Navigation Hier klicken, um zur Hauptseite zu gelangen! Halden im Ruhrgebiet Linktipps Kunst, Landmarken und Aussichtspunkte im Ruhrgebiet Natur und Landschaft im Ruhrgebiet Zechen und Industrie Alte Gemäuer - Burgen und Schlösser Radfahren und Wandern Museen und Ausstellungen im Ruhrgebiet Impressum und Kontakt

Das Naturschutzgebiet Kiebitzwiese in Fröndenberg/Ruhr

Normalerweise zeige ich weder auf diesen Internetseiten noch in den Social-Media-Zugängen Fotos von meinem Essen. In diesem Falle mache ich aber mal eine Ausnahme. Sie sehen nachfolgend daher eine Fotografie von einem großen Teller Spagetti mit Hackfleischsoße, garniert mit handgeriebenen Parmesan-Flocken. Natürlich Bio-Nudeln. Von den im Rezept angegebenen Mengen werden höchstens Hamster satt, sodass ich die Gewichtseinheiten mindestens verdoppele. Nudeln machen schließlich glücklich. Sie können sich außerdem darauf verlassen, dass der Teller fünf oder zehn Minuten nach der Foto-Aufnahme nicht mehr so ausgesehen hat.

Läuft Ihnen der Speichel dabei nicht auch im Mund zusammen? Und fragen Sie sich nicht langsam, was das ganze eigentlich mit dem Thema zu tun hat, das im Titel dieser Seite angegeben ist? Irgendwas mit Naturschutzgebiet? Irgendwo am Rande des Ruhrgebiets?

Ein Teller Spagetti mit Heckrindhackfleisch

Nicht nur die Nudeln haben glücklich im Freiland gelebt. Auch das Fleisch, ausschließlich Rinderhack übrigens, ist aus ökologischer Haltung. Und ich kann Ihnen sogar sagen, dass das Tier, von dem das Fleisch stammt, einen Namen hatte, der mit K... anfing. Katrin, Kiara, Kristina, Konrad, Karl – genau weiß ich es nicht (vielleicht sind an dem Hack auch mehrere beteiligt), aber der Anfangsbuchstabe ist sicher. Es schmeckt vorzüglich, etwas strenger als übliches Gewolftes und die Farbe ist etwas dunkler.

Durch einen glücklichen Zufall bin ich an dieses Fleisch gekommen – nachdem wieder einmal ein Heckrind von der Kiebitzwiese in Fröndenberg geschlachtet werden musste, damit es dort nicht zu viele werden. Ab und zu muss die Herde ausgedünnt werden. Und in dem Falle bin ich letzter Teil der Nahrungskette. Damit sind wir auch beim Thema, das mich ausnahmsweise zum Food-Blogger macht:

Einmal mehr stand die Trinkwassergewinnung und Stromerzeugung vor der Natur, als die Ruhr im Jahre 1923 mit den neuen Wehranlagen für das Wasserkraftwerk Schwitten bei Fröndenberg stark befestigt und eingedeicht wurde. Aus dem ursprünglichen Auenland mit vielen feuchten Wiesen bei Westick wurde bald wertvoller Ackerboden. Für die Aue typische Überflutungen und Schwankungen des Wasserstands sind nun auch durch die gezielte Steuerung der Zuflüsse aus dem Sauerland verhindert. Das heißt, dass beispielsweise an der Möhnetalsperre festgelegt wird, wie viel Wasser in die Ruhr und letztlich auch durch Fröndenberg fließt – Hochwasser gibt es daher meist nur gemäßigt. Wälder und Hecken wurden in der Folgezeit ebenfalls größtenteils gerodet. Wo sich einst Kiebitz und Co. wohlfühlten, wurde ein Lebensraum zerstört. Doch Jahrzehnte später kam es zu einem Umdenken: Fehler von Damals wurden wieder rückgängig gemacht.

Im Jahr 2002 wurde eine 46 ha große Fläche zwischen Ruhrbogen und einem inzwischen entstandenen Gewerbegebiet bei Fröndenberg zum Naturschutzgebiet. Es zieht sich auf einer Länge von ca. 2,5 km entlang der Ruhr, die hier nicht nur die Grenze vom Kreis Unna (wo sich das Naturschutzgebiet befindet) zum Märkischen Kreis (drüben, auf der anderen Seite), sondern auch vom Ruhrgebiet zum nördlichen Sauerland bildet. Zunächst wurden aus den Äckern wieder Weideflächen, die schon Jahre zuvor erworben und übergangsweise nur abgemäht wurden. Eine angesiedelte Herde Heckrinder sorgt seit 2009 auf natürliche Art und Weise dafür (sie fressen), dass sich auf dem nicht mehr bewirtschafteten Boden kein Wald ausbildet – aus den Mähwiesen entstanden wilde Weiden. Heckrinder sind Züchtungen, die eine "Rekonstruktion" der im 17. Jahrhundert ausgestorbenen Auerochsen aus Hausrindern darstellen sollen. Die Heckrinder, benannt nach ihren Züchtern aus den 1920er Jahren, sind zwar kleinere und leichtere Wildrinder, dennoch sehr robust und anspruchslos und damit für eine ganzjährige Bewirtschaftung der Kiebitzwiese geeignet. Inzwischen scheinen sich die Heckrinder heimisch zu fühlen und haben sich vermehrt. Ein Grund, warum die ab und zu geschlachtet werden müssen, da es sonst zu viele werden. Und das Fleisch landet dann unter Umständen auf Tellern von Food-Bloggern.

Seit 2011 wird das Gebiet wieder vernässt, Wasser aus einem Bach wird in die wilde Weide eingeleitet. Alte Wassergräben und niedrige Senken füllten sich mit Wasser und bilden eine neue, künstliche Auenlandschaft mit kleinen Abstrichen. Im Luftbild unten ist die Kiebitzwiese dargestellt. Nördlich der Ruhr sind deutlich die verzweigten Blänke und Wasserflächen zu erkennen. Die roten Pfade, die ich eingezeichnet habe, sind begehbare Wege um die unzugängliche eigentliche Kiebitzwiese. Das lilafarbene Band ist der RuhrtalRadweg, der direkt daran vorbeiführt. Das Stauwehr an der Ruhr ist ebenso wie der Aussichtshügel an der Werner-von-Siemens-Straße gekennzeichnet.

Karte Kiebitzwiese Fröndenberg

Dass sich die Natur nach Unterschutzstellung der Kiebitzwiese die neue Aue zurückerobert, lässt sich am besten von eben diesem Aussichtshügel feststellen. Gut versteckt hinter Holzpalisaden lassen sich nicht nur die Heckrinder beobachten, die gemächlich durch das Gras und auch durch die Wassergräben trotten und dem Beobachter stoische Ruhe vermitteln, sondern auch eine überaus breite Vogelwelt. Sie reicht von ständigen Gästen wie Gänsen über Sommerbewohnern wie Störchen, Neuntötern, Rohrammern und Kiebitzen, die dem Gebiet nach langer Abwesenheit wieder seinen sinnvollen Namen geben, zweimal jährlich vorkommenden Durchzüglern während des Vogelflugs der Zugvögel bis hin zu Wintergästen wie Reihern oder Bekassinen. Ein Rotkehlchen habe ich auch schon gesehen.

Informationstafeln auf dem Hügel und in der Nähe des Wehrs erläutern die geschichtliche Entwicklung der Kiebitzwiese mit Fotos und historischen Karten oder stellen Heckrinder und Vogelarten vor. Die Namen der hier geborenen Tiere fangen übrigens in Anlehnung an ihren Geburtsort (Kiebitzwiese) alle mit K an und werden meist von Kindern aus Fröndenberger Kindergärten vergeben. Wie viele Namen fallen Ihnen eigentlich spontan mit K ein? Kevin... Klara... ähm... Ein Blick auf Internetseiten für Paare, die gerade Kinder bekommen, hilft dabei. Es sind mehrere hundert Stück. Es können also noch viele kleine Heckrinder kommen, ohne Namen zu wiederholen.

Der Aussichtshügel liegt recht weit im Osten. Wenn man Pech hat, sieht man von hier abhängig von der Witterung und dem Hunger der Tiere nur wenig. Es kann sein, dass die sich in schwer einsehbare Teile hinter einer Baumreihe verstecken. Dann kann man vom Hügel bis zum Wehr laufen und sein Glück auf dieser Seite versuchen. Für Radfahrer lohnt ein Anhalten eigentlich immer – aber eine Garantie, etwas zu entdecken, kann man nicht geben. Nehmen Sie sich aber auf jeden Fall ein Fernglas mit. Oder ein Teleobjektiv. Es könnte nützlich sein.

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Wasserreiche Kiebitzwiese in Fröndenberg

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Heckrinder am Ufer einer Wasserfläche im Naturschutzgebiet

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Kiebitz mit der typischen Haube am Kopf

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Aufgang zum Aussichtspunkt an der Kiebitzwiese

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Erläuternde Informationstafeln am Ruhrwehr

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Mit mächtigen Hörnern auf dem Kopf wird fleißig gegrast

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Vereiste Wasserflächen im Winter: Die Tiere stört´s nicht

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Heckrind-Stier watet durch einen Wassergraben

Rotkehlchen

Auch ein Rotkehlchen gibt sich ein Stelldichein

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Mit Palisaden und Staketenzäunen getarnter Aussichtshügel im Winter: der Bach dampft in der Mittagssonne

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese mit Erläuterung

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Stauwehr der Ruhr unweit des Naturschutzgebietes

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Uferpflanzen direkt an der Ruhr

Naturschutzgebiet Kiebitzwiese Fröndenberg

Pfad entlang der Ruhr nach Westick

Fazit und Tipp des Webmasters: Das Naturschutzgebiet eignet sich perfekt für eine Pause der Fahrradtour auf dem RuhrtalRadweg oder als Abstecher von nahegelegenen anderen Zielen in der direkten Umgebung, wie z.B. dem Kettenschmiedemuseum, dem Wildwald Voßwinkel oder dem Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna. Sofern sich die Heckrinder im Blickfeld aufhalten, macht es Spaß, innezuhalten und das Verhalten der Tiere zu beobachten.

Informationen zum Besuch an der Kiebitzwiese:

Das Naturschutzgebiet Kiebitzwiese ist eingezäunt und kann nur über am Rande verlaufende Wanderwege und den zentralen Aussichtspunkt ständig eingesehen werden (siehe Wege in der Karte oben). Schilder mit der Warnung "Vorsicht Bullenweide" sind ernst zu nehmen! Zäune sollten aus Interesse der eigenen Gesundheit (Heckrinder! Hörner!!) und zum Schutze der Natur nicht überstiegen werden. Es gelten die üblichen Verhaltensregeln in Schutzgebieten, um die Tiere nicht zu stören oder Pflanzen zu beschädigen.

Auch, wenn stationäre Fernrohre am Aussichtspunkt stehen: bringen Sie doch einen Feldstecher o.ä. mit! Für Kameras die Teleobjektive nicht vergessen. Wie der Mensch auch ziehen sich die Tiere z.B. bei heißem Wetter unter uneinsehbare Bäume zurück. Es kann vorkommen, dass sich vom Aussichtspunkt kaum bis keine Vögel oder Rinder beobachten lassen.

Anreise mit dem Auto: Auf der A44 bis Unna-Ost, dort auf der B233 Richtung Fröndenberg. Am Ende der Ausbaustraße rechts auf die B233 Richtung Fröndenberg. Über die Hügelkuppe fahren und dann stetig bergab bis Langschede. Hier der Beschilderung Richtung Fröndenberg folgend an der Ampel links abbiegen. Über den Bahnübergang und den Berg hinauf durch Ardey. In Fröndenberg an der Ampel links Richtung Wickede, sofort wieder rechts auf die Unionstraße. Geradeaus weiter auf der Alleestraße und am Bahnübergang links abbiegen. Nach 900 m macht die Straße eine S-Kurve. Dahinter rechts abbiegen in die Hans-Martin-Schleyer-Straße oder die darauffolgende Wernher-von-Braun-Straße. Am Ende jeweils links abbiegen in die Werner-von-Siemens-Straße. Im Bereich der Kreuzung Wernher-von-Braun-Straße liegt der Zugang zum Aussichtshügel.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Werner-von-Siemens-Straße, Kreuzung Wernher-von-Braun-Straße in 58730 Fröndenberg/Ruhr

Geographische Koordinaten: 51°28'28.58"N, 7°48'01.46"E – Aussichtspunkt Kiebitzwiese
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 416687 m, 5703287 m – Aussichtspunkt Kiebitzwiese

Anreise mit Bus und Bahn: Vorneweg gesagt ist der Fußweg vom Bahnhof zum Ziel mit ca. 3 km recht lang. Sinnvoll ist daher die Anreise mit dem Fahrrad oder dem Auto!

Von Dortmund, Unna oder Hagen mit RE 17 / 57 bzw. RB 54 bis Fröndenberg. Von dort zu Fuß vom Bahnhofsgebäude Bahnsteig 1 / 11 auf der Bahnhofstraße geradeaus, am Bahnübergang geradeaus und rechts in die Graf-Adolf-Straße. Etwa 1,2 km immer dem Straßenverlauf folgen. Etwa 400m hinter dem Stadion (hinter Kreuzung Herman-Löns-Straße) führt bereits ein Feldweg rechts zur Ruhr zum NSG Kiebitzwiese. Zum Aussichtspunkt weiter geradeaus um die Kurve, sofort rechts, um die Linkskurve und sofort rechts abbiegen in die Werner-von-Siemens-Straße. Geradeaus bis zur Kreuzung Wernher-von-Braun-Straße.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Der RuhrtalRadweg von Winterberg nach Duisburg führt direkt am Naturschutzgebiet Kiebitzwiese vorbei.

Kartenmaterial: In den rechts dargestellten reiß- und wetterfesten Radwander- bzw. Wanderkarten des Verlages Publicpress ist das Naturschutzgebiet zum Teil eingezeichnet. Im Wander-Leporello WestfalenWanderWeg im für Wanderungen idealen Maßstab 1:35.000 befindet es sich auf Seite 8. Auch Im Rad-Leporello RuhrtalRadweg im Maßstab 1:50.000 befindet sich die Kibitzwiese auf der Kachel 8. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite beim Verlag – Karten werden versandkostenfrei versendet. Für Webseite und Verkauf ist der Verlag verantwortlich.

Westfalen WanderWeg  

Quellen und Weitere Informationen:

Ausführliche Dokumentation der Biologischen Station Kreis Unna: www.biostationunna.de

Industriekultur im Ruhrgebiet Auf der Auswahlseite finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten und sehenswerten Zielen im Ruhrgebiet. Betrachtet werden alte Zechen und Industrieanlagen, Landschaft & Natur, Museen oder technische Besonderheiten ebenso wie Halden im Ruhrgebiet und Landmarken. Bitte auf das Schild klicken.

Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 09 / 2017
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr