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Bergbaurundwege in Wetter (Ruhr)

Auf Spuren des historischen Bergbaus auf dem Schlebuscher Weg und dem Erbstollenweg

Zahlreiche Wanderrouten erschließen rings um Wetter die abwechslungsreiche Landschaft zwischen Harkortsee und dem Übergang ins Bergische Land. Vor allem das Bergland auf der westlichen Ruhrseite jenseits von Volmarstein ist sehr idyllisch gelegen. Dieses Gebiet wird auch von drei Bergbau-Wanderwegen erschlossen, die zusammengesetzt einen großen Themenweg bilden: der Schlebuschweg, der Erbstollenweg und der Neuwülfingsburger Weg. Sie gehen alle auf die zum Teil lange zurückliegende Phase des aktiven Bergbaus hier in der Umgebung von Wetter ein. Dabei werden bedeutsame Orte und Relikte der Zeit erschlossen. So sind am Wegesrand Einsturztrichter von Schachtpingen und Lichtlöchern oder Reste von Stollenmündern zu sehen. Stellenweise wandert man auf alten Transportwegen und kann sich dabei vorstellen, wie mühsam früher die Förderung des „Schwarzen Goldes“ war.

Die Karte dient der Übersicht über die drei Wandertouren. In den gestrichelten Bereichen überlappen sich die Beschreibungen. Zunächst wird nur der Erbstollenweg an dieser Stelle vorgestellt. Nach erfolgter Wanderung gibt es hier auch die übrigen Beschreibungen.

Karte über die Bergbauwanderwege in Wetter

Zwischen 8 und 11,5 Kilometer sind die drei Bergbau-Wanderwege lang und benötigen je nach Geh-Geschwindigkeit etwa 3 Stunden Zeit. Die ersten beiden beginnen in Grundschöttel nur wenige hundert Meter auseinander, der dritte auf dem Böllberg. Prinzipiell lässt sich überall in die Touren einsteigen. Theoretisch sind die drei Wege einheitlich beschildert mit durchnummerierten Symbolen. Die Dichte der Symbole ist jedoch in der Praxis sehr dürftig, sodass unbedingt Kartenmaterial genutzt werden sollte. Dazu ist auf den Internetseiten des Stadtmarketings von Wetter (siehe unten) eine brauchbare Broschüre mit Beschreibungstext, Tourenplan und Übersichtskarte zum Download erhältlich. Außerdem sind GPS-Routen für Navigationsgeräte oder Smartphone-Apps zum freien Download verfügbar.

Die Wegebeschaffenheit variiert von asphaltierten Nebenstraßen, breiten Feld- und Waldwegen bis hin zu schmalen Waldpfaden mit Baumwurzeln, die sich durchs Dickicht winden. Eine Empfehlung für Radfahrer möchte ich daher an dieser Stelle nicht geben. Wer ein Mountainbike besitzt und sich geübt fühlt, den ein oder anderen spontanen Anstieg zu überwinden, sei an dieser Stelle nicht an einer Befahrung gehindert.

Quellen und weitere Informationen zur Vorbereitung:

WanderWetter: Informationen und Karten: www.stadtmarketing-wetter.de
Bergbauwanderwege bei Ruhrkohlenrevier: www.ruhrkohlenrevier.de
Route der Industriekultur (Schlebuscher Erbstollen): www.route-industriekultur.ruhr
Berg-Mark-Wege mit GPS und Beschreibung (Erbstollenweg): www.berg-mark-wege.de
Berg-Mark-Wege mit GPS und Beschreibung (Schlebuscher Weg): www.berg-mark-wege.de

 

