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Die Zeche Carl in Essen

Früher waren sie häufiger, heute ist nur noch ein gutes Dutzend der steinernen Fördertürme im Ruhrgebiet erhalten. Bevor sich die filigranen stählernen Fördergerüste durchgesetzt haben bzw. technisch überhaupt möglich waren, wurden nämlich Fördertürme gebaut, die wie eine Burg aussahen. Nach dem Fort Malakow auf der Krim werden sie als Malakowtürme bezeichnet. An der heutigen Wilhelm-Nieswandt-Allee im Essener Stadtteil Altenessen befindet sich ein besonders schöner und gut erhaltener seiner Art. Er lässt sich heute von außen anschauen. Das Zechengelände ist ein Kulturzentrum mit Biergarten geworden, die angrenzenden Anlagen ein Landschaftspark. Die Nord-Süd-Bahntrasse mit Güterbahnhof vor der Zeche wurde zur mehrspurigen Hauptverkehrsstraße, die West-Ost-Verbindung ist heute teilweise die Trasse für einen Radweg. Weitere Fördertürme dieser Art im Ruhrgebiet sind in der Rubrik Kunst und Landmarken aufgeführt. In Bochum lässt sich zum Beispiel der Malakowturm der Zeche Hannover besichtigen.

In diesem Beitrag werden die Zeche mit dem Malakowturm, der benachbarte Landschaftspark und die ehemalige Halde am heutigen Sportplatz vorgestellt. Der Bahntrassenradweg wird zu einem späteren Zeitpunkt thematisiert. Diese Orte sind in der folgenden Übersichtskarte eingetragen. Der Radweg ist bereits enthalten und mit seinem Anschluss an den Radweg auf der alten Nordsternbahn zwischen Zeche Zollverein und Nordsternpark markiert.

Karte Zeche Carl

 

 

Der Malakowturm und Landschaftspark

Einer der 14 erhaltenen steinernen Fördertürme im Ruhrgebiet und ein kupierter Schornstein

Zunächst unter dem Namen Hercules wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in der Böhmer Heide in Altenessen nach Kohle gegraben. Im Jahre 1861 erfolgte die Umbenennung der Anlage in Zeche Carl und die Förderung lief an. Als Förderturm diente von Beginn an der noch heute vorhandene mächtige Malakowturm von 1856 mit rechts und links angeschlossenen zweigeschossigen Maschinenhäusern. Damit gehört der Turm zu den ältesten erhaltenen seiner Art im Ruhrgebiet. Er wurde jedoch wenig später um ein aufgesetztes Stahlfördergerüst mit Doppelförderanlage ergänzt, welches wiederum heute nicht mehr vorhanden ist. Bereits 1929 endete die Förderung der Zeche, die offiziell erst 1970 stillgelegt wurde.

Erhalten sind neben dem Malakowturm samt der originalen Maschinenhäuser das sogenannte Casino mit der Verwaltung und Kaue von 1890, ein Fördermaschinenhaus von 1900 und eine Kesselanlage von 1924 mit ebenso altem Schornstein. Dieser ist wohl aufgrund der Einsturzgefahr auf wenige Meter über Grund verkürzt und selbst dann noch eine gewisse Gefahr, wenn man sich die Zäune und Stützgerüste anschaut. Einige Gebäude werden heute als Jugend- und Kulturzentrum genutzt und beherbergen u. a. eine Gastronomie. Man kann das ständig geöffnete Gelände besuchen – ein Radweg führt mitten durch die Anlage.

Zeche Carl in Essen

 

Zeche Carl in Essen

 

Zeche Carl in Essen

Die Schokoladenseite der Zeche: Malakowturm der Zeche Carl von 1856 mit Maschienenhäuser, kupierter Schornstein vom Kesselhaus

Zeche Carl in Essen

Einzelstehendes Maschinenhaus von 1900

Zeche Carl in Essen

Biergarten auf dem Platz

Zeche Carl in Essen

 

Zeche Carl in Essen

 

Zeche Carl in Essen

Rückseite des Malakowturms

Zeche Carl in Essen

 

Zeche Carl in Essen

Die Rückseite ist weniger schön anzusehen. Der Weg führt in den Landschaftspark hinter der Zeche (im Rücken des Fotografen)

Dampfkesselhaus von 1924

Zeche Carl in Essen

 

Hinter der Gebäudeanlage wurde aus jahrelangem Brachegebiet ein Landschaftspark angelegt. Auch er ist frei zugänglich und bietet einige Wege inmitten geordnet wachsender Natur. Mit seinen Bänken dient der Park gerne als Naherholungsgebiet, aber auch als Abkürzung oder ruhig gelegene Alternative von nahegelegenen Wohngebieten ins Einkaufszentrum.

Angeschlossen war die Zeche an der Kohleverladung durch eine Strecke zur Cöln-Mindener-Eisenbahn, die wenige Kilometer südlich von der Zeche durch Altenessen verläuft. Die recht großzügig erbaute Wilhelm-Nieswandt-Allee nutzt heute in diesem Teil den Grund der alten Bahntrasse. Sichtbar ist darüber hinaus eine in Ost-West-Richtung verlaufende Güterbahn, die nördlich der Zeche über eine große Brücke verlief und heute ein Radweg darstellt, der im Ortszentrum von Altenessen endet. Ein weiteres ehemaliges Anschlussgleis dient heute als Zugang zum hinter der Zeche liegenden Park.

Durchgang zum Landschaftspark

Zechenseitiger Eingang des Parks mit minimalen Relikten

Ruhebänke mit Option auf Sonnenbad

Zeche Carl in Essen

 

   

Wildwiesen

Zeche Carl in Essen

 

Bereits in Karten aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts sind Symbole eingezeichnet, die auf eine Bergehalde nördlich der Zeche deuten. Gut sichtbar ist sie im historischen Luftbild aus den 1920er Jahren. Zur besseren Identifizierung ist sie mit einer Kontur markiert. Diese Fläche hatte eine Ausdehnung von etwa 3 ha. In den 1930er Jahren, also nach Beendigung der Kohleförderung auf der Zeche Carl, ist die Halde verschwunden. In der Zeit wurde der Sportplatz gebaut. Später kam die Wohnsiedlung dazu. Von der Halde ist heute nichts mehr zu sehen.

Die folgende Abbildung mit der Halde ist interaktiv. Mit Mausklick kann die historische Situation mit Halde mit dem heutigen Erscheinungsbild verglichen werden. Die Anzeige wechselt dabei zwischen dem alten und dem aktuellen Luftbild.

 Historische Ansichten Zeche Carl in Essen

 

Informationen zum Besuch der Zeche Carl:

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Das Zechengelände mit Landschaftspark ist frei zugänglich. Der Malakowturm ist nicht von innen zu besichtigen.

Anreise mit dem Auto: Auf der A42 bis zur AS 14 Essen-Altenessen. Aus Richtung Duisburg links, aus Richtung Dortmund rechts abbiegen auf die Heßlerstraße. An der nächsten Ampel links auf die Altenessener Straße (Übergang Wilhelm-Nieswandt-Allee) und die Autobahn unterqueren. Nach 1,2 km vor der auffälligen Eisen-Fachwerkbrücke über der Straße links auf die Abbiegespur einfädeln und praktisch unter der Brücke links abbiegen auf den Parkplatz vor der Zeche Carl. Von hier zu Fuß durch das Tor auf das Gelände.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Wilhelm-Nieswandt-Alle 100 in Essen

Geographische Koordinaten: 51°29'45.36"N, 7° 0'43.52"E
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 362009 m, 5706851 m

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Anreise mit Bus und Bahn: Von Dortmund Hbf, Hamm Hbf., Wanne-Eickel Hbf. oder Oberhausen Hbf. mit dem RE 3, der RB 32 oder RB 35 bis Essen-Altenessen. Von dort mit der U-Bahn U11 Richtung Karlsplatz / Gelsenkirchen Buerer Straße bis Altenessen-Mitte. Den nördlichen Ausgang am Einkaufszentrum wählen (in Fahrtrichtung vorne). Links vorbei am Lebensmittelgeschäft Richtung Brückenrampe. Hier entweder über die Brücke in den Park oder über die Fußgängerampel auf die andere Straßenseite zur Zeche. Der Weg ist ausgeschildert.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Die Zeche Carl liegt an der lokalen Thementour Essen Erfahren Nord. Über den Radweg auf der Bahntrasse ist sie an den Radweg auf der Nordsternbahn angebunden. Über diese oder über das Radverkehrsnetz NRW können Emscherweg und Emscher-Park-Radweg am Rhein-Herne-Kanal erreicht werden.

Kartenmaterial / Literatur: In den rechts dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

   

Quellen und weitere Informationen:

Zeche Carl: www.zechecarl.de
Maschinenhaus Essen: www.maschinenhaus-essen.de
Route der Industriekultur:

www.route-industriekultur.ruhr

Industriekultur im Ruhrgebiet

Weitere Bergehalden sind von der Übersichtsseite zu diesem Thema auswählbar. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Halden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden.

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Halden Ausflugsziele

Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 03 / 2020
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr