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Radweg Menden-Hemer auf der alten Oesetalbahn,

Sauerlandpark und Standortübungsplatz Apricke

Selten liegen „Stillgestanden“ und „Stillgelegt“ so nah zusammen wie bei dieser Eisenbahnstrecke. Und selten wurde über den Abriss und die Neukonzeption eines öffentlichen Personennahverkehrs so sehr gestritten wie bei diesem Beispiel. Es ist eine ganz besondere Form von Dysfunktionalität, die Schließung einer Bundeswehrkaserne, die sich auf eine Eisenbahnstrecke und einen riesigen Übungsplatz und damit auch auf die gesamte Stadt auswirkt. In dieser Dokumentation werden der Bahntrassenradweg auf der stillgelegten Bahnstrecke Menden-Hemer, der Sauerlandpark auf dem Gelände der Landesgartenschau 2010 auf Grund und Boden der alten Bundeswehr-Kaserne und der anschließende Standortübungsplatz Apricke vorgestellt. Alle drei haben durch einen ganz anderen Strukturwandel eine neue Nachnutzung erhalten – mal zum Positiven, mal zum Negativen hin.


Bahntrassenradweg Menden-Hemer

Die sogenannte Iserlohner Bahn entstand schrittweise zwischen 1864 und 1885. Sie verläuft von Fröndenberg/Ruhr an der Oberen Ruhrtalbahn Hagen-Warburg aus in südlicher Richtung nach Menden (Sauerland). Dort trennt sie sich von der Hönnetalbahn nach Neuenrade und verläuft im Tal der Oese parallel zur B7 nach Hemer. Von dort geht es in einer charakteristischen Schleife nach Iserlohn und weiter in den Vorort Letmathe mit Anschluss an die Ruhr-Sieg-Strecke nach Hagen und Siegen. Viele dieser charakteristischen Sauerland-Nebenstrecken wurden in den 1970er und 1980er Jahren aufgegeben und stillgelegt. Es waren mehrere Faktoren, die 1989 zur Einstellung des Personenverkehrs zwischen Iserlohn und Menden führten. Hauptgrund war eine akut einsturzgefährdete Straßenbrücke über die Bahn östlich von Iserlohn, die sogar abgestützt werden musste. Doch so einige andere Faktoren begünstigten Karte Radweg Menden-Hemer (Oesetalbahn)die Entscheidung, den Personenverkehr aufzugeben: Die lokbespannten Wendezüge waren sehr viel teurer als die Schienenbusse, die Fahrgastzahlen wegen der Konkurrenz durch den Bus und durch die lange Fahrtzeit z.T. begründet durch Baumängel an der Strecke hingegen rückläufig. Hinzu kam damals schon der Wunsch, die Autobahn A46 von Hemer aus über Menden zu verlängern, die ihrerseits dann der Strecke Konkurrenz machen würde. Der Abschnitt von Hemer zum Iserlohner Ostbahnhof wurde rasch abgebaut. In Betrieb blieb lediglich die auch sogenannte Oesetalbahn als Stichstrecke vom Bahnhof Menden bis Hemer – genutzt nahezu ausschließlich im Güterverkehr für Panzertransporte von und zur Blücher-Kaserne (vgl. Abschnitt Landesgartenschau 2010 weiter unten). Nach deren Schließung erfolgte 2006 auch die Einstellung des Güterverkehrs. Der Orkan Kyrill sorgte 2007 zeitweise für eine Wiederbelebung, da die existierenden Gleise für den Abtransport von Fallholz genutzt wurden. Die Hoffnung zur Reaktivierung im Zuge der Landesgartenschau 2010 auf eben dem Kasernengelände wurde bis auf wenige Sonderzüge zunichte gemacht. Dennoch ergab sich dadurch das Kuriosum, dass gleich mehrfach in unterschiedlichen Jahren der "Letzte Zug" unter großer Anteilnahme von Bevölkerung und Eisenbahnfreunden begleitet wurde. Trotz einer laufenden Machbarkeitsstudie zu einer Reaktivierung und Anbindung Hemers an Nahverkehrslinien u.a. bis nach Dortmund wurden 2013 und 2014 die Gleise und Einrichtungen praktisch vollständig abgebaut und im November 2014 der neue Bahntrassenradweg zwischen Menden und Hemer eröffnet. Selten wurde vor allem politisch eine derartige Eile beim Abriss des Anschlusses an das deutsche Schienennetz beobachtet.

Beschilderung und Oberflächenbeschaffenheit
Von Menden aus verläuft der Radweg etwa 6,0 Kilometer auf der Bahntrasse bachaufwärts in zunächst nur kaum wahrnehmbaren, konstanten Steigungen. Auf der ersten Hälfte bis zur Edelburg bei Kilometer 2,8 sind etwa 25 Höhenmeter zu bewältigen. Der zweite Abschnitt ist flacher, besitzt aber einen deutlichen Anstieg zwischen Höcklingsen und Bräuckerstraße, bis zum Ziel beträgt der Höhenunterschied weitere 30 Meter.

Der Radweg ist durchgehend mit einer breiten Teerschicht versehen. Einige Abschnitte in Menden und Hemer sind beleuchtet, ebenso der Tunnel im Bereich Edelburg. Ausgeschildert ist die Route derzeit nur über das Radverkehrsnetz NRW.

In der Karte ist der Verlauf des Radwegs zwischen der Westtangente in Menden und dem Südende des Hemeraner Bahnhofs eingezeichnet.

In die Pedale: Von Menden nach Hemer – Los geht´s!

Ausgangspunkt für die Radtour ist der große Parkplatz auf der Battenfelds Wiese nahe der Heilig-Kreuz-Kirche in Menden (Sauerland). Von hier aus geht es links auf die B7. Die Hönnetalbahn nach Neuenrade wird über einen Bahnübergang überquert, ebenso die kurz dahinterliegende Westtangente, die Umgehungsstraße des Stadtzentrums. Rechts quert auch die vom Bahnhof Menden kommende Bahnstrecke, die einst ins Oesetal bis nach Iserlohn führte, diese Straße über eine markante blaue Bogenbrücke. Auf dieser befinden sich der Puffer und somit auch das derzeitige Streckenende.

Ein kleiner Weg quetscht sich an der Lärmschutzwand vorbei auf den neuen Bahntrassenradweg. Es geht hinter der Wand in einem sanften Anstieg los. Schon bald taucht rechts der Bahnsteig des ehemaligen Haltepunkts Am Obsthof auf. Das rot-weiße Gitter am Zuweg zum Radweg stammt noch von einem ursprünglich hier über die Schienen führenden Fußgänger-Bahnübergang. Hier stand das Vorsignal zum Einfahrtsignal zum Mendener Bahnhof. Auf dem Bahnsteig existiert noch ein Fernsprechkasten und auch in einiger Entfernung tauchen noch Kilometerpfosten am Wegesrand auf. Wo noch 2010 der Fotograf auf dem Bahnsteig das vorbeifahrende Rollmaterial festhielt, dürfte heute keiner mehr stehen – Bike-Spotting ist dem Autor zumindest unbekannt. Die einzige Lok, die sich in Streckennähe noch befindet, ist die Form eines kleinen Spielgerätes, das man rechts auf einem Kinderspielplatz entdeckt.

Der folgende ehemalige Bahnübergang Hassenbruch wurde zuletzt durch Schrankenposten gesichert, die die Autos mit der typischen rot-weißen Fahne gestoppt haben. Auf abbiegende Fahrzeuge, die den Querverkehr nicht durchlassen, muss auch heute noch stark geachtet werden. Wir verlassen langsam die Siedlung und das Gewerbegebiet von Menden und passieren das Ortsausgangsschild. Einige Bushaltestellen an der B7 wurden mit dem Radweg umgebaut. Auffällig ist dabei sind die singulären taktilen Elemente für Sehbehinderte. Rechts von der Strecke und auf der anderen Seite der Bundesstraße liegen nun Felder, irgendwo links schlängelt sich die namensgebende Oese, die praktisch im gesamten Verlauf nicht vom Radweg aus wahrgenommen wird, durch die Talsohle Richtung Hönne. Wir erreichen bald die Edelburg. Gegenüber der eigentlichen Burg liegt rechterhand das Produktions- und Logistikzentrums eines bekannten Wasserarmaturenherstellers.

Radweg auf der Bahnstrecke Menden-Hemer (Oesetalbahn)

Streckenende vom Bahnhof Menden (Sauerland)
Startpunkt des Radwegs nach Hemer

Radweg auf der Bahnstrecke Menden-Hemer (Oesetalbahn)

Nach kurzer Zeit erreicht man die Reste des ehemaligen
Haltepunktes Am Obsthof: Drängelgitter eines Übergangs

Bahnstrecke Menden-Hemer Früher und Heute

Dieselbe Perspektive im Vergleich vor der Stilllegung und nach dem Radwegbau: Haltepunkt Am Obsthof 2010 und 2014 (Blick zurück)

Radweg auf der Bahnstrecke Menden-Hemer (Oesetalbahn)

Ortsausgang von Menden Richtung Hemer

Radweg auf der Bahnstrecke Menden-Hemer (Oesetalbahn)

Blick zurück auf Menden bei Kilometer 17,6

Die große Kreuzung, an der der Hauptzuweg zum Industriegebiet von der Bundesstraße abzweigt, wird von der Bahnstrecke unterquert und zum Seitenwechsel genutzt. Im kleinen Tunnel wird die Beleuchtung durch Bewegungsmelder aktiviert. Dahinter liegt die Bundesstraße nun auf der rechten Seite, die Verkehrsdichte ist praktisch unverändert. Hinter dem nächsten ehemaligen Bahnübergang lag der Haltepunkt Oese. Mit dem Bau des Radwegs sind die letzten Relikte davon (z.B. der Rahmen eines alten Stationsschildes) entfernt worden. Heute liegt hier nur noch eine Bushaltestelle gleichen Namens an der Bundesstraße.

Nicht weit von Oese entfernt befindet sich der Haltepunkt Höcklingsen am Rande eines Einkaufszentrums auf der grünen Wiese. Hier sind der Bahnsteig und das alte Schalthaus des Bahnübergangs erhalten geblieben. Es fällt die kleine Umlegung der Strecke zugunsten einer großzügigeren Kreuzung während des Betriebs auf – die Strecke macht einen kleinen Schlenker nach links. Schon einmal musste die Bahn-Infrastruktur der des Autos Vorrang geben. Vorbei an Gärtnerei und Supermarkt nimmt die Steigung im letzten Abschnitt beträchtlich zu, dafür ist der Weg nun beleuchtet. Vorbei an Friedhof und Kläranlage nähern wir uns dem Bahnhof Hemer.

Dort, wo das Einfahrsignal stand, befindet sich unweit der Lungenklink von Hemer der Haltepunkt Bräuckerstraße. Von ihm ist ein Teil des Bahnsteigs sichtbar. Am darauffolgenden ehemaligen Bahnübergang ist Vorsicht geboten – mit Lage in der Kreuzung ist der Verkehr ein wenig unübersichtlich. Es geht in die letzte Kurve vor dem Bahnhof Hemer. Der wurde bereits früh zurückgebaut. Zuletzt besaß er noch zwei Bahnsteige und das Gebäude einer Güterverladung. In der Form einer Banane erstreckte er sich am Rande der Innenstadt und teilte in der Südausfahrt die Strecken auf. Von hier aus verlief rechterhand die Bahnstrecke bis 1989 weiter nach Iserlohn und Letmathe über Westig, linkerhand zweigte eine kleine Stichstrecke nach Sundwig ab, die Zeit ihres Lebens nur für Gütertransporte und wenige Sonderfahrten genutzt und 1977 abgebaut wurde.

Der Radweg folgt den äußersten Gleisen der einstigen Panzerverladung. Der Busbahnhof wurde vergößert und nimmt Teile des alten Bahngeländes ein, ebenso wurde ein großer Parkplatz errichtet. In der Ausfahrt, etwa dort, wo einst das Stellwerk mit dem Fahrdienstleiter Hemer stand, befindet sich ein Schnellrestaurant mit Drive-In. Vom ehemaligen Bahnübergang Ostenschlahstraße ist nichts mehr zu sehen, hier wurde eine Straße auf der alten Trasse gebaut.

Radweg auf der Bahnstrecke Menden-Hemer (Oesetalbahn)

Tunnel unter der Kreuzung an der B7 (Blick zurück)

Radweg auf der Bahnstrecke Menden-Hemer (Oesetalbahn)

Links verstecken sich Überreste des Hp. Höcklingsen

Bahnstrecke Menden-Hemer Früher und Heute

Vergleich früher und heute: Ehemaliger Haltepunkt Oese mit Stationsschildrahmen – und abgeräumt mit Radweg (Blick zurück)

Radweg auf der Bahnstrecke Menden-Hemer (Oesetalbahn)

Grünes Licht – für Radfahrer

Radweg auf der Bahnstrecke Menden-Hemer (Oesetalbahn)

Haltepunkt Bräuckerstraße nahe der Lungenklink von Hemer

Bahnhof Hemer im Jahre 2007

Eine der zahlreichen "Letzten Fahrten" auf der Strecke – hier 2007 (vor der Landesgartenschau)

Radweg auf der Bahnstrecke Menden-Hemer (Oesetalbahn)

Gleisreste im Bahnhofsbereich Hemer, ehemaliger Fußgänger-
Bahnübergang

Alter Bahnhof Hemer

2007 mit Bahnsteigen und Güterschuppen

Letzte Fahrt 2007

Letzte Fahrt 2007

Radweg auf der Bahnstrecke Menden-Hemer (Oesetalbahn)

Schnellrestaurant auf den Schienen: Die Pappeln sind dieselben
wie im Bild darüber hinten sichtbar (Blick zurück).

Der eigentliche Radweg ist hier praktisch zu Ende. Der Verlauf der Bahntrasse lässt sich an einzelnen Relikten bis Iserlohn auch ohne Radweg noch gut verfolgen. Kurz hinter der Bahnhofsausfahrt bildet beispielsweise der alte Bahnsteig des Haltepunkts Hemer Amt die Kante eines Fußgängerweges. In Westig stehen das alte Bahnhofsgebäude und ein Stellwerk. Etwa hinter der markanten Eisenbahnschleife führt ein weiterer Bahntrassenradweg bis zum Westbahnhof (heute Stadtbahnhof) Iserlohns. Erst hier fahren wieder Züge, die Ardey-Bahn über Schwerte nach Dortmund und der Ruhr-Sieg-Express auf dem letzten Überrest der Iserlohner Bahn auf dem westlichen Teil über Letmathe bis Hagen und Essen. Wie eine Demonstration steht das neue Bahnhofsgebäude quer vor den hier endenden Schienen – als würde es sagen: Nach Menden wird von hier aus nie wieder ein Zug fahren.

Anreise mit dem Auto:
Ausgangspunkt Menden: Auf der A44 bis zur Ausfahrt 53 Unna-Ost und auf die B233 Richtung Menden / Iserlohn fahren. Am Ende rechts abbiegen und der B233 über die Wilhelmshöhe und durch Strickherdicke und Langschede folgen. Hinter der Ruhrbrücke im Kreisverkehr die zweite rechts abbiegen und der B515 durch Halingen und Bösperde lange folgen. Hinter der Kreuzung zum Stadtzentrum (immer weiter geradeaus fahren!) folgt irgendwann die markante blaue Bogenbrücke der Oesetalbahn über die Westtangente. Dahinter rechts abfahren Richtung Hemer. Kurz dahinter rechts abbiegen auf die Iserlohner Landstraße und die Bahnstrecke überqueren. Direkt dahinter rechts der Beschilderung zum Parkplatz Battenfeldswiese folgend abbiegen.

Ausgangspunkt Hemer: Auf dem von der A1 bei Hagen abzweigenden Ast der A46 Richtung Iserlohn und Hemer bis zum Autobahnende in Hemer fahren. Links abbiegen auf die B7 Richtung Menden. Nach ca. 2,2 km rechts abbiegen in die Hauptstraße. Nach einem Kilometer entweder parken oder links in die Ostenschlahstraße und sofort wieder links auf einen weiteren Parkplatz.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Iserlohner Landstraße in 58706 Menden (Sauerland) oder Urbecker Straße in 58675 Hemer

Geographische Koordinaten:
51°25'52.94"N, 7°48'09.93"E – Parkplatz Battenfeldswiese
51°25'29.21"N, 7°47'48.24"E – Haltepunkt Am Obsthof
51°24'05.48"N, 7°47'17.58"E – Haltepunkt Oese
51°23'48.71"N, 7°46'42.76"E – Haltepunkt Höcklingsen
51°23'27.44"N, 7°46'01.24"E – Haltepunkt Bräuckerstraße
51°23'13.71"N, 7°46'06.32"E – Bahnhof Hemer, Parkplatz
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
416772 m, 5698476 m – Parkplatz Battenfeldswiese

416341 m, 5697750 m – Haltepunkt Am Obsthof
415707 m, 5695173 m – Haltepunkt Oese
415025 m, 5694667 m – Haltepunkt Höcklingsen
414212 m, 5694023 m – Haltepunkt Bräuckerstraße
414303 m, 5693597 m – Bahnhof Hemer, Parkplatz

Anreise mit dem ÖPNV:
Ausgangspunkt Menden: Von Hagen mit RE 17 bis Fröndenberg, von Dortmund mit RE 57 bis Fröndenberg oder RB 59 bis Unna. Von Unna oder Fröndenberg mit der RB54 Richtung Menden oder Neuenrade bis Menden. Vom Bahnhofsvorplatz in die Obere Promenade, die rechts von der Hönnebrücke abzweigende Nebenstraße. Kurz vor deren Ende rechts in den schmalen Weg vorbei am Ehrenmal bis zur Iserlohner Landstraße am Bahnübergang. Rechts halten, die Tangente überqueren und direkt dahinter rechts auf den Bahntrassenradweg.

Ausgangspunkt Hemer: Da sich Hemer mit der Stilllegung der Bahnstrecke aktiv die SPNV-Anbindung abgeschnitten hat, ist eine Anreise mit Fahrrad im Nahverkehr nur via Menden oder Iserlohn mit dem Bus möglich und wenig empfehlenswert.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Vom RuhrtalRadweg bei Fröndenberg auf der Schmetterlingsroute bis auf den Bahntrassenradweg.

 


Sauerlandpark Hemer & Standortübungsplatz Apricke

Die 15. Landesgartenschau fand im Jahre 2010 von April bis Oktober auf dem Gelände der wenige Jahre zuvor geschlossenen Kaserne der Bundeswehr statt. Angeschlossen ist der Standortübungsplatz Apricke, der sich oberhalb der Kaserne rings um die gleichnamige Ortschaft zieht.

Die Wurzeln gehen in die 1930er Jahre zurück in die Zeit der Wehrmacht. Während des Zweiten Weltkriegs entstand hier das Kriegsgefangenenlager „Stammlager VI a“. Die zumeist russischstämmigen Gefangenen wurden zu großen Teilen zur Zwangsarbeit in den Zechen und Rüstungsbetrieben im Ruhrgebiet verpflichtet. Nach kurzzeitiger Nutzung der Alliierten nach dem Krieg wurde das Gelände der Blücher-Kaserne wieder an die Bundeswehr übergeben. Diese nutzte es bis 2007 vor allem für Übungen im Panzereinsatz.

Im Jahr 2010 fand auf dem Kasernengelände die nordrhein-westfälische Landesgartenschau statt. Unterschiedliche Teilgebiete der Kaserne und des benachbarten Jübergs dienten der Kultur, Spiel und Sport, Themengärten und dem Park der Sinne. Kern war das Grohe-Forum mit dem davor liegenden Himmelsspiegel. Von hier aus führen eine Achse in östlicher Richtung als Himmelsleiter und der wegen seiner scharfen Kehren treffend bezeichnete Zick-Zack-Weg auf den Jüberg. Hier wurde auf 294 Metern über dem Meeresspiegel anlässlich der Gartenschau der ca. 24 Meter hohe hölzerne Aussichtturm „Jübergturm“ errichtet. Er ist Wahrzeichen der Gartenschau und erinnert von der Form her an einen Pokal, da er sich zunächst verjüngt und nach oben hin wieder weiter wird. Von seiner Spitze bietet sich eine exzellente Sicht auf Hemer, das Oesetal, das benachbarte Menden bis ins nahe Ruhrgebiet, das mit dem langgezogenen Haarstrang bei Fröndenberg hervorhebt. Mit der Landesgartenschau wurde auch das benachbarte Felsenmeer neu erschlossen und von der Nordseite mit einer neuen Aussichtsplattform ausgestattet. Die folgenden Impressionen zeigen einen Besuch der Landesgartenschau im Jahre 2010:

Landesgartenschau Hemer 2010 Himmelsleiter zum Jübergturm

Himmelsspiegel auf dem Grohe-Forum mit Achse zum Jübergturm

Landesgartenschau Hemer 2010

Gastronomie auf altem Kasernengelände

Landesgartenschau Hemer 2010

Blick vom Jübergturm über den Übungsplatz Richtung Hönnetal

Landesgartenschau Hemer 2010

Zentraler Platz zwischen den Kasernengebäuden

Landesgartenschau Hemer 2010 Landesgartenschau Hemer 2010

Nach Abschluss der Landesgartenschau wurde im Folgejahr 2011 der neue Sauerlandpark Hemer eröffnet. Wesentliche Attraktionen und zahlreiche Spiel- und Sporteinrichtungen sind erhalten geblieben, so beispielhaft der Himmelsspiegel, der Jübergturm, die Skater-Anlage und Themengärten. Manche Aktionen sind entfallen, neue Einrichtungen sind hinzugekommen.

Der Truppenübungsplatz Apricke, zum Teil auch unter anderen Bezeichnungen zu finden, liegt oberhalb der Kaserne und wurde 1935 eingeweiht. In drei Erweiterungsstufen erstreckt er sich in östlicher Richtung unweit von Deilinghofen und umschloss die Ortschaft Apricke schließlich völlig. Genutzt wurden dabei zuvor als Ackerflächen genutztes Land sowie Wald. Als Lärm-, Staub- und Sichtschutz wurde Apricke 1983 „eingedeicht“ – ein etwa zehn Meter hoher Damm umgibt die Ortschaft noch heute wie eine Hallig im Nordfriesischen Wattenmeer. Im Jahr 2007 wurde das Gelände u.a. von der Stadt Hemer erworben. Ziel war ein Einklang zwischen Naturschutz und Naherholung. Kern des Naturschutzes ist die Erhaltung des Kalkmagerrasens. Er hat sich vor allem durch eine Weidenutzung durch eine Schafherde auf dem Übungsplatz auf dem karbonathaltigen Untergrund (Devonischer Massenkalk) entwickelt und besitzt eine besondere, artenreiche Pflanzen- und Tierwelt. Zu diesem Zweck hält je eine Herde von Heckrindern und Dülmener Wildpferden die Vegetation niedrig und verhindert eine Verbuschung oder Bewaldung des Geländes. Heckrinder sind in den 1920er Jahren gezüchtete kleinere Nachfahren der ausgestorbenen Auerochsen, besonders robust und für eine ganzjährige Außenhaltung geeignet. Benannt sind sie übrigens nach ihren experimentellen Züchtern mit dem Nachnamen Heck.

Aus der Zeit des Standortübungsplatzes sind vor allem zahlreiche Panzerstraßen, wenige Hangars sowie die Reste einer Panzerwaschanlage erhalten geblieben. Zum Teil auf diesen äußerst breiten, geteerten Straßen verlaufen Rad- und Wanderwege, über die sich das ausgedehnte Areal erkunden lässt. Sie führen auch an den großen Weiden vorbei, auf denen sich die Rinder, Pferde und Ziegen gut beobachten lassen können. Eine besondere Weitsicht bietet ein Aussichtsturm am Nordrand des Geländes. Auch er befindet sich auf einem hohen Damm. Dahinter liegt der Kalksteinbruch Stricker-Weicken, dessen Abbautätigkeit sich sehr gut verfolgen lässt.

Standortübungsplatz Apricke Panzerwaschanlage

Gelände der ehemaligen Panzerwaschanlage

Standortübungsplatz Apricke Feuerwehr-Übungshaus

Übungshäuser der örtlichen Feuerwehr

Panzerstraßen auf dem Standortübungsplatz Apricke

Ein Gewirr von Panzerstraßen

Standortübungsplatz Apricke

Blick über die Weiden der Heckrinder nach Deilinghofen

Standortübungsplatz Apricke

Ruhebank an einer alten Panzerstraße mit Blick auf die Heckrinder, hinten der Jübergturm des Sauerlandparks Hemer

Kalksteinbruch Hemer

Blick vom Aussichtsturm (Schatten rechts unten) auf den Steinbruch

Panzerstraßen auf dem Standortübungsplatz Apricke

Panzerstraßen mit sichtbaren Erscheinungen der Abnutzung

Informationen zum Besuch im Sauerlandpark Hemer

und auf dem Standortübungsplatz Apricke:

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Der Sauerlandpark ist saisonal geöffnet. Die genauen Öffnungszeiten sind der offiziellen Webseite zu entnehmen. Auf diesen Internetseiten sind die Eintrittspreise kategorisiert. Die Kosten für den Eintritt für einen Erwachsenen entsprechen der kleinsten Kategorie (unter 5,- Euro pro Person). Genaue Preise, Rabatte und Ermäßigungen sind der offiziellen Internetseite oder Aushängen zu entnehmen.

Der Standortübungsplatz Apricke ist ständig frei zugänglich – Eintritt frei!

Anreise mit dem Auto: Auf dem von der A1 bei Hagen abzweigenden Ast der A46 Richtung Iserlohn und Hemer bis zum Autobahnende in Hemer fahren. Links abbiegen auf die B7 Richtung Menden. Nach ca. 2,2 km rechts abbiegen in die Hauptstraße. Nach einem Kilometer links in die Ostenschlahstraße abbiegen und dem Verlauf bergauf folgen.

Für Besucher des Sauerlandparks bestehen hier bereits Parkmöglichkeiten am Ein- und Ausgang Stadtseite. Für den Eingang Deilinghofen und den Standortübungsplatz im Kreisverkehr vor dem Sauerlandpark rechts abbiegen auf die Deilinghofer Straße. Hinter dem Sportplatz liegt links ein Parkplatz. Hier befinden sich zwei Eingänge zum Park und ein Zugang zum Standortübungsplatz.

Anreise mit Bus und Bahn: Zunächst von Unna oder Fröndenberg mit der RB54 bis Menden (Sauerland). Dort umsteigen (Fußweg vom Bahnhof über die Brücke bis zur Haltestelle an der Ampelkreuzung hinter der Hönne!) in den Bus der Linie 1 Richtung Iserlohn / Letmathe bis zum ZOB. Von dort zu Fuß Richtung Schnellrestaurant und links in die Ostenschlahstraße abbiegen. Geradeaus auf das Gelände des Sauerlandparks.
Zum Übungsplatz der Straße einfach weiter bis zum Parkplatz hinter dem Sportplatz folgen.
Für den etwas weiter entfernt gelegenen Startpunkt bietet sich ein Bürgerbus bis zur Haltstelle Felsenmeer an.

Geographische Koordinaten:
51°23'10.40"N, 7°46'38.96"E – Eingang Sauerlandpark (Stadtmitte)
51°23'00.98"N, 7°47'14.13"E – Eingang Sauerlandpark Deilinghofen
51°23'09.63"N, 7°47'06.51"E – Jübergturm
51°22'52.82"N, 7°46'57.02"E – Aussichtsbalkon Felsenmeer
51°23'17.37"N, 7°47'22.36"E – Panzerwaschanlage
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
414932 m, 5693484 m – Eingang Sauerlandpark (Stadtmitte)
415607 m, 5693182 m – Eingang Sauerlandpark Deilinghofen
415464 m, 5693452 m – Jübergturm
415272 m, 5692935 m – Aussichtsbalkon Felsenmeer
415774 m, 5693686 m – Panzerwaschanlage

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Vom RuhrtalRadweg bei Fröndenberg auf der Schmetterlingsroute (z.T. Bahntrassenradweg Oesetalbahn Menden-Hemer, siehe oben) bis zum Gartenschaugelände.

Quellen und weitere Informationen:

Standortübungsplatz Apricke: www.natur-erleben-nrw.de
Sauerlandpark Hemer:

www.sauerlandpark-hemer.de

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Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 01 / 2016
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr