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Der Alma-Ring: Motodrom Gelsenkirchen

Ein hochfrequentes Geräusch unterbricht die Stille des Waldes. Urplötzlich schießt ein Rennwagen um die Kurve und nähert sich der eigenen Person, die eben arglos die Start- und Zielgerade, das Fahrrad schiebend, überqueren will. Doch statt eines gewaltigen Hechtsprunges in den Graben reicht es, die Füße rasch etwas auseinanderzustellen und den Flitzer zwischen den Beinen durchfahren zu lassen – es handelte sich glücklicherweise nur um ein ferngesteuertes Miniaturauto, die Quelle des Lärms. Der Besitzer winkt begeistert, wendet sein Fahrzeug, weil es sonst aus dem Sendebereich der Fernsteuerung fährt und zischt in entgegengesetzter Fahrtrichtung zurück. Es stört keinen, denn echte Rennwagen fahren hier schon lange nicht mehr.

Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche und Kokerei Alma in Gelsenkirchen-Ückendorf wurde 1969 in privater Initiative von Anton Brenner der Grundstein für die offiziell als Motodrom Gelsenkirchen bezeichnete Rennstrecke gelegt. Hier konnte Jedermann mit und ohne Fahrerlaubnis in gerne auch modifizierten Altwagen verschiedener Klassen antreten, einzige Bedingung war das Erfüllen wesentlicher Sicherheitsvorschriften wie die Funktion der Bremsen. Dem Sieger winkte eine Geldprämie. Finanziert werden konnte der Betrieb vor allem durch die Eintrittsgelder. Sowohl bei den Fahrern als auch bei Zuschauern waren die Renntage immer sehr beliebt und gut besucht. Sie waren eine willkommene Abwechslung zum harten Arbeitsalltag der seinerzeit meist im Montansektor angestellten Menschen.

Vermutlich vor allem wegen der zunehmenden Proteste gegen die regelmäßig an Wochenenden wiederkehrende hohe Lärmbelastung für die Anwohner durch die Autos und Lautsprecher wurde die Rennstrecke am Ende der Saison 1984 geschlossen und bis heute weitgehend sich selbst überlassen. Die asphaltierte Strecke, Leitplanken oder Tribünen-Hügel sind nach wie vor vorhanden und erkennbar. Der einzige Unterschied zu historischen Film- und Fotoaufnahmen ist die Vegetation, die sich in fast 30 Jahren vorgearbeitet und das Gelände stark überwuchert hat – statt über eine leere Brachfläche läuft der Ring nun durch einen Wald. Bei aufmerksamer Erkundung finden sich noch überraschend viele Relikte der aktiven Zeit, von nummerierten Betonpodesten über Auspuffrohre und zahlreiche Reifen, die das Prädikat »Made in Western Germany« tragen. An einigen Stellen überziehen noch heute farbige Markierungen die Strecke. Hauptsächlich Freunde von Modellautos, Fußgänger mit Hunden und einige wenige Radfahrer nutzen die Strecke heute noch, die durch einen Abzweig an den nahegelegenen Emscher-Park- oder auch Zollverein-Radweg angebunden ist, der wiederum in unmittelbarer Nähe auf den Radweg auf der Erzbahntrasse trifft. Ein Lost Place, ein vergessener Ort, der immer geheimnisvoller wird, je länger er besteht.

Almaring Gelsenkirchen

Es könnte eine Straße sein, auf der länger keiner gefahren ist...

Motodrom Gelsenkirchen

... wenn da nicht Reifen und farbige Querlinien wären.

Relikte am Almaring

Betonring mit einer 2, den man in alten Videos wiederfindet

Almaring

Alte Reifen wurden zu einem kleinen Hindernis-Parcours gelegt

Alma-Ring

Leitplanke der zugewachsenen Mittelinsel. Hinten Gegenfahrbahn

Almaring Gelsenlirchen

Westliche 180°-Kehre

Ehemaliges Motodrom Gelsenkirchen

Hier konnte man schön beschleunigen...

Motodrom Gelsenkirchen

Fast so, als sei der Reifen älter als der Baum, an dem er lehnt

Almaring

Alte Reifen, »Made in Western Germany«

Almaring Ziellinie

Weitere Querlinie unter dem Laub

Fazit und Tipp des Webmasters: Vielleicht verbinden vor allem die, die vor über 30 Jahren an der Strecke standen, etwas mit dem Almaring, doch die Geschichte hinter dem verlassenen Asphaltrund ist recht spannend. Ist man mit dem Fahrrad auf der Erzbahntrasse oder auf dem Zollvereinradweg unterwegs, lohnt ein Abstecher durchs Grün unbedingt. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Schalker Verein (Hüttenwerk) mit dem Solarbunker, nicht weit entfernt ist auch die Halde Rheinelbe.

 

Informationen zum Besuch des Motodroms Gelsenkirchen:

Das Gelände ist auch heute noch frei zugänglich vom Ende der Almastraße oder über den Verbindungsweg zwischen Ückendorfer Straße (Höhe Bahnbrücke) und Emscher-Park-Radweg (Bergmannstraße). Das Gelände östlich davon ist das Schutzgebiet Almagelände und sollte nicht außerhalb der Wege betreten werden.

Eine kleine Bitte: Entfernen Sie keine Gegenstände, die Sie vielleicht im Unterholz finden. Es ist doch schön, wenn dieser Lost Place einer bleibt.

Anfahrt zum Motodrom Gelsenkirchen mit dem Auto: Auf der A42 bis zur Ausfahrt 19 Gelsenkirchen-Zentrum. Aus allen Fahrtrichtungen rechts abbiegen auf die Grothus-Straße. Dem Straßenverlauf durch Gelsenkirchen bis zum Ende am Hauptbahnhof folgen. Hier links abbiegen auf die Hiberniastraße und auch auf dieser, die in die Wildenbrucher Straße übergeht, bis zum Ende am Kreisverkehr fahren. Rechts abbiegen auf die Ückendorfer Straße. Hinter der Bahnbrücke und der Kurve links in die Almastraße abbiegen. Die ehemalige Eisenbahnbrücke am Ende nicht unterfahren, sondern im Wohngebiet parken. Zu Fuß unter der Brücke hindurch zum Almaring.

Alternativ auf der A40 bis zur Ausfahrt 29 Wattenscheid-West. Aus jeder Richtung links abbiegen auf die Berliner Straße. Dem Verlauf ca. 3,5 km bis zur Kreuzung Almastraße (VOR der Bahnbrücke in Ückendorf) folgen. Dort rechts abbiegen, im Straßenverlauf parken und zu Fuß unter der kleinen Brücke hindurchgehen zum Almaring.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Almastraße in 45879 Gelsenkirchen

Geographische Koordinaten: 51°30'33.12"N, 7° 7'46.60"E
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 370202 m, 5708110 m

Anreise mit Bus und Bahn: Mit dem RE 2, 3, der RB 42, 46 oder der S2 von Düsseldorf, Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund, Herne, Münster oder Oberhausen bis Gelsenkirchen Hbf. Vom Nordausgang rechts halten bis zur B227. Dieser bis vor die Bahnbrücke nach Süden folgen und dann links abbiegen in die Wildenbruchstraße. Etwa 600 Meter bis zum Ende und dort rechts in die Ückendorfer Straße. Hinter der Brücke links die Treppe hinauf auf den Zubringerweg zum Emscher-Park-Radweg. Nach ca. 700 Metern links auf Pfaden bis zur Rennstrecke laufen.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Von der Erzbahntrasse an der Wegkreuzung südlich der Pfeilerbrücke etwa 700 Meter auf dem Emscher-Park-Radweg bis zum Abzweig scharf rechts. Hier abbiegen und der langgezogenen Linkskurve ("Almabahn") etwa bis zur Brücke folgen. Dahinter rechts auf Pfaden bis zur Rennstrecke.

Von der Zeche Zollverein ebenfalls auf dem Emscher-Park-Radweg vorbei an der Halde Rheinelbe und über die zwei Hauptstraßen. Kurz vor dem Ziel des Weges an der Pfeilerbrücke zweigt in der Form eines Y links ein Weg Richtung Schalker Verein ab. Diesen wählen und um die Kurve bis zur Brücke folgen, dann auf den Pfaden rechts zur Rennstrecke.

Kartenmaterial: In den rechts dargestellten reiß- und wetterfesten Radwander- bzw. Rad- und Wanderkarten des Verlages Publicpress ist der Almaring dargestellt. In der Rad- und Wanderkarte "Essen und Umgebung" im idealen Maßstab 1:50.000 liegt er im Planquadrat C6. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite beim Verlag – Karten werden versandkostenfrei versendet.

 Rad- und Wanderkarte Essen und Umgebung   Radwanderkarte Ruhrgebiet  


Gelsenkirchener Geschichten: www.gelsenkirchener-geschichten.de

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Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 09 / 2017
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(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr