Wasser für das Ruhrgebiet: Der Sorpesee

Neben dem Möhnesee und dem Biggesee ist der Sorpesee einer der größten Stauseen im nördlichen Sauerland. Er dient hauptsächlich der Sicherstellung der Wasserversorgung im Ruhrgebiet. Daneben ist die Sorpe, wie das Gewässer auch genannt wird, ein beliebtes Freizeitziel in der Region. Ausgiebige Rad- und Wandertouren sind möglich und lassen sich kombinieren mit anderen Sportarten am und auf dem Wasser.

Die folgende Übersichtskarte zeigt den langgestreckten See zwischen Langscheid und Amecke. Die Detailkarte zeigt einen Ausschnitt mit dem Standort des Damms, Kraftwerks und der Promenade in Langscheid. Eingezeichnet sind die beiden Anlegestellen der Personenschifffahrt, zwischen denen die MS Sorpesee pendelt, und ausgesuchte Parkplätze (ggf. gebührenpflichtig).

Karte Sorpesee
Karte Sorpesee

Wie schon in den anderen Beiträgen auf der Spur des Wassers für das Ruhrgebiet beschrieben, gab es zum Anfang des 20. Jahrhunderts große Nachfrage nach Trinkwasser im Revier. Sowohl für die wachsende Bevölkerung zum Trinken, Waschen, Duschen oder Toiletten spülen als auch für die Industrie zum Beispiel zur Kühlung. Bekanntlich wurde und wird das Wasser für die Metropolregion zum großen Teil aus der Ruhr gewonnen, die allerdings in trockenen Zeiten wenig Wasser führen kann. Zu diesem Zweck wurden im Einzugsgebiet der Ruhr zum Anfang des 20. Jahrhunderts mehrere Talsperren errichtet, um aus deren Stauseen den Wasserstand in der Ruhr zu beeinflussen. Daneben puffern die Seen Hochwasser. Wie an der Sorpe wird das Wasser außerdem zur Energieerzeugung genutzt.

In den 1920er Jahren begann der Bau der Sorpetalsperre, die den Fluss Sorpe kurz vor dessen Mündung in den Fluss Röhr bei Sundern aufstaut. Die Röhr wiederum fließt wenige Kilometer nördlich bei Hüsten in die Ruhr. Im Gegensatz zu vielen anderen Talsperren in der Umgebung wie an der Möhne, Henne (erstes Bauwerk) oder Ennepe entstand hier keine Mauer, sondern ein Erdwall mit Betonkern. Der Damm ist etwa 60 Meter über dem Talgrund hoch und etwa 700 Meter lang. Damit war er zur Zeit seiner Errichtung der höchste Staudamm in Deutschland und die Baustelle galt als größte in Europa. Auf der Dammkrone verläuft ein breiter Rad- und Wanderweg mit Aussichtspunkten und Rastplätzen. Auf der “Luftseite” des Staudamms führen Wege auf halber Höhe entlang. Ganz unten befindet sich der Ausgleichsweiher mit dem Gebäude des Kraftwerks. Auf der Ostseite führt ein Überlauf im Hochwasserfalle über viele Kaskaden am Damm vorbei ins Tal. Dort setzt die Sorpe ihren kurvigen Weg bis zur Mündung in die Röhr fort. Bei Amecke befindet sich außerdem ein Vorstaubecken mit kleiner Staustufe unterhalb der Straßenbrücke. […]

Auf dem Staudamm verläuft ein breiter Weg für Radfahrer und Spaziergänger
Auf dem Staudamm verläuft ein breiter Weg für Radfahrer und Spaziergänger

Neben der Möhnetalsperre und der Edertalsperre war auch die Sorpetalsperre im Zweiten Weltkrieg Ziel von englischen Bombern. In der Aktion “Chastise” wurde der Staudamm im Mai 1943 und noch einmal im Oktober 1944 bombardiert. Während diese zerstört wurden und das Wasser der Stauseen in großen Flutwellen die Täler von Möhne, Ruhr und Eder überschwemmt hat, ist die Sorpetalsperre bis auf kleinere Schäden stehengeblieben.

Der Sorpesee ist beliebt für Freizeitbeschäftigung und Sport am, auf und im Wasser. Er besitzt sehr viele Buchten, wie in der Übersichtskarte oben zu erkennen ist. Tauchen, Schwimmen und Boot fahren ist ebenso möglich wie Angeln. In Langscheid gibt es eine Promenade mit Spiel- und Sportgeräten. […]

Promenade mit Anlegestelle der MS Sorpesee
Promenade mit Anlegestelle der MS Sorpesee

Am Ostufer führt ein ca. 8 km langer asphaltierter Rad- und Wanderweg von Langscheid bis Amecke. Er verläuft kurvenreich und folgt dabei den zahlreichen Buchten. Manchmal entfernt er sich etwas vom See, aber immer wieder ergeben sich Aussichten auf das Gewässer. Zusätzlich führen Wanderwege durch die umliegenden Berge. Eine schöne Umrundung mit einer größeren Umschweife am Westufer verspricht der Sorpe-Rundweg (markiert mit einem weißen S im Kringel; ca. 22 km). Am Westufer verläuft der Weg sonst entlang der Landstraße, sodass eine Umrundung in Seenähe auf einer Hälfte mit Straßenverkehr verbunden ist.

Tipp! Bei Kombination von Wanderung und Fahrgastschiff am besten mit dem Schiff beginnen und die Anreise auf den Fahrplan abstimmen. So fährt das Schiff am Ende der Wanderung ggf. nicht vor der Nase weg!

Auch die Sauerländer Waldroute hat eine ca. 21 km lange Runde um den See und verläuft überwiegend in den Höhen abseits des asphaltierten Weges. Vor allem an den Parkplätzen und zwischendurch stehen Informationstafeln mit Kartenübersichten. Die Auswahl an Wanderwegen ist groß, die Wege sind gut beschildert und gepflegt. […]

Überblick auf die Seefläche mit ihren zahlreichen Buchten
Überblick auf die Seefläche mit ihren zahlreichen Buchten
Kyrill und Borkenkäfer haben Schneisen geschaffen, die gute Aussichten bieten. Hier in Richtung Staudamm
Kyrill und Borkenkäfer haben Schneisen geschaffen, die gute Aussichten bieten. Hier in Richtung Staudamm

Zwischen Langscheid (am Staudamm) und Amecke (am Vorstaubecken) pendelt üblicherweise zwischen Karfreitag und Ende Oktober das Fahrgastschiff MS Sorpesee. Die Fahrt dauert auf der einfachen Strecke etwa eine halbe Stunde (Informationen dazu und Link zur Webseite des Betreibers siehe weiter unten). Die Schifffahrt kann perfekt mit einer Wanderung oder Radtour kombiniert werden.

Unterwegs auf dem Fahrgastschiff, das sehr gut zur Abkürzung einer Wanderung genutzt werden kann
Unterwegs auf dem Fahrgastschiff, das sehr gut zur Abkürzung einer Wanderung genutzt werden kann

Informationen zum Besuch:

Der See ist auf den öffentlichen Wegen ständig als Ausflugsziel nutzbar. Zwischen April und Oktober fährt das Fahrgastschiff MS Sorpesee (je nach Saison an bestimmten Tagen oder täglich). Fahrplan und Fahrpreise sind der Internetseite zur Personenschifffahrt zu entnehmen. Fahrräder und Hunde können gegen Gebühr auch mitgenommen werden. Toiletten befinden sich an Bord.

In Langscheid gibt es ein öffentliches WC.

Anreise mit dem Auto: Auf der A46 bis zur Ausfahrt 64 Hüsten. Der B229 bis Hachen 9 km folgen. Dann links abbiegen und der Beschilderung zum Sorpesee Richtung Langscheid folgen. Bei Langscheid befinden sich die größten Parkplätze am See am Staudamm (alle gebührenpflichtig). Alternativ weiter auf der Straße Am Sorpedamm ca. 7 km bis Amecke und dort Parkplätze nutzen.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Sorpestraße, Kreuzung Am Sorpedamm in Sundern

Anreise mit Bus und Bahn: Mit dem Zug ist der Sorpesee nicht zu erreichen. In Langscheid und Amecke gibt es Haltestellen mit Verbindungen nach Arnsberg (Neumarkt). Mit einem Fußweg verbunden ist die alternative Anreise von Stemel aus zwischen Bahnhof Neheim-Hüsten und Sundern.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Der Sorpesee wird über das Radverkehrsnetz NRW erschlossen. Am Staudamm befindet sich der Knotenpunkt 35, in Amecke der Knotenpunkt 40. Zwischen diesen beiden Knoten fährt auch das Schiff.

Kartenmaterial / Literatur: In den dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind zur Vertiefung empfohlen. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

   

Geographische Koordinaten:
51°21’03.81″N, 7°58’05.62″E – Sorpetalsperre (Staudamm)
51°21’07.84″N, 7°57’47.66″E – Anlegestelle Langscheid
51°18’36.10″N, 7°56’38.55″E – Anlegestelle Amecke
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
428149 m, 5689370 m – Sorpetalsperre (Staudamm)
427803 m, 5689499 m – Anlegestelle Langscheid
426399 m, 5684831 m – Anlegestelle Amecke

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Quellen und weitere Informationen:

Personenschifffahrt Sorpesee: www.personenschifffahrt-sorpesee.de

Wanderwege um den See: www.sgv-langscheid.de