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Emscherkunst trifft Mittelalter-Burg

Ein Spaziergang zur Henrichenburg, Wartburginsel und zum Aussichtsturm an der Emscher

Bekanntermaßen ist das Thema Gewässer im Ruhrgebiet nicht unproblematisch. Die Emscher floss lange Zeit als offener Abwasserkanal durch das nördliche Ruhrgebiet. Seit einigen Jahren ist jedoch ein Umbau im Gange, der den Wandel von der „Köttelbecke“ zurück zum ganz normalen Fluss vollzieht. Die Quelle befindet sich in Holzwickede im Kreis Unna. Nach 80 Kilometern, auf denen sie u.a. die Städte Dortmund, Essen, Bottrop und Oberhausen durchquert hat, fließt sie in den Rhein. Zwischen Henrichenburg und Oberhausen wird sie vom mal mehr, mal weniger nah verlaufenden Rhein-Herne-Kanal begleitet. Die schmale Zunge zwischen Fluss und Kanal wird als „Emscher-Insel“ bezeichnet. Seit einiger Zeit ist diese Emscher-Insel Zentrum von Kulturveranstaltungen, bietet einen thematischen Radweg und vor allem die Werke der EMSCHERKUNST, die häufig einen Zusammenhang zum Fluss haben und von denen bereits einige auf diesen Internetseiten vorgestellt werden.

Ganz am östlichen Ende der Emscher-Insel, wo der Fluss den Kanal unterfließt, findet unser kurzer Spaziergang statt. Es ist kein Gewaltmarsch, sondern eher einer von der Sorte „spontane Eingebung“ und kombiniert mehrere kleine Sehenswürdigkeiten in Form von Bauwerken und Landschaftsformen. Das Wetter war gut, der Tag frei und es ergab sich diese schöne Gelegenheit mit gutem Anschluss an die Autobahn. In der folgenden Übersicht ist der Weg mit den in der Beschreibung erwähnten Sehenswürdigkeiten markiert.

Karte Henrichenburg, Wartburginsel, Walkway and Tower in Castrop Rauxel

Prinzipiell ziehe ich eigentlich Rundwanderwege vor. Jedenfalls sind solche Touren mit identischem Hin- und Rückweg nicht mein Geschmack. Aber es muss auch mal Ausnahmen geben. Der Weg ist zirka zwei Kilometer lang, mit dem Rückweg also etwas mehr als vier Kilometer. Das ist für einen Spaziergang, wenn man zuvor schon ein anderes Ziel erkundet hat, gerade richtig. Er verläuft auf Bürgersteigen und wassergebundener Oberfläche. Nach Überquerung der Wartburgstraße ist der weitere Verlauf verkehrsberuhigt. Da es sich um eine völlig frei geplante Tour handelt, existiert keine Beschilderung. Große Teile des Weges verlaufen auf dem Emscher-Weg (Radweg), der mit einem blauen Piktogramm und über das Radverkehrsnetz NRW ausgeschildert ist. Mit Radfahrern ist also zu rechnen. Prinzipiell könnte man diese 2 Kilometer Strecke auch mit dem Fahrrad auf einer Etappe des Emscher-Weges durchführen. Aber jetzt und hier wird gewandert. Oder besser: Spazieren gegangen.

Los geht´s!
Ausgangspunkt ist die Henrichenburg. Also die historische Burg, die dem für das Schiffshebewerk heute bekannten Vorort seinen Namen gegeben hat. Wobei der Schleusenpark mit dem Hebewerk nicht einmal in Henrichenburg, sondern in Waltrop steht. Aber das soll heute nicht Thema sein. Die Burg mit Wurzeln im 13. Jahrhundert wurde zufällig wiederentdeckt, nachdem diese im 18. Jahrhundert abgerissen wurde. Das Gelände, das sich direkt am Rhein-Herne-Kanal erstreckt, wurde zu einer Art Archäologischer Landschaftspark. Über eine kleine Holzbrücke kann die historische Burg betreten werden. Grüne Hecken markieren dort den Verlauf von Mauern, höhere Bäume die Standorte von Türmen oder Schornsteinen. Lücken zwischen den Hecken symbolisieren Türen und Durchgänge. Das ist, wie ich finde, eine sehr schöne Variante, um sich die alte Burg vorstellen zu können, während eigentlich für den Laien so gut wie gar nichts mehr vorhanden ist. Während ich auf eine Wolkenlücke warte, um für Sie nicht zu düstere Fotos der Anlage zu präsentieren, macht eine Gruppe von vielleicht 15 Personen meditative Übungen auf dem Vorplatz. Sie ziehen von Dannen, als die Sonne herauskommt, und geben somit den Blick auf die Burg frei.

Henrichenburg (Ruine) in Castrop-Rauxel

Büsche und Bäume markieren Mauern und Türme: Henrichenburg

Henrichenburg (Ruine) in Castrop-Rauxel

Direkt hinter der Burg liegt der Rhein-Herne-Kanal

Henrichenburg (Ruine) in Castrop-Rauxel

Übersicht über den "Irrgarten" Henrichenburg von der Kanalbrücke aus

Henrichenburg (Ruine) in Castrop-Rauxel

Vorburg und Hauptburg, mit einer Holzbrücke verbunden

Henrichenburg (Ruine) in Castrop-Rauxel

Hohe Bäume stellen Türme oder Schornsteine dar

Henrichenburg (Ruine) in Castrop-Rauxel

Wie ein Labyrinth aus englischen Gärten: Mauer-Hecken

Henrichenburg (Ruine) in Castrop-Rauxel

Infotafeln mit historischem Hintergrund

Nach der Besichtigung geht es über die rote Kanalbrücke auf die andere Seite. Wir wechseln die Straßenseite und biegen kurz darauf vor den Sporthallen links ab. Neben uns, zunächst hinter Gärten verborgen, liegt die Alte Fahrt. Das ist ein langgestrecktes Gewässer parallel zum Kanal. Es macht das Gelände mit Tennisplätzen und dem Restaurant Riad zu einer weiteren Insel, obwohl es sich ebenfalls strenggenommen nicht um eine Insel handelt. Sie wird als Wartburginsel bezeichnet. Die Alte Fahrt ist ein ehemaliger Verlauf des Kanals, der zum Ende der 1920er Jahre durch einen Neubau ersetzt wurde und hat deshalb eine so langgestreckte Form. An beiden Seiten ist sie etwa seit den 1940er Jahren nicht mehr an den heutigen Kanal angebunden und bildet somit ein abgeschlossenes Biotop.

Am Ende der Alten Fahrt befindet sich der mittlerweile dritte und neue Emscher-Durchlass unter den Rhein-Herne-Kanal. Mithilfe dieses fließt die Emscher unter dem Kanal durch und wechselt damit von der Süd- auf die Nordseite – und wird dort bis zur Mündung verbleiben. Der zweite langjährige Durchlass befand sich einige hundert Meter weiter südlich und wurde abgerissen. Im Volksmund wird auch vom Emscher-Düker gesprochen, wobei es sich technisch nicht um eine solche Bauform handelt. Ein Düker stünde wie ein Siphon unter einem Waschbecken vollständig unter Wasser und funktioniert durch den Druck des nachfließenden Wassers. Man kann durch die Brücke hindurchschauen, was bedeutet, dass dieser Durchlass keine Siphon-Form hat.

Wartburginsel in Castrop-Rauxel

Südliches Ende der Alten Fahrt, rechts die Wartburginsel

Wartburginsel in Castrop-Rauxel

Wartburginsel und Alte Fahrt in Castrop-Rauxel

Emscher bei Castrop-Rauxel

Die Emscher kurz hinter dem sogenannten Emscher-Düker in renaturierter Form. Link beginnt die Emscher-Insel

Emscher-Durchlass in Castrop-Rauxel

Emscher-Düker bzw. Durchlass unter dem Rhein-Herne-Kanal

Mündung vom Suderwicher Bach in die Emscher bei Castrop-Rauxel

Zum Zeitpunkt des Besuchs verdreckter Suderwicher Bach

Nach 300 Metern mündet der Suderwicher Bach oder Suderwichbach in die Emscher. Zum Zeitpunkt des Besuchs war dies noch ein offener Abwasserkanal mit brauner, stinkender Brühe, in dem sich bei genauer Beobachtung Details beobachten ließen, die in mehreren Kaskaden in die Emscher runter plumpsten und das schon recht saubere Flusswasser in braune Wolken tauchten. Mir war seinerzeit nicht bewusst, wie weit der Emscherumbau inzwischen genau fortgeschritten war, aber spätestens ab hier wurde die Emscher, die von der Quelle bis zur Mündung umgebaut und ökologisch angepasst wird, wieder zur Köttelbecke. Biologen, Ökologen und andere Fachleute reden übrigens nicht von Renaturierung. Die mögen den Begriff nicht. Ökologische Anpassung klingt auch viel schlauer.

Einen Kilometer hinter der Wartburginsel liegt das Ziel des Spaziergangs. Es ist ein hölzerner Aussichtsturm. Er wurde im Zuge der EMSCHERKUNST.2010 vom Japaner Tadashi Kawamata konzipiert und errichtet und trägt den Titel „Walkway and Tower“. Über eine Treppe im Innern lässt sich die Aussichtsplattform erklimmen und in das im Wandel befindliche Emschertal mit dem noch begradigten Fluss blicken. Der Turm wirkt bei genauerem Hinsehen beschädigt oder provisorisch (z.B. durch schief angebrachte Holzlatten), was aber bereits von Anfang an so war und vom Künstler beabsichtigt ist. Die Vergänglichkeit hat einen Bezug zum Fluss oder Emschertal. Zum Turm führt (neben der kurzen Rampe in der Wiese) ein hölzerner Laufsteg im Zickzack – der Walkway.

Emscherkunst 2010 "Walkway and Tower" in Castrop-Rauxel

Ziel in Sichtweite: Holzturm am Wegesrand

Emscherkunst 2010 "Walkway and Tower" in Castrop-Rauxel

Aussichtspunkt und Zugang über den Walkway

Emscherkunst 2010 "Walkway and Tower" in Castrop-Rauxel

EMSCHERKUNST.2010: "Walkway and Tower" von Tadashi Kawamata – ein hölzerner Aussichtsturm mit Alterserscheinungen

Emscherkunst 2010 "Walkway and Tower" in Castrop-Rauxel

Der Walkway endet vor der Eingangstür

Emscherkunst 2010 "Walkway and Tower" in Castrop-Rauxel

Aussichtsplattform mit Blick ins Emschertal

Emscherkunst 2010 "Walkway and Tower" in Castrop-Rauxel

Aussichtsturm der EMSCHERKUNST von unten gesehen

Emscherkunst 2010 "Walkway and Tower" in Castrop-Rauxel

Blick in Richtung Castrop-Rauxel – zum Ausgangspunkt der Tour

Am Turm liegt der Umkehrpunkt für den kurzen Spaziergang. Man müsste schon ein Fahrrad haben, um auf dem Emscher-Weg weiter bis nach Recklinghausen zu gelangen. Etwa 6 Kilometer sind es von hier bis zum Stadthafen. Also geht es auf gleicher Strecke wieder zurück zum Ausgangspunkt an der Henrichenburg.

 

Informationen zum Besuch von Henrichenburg, Wartburginsel

und "Walkway and Tower":

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Alle beschriebenen Routenpunkte sind ständig frei zugänglich.

Anreise mit dem Auto:
Zum Ausgangspunkt / zur Henrichenburg: Auf der A2 bis zur Ausfahrt 11 Henrichenburg. Links abbiegen auf die B235 Hebewerkstraße. Nach ca. 500 Metern rechts abbiegen auf die Freiheitstraße. Nach weiteren 500 Metern rechts abbiegen in die Straße Am Friedhof und sofort links in die In der Stühe. Hier im Kreuzungsbereich sowie am Ende dieser Straße an der T-Kreuzung befindet sich je ein Zugang zur Henrichenburg und unserem Ausgangspunkt.

Zur Wartburginsel: der Straße bis zum Ende folgen und rechts auf die Kanalbrücke. Dahinter links auf den Parkplatz des Restaurants. Alternativ dahinter links in die Industriestraße, am Ende links bis zum Wendehammer und dort parken.

Das Kunstwerk „Walkway and Tower“ ist nicht mit dem Auto erreichbar und erfordert eine Anreise zu Fuß. Kürzester Weg ist der vom besagten Wendehammer an der Industriestraße ("zur Wartburginsel ...")

Zieleingabe ins Navigationssystem: In der Stühe, Nähe Kreuzung Am Friedhof oder Industriestraße in Castrop-Rauxel

Geographische Koordinaten:
51°35'57.86"N, 7°18'12.17"E – Henrichenburg
51°35'46.98"N, 7°17'55.63"E – Emscher-Durchlass
51°35'22.90"N, 7°17'10.11"E – Walkway and Tower (Emscherkunst)
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
382493 m, 5717848 m – Henrichenburg

382167 m, 5717519 m – Emscher-Durchlass
381274 m, 5716796 m – Walkway and Tower (Emscherkunst)

Anreise mit Bus und Bahn: Henrichenburg ist nicht mit der Bahn erreichbar. Die nächsten Bushaltestellen sind Wartburg und Schöttelkamp mit Anbindung an den Hauptbahnhof in Recklinghausen.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Die Tour liegt vollständig auf der Route des Emscher-Radweges. Sie kann mit dem Fahrrad als Teil des Themenweges zwischen Holzwickede und Dinslaken durchgeführt werden.

Kartenmaterial: In den rechts dargestellten reiß- und wetterfesten Radwander- bzw. Rad- und Wanderkarten des Verlages Publicpress "Dortmund und Umgebung" sowie "Recklinghausen, Halterner Stausee, Südliches Münsterland" ist die in der Tour beschriebene Region dargestellt. In der Rad- und Wanderkarte "Essen und Umgebung" ist sie nur in der äußersten Ecke abgebildet.

Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite beim Verlag – Karten werden versandkostenfrei versendet. Für Webseite und Verkauf ist der Verlag verantwortlich.

Rad- und Wanderkarte Dortmund und Umgebung   Rad- und Wanderkarte Recklinghausen - Haltener Stausee  Rad- und Wanderkarte Essen und Umgebung   Radwanderkarte Ruhrgebiet

Quellen und weitere Informationen:

EMSCHERKUNST Walkway and Tower: www.emscherkunst.de
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Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 08 / 2017
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr