Der Waldfriedhof Großholthausen in Dortmund
Zwischen Löttringhausen und Witten verläuft der „Rheinische Esel“, eine ehemalige Eisenbahnstrecke, die heute ein beliebter Rad- und Fußweg ist. Wer hier unterwegs ist, kommt direkt am Friedhof Großholthausen vorbei. Meist bleibt der Friedhof allerdings rechts oder links liegen.
Dabei lohnt es sich, einmal abzubiegen, abzusteigen und genauer hinzuschauen. Denn hinter den Bäumen bietet er historische Grabmale und ein markantes Mausoleum in der historischen Friedhofsmauer. Dazu kommt ein bewaldeter Bereich, in dem sich klassische Friedhofsgestaltung und naturnahe Bestattungen auf besondere Weise verbinden.



Der Dortmunder Süden rund um den Stadtteil Kirchhörde ist vergleichsweise dicht bewaldet. Östlich von Kirchhörde liegt die ausgedehnte Bittermark mit dem heute bekannten Mahnmal. Westlich davon erstreckt sich das Waldgebiet Großholthauser Mark, das allerdings von der Autobahn A45 zerschnitten wird.
Am Rande dieses Waldgebietes entstand 1878 an der Kruckeler Straße der Friedhof, der von einer heute denkmalgeschützten Mauer eingefasst wurde. Es ist mit gerade einmal 7.500 Quadratmetern, damals etwa 3 Morgen Land und ungefähr so groß wie ein Fußballplatz (etwa ein 343.000stel des Saarlands), nur ein kleiner Teil des heutigen Friedhofs. Der wurde Mitte des 20. Jahrhunderts nach Süden und Südwesten bis zur Straße Am Ballroth und zum „Rheinischen Esel“ erweitert. Alleine die zweite neue Friedhofsfläche ist mindestens dreimal so groß.

Beim Spaziergang über den Friedhof fällt daher schnell auf, dass dieser im Gegensatz zu vielen anderen nicht aus einer einzigen Fläche besteht. Es gibt zwei Teile im Nordosten und im Südwesten, die durch einen bewaldeten Bereich miteinander verbunden sind. Doch dieser Wald ist nicht nur eine Verbindung. Auch dort finden Beisetzungen im Waldboden unter Bäumen und zwischen den Wurzeln statt. Dazu später mehr.
Historischer alter Teil
Der ältere und ursprüngliche Friedhof ist sicherlich der interessanteste Abschnitt. Noch heute stehen Teile der ursprünglichen Friedhofsmauer, in die einzelne Grabplatten eingebaut sind. Besonders hervorstechend ist das große Mausoleum, die Familiengruft der Familie Schulte-Großholthausen. Es stammt aus der Anfangszeit des Friedhofs und ist Teil der Umfriedungsmauer. Anlass für die Errichtung des Mausoleums war der Tod „durch Mörderhand“ (siehe Inschrift) von Johann Heinrich Schulte im Dezember 1878 in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das kleine Gebäude ist neoklassizistisch, hat einen annähernd symmetrischen Grundriss, an drei Seiten (außer Außenwand) einen Dreiecksgiebel und Säulen im dorischen Stil vor dem Portal.














Interessante Grabstätten dieses älteren Teils sind die der Familie Deilmann Annen oder der Familie Schmidt mit einer Skulptur mit Dornkrone. Manche Grabmale wirken beinahe wie kleine architektonische Denkmäler. Andere fallen erst beim zweiten Blick auf, etwa durch eine besondere Form, eine Figur oder ein Relief. Der Zustand der Steine und die Spuren der (Ver-) Witterung gehören dabei ebenso zum Erscheinungsbild wie die ursprüngliche Gestaltung.
Wie auf vielen Friedhöfen im Ruhrgebiet entdeckt man an einigen Stellen die bekannten Symbole „Schlägel und Eisen“ für den Bergbau, so am Grab der Familie Deilmann-Annen oder Wemmer, jeweils an der Friedhofsmauer zu finden. Aber auch andere typische Symbole wie der Schmetterling für die Auferstehung, Ähren oder Sterne kann man hier entdecken. Auch steinerne Kreuze ragen an einigen Stellen in den Himmel. In der Friedhofs-Rubrik gibt es einen ► Glossar über bekannte Symbole.
Friedwald zwischen den Friedhöfen
Der Wald zwischen dem historischen Friedhof und der Erweiterung ist keineswegs nur ein Korridor zwischen zwei Friedhofsteilen. Auch hier finden Beisetzungen statt. Die Grabstätten liegen im Waldboden, unter Bäumen und zwischen Wurzeln. Anstelle klassischer Grabreihen und aufwendiger Grabsteine prägen der Baumbestand und die natürliche Umgebung das Bild.
Die Beisetzungen fügen sich in den natürlichen Boden ein, während Bäume, Licht und Schatten das Erscheinungsbild bestimmen. Die Grabsteine sind deutlich kleiner und häufig nicht größer als Findlinge. Gravierter Text oder beschriebene Inschriften sind meist und überraschend kurz gehalten. Zum Beispiel beim Vornamen oder Kosenamen „Schatzi“.








Damit unterscheidet sich dieser Teil deutlich von den bekannten Grabstein-Reihen örtlicher Friedhöfe mit Bepflanzung, Grabkerzen oder kleinen Erinnerungsstücken. Im Gegenteil – Dekoration ist hier gar nicht erwünscht.
Das wirkt weniger streng geordnet als die klassischen Grabfelder und gibt diesem Teil der Anlage einen ganz eigenen, naturverbundenen Charakter.
Der Waldfriedhof Großholthausen ist einer von mehreren Artikeln zu interessanten, alten oder besonderen Friedhöfen im Ruhrgebiet. Die zentrale Rubrik-Seite bietet neben einer Übersicht über die anderen Orte auch allgemeine Informationen wie beispielsweise eine Erläuterung zur Symbolik auf Grabsteinen ► Friedhöfe im Ruhrgebiet
Neuer Teil
Im Südwesten befindet sich die jüngere Fläche, um die der Friedhof etwa in der Mitte des 20. Jahrhunderts erweitert wurde. Die Gräber auf dieser Fläche sind klassische Reihengräber, wie man sie häufiger auf kommunalen Friedhöfen zu Gesicht bekommt. Sie werden in liebevoller Erinnerung an verstorbene Angehörige gepflegt, im Rhythmus der Jahreszeiten bepflanzt und gegossen.








Besonders markant ist eine große, kniende Figur auf dem Grab von Adolf Schmidt – zu unserem Besuch unter dichtem Buschwerk verborgen. Bekannte Persönlichkeiten sind Florian Klöckner, Industrieller und Politiker (Klöckner-Werke) mit einem Reliefbild auf dem Grabstein, oder Fritz Henßler, Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg und Politiker in Dortmund.







Kriegerdenkmal und Soldatengräber
Außerhalb des Friedhofs Großholthausen befindet sich ein Kriegerdenkmal an der Kreuzung der Kruckeler Straße mit der Löttringhauser Straße. Es erinnert an die beiden Weltkriege und die Gefallenen der umliegenden Dörfer.
Auf dem neuen Teil des Friedhofs befindet sich außerdem eine Gruppe von Soldatengräbern aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie sind wie an vielen anderen Friedhöfen in der Umgebung im einheitlichen Stil gestaltet.



Wer sich für historische Grabkunst, besondere Friedhofsanlagen oder naturnahe Bestattungsformen interessiert, findet hier einiges zu entdecken. Und auch fotografisch bietet der Friedhof interessante Motive: von den Details alter Grabsteine über das Mausoleum bis hin zu den Bäumen und den stillen Wegen im Wald.
Informationen zum Besuch:
Es bestehen begrenzt Parkmöglichkeiten in der Straße Am Ballroth. Die Zufahrt auf dem Wirtschaftsweg lässt kein Begegnungsverkehr zu. Im Falle einer Beisetzung ist der Parkraum knapp. Im Näheren Umfeld befinden sich keine weiteren offiziellen Parkmöglichkeiten.
Anreise mit dem Auto:
Auf der B54 in Dortmund bis zur Abfahrt Zillestraße (Beschilderung Zoo folgen). Aus Richtung Dortmund zunächst rechts, aus Richtung Hagen links, dann links auf die Zillestraße. Dem Verlauf ca. 2,3 km folgen und dann links abbiegen auf Am Hombruchsfeld. Am Ende links in die Löttringhauser Straße. An derem Ende nach 2 Kilometern lieg der Friedhof geradeaus. Rechts abbiegen auf die Kruckeler Straße und vor den Häusern links den Weg bergauf. Auf der linken Seite befindet sich ein Parkplatz.
Für Ortsunkundige wird dringend die Nutzung eines Navigationssystems empfohlen. Zieleingabe ins Navigationssystem: Am Ballroth in Dortmund
Anreise mit Bus und Bahn:
Von Dortmund Hauptbahnhof oder Hagen Hauptbahnhof mit der RB 52 Volmetal-Bahn bis Löttringhausen. Auf dem Rheinischen Esel (Radweg, Beschilderung folgen) bis zum Friedhof, der über einen Abzweig vom Radweg erreicht wird.
Direkt vor dem Friedhof befindet sich die Bushaltestelle Großholthausen Friedhof. Nach aktuellen Informationen wird diese nur von einem Anruf-Sammeltaxi AST (telefonische Voranmeldung) angefahren.
Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike:
Der Radweg Rheinischer Esel verläuft unmittelbar am Friedhof Großholthausen vorbei.
Zieleingabe ins Navigationssystem: Am Ballroth in Dortmund
Kartenmaterial / Literatur:
In den folgenden gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist der Friedhof, der Rheinische Esel bzw. die Region abgebildet: ADFC Regionalkarte radrevier.ruhr Ost* (1:50.000) und Kompass Fahrradkarte Ruhrgebiet / Bergisches Land* (1:70.000)
Diese thematisch passenden Bücher empfehle ich zur Vertiefung: Die faszinierendsten Friedhöfe der Welt* und Wanderglück Industriekultur: Zu Fuß durch das östliche Ruhrgebiet*
Quellen und weitere Informationen:
Stadt Dortmund mit digitalem Friedhofsplan: www.dortmund.de