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Die Doppelwassertürme in Herten

Auf dem Dach der „Twin Tower von Herten“

Auf etwa 107 Metern Höhe über dem Meeresspiegel stehen die weithin sichtbaren Wassertürme von Gelsenwasser in Herten. Sie befinden sich an der Westerholter Straße etwas außerhalb vom Ortsteil Scherlebeck unweit der Autobahn A43. Durch ihre hochgelegene und hervorstechende Lage sind die blau-grünen Wasserbehälter weit sichtbar und eine Landmarke in der Umgebung. In Sichtweite der Türme liegt der höchste natürliche Punkt Hertens, sieht man von den künstlichen Landschaftsbauwerken neben der nahen Zeche Scherlebeck und der Halde Hoheward ab. Sie dienen der Wasserversorgung der Umgebung und erzeugen durch die Höhenlage den notwendigen Wasserdruck im Leitungsnetz.

Der erste der beiden Türme wurde 1909 errichtet. Als klassischer Wasserturm besitzt er einen gemauerten Unterbau mit Wohnungen des Wärters. Auf ihm aufgesetzt wurde ein Intze-Behälter, der heute so schön blau-grün angestrichene Speicher, der vom Wasserwerk am Halterner See gespeist wird. Es handelt sich dabei um eine besondere vom Bauingenieur Otto Intze (1843-1904) entwickelte Bauart, die den Druck des Wassers besser auf das darunterliegende Bauwerk abgibt. Dabei werden die maximal 9.000 m³ Wasser, die die Türme insgesamt fassen, vor allem nachts aus Haltern eingefüllt und tagsüber verbraucht. Dies dient einer effizienten Energienutzung und wird vom dortigen Wasserwerk gesteuert. Im gerade erblühenden Ruhrgebiet sollte die Anlage die Wasserversorgung im nördlichen Revier sicherstellen. Im Jahre 1935 erhielt der erste Turm einen Bruder. Es ist kein echter Zwilling, da es sich beim neueren Turm um eine Unterbaukonstruktion aus Stahl handelt, die keine Wohnräume beinhaltet. Sie sind beide heute noch aktiv und nach wie vor Bestandteil der regionalen Wasserversorgung.

Doppelwassertürme Herten

Prinzipiell ist das Gelände für Besucher unzugänglich – nachvollziehbarerweise, handelt es sich bei der Trinkwasserversorgung einer Metropolregion doch um ein empfindliches Thema, das im Hinblick auf weltweiten Terrorismus immer mehr im Fokus der Aufmerksamkeit steht.

Einzige Ausnahme bildet der Tag des offenen Denkmals. An diesem sind die Tore geöffnet und der Besuch des älteren Turms möglich. Eingeschlossen ist das Erklimmen des Dachs, von dem ein toller Ausblick gegeben sein soll. Im dritten Anlauf habe auch ich es geschafft:

Am Denkmaltag 2017 lagen die Wassertürme mehr oder weniger auf der Route zwischen ganzen sechs Standorten, die ich mir für diesen Tag vorgenommen habe. Dank eines großzügigen Zeitpuffers bei den zuvor besuchten Zielen in Dorsten und Gladbeck hat sich die Gelegenheit ergeben, einen Abstecher zu machen. Auf dem Gelände wurde Trinkwasser aus dem Hahn als Kostprobe ausgegeben, die Besucher erstürmten den westlichen Wasserturm und sahen sich in den ehemaligen Wohnungen um. Hier war eine kleine Ausstellung mit verschiedenen Werkzeugen, Ventilen und Rohrleitungen zu besichtigen. Eine Schlange stand vor der Treppe, die auf die 32 Meter hochgelegene Plattform auf dem Wasserbehälter führen sollte. Da die Treppe sehr eng ist, werden nur gruppenweise Personen nach oben gelassen. Sie dürfen dreimal raten, wo die Person mit der Absperr-Kordel in der Hand die Gruppe geteilt hat – natürlich direkt vor mir. Auf Nachfrage dauerte die Wartezeit 30 Minuten. Die man hier auch verbringen sollte, wenn man nicht am Ende einer wieder wachsenden Schlange anstehen wollte. Angesichts meines Zeitplans, der keine halbe Stunde Wartezeit zusätzlich zur Besichtigung zuließ, musste ich für heute leider aufgeben.

Einen weiteren Anlauf habe ich im Folgejahr 2018 probiert. Die Doppelwassertürme lagen genau an meiner Route mit fünf Stationen und es war ein Versuch wert. Beim Anblick der Besuchermassen bin ich nach einem kurzen Eichhörnchenblick in die obere Etage auf der Stelle umgekehrt. Es sollte nicht sein. Alle guten Dinge sind Drei. Im Jahr 2019 sollte es ja wieder einen Tag des offenen Denkmals geben. Und ich nehme schon jetzt vorweg: Ich war erfolgreich. Aus den ersten Besuchen zeige ich als erstes die sommerlichen Außenaufnahmen.

Doppelwassertürme Herten

Einer der beiden Wassertürme von Herten aus der Entfernung

Doppelwassertürme Herten

Links der ältere, rechts der jüngere der beiden Behälter

Doppelwassertürme Herten

Intze-Behälter von 1909 auf Turmschaft mit Wohnung des Wärters

Doppelwassertürme Herten

Kleine Ausstellung in den alten Wohnräumen

Doppelwassertürme Herten

Warteschlange vor der Treppe – und vorerst Endstation

Doppelwassertürme Herten

Irgendwann werde ich auch auf das Dach kommen...

Für den dritten Anlauf am Tag des offenen Denkmals 2019 war ich besser vorbereitet. Zwar musste ich wieder zwei Gruppeneinheiten warten und dann wurde abermals, wie beim ersten Versuch, unmittelbar vor mir getrennt. Aber ich hatte Zeit. Und dann, nach gut einer Stunde Wartezeit, ging es die Treppen hinauf. Zunächst gelangten wir in den Raum direkt unter dem stählernen Behälter. Er bildete gewissermaßen die Decke des Raumes. Von hier führt die enge Wendeltreppe in der Mitte durch den Behälter hindurch. Um uns herum stehen tausende Kubikmeter Wasser und wir klettern genau hindurch. Die Treppe mag nicht enden und so manch einer mit Platzangst fragt sich schon, wie er den Rückweg bewältigen soll. Und plötzlich stehen wir auf dem Dach des älteren der beiden Wassertürme.

Die Sicht ist weit, aber das Wetter ist mies. Ein sanfter Nieselregen weht uns um die Nase. Nebenan ist der benachbarte Zwillings-Wasserturm (der ja kein echter Zwilling ist) gut zu überblicken. In Südrichtung erhebt sich die große Halde Hoheward, dahinter die Halde Hoppenbruch mit dem Windrad. Nach Westen sind die höchsten Halden Oberscholven und Haniel zu sehen. Hervorstechend sind die Fördergerüste der Zeche Schlägel und Eisen. In nordöstlicher Richtung versteckt sich das einfache Fördergerüst der Zeche General Blumenthal VII. Der Aufwand und Aufstieg hat sich gelohnt, die Aussicht ist schön. Aber jetzt packe ich die Sachen zusammen und steige wieder abwärts. Ich habe die Treppe für mich alleine, während die meisten noch den Blick genießen. Auch der Raum über den wartenden Menschen ist leer. Dadurch habe ich Gelegenheit, ihn in Ruhe abzulichten und zusammen mit den übrigen Aufnahmen für Sie bereitzustellen. Die folgenden Bilder sind also das Ergebnis vom dritten Besuch im Jahr 2019:

Doppelwassertürme Herten

Vom 1. Obergeschoss ist der Behälter teilweise schon zu sehen

Doppelwassertürme Herten

Im Raum darüber führt die Treppe mittig durch den Wassertank

Doppelwassertürme Herten

Der große Wasserbehälter des westlichen Wasserturms mit Zu- und Ableitungen und der Treppe ins schwarze Loch

Doppelwassertürme Herten

Auf dem Dach des Wasserturms

Doppelwassertürme Herten

Dachlaterne mit Treppenhaus

Doppelwassertürme Herten

Blick nach Herten zur Zeche Schlägel und Eisen

Doppelwassertürme Herten

Benachbarter zweiter Wasserturm

Doppelwassertürme Herten

Nach Süden ergibt sich ein guter Blick auf die Halde Hoheward mit dem Horizontobservatorium

Doppelwassertürme Herten

Ländliche Nachbarschaft im nördlichen Ruhrpott

Doppelwassertürme Herten

Im Hintergrund steht Halde Oberscholven

Doppelwassertürme Herten

Blick von der Turmlaterne ins Treppenhaus: Zurück ins Loch

Doppelwassertürme Herten

Drei Wassertürme in einem Bild

 

Informationen zum Besuch der Doppelwassertürme Herten:

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Die Wassertürme sind grundsätzlich nicht zu besichtigen und somit nur aus der Entfernung von außen zu betrachten. Einzige Ausnahme bildet traditionell der Tag des offenen Denkmals im Spätsommer etwa um Mitte September. Informationen dazu finden Sie immer zeitnah auf der Startseite.

Hinweise auf sonstige außerplanmäßige Öffnungen, die in der Lokalpresse oder in Blogs angekündigt sind, werden gerne angenommen und an die Leser verbreitet!

Anreise mit dem Auto: Auf der A43 bis zur Ausfahrt 11 Recklinghausen Herten und dort auf die L511 Richtung Herten abbiegen. Nach 2 km an der Ausfahrt abbiegen und links auf die Straße Über den Knöchel. Sofort wieder im Kreisverkehr rechts auf die Westerholter Straße. Da an den Türmen keine Parkmöglichkeiten bestehen, entweder nach 600 m links in der Margenboomstraße oder rechts in der Straße Blitzkuhle parken und zu Fuß weiter auf der Westerholter Straße (begleitender Radweg auf der Nordseite) laufen.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Westerholter Straße, Nähe Hausnummer 356 in Herten

Geographische Koordinaten: 51°37'2.93"N 7° 9'28.21"E
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 372463 m, 5720101 m

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Anreise mit Bus und Bahn: Von Recklinghausen Hbf. mit dem Bus der Linie 224 Richtung Herten bis Bockholter Straße (eine davor zum Bereitmachen: Auf der Höhe). Der Straße ein kurzes Stück weiter folgen bis zu den Türmen. Achtung: Sonntags (Tag des offenen Denkmals!) hat die Buslinie eine andere Taktung als an Werktagen.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Auf der Allee des Wandels in Höhe des Rastplatzes bei Disteln mit der guten Aussicht auf die Marpenstraße und dann in nördlicher Richtung bis zur Westerholter Straße. Dort rechts bis zu den Türmen.

Kartenmaterial / Literatur: In den rechts dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind zur Vertiefung empfohlen.

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Quellen und weitere Informationen:

Blog von Gelsenwasser über ihre Wassertürme:

www.gelsenwasser-blog.de

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Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 05 / 2021
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr