Die Lippeaue zwischen Werne und Stockum – NSG Tibaum
Wer zwischen Werne und Hamm im östlichen Ruhrgebiet unterwegs ist, entdeckt eine Landschaft mit einer mäandrierenden Lippe und einem grünen Band aus Auen, Wiesen und Deichen. Die Lippeaue zwischen Werne, Stockum und Hamm ist geprägt von Wasser, Weite und einer stillen Dynamik, die man im Ruhrgebiet kaum erwartet.
Die hier vorgeschlagene Wander-Rundtour ist mit knapp 10 Kilometern ideal für eine ausgedehnte Halbtageswanderung. Wer noch weiter möchte, kann die Tour um 6 Kilometer bis nach Rünthe verlängern, über das ehemalige Zechengelände und entlang der Lippe bis zur Marina.



Dort gibt es maritimes Flair mit Möglichkeit zu einem Cafébesuch am größten Yachthafen in NRW – ein passendes Etappenziel auf der Wanderung auch Abschluss der Tour. Durch eine gute Befahrbarkeit der Wege kann man diese Runde in eine größere Radtour integrieren.
Die Wanderung bewegt sich durch zwei unmittelbar benachbarte Schutzgebiete entlang der Lippe, die zusammen einen ökologisch besonders wertvollen Abschnitt der Flussaue bilden.

Schutzgebiete an der Lippe
Östlich von Werne liegt das Naturschutzgebiet Lippeaue von Stockum bis Werne. Es umfasst rund 188 Hektar und schützt seit 2007 typische Auen-Lebensräume: weitläufiges, extensiv genutztes Grünland, Altarme, Röhrichte, Hochstaudenfluren und naturnahe Uferbereiche. Die Lippe darf hier mäandrieren, Wasserstände verändern sich saisonal. Und genau diese Dynamik macht den Reichtum der Landschaft aus. Für viele Vogelarten – vom Eisvogel bis zur Rohrweihe – ist das Gebiet Brut-, Rast- oder Nahrungsraum. Gleichzeitig fungiert es als wichtiger Baustein im Biotopverbund entlang der Lippe.
Östlich schließt sich auf Hammer Stadtgebiet das Naturschutzgebiet Tibaum an. Mit knapp 100 Hektar ist es etwas kleiner, ökologisch jedoch ebenso bedeutend. Charakteristisch sind hier Altwässer, Feuchtwiesen und Reste von Weichholz-Auenwald mit Silberweiden.
Ziel der beiden Schutzgebiete, die zugleich Flora-Fauna-Habitate sind, ist es, die naturnahe Entwicklung der Flussaue zu sichern und Störungen möglichst gering zu halten.

Für Wandernde bedeutet das: eine offene, weite Landschaft, geprägt vom Wechselspiel aus Wasser, Wiesen und Gehölzstreifen. Besonders reizvoll ist der Kontrast zwischen der natürlich wirkenden Lippeaue und dem parallel verlaufenden Datteln-Hamm-Kanal. Hier liegt ein technisches Bauwerk auf der einen, lebendige Flusslandschaft auf der anderen Seite des Deiches. Gerade diese Nachbarschaft macht den Charakter dieses Abschnitts der Lippe so besonders.
Das Betreten der Naturschutzgebiete außerhalb ausgebauter Wege ist verboten. Zäune dürfen nicht überstiegen werden. Es gibt einzelne punktuelle Uferbereiche, die man von den Wegen aus gut erreichen kann.
Wandertourenvorschlag
An dieser Stelle wird ein Vorschlag für eine Wandertour über 10 Kilometer (oder 16 Kilometer mit Verlängerung zur Marina Rünthe) gemacht. Die Wege führen rund um und durch die beiden Schutzgebiete. An einigen Stellen kann man näher zum Fluss gehen und praktisch überall kann man das Glück haben, besondere Vögel und andere Tiere beobachten zu können. Teil der Tour ist auch ein Abschnitt auf einer ehemaligen Bahntrasse, die sich als schnurgerade Linie in die Ferne zieht.
Es gibt praktisch gleich mehrere mögliche Ausgangspunkte für die Tour, wenn man mit dem Auto anreist. Parkmöglichkeiten bestehen am Friedhof Stockum am Werthweg, an der Straße Am Tibaum oder auch an der Marina Rünthe.
Formenschatz eines mäandrierenden Flusses
Ein mäandrierender Fluss verändert ständig sein Bett. Durch unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten entstehen folgende typische Landschaftsformen:
Mäander: Die charakteristischen Flussschlingen, die sich im Lauf der Zeit seitlich verlagern.
Prallhang: Am äußeren Ufer einer Flussschleife ist die Strömung am stärksten. Hier wird Material abgetragen, das Ufer ist steiler und oft unbewachsen oder unterspült.
Gleithang: Am inneren Ufer fließt das Wasser langsamer. Sand und Kies lagern sich ab, flache Ufer- und Kiesbereiche entstehen.
Altwasser (Altarm): Wird eine Schleife bei Hochwasser durchbrochen, schneidet sich der Fluss einen kürzeren Weg. Die ehemalige Schleife bleibt als Stillgewässer zurück.
Aue: Der regelmäßig überflutete Talraum neben dem Fluss. Hier entwickeln sich Feuchtwiesen, Auwälder und artenreiche Uferzonen.
Die folgende Beschreibung ist gleichzeitig auch eine Reihenfolge der Abschnitte, die man auf einer Wanderung beginnend am Parkplatz am Friedhof Stockum im Uhrzeigersinn durchläuft. Grundsätzlich sind Beginn und Laufrichtung frei wählbar.
Naturschutzgebiet Tibaum
In der Lippe verläuft die Grenze zwischen dem Kreis Unna und der Stadt Hamm. Und die Lippe windet sich in weiten Mäanderbögen durch das flache Tal, das eine langgestreckte Auenlandschaft darstellt. Diese Landschaft ist als langgestrecktes Naturschutzgebiet und Flora-Fauna-Habitat ausgewiesen.
Es ist das westlichste Schutzgebiet in Hamm und gleichzeitig passiert man auch auf dem Spaziergang im weiteren Verlauf auch den westlichsten Punkt der Stadt, der allerdings nicht markiert ist.















Einige der alten Fluss-Schlingen sind entweder auf natürliche Weise oder künstlich für die Schiffbarmachung durchbrochen, sodass es hier auch einige Altarme gibt. Besonders reizvoll ist daher der südliche Wegabschnitt, der diese Altarme, den Fluss und zahlreiche Blänke passiert.
Im Bereich des Tibaums hat man vom Deich, der den höhergelegenen Kanal begrenzt, einen schönen Blick auf die Auenlandschaft. Auch wenn im Hintergrund das Gersteinwerk, ein Kohlekraftwerk mit drei markanten Kühltürmen, dominiert, wirkt es überraschenderweise kaum als Störfaktor. Es ist vielmehr ein spannender Kontrast zwischen fossiler Energiegewinnung und Naturschutz.
Rechts und links der Straße Am Tibaum verlaufen ausgedehnte Teiche und Sumpfzonen mit Röhricht.















Naturschutzgebiet Lippeaue von Stockum bis Werne
Nur wenige hundert Meter westlich der Brücke der Bundesautobahn A1 „Hansalinie“ verläuft die Grenze zwischen dem Kreis Unna und der Stadt Hamm. Gleichzeitig markiert die Kreisgrenze auch die zwischen den Naturschutzgebieten Tibaum und Lippeaue von Stockum bis Werne.
Die Mäanderbögen der Lippe sind hier etwas kleiner und es gibt mehr landwirtschaftliche Fläche. Der Weg führt nun etwas abseits vom Kanal vorbei an Weiden und Ackerflächen.









Über eine kleine
Brücke kann man die Lippe nach Werne überqueren. Auf der nördlichen Seite gelangt man nach etwa 600 Metern zu einem alten Stauwehr, das hier Teil einer ehemaligen Schleuse für Schiffe war. Davon ist jedoch nicht mehr viel zu sehen. Teile der alten Schleusenbecken sind heute größtenteils zugewachsene Biotope.
Wie sich die Landschaft in den letzten Jahrhunderten verändert hat, zeigt der folgende interaktive Vergleich einer Karte aus dem 19. Jahrhundert und einem Luftbild heute. Man achte dabei insbesondere auf die Mäanderbögen und die Schleuse am linken Bildrand.
Abstecher zur Marina Rünthe
Auf beiden Seiten der Brücke kann man auf Wegen zur Marina Rünthe laufen und auf dem jeweils anderen Weg zurückkehren. Der nördliche Weg führt zunächst am Zechengelände und der Halde vorbei über die rote
Lippebrücke nach Rünthe. Die
Marina Rünthe ist ein ehemaliger Verladehafen am Datteln-Hamm-Kanal und wird ausführlicher in einem eigenen Artikel beschrieben.





Abstecher in die Altstadt von Werne
Wer die Wanderung etwas erweitern möchte, kann von der Lippe aus einen kurzen Abstecher in die Altstadt von Werne einlegen. Nur wenige Minuten vom Fluss entfernt liegt der historische Stadtkern mit seinem Marktplatz. Mittelpunkt ist das Rathaus mit seiner markanten Giebelfassade, daneben erhebt sich die katholische Pfarrkirche St. Christophorus (Werne), deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen.


Unweit davon erinnert auch das Solebad Werne am Stadtpark mit dem Gradierwerk an die lange Tradition der Stadt als Kur- und Badestandort. Bereits seit dem 19. Jahrhundert wird hier salzhaltiges Wasser genutzt. Heute verbindet das Bad moderne Wellnessangebote mit dieser historischen Wurzel.
Alte Bahntrasse Werne-Stockum
Zwischen der Zeche Werne und Bockum-Hövel verläuft eine Bahnstrecke, die etwa 12 Kilometer lang ist und nur noch in Teilen genutzt wird. Gut zwei Drittel der Strecke liegen zwischen dem Bahnhof Bockum-Hövel mit Anschluss an die Strecke zwischen Hamm und Münster und Stockum. Sie bindet das Gersteinwerk und das benachbarte Umspannwerk ans Schienennetz an. Westlich davon ist die Strecke stillgelegt und auf einer Länge von etwa 2,5 Kilometern ein schnurgerader Bahntrassenweg. Radfahrende können diesen Weg später als Alternativstrecke nutzen, wenn auf dem am Kanal verlaufenden RS1 einmal Stau sein sollte.
Für Spaziergänger und Wandernde ist der Weg die kürzeste Verbindung zwischen Werne und Rünthe. Der Weg wirkt durch die Flucht manchmal so, als würde er kein Ende nehmen. Aber an vielen Stellen kann man von leicht erhöhter Position zur Lippe und in die Naturschutzgebiete blicken und mit etwas Glück einige Tiere beobachten.












Bei Stockum wechselt der Weg von der Trasse, die in östlicher Richtung nicht als Weg ausgebaut ist, auf den Werthweg und mit einem Schlenker bis ans Ufer der Lippe. Von dort führt der Wirtschaftsweg zum Friedhof mit dem Parkplatz, einen der möglichen Ausgangspunkte der Tour. Dort sieht man auch Schienen, Bahnunterführungen und Weichenlaternen – hier ist das Betreten der Bahnanlagen tabu.
Kartenmaterial / Literatur:
In den folgenden gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region abgebildet: ADFC Regionalkarte radrevier.ruhr Ost* (1:50.000) und BVA Radregion Münsterland, Kreis Warendorf* (1:50.000) sowie in der Kompass Wanderkarte Ruhr* (2 x 1:35.000).
Diese thematisch passenden Bücher empfehle ich zur Vertiefung: Wandern für die Seele – Ruhr* und Wanderzeit im Ruhrgebiet*
Informationen zur Anreise:
Anreise mit dem Auto:
Auf der Autobahn A1 bis zur Ausfahrt 81 Hamm / Bergkamen.
Nach Stockum / Friedhof / Tibaum: Aus Unna rechts, aus Münster links abbiegen auf die Dortmunder Straße. Nach 1,4 km links abbiegen auf die Straße Am Tibaum. Hinter der Kanalbrücke liegt links ein kleiner Platz mit Parkmöglichkeit. Alternativ weiter und hinter der Lippebrücke links in den Wertherweg und diesem bis zum Friedhof mit dem Parkplatz folgen.
Zur Marina Rünthe: aus Unna links, aus Münster rechts abbiegen und dem Ostenhellweg bis zur Ampel in Rünthe folgen. Links abbiegen auf die Werner Straße und hinter der Kanalbrücke oder rechts am Hafenweg parken.
Zieleingabe ins Navigationssystem: Wertherweg in Werne, Am Tibaum in Hamm oder Hafenweg bzw. Werner Straße in Bergkamen.
Anreise mit Bus und Bahn:
Von Dortmund oder Münster mit der RB 50 bis Werne. Zu Fuß zur Innenstadt und auf der Lippestraße bis zur Bahntrasse Werne-Stockum. Dort befindet sich auch die kleine Brücke über die Lippe.
Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike:
Die Römer-Lippe-Route, die LandesGartenSchau-Route, der Emscher-Park-Radweg und der Rundkurs Ruhrgebiet verlaufen auf einem Teil des Tourenvorschlags am Kanal entlang. An der Marina Rünthe endet der Radweg auf der Klöcknerbahntrasse, der aus Unna und Kamen auf ehemaliger Bahntrasse verläuft.
Zieleingabe ins Navigationssystem: Wertherweg in Werne, Am Tibaum in Hamm oder Hafenweg bzw. Werner Straße in Bergkamen.
Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung:
Geographische Koordinaten:
51°40’12.18″N, 7°42’00.68″E – Parkplatz Friedhof Stockum
51°39’53.26″N, 7°42’10.00″E – Parkplatz Am Tibaum
51°38’37.14″N, 7°38’49.33″E – Parkplatz Werner Straße (Marina Rünthe)
51°39’29.48″N, 7°39’24.53″E – Lippebrücke Werne
51°38’30.34″N, 7°38’33.23″E – Marina Rünthe
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von beispielsweise GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
410114 m, 5725141 m – Parkplatz Friedhof Stockum
410283 m, 5724553 m – Parkplatz Am Tibaum
406384 m, 5722271 m – Parkplatz Werner Straße (Marina Rünthe)
407090 m, 5723876 m – Lippebrücke Werne
406071 m, 5722067 m – Marina Rünthe
Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.