Halden im Saarland

Das Saarland ist neben dem Ruhrgebiet, Ibbenbüren oder Teilen von Sachsen eines der großen Steinkohlereviere in Deutschland gewesen und besitzt demzufolge eine eindrucksvolle Halden. Einige Jahre, bevor das offizielle Ende des Steinkohlebergbaus durch die Stilllegung der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop im Ruhrgebiet besiegelt wurde, schloss schon 2012 im Saar-Revier das letzte Bergwerk seine Pforten. Dort geschah dies nach einem speziellen starken Erdbeben im Jahr 2008, das auf die Abbautätigkeit im Untergrund zurückzuführen ist.

Wie auch in den anderen Bergbauregionen findet man im Saarland ebenfalls zahlreiche Bergehalden. Im Prinzip unterscheiden sie sich nicht von denen, die auf diesen Seiten im Ruhrgebiet vorgestellt werden. Durch ihre Höhe sind einige von ihnen sehr gute Aussichtspunkte mit weiten Blicken in die Umgebung. Mit Gipfelkreuzen und dem “Saarpolygon” sind außerdem einige Landmarken auf den Gipfeln zu finden.

Spitzkegel in der hügeligen Landschaft

Im Gegensatz zum Ruhrgebiet entdeckt man im Saarland allerdings häufiger die sogenannten Spitzkegelhalden, die pyramidenförmig steil in die Höhe ragen. Viele der Halden sind durch Wege erschlossen und lassen sich besuchen. Sie werden sogar von den offiziellen Tourismus-Seiten des Saarlands als Ausflugsziele beworben.

Die Übersichtskarte im Folgenden zeigt nur einige ausgesuchte Halden-Standorte zwischen Saarlouis und Saarbrücken im südlichen Teil des Saarlandes. Diese Halden sind dabei besonders groß oder ragen auffällig aus der Umgebung heraus.Einige davon werden in diesem Artikel in der nächsten Zeit näher vorgestellt.

Halden im Saarland
Halden im Saarland

Während einige Halden wie die mit dem Saarpolygon bei Saarlouis durch eine großartige Aussicht als touristisches Ziel beliebt sind, werden einige kleinere durch einen speziellen Themenwanderweg erschlossen. Über 45 Kilometer lang ist der Haldenwanderweg, der neben einigen Halden auch Stationen zur Industriekultur sowohl in Form von Bergwerken als auch Siedlungen beinhaltet.

Inhaltsverzeichnis:

Grundlage für diese Dokumentation ist ein Urlaub im Saarland im Sommer 2021. Infolge dessen werden diese Halden auf dieser Seite vorgestellt:

Alle beschriebenen Halden sind grundsätzlich ganz oder teilweise frei zugänglich. Einschränkungen können allerdings immer durch zeitweilige Baustellen und Sperrungen bestehen. Informationen zur Anreise sowie Koordinaten für GPS-Geräte oder zur Tourenplanung finden Sie am Ende des jeweiligen Abschnitts.

Kartenmaterial / Literatur:

In den dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region Saarland abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind zur Vertiefung empfohlen. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

   

Hinweis: Die Fotos zeigen den entsprechenden Zustand im Sommer 2021. Im Gegensatz zu den Beiträgen zu den Halden im Ruhrgebiet ist grundsätzlich keine Aktualisierung geplant. Soweit bekannt, werden jedoch Informationen über Besonderheiten oder Veränderungen eingepflegt. Gerne nehme ich hierzu entsprechende Hinweise entgegen.


Das Saarpolygon der Halde Ensdorf / Duhamel

Direkt gegenüber der Stadt Saarlouis, auf der anderen Seite der Saar, bestand bis 2012 das letzte Steinkohle-Bergwerk des Saarlands. Das Bergwerk Saar, wie es zuletzt hieß, war ein Zusammenschluss mehrerer zuvor eigenständiger Bergwerke. Die Hauptschachtanlage befand sich hier bei Ensdorf.
Unmittelbar neben der Hauptschachtanlage erhebt sich die höchste Halde des Saarlands. Sie ist über 70 Hektar groß und überragt die Umgebung um etwa 150 Meter. Damit ist sie noch etwas höher als die höchste Halde im Ruhrgebiet, die Halde Oberscholven in Gelsenkirchen (ca. 136 Meter über Grund). Ihr Gipfel ist etwa 330 Meter über dem Meeresspiegel hoch. Im Gegensatz zu vielen anderen Halden im bergigen Saarland hebt sich die Halde Ensdorf, ebenso nach dem Schacht Duhamel des Bergwerks als “Halde Duhamel” bezeichnet, markant aus der Umgebung hervor. Sie zeigt sich bereits aus der Ferne z. B. für Autofahrende als kompakter Berg mit steilen Flanken sowie einem flachen Gipfelplateau.

Die Halde Ensdorf mit ihrem Saarpolygon auf dem Gipfel – von Saarlouis gesehen. Links ist ein Förderturm der Grube Duhamel sichtbar
Die Halde Ensdorf mit ihrem Saarpolygon auf dem Gipfel – von Saarlouis gesehen. Links ist ein Förderturm der Grube Duhamel sichtbar

Nicht weit vom offiziellen Parkplatz am Starenweg führt ein Weg im Zickzack auf der Südflanke bergauf zum Gipfel. Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit, zwischen einem gemäßigten und einem steilen Anstieg zu wählen. Auf einem der Wege kommt man währenddessen an einem kleinen Weinberg vorbei, einer kleinen Parzelle mit Weinreben. Hier wachsen die Trauben, aus denen der “Ensdorfer Sonnenflöz” besteht.

Auf dem Gipfelplateau

Alle Wege führen letztlich zum Gipfel, von dem sich ein besonders weiter Blick auf das Saartal, die Städte Dillingen und Saarlouis und bis ins Hügelland ergibt. Das Gipfelplateau ist recht flach und besteht aus mehreren Terrassen. An einigen Stellen gibt es zudem Sitzgelegenheiten und Informationstafeln zu verschiedenen Themen des Bergbaus.

Aussicht von der Halde auf Ensdorf / Saar und das örtliche Kohlekraftwerk (Blickrichtung Süden - Südwesten)
Aussicht von der Halde auf Ensdorf / Saar und das örtliche Kohlekraftwerk (Blickrichtung Süden – Südwesten)
Blick zum ehemaligen Bergwerk Saar (Grube Duhamel), die Saar und Dillingen
Blick zum ehemaligen Bergwerk Saar (Grube Duhamel), die Saar und Dillingen

Das Saarpolygon auf dem Gipfel

Auf dem Gipfel steht das 2016 eingeweihte Saarpolygon. Es ist ein über Treppen begehbarer Aussichtsturm. Er ist etwa 30 Meter hoch. Je nach Standpunkt hat der Turm ein unterschiedliches Erscheinungsbild. Er präsentiert sich daher mal als Tor, als Kreuz oder Dreieck. Die Perspektive verändert sich zum Beispiel bei einer Umrundung des Saarpolygons auf dem Gipfel.

Saarpolygon auf dem Gipfel der Halde Ensdorf mit Ruhebank und Klatschmohn
Saarpolygon auf dem Gipfel der Halde Ensdorf mit Ruhebank und Klatschmohn
Rastmöglichkeit und Beschilderung auf der Halde
Rastmöglichkeit und Beschilderung auf der Halde

Informationen zur Anreise:

Die Halde hat einen offiziellen Parkplatz in der Nähe des Freibades am Ostrand von Ensdorf. Er ist an der Straße Im Sportzentrum bzw. am Starenweg zu finden, es besteht eine Zufahrt von der L345. Der nächste Bahnhof ist Ensdorf (Saar), ca. 2 km zu Fuß entfernt.

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung

Geographische Koordinaten:
49°18’47.14″N, 6°47’08.33″E – Parkplatz
49°19’05.11″N, 6°47’07.77″E – Saarpolygon
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z. B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
339053 m, 5464638 m – Parkplatz
339066 m, 5465175 m – Saarpolygon
406045 m, 5704927 m – Opherdicke

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Tipp des Autors:

Der Besuch der Halde Ensdorf lässt sich außerdem mit dem in der Stadt Saarlouis verbinden. Im nahen Völklingen befindet sich ferner das UNESCO-Welterbe Völklinger Hütte, ein ehemaliges Hüttenwerk.


Die Halde Göttelborn in Quierschied

Neben der Halde Lydia im Süden von Quierschied (siehe weiter unten) hat die kleine Gemeinde unweit der Landeshauptstadt Saarbrücken ein weiteres großes Halden-Exemplar zu bieten, das einen Besuch und die Besteigung lohnt. Im nördlichen Ortsteil Göttelborn förderte bis ins Jahr 2000 die gleichnamige Grube Göttelborn Steinkohle. Noch heute sind große Teile des Zechengeländes erhalten und Fördertürme stehen unter Denkmalschutz. Über alles ragt der „Weiße Riese“, zum Zeitpunkt der Errichtung höchster Förderturm weltweit über dem Schacht IV. Dieser ist nach seinem Bau in den 1990er Jahren allerdings nur wenige Jahre in Betrieb gewesen. Aus dem Gelände werden Kultur- und Bildungsstandort.

Eine Halde mit Autobahn-Anschluss

Auf der anderen Seite einer Bahnstrecke liegt die große Halde Göttelborn. Ihr Gipfel ragt auf ca. 427 Metern über dem Meeresspiegel hoch. Der Parkplatz vor der Halde wird damit um ca. 70 Meter überragt. Das Gelände auf der Südseite liegt noch wesentlich tiefer, sodass die Halde von dort aus gesehen fast 130 Meter hoch ist. Dieser Höhenunterschied entspricht sogar fast dem der höchsten Halde im Ruhrgebiet, der Halde Oberscholven. Die Grundfläche beträgt ca. 30 ha. Westlich der Halde steht das Kohlekraftwerk Weiher mit dem höchsten Schornstein im Bundesland. Direkt daneben liegt ein großes Solarkraftwerk. Im Osten verläuft die Autobahn A8. Mit der Abfahrt „Merchweiler“ hat die Halde einen unmittelbaren Autobahnanschluss und damit auch eine sehr einfache Anreise mit dem Auto.

Blick auf den Kohlbachweiher (Ausschnitt), das Kraftwerk und den Solarpark. Hinten links ist die Halde Lydia zu sehen.
Blick auf den Kohlbachweiher (Ausschnitt), das Kraftwerk und den Solarpark. Hinten links ist die Halde Lydia zu sehen.

Das Erscheinungsbild der Halde ist höchst unterschiedlich. Nach Süden fallen vor allem im oberen Bereich meist nackte Böschungshänge mit einzelnen Weg-Terrassen auf. Nur wenige Pionier-Pflanzen wachsen hier. An den steilen Böschungen sind Erosionsrinnen zu sehen.

Himmelspfeil und Haldengipfel

Ein Hauptweg führt durch diese Geröll-Landschaft zum Gipfel hoch. Auch das langgestreckte Plateau auf dem Gipfel ist weitgehend unbewachsen. Die Nordseite der Halde ist dagegen dicht bewaldet. Der Blick reicht daher vor allem in südlicher Richtung weit ins Bergland und auf die Gemeinde Quierschied, die hinter dem zu Füßen der Halde liegenden Kohlbachweiher beginnt. Das Zechengelände ist hingegen im Sommerhalbjahr durch das Laub der Bäume weitestgehend verdeckt. An einigen Stellen hat man eingeschränkte Sicht auf Teile der Fördertürme.

In der Südwestecke der Halde ist Bodenmaterial zum „Himmelspfeil“ angeschüttet. Ein Weg führt hier in konstanter Steigung in den Himmel. Direkt daneben schließt sich die große Photovoltaikanlage auf einer Grundfläche von 15 ha zur regenerativen Stromgewinnung an. Sie wurde 2004 errichtet und bedeckt das Gebiet eines ehemaligen Absetzbeckens (bzw. hier „Sinkweiher“). Zugänge zur Halde gibt es von der Seite des Grubengeländes sowie auf der Seite des Kohlbachweihers von Quierschied aus.

Blick nach Süden auf Quierschied und den Kohlbachweiher im Vordergrund
Blick nach Süden auf Quierschied und den Kohlbachweiher im Vordergrund

Informationen zur Anreise:

Die Halde liegt unmittelbar an der Autobahn A8. An der Ausfahrt Merchweiler im Kreisverkehr geradeaus auf die Straße An der Bergehalde fahren und dann linkshalten. Es gibt einen für Besuchende der Halde ausgewiesenen Parkplatz. Alternativ von der anderen Seite aus Göttelborn im Bereich Boulevard der Industriekultur parken und zu Fuß über die Brücke zur Halde. Der Bahnhof Quierschied liegt ca. 2 km von der Halde entfernt. Der Zugang erfolgt von dort auf der Seite des Kohlbachweihers.

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung

Geographische Koordinaten:
49°20’32.99″N, 7° 2’38.75″E – Haldenzugang Grube Göttelborn
49°20’16.79″N, 7° 2’20.22″E – Himmelspfeil
49°20’27.52″N, 7° 2’33.85″E – Gipfelplateau
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z. B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
357927 m, 5467370 m – Haldenzugang Grube Göttelborn
357541 m, 5466880 m – Himmelspfeil
357824 m, 5467204 m – Gipfelplateau

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Tipp des Autors:

In der Gemeinde Quierschied liegt auch die Halde Lydia. Außerdem ist es nicht weit bis zur großen Halde in Landsweiler-Reden.


Die Halde Grühlingstraße in Saarbrücken

Am nördlichen Rand der Landeshauptstadt Saarbrücken liegt die Bergehalde der Grube Jägersfreude, die sicherlich aufgrund ihres Erscheinungsbildes zu den interessantesten der hier vorgestellten Halden zählt. Im Kern handelt es sich um eine Spitzkegelhalde, die durch einen Schrägaufzug beschickt wurde. Nach ihrer größten Ausdehnung ist ein Teil des Bergematerials allerdings wieder für den Untertage-Versatz, also zur Verfüllung der Hohlräume im Untergrund, genutzt worden. Der Gipfel liegt auf ca. 328 m ü. NN und überragt die Umgebung je nach Blickweise um etwa 60 bis 70 Meter, allerdings ist diese Abschätzung im hügeligen Gelände schwierig zu treffen. Beim Aufstieg auf dem Verlauf des ehemaligen Schrägaufzugs sind etwa 45 Meter zu bewältigen.

Besonderes Wiedererkennungsmerkmal ihrer Gestalt sind die vor allem im Süden, Westen und Osten der Halde befindlichen tiefen Rinnen durch Erosion, also den jahrelangen Abtrag des Bodenmaterials nach Regenfällen durch das Wasser. Sie geben den Böschungen ihre eigentümliche Form.

Tiefe Erosionsrinnen an den Hängen geben der Halde Grühlingstraße ihr typisches Erscheinungsbild
Tiefe Erosionsrinnen an den Hängen geben der Halde Grühlingstraße ihr typisches Erscheinungsbild

Gedankenaufstieg zum Gipfelkreuz

Erschlossen wird die Halde durch den “Literarischen Gedankenaufstieg”. Auf dem durchaus steil ansteigenden Pfad liegen immer wieder Stufen mit eingravierten Textzeilen aus Gedichten. Auf dem Gipfel, an den flacheren Hängen und am Fuß der Halde verbreiten sich Birken. Dennoch hat man von oben einen schönen Ausblick ins Fischbachtal, in den Ort Jägersfreude und in die Randgebiete der Landeshauptstadt. Vor allem fällt aber der grüne “Urwald vor den Toren der Stadt” auf, der schön durchwandert werden kann und sich als Kombination mit einem Aufstieg auf die Halde anbietet. Ganz oben auf dem Gipfel ist eine kleine Plattform mit Gipfelkreuz installiert.

Blick von der Halde auf die Autobahn. Im Hintergrund ist die Halde Göttelborn zu erkennen
Blick von der Halde auf die Autobahn. Im Hintergrund ist die Halde Göttelborn zu erkennen
Halde Grühlingstraße in Saarbrücken

Ein Hinweis in eigener Sache: Es gibt auf dem Gipfel und am Aufstieg keinerlei Sicherungen. Ich rate zu erhöhter Vorsicht beim Besuch!

Informationen zur Anreise:

Zwar verläuft die Autobahn A623 direkt an der Halde vorbei, allerdings ist sie dennoch nicht direkt erreichbar. Ich empfehle den Wanderparkplatz Steinbachtal an der L127 als Verlängerung der Saarbrücker Westspange. Von dort zu Fuß unter der Bahn hindurch und nach einigen hundert Metern links in den Wald laufen. Auf verschiedenen Wegen gelangt man nach ca. 1,5 km Strecke zum Haldenfuß. Dabei ist es sinnvoll, eine Karte mitzunehmen, da einige Wege in eine Sackgasse führen.

Die nächstliegende Bushaltestelle ist in Rußhütte. Es verkehren getaktete Busse vom Saarbrücker Hauptbahnhof. Auch von hier sind es ca. 1,5 km durch den Wald bis zur Halde.

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung

Geographische Koordinaten:
49°15’49.67″N, 6°59’28.20″E – Gipfelkreuz der Halde Grühlingstraße
49°16’03.65″N, 6°59’02.02″E – Parkplatz Steinbachtal
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z. B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
353850 m, 5458723 m – Gipfelkreuz der Halde Grühlingstraße
353339 m, 5459175 m – Parkplatz Steinbachtal

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Tipp des Autors:

Vom Wanderparkplatz aus kann die Wanderung zur Halde fortgesetzt werden zu den Teichen im Steinbachtal im “Urwald vor den Toren der Stadt”. Hier befindet sich mit dem “Kleinen Fuji” außerdem eine weitere kleine Spitzkegelhalde in Sichtweite zur Halde Grühlingstraße.


Kleiner Fuji: Der Vulkan im Urwald

Im „Urwald vor den Toren der Stadt“ unweit der Landeshauptstadt Saarbrücken befindet sich nicht nur die Halde Grühlingstraße mit ihren markanten Erosionsrinnen an der Böschung. Ausgehend vom Wanderparkplatz am Steinbachweiher an der Neuhauser Straße gelangt man zu Fuß innerhalb von 20 Minuten zu einer weiteren kleinen Halde. Der „Kleine Fuji“ ist tatsächlich ein an den japanischen Vulkan Fuji erinnernder Spitzkegel, der sich steil aus dem Wald erhebt. Eine hölzerne Treppe auf der Westseite führt zum kleinen Gipfel, auf dem sich allerdings kein Vulkankrater befindet. Durch die Bäume kann man in der Ferne die Halde Grühlingstraße und mit scharfem Auge auch ihr Gipfelkreuz erkennen.   

Es handelt sich um eine Bergehalde, die von der Grube Von der Heydt aufgeschüttet wurde. Sie befand sich weiter westlich vom Haldenstandort auf der anderen Seite der Autobahn A1. Hier ist übrigens auch eine Autobahnabfahrt, die u.a. zu einem Parkplatz führt. Dieser ist ein weiterer möglicher Ausgangspunkt für einen Spaziergang zum Fuji.

Tipp des Autors:

Die beiden Halden Grühlingstraße und „Kleiner Fuji“ lassen sich schön zu einer Wanderung kombinieren. Die Tour lässt sich beliebig lang durch den Urwald ausdehnen, eventuell sogar auf dem Haldenweg zur ebenfalls nicht weit entfernten Halde Lydia.

InformationAls Ausgangspunkt kann der Wanderparkplatz am Steinbachweiher genutzt werden, der im Abschnitt zur Halde Grühlingstraße beschrieben wird.


Die Halde Lydia in Quierschied

Nahe der Ortschaft Camphausen in der Gemeinde Quierschied befindet sich die Bergehalde der 1990 geschlossenen Grube Camphausen. Sie liegt eingerahmt zwischen der Fischbachtal-Bahnstrecke und der kurzen Autobahn A623, die beide aus der Landeshauptstadt Saarbrücken nach Norden führen. Einige Schilder und Karten benennen sie nach dem Bergwerk als “Halde Camphausen”, doch bekannter ist der Ort als “Halde Lydia”, eine Bezeichnung, die wohl auf einen ehemaligen Wetterschacht an diesem Ort, den die Halde heute bedeckt, zurückgeht.

Auffällig ist ein großer Haldenkörper mit steilen und unbewachsenen Böschungen vor allem auf der Südseite und einem kleineren vorgelagerten Teil. Zusätzlich befindet sich auf einem Bereich des flachen Gipfelplateaus ein noch einmal deutlich in der Höhe herausragender Spitzkegel. Er markiert daher den höchsten Punkt auf ca. 371 Metern über dem Meeresspiegel.

Kreuzweg zum Himmelsspiegel

Im Gegensatz zum spärlich vor allem von einigen schmalen Birken bewachsenen Plateau ist dieser Spitzkegel dicht bewaldet und schwer zugänglich. Gut erschlossen ist demgegenüber das Plateau, das von zwei Seiten auf stetig ansteigenden Wegen entlang der Haldenböschung erreicht wird. Auf dem Plateau auf ca. 342 Metern über dem Meeresspiegel liegen die drei kreisrunden “Himmelsspiegel”, in denen sich nach Regenfällen das Wasser sammelt und danach bei Windstille jeweils wie ein Spiegel wirkt. Zwei weitere Himmelsspiegel findet man auf dem vorgelagerten Haldenteil. Andere Teile des Plateaus wirken mit vielen kleinen Haufen Bergematerial nebeneinander. Als ob die Aufschüttungen gerade erst erfolgt sein würden. Tatsächlich ist hier seit Jahrzehnten Feierabend.

Der Aufstieg von Süden ist konstant steil. Begleitet wird er von der Seite des Neuhauser Weges von kleinen Kreuzen aus Stahl, unterschiedlich farbig gestaltet, die einen Kreuzweg bilden. Dieser erinnert an den der Halde Haniel im Ruhrgebiet. Das letzte Kreuz ist ein hölzernes Gipfelkreuz, das jedoch – ebenfalls wie auf der Halde Haniel – nicht am höchsten Punkt steht.

Der Weg führt konstant steil bergauf, die Aussicht wird mit jedem Meter besser
Der Weg führt konstant steil bergauf, die Aussicht wird mit jedem Meter besser

Die Angabe einer Höhe über der Umgebung ist wegen des bergigen Geländes schwierig. Der Beginn des steilen Aufstiegs befindet sich auf etwa 295 Metern über dem Meeresspiegel. Daher sind knapp 50 Höhenmeter von dort zu bewältigen. Der Haldenfuß in der Nähe der Eisenbahnstrecke liegt auf 265 Metern, in Camphausen dagegen bei 299 Metern.

Aussicht vom Gipfelkreuz

Ungeachtet dessen ist die Aussicht in die Umgebung gut. Von oben reicht der Blick über das Fischbachtal hinaus in die grünen, hügeligen Wälder. Weit unten liegt der Netzbachweiher, dessen Parkplatz auch für die Anreise empfehlenswert ist. Gut zu erkennen ist außerdem die Halde Göttelborn im Nordwesten neben dem Kraftwerk. Die Reste des Bergwerks Grube Camphausen u. a. mit dem markanten Hammerkopfturm sind von der Halde teilweise zu sehen.

Holzkreuz auf dem Gipfelplateau, im Hintergrund ist der dicht bewaldete Spitzkegel zu sehen
Holzkreuz auf dem Gipfelplateau, im Hintergrund ist der dicht bewaldete Spitzkegel zu sehen
An der Kante geht´s steil bergab. Aussicht ins grüne Hügelland des Saarlands
An der Kante geht´s steil bergab. Aussicht ins grüne Hügelland des Saarlands

Eine zweite Halde der Grube liegt nördlich der Eisenbahnstrecke. Da diese ältere Halde räumlich noch eingeschränkter war, wurde in den 1950er Jahren bis zum Betriebsende der Grube zum neuen Haldenstandort Lydia übergegangen.

Informationen zur Anreise:

Die Halde Lydia ist von zwei Seiten zugänglich. Empfehlenswert ist der große Wanderparkplatz am Netzbachweiher (Kreuzung Am Neuhauser Weg / L127). Von dort zu Fuß in südlicher Richtung, die Straße überqueren und Bahn unterqueren (kleiner Tunnel), dann links zur Halde oder zunächst rechts und dann links abbiegen, um dem Kreuzweg zu folgen. Hier verläuft auch der Haldenrundweg, dessen Piktogramm man bis zur Halde folgen kann. Bei dieser Variante ist eine Höhe von ca. 130 Metern zu bewältigen.

Alternativ ist die Halde von der Dudweiler Straße in Camphausen erreichbar (Parken in der Maybachstraße am Rand).

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung

Geographische Koordinaten:
49°17’35.55″N, 7° 1’16.94″E – Kreuz auf dem Haldenplateau
49°17’21.31″N, 7° 0’43.24″E – Parkplatz Fischbachweiher
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z. B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
356133 m, 5461934 m – Kreuz auf dem Haldenplateau
355441 m, 5461512 m – Parkplatz Fischbachweiher

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Tipp des Autors:

Am erwähnten Wanderparkplatz liegt der Netzbachweiher als beliebtes Naherholungsgebiet vor den Toren der Stadt Saarbrücken. Der Wald ist gut geeignet für Wandertouren, ggf. sogar auf dem Haldenrundweg weiter zu anderen Halden in der Umgebung, wie z. B. der Halde Grühlingstraße. Ebenfalls in Quierschied befindet sich eine weitere Halde, die Halde Göttelborn, die von der Halde Lydia schon gesehen werden kann.


Erlebnisort Reden in Schiffweiler

Nicht weit entfernt von Neunkirchen (Saar) befand sich die Grube Reden im östlichen Saar-Revier. Sie förderte hier von 1850 bis 1995 Kohle, was eine vergleichsweise lange Zeit ist. Das Bergwerk lag direkt an der heutigen Nahetalbahn zwischen Saabrücken und Bingen am Rhein unweit vom heutigen Bahnhof Landsweiler-Reden. Teile des Bergwerks stehen heute unter Denkmalschutz. Daher sind zwei Fördertürme, Schornsteine und Betriebsgebäude erhalten. Das Gelände wurde zum „Erlebnisort Reden“, der sowohl das Zechengelände, die Ausstellung „Praehistorium“ als auch die Bergehalde einschließt. 

Halde Reden

Südlich vom Zechengelände befindet sich eine ausgedehnte Haldenlandschaft. Die Umgestaltung zum Landschaftspark erfolgte überwiegend 2009 und 2010. Die Halde besteht aus drei verschiedenen Komplexen, die unterschiedlich hoch sind und zusammen eine Fläche von ca. 90 ha bedecken. Damit ist diese Haldenlandschaft die größte aus dem Saarland, die in diesem Bereich vorgestellt wird. Zum Vergleich sei gesagt, dass die Halde Haniel im Ruhrgebiet 110 ha Fläche hat. Die Haldenlandschaft Hoheward kommt sogar auf 220 ha.

Der größte und höchste Teil der Halde liegt in der Mitte. Er überragt die Umgebung etwa um 90 Meter. Wege führen von der Grube Reden, wo sich auch zahlreiche Parkplätze befinden, bis auf den Gipfel, der eher ein flaches Gipfelplateau ist und als wilder „Haldengarten“ angelegt ist. Hat man den Anstieg bezwungen, ergibt sich von oben ein schöner Blick über das Tal und auf das alte Bergwerk.

Ganz oben, wo die Auffahrten und Wege den Gipfel erreichen, befindet sich die Alm. Das ist ein alpenländisch geprägtes Restaurant mit typischem Biergarten. Unmittelbar daneben ist ein sehr schöner Spielplatz im Bergwerk-Thema mit Förderturm und fahrbaren Loren. Auch ein Kleinkinder-Spielplatz ist vorhanden. Von der Alm und den Spielplätzen aus führen zahlreiche Wege um und über das Gipfelplateau. Von mehreren Stellen sind Blicke in unterschiedliche Himmelsrichtungen möglich. An einer Stelle am Südhang ist ein kleiner Weinberg zu finden, ähnlich wie der an der Halde Duhamel in Ensdorf.

Blick von der Bergehalde auf die Grube Reden
Blick von der Bergehalde auf die Grube Reden im Saarland
Blick von der Bergehalde auf die Grube Reden im Saarland
Blick von der Bergehalde auf die Grube Reden
Siedlung Madenfelderhof
Siedlung Madenfelderhof

Solaranlage und Madenfelderhof

Der westliche Teil der Halde ist eine niedrige Bauschutt-Deponie und liegt auf einem ehemaligen Absinkweiher. Es ist der Bönnchesthalweiher, der damit zu großen Teilen zugeschüttet wurde. Vom Weiher existiert daher nicht mehr viel. Die Umgebung ist auch ziemlich morastig. Auf dieser Deponie ist eine ca. 14 ha große Photovoltaik-Anlage errichtet, die aus dem Sonnenlicht Strom produziert. Dieser Deponie-Teil ist bis auf eine kleine Anhöhe in der Mitte nicht zugänglich.

Zwischen dem Bergwerk und der Siedlung Madenfelderhof ist ein kleinerer Haldenteil errichtet. Zum Zeitpunkt des Besuchs 2021 zeigte er sich kahl und weitgehend unbewachsen. In den Vorjahren war er jedoch dicht bewaldet. 

Wassergarten der Grube Reden

Auf dem ehemaligen Zechengelände sind einige Anlagen wie Fördertürme, Maschinenhäuser, Kesselhaus sowie diverse kleinere Hallen erhalten. Auf dem alten Güter- und Verladebahnhof befindet sich heute der etwa zeitgleich mit dem Ausbau der Halde entstandene Wassergarten. Dieser ist ständig zugänglich und bietet sich für eine kleine Erkundung und nicht zuletzt für eine Pause auf einer Bank nach Auf- und Abstieg der Halde an. Der Wassergarten besteht aus verschiedenen langgestreckten Becken, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern Wasserpflanzen wie Simsen oder Seerosen und Fischen eine Heimat geben.

An verschiedenen Stellen führen Brücken und Stege über die Wasserflächen. Sie sammeln Regenwasser der versiegelten Flächen und das warme Grubenwasser, das hier noch künstlich hochgepumpt wird. Bevor es in andere Gewässer gelangt, wird es hier abgekühlt und teilweise vorher noch zum Beheizen der Gebäude genutzt. Der „Mosesgang“ verläuft zwischen hohen Mauern, aus denen Wasser zur Abkühlung in Wasserfällen in die Tiefe strömt und überdies Mineralien an die Luft abgibt. Früher unterquerten die Gleise die Verladehalle, die heute als Stahlgerüst Teile der Wasserbecken überdeckt. In den Becken spiegeln sich seitdem die beiden Fördertürme, die als Denkmal erhalten bleiben.

Wassergarten und Förderturm des alten Bergwerks Grube Reden
Wassergarten und Förderturm des alten Bergwerks Grube Reden
Schachthalle vom Schacht IV
Schachthalle vom Schacht IV

Praehistorium

Direkt nebenan befindet sich außerdem das naturhistorische- und Erlebnismuseum Gondwana – Das Praehistorium, das sich mit der 4,5 Milliarden Jahre langen Geschichte der Erde und der Evolution von Pflanzen, Tieren und Menschen befasst.  Mit allen Sinnen, liebevoll gestalteten Szenen sowie dem Einsatz von Multimedia-Shows. Ergänzt ist die Ausstellung überdies durch einen Themen-Indoor-Spielplatz.

Informationen zur Anreise:

Auf der A8 bis zur Ausfahrt 21 Elversberg oder 19 Bildstock fahren. Dort Richtung Bildstock und weiter über die Illinger Straße und Redener Straße bis zum Kreisverkehr am Bergwerk. Vor Ort bestehen zahlreiche Parkmöglichkeiten. In der Nähe der Grube Reden liegt der Bahnhof Landweiler-Reden mit Verbindungen u. a. nach St. Wendel und Saarbrücken.

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung

Geographische Koordinaten:
9°20’49.75″N,   7° 7’19.78″E – Alm und Spielplatz auf der Halde
49°21’4.23″N,   7° 6’55.35″E – Wassergärten
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z. B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
363614 m, 5467742 m – Alm und Spielplatz auf der Halde
363130 m, 5468202 m – Wassergärten

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Tipp des Autors:

In der Luftlinie ist die Halde Göttelborn nur 8 km weit entfernt und bietet sich als weiteren Standort einer Halden-Tour an. Allerdings ist die Auto-Fahrtstrecke mit Umfahrung eines Waldgebietes tatsächlich etwas länger.

Hermann und Dorothea in Völklingen

Hermann und Dorothea sind nicht nur ein Buch von Goethe, sondern auch zwei besonders markante Gipfel von drei Spitzkegelhalden in Völklingen. Sie sind nach dem Stadtteil Hostenbach außerdem als „Hostenbacher Alpen“ sowie „Halde Hostenbach“ bekannt. Die Gipfel sind durch ihre steilen Böschungen sehr markant und auch aus größerer Entfernung zu sehen, beispielsweise von der Halde Ensdorf. Es sind im Beitrag die einzigen Schlackenhalden, während die übrigen Abraumhalden des Kohlebergbaus sind.

Sie liegen im hügeligen Gelände und erreichen geschätzt bis zu 100 Meter Höhe über Grund. Der höchste der drei Gipfel ist ca. 330 Meter über dem Meeresspiegel hoch. Ein kleiner Teil des Haldengeländes ist zugänglich, nicht jedoch derzeit die drei herausragenden Gipfel.

Eine besonders gute Sicht hat man auch vom Hochofen der Völklinger Hütte, den man im Zuge des Museumsbesuchs besteigen kann. 

Blick vom Hochofen der Völklinger Hütte auf die Spitzkegelhalden "Hermann" und "Dorothea"
Blick vom Hochofen der Völklinger Hütte auf die Spitzkegelhalden “Hermann” und “Dorothea”

Eine Übersicht über einige Halden im Saarland findet man auch in der SZ von Michael Kipp: Die Halden im Saarland