Das Westfalenstadion – Signal-Iduna-Park und Borusseum in Dortmund
Weithin sichtbar ist das große Dortmunder Fußballstadion, das Westfalenstadion mit seinen acht großen gelben Pylonen an den Ecken, das eine Landmarke in der Landschaft, ein Wahrzeichen für die Stadt und auch wichtiger Anker im Leben vieler Fans des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund ist.
Über 80.000 Menschen besuchen in Heimspielen regelmäßig den „Tempel“, viele davon auf der weltbekannten Südtribüne, die dann in ein schwarz-gelbes Farbenmeer getaucht wird. Das Stadion befindet sich nahe der Bundesstraße 1 im Süden der Innenstadt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Messezentrum Westfalenhallen Dortmund. Man sieht es schon aus der Ferne, wenn man von Westen kommend Dortmund über die Schnettkerbrücke anfährt.
Außerhalb der Veranstaltungen oder Fußballspiele lässt sich das Stadion in Führungen und beim Stadionspaziergang besichtigen. Dann geht es aber auch hinter die Kulissen und in Bereiche, die man als normaler Zuschauer oder Zuschauerin normalerweise nicht sieht – wie zum Beispiel die Spielerkabine, die Trainerbank oder das Gefängnis. Und man erfährt Fakten und Zahlen – vom Verzehr von veganen oder fleischbasierten Bratwürstchen und Bieren bis hin zur Anzahl der Urinale für die Halbzeitpause.

Ein wenig Geschichte zum Stadion
Erbaut wurde das Westfalenstadion zwischen 1971 und 1974. Die Stadt erhielt den Zuschlag als Spielort der Fußball-Weltmeisterschaft 1974, und so entstand an der heutigen Strobelallee ein modernes Stadion mit zunächst rund 54.000 Plätzen. Charakteristisch war von Anfang an die klare, funktionale Architektur mit den markanten Flutlichtmasten an den vier Ecken.
Zuvor spielte die Mannschaft von Borussia Dortmund im unmittelbar benachbarten Stadion Rote Erde, das sich östlich anschließt und 1926 eröffnet wurde. Beide Stadien liegen im historischen „Volkspark“, einem großzügig angelegten Sport- und Freizeitareal, zu dem auch die Westfalenhallen Dortmund, die Eissporthalle, ein Freibad und Tennisanlagen gehören – ein Ensemble, das den Dortmunder Süden bis heute prägt, auch wenn der Begriff „Volkspark“ kaum noch geläufig ist.
Die Pläne für das neue Stadion setzte Stadtbaurat Hans Strobel um, nach dem die Strobelallee benannt ist, die direkt am Stadion entlangführt (sein Grab haben wir auf dem Hauptfriedhof besucht). Mit dem Neubau zog der BVB bereits zum dritten Mal in seiner Vereinsgeschichte um: Vor der Roten Erde spielte der Verein an der Weißen Wiese im heutigen Hoeschpark – ein eher bescheidener Platz, der die rasante sportliche Entwicklung des Vereins bald nicht mehr aufnehmen konnte.

Umbau und Ausbau in den 1990er und 2000er Jahren
In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren wurde das Westfalenstadion grundlegend umgebaut und in mehreren Stufen erweitert. Zunächst erhielten die Tribünen eine zweite Ebene, später wurden die vier offenen Ecken geschlossen.
Mit diesen Eckbauten wuchs das Stadion schrittweise auf über 80.000 Plätze an und entwickelte seine heutige, geschlossene und wuchtige Erscheinung. Besonders prägend ist die Südtribüne – die „Gelbe Wand“ –, die größte Stehplatztribüne Europas und akustisches Herzstück des Stadions.

2005 erfolgte schließlich die Umbenennung in Signal Iduna Park im Zuge eines Namenssponsorings durch die Versicherung, übrigens gleichzeitig mit dem benachbarten Bahn-Haltepunkt. Im Sprachgebrauch vieler Fans lebt der ursprüngliche Name jedoch bis heute weiter – als Ausdruck einer starken Identifikation mit Ort und Geschichte.
So erzählt das Stadion an der Strobelallee nicht nur von sportlichen Erfolgen, sondern auch von städtebaulichem Wandel, wirtschaftlichen Umbrüchen und einer außergewöhnlichen Fußballkultur im Ruhrgebiet.
Woher kommt eigentlich der Name „Borussia Dortmund“?
Wer bei „Borussia“ an die lateinische Bezeichnung für Preußen denkt, liegt zumindest theoretisch nicht ganz falsch – praktisch führt die Spur der Legende nach jedoch in eine Dortmunder Kneipe. In der Gründungsgaststätte „Wildschütz“ hing Anfang des 20. Jahrhunderts ein Werbeplakat der nahegelegenen Borussia-Brauerei. Der Name gefiel den Gründern offenbar – klangvoll, selbstbewusst, einprägsam.
So verdankt der Verein seine Bezeichnung weniger geopolitischen Überlegungen als vielmehr einem Blick an die Wand. Statt Staatsphilosophie also eher Thekenatmosphäre – was im Ruhrgebiet als Gründungsimpuls durchaus plausibel wirkt.
Stadiontouren im Westfalenstadion / Signal-Iduna-Park
Für Besuchende werden unterschiedliche Führungsformate angeboten, die je nach Interesse und Bedarf gewählt werden können. Neben den klassischen öffentlichen Führungen gibt es barrierefreie Touren mit angepassten Wegen und Informationen sowie individuell buchbare Privatführungen für Gruppen. Eine besondere Variante ist der sogenannte Stadionspaziergang: Dabei erkundet man das Stadion eigenständig – ganz ohne Guide – und folgt einem am Boden durch gelbe Fußabdrücke markierten Rundweg, der zu den wichtigsten Stationen führt und Einblicke in Bereiche ermöglicht, die sonst dem Spielbetrieb vorbehalten sind.
Ausgangspunkt aller Touren ist die BVB FanWelt, in der man sich anmelden muss und ein Armband erhält. Von hier aus geht es hinter die Kulissen und in Bereiche des Stadions, die auch normale Besuchende meist nicht zu Gesicht bekommen.














Je nach Art der Tour wird auch dem Gefängnis mit zwei Zellen (eine für je eine der rivalisierenden Fangruppen – etwa fünf Personen verbringen Teile des Stadionbesuchs im Schnitt in den zwei Zellen) ein Besuch abgestattet. Spannend ist das Medienzentrum für Pressekonferenzen, wo man Trainer und Funktionäre vor den Werbewänden mit den kleinen Sponsoren-Logos sitzend regelmäßig im Fernsehen erblickt.
Spielerkabine, Mixed zone und Spielertunnel
In der Mixed Zone treffen Pressevertreter auf die teilnehmenden Mannschaften. In dem großen Raum werden dazu mobile oder digitale Wände mit Sponsoren-Logos (im Design abhängig ob Bundesliga, Champions League oder andere Wettbewerbe) genutzt, vor denen die Interviews und Fotosessions stattfinden. Von diesem Raum zweigen in beiden Richtungen Flure zu den Spielerkabinen ab. Diese wirken erstaunlich spartanisch, hier tief im Bauch des Stadions, mit einfachen Garderoben, zweiseitiger Gemeinschaftsdusche mit schwarz-gelben Fliesen, einem kleinen Entmüdungsbecken und einem Besprechungsraum für Taktik und Strategie.
Neben den Garderobenhaken hängen Fotos der entsprechenden Spieler, die somit einen festen Platz haben. Es ist die Aufgabe des Zeugwarts, dass jedem Spieler vor Spielbeginn seine persönlichen Kleidungen von Trikot bis zum individuellen Fußballschuh ordentlich bereitgelegt werden.








Zurück in der Mixed Zone geht es eine zunächst unscheinbare weitere Treppe tiefer in den Spielertunnel, der direkt am Spielfeldrand endet. In einer geführten Tour mit der passenden Musik, so wie die Spielenden auch.
Spieler- und Trainerbank vor der Gelben Wand
Vor uns erstreckt sich der sorgsam gepflegte Hybrid-Rasen in Höhe der Mittellinie. Ringsherum liegen die Tribünen, links die berühmte Südtribüne, die sogenannte „Gelbe Wand“ – während der Bundesliga-Spieltage Stehplatzbereich für etwa 25.000 Besucher. Nur bei internationalen Spielen werden hier Sitze mit geringerer Kapazität verbaut. Der Rasen ist natürlich unter Verhängung der Todesstrafe (oder beinahe) tabu. Aber auf den Sitzen der Spieler- und Trainerbank kann man sich niederlassen, die Atmosphäre einsaugen und das ein oder andere Selfie erstellen.






Die Tour endet schließlich am Fanshop mit Möglichkeit des Einkaufs von schwarz-gelben Wohn-Accessoires. Oder Christbaumkugeln, Fahnen, Schals, Trikots, Handyhüllen und so weiter.
Borusseum
Lohnenswert ist auch der Besuch des Borusseums, dem seit 2008 bestehenden Vereinsmuseum von Borussia Dortmund. In unmittelbarer Nähe zur Nordtribüne des Signal Iduna Park gelegen, verbindet es auf vergleichsweise kompakter Fläche Vereinsgeschichte mit multimedialer Inszenierung. Dauer- und Wechselausstellungen erzählen von den Anfängen des Ballsportvereins Borussia von 1909, von Meisterschaften und internationalen Triumphen, von prägenden Persönlichkeiten, Fankultur und nicht zuletzt von der Entwicklung des Stadions mit seinen unterschiedlichen Ausbaustufen.
Originaltrikots, Pokale, historische Fotos und Filmsequenzen lassen die verschiedenen Epochen lebendig werden. Wer den Stadionspaziergang oder eine Führung unternimmt, kann den Museumsbesuch gut damit kombinieren – als vertiefenden Blick hinter die sportliche Bühne. Während das Stadion die Atmosphäre des Spieltags vermittelt, ordnet das Borusseum die großen Momente historisch ein.
Informationen zum Besuch:
Öffnungszeiten und Eintrittspreise:
Geöffnet ist das Borusseum täglich mit unterschiedlichen Zeiten, die abhängig vom Spielbetrieb sind. Hier gibt es die Möglichkeit der freien Besichtigung oder eine Führung.
Stadionführungen mit einem Guide finden grundsätzlich täglich außer an Heimspieltagen und bei anderen Veranstaltungen statt. Bei Spielen u.a. der U23 können Kabine, Spielertunnel und Mixed Zone nicht besichtigt werden. Der Stadionspaziergang ohne Guide ist außer an Heimspieltagen Mo-So 10.00-18.00 Uhr möglich.
Gruppen können nach Voranmeldung auch individuell geführt werden – bei Bedarf in Begleitung des Maskottchens Emma. Die öffentlichen Standard-Touren dauern wie ein Fußballspiel genau 90 Minuten. Dazu werden barrierefreie Stadiontouren angeboten, Stadionerlebnis für Kinder, BVB-Klassenfahrten sowie Rundgänge in Fremdsprachen.
Während der Tour kann nur begrenzt eine Toilette aufgesucht werden. Tiere können nicht mitgenommen werden und – ganz wichtig – der heilige Rasen darf nicht angefasst oder gar betreten werden. Es kann außerdem sein, dass einige Bereiche aufgrund Veranstaltungen nicht zugänglich sind.
Tickets für die Stadiontour sind im Ticket-Onlineshop, in der FanWelt, in Vorverkaufsstellen und im Borusseum erhältlich.
Anreise mit dem Auto:
Das Stadion liegt sehr verkehrsgünstig direkt an der B1, der Verbindung der A40 aus Essen und Bochum. Auf der B1 bis zur Ausfahrt Dortmund-Hombruch – aus Richtung Essen die hintere Abfahrt wählen und links abbiegen auf die Straße Im Rabenloh, die in die Strobelallee übergeht. Hier gibt es kostenlose Parkmöglichkeiten am Rand sowie auf dem Parkplatz B Luftbad.
Im Stadionbetrieb empfiehlt sich jedoch immer die Anreise mit dem Nahverkehr.
Zieleingabe ins Navigationssystem: Strobelallee in Dortmund
Anreise mit Bus und Bahn:
Von Dortmund Hbf, Hagen Hbf, Iserlohn / Schwerte, Unna oder Soest mit den Regionalbahnen RB 52, 53 und 59 bis Signal-Iduna-Park. Dort der Beschilderung zum Stadion folgen. Es werden üblicherweise Sonderzüge eingesetzt, die über Aushänge angekündigt werden. Alternativ von Dortmund Hbf mit der U45 und U46 bis Westfalenhallen. Bei Großveranstaltungen ist auch die Haltestelle Stadion in Betrieb.
Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike:
Man könnte fast von selbst darauf kommen, dass die Deutsche Fußballroute NRW keinen Bogen um das größte deutsche Stadion macht. Sie führt direkt am Westfalenstadion vorbei. In kurzer Entfernung passiert außerdem der Emscherweg das Stadion.
Zieleingabe ins Navigationssystem: Strobelallee in Dortmund
Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung
Geographische Koordinaten: 51°29’37.15″N, 7°27’1.42″E
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von beispielsweise GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32): 392432 m, 5705865 m
Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.
Quellen und weitere Informationen:
Borusseum: www.borusseum.de
Borussia Dortmund mit Stadiontouren: www.bvb.de