Der Bergbauwanderweg Baak-Sundern in Bochum

Der Zwerg unter den Bergbauwanderwegen im Ruhrgebiet

Einer der kürzesten Themawanderwege zum Bergbau im Ruhrgebiet führt auf gerade einmal 3,8 Kilometern Länge im Südwesten Bochums um den Baaker Berg und berührt auch das Stadtgebiet von Hattingen. Vom kleinen Vorort Sundern aus gelangt man ins Ruhrtal und über das Deimeketal wieder zum Ausgangspunkt zurück. Es sind hauptsächlich infrastrukturelle Themen, mit denen er sich beschäftigt, also Transportwege, Kläranlagen (für Grubenwasser) oder Förderanlagen.

Die folgende Karte zeigt die Lage des Weges im Luftbild. Der Ausgangspunkt liegt am Parkplatz Papenloh. Der Weg wird in dieser Dokumentation im Uhrzeigersinn beschrieben und ist auch so auf den wenigen Übersichtstafeln von seinen Stationen her markiert. Die Karte ist so platziert, dass der letzte Teil der am Ende des Artikels befindlichen Anreisebeschreibung ab der Ruhrbrücke (unten rechts im Bild, blaue Strecke mit Pfeilrichtung) nachvollzogen werden kann.

Übersichtskarte Bergbauwanderweg Baak-Sundern

ie Nummernpunkte 1 bis 6 markieren interessante Orte am Wegesrand, die auch im Beschreibungstext vorgestellt werden. Die blauen Pfeile kennzeichnen Anschlüsse oder direkte Verbindungen zu angrenzenden Rad- oder Wanderwegen, wie dem RuhrtalRadweg, dem Bergbauwanderweg Bochum-Süd oder dem Bergbauwanderweg Dahlhausen.

Beschilderung, Wegebeschaffenheit und Nahverkehr:

Der Weg ist nicht beschildert. Lediglich Übersichtstafeln am Ausgangspunkt und auf der Hälfte des Weges zeigen schematisch den Verlauf. So sei ein Kartenausdruck (von der Karte oben oder einer auf den verknüpften Internetseiten) empfohlen. Rund ein Dutzend Stationen sind Teil des Weges. Sie sind nur im geringen Maße auf Informationstafeln näher vorgestellt. Für ausführliche Erläuterung sei daher ebenfalls die Internetseite der Stadt Bochum (siehe unten) oder ein Ausdruck dieses Textes auf der Wanderung angeraten.

Größtenteils verläuft der Wanderweg auf Waldwegen. Stellenweise sind ruhige Nebenstraßen zu nutzen. Auf der kurzen Strecke sind Steigungen und Gefälle zu bewältigen. So liegt der Ausgangspunkt auf 150 Metern über dem Meeresspiegel, der niedrigste Routenpunkt im Ruhrtal etwa bei 70 Metern. Für die Strecke ist eine Gehzeit von ziemlich genau einer Stunde zu planen.

Die Tour ist theoretisch auch mit einem geländegeeigneten Fahrrad zu bewältigen und als Rund-Abstecher vom RuhrtalRadweg möglich.

Kartenmaterial / Literatur: In den rechts dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind zur Vertiefung empfohlen. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

   

Anreise zum Ausgangspunkt der Tourenbeschreibung:

Anreise mit dem Auto: Auf der A43 bis zur Ausfahrt 21 Witten-Herbede. Aus Richtung Wuppertal links abbiegen. Aus allen Richtungen hinter den Abfahrten rechts in die Wittener Straße Richtung Hattingen. Dem Verlauf 4 Kilometer folgen bis Blankenstein. An der Ampelkreuzung hinter den Fußgängerbrücken rechts halten in die Marxstraße. Bis zum Ende durchfahren und rechts abbiegen auf die ausgebaute Hüttenstraße. Die Ruhr überqueren (ab hier oben in Karte dargestellt!) und hinter der Ruhrbrücke rechts in die Brockhauser Straße. Sofort wieder rechts und am Reiterhof vorbei und unter der Brücke hindurch um die Kurve. Der nun so bezeichneten Blankensteiner Straße immer weiter folgen bis nach Sundern. Nach 2,5 Kilometern wird der Parkplatz gegenüber dem Forsthaus Bochum erreicht. Der daneben liegende Parkplatz ist übrigens nur für Gäste des Restaurants gedacht und sollte vermieden werden.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Papenloh, Kreuzung Blankensteiner Straße in Bochum

Anreise mit Bus und Bahn: Von Bochum Hbf. mit dem Bus der Linie 353 Richtung Sundern bis Breukerholz (eine Haltestelle davor zum Bereitmachen: Heinrich-König-Straße). Die Bushaltestelle liegt direkt am Ausgangspunkt am Forsthaus Bochum.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Der Rundkurs Ruhrgebiet und der RuhrtalRadweg treffen auf der Rauendahlstraße auf den Weg. Es ist denkbar, den Weg auch mit dem Fahrrad als Schleife durchzuführen, setzt aber das Bezwingen der Steigung auf Waldwegen voraus.

Vom Papenloh ins Ruhrtal

Vom Parkplatz aus geht es zunächst in südlicher Richtung auf dem schmalen Weg vorbei am Spielplatz in Richtung der großen weißen Kugel, die sich hinter den Büschen erhebt. Die Kugel ist ein Radom, ein Radar-Dom, zu Deutsch Radarkuppel. Sie ist Teil der 1 Sternwarte Bochum und schützt eine Antennenanlage im Innern. Ihre Form erhält sie durch Druckluft, also ähnlich wie ein aufgeblasener Luftballon. Vorbei an der Kuppel geht es schräg-geradeaus über die Obernbaakstraße und gegenüber in den kleinen Waldweg hinein. Nach fast 200 Metern biegen wir rechts ab. Auf der westlichen Talhangseite führt der Weg nun bis zur Rauendahlstraße. Ohne Erläuterung passiert man die Wüstungen der Zeche Schepmanns Bank, also sichtbare Überreste in der Geländeoberfläche.

Man läuft dabei auf oder in der Nähe besonders historischen Bodens, denn hier verlief vermutlich die älteste Eisen-Bahn Deutschlands von 1787, eine Pferdebahn auf Holzschienen mit Stahlbeschlag. Zu sehen ist jedoch nichts und die exakte Lage ist etwas strittig. Jedenfalls wurde damit die geförderte Kohle mehrerer Bergwerke in Wagen von Pferden gezogen. Diese gelangten bergabwärts bis zum Verladehafen an der Ruhr. Hier wurde die Kohle zwischengelagert auf sogenannten „Niederlagen“ zwischengelagert und später auf die Ruhrlastkähne verladen. Am Ende des Waldweges biegen wir rechts ab auf die Rauendahlstraße. Achtung: hier herrscht reger Fahrradverkehr, denn wir treffen auf den RuhrtalRadweg.

Vom Ruhrtal zum Friedlichen Nachbarn

Der verlässt unsere Route jedoch hinter der nächsten Kurve links bergab abzweigend, um bald Hattingen zu erreichen. Die Stadtgrenze zwischen Bochum und Hattingen haben wir unbemerkt übrigens an dieser Stelle für eine kurze Strecke überschritten. Nach knapp 400 Metern biegen wir hinter der Kreuzung Obernbaakstraße rechts vor dem Haus in einen abzweigenden Waldweg ein (nicht den Bach hinter der Linkskurve überqueren, denn dann ist der Abzweig verpasst worden!). Nun sind wir auch wieder zurück in Bochum.

Es ist vielleicht etwas unglücklich, aber ausgerechnet eine 2 Kläranlage bildet das erste Objekt zum Anfassen aus dem Bergbau. Eines, das man vielleicht nicht wirklich anfassen möchte, aber immerhin sichtbar ist. Am Rande und an den Überläufen zeigen Ablagerungen den hohen Anteil an Eisenoxid und Mineralien im Wasser. An dieser Stelle wird in Bochum neben der Zeche Robert Müser mit den Harpener Teichen Grubenwasser aus der Tiefe gefördert und durch Klärteiche geleitet. Damit ist die Wasserhaltung von “Friedlicher Nachbar” ein wesentlicher Teil der Wasserhaltung in der Tiefe, um zu vermeiden, dass sich ansteigendes Grubenwasser mit dem Trink- bzw. Grundwasser vermischt. Quer über das Ruhrgebiet verteilt gibt es in den sogenannten Grubenwasserprovinzen mehrere derartiger Standorte, von der Zeche Haus Aden im Osten bis zur Zeche Walsum im Westen.

Hinter den Klärbecken geht es auf dem Weg weiter. Auch hierbei handelt es sich um einen alten Kohletransportweg zum Hafen an der Ruhr. Auf der linken Seite befand sich einst eine Halde. Ziemlich genau in der Flucht der Halde verlief vor allem eine Seilbahn. Die verband die nahe Zeche Friedlicher Nachbar mit der Henrichshütte in Hattingen. Über diese gelangte Schlacke aus den Hochöfen zum Verfüllen von alten Stollen und Schächten zum Bergwerk. Sie wurde 1922 errichtet und mit der Stilllegung der Zeche 1961 abgerissen. Einen letzten Überrest stellt ein mit Steinen verkleideter 3 Turm dar, der mitten auf der Halde gestanden hat.

Im Früher-Heute-Luftbildvergleich auf der rechten Seite ist die Situation zwischen den Klärteichen im Süden und der Zeche im Norden in den 1950er Jahren und heute dargestellt. Der heutige Wegeverlauf des Bergbau-Wanderweges ist durch das Magenta-Band hervorgehoben.

Früher-Heute-Luftbildvergleich der Zeche Friedlicher Nachbar

Nach wenigen hundert Metern kommen wir zu einer Kreuzung. Rechts führt der Weg bergauf weiter. Zuvor lässt sich geradeaus ein kurzer Abstecher zur alten Maschinenhalle der 4 Zeche Friedlicher Nachbar machen, einem der wenigen Relikte der Zeche neben dem Seilbahn-Fundament und der Grubenwasserhaltung mit der Kläranlage.

Vom Friedlichen Nachbarn zum Papenloh (Ausgangspunkt)

Nur wenige Schritte auf dem eigentlichen Weg bergauf im Wald lohnt der Abstecher in einen kurzen Pfad nach links. Etwas unterhalb des Wanderweges entdeckt man etwas versteckt die Rekonstruktion eines 5 Stollenmundlochs der Zeche Dickebäckerbank an originaler Stelle von 1764. Im Jahre 1811 wurde der Stollen stillgelegt. Nach dem kurzen Waldabschnitt unterhalb eines Feldes zur rechten Seite gelangen wir auf die Obernbaakstraße zurück. Wir halten uns links auf der Straße Auf der Krücke. Im Hang links befand sich der Förderschacht der Zeche Dickebäckerbank. Eine bzw. mehrere Schachtpingen sollen noch heute erkennbar sein, müsste man jedoch im belaubten Sommerhalbjahr suchen. Eine Pinge ist eine Trichterform im Wald, die durch den Einsturz eines Schachtes oder offene Grabungen entstanden ist.

Die letzte Station bildet ein sogenannter Lochstein, der im Vorgarten eines Fachwerkhauses kurz vor dem Feld steht. Er diente zur Abmarkung der Abbaubereiche verschiedener Zechen, also dem Bereich, in dem nach Kohle gegraben werden durfte. Der Weg endet am Spielplatz oberhalb des Radoms. Wir halten uns links und gelangen zurück zum Parkplatz.

Ein kurzer Spaziergang lässt sich noch zum 6 Wetterschacht samt Grubenlüfter der Zeche Friedlicher Nachbar machen, der oberhalb des Parkplatzes am Rande eines Feldes steht. Das Lüftergebäude hat einen markanten runden Turm, der sich vom übrigen Gebäude abhebt und eine kleine Landmarke darstellt.

Wem die knapp 4 Kilometer nicht für eine Wandertour ausgereicht haben, kann den Fußweg zum Wildgehege im Weitmarer Holz (nicht einmal 1 km bis dorthin) fortsetzen. Hier lassen sich beispielsweise Rehe und Wildschweine beobachten. Möglich ist eine Verlängerung der Wanderung oder die Fahrt zum nahen Malakowturm der Zeche Brockhauser Tiefbau und eine Verlängerung der Runde auf dem dortigen Bergbauwanderweg im Bochumer Süden.

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung

Geographische Koordinaten:
51°25’47.25″N, 7°11’33.52″E – Parkplatz Papenloh
51°25’37.05″N, 7°11’33.25″E – Radom Sternwarte Bochum
51°25’15.71″N, 7°10’55.30″E – Klärteiche Zeche Friedlicher Nachbar
51°25’22.52″N, 7°10’52.34″E – Seilbahnpfeiler
51°25’33.25″N, 7°10’46.40″E – Maschinenhalle Friedl.Nachbar
51°25’51.97″N, 7°11’31.44″E – Lüftergebäude Wetterschacht
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z. B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
374358 m, 5699170 m – Parkplatz Papenloh
373613 m, 5698212 m – Klärteiche Zeche Friedlicher Nachbar
373577 m, 5698427 m – Seilbahnpfeiler (nächste Position am Weg)
373437 m, 5698760 m – Maschinenhalle Friedlicher Nachbar
374321 m, 5699317 m – Lüftergebäude Wetterschacht

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Quellen und weitere Informationen:

Stadt Bochum zum Weg (mit Karte): www.bochum.de

Der Weg bei Ruhrkohlenrevier (mit Karte): www.ruhrkohlenrevier.de