Friedhof Beckhausen-Sutum – Schalke FanFeld

Am Rande von Gelsenkirchen, zwischen den Wohnstraßen von Beckhausen und dem offenen Grün von Sutum, liegt der Friedhof Beckhausen-Sutum, der auf den ersten Blick ruhig wirkt. 1986 angelegt, etwa sieben Hektar groß, noch jung für Ruhrgebiets-Dimensionen und überschaubar. Wege schneiden rasterförmig durch die Fläche, Hecken rahmen die Grabfelder, es gibt Bäume, gepflegte Rasenflächen und die übliche nüchterne Ruhe.

Man könnte denken: ein gewöhnlicher Friedhof, einer unter vielen. Doch das wäre ein Missverständnis. Wer tiefer hineinläuft, erreicht einen Ort, der im Ruhrgebiet einen außergewöhnlichen Resonanzraum hat und aussieht wie ein kleines Fußballstadion – das Schalke FanFeld.

Luftbild eines Friedhofs. Besonders markant ist ein wie ein Stadion angelegter Teil mit ovalen Wegen und einem Fußballfeld in der Mitte.

Ein Friedhof im Norden Gelsenkirchens

Der Friedhof Beckhausen-Sutum gehört zu den jüngeren Friedhofsanlagen der Stadt. Er liegt im nördlichen Stadtgebiet in Sichtweite zur Veltins-Arena, eingerahmt von Wohngebieten, Schule, Sportstätten – Alltag, Arbeit, Wochenende. Wie so viele Orte hier trägt auch er die Handschrift von Nähe und Gemeinschaft.

Anders als ältere Friedhöfe in der Stadt wirkt er besonders strukturiert; offen und mit langen und breiten Weg- und Blickachsen. Man spürt den pragmatischen Charakter einer ruhigen, respektvollen Sachlichkeit. Für viele Anwohnende ist er schlicht der Friedhof des Viertels. Für andere jedoch ein Stück Heimat, das eine besondere Verbindung wahrt: ein Raum, der Fußball und Erinnerung miteinander verwebt.

Das Schalke FanFeld – Wenn der Verein zur Lebensgeschichte gehört

Das Schalke FanFeld ist kein gewöhnliches Grabfeld. Hier wurde die emotionale Bindung zu einem Fußballverein in Stein, Wege und Gestaltung übersetzt. Der Bereich ist in Stadion-Form angelegt: Rasenflächen wie ein Spielfeld, das Grabfeld wie ein Oval darum. Die Namen der Verstorbenen stehen auf schlichten Steinplatten – keine opulenten Denkmäler, sondern ein gemeinsames Ensemble. Wer hier liegt, liegt nicht nur als Individuum, sondern als Teil einer Gemeinschaft: als Schalker oder Schalkerin. Die blau-weißen Elemente, kleine Schals, Kerzen, Karten, Fanartikel – das alles wirkt nicht kitschig (vielleicht mit Ausnahme der blau-weißen Gartenzwerge mit Schubkarre), sondern authentisch. Es erinnert an Wochenenden im Stadion, an Sitzplätze im Block, an Jubel und an Zeiten, in denen Schalke Rettung war oder Fluchtpunkt.

Das Schalke-FanFeld mit Blick zur Veltins-Arena (zwischen den Bäumen durchscheinend)

Man muss sich in Gelsenkirchen nicht erklären, was das bedeutet. Für viele Menschen hier ist Schalke mehr als ein Verein – es ist Biografie, Trost, Streit, Tradition, Hoffnung. Spieltage strukturieren Wochenenden, Siege und Niederlagen formen Erinnerungen, Familiengeschichten beginnen vor dem Stadion und setzen sich auf der Tribüne fort. Wer Schalke liebt, liebt es nicht „nebenbei“. Es ist ein Teil der eigenen Identität, ein Gefühl von Zugehörigkeit, das nicht endet, wenn das Leben endet.

Darum berührt das FanFeld so sehr: Es übersetzt Fußball-Leidenschaft in etwas Dauerhaftes. Ein Ort, an dem Generationen Abschied nehmen können und dennoch Verbindung spüren.

Legenden unter Fans

Auf dem FanFeld finden sich Menschen, die Schalke lebten – auf dem Platz, am Mikrofon, in den Herzen der Fans. Die, die sie besuchen, können durch den blau-weißen Zaun auf das Dach der nahen Arena blicken.

Erinnerung an die Vereinsgründer des FC Schalke 04

Stan Libuda, die „Legende auf rechts“, ruht hier. Ein begnadeter Dribbler, schwer fassbar für Gegenspieler, ein Fußballer, dem Fans poetische Attribute gaben: „Keiner kommt an Gott vorbei – außer Stan Libuda.“ Es ist ein Satz, der die ehrfürchtige Bewunderung jener Zeit bündelt. Dass er hier liegt, zwischen Fans, wirkt fast wie eine letzte Ehrenrunde. Er wurde hierher umgebettet.

Auch Willi Koslowski fand hier seine letzte Ruhe, „der Schwatte“ – so genannt wegen seiner tiefschwarzen, glänzenden Frisur, die zu seinem Markenzeichen wurde. Wer ihn kannte, wusste: ein ehrlicher Spieler, kantig, geerdet, mit Humor. Ein Typ Ruhrpott. Und Ulli Potowski, dessen Stimme für viele das unverwechselbare Schalke-Gefühl transportierte. Reporter, Sportjournalist, Erzähler der Dramaturgie des Spiels. Für andere, wie die Vereinsgründer von 1904, gibt es ein Denkmal im Innenkreis.

Dass all diese Namen nicht in einer Ehrenreihe abgeschirmt liegen, sondern zwischen Fans, ist vielleicht das wichtigste Zeichen: Hier zählt die Verbundenheit, nicht das Denkmal. Schalke vereint – im Leben wie im Abschied.

Informationen zum Besuch:

Der Friedhof ist täglich tagsüber zugänglich. Die WC-Anlage ist üblicherweise zusammen mit der Verwaltung geöffnet, nicht jedoch am Wochenende.

Anreise mit dem Auto:

Auf der A2 bis zur Ausfahrt 6 Gelsenkirchen-Buer. Im Kreisverkehr links abbiegen auf die Emil-Zimmermann-Allee Richtung Buer. An der nächsten Ampel links abbiegen auf die Kurt-Schumacher-Straße. Direkt wieder abfahren auf den Ernst-Kuzorra-Weg und sofort rechts auf die Ekhofstraße. Am Ende links auf die Flurstraße und nach ca. 450 Metern rechts in die Harpenstraße bis zum Friedhof, der hinter dem Wohngebiet auf der rechten Seite liegt. Hier befindet sich auch ein Parkplatz.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Harpenstraße, Kreuzung Agnesstraße in Gelsenkirchen

Anreise mit Bus und Bahn:

Von Wanne-Eickel Hauptbahnhof oder Gelsenkirchen-Buer-Süd mit dem Bus 342 Richtung Westfälische Hochschule bzw. Wanne-Eickel Hauptbahnhof bis Friedhof Beckhausen-Sutum. Eine Haltestelle davor zum Bereitmachen: Sutumerfeldstraße bzw. Hollmannsweg.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike:

Der Radweg auf der alten Hugobahn verläuft direkt am Friedhof vorbei. Ein Abstecher von dort ist über die Sutumerfeldstraße möglich.

Kartenmaterial / Literatur:

In den folgenden gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist der Friedhof bzw. die Region abgebildet: ADFC Regionalkarte radrevier.ruhr West* (1:50.000), Kompass Fahrradkarte Ruhrgebiet / Bergisches Land* (1:70.000) sowie am Rand der BVA Radwanderkarte Kreis Recklinghausen* (1:50.000)

Der Friedhof ist außerdem Teil vom Buch Die faszinierendsten Friedhöfe der Welt*

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung:

Geographische Koordinaten: 51°32’43.65″N, 7° 3’21.84″E – Schalke-FanFeld
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von beispielsweise GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 365206 m, 5712275 m – Schalke-FanFeld

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.