Bananenweg und Hoesch-Hafenbahn-Weg

Das Ruhrgebiet ist reich an Bahntrassenradwegen. Diese verlaufen dort, wo früher Eisenbahnstrecken die Bergwerke und Industrieanlagen angeschlossen haben. Nach dem Niedergang der Betriebe und Zechen sind diese überflüssig geworden. Die Gleise wurden abgebaut und Radwege angelegt. Sie sind beliebt für ihre steigungsarmen Strecken und haben außerdem wenig Straßenkreuzungen. Bekannte und häufig genutzte Bahntrassenradwege im Revier sind beispielsweise die Erzbahntrasse, der Grugaweg oder der Rheinische Esel. Und in Dortmund gibt es mit dem „Bananenweg“ sowie dem zukünftigen „Hoesch-Hafenbahn-Weg“ gleich zwei Radwege, die nah beieinander in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Sie verbinden die Innenstadt mit dem Emschertal und den Naherholungsgebieten Rombergpark sowie dem Phoenixsee.

Der sogenannte „Bananenweg“ ist bereits heute als Radweg ausgebaut, der „Hoesch-Hafenbahn-Weg“ ist dagegen im Bau. Zunächst wird daher nur der erste von diesen beiden vorgestellt. In der Karte sind die beiden Touren jedoch schon einmal eingezeichnet.

Die folgende Karte zeigt erstens den Bananenweg zwischen dem südlichen Ende am Rombergpark, dem Südbahnhof und dem Ostbahnhof mit einem pinkfarbenen Band. Der in Bau befindliche Hoesch-Hafenbahn-Weg oder Gartenstadt-Weg ist außerdem orange markiert. Die blaue Verbindung kennzeichnet den Emscherweg, der zukünftig beide Routen miteinander verbindet. Die Nummernpunkte sind im Text näher vorgestellte Sehenswürdigkeiten oder Landmarken.

Karte Bananenweg und Hoesch-Hafenbahn-Weg in Dortmund
Karte Bananenweg und Hoesch-Hafenbahn-Weg in Dortmund

Über die Radwege können Rombergpark, Phoenix-West und Phoenixsee, Stadtmitte, Gartenstadt und Nordstadt bequem miteinander verbunden werden.

Der Beitrag enthält einige Bildvergleiche zwischen dem Verlauf der Bahntrasse damals durch Industrie-Anlagen und die beiden Bahnhöfe sowie der heutigen Situation als Radweg.

Wegebeschaffenheit und Beschilderung

Der Bananenweg ist größtenteils asphaltiert. Eine Beschilderung als thematische Radtour gibt es daher nicht. Einige Dortmunder Radtouren verlaufen allerdings abschnittsweise auf der Trasse. Es gibt nur auf dem Gelände Phoenix-West, an der Kluse und Im Defdahl Berührungen mit dem Straßenverkehr. Hier sind Kreuzungen zu überqueren. Darüber hinaus ist der Weg durch Brücken und Überführungen kreuzungsfrei und damit auch für Familien mit Kindern gut geeignet zum Radfahren.

In den dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind obendrein zur Vertiefung empfohlen. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

InformationInformationen zur Anreise sind an einigen Punkten des Beitrags eingestreut.

Vorab ein wenig Geschichte: Von der Eisenbahn zum Radweg

Zum besseren Verständnis ist es ganz nützlich, einen kurzen Abriss zur geschichtlichen Entwicklung zu bekommen. Ich halte ihn auch kurz. Und eine schöne alte Karte gibt es obendrein.

Den ersten Teil bildet eine alte Bahnstrecke der Rheinischen Eisenbahn aus den 1870er Jahren. Sie führte von Hagen kommend bis zum Südbahnhof. 1957 wurde nicht weit vom heutigen Haltepunkt Dortmund-Tierpark neben dem Botanischen Garten Rombergpark eine Verbindungskurve zur Hellwegbahnstrecke gebaut. Die Züge der heutigen „Volmetal-Bahn“ fahren von hier aus nun direkt zum Hauptbahnhof. Die alte Bahnstrecke zwischen Tierpark und Südbahnhof wurde wenig später stillgelegt.

Die zweite Verbindung vom Süd- zum Ostbahnhof wurde 1880 eröffnet. Personenverkehr spielte nur ganz kurz eine Rolle und wurde 1910 eingestellt. Im Jahr 1988 wurde die gesamte Strecke stillgelegt.

Vom Rombergpark nach Phoenix-West

Die Tour beginnt in der Nähe des Botanischen Garten Rombergparks im Dortmunder Süden. Unweit des heutigen Haltepunkts Dortmund-Tierpark zweigt von der Straße „Am Rombergpark“ am Bahnübergang unser Bahntrassenweg ab.

Anreise mit dem Auto: Auf der B1 als Verlängerung der A44 aus Richtung Kassel bzw. Kreuz Dortmund / Unna (A1) und der A40 aus Richtung Essen bis zur Kreuzung B54 Dortmund-Zentrum. Dort Richtung Hagen auf die Ruhrallee B54 abbiegen. Bis zur zweiten Ausfahrt, die hinter einer Linkskurve liegt. Rechts auf die Straße Am Rombergpark abbiegen. Links auf den Parkplatz.

Anreise mit der Bahn: Von Dortmund Hbf. mit der RB 52 bis Dortmund-Tierpark. Den Bahnsteig verlassen und zweimal rechts durch die Unterführung unter den Schienen hindurch. Am Rande des Botanischen Gartens links halten bis zur Straße Am Rombergpark.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Auf dem Emscherweg am Viadukt nahe Phoenix-West einen Teil der beschriebenen Strecke zurückfahren Richtung Rombergpark

Ein Stück neben uns verläuft die Bahnstrecke Hagen-Herdecke-Dortmund, auf der heute die Züge der Regionalbahn-Linie RB 52 „Volmetal-Bahn“ fahren. Doch diese Strecke macht bald einen Bogen nach links und entfernt sich von uns. Der Bogen ist eine 1957 eröffnete Verbindungskurve, die es vorher für diese Bahnverbindung nicht gab. Zuvor fuhren auch Personenzüge auf unserer Trasse geradeaus weiter. Statt zum Südbahnhof fährt die RB 52 heute mit Halt am Stadion zum Hauptbahnhof.

Radweg auf alter Bahntrasse mit Blick zum Florianturm in Dortmund
Radweg auf alter Bahntrasse an der Brücke der B54 mit Blick zum Florianturm in Dortmund

Fahrt über das Hochofengelände

Wir queren die Bundesstraße B54. Dabei sehen wir leider nicht, dass die Brücke künstlerisch außen gestaltet ist. Von einer Seite sind bekannte Motive des Künstlers Warhol, die Tomatensuppen-Dosen, als Dortmunder Currywurst gemalt. Das kleine Tal des Bachs, der ebenfalls unter der alten Bahn verläuft, ist jedoch inzwischen zugewuchert.

Dahinter liegt Phoenix-West. Damit befahren wir das Gelände eines großen Hochofenwerkes. Es ist das Gegenstück zum Phoenix-Ost, einem riesigen Stahlwerk, auf dessen Fläche sich heute der Phoenixsee befindet.

Am anderen Ende von Phoenix-West: Brücke über die B54 und "Dortmunder Currywurst" im Design der berühmten Campbell-Dosen
Brücke über die B54 und „Dortmunder Currywurst“ im Design der berühmten Campbell-Dosen

Vom ehemaligen Hochofenwerk Phoenix-West sind heute nur noch zentrale Anlagen erhalten. Der Rest ist Gewerbegebiet. Ausführlich ist das Hochofenwerk mit einer Besteigung des Hochofens in einem eigenen Beitrag vorgestellt.

Blick von der Halde Hympendahl auf die Hochöfen Phoenix-West
Blick von der Halde Hympendahl auf die Hochöfen Phoenix-West

Der alte Streckenverlauf unserer Bahntrasse ist hier nicht mehr zu sehen. Wir folgen also der schnurgeraden Robert-Schuman-Straße. Das ist eine von mehreren West-Ost-Achsen, die sich durch das Gewerbegebiet und kleinere Naherholungsflächen ziehen. In der Nähe vom Firmensitz von Amprion befand sich früher der Bahnhof Hörde-Hacheney. Ende der 1920er Jahre wurde dieser aber stilleglegt.

Die Bahnanlagen und das Gelände des Hochofenwerks Phoenix-West sind im Früher-Heute-Luftbildvergleich zu erkennen. Mit der Maus oder dem Finger kann je nach Gerät interaktiv zwischen der historischen und der aktuellen Situation gewechselt werden. Die vorgestellte Bahntrasse von unserem Bananenweg ist zur Orientierung hervorgehoben. Der alte Bahnhof ist außerdem markiert.

Von Phoenix-West zur Kluse

Kurz vor der Bergmann-Brauerei fahren wir links die Rampe herunter und unterqueren die Hellwegbahnstrecke. Bis in die 1950er Jahre haben dies auch die Regional- und Güterzüge getan. Danach erreichen wir den Teich unterhalb eines ehemaligen Viadukts. Über dem Viadukt wurden Schlacken vom Hochofen auf die Halden rechts und links der Bahnstrecke transportiert. Heute stehen nur noch die beiden steinernen Brückenköpfe. Der Mittelteil dazwischen fehlt. Sowohl die Halde Hympendahl auf der links als auch die Halde Schallacker auf der rechten Seite können vom kleinen Teich aus befahren werden.

Viadukt der Schlackenbahn
Viadukt der Schlackenbahn unterhalb der Halde Hympendahl

Anreise mit dem Auto: Von der B1 in Dortmund auf die B54 / Ruhr-Allee Richtung Hagen. An der zweiten Abfahrt, die hinter einer Linkskurve liegt, abfahren. An der Ampel links, unter der Brücke hindurch und dann hinter dem Autohändler links in die Konrad-Adenauer-Allee. Im Bereich des Hochofens befinden sich zahlreiche Parkplätze am Rand. Einige Straßen dürfen nur zu bestimmten Tageszeiten von Auswärtigen befahren werden.

Anreise mit Bus und Bahn: Von Dortmund Hbf. mit RE 57, RB 53 oder 59 bis Dortmund-Hörde, von dort vom Ausgang links, unter der Bahnbrücke hindurch, geradeaus über den Kreisverkehr.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Auf dem Emscherweg bis zum Viadukt

Wir überqueren die Emscher über eine neue Leichtbau-Brücke. Die Bahnbrücke ist nicht mehr vorhanden. Hier gibt es die Möglichkeit, auf den Emscherweg umzuschwenken. Auf der alten Elias-Bahntrasse würden wir damit zum Phoenixsee gelangen und auch später eine Runde auf der Hoesch-Hafenbahn schließen können. Wir halten uns geradeaus mit einem leichten Schlenker (lila Pfeil im Foto).

Von der Kluse zum Südbahnhof

Nach einer kurzen Strecke bergauf durch einen Wald fahren wir auf der Straße „Kapitelwiese“ weiter. An der „Märkischen Straße“ befand sich früher der Haltepunkt Dortmund-Kluse, der jedoch in den 1950er Jahren nur für kurze Zeit in Betrieb war.

Auf der anderen Seite der Kreuzung führt der Weg in einem grünen Korridor weiter. Rechts und links liegen Kleingärten. Wir nähern uns einer größeren Bogenbrücke. Sie führt die Bundesstraße 1, den „Westfalendamm“ als Verlängerung der Autobahnen A40 nach Essen und A44 nach Kassel, zusammen mit der oberirdisch fahrenden U-Bahn-Linie U47 über die ehemalige Bahnstrecke.

An der Straße „Im Defdahl“ ist Schluss mit der ersten Etappe. Die alte Bahnstrecke lief in einem weiteren Linksbogen in den Südbahnhof ein. Von diesem ist heute nicht mehr viel erhalten.  An seiner Stelle befindet sich heute der Großmarkt auf der einen, und ein Baugebiet auf der anderen Seite. Am „Heiligen Weg“, auf der anderen und von uns abgewandten Seite des ehemaligen Bahnhofs, steht noch ein Wasserturm. Rostige Gleise verrotten noch teilweise im Grün. Durchquert wird das Gelände heute noch von den Gleisen einer S-Bahn-Strecke. Allerdings wurde zum Bau der S4 zwischen Unna und Lütgendortmund der Personenhalt einige hundert Meter nach Westen umgelegt. Der Haltepunkt Dortmund-Stadthaus mit U-Bahn-Anschluss befindet sich in der Nähe des Walls und ist zu Fuß von der Stadtmitte aus erreichbar. Örtlich ist er unter dem Namen „Bahnhof Südbad“ bekannt, da sich hier das gleichnamige Schwimmbad befindet.

Erneut ist die historische Situation rund um den Südbahnhof mit der heutigen im Bildvergleich dargestellt. Mit der Maus oder dem Finger kann je nach Gerät interaktiv zwischen der historischen und der aktuellen Situation gewechselt werden.

Vom Südbahnhof zum Ostbahnhof

An der Straße Im Defdahl fahren wir auf die Bahnstrecke, die vom Südbahnhof zum Ostbahnhof führte. Radfahrende machen also eine Spitzkehre. Vorbei an der „Halle 77“, einem Oldtimer- und Youngtimer-Museum, führt der Weg in einer langen Linkskurve weiter. Wir unterqueren die S-Bahn-Strecke der S4. Links von uns liegt weitgehend unbemerkt von Radfahrenden der Ostfriedhof. In einem großen Bogen führt unser grüner Korridor durch Körne. Dabei gibt es keine Kreuzungen mit Straßen. Alle Haupt- und Nebenstraßen werden durch Brücken über- oder unterquert. Wie in der Einleitung beschrieben, ist das der große Charme von Bahntrassenradwegen in dichtbesiedelten Stadtgebieten. Aus erhöhter Position können wir auf den Kleingartenverein „Zur Lenteinsel“ an der Halleschen Straße blicken. Die Bahntrasse führte hier nämlich auf einem hohen Damm.

Hinter der Brücke über die Klönnestraße begann der Ostbahnhof. Zum Zeitpunkt der Befahrung im Sommer 2022 endete hier der ausgebaute Radweg. Die Klönnestraße ist übrigens die Verlängerung der Straße Im Defdahl, die wir heute bereits einmal berührt haben.

Mit der Maus oder dem Finger kann je nach Gerät interaktiv zwischen der historischen und der aktuellen Situation rund um den Ostbahnhof gewechselt werden.

Man kann vom Radweg über eine Rampe hinunter auf die Güntherstraße fahren. Diese verläuft parallel zur ehemaligen Bahnstrecke bis zur Weißenburger Straße. Ein wenig weiter nördlich querte die Bahn noch die Hauptstrecke zwischen Dortmund und Hamm sowie die Strecke nach Lünen, auf die sie in der Nähe des heutigen Betriebswerks Eving stieß und einen weiteren Güter- und Verladebahnhof erreichte.

Das Bild zeigt die steinerne Bogenbrücke über die Weißenburger Straße, die leider nicht befahrbar ist. Am Ende der Strecke erreicht man linkerhand bald den Wall und die Innenstadt von Dortmund. Rechts gelangt man auf der Weißenburger Straße schließlich zum Borsigplatz.

InformationSobald der Hoesch-Hafenbahn-Weg bzw. Gartenstadt-Radweg fertiggestellt ist, wird auch dieser im Beitrag näher vorgestellt.

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung

Geographische Koordinaten:

51°28’54.39″N 7°27’46.00″E – Südlicher Beginn vom Bananenweg am Rombergpark

51°29’10.54″N 7°28’02.87″E – Brücke Schondellebach und B 54 (Currywurst)

51°29’26.14″N 7°29’20.85″E – Viadukt der Schlackenbahn

51°29’42.55″N 7°29’35.12″E – Ehemaliger Haltepunkt Dortmund-Kluse

51°30’24.07″N, 7°29’23.83″E – Streckenenden Im Defdahl

51°30’57.94″N, 7°29’15.94″E – Streckenende Ostbahnhof

51°31’05.95″N, 7°28’32.62″E – Weißenburger Straße, Ende Bananenweg

51°31’24.29″N, 7°28’54.05″E – Borsigplatz (Platzmitte)

Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z. B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):

393257 m, 5704522 m – Südlicher Beginn vom Bananenweg am Rombergpark

393593 m, 5705014 m – Brücke Schondellebach und B 54 (Currywurst)

395107 m, 5705465 m – Viadukt der Schlackenbahn

395392 m, 5705966 m – Ehemaliger Haltepunkt Dortmund-Kluse

395201 m, 5707253 m – Streckenenden Im Defdahl

395071 m, 5708303 m – Streckenende Ostbahnhof

394241 m, 5708567 m – Weißenburger Straße, Ende Bananenweg

394666 m, 5709125 m – Borsigplatz (Platzmitte)

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.