BW 1 – der Schlebuscher Weg

Der Schlebuscher Weg ist mit etwa 8 Kilometern Länge der kürzeste der drei Bergbauwanderwege und erschließt den frühen Bergbau im Bereich des Schlebuscher Berges. Neben den alten, eingestürzten Schächten und ehemaligen Maschinenhäusern von Bergwerken ist auch eine Kohlenbahn Thema des Weges, die zu den ältesten Eisenbahnen in Deutschland überhaupt zählt. Rechnen Sie inklusive Suche nach den Abzweigen und dem Wegeverlauf mit 2,5 bis 3 Stunden Gehzeit. Beschildert ist der Weg theoretisch mit dem roten BW1-Piktogramm, das jedoch nur am Anfang und sonst selten auftaucht. Häufiger angebracht ist die Markierung des Rundwanderweges A3, der fast identisch ist und der Orientierung dienen kann.
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Die Sonne lacht genauso wie am Tag, an dem ich den BW3 „Erbstollenweg“ (siehe unten) dieses Beitrags gelaufen bin. Allerdings sind die Temperaturen um schätzungsweise 30 Grad kühler. Wir sind unter der Frostgrenze und die ganze Landschaft ist von einer dicken Reifschicht überzogen. Ein schöner Anlass, an diesem Sonntag die neuen Wanderschuhe auf ihre Widerstandsfähigkeit zu testen. Statt Wasserflasche im Rucksack kommt die Thermoskanne gefüllt mit heißem Tee ins Gepäck, statt Sonnenschutz eine dicke Wollmütze auf den Kopf. An der Grundschötteler Straße geht es los. Es war nur noch ein Parkplatz frei am Straßenrand, was womöglich am Gottesdienst in der benachbarten Kirche liegen könnte. Gegenüber der schwarzen Kohlen-Lore geht es in die Straße Am Stoppenberg. Es ist zwar wirklich sehr frisch, aber ich bin nicht der einzige unterwegs auf diesem Weg. Zahlreiche Jogger kommen mir entgegen und ein Vater, der ein Pferd mit seinem kleinen Kind darauf sitzend neben sich her führt. Hinter den Häusern öffnet sich rechts der Blick weit über das nahe Ruhrtal. Das gelbe Rathaus von Witten ist ebenso zu erkennen wie das Berger-Denkmal am Hohenstein. Vorbei an einem Reitplatz und einem Haus erreicht man nach etwa 600 Metern kurz vorm Talgrund den Abzweig in den Wald. Hier steht auch eine Wandertafel. Auf ihr lässt sich der Weg noch einmal einprägen – es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass er miserabel ausgeschildert ist, man kann nicht oft genug warnen (natürlich wusste ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht, aber den Frust möchte ich Ihnen ersparen).

Es schließt sich das Waldgebiet um den 235 Meter hohen Schlebuscher Berg an. Da Teile des Gebietes durch historischen Bergbau Bergschaden-Gebiet ist, sollte man sich aus Sicherheitsgründen auf den Wegen halten. Fast einen Kilometer folgen wir dem Waldweg um den Berg und immer am Hang entlang, wo rechts von uns die Lindenbecke als kleiner Bach vor sich hin plätschert. Wer es darauf anlegt, schafft es diesen Abschnitt zu bewältigen, ohne etwas bergbauhistorisches zu sehen. Selbst im Winter sind die typischen Geländeformen recht versteckt oder schwer auszumachen. Schon nach 80 Metern, wo der Weg eine leichte Linksbiegung macht, liegt hinter einem Baum eine Kuhle mit angrenzendem Hügel. Es handelt sich dabei um die Pinge eines Versuchsschachtes der Zeche Trappe. In diesem Gebiet stoßen die ältesten Kohleflöze Deutschlands an die Oberfläche. Bis im Jahre 1925 wurde hier Kohle abgebaut. Die Pinge ist der Einsturztrichter des Schachtes, der Hügel die zugehörige Abraumhalde. In einem Rechtsbogen verläuft der Weg weiter. Etwa 100 Meter weiter, noch vor der Kreuzung mit dem Weg von schräg-links-hinten (mit Erreichen dieser ist es zu weit!), muss man rechts einen Pfad bergabwärts einschlagen. Er ist – natürlich – nicht gekennzeichnet und nur anhand früherer Fußspuren zu erkennen – wenn überhaupt. Im Zweifelsfalle muss man einfach ein wenig hangabwärts suchen (Wie war das mit dem Bergschaden-Gebiet? Bitte Vorsicht!). Hier liegt die Pinge des Schachts Frischgewagt der Zeche Trappe mit einem Verladeplatz. Zurück durch das Unterholz auf dem Weg liegt wenige Meter abseits rechts unweit der Wegkreuzung Schacht Fabian. Es ist eine ziemlich mächtige Pinge, die jedoch durch dornige Ranken neben dem Weg nicht zugänglich war.

