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Neu-Iserlohn in Bochum

Ehemalige Zeche, Kokerei und Halden und ein Fördergerüst auf der Autobahnraststätte

Unmittelbar an der Stadtgrenze zu Dortmund befand sich die Zeche Neu-Iserlohn im Bochumer Stadtteil Langendreer. Benannt ist die Zeche, die zunächst Zeche Münsterland hieß, seit 1868 nach der Herkunft wichtiger Investoren – und das war die Waldstadt Iserlohn im Sauerland, etwa 30 Kilometer von hier entfernt und mit eine Wiege der Industrie in der Region. Der erste Schacht der Zeche wurde 1858 in Betrieb genommen. Nicht einmal ein Kilometer lagen die späteren zwei Schachtanlagen mit insgesamt fünf Schächten auseinander – die erste an der Beverstraße, die zweite am Lütgendortmunder Hellweg. Die Stilllegung erfolgte im Jahr 1958.

Die südlich gelegene Schachtanlage I / III lag nach der Stilllegung brach. Erst viele Jahre später entdeckte man die Ruinen der alten Kokerei wieder, die im Weiteren näher vorgestellt werden. Von der nördlichen Schachtanlage II / IV sind immerhin einige Betriebsgebäude erhalten. Ein Thema in diesem Artikel sind auch die nicht mehr vorhandenen Bergehalden von Neu-Iserlohn.

 

Kokerei Neu-Iserlohn I / III

Die verlassenen Ruinen einer uralten Kokerei mitten im Wald

Man muss schon recht genau wissen, wo man suchen muss. Und wie man dort hinkommt. Dabei wird dieser Ort sogar auf der Internetseite der Route Industriekultur beschrieben. Hinweis- oder Informationstafeln gibt es nicht – im Gegenteil: Schilder warnen kurz vor dem Ziel abwechselnd vor Ein- und Absturzgefahr. EinsturzgefahrPfade verlaufen durch das Gebüsch, andere kennen sich hier offenbar besser aus.

Doch auch ohne illegale Wege steht man plötzlich im Wald vor einer Wand aus gemauerten Rundbögen, die wie eine alte, vergessene Mayastadt im Urwald zugewachsen ist. Bäume wachsen auf dem Dach, Efeu rankt von oben herunter und bedeckt die Öffnungen der Bögen wie Vorhänge. Einige der Höhlungen sind eingestürzt. Nicht ohne Grund verhindert ein Zaun die weitere Näherung an die Anlage. Doch was genau ist das eigentlich?

Mit Bewunderung liest man von den stellenweise als "die ältesten Zeugnisse des Kokereiwesens im Ruhrgebiet" geltenden Relikten, die die Ruinen der Kokerei auf dem brachliegenden Gelände der Zeche Neu-Iserlohn I / III darstellen. Die Kokerei stammt aus dem Jahre 1895 und war bis 1907 in Betrieb. Sie besaß 60 Öfen und wurde dann durch einen direkt benachbarten Neubau ersetzt. Die Rundbögen wurden danach anderweitig genutzt. Nach Anschluss der Zeche an das Bergwerk Robert Müser, das auch andere Zechen übernommen hatte, erfolgte der Abriss der Übertageanlagen. Das Gelände lag brach und geriet in Vergessenheit. Lange Zeit blieben die Ruinen unentdeckt. Der Wald konnte sich ungestört ausbreiten, bis die Industrieruine aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts im Jahr 1989 wiederentdeckt wurde.

Heute präsentieren sich die Bögen als stark einsturzgefährdete, aber spannende Kulisse. Ein mannshoher Zaun verhindert das Betreten der Anlage, das allerdings auch schon gesunder Menschenverstand tun sollte. Die Folgenden Fotos sind am Zaun stehend mit darüber gehaltener Kamera entstanden.

Kokerei Neu-Iserlohn in Bochum

 

Kokerei Neu-Iserlohn in Bochum

 

Kokerei Neu-Iserlohn in Bochum Kokerei Neu-Iserlohn in Bochum

Wichtiger Hinweis: Die Industrieruinen sind stark einsturzgefährdet bzw. zum Teil bereits eingestürzt. Von der Anlage geht daher eine direkte Gefahr für Leib und Leben aus, sofern man sich zu dicht an oder sogar in oder auf den Bögen aufhält. Beachten Sie die Schilder und Zäune. Bitte sorgen Sie mit Ihrem Verhalten vor Ort dazu, dass die Anlage nicht abgerissen oder vollends abgesperrt wird, sodass sie auch in Zukunft noch interessierten Besuchern einsehbar bleibt.

Da auf der Seite der Route Industriekultur eine Anreisebeschreibung zu finden ist, wäre es unsinnig, hier darauf zu verzichten.

Anreise mit dem Auto: Auf der A40 bis zur Ausfahrt 41 Dortmund-Kley. Aus Richtung Bochum rechts, aus Richtung Dortmund links abbiegen auf die Borussiastraße. Unter der Bahn hindurch, an der nächsten Kreuzung geradeaus und die nächste Möglichkeit links in die Somborner Straße. Die Bahn unterqueren und nach 800m in der Rechtskurve links abbiegen in die Somborner Straße und unter der Autobahn herfahren. Am Ende rechts und dann rechts abbiegen in die Schorlandstraße. Direkt wieder rechts halten in die Beverstraße (Stadtgebiet Bochum). Im Bereich der ersten Häuser rechts am Rand parken. Der Zugang befindet sich auf der linken Seite etwa am Beginn des Wäldchens auf der rechten Seite.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Beverstraße in 44894 Bochum

Geographische Koordinaten: 51°29'28.31"N, 7°20'30.47"E
Die Koordinaten können in das Eingabefeld z.B. von GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 384881 m, 5705753 m

Anreise mit Bus und Bahn: Von Dortmund Stadthaus, Bochum, Essen oder Unna mit der S4 bis Dortmund-Somborn. Zu Fuß auf die Somborner Straße und rechts bis zur Autobahnbrücke (bzw. geradeaus, wenn der Weg durch die Siedlung gewählt wurde – Straßenkarte beachten!). Am Ende rechts und dann rechts abbiegen in die Schorlandstraße. Direkt wieder rechts halten in die Beverstraße (Stadtgebiet Bochum). Kurz bevor rechts der Wald anfängt, liegt links der Zugang zum Kokereigelände.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Kein Themaradweg führt an den Ruinen vorbei. Das Ziel wird über das Radverkehrsnetz NRW und ruhige Nebenstraßen erreicht. Ein Abstecher ist vom Rheinischen Esel aus möglich.

Quellen und weitere Informationen:

Route der Industriekultur zur Kokerei:
www.route-industriekultur.de
Zeche Neu-Iserlohn bei Ruhrzechenaus: www.ruhrzechenaus.de

 

Halden Neu-Iserlohn

Von einer großen und mehreren kleinen ehemaligen Bergehalden

Im Landstrich zwischen den beiden Schachtanlagen I / III im Süden und II / IV im Norden befanden sich eine größere und vermutlich mehrere kleine Bergehalden. Die größte erstreckte sich zwischen der Beverstraße und der heutigen Autobahn-Raststätte und hatte in der unten dargestellten Ansicht eine Ausdehnung von etwa 2,5 Hektar. Sie muss später ganz oder zum Teil abgetragen worden sein und später teilweise wieder durch anderes Bodenmaterial angeschüttet worden sein – die heutigen Böschungen im Wald entlang der Beverstraße sind nicht annähernd deckungsgleich mit den früheren Haldenböschungen. Außerdem lagen zeitweise in Teilen kleine Gartenparzellen an ihrer Stelle.

Eine weitere, etwa 2 Hektar groß, war dort zu finden, wo heute der Sportplatz an der Everstalstraße ist und wurde im Westen und Nordwesten durch die Stadtgrenze begrenzt. Im Luftbild sind noch kleinere Halden möglicherweise ebenfalls mit Abraum im Bereich der Schachtanlage II / IV zu finden. An deren Stellen befinden sich heute eine Waldfläche und der Parkplatz eines Gewerbebetriebs. Teile der Zeche sind heute die Justizvollzugsanstalt Langendreer, benachbart von der ehemaligen Ritter-Brauerei auf Dortmunder Stadtgebiet.

Die folgende interaktive Abbildung zeigt ein Luftbild aus dem Gebiet der Zeche Neu-Iserlohn mitsamt ihren beiden Schachtanlagen aus den 1920er Jahren und heute. Mit Mausklick oder Fingertipp können Sie die deckungsgleichen Fotos immer wieder austauschen, um die Situation damals und heute zu vergleichen. In der historischen Aufnahme fehlen die A40 und die Siedlung südlich und östlich der Evertalstraße. Deutlich sind vier Halden erkennbar. Die oben in dieser Dokumentation vorgestellten Kokerei-Ruinen sind ebenfalls eingezeichnet.

 Historische Ansichten der Zeche Neu-Iserlohn in Bochum

 

Raststätte Beverbach

Stilisiertes Fördergerüst als Aussichtsplattform

Es ist das erste und einzige Fördergerüst, das nach vielen, vielen Jahren wieder im Ruhrgebiet aufgebaut wurde. Es ist für Autofahrer von weitem sichtbar und befindet sich auf dem südlichen Rastplatz Beverbach an der A40. Dieser liegt direkt an und auf der Stadtgrenze zwischen Bochum und Dortmund. Das – zugegebenermaßen etwas vereinfachte – hellgrüne Fördergerüst ist eine zwei Etagen umfassende Aussichtsplattform über das Emschertal und kann seit 2014 besucht und über das Raststätten-Gebäude betreten werden.

Das Gerüst stellt eine neue Landmarke im Ruhrgebiet dar, ist ein Orientierungspunkt an der Autobahn und sicherlich thematisch kaum passender in der Bergbauregion.

Raststätte Beverbach an der A40

Vereinfachtes Fördergerüst mit zwei Terrassen als Eingang

Raststätte Beverbach an der A40

Blick von den Terrassen Richtung Dortmund

Raststätte Beverbach an der A40

Schwarz-gelb und blau-weiß: Fußballthema auf der Stadtgrenze

Raststätte Beverbach an der A40

Der Förderturm besitzt auch zwei "Seilscheiben"

Anreise: Die Anreise zur Raststätte Beverbach kann ausschließlich mit dem Auto erfolgen. Auf der A40 von Essen Richtung Dortmund zwischen den Anschlussstellen 40 Lütgendortmund und 41 Kley. In Richtung Essen an der Ausfahrt 40 Lütgendortmund abfahren, dreimal rechts und in Gegenrichtung auf die A40 auffahren.

Industriekultur im Ruhrgebiet

Weitere Bergehalden sind von der Übersichtsseite zu diesem Thema auswählbar. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Halden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden.

Auf der Auswahlseite Industriekultur finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten und sehenswerten Zielen im Ruhrgebiet. Betrachtet werden Natur & Landschaft, alte Zechen und Industrieanlagen und andere technische Besonderheiten.

Halden Ausflugsziele


Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 02 / 2016
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr