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Die Spur der Kohle: Pleßbachweg in Sprockhövel und Witten

Von Ruinen im Wald, Halden am Bach und Relikte an alten Eisenbahnstrecken

Den Überresten und historischen Stätten des frühen Bergbaus im Pleßbachtal geht der bis zu ca. 9 km lange Bergbauwanderweg auf die Spur. Durch die in nicht besonders großer Tiefe anliegenden Kohleflöze wurde bereits früh und oberflächennah Bergbau betrieben. Damit zählt die Region ähnlich wie das nahe Muttental in Witten zur Wiege des Bergbaus. Einzelne Stichwege zu Sehenswürdigkeiten sind in die genannte Streckenlänge eingeschlossen, der Hauptweg an sich ist etwa vier Kilometer kürzer. Je nach Interesse lohnen die Abstecher mal mehr und mal weniger. Der Weg verläuft rund um den Sprockhöveler Ortsteil Hohe Egge und überschreitet auch die Stadtgrenze nach Witten. An vielen Orten sind Tafeln mit kurzen, informativen Texten und Abbildungen zu nahezu zwei Dutzend Zielen am Weg angebracht. Passiert werden dabei in wunderschöner Wald- und Berglandschaft Pingen, kleine Schachtrekonstruktionen, Halden, Verladeanlagen und als Höhepunkt am Weg die Ruinen von ehemaligen Zechengebäuden. Nur wenige Objekte sind sonst heute noch zum Anfassen vorhanden, insbesondere ehemalige Stollen und Schächte muss man sich häufig einfach vorstellen – hier hängt dann nur ein Schild am Baum. Dafür lernt man bislang auf diesen Internetseiten eher selten verwendete Vokabeln, wie Ackeldruft und Rösche.

Markierung, Stationen, Verlauf

Karte PleßbachwegDer Untergrund und die Art des Weges variieren im Verlauf stark. Handelt es sich zunächst um Waldpfade, ist er streckenweise sehr gut ausgebaut oder verläuft auf der zweiten Hälfte sogar auf Asphaltstraßen. Als Trampelpfad durchs Gebüsch müssen an wenigen Stellen Steigungen bewältigt werden. Für Radfahrer ist der Pleßbachweg daher, sofern man ihm vollständig folgen möchte, ungeeignet. Gleiches gilt für Kinder- oder Bollerwagen. Das Verkehrsaufkommen auch auf den Straßen-Abschnitten ist äußerst gering bis Null. Für eine vollständige Wanderung ist eine Zeit von etwa zweieinhalb bis drei Stunden einzuplanen. Das Auslassen von einem oder mehreren der drei Stichwege reduziert diese Zeitvorgabe bei Bedarf deutlich, lässt den Wanderer jedoch die ein oder andere Sehenswürdigkeit verpassen.

Pleßbachweg LogoMarkiert ist der Weg durch das Piktogramm eines Schienenquerschnitts (siehe links), in Anlehnung an die zeitweise auf der Wanderung genutzte alte Eisenbahntrasse, auf die im Verlaufe der Beschreibung noch eingegangen wird. Meist ist das Symbol, wie abgebildet, mit einem Pfeil für die Wegerichtung versehen. Es ist jedoch nicht in allen Fällen eindeutig, weist sogar in zwei Richtungen oder ist stellenweise an Vorder- und Rückseite eines Baums mit gegensätzlicher Richtung angebracht. Meist bedeutet dies, dass man einen Abstecher bis zu einem bestimmten Ort machen kann, um anschließend auf den Hauptweg zurück zu kehren und den anderen Abzweig zu wählen. Guter Orientierungssinn oder eine Karte in der Hand sind daher manchmal unerlässlich. Stellenweise laufen andere Wanderwege parallel.

Der Wanderweg

Oben rechts ist der Verlauf des Weges (Laufrichtung siehe roter Pfeil) im Luftbild dargestellt. Den Ausgangspunkt bildet der Parkplatz Hiddinghauser Straße nahe der Kreuzung mit der South-Kirkby-Straße. Zunächst führt am Parkplatz eine Informationstafel in den Weg ein. An der Böschung (im Foto unten mit rotem Pfeil markiert) findet sich das erste Symbol am Baum. Parallel zur Wohnsiedlung am Unterweg geht es durch den Forst. Bereits nach wenigen Metern stößt man auf den rekonstruierten Schacht Piele mit drei Schachtkammern und einer Einstiegsleiter. Dieses Objekt gibt dem Bergbauwanderweg einen schönen thematischen Anfang. Bald geht es in einem Bachtal bergab. Der Weg gabelt sich einmal zu einem Stichweg (rechts Stichweg, links Hauptweg), wo sich ein schöner Eindruck über das Pleßbachtal in Südrichtung ergibt. Doch schon hier fällt auch die Autobahn A43 ins Auge, die von nun an ständiger Begleiter bis kurz vor dem Ende sein wird – optisch und akustisch, was die Idylle des schönen Weges leider etwas trübt.

Zurück auf dem Hauptweg geht es zunächst wieder auf schmalen Pfaden um die Kurve und durch dichten Talbewuchs steil bergauf. Es wird deutlich, dass der Bergbauwanderweg nicht nur so heißt, weil er auf den Bergbau eingeht, sondern auch ein Bergauf und Bergab darstellt. Am Rande einer Wiese kommt wieder einer dieser Abzweige zum ehemaligen Schacht Glücksanfang, der an einer Tafel an einem Baum erläutert wird. Warnschilder mahnen hier vor den Gefahren des Bergbaugebietes (Betreten des Abschnitts auf eigene Gefahr). Der Hauptweg verläuft indes am Rande eines Feldes vorbei an Wohnhäusern und zur Autobahn, die, wenn man sich an der Kreuzung der Beschilderung weiter folgend rechts hält, bald überquert wird. Während man sich hier in der grünen Einsamkeit befindet, lässt sich kurze Zeit der Verkehr beobachten, auf dem gerast, geschlichen, gedrängelt und ausgebremst wird. Ein Blick vom friedlichen Grün auf den Beinahe-Krieg auf der Straße.

Pleßbachweg Parkplatz

Wanderparkplatz Hiddinghauser Straße. Hier ist der Start:
Am Schild am roten Pfeil geht´s los!

Pleßbachweg  in Sprockhövel

Illustrationsmodell des Schachts Piele der Zeche Schelle
 

Pleßbachweg  in Sprockhövel

Ausblicke über das Pleßbachtal mit Baum und Autobahn

Pleßbachweg  in Sprockhövel

Kurzer Abstecher durch Bergschädengebiet.

Hinter der Brücke weist ein Schild auf das Stollenmundloch des Scheller Stollens hin, das selbst aber von hier aus nicht besichtigt werden kann. Wir haben an der Autobahnbrücke unbemerkt die Stadtgrenze von Sprockhövel und Witten überquert. Bis auf das rekonstruierte Schachtmodell gab es bislang wenig anschauliche Relikte, was sich allerdings jetzt wieder ändern wird. Ein mit Hin- und Rückweg etwa 1,5 km langer Stichweg führt zunächst in Südrichtung zur ehemaligen Zeche Adolar und zurück.

Auf stillgelegter und abgebauter Bahntrasse geht es parallel zum Pleßbach und zur Autobahn nach links. Es handelt sich um die ca. 9 km lange Kleinbahn Bossel-Blankenstein, eine Verbindung zwischen der Ruhrtalbahn bei Blankenstein und der Bahnstrecke Hattingen-Wuppertal bei Bossel. Sie entstand als Güterbahn zum Anfang des 20. Jahrhunderts und wurde in den 1960er Jahren mit Schließung der letzten Zeche stillgelegt und schließlich abgebaut. Heute ist sie in Teilen ein Rad- und Wanderweg mit recht konstanter Steigung oder musste dem Autobahnbau weichen. Nach dem etwas wilden Pfad und dem kurzen Straßenabschnitt folgt somit ein bequem begehbares Stück auf breiter Eisenbahnstrecke, naturgemäß für derartige Trassen steigungsarm und mit recht langgestreckten, sanften Kurven. Dann und wann wird man durch einen Radfahrer vorsichtig überholt, auch ein Reiter galoppiert vorbei. Vorbei an einer kleinen Wiesen- und Feldhalde hinter einer Informationstafel zur Bahnstrecke liegt auf der rechten Seite der ruinöse Überrest der Güterverladung eines Steinbruchs. Die ehemalige Turmverladung der Zeche Elisabethenglück folgt im Anschluss. Ein Puffer am Ende eines abgebauten Ladegleises erinnert am ehesten noch an die Eisenbahn. Wildblumen wachsen aus dem massiven Beton und die letzten Metallteile rosten vor sich hin.

Alte Eisenbahntrasse am Pleßbachweg

Unterwegs auf stillgelegter Bahntrasse

Rösche und Halde Harmonie

Kleine Halde und Rösche Harmonie

Alte Verladerampe

Eine alte Güterverladung am Wegesrand

Verladerampe im Pleßbachtal

Die Verladerampe löst sich in Einzelteile auf

Reste der Turmverladung der Zeche Elisabethenglück

Reste der Turmverladung der Zeche Elisabethenglück

Alter Puffer

Ein Betonpuffer am Ende eines alten Ladegleises

Ein weiterer Stichweg führt wenige hundert Meter auf Bergschädengebiet bergauf ins Gebiet der Zeche Elisabethenglück. Wie auf dem Schild im Tal zu lesen ist, begann erst 1935 eine lohnenswerte Förderung. Stillgelegt wurde sie 1962. Wer jetzt schon weiß, was ihn erwartet, sucht unbewusst zwischen den Bäumen nach dem hervorstechenden Giebel. Denn am Ende des Weges stößt man auf die Ruinen der Kauen- und Verwaltungsgebäude. Als erstes entdeckt man einen Treppenaufgang zu einem zweistöckigen Haus, von dessen Obergeschoss noch die backsteingemauerte und verputzte Giebelseite mit Tür- und Fensterhöhlungen steht. Bäume wachsen auf der Geschossdecke. Auf einem Foto auf besagter Infotafel ist das Gebäude in aktiver Nutzung und im vollständigen Zustand abgebildet. Zwar sind die meisten anderen Anlagen abgerissen, doch Relikte in dieser Form – und auch noch Zugänglichkeit – sind auch im Ruhrgebiet eher selten bis einmalig.

Der langgezogene Gebäudekomplex erstreckt sich von hier aus weiter nach Nordosten, wobei einzelne Räume hinter den schwarzen Fenster- und Toröffnungen ganz oder teilweise eingestürzt sind. Ein Begehen und Erforschen der in den 1960er Jahren stillgelegten Anlage ist also nicht besonders ratsam. Durch die Öffnungen erkennt man Fliesenspiegel von sanitären Anlagen. Auf den Fensterbänken wächst der Klee. Bei der beschaulichen Ruhe scheint es schwer vorstellbar, dass hier vor vielen Jahren ein so tätiger Betrieb im heutigen Wald war.

Pleßbachweg

Stichweg zur Zeche Elisabethenglück

Zeche Elisabethenglück in Witten

Die Ruine der Zechenanlage im Wald

Zeche Elisabethenglück in Witten

Reste der Zeche Elisabethenglück

Zeche Elisabethenglück in Witten

Rest vom Giebel eines alten Hauses

Zeche Elisabethenglück in Witten

Dunkle Räume hinter Beton- und Ziegelmauern

Zeche Elisabethenglück in Witten

Alte Zechenanlage im Wald

Man könnte sich stundenlang hier aufhalten und Details und Überreste entdecken. Auf demselben Wege wie hier hoch geht es zurück zum Pleßbach. Würde man dem offiziell markierten zweiten Weg ins Tal wählen, würde man knapp die Bergehalde und Rösche der Zeche Glückauf-Hegermann verpassen. Die Halde ist nur kleinräumig und liegt direkt am Bach unterhalb der Bahntrasse. Eine Rösche ist dabei ein künstlicher Graben zur Ableitung von Wasser. Vorbei an einem Trainingsgelände des Katastrophenschutzes der Bundespost (?!) geht es auf der alten Bahntrasse weiter vorbei an einer Fischzucht und einer Informationstafel zur Zeche Tinsbank.

Die Hälfte des Hauptweges ist nun geschafft! Zugleich befinden wir uns hier in maximaler Entfernung zum Parkplatz. An der nächsten Bachbrücke verlassen wir die stillgelegte Eisenbahnstrecke, wenden uns links und folgen der Uhlenbruchstraße sofort links bergauf am Schleifkotten Nippus vorbei und unter der Autobahn hindurch.

Am Ende des Anstiegs führt rechts ein optionaler Stichweg von ca. 600 Metern Hin- und Rückweg zur Alten Mißgunst und zur Halde Daniel. Dazu geht es bald in den Wald und talabwärts bis zur Halde und wieder zurück. Die Halde entstand durch den kurzen Betrieb der Kleinzeche Daniel nach dem Zweiten Weltkrieg von 1951 bis 1954. Unmittelbar davor erläutert eine Informationstafel die Lage der Alten Mißgunst und deren Ackeldruft, eine weitere Form der oberflächlichen Entwässerung. Tatsächlich lässt sich diese langgestreckte Rinne noch heute in der Topographie erkennen.

Halde im Pleßbachtal

Halde Glückauf-Hegermann am Pleßbach

Pleßbachweg

Ein kleiner Steinstapel weist den Weg zum Bach

Halde Daniel

Halde Daniel an der Alten Mißgunst

Pleßbachweg

Hügelige Landschaft Sprockhövels

Zurück auf der Asphaltstraße verläuft der Pleßbachweg weiter nach Westen bis zur nächsten Kreuzung. Linkerhand ist wieder die Siedlung Hohe Egge zu sehen, die das Ziel darstellt. Geradeaus ist der Kirchturm in Niedersprockhövel zum Greifen nah. Wir biegen bald links ab und nähern uns der Siedlung durch die Felder. Noch ein letzter Blick zurück über das idyllische Pleßbachtal und dann verschwinden wir in der Siedlung. Durch den Ort hindurch werden noch ehemalige Schächte und Standorte von zeitweisen Kleinzechen erschlossen. Danach befinden wir uns wieder am Ausgangspunkt, am Parkplatz an der Hiddinghauser Straße.

Fazit und Tipp des Webmasters: Es sind vor allem die Landschaft und kleinere Highlights am Weg, die den Pleßbachweg interessant machen. Über die Landstraße Richtung Hattingen sind weitere sehenswerte Ziele der Region erreichbar. So quert man auf dem Weg zum LWL-Industriemuseum Henrichshütte unweit der sehenswerten Altstadt Hattingens den Vorort Blankenstein mit seiner Burg. Auch der Kemnader See ist rasch erreicht. Bei Buchholz befindet sich mit dem Wetterkamin ein weiteres lohnenswertes Bergbau-Kleinrelikt.

 

Informationen zur Anreise zum Pleßbachweg:

Anreise mit dem Auto: Auf der A43 bis zur Ausfahrt 22 Sprockhövel. Aus Richtung Wuppertal rechts, aus Richtung Bochum links abbiegen auf die Querspange (L651). Nach ca. 1,3 km an der nächsten Kreuzung rechts abbiegen auf die Hiddinghauser Straße (K6). Hier befindet sich sofort links der Wanderparkplatz.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Hiddinghauser Straße, Nähe Kreuzung South-Kirkby-Straße bzw. Querspange in 45549 Sprockhövel

Geographische Koordinaten:
51°21'56.93"N, 7°15'59.09"E – Startpunkt Wanderparkplatz
51°22'18.52"N, 7°16'21.98"E – Beginn Bahntrasse
51°22'36.16"N, 7°16'12.67"E – Ruine der Zeche Elisabethenglück
51°22'36.75"N, 7°15'38.91"E – Halde Daniel (ungenaue Position)
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
379318 m, 5691932 m – Startpunkt Wanderparkplatz

379776 m, 5692588 m – Beginn Bahntrasse
379609 m, 5693137 m – Ruine der Zeche Elisabethenglück

378957 m, 5693171 m – Halde Daniel (ungenaue Position)

Anreise mit Bus und Bahn: Sämtliche möglichen Ausgangspunkte sind nur durch mehrfaches Umsteigen zwischen Buslinien zu erreichen. Die Anreise mit dem Auto wird empfohlen.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Da der Weg mit dem Fahrrad (außer ggf. MTB) nicht in vollständiger Länge gut befahrbar ist, erübrigt sich die Anreise.

Kartenmaterial: In den rechts dargestellten reiß- und wetterfesten Rad- und Wanderkarten des Verlages Publicpress ist das Pleßbachtal bei Niedersprockhövel dargestellt, der Weg allerdings nicht. In der Rad- und Wanderkarte "Hagen und Umgebung" im Maßstab 1:50.000 liegt es im Planquadrat B1.

Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite beim Verlag – Karten werden versandkostenfrei versendet. Für Webseite und Verkauf ist der Verlag verantwortlich.

Rad- und Wanderkarte Hagen und Umgebung   Radwanderkarte Ruhrgebiet  

Quellen und Weitere Informationen:

Die Spur der Kohle in Sprockhövel: www.berg-mark-wege.de
Pleßbachweg bei Ruhrkohlenrevier.de:

www.ruhrkohlenrevier.de

Industriekultur im Ruhrgebiet

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Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 01 / 2016
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(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr