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Die Siedlung Margarethenhöhe in Essen

Ein trautes Heim, schön gelegen mit Sonnenblick und Heimgarten – und dies mitten in der Großstadt im Herzen des Ruhrgebietes. Was ein wenig nach Widerspruch klingt, wird auf der Margarethenhöhe Wirklichkeit. Zumindest, wenn es nach den Straßennamen geht.

Die Margarethenhöhe ist eine Arbeitersiedlung im Süden von Essen, nicht weit entfernt vom Grugapark. Sie entstand unter der Stiftung von Margarethe Krupp (1854 – 1931), der Frau des bekannten Industriellen und Unternehmers Friedrich Alfred Krupp (1854 – 1902). Dem gehörte u. a. das Guss-Stahlwerk im heutigen Westviertel Essen – bis heute steht der Name Krupp neben Hoesch und Thyssen für Industrie im Ruhrgebiet schlechthin. Mit den Planungen einer neuen Siedlung wurde ab 1906 anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter zum Ziele der Schaffung günstiger Wohnungsbedingungen nicht nur für Angestellte und Mitarbeiter des Krupp-Konzerns begonnen.

Der Bau der ersten Häuser begann im Jahre 1910. Bis 1938 entstand die Siedlung in mehreren Bauabschnitten unter dem ausführenden hessischen Architekten Georg Metzendorf. Die Margarethenhöhe, benannt nach der Stifterin, zählt in Bezug auf die Architektur zu den ersten sogenannten Gartenstädten. Dabei ist die Gartenstadt im Ursprung ein Entwurf des Engländers Ebenezer Howard. Heute existieren zu diesem Begriff zwei Definitionen. Während größtenteils namensentsprechend unter einer Gartenstadt ein Vorort mit hohem Grünanteil und Gärten verstanden wird, zielt der Originalentwurf auf die Gründung kleiner, in sich geschlossener Orte auf der »Grünen Wiese« mit allen Versorgungsfunktionen einer Stadt, guten Wohnverhältnissen und niedrigen Preisen. Dazu sollten die Vorteile von Stadt- und Landleben kombiniert werden. Howards Idealentwurf sah mehrere einen Stadtkern umgebende Vororte vor. Die einzelnen Vororte sollten über eine Eisenbahn miteinander und mit dem Kern verbunden werden. Die Margarethenhöhe wurde vom Architekten unter dem Vorbild der neu aufgekommenen Gartenstadt-Bewegung errichtet. [...]

Siedlung Margarethenhöhe in Essen

Informationsstelen an der Kreuzung Hoher Weg / Stensstraße

Margarethenhöhe im Herbst bunt gefärbt

Apotheke im Laubenweg: Rotfärbung des Weinlaubes

Siedlung Margarethenhöhe in Essen

Häuserzeilen am Hohen Weg

Essen Margarethenhöhe

Häuser in der Steilen Straße, kurz vorm Eingangstor zur Siedlung

Essen Margarethenhöhe

Herbstgruß am Hohen Weg

Durch ihre Geschlossenheit, die nicht nur baulich, sondern auch durch ihre Lage auf einem Gelände-Plateau erreicht wurde, und die Lage vor der Innenstadt von Essen, wird die Siedlung als eine der ersten deutschen Gartenstädte angesehen. Die Architektur der zunächst freistehenden Giebelhäuser und später zu Einheiten zusammengefügten Reihenhäuser ist sehr ähnlich, jedoch sehr abwechslungsreich gestaltet. Alle beinhalteten bereits nach ihrer Errichtung Bäder und Öfen, was für die damalige Zeit ein besonderer Fortschritt war. Den Haupteingang der Siedlung bildet ein großes Tor. Über ein Viadukt ist der Vorort an Essen selbst angebunden – die U-Bahn pendelt heute oberirdisch in kürzester Zeit und im dichten Takt bis in die Innenstadt. Der Mittelpunkt der Siedlung ist der rechteckige, kleine Marktplatz mit dem Konsum und dem Gasthaus am Süd- und Nordende. Auffällig sind, wie bereits erwähnt, sehr blumige Straßennamen, die ein optimales Zuhause beschreiben: "Schöngelegen", "Daheim", "Stiller Weg", "Heimgarten", "Trautes Heim", "Sonnenblick" oder "Im Stillen Winkel" sind Beispiele dafür. Mit der Metzendorfstraße wird aber auch dem Architekten ein Straßenname gewidmet.

Seit 1987 steht die Margarethenhöhe unter Denkmalschutz und kann wie jeder normale Stadtteil frei besucht werden. Ein Musterhaus in der Stensstraße kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden (Informationen dazu siehe weiter unten). Dabei ist es möglich, die Häuser nicht nur von außen, sondern auch die typische Einrichtung zu sehen. Besonders schön anzusehen ist die Siedlung, wenn das verbreitet vorkommende Weinlaub an vielen Häusern im Herbst eine rote Färbung annimmt.

Marktplatz Margarethenhöhe Essen

Markttag auf dem Marktplatz

Margarethenhöhe Markt

Brunnen vor dem Marktplatz am Gasthaus zur Margarethenhöhe

Essen Margarethenhöhe

Eingangstor zur Siedlung vom Viadukt der Holsterhauser Straße gesehen

Essen Margarethenhöhe

Kreuzung der "Steilen Straße" mit der Straße "Trautes Heim"

Margarethenhöhe Markt

Brunnen auf dem Marktplatz

Margarethenhöhe

Herbstkleid an den Reihenhäusern an der Sommerburgstraße

Essen Margarethenhöhe

Straße "Trautes Heim"

Schöngelegen

Schöngelegen: Straßenname trifft Wirklichkeit

Sommerburgstraße

U-Bahn-Anbindung zur Stadtmitte

Margarethenhöhe Eingangstor

Eingangstor zur Margarethenhöhe am Brückenkopf

Margarethenhöhe

Stiller Weg

Margarethenhöhe, Steile Straße

Häuser in der Steilen Straße

Doppelhaus in der Margarethenhöhe

Doppelhaus

Tipp des Autors: Der Bau von Bergarbeitersiedlungen ist ein wichtiges Thema im Ruhrgebiet und die Margarethenhöhe eines der schönsten Beispiele, um sich damit zu befassen. Am besten eignet sich die Anreise mit dem in die Richtung gut ausgebauten Nahverkehr oder dem Fahrrad. Im nahen Umkreis lassen sich der Grugapark mit dem Hundertwasserhaus (direkte Nachbarschaft, fußläufig erreichbar), das Museum Folkwang und der Baldeneysee mit der Villa Hügel besuchen.

 

Informationen zum Besuch der Margarethenhöhe in Essen:

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Die Margarethenhöhe kann jederzeit wie ein normaler Stadtteil besucht und besichtigt werden. Dabei ist die Siedlung bewohnt und kein Museum, weswegen auf die Bewohner Rücksicht genommen werden sollte (z. B. beim Fotografieren).

Mit der Musterwohnung und dem Halbachhammer befinden sich Außenstellen des Ruhr Museums der Zeche Zollverein in der Siedlung. Beide Stationen können als Teil verschiedener öffentlicher Führungen regelmäßig besichtigt werden (gegen Gebühr, tlw. mit Voranmeldung, Informationen dazu siehe "Quellen und weitere Informationen" ganz unten).

Anreise zur Margarethenhöhe mit dem Auto: Auf der A52 bis zur Ausfahrt 27 / 28 Essen-Bredeney (aus Richtung Düsseldorf) oder Essen-Rüttenscheid (aus Richtung Essen / A40). Dort auf die Norbert-Straße, die parallel zur Autobahn führt und die beiden Abfahrten verbindet. In der Mitte zwischen den beiden Abfahrten liegt die Kreuzung Sommerburgstraße. Dieser folgen bis zur Margarethenhöhe. Am besten ist es, in einer Nebenstraße zu parken. Der Parkraum ist jedoch stark begrenzt und die Nachfrage u. a. bei Veranstaltungen hoch.

Ich empfehle daher die Anreise mit dem Nahverkehr oder dem Fahrrad.

Eingabe in das Navigationssystem: Steile Straße in Essen

Geographische Koordinaten: 51°25'57.59"N, 6°58'36.56"E – Marktplatz
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 359365 m, 5699882 m – Marktplatz

Anreise mit Bus und Bahn: Von Essen Hauptbahnhof oder Altenessen Bahnhof fährt die U-Bahn U17 tagsüber im Zehn-Minuten-Takt bis zur Endstation Margarethenhöhe. Die nächstliegende Station zum Marktplatz ist Laubenweg. Alternativ kann der Ausstieg an der Station Halbe Höhe (Nähe Torhaus) erfolgen.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Unmittelbar an der Margarethenhöhe verläuft der Grugaweg auf einer alten Bahntrasse vorbei. Er verbindet den Radschnellweg RS1 bei Heißen mit dem RuhrtalRadweg. Auch die Wasser-Route führt vom Ruhrtal kommend westlich an der Siedlung am Halbachhammer vorbei.

Kartenmaterial / Literatur: In den rechts dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind zur Vertiefung empfohlen.

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Quellen und weitere Informationen:

Route Industriekultur (Margarethenhöhe): www.route-industriekultur.ruhr
Musterwohnung, Führungen und Halbachhammer
(Außenstellen des Ruhr Museums / Besucherdienst):

www.ruhrmuseum.de


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Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 07 / 2020
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr