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Radweg auf der Hugobahn in Gelsenkirchen

Vom Hafen Bismarck am Rhein-Herne-Kanal auf alter Bahntrasse zur Zeche Hugo

Gerade im mittleren Ruhrgebiet führte ein schier unüberblickbares Netz von Eisenbahnstrecken zwischen Zechen, Kokereien und Industrieanlagen. Mit dem Niedergang der Kohleförderung sind viele dieser Zechenbahnen und anderen Güterstrecken unnötig geworden. Nach ihrer Stilllegung wurden viele dieser Eisenbahntrassen zu Radwegen, die heute meist kreuzungsfrei und steigungsarm schnelle Verbindungen zwischen den Orten darstellen.

Ein solcher Bahntrassenradweg ist auch die Hugobahn. Sie zweigte bei Sutum am Abzweig Hugo von der Bahnstrecke von Wanne-Eickel nach Gladbeck zwischen den Bahnhöfen Gelsenkirchen-Bismarck und Buer-Süd nach Norden ab. Als Stichstrecke diente sie insbesondere dem Transport der Kohle vom Bergwerk Hugo und war etwa 5 Kilometer lang. Der Radweg wurde 10 Jahre nach Beendigung der Kohleförderung im Jahr 2008 eröffnet, die letzten Lücken wurden jedoch erst 2017 geschlossen. Seitdem führt er durchgängig von Sutum bis Buer.

Übersichtskarte Hugobahn Bahntrassenradweg

In der Karte ist der Weg mit dem magentafarbenen Band dargestellt. Der markierte blaue Radweg ist der für die Tourenbeschreibung gewählte Zuweg vom Hafen Bismarck und dem Emscher-Weg zum Abzweig Hugo, wo der eigentliche Bahntrassenradweg beginnt.

Beschilderung und Wegebeschaffenheit:
Der Weg ist größtenteils wassergebundene Decke und im neusten Abschnitt asphaltiert. Die Beschilderung erfolgt über das Radverkehrsnetz NRW (Richtung Siedlung Schüngelberg / Halde Rungenberg bzw. ZOOM-Erlebniswelt). Es gibt nur wenige Straßenüberquerungen, darunter die Horster Straße mit dichtem Auto- und sogar Straßenbahnverkehr. Hier ist Vorsicht geboten. Ansonsten verläuft der Weg durchgängig auf einer eigenen Trasse.

Kartenmaterial: In den rechts dargestellten reiß- und wetterfesten Radwander- bzw. Rad- und Wanderkarten des Verlages Publicpress ist die Region dargestellt. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite beim Verlag – Karten werden versandkostenfrei versendet. Für Webseite und Verkauf ist der Verlag verantwortlich.

 Rad- und Wanderkarte Essen und Umgebung   Radwanderkarte Ruhrgebiet  

 

Anreise zum Ausgangspunkt des Radweges:

Anreise mit dem Auto: Auf der A42 bis zur Ausfahrt 17 Gelsenkirchen-Schalke. Aus allen Richtungen rechts abbiegen auf die Alfred-Zingler-Straße. Die Bahnstrecke überqueren und geradeaus fahren. In der Linkskurve rechts abbiegen auf das Gelände des neuen Stadtquartiers Graf Bismarck und hier parken.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Johannes-Rau-Allee in Gelsenkirchen

Anreise mit Bus und Bahn: Von Dortmund Hbf., Herne oder Wanne-Eickel mit der RB 43 bis Gelsenkirchen-Zoo. Vom Bahnsteig die Treppe auf die Straßenebene und dann rechts. An der Halde entlanglaufen lässt sich über die Parallelstraße, die an der Kreuzung links abzweigt. Das Stadtquartier am Hafen Bismarck wird auch erreicht, indem man der Münsterstraße weiter folgt und an der Kreuzung Kneebuschstraße links abbiegt. Geradeaus führt dann der Weg bis zum Hafen.

Alternativ von Gelsenkirchen Hbf. mit der Straßenbahn der Linie 301 Richtung Essener Straße bis ZOOM-Erlebniswelt. Zunächst zur Bundesstraße laufen und geradeaus in die Kneebuschstraße. Dem Verlauf bis zum Stadtquartier Graf Bismarck folgen.
Anreise Fahrrad: Auf dem Radweg auf der Erzbahntrasse bis zum Endpunkt an der Grimberger Sichel. Dem Verlauf links von der Brücke weiter folgen bis zum Hafen Bismarck. Die Halde liegt südlich des Stadtquartiers.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike und als Wanderer: Die Radwege Emscher-Park-Radweg und Emscher-Weg verlaufen auf der anderen Kanalseite direkt am Hafen des Stadtquartiers vorbei. Ebenfalls genutzt wird der Weg am Kanal vom Emscherwanderweg XE. Brücken östlich und westlich helfen bei der Überquerung des Kanals.

Los geht´s!
Die Tour war ausgearbeitet, sonniges Wetter in der Vorhersage angekündigt – das einzige, was fehlte, war Hugo. Ich habe das Gehirn und die komplette Adressliste durchgeschaut, aber ich kenne keinen einzigen Hugo, mit dem man thematisch passend diese Tour hätte durchführen können. Ein Kompromiss mit Abstrichen war Arbeitskollege Michael. Der heißt zwar nicht Hugo, wie der Name schon sagt, aber der hat mich einmal ins Ausland begleitet. Wir beide erinnern uns regelmäßig daran, dass unsere betagte Organisatorin, im Nebenberuf Reiseleiterin, ausführlichst über die Problematik von Hugos in ihren vergangenen Reisegruppen berichtet hat. Hugo ist dabei die englische Bezeichnung für „Humans gone“ – also Todesfälle, die unter Ausführung intensiver Schreibarbeit mit diversen Ämtern und Botschaften zurück ins Heimatland überführt werden müssen. Kurzum – ein Alptraum für jeden Reiseleiter. Michael ist eine Ruhrpott-Schnauze, vielleicht ein, zwei Jahre älter als ich, sehr direkt und Borussia-Dortmund-Fan. Das wird später noch von Bedeutung sein.

Wir treffen uns früh am Morgen am noch menschenleeren Hafen Bismarck unweit der bekannten ZOOM-Erlebniswelt, dem bekannten Zoo von Gelsenkirchen, montieren die Fahrräder zusammen und fahren uns im Hafengelände ein wenig warm. Im Jahre 1873 begann unweit von hier mit Schacht 1 auf der späteren Schachtanlage I / IV an der Uechtingstraße die Förderung der nach dem preußischen Reichskanzler benannten Zeche Graf Bismarck in Gelsenkirchen. In der Folgezeit entstanden nördlich der Emscher in den Stadtteilen Erle und Resser Mark drei weitere unabhängig arbeitende Schachtanlagen mit insgesamt zehn Schächten. Dabei erschloss die Zeche ähnlich wie die nahe Zeche Ewald in Herten bis dahin weitgehend unbesiedelte Gebiete im Emscherbruch. Unter großen Protesten erfolgten 1966 die Einstellung der Förderung und die Stilllegung der Zeche Graf Bismarck. Die Grubenfelder wurden von benachbarten Zechen übernommen und die Schächte unter neuem Namen weiter fortgeführt. Das Sozialwerk St. Georg nutzt die wenigen verbliebenen Gebäude auf der Schachtanlage I / IV, vor allem die sehenswerte Waschkaue.

Zwischen der ersten Schachtanlage und dem am Rhein-Herne-Kanal gebauten Zechenhafen, dem Hafen Bismarck, entsteht auf dem sanierten Gelände des ehemaligen Kraftwerks derzeit das Stadtquartier Graf Bismarck. Kern des Gebietes für Wohnen, Arbeiten und Freizeitnutzung sind der Hafen und der Kanaluferpark. Die Straßen tragen Namen von ehemaligen Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen oder Hafenstädten in Deutschland. Besonders markant ist die gebogene Fußgängerbrücke über die Hafeneinfahrt, nicht ganz so spektakulär wie die Hafenbrücke in Sydney, aber doch sehr schön anzusehen. Bei gutem Wetter wird die Anlage gerne zum Flanieren, Schwimmen, Angeln und Sonnenbaden genutzt. Eine zweite, sogar noch etwas spektakulärere Brücke über den ganzen Kanal, liegt nur wenige Radfahr-Minuten östlich von hier am Ende der Erzbahntrasse und hat die Form eines Hufeisens. Es ist mir Recht, dass wir an diesem sonnigen und warmen Tag früh dran sind. Es ist leer und daher stört man auch keine Sonnenbadenden mit Fotografieren.

Hafen Bismarck in Gelsenkirchen

Hafen Bismarck: Promenade am Hafenbecken

Hafen Bismarck in Gelsenkirchen

Alter Poller zum Festmachen der Schiffe

Hafen Bismarck in Gelsenkirchen

Wildblumenbeete in der Nähe des Hafens, hinten die markante Schrägseil-Brücke über die Hafeneinfahrt

Hafen Bismarck in Gelsenkirchen

Rettungsring und Kanaluferpark

Hafen Bismarck in Gelsenkirchen

Blick zur Brücke und Deponie Emscherbruch (Horizont)

Südlich an das Quartiersgelände angrenzend liegt der Rest der Bergehalde Graf Bismarck I / IV. Sie erstreckt sich etwa über 16 ha zwischen der Sauerlandstraße und der Johannes-Rau-Allee und zieht sich entlang der Parallelstraße. Die läuft nicht nur parallel, sondern heißt tatsächlich auch so. Stellenweise finden sich im bewaldeten Gelände Böschungen, die eine maximale Höhe von 49,4 m ü. NN erreichen. Den geneigten Untergrund überragt die Halde im Schnitt um zehn Meter. An der Westflanke verbirgt sich der Rest eines betonierten Materialbunkers. Auf der anderen Seite des Rhein-Herne-Kanals befand sich eine zweite Schachtanlage samt Bergehalde, die Halde Graf Bismarck II, VI, IX. Sie wird in der Rubrik der ehemaligen Halden näher vorgestellt.

Halde Graf Bismarck

Haldenbereich von Graf Bismarck

Halde Graf Bismarck

Alter Materialbunker an der Halde

Halde Graf Bismarck Halde Graf Bismarck

Wir sind nun bereit für unsere "Monstertour" von nicht einmal 15 Kilometern – den Rückweg bereits eingerechnet. Dass die Fahrt nicht so lang ist, gibt uns Gelegenheit für kleinere Abstecher, Fotohalte und Pausen an schönen Stellen. Und wir müssen nicht feste in die Pedale treten. Müssen wir allerdings sowieso nicht, da auch die Steigungen überschaubar sind. Abgesehen von der Halde am Ziel.

Vom Hafenbecken aus geht es in Verlängerung der Brücke in einer Allee am Rhein-Herne-Kanal entlang. Ein kleiner Frachter schiebt sich gemächlich durch das türkisblaue Wasser. Ich fahre vorweg, da Michael keinerlei räumliche Orientierung hat und sich in der Navigation auf mich verlässt. Verfahren kann man sich allerdings eigentlich kaum. Ich überhole eine Familie mit zwei Kindern auf niedlichen Fahrrädern, da macht Michael eine Vollbremsung und ruft mich zurück. „Alter, was ist das denn?!“ Er deutet auf die Kugel, die auf der anderen Seite des Kanals liegt. Steht. Wie auch immer. Sie ist riesig, blau angestrichen und hat viele gelbe Punkte. Wie ein Ball. Es ist nicht der erste künstlerisch gestaltete Gas-Speicher, der mir auf meinen Touren begegnet. In Wetter gibt es noch einen mit dem Aussehen einer Weltkugel. Wir überqueren die Kanalbrücke und kommen direkt am Gas-Speicher vorbei. Über die Stichstraße können wir sogar noch etwas näher heranfahren und stehen unmittelbar am Zaun. „Explosionsgefahr“, liest Michael auf dem Schild in der Wiese. „Aber der ist doch ganz chicky.“ Er hat keine Kamera, aber ein Smartphone. Er versteht nicht, warum ich eine ganze Kameratasche mit mir herumschleppe. Er macht das Foto mit einem Fuß am boden und mit einer Hand. Ist sicher scharf geworden. Bis heute habe ich es nicht gesehen.

Wir satteln erneut die Drahtesel, fahren auch noch über die Emscher und dann links. Michael rümpft die Nase. Der Weg an der Emscher, allerdings verdeckt durch den hohen Deich, ist nur kurz. Wir ziehen zügig durch und so bleibt das laute Gemecker im Gegenwind verstummt. Hier stinkt die Emscher tatsächlich noch gewaltig und fließt als offener Abwasserkanal durch die Landschaft. „Hier triffse garantiert alte Bekannte!“ oder „Keer, hier möchte ich nichtmal begraben sein!“ – sind Wortfetzen, die ich heraushöre. Reine Gewöhnungssache, ist es doch nicht die erste Radtour, die an der Emscher entlang oder über sie hinüber führt. Aber durch nur wenige Regenfälle in der Vergangenheit ist das Abwasser konzentrierter der Gestank intensiver als sonst. Ein Torbogen aus den Rohren, die rechts neben uns verlaufen, ist die Erlösung. An der Straßenbrücke erreichen wir die Bahnstrecke, auf der soeben ein Triebwagen der Emschertal-Bahn herzuckelt. Auf asphaltiertem Belag erreichen wir das neuste Teilstück des Radwegs auf der Hugo-Bahn. Hinter einem hohen Zaun ist das Schild am Abzweig Hugo erkennbar. Ein einziges Gleis scheint neben der vom Personenverkehr befahrenen Strecke noch halbwegs aktiv zu sein und führt später in einem Bogen in westlicher Richtung fort. Ein wenig begleitet es uns noch.

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Am Ufer des Rhein-Herne-Kanals

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Von weitem sichtbar: Kugel-Gasspeicher mit Punktmuster

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Pflanzen vor gepunktetem "Himmel"

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Abzweig Hugo – daneben der neuste Abschnitt des Radweges

„Begraben sein ist ein gutes Stichwort“, sage ich und bremse an der Kreuzung ab. Er schaut mich fragend an und ich deute auf das Gehölz rechts von uns. Der dort angrenzende Friedhof Beckhausen-Sutum hat zwei Besonderheiten. Die eine ist schnell erklärt. Denn nicht weit von hier befand sich die Schachtanlage III der Zeche Hugo. Der Schacht wurde 1895 in Betrieb genommen und diente weitestgehend als Wetterschacht, also der Belüftung des Bergwerks unter Tage. Im Jahre 1928 wurde er stillgelegt. Eine zuletzt etwa 4 ha große Bergehalde befand sich direkt daneben und wurde von der Hugo-Bahntrasse begrenzt. Doch die Halde wurde vermutlich ab den 1960er Jahren abgetragen. In den 1990er Jahren entstand besagter Friedhof an gleicher Stelle. Der wohl einzige Friedhof im Ruhrgebiet auf einem alten Haldengelände.

„Und die zweite Besonderheit?“ Bevor ich Michael sagen wollte, dass man das schlecht erklären, besser sehen muss, stoppt neben uns eine Gruppe aus drei Radfahrerinnen. Man hört heraus, dass die eine den anderen ihre Heimat zeigen möchte. Ich meine, einen thüringischen Dialekt bei der zweiten herauszuhören. Die dritte kommt aus Dortmund. „Das müsst ihr sehen!“, ruft sie ihren Begleiterinnen zu und biegt rechts von der Hugo-Trasse ab. Sie folgen ihr und wir folgen ihnen. Am Ende des Weges geht es links und dann zum Friedhof. „Ich ahne Schreckliches“, höre ich hinter mir. „Ich sehe einen blau-weißen Zaun und Fußballtore. Sag bitte nicht, dass…“ Über die Veltins-Arena auf Schalke, die schräg rechts hinter uns zu sehen ist, ist er geflissentlich hinweg gegangen. Er ist halt Borusse durch und durch. Am Eingang kommen uns die drei Fahrradfahrerinnen schon wieder entgegen.

Dann stehen wir am "Schalke FanFeld", direkt hinter dem Eingang links. Es ist ein Friedhofsteil in Stadion-Optik. In der Mitte zwischen zwei Fußballtoren ist eine Rasenfläche mit einem S04-Logo aus weißen und blauen Blumen gepflanzt. Ringsherum befinden sich Grabstellen, wo sich eingefleischte Fans nach ihrem Tode beerdigen lassen können. An einigen bewohnten Gräbern sind bereits blau-weiße Erinnerungsstücke zu sehen. „Wo bringst du mich hier hin?!“. Schulterzuckend steige ich wieder aufs Rad und zusammen fahren wir auf gleichem weg zurück zum Radweg. Noch immer schüttelt er den Kopf. Ich spüre es, obwohl ich vor ihm herfahre. "Hömma, die Grabstellen sind so klein, da passt ja nicht einmal eine Schale drauf!" Ich drehe mich um. "Was für eine Schale sollen die denn aufs Grab stellen?". Beinahe fällt er mit einem Lachanfall vom Sattel. Er freut sich, dass ich seinen Gag verstanden habe und lässt sich wieder zurückfallen. Die Friedhofs-Halde umrunden wir, fahren wieder auf die Hugobahntrasse und passieren den Standort des ehemaligen Schachts III vor dem Zaun.

An der Sutumerfeldstraße kommt von rechts das Frauen-Trio auf Rädern entgegen. Wir hängen sie leicht ab. Der Weg verläuft geradlinig vorbei an Ackerflächen. Bäume am Wegesrand schaffen einen Alleencharakter und spenden Schatten. Links fließt uns der Lanferbach entgegen, der von nun an unser Begleiter wird. Er ist stark kanalisiert und fließt in einem tiefen Bachbett, das stellenweise von einer Betonsohle und hohen Spundbohlen begrenzt wird. Oben sind die Wände in regelmäßigen Abständen mit Querbalken gesichert. Besonders gut wird dies später noch zu sehen sein. An der Kreuzung Flurstraße und Ekhofstraße verlassen wir den Radweg für einen kurzen Abstecher leicht rechts. Nur wenige hundert Meter weiter kann man über die Felder hinweg unser Ziel sehen – die Halde Rungenberg. Besonders markant sind die zwei Pyramiden am höchsten Punkt.

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Schalke FanFeld auf dem Friedhof Beckhausen-Sutum
mit Fußballtoren, blau-weißen Laternen und Zäunen und Tribüne

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Hugobahntrasse bei Beckhausen

Halde Rungenberg in Gelsenkirchen

Blick über die Rapsfelder zur Halde Rungenberg mit den zwei dunklen Pyramidenhälften

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Schattenspendende Bäume, hinten Halde Rungenberg

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Lanferbach als treuer Begleiter (Blick zurück)

Zurück auf der Trasse geht es auf einer langen Gerade bis nach Beckhausen. Ziemlich plötzlich sind wir mitten in der Siedlung und haben die Horster Straße erreicht. In ihrer Mitte liegen sogar Schienen, denn hier fährt eine Straßenbahn. An dieser Stelle steht eines der bekanntesten Industriedenkmäler an der Strecke, das Bahnwärterhäuschen mit dem vorladenden Dach. Es ist weiß gestrichen und hat blaue Dachziegel – ein Fakt, den Michael sofort wahrnimmt und mit murren quittiert. Ringsherum stehen verschiedene Erinnerungsstücke an die Zeit der Hugobahn, von Signalflügeln über Andreaskreuzen bis hin zu Loren und Schienen. Auch eine Gedenkstätte für das letzte Grubenpferd der Zeche Hugo, Alex, ist hier eingerichtet. Grubenpferde übernahmen früher unter der Erde den Transport der schweren, mit Kohle beladenen Loren. Auf wundersame Weise ist auch an dieser Stelle Friedhof und blau-weiß vereint, stellt Michael fest. Er murmelt irgendwas von „auf dem nächsten Friedhof ist der Traum der Meisterschaft begraben“. Natürlich hat eine der Loren ein S04-Logo.

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Bahnwärterhaus an der Horster Straße – kleines Museumsgelände

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Signal, Schilder und Zugschlusslampen als Dekoration

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Freie Fahrt: Hinterm Andreaskreuz führt der Radweg weiter

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Markantes vorladendes Dach über der Schranken-Bedienung

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Lanferbach mit tiefer Kanalisierung in Spundbohlen

Radweg Hugobahn in Gelsenkirchen

Schachtanlage Hugo I / IV vor der Halde Rungenberg

Hinter der Rechtskurve unterqueren wir die Autobahn A2 und erreichen Buer. Links erhebt sich bereits die Halde Rungenberg, bei deren Anblick Michael ein wenig blass wird. Zunächst passieren wir die Grubengasanlage. Sie steht auf dem Gelände von Hugo I / IV. In Betrieb gingen die Schächte 1877 und 1902. Heute ist bis auf die Gasverwertung und die Protegohauben nichts mehr zu sehen. Diese Schachtanlage befindet sich in Sichtweite zur zweiten Schachtanlage II / V / VIII, die unser Tagesziel darstellt. Der weiße Förderturm ist sogar schon zu sehen. Um diesen zu erreichen, fahren wir weiter auf der Trasse, die die Zechensiedlung Schüngelberg umrundet. Nach einer langgestreckten Linkskurve kommen wir nach relativ entspannten sieben Kilometern auf dem Kilometerzähler am Gelände der Schachtanlage an.

Aus dem Zechengelände wurde eine große, über 22 Hektar ausgedehnte Grünanlage. Das, was einerseits als Park zur Erholung nutzbar ist, dient andererseits der regenerativen Energiegewinnung. Im sogenannten Biomassepark Hugo werden auf 10 ha Fläche schnellwachsende Gehölze angepflanzt (eine sperrig sogenannte Kurzumtriebsplantage), die bis zu 2 Meter pro Jahr wachsen, später geerntet und zur Stromerzeugung verbrannt werden können. In Sichtweite zum großen dreibeinigen Förderturm, der ein Denkmal und kleines Museumsgelände darstellt, liegt ein Lehr- und Schaugarten. Je nach Jahreszeit wachsen hier blühende Blumen oder tragen Obstbäume Früchte. Es gibt einen kleinen Spielplatz und einen Bodenerlebnis-Lehrpfad über verschiedene Substrate mit einem besonderen Quizspiel. Hinter einer eisernen Tür an einem Hügel verbirgt sich ein Bodenhorizont. Bunt gestaltete Container dienen wohl als Versuchslabore.

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

 

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

 

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

 

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

 

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

 

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

 

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

 

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

 

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

Blick vom Aussichtshügel auf das verbliebene Zechengelände Hugo II / V / VIII

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

Boden unter uns: Versuchslabor zur Boden-Geographie

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

Sonnenblumen und Fördergerüst der Zeche Hugo

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

Sonnenblumen am Bodenerlebnispfad

Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen

Die Halde Rungenberg hinter der Zechensiedlung

Die Hügelige Landschaft des Biomasseparks war früher Zechengelände. Um das Jahr 2003 wurden Eisenbahnverladung, Kläranlage, Kohlenmischhalle und viele andere Gebäude und Anlagen abgerissen. Übrig blieben lediglich das flache Verwaltungs- und Kauengebäude mit der Lohnhalle aus den 1950er Jahren und die Maschinenanlagen samt Fördergerüst und Schachthalle um den Schacht II. Während die Verwaltung ein Dasein als Denkmal ohne Nutzung hat, ist das Schachtgelände auf der anderen Straßenseite ein kleines Museum geworden.

Besucht habe ich die Anlage am Tag des offenen Denkmals 2016. Das Areal um den Förderturm war im Zuge dieses zugänglich und konnte frei besichtigt werden. Dazu standen Mitglieder des Fördervereins für Fragen zur Verfügung – nebenbei konnte man neben der obligatorischen Bratwurst auf die Hand auch allerlei schöne Erinnerungsstücke, dekorative Souvenirs und kitschige Staubfänger erwerben. Ein erstaunlich hohes, aber schmales Tor mit einem gigantischen Rolltor führt in die Schachthalle. Warum es so hoch sein muss, weiß der Geier. Vielleicht sollte einmal ein Flugzeug hochkant durchfliegen. Vielleicht gibt es aber auch Bauteile, die vormontiert sein mussten und entsprechende Höhe hatten. Oder eine Kranbahn ganz oben. Ich weiß es nicht. Man muss fast schon staunen, dass dieser Rollladen nicht vom eigenen Gewicht heruntergerissen wird.

Zeche Hugo in Gelsenkirchen

Durchs geöffnete Tor in die schummrige Schachthalle eintreten

Zeche Hugo in Gelsenkirchen

Steuerung und Telefone am Förderaufzug

Zeche Hugo in Gelsenkirchen

Im Innern farbig beleuchtete Schachthalle

Zeche Hugo in Gelsenkirchen

 

Zeche Hugo in Gelsenkirchen Zeche Hugo in Gelsenkirchen

Jedenfalls konnte man an dem Tag die Schachthalle mit dem Gerüst des Förderaufzugs in Augenschein nehmen. Auf dem Freigelände stehen zahlreiche alte Loren und Waggons, die der Beförderung von Personen unter Tage und auch abgebauter Kohle gedient haben. Und auch hier versteckte sich unter den rostigen Loren auch eine, die in blau-weißen Vereinsfarben mitsamt S04-Logo angepinselt war. Sehenswert ist ein künstlich errichteter Tunnel, der eine kleine Ausstellung beinhaltet. Man fühlt sich nach dem Eintritt in das Gewölbe ein wenig wie auf der 4. Sohle auf 614 Metern unter der Erdoberfläche – wie ein Schild auf der rechten Seite anzeigt. Hier lassen sich im schummrigen Licht Werkzeuge und Geräte anschauen, die in jahrelanger Arbeit von verschiedenen alten Zechen im Ruhrgebiet gesammelt wurden. Da sind eine Grubenlok samt Waggon, ein Lader, aber auch ein Grubentelefon, typische Beleuchtung, Beschilderungen, Helme, kleine Maschinen und Ketten, Schläuche und Bohrgerät. Besonders anschaulich wird es, wenn die durch die Ausstellung führende Person kurz die Türe schließt und damit das gleißende, hereinkriechende Sonnlicht ausschaltet. Ganz kurz kann man sich vorstellen, wie es wohl unter Tage gewesen ist. Wenn da nicht der Geruch frisch gebratener Würstchen vom Grill und das aufgeregte Rufen von Kindern durch die Ritzen gelangen würde.

Zeche Hugo in Gelsenkirchen

Rostige Loren und Grubenwaggons auf dem Freigelände

Zeche Hugo in Gelsenkirchen

Warndreieck in Rost-Optik

Zeche Hugo in Gelsenkirchen

Freigelände mit dem Ausstellungs-Tunnel

Zeche Hugo in Gelsenkirchen

 

Zeche Hugo in Gelsenkirchen

Im Innern der Ausstellung – auf der 4. Sohle, 614 m tief

Zeche Hugo in Gelsenkirchen

Hier stehen eine Lok samt Waggons

Zeche Hugo in Gelsenkirchen

Kleine Ausstellung mit allerlei alten Kostbarkeiten

Zeche Hugo in Gelsenkirchen

...zum Beispiel einem Grubentelefon

An dieser Stelle sei den Veranstaltern herzlich gedankt und gleichzeitig den Lesern empfohlen, beim nächsten Denkmaltag, wenn die Zeche Hugo wieder mit dabei ist, hier einen Besuch einzuplanen. Ich las davon, dass Führungen im Zuge des Besuchs im Kleinen Museum (Schüngelbergsiedlung) angeboten werden.

Anreise zur Zeche Hugo & Biomassepark Hugo:

Anreise mit dem Auto: Auf der A2 bis zur Ausfahrt 6 Buer. Im Richtungsverkehr links abbiegen und an der nächsten Ampel geradeaus fahren in die Emil-Zimmermann-Allee. Am Ende rechts auf die Horster Straße. Nach 1,2 km an der Kirche links abbiegen in die Düppelstraße. Nach 500 m links abbiegen in den Brößweg und hier am Rand parken. Zu Fuß weiter bis zur Zeche.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Brößweg in Gelsenkirchen (Höhe Hausnummer 39 oder Kreuzung Hüchtebrockstraße)

Anreise mit Bus und Bahn: Von Gelsenkirchen Hbf. mit der Straßenbahn der Linie 301 Richtung Essener Straße bis Zeche Hugo (eine Haltestelle davor zum Bereitmachen: Hugostraße). In die Düppelstraße laufen und gegenüber der Steinmetzstraße links abbiegen. Hier stößt man nach wenigen Metern auf die Hugobahn. Rechts halten, um in den Biomassepark zu gelangen.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Natürlich über den Radweg auf der Hugobahn vom nahen Emscher-Park-Radweg oder Emscherweg.

Ein paar Hügel bieten sich ja bereits im Biomassepark als Aussichtspunkt an. Von ihnen lässt sich nicht nur das Zechengelände betrachten, sondern auch die Siedlung Schüngelberg. Und hinter dieser erhebt sich ein ganz anders dimensionierter Hügel – die Halde Rungenberg. Vom Biomassepark aus gibt es eine Auffahrt, die uns bis zum Gipfel führt. So gelangen wir bis zu den zwei Pyramidenhälften, die Nachtzeichen, die in der Dunkelheit durch Licht zu einer einzigen Pyramide vollendet werden. Ausführlicher wird die Halde auf der Themenseite der Bergehalden im Ruhrgebiet vorgestellt. Sie gehört zu meinen Favoriten unter den ganzen Halden und ich mache mich immer wieder gerne an den Aufstieg, denn man entdeckt immer wieder etwas Neues. Und in jeder Jahreszeit sieht es hier und in der Umgebung anders aus.

Halde Rungenberg

Blick von der Halde Rungenberg auf die Zechensiedlung

Halde Rungenberg

Scheinwerfer der Installation "Nachtzeichen"

Halde Rungenberg

Zwei Pyramidenhälften, die nachts vereint werden – durch Lichtstrahlen

Halde Rungenberg

Schienenplateau

Halde Rungenberg

Gipfel der Rungenberghalde

Etwas mühsam suchen wir uns auf der anderen Seite den Weg wieder nach unten. Wir machen uns auf den Rückweg. Wieder geht es entlang dem so befestigten Bach, vorbei am Schalke-Friedhof auf ehemaligem Haldengelände bis zur Emscher. Nase zu und durch – bald sind wir wieder am Ziel am Hafen Bismarck. Inzwischen ist es hier voll geworden. Man trifft sich und liegt in der Sonne, der ein oder andere grillt bereits. Gut, dass wir vorhin schon Fotos gemacht haben. Das erspart uns unnötige Diskussionen.

Geographische Koordinaten:
51°32'44.30"N, 7° 5'49.54"E – Hafenbrücke Graf Bismarck
51°32'39.39"N, 7° 5'03.91"E – Kugel-Gasspeicher
51°32'43.64"N, 7° 3'21.88"E – FanWelt Schalke (Friedhof)
51°33'26.80"N, 7° 2'44.12"E – Bahnwärterhäuschen Horster Straße
51°34'11.70"N, 7° 2'18.00"E – Biomassepark Hugo
51°34'08.49"N, 7° 2'04.75"E – Zeche Hugo 2/5/8
51°33'43.61"N, 7° 2'28.98"E – Pyramide Rungenberghalde
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
368051 m, 5712221 m – Hafenbrücke Graf Bismarck

367168 m, 5712092 m – Kugel-Gasspeicher
365207 m, 5712275 m – FanWelt Schalke (Friedhof)

364515 m, 5713627 m – Bahnwärterhäuschen Horster Straße
364049 m, 5715028 m – Biomassepark Hugo
363792 m, 5714936 m – Zeche Hugo 2/5/8
364237 m, 5714154 m – Pyramide Rungenberghalde

Quellen und weitere Informationen:

Hugobahn auf Bahntrassenradeln.de:
www.bahntrassenradeln.de
Biomassepark bei der RAG: www.rag-montan-immobilien.de
Biomassepark bei der Stadt: www.gelsenkirchen.de
Bodenerlebnispfad: www.gelsenkirchen.de
Zeche Hugo:

www.zeche-hugo.com

Industriekultur im Ruhrgebiet

Weitere Bergehalden sind von der Übersichtsseite zu diesem Thema auswählbar. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Halden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden.

Auf der Auswahlseite Industriekultur finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten und sehenswerten Zielen im Ruhrgebiet. Betrachtet werden Natur & Landschaft, alte Zechen und Industrieanlagen und andere technische Besonderheiten.

Halden Ausflugsziele

Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 09 / 2017
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr