Friedhof Blumenstraße – Der „Blumenfriedhof“ in Bochum

Unweit der Bochumer Innenstadt, zwischen der Straße Krümmede und der Harpener Straße, liegt ein Friedhof, der in seiner Mischung aus städtischer Lage und parkähnlicher Ruhe überrascht. Der Friedhof Blumenstraße, heute oft als Blumenfriedhof bezeichnet, wurde 1884 als Ersatz für den überlasteten, zentrumsnahen Friedhof am heutigen Kortumpark angelegt. In den 1930er Jahren sollte er durch den Bochumer Hauptfriedhof in Altenbochum ergänzt werden.

Direkt an die Justizvollzugsanstalt und die Bahnlinie Essen – Dortmund angrenzend, entfaltet sich hier dennoch eine stille, fast abgeschlossene Welt.

Der Name des Friedhofs leitet sich von der angrenzenden Blumenstraße ab, nicht etwa von seiner Bepflanzung. Dabei trägt die Begräbnisstätte diesen Namen mit einer gewissen Ironie, denn gerade im Frühling und Sommer blühen hier Magnolien, Rhododendren, Azaleen oder Zierkirschen in einer Pracht und setzen Farbtupfer zwischen die Gräber. Der gepflegte Friedhof bietet eine Vielzahl typischer Grabstätten, aber auch eine Reihe bemerkenswerter künstlerischer und historischer Besonderheiten.

Jesus-Figur und Himmelspforte

Wer genauer hinsieht, entdeckt nämlich eindrucksvolle Grabmale: das Reliefbild auf der Grabstätte der Familien Dilla und Barenberg zum Beispiel, die Jugendstil-Stele der Familie Zörnig oder die symbolhafte Darstellung einer angelehnten Pforte mit der Inschrift „Die Pforte des Himmels ist allen offen“ auf dem Grab der Familie Schüpper.

Weitere markante Anlagen sind das Hochkreuz von 1884 mit seinem kleeblattförmigen Sandsteinkreuz, eine trauernde Skulptur auf dem Sarkophag der Familie Mettegang oder eine stehende und segnende Jesus-Figur auf dem Familiengrab Schmidt.

Gleich beim südlichen Zugang begrüßt die Trauerhalle aus dem Jahr 1957 die Besuchenden. Ihre Fassade zieren Flachreliefs des Künstlers Walter Kruse: weibliche Figuren in verschiedenen Haltungen des Schmerzes. Unmittelbar davor steht ein Denkmal mit einem trauernden Engel – sitzend, mit weit geöffneten Flügeln –, das man auch als kleines Wahrzeichen des Friedhofs ansehen kann.

Der Friedhof Blumenstraße ist einer von mehreren Artikeln zu interessanten, alten oder besonderen Friedhöfen. Die zentrale Rubrik-Seite bietet neben einer Übersicht über die anderen Orte auch allgemeine Informationen wie beispielsweise eine Erläuterung zur Symbolik auf Grabsteinen ► Friedhöfe im Ruhrgebiet

Zwillings-Denkmäler für Grubenunglücke

Besondere Bedeutung kommt dem weitläufigen Ehrenfeld zu. Auf drei gestaffelten Geländeterrassen, verbunden durch breite Freitreppen und gerahmt von Pappeln, befinden sich Gedenkstätten für gefallene Soldaten beider Weltkriege und für sowjetische Zwangsarbeitende.

Nicht einzigartig, sondern als Zwilling – jeweils einen für katholische und einen für evangelische Bergmänner – sind die Denkmäler für Opfer von Grubenunglücken. Sie erinnern an die Katastrophen auf den Zechen Constantin der Große (1889) und Prinz von Preußen (1895). Sie symbolisieren damit nicht nur den religiösen Dualismus ihrer Zeit, sondern auch die Gemeinsamkeit im Tod.

Womöglich haben diese noch mit dem Koepe-Verfahren bei der Kohleförderung zu tun gehabt. Der Entwickler und Namensgeber, Maschinenbauingenieur Friedrich Koepe, ist ebenfalls hier beerdigt.

Zahlreiche prominente Persönlichkeiten fanden hier ihre letzte Ruhe. Dazu zählen der Industriemanager Heinrich Köhler, Generaldirektor der Westfälischen Stahlwerke, dem eine Büste gewidmet ist, mehrere Bochumer Bürgermeister, Landrat des ehemaligen Kreises Bochum, Karl Gerstein (ebenfalls mit Büste) und Fritz Graff, dessen Grab ein steinerner Löwe bewacht.

Informationen zum Besuch:

An der Trauerhalle (gegenüber von der markanten Engel-Figur) gibt es Toiletten.

Anreise mit dem Auto:

Auf der A40 bis zur Ausfahrt 36 Bochum-Ruhrstadion. Geradeaus auf den Stadionring und auch im Kreisverkehr weiter geradeaus dem Straßenverlauf folgen. Am Ende geht der Gersteinring in die Straße Krümmede über, dazu rechts halten. Im Kreisverkehr geradeaus auf die Harpener Straße. Nach kurzer Strecke rechts auf dem Parkplatz parken. Der Friedhof liegt links.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Harpener Straße, Nähe Haus-Nr. 1 in Bochum

Anreise mit Bus und Bahn:

Von Bochum Hauptbahnhof mit der Straßenbahn 308 Richtung Schürbankstraße und 316 Richtung Heinrichstraße bis zum Ruhrstadion. Zu Fuß in die Karl-Lange-Straße vorbei an der Justizvollzugsanstalt und hinter dem Bahnübergang rechts auf den Friedhof (ca. 350 Meter).

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike:

Die Deutsche Fußball-Route NRW führt direkt am Friedhof Blumenstraße vorbei. Über den Lohring ist auch die Trasse auf der Springorumbahn direkt erreichbar.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Harpener Straße, Nähe Haus-Nr. 1 in Bochum

Kartenmaterial / Literatur:

In den folgenden gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist der Hauptfriedhof bzw. die Region abgebildet: ADFC Regionalkarte radrevier.ruhr Ost* (1:50.000) und ADFC Regionalkarte radrevier.ruhr West* (1:50.000), Kompass Fahrradkarte Ruhrgebiet / Bergisches Land* (1:70.000) sowie Kompass Wanderkarte Ruhr* (2 x 1:35.000).

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung:

Geographische Koordinaten:
51°29’0.89″N, 7°14’29.80″E – Engel
51°29’1.50″N, 7°14’15.65″E – Ehrengräber am Hochkreuz
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von beispielsweise GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

377905 m, 5705069 m – Engel
377632 m, 5705095 m – Ehrengräber am Hochkreuz

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.