf die etwa 10 ha große Jakobhalde führt, sondern eine alte Eisenbahntrasse. Die Schienen sind größtenteils abgerissen und so quert der Besucher von den Harpener Teichen kommend zunächst die Werner Straße über eine alte Eisenbahnbrücke. Zwei weitere Pfade führen von der Werner Straße auf das Gelände und stoßen dreiecksförmig auf den Hauptweg, der bahntrassenbedingt neben dem ehemaligen Bahndamm eine sehr gerade Linie mit langgestreckten Kurven besitzt. Die größten Höhen der Halde Jakob werden nur mit dem westlichen Pfad passiert, die übrige Bergehalde präsentiert sich als bewaldete Hügellandschaft, der Weg endet fast als Sackgasse (siehe Fortsetzung unter den Bildern). Es gibt sicherlich für die Haldenfreunde spektakulärere und spannendere Exemplare, doch immerhin ist dieses hier zugänglich. Wenn man nicht gerade Kilometer für Kilometer wandern oder Höhenmeter erklimmen möchte, ist Halde Jakob für einen Spaziergang gut geeignet.

Bahntrasse auf die Halde Jakob in Bochum

Der Weg zur Halde Jakob führt über eine alte Bahntrasse

Halde Jakob in Bochum, Hauptweg

Die Bahntrasse prägt den geraden Verlauf des Hauptweges

Lichtung auf der Halde Jajob

Lichtungen im Wald unterhalb von Überlandleitungen

Halde in Bochum

Wald auf der Halde Jakob

Wald auf der Halde Jacob

 

Zugang zur Halde Jakob

Aufgang von der Werner Straße gegenüber der Harpener Teiche

Halde Jakob

Wie ein Waldweg im Sauerland

Halde Jakob Böschung

Diese Böschung markiert den höchsten Punkt

Lichtung auf der Halde Jakob

Trampelpfad auf der Lichtung

Eisenbahntrasse auf der Halde Jakob

Eisenbahnbrücke als Wanderweg

Die ehemalige Eisenbahnstrecke verlief über eine zweite Eisenbahnbrücke weiter über die Autobahn A40 nach Norden. Deren Ende lag bereits auf dem Gelände der Halde Amalia. Doch die Brücke ist inzwischen abgerissen, weswegen der Hauptweg auf der Jakobhalde nahezu in einer Sackgasse endet. Ein Trampelpfad führt die Böschung hinunter und endet im angrenzenden Wohngebiet. Hier existiert eine zweite Autobahnbrücke. Aber auch der Alternativweg zur Erkundung der Halde Amalia endet am Schild "Privatgrundstück – Betreten verboten". Zwar verlaufen hinter dem Schild Wege über und um die Halde Amalia, dennoch sollte auf das Hausrecht Rücksicht genommen werden. Unabhängig davon, ob Anwohner mit ihren Hunden die Schilder beachten oder nicht.

Halde Amalia: Privatgrund

Unmissverständliche Botschaft: Kein Zugang für Haldenfreunde

Halde Amalia in Bochum

Hinter dem Schild verlaufen Wege auf und über die Halde

Die Halde Jakob ist ständig frei begehbar und bietet keine sanitären oder gastronomischen Einrichtungen. Halde Amalia ist nicht öffentlich zugänglich, da sie sich auf Privatgrund befindet.

Anreise mit dem Auto, Bus und Bahn: Wie zu den Harpener Teichen. Für Autofahrer wird der erste Parkplatz an den Harpener Teichen (Werner Straße) wird empfohlen. Von dort entweder über die Brücke (= Hauptweg) oder der Straße Richtung Bochum folgen und dann in den ersten Pfad rechts einbiegen.

Geographische Koordinaten: 51°29'30.34"N, 7°17'44.48"E – Brücke
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 381681 m, 5705890 m


 

Der Ümminger See

Ein Spaziergang inmitten der Schafsherde

Der Ümminger See liegt etwa eineinhalb Kilometer südlich der Harpener Teiche im Ortsteil Langendreer bzw. in Ümmingen und bildet die letzte Etappe für den Harpener Bach, ehe dieser unmittelbar am Südufer des Sees in den Langendreerbach fließt und zusammen mit diesem den romantisch klingenden Oelbach bildet, der kurz darauf eine Kläranlage durchquert und schließlich in den Kemnader Stausee der Ruhr unterhalb der Ruhr-Universität mündet. Der etwas über zehn Hektar große See wird im Westen durch die Autobahn A43 begrenzt, im Norden durch eine Güterbahn des Autoherstellers Opel.

Ähnlich wie die Harpener Teiche weiter bachaufwärts im Norden ist der gar nicht viel größere Ümminger See mit etwa 13 ha Wasserfläche ursprünglich ein Klärteich für Grubenwasser der hier ansässigen ehemaligen Zechen Vollmond und Robert Müser. Schließlich ist das Gelände zu einem gut genutzten und beliebten Naherholungsgebiet umfunktioniert worden, bietet Wege rund um den See, Gastronomie sowie Spiel- und Sportmöglichkeiten. Dabei seien vor allem die Rollschuhbahn, eine Halfpipe und der Steg für Kapitäne von Modellschiffen genannt. Bei entsprechendem Wetter sind viele Spaziergänger, Jogger und Radfahrer anzutreffen – für Inline-Skater sind die Wege wohl zu grob. Ruhebänke im Schatten und in der Sonne mit Blick auf den See und die vorbeiziehenden Leute bieten sich zum Verweilen, Nichtstun und Erholen an, während der Nachwuchs sich auf dem Spielplatz austobt.

Ökologisch gliedert sich die Teichlandschaft in verschiedene Zonen. Den größten Teil bildet natürlich der eigentliche See mit der nicht betretbaren Vogelinsel. Im Süden ist ein vom See durch einen Damm getrennter Flachwasserteich entstanden. Während das westliche Ufer des Ümminger Sees recht schmal ist, befinden sich im Nordosten und Norden Wiesenflächen, die ursprünglich als Liegewiesen geplant waren. Ganz unproblematisch war und ist die Ökologie des Sees allerdings bis heute nicht. Lange Zeit ist der See teilweise zunehmend verlandet und die Tierwelt wurde durch massives Algenwachstum bedroht. Dazu kam eine zunehmende Vermüllung des Naherholungsgebietes. Heute stellt sich dieses Gebiet jedoch sehr gepflegt dar. Zur Eingrenzung des Nährstoffeintrages in das Wasser, der damit verbundenen Eutrophierung und der Gefahr des "Umkippens" des Gewässers ist das Füttern von Wasservögeln streng verboten und wird mit einer Geldstrafe geahndet.

Mit etwas Glück trifft man etwas an, das der Tourist im Ruhrgebiet wohl eher weniger erwarten würde: eine Schafherde, die am Ümminger See vorbeigetrieben wird. Unter großem Staunen von Groß und Klein und vielen gezückten Handykameras und Digitalkameras, die mehr oder weniger zufällig eingesteckt wurden, bahnt sich die Herde laut blökend ihren Weg am Ostufer entlang. "Sie gehören einfach mit zur Familie", sagt die Hirtin. Selbst, wenn man heute praktisch kaum Gewinn mit Schafswolle machen könne, denkt sie nicht im Traum daran, die wolligen Vierbeiner abzuschaffen.

Herbstlicher Ümminger See

Herbstliches Ufer des Ümminger Sees in Bochum

Ümminger See in Bochum

Damm zwischen großem See und Flachwasserzone

Spiegelung im Wasser

Herbstliche Spiegelungen im Wasser

Herbst am Ümminger Stausee

Blick vom Damm auf das Ostufer

Ümminger See Wanderwege am Ufer

Die Wege rings um den Ümminger See sind ausgebaut

Schafe am Seeufer in Bochum

Unverhoffte Begegnung: Vorboten einer großen Schafherde

Alter Steg im Ümminger See

Morscher, alter Steg mitten im Wasser

See

Zweiter Steg am Südufer, schon bewachsen

See in Bochum

Sicht vom West- aufs Ostufer mit den Liegewiesen

Schafherde

Praktizierte Tiernähe: Die Bank im Mittelpunkt der Herde

Modellboot

Modellsport mit aufwändig und detailliert gestalteten Booten

Wiesen am Ümminger See

Den See nördlich begrenzende Wiesen

Fazit und Tipp des Webmasters: Ebenso wie die Harpener Teiche ist der Ümminger See vor allem ein Naherholungsgebiet. Es eignet sich vor allem als Ergänzung und Abstecher auf einer Fahrt zu anderen Zielen in der näheren Umgebung. Der See liegt zu diesem Zweck optimal in der Nähe der Autobahn A43.

Informationen zum Besuch des Ümminger Stausees:

Anreise mit dem Auto: Auf der A43 bis zur Ausfahrt Bochum-Laer / Werne. Aus Richtung Münster links abbiegen und an der nächsten rechts, aus Richtung Wuppertal geradeaus fahren in die Industriestraße. Hinter der Eisenbahnbrücke rechts halten. An der nächsten wieder rechts in die Straße "Ümminger See". Nach 100 Metern liegt rechts ein Parkplatz, im Notfall bei Überfüllung auch noch einer weitere 100 Meter der Straße folgend. Hier befindet sich das Nordufer.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Ümminger See in 44894 Bochum

Geographische Koordinaten: 51°28'23.81"N, 7°17'15.50"E
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 381074 m, 5703848m

Anreise mit Bus und Bahn: Von Bochum Hauptbahnhof mit der Straßenbahn der Linie 310 Richtung Witten-Heven Dorf. Die Bahnen fahren aus dem ersten Untergeschoss des Hauptbahnhofs. Steigen Sie an der Alten Ümminger Straße aus (eine Station zuvor zum Bereitmachen: Opel-Werk I). Die Fahrtzeit beträgt etwa 13 Minuten. Von der Haltestelle führt ein Weg nach Norden zum See. Unter der ersten Bachbrücke laufen Harpener und Langendreer-Bach zum Oelbach zusammen. Sie stoßen dann auf den genannten Damm zwischen See und Flachwasserzone im Süden der Anlage.

 

 

Halde Vollmond

Der Name ist sehr bildlich, doch es ist nahezu das einzige, was von der gleichnamigen Zeche im Bochumer Osten übrig geblieben ist. Von ihr zeugen heute nur noch diese kleine Bergehalde und der Name einer nicht einmal 500 Meter langen Straße inmitten eines Gewerbegebietes. Vom Anfang des 19. Jahrhunderts förderte die Zeche in Langendreer, ehe sie 1926 durch die Zeche Heinrich Gustav und kurz darauf wiederum von der Zeche Robert Müser übernommen wurde. Seitdem dienten die Schächte Vollmond I und II einige Zeit der Bewetterung, ehe sie verfüllt wurden.

Etwas eingeklemmt zwischen Harpener Bach, Industriestraße und einer Bahnstrecke zum Opel-Werk I liegt die Halde Vollmond etwa 300 Meter nördlich des Ümminger Sees in Bochum-Langendreer unweit der Autobahnabfahrt Bochum-Laer. Sie erreicht eine maximale Höhe von 97 m über dem Meeresspiegel und überragt die Umgebung um nur etwa neun Meter. Die Bergehalde ist bewaldet und wird kaum als Bergbaurelikt wahrgenommen. Ein Trampelpfad führt von der Industriestraße quer zur Hauptausrichtung von Ost nach West und schließlich parallel zum hier nicht überquerbaren Bach nach Norden. Eine Fernsicht hat man nicht, ebenso besitzt die Halde keinerlei Ausstattung für Spaziergänger.

Halde Vollmond

Junger, dichter Wald auf der Halde Vollmond

Halde Vollmond

Trampelpfad entlang der Westflanke auf die Halde

Halde Vollmond Halde Vollmond

Anreise mit dem Auto, Bus und Bahn: Wie zum Ümminger See. Von der Straßenbahnhalte- stelle zunächst entlang des Sees (Ost- oder Westseite) zum Parkplatz. Vom Parkplatz auf der westlichen Seite des Harpener Bachs (einziger Zulauf in den Ümminger See) auf dem Weg nach Norden. Unter der Bahnbrücke hindurch. Auf der anderen Seite des Baches liegt bereits die Halde; Folgen Sie dem Weg zunächst weiter bis kurz vor die Straße. Dann an dem kleinen Häuschen rechts und dem Trampelpfad auf der anderen Bachseite folgen. Dieser führt schließlich bergauf zur Halde und auf der anderen Seite an der Industriestraße wieder herunter.

Alternativ mit dem Auto bis zur Industriestraße und dann in der Nebenstraße Wiethofweg am Rand parken. Der Zugang liegt dann in etwa gegenüber der Straßenkreuzung.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Ümminger See in 44894 Bochum

Geographische Koordinaten:
51°28'37.53"N, 7°17'05.68"E – Ostzugang
51°28'42.62"N, 7°16'55.77"E – Nordzugang
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
380895 m, 5704276 m – Ostzugang
380707 m, 5704438 m
– Nordzugang

 

Halde Prinz von Preußen und Halde Caroline

Zentraldeponie Kornhapen mit Solarkraftwerk »Harpener Watt«

Wie ein Keil werden die zwei Bahnstrecken nach Dortmund kurz hinter dem Bochumer Hauptbahnhof geteilt. Die S-Bahn zweigt nach Süden ab, die Fernbahn nach Norden. Zwischen beiden Strecken erhebt sich an der Autobahn A43 ein mächtiger Berg, der sich vom Umland mit einer Höhe von fast 50 Metern scharf abhebt. Natürlich ist dieses Gebilde künstlicher Natur und von Menschenhand ab 1987 entstanden. Doch es ist keine Bergehalde, zumindest nicht ganz. Es handelt sich um die Zentralmülldeponie Kornharpen, die im Jahre 2009 geschlossen wurde.

Dort, wo sich heute Deponie und der Betreiber Bochumer Umweltservice befinden, standen zuvor zwei Zechen. Die Zeche Prinz von Preußen befand sich westlich, wo sich die Bahnstrecken teilen, die Zeche Caroline I / II östlich davon. Beide Schachtanlagen haben Bergehalden angehäuft. Während wenigstens Teile der Halde Prinz von Preußen (und auch des verwilderten Zechengeländes) aus dem Zugfenster noch zu erahnen sind, sind die Anlagen und Halde Caroline von der Mülldeponie überdeckt worden – hier wurde die bestehende Bergehalde praktisch künstlich erhöht. Die inzwischen ebenfalls stillgelegte Deponie befindet sich in der jahrelangen Stilllegungsphase und wird in ferner Zukunft zugänglich gemacht. Reisenden auf der Hauptstrecke wird eine Brücke auffallen, deren Mittelteil fehlt – nur die Pfeiler samt Zufahrten stehen rechts und links der Bahnstrecke. Es handelt sich um die ehemalige Zufahrt zum Zechengelände Caroline. An die Zeche Prinz von Preußen erinnert heute praktisch nur noch der Straßenname "Auf der Prinz". Sämtliche Anlagen sind nicht öffentlich zu besichtigen.

Besonders interessant ist die Neunutzung der brachliegenden etwa 40 ha großen Mülldeponie. Auf den sonnenexponierten Südhängen ist im Jahre 2010 eine Photovoltaik-Anlage in Betrieb gegangen. Das Solarkraftwerk mit dem Namen "Harpener Watt" besteht aus 10.400 Modulen auf einer Fläche von ca. 20.000 Quadratmetern (entspricht 2 ha, also 5% der Fläche). Dabei bilden die Module charakteristische Einheiten mit Abstand zueinander. Der Strom, ca. 740.000 kWh im Jahr, wird ins Netz eingespeist und versorgt rein rechnerisch ca. 150 Haushalte mit vier Personen mit Ökostrom. Es ist damit neben der Nutzung von Deponiegas aus dem Haldenkörper die zweite Form der Energiegewinnung an dieser Deponie. Dabei nutzt ein Gaskraftwerk das natürlicherweise entstehende Gas, vor allem Methan, und verbrennt dieses zur Erzeugung von Strom und Fernwärme.

Die folgenden wenigen Fotos zeigen den Stand der Renaturierung der Deponie und die PV-Anlage im Jahr 2011. Inzwischen ist die Deponie recht grün geworden und ist in den Status der Stilllegung übergegangen.

Deponie Kornharpen in Bochum mit Photovoltaikanlage

Zentralmülldeponie Kornharpen mit Solarstromkraftwerk

Solar-Anlage auf der Halde in Bochum

PV-Anlage "Harpener Watt" am Südhang der Halde

Zentralmülldeponie Kornharpen in Bochum

Blick auf die Südseite der ehemaligen Zentralmülldeponie Kornharpen auf dem alten Zechengelände Caroline I / II

Deponie Kornharpen in Bochum mit Photovoltaikanlage Deponie Kornharpen

Informationen zum Bersuch der Deponie Kornharpen:

Die Deponie Kornharpen ist im Normalfall nicht zu besichtigen. Von Süden ist der Berghang mit der PV-Anlage sehr gut von der Havkenscheider Straße aus (Nähe »Möbel Hardeck«) zu sehen.

Von Zügen auf der Verbindung Bochum-Dortmund ist die Halde Prinz von Preußen und die Deponie Kornharpen hinter der Bahnhofsausfahrt in den Fern- und RE-Zügen rechts, von der S1 links zu sehen (hier mit PV-Anlage).

Quellen und weitere Informationen:

Für die Dokumentation der Harpener Teiche und des Ümminger Sees wurden Flyer des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz verwendet, Beschreibungen entstammen eigenen Eindrücken von einem Besuch vor Ort. Die genaue Lage und die Bezeichnung der Halden Robert Müser, Jakob, Amalia sowie ehem. Prinz von Preußen und Caroline wurden mit einem Experten (Name ist dem Webmaster bekannt) bestimmt.

Route Industriekultur – Zeche Robert Müser: www.route-industriekultur.de
Zechen in Werne (Privat): www.knappenverein-glueck-auf.de
Themenseite Zeche Robert Müser u.a.: www.ruhrzechenaus.de
Solarkraftwerk Kornharpen (Harpener Watt):

www.usb-bochum.de

Industriekultur im Ruhrgebiet

Weitere Bergehalden sind von der Übersichtsseite zu diesem Thema auswählbar. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Halden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden.

Auf der Auswahlseite Industriekultur finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten und sehenswerten Zielen im Ruhrgebiet. Betrachtet werden Natur & Landschaft, alte Zechen und Industrieanlagen und andere technische Besonderheiten.

Halden Ausflugsziele

Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 09 / 2017
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr