Bahntrassenweg auf der Springorumbahn in Bochum

Vom Ruhrtal bis in die Innenstadt führt der neue Weg – explizit für Fußgänger, Läufer und Radfahrende gleichermaßen gedacht – gut ausgebaut durch den Süden von Bochum. Da der Weg auf einer alten Eisenbahntrasse verläuft, ist er weitgehend frei von gefährlichen Kreuzungen und hat kaum Wechsel von Neigungen. Daher sind die sogenannten Bahntrassenradwege im Ruhrgebiet äußerst beliebt und gerne befahren. Entlang der etwa 10 Kilometer langen Strecke lassen sich ganz verschiedene Sehenswürdigkeiten anschauen – Neben dem Eisenbahnmuseum an der Ruhr und der eigentlichen Springorumbahn werden in diesem Beitrag die Schlossruine Haus Weitmar, der Geologische Garten, das ungewöhnliche Exzenterhaus sowie ein steinerner Malakowturm vorgestellt.

In der folgenden Karte ist der Radweg mit dem pinkfarbenen Band dargestellt. Die Nummernpunkte markieren die Standorte von einigen beschriebenen Sehenswürdigkeiten auf dem Weg. Sie sind auch im Text zur Orientierung entsprechend markiert. Die blauen Pfeile markieren Anschlüsse zum RuhrtalRadweg und zum Parkway EmscherRuhr. Im Norden besteht außerdem über das Straßennetz ein Übergang zum Bahntrassenradweg auf der Lothringenbahn. Für die Anreise sind die Bahnhöfe in Dahlhausen, der Hauptbahnhof sowie die U-Bahnstationen der U35 im Bereich der Trasse markiert.

Übersichtskarte Springorum-Trasse in Bochum
Übersichtskarte Springorum-Trasse in Bochum

Beschilderung und Wegebeschaffenheit:

Der Rad- und Wanderweg auf der Springorumbahn ist durchgängig asphaltiert und sogar fast überall beleuchtet. Größere oder mit vielen Autos befahrene Straßen werden durch Brücken oder kurze Tunnel über- bzw. unterquert. Nur kleine oder wenig befahrene Straßen müssen hin und wieder passiert werden, bei denen Fußgänger oder Radfahrende teilweise sogar Vorrang haben.

Der Radweg ist als Teil des Radverkehrsnetzes NRW ausgeschildert. Am Streckenende in Dahlhausen befindet sich der Radrevier-Knotenpunkt 28, am Ende in Altenbochum die Nummer 21.

Vom Ruhrtal (ca. 63 m ü. NN) aus ist bis zum Haus Weitmar (ca. 130 m ü. NN) auf etwa 5 Kilometern Streckenlänge ein Höhenunterschied von etwa 70 Metern zu bewältigen. Hat man diesen überwunden, geht es Richtung Innenstadt (Streckenende ca. 102 m ü. NN) sanft wieder bergab.

Der Startpunkt in Dahlhausen ist gut mit der S-Bahn aus Richtung Hattingen oder Essen erreichbar, der Startpunkt an der Innenstadt vom Hauptbahnhof. Zwischen Weitmar und Dahlhausen verkehrt außerdem die Straßenbahn 308 von Hattingen S-Bahnhof und Bochum Hbf. in der Nähe der Strecke, an der Universitätsstraße fährt die U35 vom Hauptbahnhof zur Universität.

Kartenmaterial / Literatur:

In den dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

   

Am Ende des Beitrags finden Sie ausgesuchte GPS-Koordinaten.

Alter Eisenbahnknotenpunkt Dahlhausen

Ausgangspunkt ist der Bahnhof Dahlhausen. Von hier aus ist die Ruhr bequem erreichbar, am anderen Ufer führt der RuhrtalRadweg in einem seiner schönsten Abschnitte im Ruhrgebiet sogar unmittelbar am Fluss entlang. Dahlhausen war früher ein Bahnhof, Knotenpunkt verschiedener Eisenbahnstrecken sowie ein Bahnbetriebswerk. Im Westen zweigte eine Eisenbahn über Altendorf (Ruhr) nach Essen ab. Noch heute existiert die große Ruhrbrücke unweit des Eisenbahnmuseums, auf der jedoch keine Schienen mehr liegen. Von der einzigen noch erhaltenen Bahnstrecke in Dahlhausen, auf der heute die S3 zwischen Essen und Hattingen fährt, zweigte im Osten des Bahnhofs außerdem unsere Bahnstrecke nach Langendreer ab.

Größte Sehenswürdigkeit in Dahlhausen ist zweifellos das Eisenbahnmuseum Bochum, eines der größten seiner Art in Deutschland auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerks. Es wird in einem eigenen Beitrag ausführlicher vorgestellt.

Hochbetrieb im Eisenbahnmuseum: Wismarer Schienenbus T2 als Pendel zum S-Bahnhof, Schienenbus als Ruhrtalbahn nach Hagen und Führerstandspendelfahrten mit Dampflok der Baureihe 38.
Hochbetrieb im Eisenbahnmuseum: Wismarer Schienenbus T2 als Pendel zum S-Bahnhof, Schienenbus als Ruhrtalbahn nach Hagen und Führerstandspendelfahrten mit Dampflok der Baureihe 38.

Vor allem die umliegenden Zechen wurden durch die auch „Kohlensammelbahn“ genannte Strecke nach Langendreer erschlossen. Verschiedene Streckenabschnitte wurden nach der Schließung der Zechen schrittweise bis 1999 stillgelegt, Personenverkehr spielte allerdings nur eine geringe Rolle auf diesen Verbindungen.

Das Luftbild etwa aus den 1930er Jahren zeigt den Bahnhof Dahlhausen von Westen. In Bildmitte ist das sogar noch heute vorhandene Bahnhofsgebäude mit einem schön gestalteten Platz zu sehen. Vorne sind die überdachten Bahnsteige, die sich ebenfalls heute noch hier befinden. Am rechten Bildrand überquert die Straße Ruhrmühle die Schienen. Links unten zweigt die zweigleisige Springorumbahn, um die es hier geht, ab und führt am oberen Bildrand Richtung Bochum.

Luftbild vom Bahnhof Dahlhausen aus den 1930er Jahren
Luftbild vom Bahnhof Dahlhausen aus den 1930er Jahren

Die folgende Abbildung zeigt die dazu passende Topographische Karte aus den 1930er Jahren. Deutlich erkennbar sind der große Bahnhofsbereich von Dahlhausen, die abzweigende Strecke über die Ruhr links in der Mitte sowie die Bahntrasse, auf der wir heute unterwegs sind (Punktmarkierung).

Historische Karte Bahnhof Dahlhausen
Historische Karte Bahnhof Dahlhausen

Von Dahlhausen auf Spuren des Bergbaus

Am Bahnhof beginnt nicht nur der Rad- und Wanderweg auf der Springorumbahn, sondern auch der Bergbauwanderweg Dahlhausen. Er führt zwar zunächst in eine andere Richtung, stößt jedoch später auf unsere Trasse und läuft dann in Gegenrichtung auf der alten Kohlensammelbahn zurück hier zum Bahnhof. Man erkennt am Kreisverkehr stehend, dass es ziemlich lange konstant bergauf geht. Knapp 5 Kilometer lang muss man ein bisschen kräftiger in die Pedalen treten oder die Kraftunterstützung des E-Bikes erhöhen.

Schon nach wenigen Metern begegnen uns einige Informationstafeln des Bergbauwanderweges. Es geht meist um Geologische Strukturen oder Standorte von Bergbauanlagen, die jedoch ausführlicher im Beitrag zum Wanderweg vorgestellt werden. Linkerhand befindet sich ein 1 Spielplatz. Es ist das Gegenstück zu einem weiteren, größeren Spielplatz am Streckenende in Altenbochum. Wir folgen der Straße Am Sattelgut ein Stück weit und verlassen dann Dahlhausen. Nach Unterquerung der Hasenwinkeler Straße wird es ländlich und die Büsche und Bäume rechts und links werden dichter.

Die Trasse macht bald einen Schlenker. Hier steht nicht nur die Informationstafel zur Brikettfabrik des Bergbauwanderweges. Dahinter liegt auch die 2 Halde Hasenwinkel der gleichnamigen Zeche. Ein Weg führt links an der Halde vorbei und zur kleinen Zechensiedlung Burg an der Straße „An der Steinhalde“. Die erste Straßenüberquerung folgt am ehemaligen Schacht Constanz August. Rechts führt die Straße in eine weitere Zechensiedlung Am Röderschacht, die an einem ansehnlich hohen Hang liegt. Fährt man den Berg hinauf, erreicht man auch die Hattinger Straße mit einer Straßenbahnhaltestelle.

Am Scheitelpunkt der Springorumbahn in Weitmar

Hinter dem Viadukt des Munscheider Damms haben wir jetzt sogar Pferdeweiden und Wiesen neben uns. Die Trasse verläuft weiterhin in einem grünen Korridor zwischen Bäumen weiter.

Praktisch am Scheitelpunkt der Strecke passiert die Trasse den Schlosspark Weitmar. Ein Abzweig führt hoch zur Brücke der Schloßstraße, die markante Geländer mit Sonnenstrahlen besitzt. Ich nenne sie einfach die 3 Sonnenbrücke. Mitten in einer Wasserfläche steht ein ungewöhnliches Gebäude – ein großer grüner Kubus wird umgeben von ruinösen Mauern eines alten Wasserschlosses. Der Kubus wurde im Kulturhauptstadtjahr der RUHR.2010 eröffnet und in der 4 Ruine des Hauses Weitmar errichtet. Dieses Haus wurde bei einem Bombenangriff im Jahr 1943 im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, lag Jahrzehnte brach und drohte zuletzt weiter zu verfallen. Erbaut wurde es gegen Ende des 16. Jahrhunderts als Teil eines Rittersitzes. In der historischen Foto-Aufnahme aus den 1920er oder 1930er Jahren ist das Haus Weitmar noch ohne Kriegsschäden zu sehen. Im Vordergrund führt bereits die Sonnenbrücke über die Eisenbahn.

historische Aufnahme von Haus Weitmar in Bochum
historische Aufnahme von Haus Weitmar in Bochum

Museumslandschaft und Sylvesterkapelle

Der Kubus ist das Element einer kleinen Kunst-Museumslandschaft. Die Situation Kunst ist Teil der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum und steht unter der Betreuung des Kunstwissenschaftlichen Instituts an der Fakultät für Geschichtswissenschaft. Gezeigt werden sowohl Gemälde, Skulpturen und Multimedia-Installationen. Dabei finden im Kubus Sonderausstellungen statt, eine Dauerausstellung im nördlich anschließenden Gelände aus niedrigen Bungalows. Außerdem hat 2015 das Museum unter Tage (MuT) eröffnet. Dem Namen entsprechend befinden sich die Räume der Wechselausstellung unter der Erde.

Haus Weitmar in Bochum
Luftbild vom Haus Weitmar in Bochum

Etwas versteckt liegt westlich vom Haus Weitmar die ebenfalls ruinöse Sylvesterkapelle. Ihre Zeugnisse reichen mindestens ins 13. Jahrhundert zurück. Die Kapelle wurde zu einer Kirche erweitert. Aufgrund der Bausubstanz erfolgte der Bau der Matthäuskirche in Weitmar. Auch die Sylvesterkapelle wurde 1943 bei dem Angriff schwer beschädigt. Erhalten sind einige Mauern des einschiffigen Langhauses, der untere Teil des Westturms und der Chor im Osten. Die Kapelle lässt sich heute besichtigen.

Information zum Besuch von Haus Weitmar u.a.:

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Die Situation Kunst und das Museum unter Tage sind Mi-Fr 14.00-18.00 Uhr sowie Sa, So und an Feiertagen 12.00-18.00 Uhr geöffnet (Ausnahmen siehe offizielle Internetseite). Auf diesen Internetseiten sind die Eintrittspreise kategorisiert. Die Kosten für den Eintritt für einen Erwachsenen für das Museum unter Tage entsprechen der mittleren Kategorie €€ (zwischen 5,- Euro und 10,- Euro pro Person). Genaue Preise, Rabatte und Ermäßigungen sind der offiziellen Internetseite oder Aushängen zu entnehmen. Der Eintritt zur Dauerausstellung der Situation Kunst ist frei.

Anreise mit dem Auto: Auf der A448 bis zur Ausfahrt 4 Bochum-Weitmar. Aus Richtung Ruhr-Universität links, aus Richtung Dreieck Bochum-West (A40) rechts abbiegen auf die Wasserstraße. Nach 1,7 km am Ende der Straße links auf die Hattinger Straße abbiegen. Nach weiteren 500 Metern rechts abbiegen in die Schloßstraße. Hier befindet sich gegenüber dem Friedhof ein Parkplatz. Zu Fuß der Straße weiter folgen, die Springorumbahn über die Sonnenbrücke über- und den Schlosspark zum Haus Weitmar durchqueren.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Schloßstraße, Kreuzung Hattinger Straße in Bochum (Parkplatz am Friedhof)

Anreise mit Bus und Bahn: Von Bochum Hbf. mit den Straßenbahnen der Linien 308 und 318 Richtung Dahlhausen bzw. Hattingen bis Schlosspark / Museum unter Tage. Von der Haltestelle am Torhaus vorbei in den Schlosspark auf das Haus Weitmar zulaufen.

Folgt man der Schloßstraße in die entgegengesetzte Richtung, also vom Haus Weitmar weg und über die Hattinger Straße hinüber, so kommt man zum Weitmarer Holz. Das Waldstück erstreckt sich zwischen Linden und Weitmar und mit dem Rauendahler Wald bis ins Ruhrtal. Hier befindet sich auch ein Wildgehege.

Ehemaliger Bahnhof Weitmar und Zeche Prinz Regent

Zwei kleine Tunnel führen unter der Wasserstraße sowie der Franziskusstraße hindurch. Dahinter führte einst ein Anschlussgleis zur nahen Zeche General. Davon ist heute allerdings nichts mehr zu sehen. Vielleicht bezieht sich ein altes Schild mit der Markierung der „Anschlußgrenze“ am Wegesrand noch darauf. Ein Stellwerk an der Straße An der Holtbrügge markiert den Beginn des ehemaligen Bahnhofs Bochum-Weitmar. Wie Dahlhausen war auch dieser Bahnhof ein kleiner Knotenpunkt verschiedener Strecken. So führte neben der Anschlussbahn zur Zeche General im Nordwesten eine kurvenreiche Bahnstrecke zur Zeche Carl Friedrich nach Süden, die übrigens Thema des Bergbauwanderwegs im Bochumer Süden ist. Nach Osten führte unsere Bahnstrecke über Laer nach Langendreer weiter.

Und nach Norden zweigte im Bahnhof die eigentliche Springorumbahn zum Nordbahnhof von Bochum ab, der wir gleich weiter folgen werden. Der Bahnhof wurde bereits zum Anfang des 20. Jahrhunderts für Personenverkehr stillgelegt und diente nur noch dem Güterverkehr. Mit der letzten Teilstrecke erfolgte 1999 die Stilllegung. Ein Teil des Bahnhofs wurde schließlich zu einem Wohngebiet, das sich in der Form eines langgestreckten Ovals an Stelle der alten Gleisanlagen befindet.

Die folgende Abbildung zeigt eine Topographische Karte aus den 1930er Jahren vom Bahnhof Weitmar. Unser Rad- und Wanderweg ist abermals mit Punkten markiert (die kurze Umfahrung ab der Straße An der Holtbrügge ist allerdings ausgelassen). Zu sehen sind die zwei Gleisanschlüsse zu den Zechen im Westen und Süden sowie die nach Osten herausführende Bahnstrecke nach Langendreer. Unser Weg folgt der Springorumbahn nach Nordosten.

Historische Karte Bahnhof Weitmar
Historische Karte Bahnhof Weitmar

Da das Wohngebiet dadurch die Trasse langfristig blockiert, müssen wir einen Umweg machen. Vor einem alten, zum Wohnhaus umgebauten Stellwerk führt der Weg links in den 5 Springorumpark. Das ist eine offene Grünanlage mit weiten Wiesenflächen, Spielplatz und Mountainbike-Strecke. Der Rad- und Wanderweg führt unter der Straße An der Holtbrügge vorbei sowie nördlich am neuen Wohngebiet entlang. In einem Schlenker nach rechts stoßen wir aber bald wieder auf den alten Streckenverlauf. Ein „Bahnübergang“ führt über die Springorumallee, wobei es hier nie einen solchen gegeben hat. Die Straße ist erst lange nach Stilllegung der Strecke entstanden und verbindet erst seit jüngerer Zeit das Gewerbegebiet Prinz Regent mit dem Innovationspark Springorum. Hier befand sich das 1961 in Betrieb gegangene Kraftwerk Springorum, ein Kohlekraftwerk, das allerdings 1988 abgerissen wurde. Nach dem Abriss entstand hier schließlich der Innovationspark.

Auf der rechten Seite unseres Rad- und Wanderweges befand sich die 6 Zeche Prinz Regent. Das Bergwerk nahm 1873 den ersten Schacht in Betrieb und wurde 1960 stillgelegt – also im Jahr vor der Inbetriebnahme des benachbarten neuen Kohlekraftwerks, das entgegen der Planungen fortan von anderen Zechen in der Umgebung beliefert werden musste. Einige der Gebäude der Schachtanlage sind sogar heute noch erhalten. Hier befindet sich beispielsweise das Prinzregenttheater und seit 1981 auch das bekannte Veranstaltungszentrum „Zeche“.

Ich erinnere mich noch an eine Geschichte, als wir als junge Studierende im ersten Semester in Bochum am Hauptbahnhof gefragt wurden, wie man hier zur „Zeche“ kommen würde – und der Kommilitone entgeistert antwortete, dass es hier in Bochum ja ganz viele Zechen geben würde. Er hat die Fragenden dann zum Deutschen Bergbaumuseum geschickt. Das in der Gegenrichtung liegt.

Im folgenden Luftbild aus den 1930er Jahren sind die Zeche Prinz Regent und vor allem unsere Bahntrasse zu sehen, die in einem Bogen nach links in die obere linke Bildecke abzweigt. Auf dieser befindet sich heute der Rad- und Wanderweg. Das Veranstaltungszentrum „Zeche“ befindet sich übrigens in dem Gebäude in der unteren rechten Bildecke.

Historisches Foto der Zeche Prinz Regent in Bochum mit Springorumtrasse
Historisches Foto der Zeche Prinz Regent in Bochum. Links zweit die Springorumtrasse ab

Zwei Bergehalden haben sich in der direkten Umgebung der Zeche Prinz Regent befunden. Eine mit etwa 1,5 ha recht kleine Halde lag südlich der Bahnstrecke und des Verladebahnhofs. Eine zweite, die etwa 3,5 ha Fläche hatte, lag hingegen nördlich davon. Eine ihrer Flanken folgte sogar dem Abzweig der Bahnstrecke von Dahlhausen in Richtung Norden, wo heute unser Rad- und Wanderweg verläuft.

Das Luftbild zeigt die Situation in den 1920er Jahren. Schon wenige Jahre später sind die Halden allerdings ganz oder teilweise verschwunden. Die südliche ist heute vollständig mit Gewerbebetrieben überbaut, die nördliche wird von einem Waldstück bedeckt. Westlich von ihr liegt der Innovationspark Springorum, der sich wiederum auf dem Gelände des 1986 stillgelegten Kohlekraftwerks erstreckt. Mit der Maus oder dem Finger kann je nach Gerät interaktiv zwischen der historischen und der aktuellen Situation gewechselt werden.

Abstecher zum Malakowturm der Zeche Julius Philipp:

Ein Abstecher von 2,2 km (nur Hinweg, ca. 10 Minuten) führt von der Springorumallee zum Kreisverkehr, geradeaus und dann links in die Prinz-Regent-Straße, rechts entlang der Königsallee bis zur Markstraße und dort links bis zur Glücksburger Straße zum Malakowturm.

Er ist monumental, aber auch so gut wie das einzige, das heute noch an die Zeche Julius Philipp erinnert. Hinter Wohnhäusern und am Rande eines Sportplatzes gelegen erhebt sich der steinerne Förderturm der Zeche. Dieser sogenannte Malakowturm ist einer von nur 14 erhaltenen im Ruhrgebiet. Diese Türme erinnern an eine Burg und sind nach dem Fort Malakow benannt, seinerzeit Sinnbild für Stärke und Widerstandsfähigkeit. Sie waren im Ruhrgebiet recht verbreitet, bevor sich die stählernen Fördergerüste langsam durchsetzten.

In ihrer Blütezeit in der Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts waren Eisen und Stahl noch nicht so weit entwickelt, dass sie diese Aufgabe erfüllen konnten. Dieses Exemplar stammt aus dem Jahr 1877 und ist etwa 32 Meter hoch. Seine Seitenlängen betragen ca. 15 Meter, womit das Turm-Bauwerk gerade einmal halb so breit wie hoch ist. Massive, zum Teil meterdicke Mauern waren in der Lage, die Kräfte aufzunehmen, die durch die immer tieferen Schächte zu bewältigen waren. Besonders markant für den Turm der Zeche Julius Philipp sind die senkrechten Strebepfeiler an seinen Seiten sowie das halbrunde Tor.

Nur 30 Jahre später wurde die Zeche bereits wieder stillgelegt. Für die Nachbarzeche Prinz Regent diente der Schacht unter dem Malakowturm zur Bewetterung, also der Belüftung der Grubenbaue unter Tage, Versorgung mit frischer Luft und Abziehen giftiger Gase. Der mächtige Turm blieb glücklicherweise erhalten und steht heute unter Denkmalschutz.

Die Abteilung für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der nahen Ruhr-Universität Bochum, in den 1970er Jahren Eigentümer des Turms geworden, hat im Jahre 1990 ihre Medizinhistorischen Sammlung im zuvor sanierten Turm eingerichtet. Auf verschiedenen Etagen werden in der Dauerausstellung medizinische Geräte aus dem 19. und 20. Jahrhundert sowie technische Entwicklungen und Fortschritte gezeigt. Ein Bereich, der den Hintergrund des Malakowturms aufgreift, ist der der Krankheiten im Bergbau und Rettungsgeräte unter Tage. In den obersten Etagen sind eine Fach-Bibliothek und Seminarräume zu finden. In der Ausstellung ist Fotografieren nur für Privatzwecke erlaubt, weshalb an dieser Stelle nur Aufnahmen von außen gezeigt werden.

Nördlich vom Turm befand sich eine Bergehalde. Sie wird mithilfe historischer Aufnahmen auf interaktiver Weise in der Rubrik der Ehemaligen Halden näher vorgestellt.

Malakowturm der Zeche Julius Philipp in Bochum
Malakowturm der Zeche Julius Philipp in Bochum

Von Weitmar zur Königsallee

Unmittelbar an der alten Zeche Prinz Regent zweigte, wie gesagt, die Springorumbahn von der Bahnstrecke nach Langendreer ab. Wir machen auf unserer Trasse also einen leichten Linksbogen und fahren nun in nordöstlicher Richtung in die innenstadtnahen Teile von Bochum. Eine Brücke führt über die Autobahn A448, eine weitere über die 7 Königsallee, die Prachtstraße, die in Grönemeyers Lied „Bochum“ erwähnt wird und darin nicht ganz zu vergleichen ist mit der berühmten in Düsseldorf („hier finden keine Modenschauen statt“). Wir kreuzen auch die Wasserstraße und kommen zur Universitätsstraße.

Die Straße führt gut ausgebaut von der Stadtmitte zur Ruhr-Universität und weiter bis zur Autobahn A43. Auf der Brücke kann man das markante Exzenterhaus sehen, ein Hochhaus auf einem ehemaligen Hochbunker an der Oskar-Hoffmann-Straße, direkt an der gleichnamigen Haltestelle der U35. Seine Besonderheit sind die namensgebenden exzentrischen Ellipsen, die die drei oberen Gebäudesegmente bilden.

Auf halbem Wege zwischen der Brücke und dem Exzenterhaus befand sich eine weitere Zeche, nämlich die Zeche Friederika bzw. Dannenbaum mit der Schachtanlage III. Der heutige Friederikapark hinter den Bürogebäuden liegt teilweise auf altem Haldengelände.

Brücke über die Universitätsstraße mit Blick zum Exzenterhaus an der Haltestelle Oskar-Hoffmann-Straße
Brücke über die Universitätsstraße mit Blick zum Exzenterhaus an der Haltestelle Oskar-Hoffmann-Straße

Geologischer Garten Bochum

Eine der weniger bekannten Sehenswürdigkeiten Bochums liegt versteckt zwischen dem Neuen Gymnasium, einem Sportplatz und der Kleingartensiedlung Friederika in einer tiefen Senke. In historischen Karten ist an dieser Stelle im Vorort Altenbochum die Signatur für einen Steinbruch mit der Beschriftung Ziegelei zu finden. Diese wurde zuletzt von der Zeche Friederika bis 1959 betrieben. Schon drei Jahre später stellte man das 1,6 ha große Gelände unter Naturschutz und wies es 1974 als Naturdenkmal aus. Bereits 1971 erfolgte die Umgestaltung der Anlage zum ersten 8 Geologischen Garten in der Bundesrepublik Deutschland, der schließlich für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Der ehemalige Steinbruch ermöglicht einen eindrucksvollen Einblick in die oberen Schichten der Gesteine im Erdboden unter dem Ruhrgebiet und bietet an seinen Rändern sogenannte Aufschlüsse. Das sind freigelegte und unbewachsene „Profile“ des Gesteins im Boden. Der ein oder andere Leser mag Erdzeitalter vielleicht aus der Schule, Kreuzworträtseln oder privater Beschäftigung mit dem Thema kennen. Zumeist wird man damit eine schier unerlernbare Abfolge lateinischer Begriffe assoziieren, die unbegreiflich lange vergangene Zeiträume gemäß der klimatischen und Lebensbedingungen auf der Erde einteilen. Im Geologischen Garten sind Gesteinsschichten sichtbar, die aus jeweils verschiedenen Zeiträumen stammen.

Man braucht allerdings kein geowissenschaftliches Vorwissen, um sich mit den bunten Gesteinsschichten des Geologischen Gartens befassen zu können. Es sind 17 Stationen, die rings um die ehemalige Wand des Steinbruchs entlang der Aufschlüsse verlaufen und durch Schilder mit Texten und Zeichnungen lehrreich erklärt werden. Inmitten der Aufschlüsse befindet sich eine weite Wiese mit einem Mammut- und Gingkobäumen. Der Garten ist sehr kleinräumig und wirkt erfreulich übersichtlich. Gerade Fotografen können sich an den teils ton-, sand-, humus- und kohlehaltigen Gesteine durch ihre Farbigkeit erfreuen. Für alle anderen ist es ein schöner, gepflegter Garten inmitten eines Steinbruchs, ein Ruhepol inmitten der hektischen Stadt mit Einkaufszone und Studentenbetrieb.

Information zum Besuch im Geologischen Garten:

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Der Garten ist ständig frei zugänglich, der Eintritt ist frei. Das Abschlagen und / oder Mitnehmen von Fels-, Kohle oder Toneisenstücken ist dringend zu unterlassen.

Anreise mit dem Auto: Auf der A40 bis zur Ausfahrt 37 Bochum-Harpen. Aus Richtung Essen rechts auf den Harpener Hellweg und links auf den Sheffield-Ring, aus Richtung Dortmund rechts auf den Sheffield-Ring (linke Rechtsabbiegerspuren). Die zweite Ausfahrt in Altenbochum nutzen und rechts auf die Wittener Straße abbiegen. Nach 1 km links in die Velsstraße. Nach 600 m rechts abbiegen auf Am Dornbusch. nach wenigen hundert Metern liegt rechts ein Zugang zum Geologischen Garten (Hinweisschild). Hier am Rand parken.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Querenburger Straße oder Am Dornbusch

Anreise mit Bus und Bahn: Von Bochum Hbf. mit der U35 Richtung Hustadt / Ruhr-Universität bis Oskar-Hoffmann-Straße, Waldring oder Wasserstraße (alle Stationen sind nahezu gleich weit vom Ziel entfernt). Von der Haltestelle Oskar-Hoffmann-Straße in Südrichtung, vom Waldring in Nordrichtung zur Querenburger Straße laufen, hier nach Osten einbiegen und sofort wieder rechts. Hinter dem ehemaligen Bahnübergang (Beschilderung) links über den oder vorbei am Sportplatz oder dahinter links über den Schulhof zum Eingang. Von der Haltestelle Wasserstraße auf die östliche Straßenseite, dort in die Wasserstraße abbiegen und die erste links (Beschilderung). Nach ca. 500 Metern rechts über den Schulhof zum Garten.

Vom Geologischen Garten nach Altenbochum

Nach dem Geologischen Garten geht es auf der Trasse durch die Wohngebiete von Altenbochum weiter. Dennoch bietet das Gehölz rechts und links der Strecke reichlich Schatten auch im heißen Sommer. Rechts liegt am Glockengarten ein weiterer 9 Spielplatz, der direkt von der Trasse aus erreicht wird. Wir unterqueren die Wittener Straße durch einen dieser neuen Tunnel. Der Weg verläuft nun in einem kleinen Trog zwischen steinernen Stützwänden, die so typisch für Eisenbahnstrecken sind. Sind die kleinen Nischen in der Mauer einst zum Ausweichen von Gleisarbeitern bei Zugbetrieb gedacht? Zwei weitere Brücken in einer langen Linkskurve – dann endet der Weg abrupt an der Goerdtstraße am Knotenpunkt 21 des Radreviers Ruhr. Vor uns verläuft die Bahnstrecke von Dortmund nach Essen, auf der die großen Regionalexpress-Linien, der RRX, die S-Bahn und der Fernverkehr durch Bochum fahren. Diese Strecke wurde kurz hinter unserem Trassenende unterquert. Die Springorumbahn führte zum Nordbahnhof weiter.

Über das Radverkehrsnetz ist die Innenstadt Bochums (Knotenpunkt 77) zügig erreichbar. Fährt man zum Knotenpunkt 20, so ist in kurzer Zeit der Parkway EmscherRuhr erreichbar, der sehr schön zwischen Waltrop und Kemnader Stausee durch einen regionalen Grünzug des Ruhrgebiets führt.

Fortsetzung auf der Lothringentrasse

Ein kleiner Schlenker auf der Straße weiter bis zur Brücke Lohring, rechts auf die Harpener Straße und weiter bis kurz vor die Auffahrt auf den Sheffield-Ring und dort links führt zum Radweg auf der Lothringentrasse. Auf ihr kann die Tour vom Süden von Bochum ganz in den Norden fortgesetzt werden – ebenfalls auf stillgelegter Schiene.

Anreise zum Ausgangspunkt in Altenbochum:

Anreise mit dem Auto: Auf der A40 bis zur Ausfahrt 37 Bochum-Harpen. Aus Richtung Essen rechts auf den Harpener Hellweg und links auf den Sheffield-Ring, aus Richtung Dortmund rechts auf den Sheffield-Ring (linke Rechtsabbiegerspuren). Die nächste Ausfahrt in die Harpener Straße fahren. Im Kreisverkehr links und über die Bahn. Rechts auf die Bonhoefferstraße und nach 500 m rechts in die Goerdtstraße. Hier liegt der nördliche Endpunkt.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Goerdtstraße in Bochum

Anreise mit Bus und Bahn: Mit den Zügen des Nah- und Fernverkehrs bis Bochum Hbf. Vom Hauptausgang rechts zur Wittener Straße und dieser rechts folgen bis zum Lohring. Links abbiegen und vor der Brücke rechts in die Straße Am Lohberg. Diese geht in die Goerdtstraße über, wo sich der Zugang am Ende der Trasse befindet.

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung

Geographische Koordinaten:
51°25’36.82″N, 7° 08’32.99″E – Bahnhof Dahlhausen
51°26’14.43″N, 7° 10’09.90″E – Siedlung Der Turm
51°26’08.92″N, 7° 10’32.56″E – Siedlung Am Röderschacht
51°26’51.87″N, 7°11’21.35″E – Haus Weitmar
51°28’05.94″N, 7°14’02.00″E – Geologischer Garten Südzugang
51°28’11.75″N, 7°13’58.12″E – Geologischer Garten Nordzugang
51°26’56.07″N, 7°14’07.88″E – Malakowturm Julius Philipp
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z. B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
370864 m, 5698935 m – Bahnhof Dahlhausen
372764 m, 5700050 m – Siedlung Der Turm
373198 m, 5699869 m – Siedlung Am Röderschacht
374184 m, 5701170 m – Haus Weitmar
377328 m, 5703384 m – Geologischer Garten Südzugang
377258 m, 5703566 m – Geologischer Garten Nordzugang
377396 m, 5701220 m – Malakowturm Julius Philipp (Abstecher)

Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden. Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Quellen und weitere Informationen:

Springorumbahn 1995 mit Führerstandsvideo: www.bochumschau.de

Museum unter Tage (MuT): www.bochum.de

Situation Kunst in Bochum: www.situation-kunst.de

Prinzregenttheater: www.prinzregenttheater.de

Veranstaltungszentrum „Zeche“ in Bochum: www.zeche.com

Medizinhistorische Sammlung der Ruhr-Universität: www.ruhr-uni-bochum.de/malakow