Halde Oberscholven in Gelsenkirchen
Sie scheint so nah, und doch ist sie so unerreichbar. Die Halde Oberscholven, häufig auch einfach als Halde Scholven bezeichnet, ist die höchste Bergehalde im Ruhrgebiet und ihr Gipfel zugleich dessen höchstgelegener (künstlicher) Punkt. Er befindet sich auf exakt 201,1 Metern über dem Meeresspiegel und damit ca. 137 Meter über der gemittelten Umgebung. Die Schüttung insbesondere durch Bergwerke in Gelsenkirchen und Gladbeck erfolgte von den 1960ern bis in die 80er Jahre. Heute ist der durch seine Lage im Flachland besonders monumentale Berg von großen Teilen des Ruhrgebietes zu erkennen und zu identifizieren.
Die Halde Oberscholven hat eine nahezu rechteckige Grundform, die sich terrassenartig zu zwei unterschiedlichen Gipfeln erhebt, einem kleineren im Süden und dem Hauptgipfel in der Mitte. Begrenzt wird die Halde im Westen durch die Feldhauser Straße und dem Kohlekraftwerk Scholven mit seinen markanten Kühltürmen, im Süden durch die das Kraftwerk erschließende Güterbahn, im Osten durch eine Ölraffinerie und im Norden durch den Bellendorfsweg. Im Innern der Halde befindet sich ein Trinkwasser-Hochbehälter des Versorgers Gelsenwasser, der sich in mehreren großen horizontalen Röhren darstellt. Der Hochbehälter nutzt die hochexponierte Lage der Halde und sorgt wie ein Wasserturm für den notwendigen Druck im Leitungsnetz. Auf der Halde selbst befindet sich seit jüngerer Zeit ein markanter Stahlgitter-Funkmast mit Sendern für Mobilfunk von Vodafone und dem terrestrischen »Überall-Fernsehen« DVB-T. Überragt wird der Funkmast allerdings seit Ende 2010 deutlich durch die zwei etwas tiefer stehenden Windkraftanlagen. Diese haben eine Nabenhöhe von etwa 100 Metern über dem Fundament und einen Rotordurchmesser von 82 Metern. Ihr produzierter Strom von ca. 14.000.000 kWh könnte etwa 4.000 Haushalte ständig versorgen. Sind typische Feld- und Wiesen-Windräder im unteren Schaftbereich grün angestrichen, tragen diese beiden reinweißen Exemplare mit dem niedlichen Überdach über der Tür unten einen blauen Anstrich. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass dies nicht wegen der großen Höhe über der Umgebung ist, weil man von unten sowieso kein Grün sehen würde, sondern dass dies einmal mehr eine Anspielung auf den blau-weißen Fußballverein FC Schalke 04 ist.
Am höchsten Punkt wurden im Jahr 1994 ein Gipfelkreuz und ein halb versenktes Förderrad aufgestellt. Das Gipfelkreuz ist im Winter nachts beleuchtet, bereits das zweite seit der Aufstellung und dennoch recht windschief. Der Blick reicht bei entsprechendem Wetter weit über das Land. Besondere Landmarken, die eine Orientierung ermöglichen, sind andere Bergehalden. Hier sind insbesondere die ebenfalls höchsten Halden Hoheward in Herten mit dem erkennbaren Horizontobservatorium, Beckstraße mit dem Tetraeder und Haniel jeweils in Bottrop sowie die in der Entstehung befindliche Mottbruchhalde in Gladbeck zu nennen, aber auch die direkt zu Füßen liegende im Vergleich dazu mickrig kleine Halde Scholver Feld. Architektonisch auffallend sind die Skyline der Stadt Essen, ein eiförmiger Wasserturm in Bottrop und der gesamte Chemiepark Marl. Natürlich besteht sehr guter Überblick über die benachbarten Industrie- und Kraftwerksanlagen, wo sich knapp von oben in die Kühltürme blicken lässt.
Die Höhe, die Raffinerie auf der einen, das Kohlekraftwerk auf der anderen Seite oder der Trinkwasserbehälter im Herzen des Berges. Was auch immer genau den Ausschlag dazu gegeben hat, ist unklar. Aber die Halde ist für die Öffentlichkeit streng abgesperrt, was angesichts der Tatsache, dass es sich um einen extrem gut exponierten Aussichtspunkt mitten im Ruhrgebiet handelt, besonders schade ist.
Umso wertvoller sind die seltenen Gelegenheiten, wenn sich das Tor am Bellendorfsweg öffnet und (legal) für wenige Stunden der Aufstieg zum Gipfel ermöglicht wird. Eine davon ist die schon traditionelle Maiandacht am Gipfelkreuz durch die Kirche St. Josef in Scholven. Ab und zu gibt es einen Tag der offenen Tür von Gelsenwasser, in Zuge dessen auch die Hochbehälter besichtigt werden können. Zumindest das Stattfinden der Maiandacht ist an die Begehbarkeit des Gipfels und damit an das Wetter gebunden. Das ein oder andere Mal ist diese Veranstaltung (das letzte Mal aufgrund der Errichtung der Windkraftanlagen 2010) ausgefallen. Umso unsicherer war das Stattfinden der Veranstaltung am 15.05.11, einem Sonntag, der nach wochenlangem Sonnenschein ausgerechnet den ersten Niederschlag seit Langem bringen sollte.
Trotz des ein oder anderen Schauers ließ der erwartete Dauerregen auf sich warten und ermöglichte nach einem einstündigen Aufstieg über die Straße zum Gipfelkreuz grandiose Aussichten, wunderschöne Wolkenbildungen und eine ansprechende Zeremonie im Wind vor dem Gipfelkreuz. Besucher, die den Anstieg nicht bewältigten, wurden mit kleinen Bussen hinauf- und wieder heruntergefahren. An dieser Stelle sei den ehrenamtlichen Helfern und Aktiven für das Ermöglichen dieses Erlebnisses gedankt, mit der Hoffnung verbunden, dies im Mai 2012 wiederholen zu können. Grüße gehen außerdem an Stephan und Heiko mit Sohnemann Lukas und natürlich alle anderen Besucher, die ebenfalls an der Veranstaltung teilgenommen haben.
Die nächste Veranstaltung findet vrsl. am So, 20.05.2012 um 15 Uhr statt (Aufstieg 14 Uhr). Infos siehe Startseite oder Twitter.
Im Folgenden sind Fotos von der Mai-Andacht am 15. Mai 2011 vorgestellt. Neun Bilder sind georeferenziert bei Panoramio (GoogleEarth) abgebildet und können über den Vergrößern-Link unter dem Foto aufgerufen werden.

Blick von der Auffahrt nach Süden zur Veltins-Arena in Buer größer |

Förderrad und Gipfelkreuz auf dem Gipfel größer |

Großer Funkmast, überragt durch zwei Windkraftanlagen größer |

Benachbarte Raffinerie, hinten Chemiepark Marl größer |

Aussicht auf Buer, hinten das Rathaus |

Traditionelle Mai-Andacht am windschiefen Gipfelkreuz größer |

Gut besuchte Andacht auf der Halde Oberscholven |

Niedrigerer zweiter Gipfel der großen Halde |

Funkmast, von der Zufahrtsstraße gesehen |

Die Pilger trotzen Windböen und kurzen Schauern größer |

Andere Seite der Raffinerie |

Windräder in Schalke-Optik und niedliche Rundvordächer größer |

Trotz Unzugänglichkeit touristisch aufbereitete Informationstafeln?! |

Ein Schauer ergießt sich über die Halde Scholver Feld |

Kohlekraftwerk Scholven direkt neben der Halde |

Drei der Landmarken auf der Halde Oberscholven größer |

Das tiefere der beiden Windräder |

Zugang zum Wasser-Hochbehälter auf der Halde |
Die Halde Oberscholven ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, umzäunt und durch ein Tor abgesperrt. Die seltenen Gelegenheiten zum Aufstieg werden auf der Hauptseite angekündigt, sofern dies bekannt wird. Ansonsten sind Ankündigungen durch den Wasserversorger Gelsenwasser, die Pfarrnachrichten von St. Josef in Scholven und der Tagespresse zu entnehmen. Benachrichtigungen von Ortsansässigen zu bevorstehenden Aktionen zwecks Verbreitung an die breite Masse werden dankend und gerne angenommen.
Anreise zur Halde Oberscholven mit dem Auto: Auf der A2 bis zur Ausfahrt Essen / Gladbeck (B224). Dort aus jeder Richtung links auf die B224 Richtung Gladbeck abbiegen. Diese geht in die Autobahn A52 über. Dieser bis zur Ausfahrt 43 Gelsenkirchen-Scholven folgen. Dort zweimal links (einmal Berge-Verladung) auf die B224 abbiegen, direkt linke Spur wählen. An der zweiten Ampelkreuzung links in den Bellendorfsweg fahren. Nach 750 Metern besteht in Höhe des Tores am linken Straßenrand die Möglichkeit zum Parken.
Navigationssystem: Bellendorfsweg in 45896 Gelsenkirchen
Koordinaten:
51°36'32.51"N, 7° 0'52.44"E (Tor)
51°36'14.91"N, 7° 0'52.49"E (Gipfelkreuz und Seilscheibe)
Die Koordinaten können per Copy&Paste in das Eingabefeld von GoogleEarth eingegeben werden. Der Ort wird dann direkt angeflogen.
Anreise zur Halde Scholven mit dem ÖPNV: Die Anfahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr ist im Vergleich zu nahezu allen anderen Halden recht lang.
Von Essen Hbf oder Haltern am See mit der S9 bis Gelsenkirchen-Buer Nord. Von dort mit dem Bus der Linie SB28 Richtung Schermbeck bis zur Haltestelle Bellendorfsweg (eine zuvor zum Bereitmachen: Alexander-von-Humboldt-Straße). Die Fahrtzeit im Bus beträgt etwa zehn Minuten. Von dort in den Bellendorfsweg etwa 750 Meter bis zum Haldentor. Alternativ diese Buslinie von Dorsten / ZOB am Bahnhof nutzen, die Fahrt dauert ebenfalls ca. zehn Minuten bis zur Station am Bellendorfsweg. Achtung: Sonntags fährt der Bus im Stundentakt. Da das Haldentor bei den Mai-Andachten kurze Zeit nach Einlass geschlossen ist, sind Fahrtzeiten vorher selbst herauszusuchen!! |

Drei Kreuze auf der Halde – Moderne verdrängt Tradition? |
Quellen und weitere Informationen:
Die Beschreibungen der Halde basieren auf eigenen Impressionen während der Mai-Andacht 2011. Angaben zur absoluten Höhe sind aus der aktuellen Deutschen Grundkarte im Maßstab 1:5.000 (DGK5) abgeleitet, die relative Höhe durch Subtraktion gemittelter Umgebungshöhen von der Maximalhöhe errechnet. Vertiefende Internetseiten konnten zu diesem Thema nicht gefunden werden.
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ngaben zur Anreise mit dem ÖPNV sowie Straßennamen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de • Stand: 02 / 2012
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