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Am Stoppenberg – Nebenstraße zum eigentlichen Wanderweg

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Pinge und Halde des Versuchsschachtes der Zeche Trappe

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Zeche Trappe, Schacht Frischgewagt mit Verladeplatz (vorne)

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Eisiger Wanderweg am Schlebuscher Berg

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Waldweg in der Nähe der historischen Karrenspuren

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Hinter der Überquerung der Lindenbecke: Kohlenbahn

Nach 300 Metern hat der Weg eine lange Linkskurve gemacht. Der Hohlweg auf der linken Seite beinhaltet Spuren von einachsigen Karren, die Jahrzehnte lang Kohle gefahren haben. Doch selbst in der Jahreszeit ohne Blätter, wie jetzt, ist davon nichts zu erkennen. „Ah, ein Geocacher“, rufen zwei Spaziergänger, als ich ein wenig im Unterholz suche. Pfffff. Aber es ist einfach zu dicht bewachsen und unzugänglich. Ich setze die Wanderung fort. Wenig später zweigt rechts ein Weg ab und führt zum Bach. Links vor der Überquerung steht ein Lochstein mit der Innschrift „ST.H.“, der einmal das Grubenfeld St. Henricus markiert hat. Auf der anderen Seite des der Lindenbecke geht es wieder bergauf. Ich halte mich rechts und passiere die erste Wegkreuzung geradeaus. Ein in die Lindenbecke fließender Bach wird nach wenigen Metern überquert und dann biege ich links ab. So stoßen wir auf die Trasse der Silscheder Kohlenbahn oder auch Schlebusch-Harkorter Kohlenbahn. In der alten Topographischen Karte aus den 1930er Jahren unten befinden wir uns also unterhalb vom rechten blauen Pfeil, der auf die Halde zeigt.

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Sie wurde 1831 als eine der ersten Eisenbahnen Deutschlands überhaupt fertiggestellt. Es war eine Verbindung der Zeche Trappe mit der Hasper Hütte im Ennepetal in Hagen. Zunächst war dies natürlich eine Pferdebahn, denn die Dampflok war um diese Zeit erst in ihrer Anfangszeit. An Diesel- oder Elektroloks war auch noch nicht zu denken. Das heißt, dass einige Wagen, die immerhin schon auf Schmalspurschienen rollten, von Pferden gezogen wurden. Später wurde die Trasse ausgebaut und endlich auf Dampfzüge umgerüstet. In den 1960er Jahren erfolgte die Stilllegung der letzten Streckenteile. Die Bahnschienen sind heute abgebaut und die Trasse der Wanderweg, dem wir rechts abbiegend folgen. Sie führt am Hang entlang und S-förmig um das Tal, um das Höhen-Niveau zu behalten und unnötiges bergauf-ziehen zu vermeiden. Es wurde begonnen, eine dammförmige Bergehalde anzuschütten, um das Tal zu überbrücken und abzukürzen. In der Topographischen Karte oben ist dies deutlich zu erkennen. Das Vorhaben wurde jedoch offenbar aufgegeben. Der Haldenbetrieb Illberg hat diese Halde größtenteils abgetragen und nach Restkohle durchsucht. Die zwei angefangenen Dämme sind heute nur noch in Ansätzen zu erkennen. Wieder ergeben sich nach Umrundung des Tals nette Aussichten in die Umgebung. Nach Durchquerung des Waldes stoßen wir auf einen Parkplatz an der Schlebuscher Straße. Von hier aus kommen einige Jogger und Spaziergänger entgegen, die den Weg auf der alten Bahntrasse für körperliche Bewegung nutzen. Eine Infotafel erklärt die wichtigsten Epochen der Kohlenbahn. Der Themenweg führt nun rechts weiter, aber es lohnt ein Abstecher geradeaus.

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Trasse der Silscheder Kohlenbahn – heute Forst- und Wanderweg

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Am Haldenbetrieb Illberg: Tal sollte einst durch einen
Bahndamm aus Bergematerial überquert werden

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Aussicht von der Kohlenbahn nach Norden

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Die Trasse führt erhöht als Allee durch die Felder

Auf einem erhöhten Damm verläuft hier der Wanderweg in westlicher Richtung weiter auf der alten Bahntrasse. Im Schutz der Bäume kann ich Rehe auf dem Feld rechts vom Damm beobachten. Außerdem sind Kohlmeisen und Spechte zugange. Zeit, für einen Schluck Tee aus der Thermoskanne, der bis jetzt nicht wesentlich auf trinkbare Temperaturen abkühlen wollte. Ein schnödes grünes Geländer markiert eine historische Besonderheit. Hier überquert die Bahn ein Sumpfgelände über eine Eisenbahnbrücke. Und da die Brücke noch original ist und die Bahn eine der ältesten in Deutschland, ist auch die Brücke eine der ältesten Eisenbahnbrücken in Deutschland. Das klingt logisch. Und weil eine Brücke von oben selten gut aussieht, bin ich links den Hang hinunter geklettert, um für Sie ein schönes Foto von der Südseite zu machen. Die vereisten Pflanzen unter der Brücke haben sicheren Stand suggeriert. Tatsächlich stehe ich irgendwann bis zu den Knöcheln und darüber hinaus im Matsch. Die neuen Wanderschuhe samt Jeans sind nun stilecht eingeweiht (immerhin sind sie tatsächlich dicht!) und nach der Wanderung steht intensives Schuheputzen und Wäschewaschen an. Was ich nicht alles für einen ansprechenden Bericht mache.

Zurück geht es zur Kreuzung und dann auf der eigentlichen Tour nach links. Auch der weitere Weg auf der heutigen Schlebuscher Straße war einst eine Kohlenbahn. Sie endet am unteren Ende des Bremsbergs der Zeche Friederika. Über diesen Bremsberg wurden gefüllte Wagen langsam talabwärts gelassen. Üblicherweise nutzte man die Schwerkraft bei solchen Bauten, um leere Wagen gleichzeitig wieder bergauf zu ziehen. In wie weit dieser Bremsberg jedoch ausgebaut war, ist mir nicht bekannt. Es ist auch äußerst wenig davon zu sehen. Er liegt genau gegenüber des Hauses Nr. 84, wo wir geradeaus den Berg vorbei am Schild „Sackgasse“ hinaufgehen. Hinter dem Fachwerkhaus steht das wohl älteste erhaltene Maschinenhaus einer Zeche im Ruhrgebiet und gehört eben zur Zeche Friederika. Da es Privatbesitz ist, verzichte ich auf eingehende Besichtigung und Fotografie. Schilder mit dem Hinweis auf Bergschäden markieren den Beginn eines kleinen Pingenfeldes mit altem Bergbau. Der Reiterhof dahinter hat ebenfalls bergbauhistorische Wurzeln. Das Fachwerk-Wohnhaus war Gebäude der Zeche Löwe. Noch heute ist die Verladung auf Karren auf der Rückseite zu erkennen. Achtung: In der scharfen Linkskurve gehen wir nicht weiter zum Hof, sondern geradeaus auf den Waldpfad. Halten wir uns hinter der Pferdeweide etwas rechts, so passieren wir automatisch die Pinge vom Schacht Löwe. Wir folgen dem Weg weiter und stoßen auf die Straße Im Blumental.

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Eine der ältesten Eisenbahnbrücken Deutschlands

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Fußpunkt des Bremsberges der Zeche Friederika

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Privat bewohntes Maschinenhaus der Zeche Friederika

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Ehemalige Zeche Löwe mit Verladung, heute Reiterhof

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Schacht Löwe – im Wald hinter dem Reiterhof

Bergbauwanderweg Schlebuschweg in Wetter

Kurz vor dem Ausgangspunkt: Idyllisches Bachtal in Wetter

Nach links zweigt An der Lurke der Erbstollenweg ab, den wir im BW 2 dieses Artikels besucht haben. In dessen Gegenrichtung laufen wir weiter, bis wir nach 450 Metern rechts hinter einer Bank bergab laufen. Hier passieren wir im Talgrund der Lindenbecke den Fahrschacht zum Blumentaler Erbstollen – ohne jedoch irgendetwas zu sehen. Am Grundstück kurz hinter dem Eingang in den Wald geht es rechts und dann geradeaus weiter am Bach entlang. Der Erbstollenweg verlässt uns nach links. Der Weg führt bergauf und stößt auf die Straße Am Moselshaus. Es geht geradeaus weiter. Dann müssen wir rechts abbiegen in die Straße Hasenkamp. Am Ende geht es geradeaus zum Ausgangspunkt zurück. Erst erreichen wir die Stelle, an der der Wanderweg zum Versuchsschacht rechts abbog. Geradeaus führt der Weg dann zurück zum Parkstreifen an der Lore in Grundschöttel. Die Kirche scheint inzwischen aus zu sein. Nur noch ein einziges Auto parkt am Rand (meines). Fragt sich, wer mehr über Gottes Schöpfung gelernt hat.

Geographische Koordinaten:
51°22'08.00"N, 7°22'02.30"E – Ausgangspunkt Grundschöttel
51°22'06.95"N, 7°21'30.66"E – Ausgangspunkt / Ende Rundweg
51°21'38.74"N, 7°21'16.19"E – Beginn Kohlenbahn
51°21'38.55"N, 7°20'08.24"E – Eisenbahnbrücke
51°21'54.12"N, 7°20'16.50"E – Zeche Friederika
51°22'04.91"N, 7°20'20.64"E – Zeche Löwe
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
386348 m, 5692113 m – Ausgangspunkt Grundschöttel

385736 m, 5692094 m – Ausgangspunkt / Ende Rundweg
385436 m, 5691229 m – Beginn Kohlenbahn
384122 m, 5691253 m – Eisenbahnbrücke
384293 m, 5691730 m – Zeche Friederika
384380 m, 5692061 m – Zeche Löwe

 

BW 2 – der Erbstollenweg

Der erste Weg, den ich getestet habe, ist der Erbstollenweg, der BW 2. Zunächst sollte man für das Verständnis klären, was ein Erbstollen eigentlich ist und was der Tour den Namen gibt. Erbstollen sind, einfach gesagt, für die Ableitung des Wassers aus dem Bergwerk zuständig. Dies war insbesondere in der Zeit wichtig, als noch nicht mit elektrischem Strom Pumpen zum Trockenlegen von Stollen und Schächten genutzt werden konnten. Ein Erbstollen sammelte das Wasser aus der Zeche und führte dies langsam bergab fließend in einen Bach ab. Er musste also immer tiefer liegen als die Zeche selbst. Die Abfuhr des Wassers bezeichnet man als "Lösung". Den Begriff gibt es übrigens auch in der Fachsprache bei Hunden. Wenn man da hineintritt, nennt man das "Sauerei".

Der Ausgangspunkt des Erbstollenweges liegt in Grundschöttel, das wiederum zu Volmarstein gehört. Auf einem Parkplatz an der Kreuzung Heilkenstraße / Goethestraße steht eine Übersichtskarte zu den Themenwegen. Der (für die Wanderung in den Broschüren empfohlene) Parkplatz ist durch seine Beschränkung auf 2 Stunden allerdings nicht dazu geeignet, das Fahrzeug legal während der 3 Stunden langen Wanderung abzustellen. Wer nicht ganz so ein dickes Fell hat, ist womöglich Richtung Ende beunruhigt, eine "Knolle" am Scheibenwischer zu haben, was kaum entspannend für eine solche Wandertour ist. Ich empfehle sicherheitshalber die angrenzenden Nebenstraßen (weiter auf der Heilkenstraße, links in Körnerstraße, links in Schillerstraße und am Rand parken, zu Fuß in der Einbahnstraße bis zum Parkplatz laufen).

Anreise zum Ausgangspunkt des Bergbauwanderwegs:

Anreise mit dem Auto: Auf der A1 bis zur Ausfahrt 89 Volmarstein. Aus Richtung Hagen rechts, aus Richtung Wuppertal links abbiegen auf die Straße An der Kohlenbahn. Im Kreisverkehr rechts abbiegen und der Straße bis zum nächsten Kreisverkehr folgen. Hier rechts abbiegen in die Grundschötteler Straße. Kurz hinter dem Ortseingang rechts abbiegen in die Heilkenstraße (Hinweis zum Parkplatz im Absatz darüber beachten!).

Zieleingabe ins Navigationssystem: Heilkenstraße, Kreuzung Goethestraße in Wetter

Los geht´s!

Auf besagtem Parkplatz können wir noch einmal die Informationstafel betrachten. Es geht zur Hauptstraße, über die Ampel und in die Straße Am Brummstein. Die geht in die Karl-Siepmann-Straße über und führt durch ein ruhiges Wohngebiet. Nach etwa 170 Metern links halten in die Straße Am Hasenkamp. Schon bald erblicken wir eine weitere Informationstafel, die wir rechts liegen lassen (nicht von Wanderkennzeichen am Fuß irritieren lassen! Wir müssen geradeaus!).

Hier bietet sich schon eine recht idyllische Aussicht, die einen so gar nicht an das Ruhrgebiet denken lässt. Oder das, was viele Auswärtige hinter der Landesgrenze denken, was das Ruhrgebiet ist. Wir biegen kurz darauf rechts ab in den Düsteren Siepen. Der Name steht für ein dunkles Bachtal – den "Siepen" trifft man in der Gegend häufiger als geographische Bezeichnung an. Kurz nach Eintritt in besagten Wald vorbei an der von rechts kommenden Straße und links in den Waldweg abbiegen. Es geht bergab bis zum Bach. Auf dem Weg lassen sich trichterförmige Senken rechts vom Pfad erkennen, die auf den Henricus-Erbstollen hindeuten, den ersten Namensgeber der Tour.

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Auf der Karl-Siepmann-Straße: Hier links abbiegen, auf dem
Rückweg kommen wir von geradeaus hierher.

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Informationstafel Am Hasenkamp mit guter Aussicht

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Versteckter Abzweig im düsteren Siepen: Links in den Wald

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Einsturztrichter über dem Henricus-Erbstollen

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Man folge dem manchmal schwer zu erkennbaren Symbol

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Einfacher Steg durch den feuchten Tal- und Bachgrund

Ein einfacher Steg aus Bohlen führt links über die Niederung. Die schmale Waldstraße können wir direkt überqueren und geradeaus auf dem Waldweg fortsetzen. Bergab halten wir uns rechts (von links kommt ein anderer der zwei Bergbauwanderwege) bis zum Zufahrtsweg zum Wohnhaus. Dort müssen wir links (nicht vom Hund irritieren lassen). Ein Talboden wird durchquert, in dem sich ein Zugang zum Blumentaler Erbstollen versteckt. Ich habe ihn auch auf einer inzwischen zweiten Wanderung, die hier hergeführt hat, nicht gesehen. Hinter dem Eintritt in den Wald sofort links bergauf und auf der Straße Im Blumental links abbiegen. Es zieht sich ein wenig unspektakulär bergauf – etwa 450 Meter bis zum Wohnhaus. Dahinter müssen wir rechts abbiegen in die Straße Am Lurke. Das ist nach dem düsteren Siepen schon wieder ein durchaus interessanter Straßenname, der auf (Wild) auflauern deuten könnte. Sprachlich ist der Hinterhalt (Lure) auch nicht weit davon entfernt.

In der Linkskurve müssen wir geradeaus durch das Gatter auf dem Wiesenweg weitergehen. Der führt in das Tal der Teimbecke. Kurz nach Eintritt in den Wald liegt rechts eine sehr große Pinge eines Förderschachts der Zeche Freier Vogel. Entwässert wurde die Zeche übrigens durch den Schlebuscher Erbstollen, auf den wir später noch treffen werden. Wir halten uns unten rechts, folgen dem Bachlauf und überqueren ihn. Vorbei an einem hübschen Fachwerkhaus mit Bauerngarten geht es bergauf durch den Wald. Am Ende des Weges rechts bis zur Voßhöfener Straße. An der Gabelung halten wir uns rechts und folgen der Straße Zur Kattenkuhle durch die Siedlung und passieren auch einen Bauernhof. Schon bald kommen wir zurück zur Voßhöfener Straße, der wir rechts weiter folgen. Gegenüber der Bushaltestelle zweigt rechts im Scheitelpunkt der Rechtskurve ein schmaler Pfad in den Wald ab. Dem folgen wir. Sofern Sie den verpassen – nicht schlimm. Einfach die nächste Straße rechts Im Blumental abbiegen. Dem Verlauf folgen. Bergab sind im Wäldchen linkerhand einige Bergbauspuren zu erkennen. Das sind wieder Pingen und auch kleinere Halden. Teilweise stammen diese Landschaftsformen von nach dem Zweiten Weltkrieg betriebenen Kleinzechen, wie es andernorts auch häufiger in der Zeit der größten Armut und Kohleknappheit geschehen ist.

Am Ende des Wäldchens liegt rechts am Wegrand ein Sandsteindenkmal. Es markiert die geometrische Mitte von Wetter. Erfahrungsgemäß sollte man dies aber nicht auf die Goldwaage legen. Abgesehen davon, dass es verschiedene Methoden zur Ermittlung dieses Zentralpunktes gibt, ist es immer wieder auffällig, dass diese Mittelpunkte von Städten oder Ländern genau an Wanderwegen liegen. Mir ist ein Fall aus einer anderen Stadt bekannt, da befand der errechnete Mittelpunkt unmittelbar vor dem Eingang eines Bordells. Man hat ihn dann kurzerhand um mehrere hundert Meter entfernt an einen idyllischen Wanderweg umgelegt. Nett gestaltet ist er ja.

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Tal der Lindenbecke

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Wilde Beeren an einem Laternenmast

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Am Lurke: Hier am Gitter vorbeischlängeln auf den Wiesenweg

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Einsturztrichter des Förderschachts der Zeche Freier Vogel

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Apfelbaum in Voßhöfen

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Geographischer Mittelpunkt von Wetter

Kurz hinter dem Gedenkstein halten wir uns halb links und folgen der Straße Horstbecke für etwa 800 Meter. Dabei passieren wir zwei Häuser, die direkt an der Straße stehen. Kurz vor dem steilen Anstieg biegen wir links in den Waldweg. Glück gehabt, der Anstieg bleibt uns vorerst erspart. Das kommt am Ende. Munter geht es sanft bergab um einen Bogenschießplatz und um Pferdeweiden herum. Über einer Bank hängt ein Blechschild "Hier rastete Goethe 1811". Und dann steht da noch was kleingeschrieben drunter. Wir folgen dem Feldweg einfach immer weiter.

Gegenüber einem Pferdehof befindet sich das wichtigste Ziel auf dieser Wanderung. Umgeben von einer durchaus kunstvollen Sandsteinmauer lassen sich am rechten Berghang die Gezähekammer und ein Fahrschacht zum Schlebuscher Erbstollen besichtigen. Die Kammer diente zur Unterbringung von Gezähen, also den notwendigen Werkzeugen unter Tage. Der Schlebuscher Erbstollen selbst ist der längste im Ruhrgebiet und mit einer später durchgeführten Verlängerung etwa 15 Kilometer lang. Im Jahre 1765 begann sein Bau, knapp 100 Jahre später seine Verlängerung bis in die Herzkämper Mulde. Der eigentliche Stollenmund, durch den das Wasser aus den Bergwerken abgeführt wurde, befindet sich wenige hundert Meter nördlich von hier. Der Wanderweg berührt in der Höhe eines Teiches, der rechts liegt, das Bachbett unmittelbar. Dabei stellt man fest, dass sich der bis dahin eher ruhige Bachverlauf plötzlich verbreitert. Unter Wasser ist eine starke Strömung festzustellen, die sich an Auskolkungen im Boden zeigt. Genau hier ist das Ende des Schlebuscher Erbstollens – kaum erkennbar und ohne schmückendem Portal, aber nach wie vor wasserführend und damit auch faktisch in Betrieb.

Parallel zum Stollenbach gelangen wir zur Oberwengerner Straße und biegen rechts ab. Hier steht eine weitere Wandertafel. Die zugegebenermaßen durch den starken Verkehr nicht besonders hübsche Etappe dauert nur kurz an. Schon an der nächsten Kreuzung biegen wir rechts ab in den Stetroter Weg. So sehenswert dieser Erbstollen auch ist – er bildet den tiefstgelegenen Punkt der Wanderung auf etwa 88 Metern über dem Meeresspiegel. Der Parkplatz liegt auf etwa 200 Metern. Was das für die letzten ca. 2,5 Kilometer bedeutet, ist logisch. Sie sind durchaus sportlich und bei Sommerhitze ohne einen Schatten recht anstrengend.

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Anstieg bleibt erspart: Es geht links, Markierung (Mast) beachten

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Talabwärts führender Pfad am Rande von Wiesen und Weiden

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Breites Tal des Stollenbachs mit Pferdekoppeln

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Gezähekammer (Mitte) und Fahrschacht (tiefer, vor dem Schild)
zum Schlebuscher Erbstollen

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Blick in den tiefen Fahrschacht zum Erbstollen

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Der Erbstollen führt auch heute noch Wasser: Unspektakulärer
Tunnelmund des längsten Erbstollens im Revier

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Erdgasspeicher als Erdkugel gestaltet

Bergbauwanderweg Erbstollenweg in Wetter (Ruhr)

Aufstieg vom Ruhrtal nach Grundschöttel (Blick zurück)

Ruhig geht es auf asphaltiertem Weg durch die Felder, allerdings auch deutlich und stetig bergauf (hoffentlich muss jetzt keiner zum Wanderparkplatz hetzen, weil die Parkzeit abgelaufen ist! Ich habe Sie gewarnt!). Links reicht der Blick über das Ruhrtal bei Wengern und bietet eine gute Aussicht auf die Erdgaskugel, die wie ein Globus, eine Erdkugel, aussieht. Immer weiter und bergauf geht es auf dem Weg vorbei an der Siedlung Am Stetrot, die zu Oberwengern gehört. Die Straße geht in die Karl-Siepmann-Straße über – ein Name, den wir bereits kennen, weil wir auf dieser Straße bereits gelaufen sind. Bald gelangen wir zu dem Abzweig, den wir vorhin Richtung Düsteren Siepen gewählt haben. Nun ist es einfach, zum Ausgangspunkt zurückzufinden. Wieder geht es über die Ampel und schon stehen wir wieder auf dem Wanderparkplatz für eine 3-Stunden-Wanderung, der aber auf 2 Stunden limitiert wurde. Kannst du dir nicht ausdenken.

Geographische Koordinaten:
51°22'17.49"N, 7°22'14.50"E – Start- und Zielpunkt (Parkplatz)
51°22'39.84"N, 7°21'05.63"E – Mittelpunktstein Stadt Wetter
51°23'19.25"N, 7°22'05.40"E – Fahrschacht Schlebuscher Erbstollen
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
386591 m, 5692401 m – Start- und Zielpunkt (Parkplatz)

385275 m, 5693121 m – Mittelpunktstein Stadt Wetter
386457 m, 5694312 m – Fahrschacht Schlebuscher Erbstollen
Industriekultur im Ruhrgebiet

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Halden Ausflugsziele

Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 09 / 2017
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr