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Zeche Consolidation »Consol« in Gelsenkirchen

Zeche Consol III / IV / IX mit Consol-Park • Halde Consol II / VII

Das Bergwerk mit dem größten Potenzial, sich beim erstmaligen lauten Vorlesen zu verhaspeln, förderte von 1865 bis 1993 Kohle. Unter der aus dem Lateinischen abgeleiteten Bezeichnung für das Zusammenlegen von Grubenfeldern gelang bereits 1862 der Zusammenschluss der Grubenfeldeigentümer zu einer Zeche, die der Einfachheit halber häufig kurz »Zeche Consol« genannt wurde und noch wird. Der erste Schacht befand sich dabei in der Gemeinde Schalke, die heute für ihren Bundesliga-Fußballverein bekannt ist (der wiederum Verbindungen mit der Zeche Consol besaß, aus deren Arbeiterschaft einst Feldspieler rekrutiert wurden). In den folgenden Jahren expandierte sie stark, weshalb von der Gründung bis 1922 neun Schächte entstanden, die das Bergwerk zu einem der größten des Ruhrgebiets machten. Der letzte Schacht IX, auf dem Gelände der Schachtanlage III / IV im Gelsenkirchener Vorort Bismarck gelegen, wurde schließlich zum Hauptförderschacht der Zeche, die fortan drei Schachtanlagen in Schalke und Bismarck betrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam Schacht IV im Jahr 1958 sein heute noch vorhandenes Stahlbeton-Fördergerüst mit den typischen halb sichtbaren Seilscheiben. Zusammenlegungen mit der Zeche Pluto und Graf Bismarck sowie zum Verbundbergwerk mit der Zeche Nordstern konnte das endgültige Aus der Zeche Consol nicht verhindern. 1993 erfolgte der Verbund mit der Zeche Hugo, am 1. Oktober wurde die Förderung auf Consolidation eingestellt.

Ein besonderes Potenzial für erlebbare Geschichte bieten Zechen, wenn ihre Gebäude nach der Aufgabe der Schachtanlagen nicht allesamt abgerissen, sondern erhalten und unter Denkmalschutz gestellt werden. Aus diesem Grunde bildet der Förderturm über Schacht IX mit seinem roten Stahlgerüst von 1922 ein eindrucksvolles und filigranes Industriedenkmal inmitten der weitläufigen Parklandschaft, die heute auf dem Boden der Zeche zu finden ist. Nördlich und südlich vom Fördergerüst, das nachts in einigen Teilen durch die Lichtkunstinstallation »Consol Gelb« von Prof. Günther Dohr farbig beleuchtet wird, sind die beiden Maschinenhäuser von 1922 und 1937 erhalten. Im jüngeren, schlichten Gebäude im Norden ist eine Sammlung zu Objekten aus Bergbau- und Industriearbeit von Werner Thiel zu besichtigen. Das südliche ältere Maschinenhaus ist ein repräsentativer Bau aus Klinker und großen Fensterachsen von Heinrich von Bonin. In ihm befindet sich eine erst 1963 von der Gutehoffnungshütte Oberhausen erbaute Zwillings-Dampfmaschine, eine der letzten gebauten und größten ihrer Art von dieser Hütte, die trotz der zunehmenden Verbreitung elektrischer Anlagen neu angeschafft wurde. Sie hat ein Gesamtgewicht von 285 Tonnen und war in der Lage, Güter mit 18 m/s und Personen (Seilfahrt) mit 8 m/s zu befördern. Auch dieses südliche Maschinenhaus dient als regelmäßig geöffnete Ausstellungshalle und Industriemuseum des Initiativkreises Bergwerk Consolidation. Eine besondere Attraktion für alle Freunde der Mechanik ist das Anfahren der großen, funktionsfähig gehaltenen Dampfmaschine mit Druckluft, wenn sich die mächtigen Kolben und das Treibrad in Bewegung setzen.

Zeche Consolidation Schacht 9

Südliche Maschinenhalle am Schacht IX der Zeche Consolidation

Fördergerüst Consol

Filigranes Stahlfördergerüst von Schacht IX

Industriedenkmal

Blick in das Industriedenkmal

Zeche Consolidation

Eindrucksvolles und schönes Gebäudeensemble im Consol-Park

Zeche Consol in Gelsenkirchen

Rotes Fördergerüst, das nachts gelb beleuchtet wird

Maschinenhalle Süd Zeche Consol

Maschinenhalle Süd vom Platz am Consol-Theater gesehen

Dampf-Fördermaschine Zeche Consol 9

Zwillings-Dampffördermaschine der Zeche Consol IX Süd

Industriemuseum Zeche Consol

Zu einem kleinen Museum umgebaute Maschinenhalle Süd

Dampfmaschine der Gutehoffnungshütte

Inschrift: Gutehoffnungshütte Werk Sterkrade

Industriemuseum Consol

Blick über die zwei Maschinen durch die Halle

Eine weitere Besonderheit stellt das Consol-Theater dar. Es ist im ehemaligen, benachbarten Lüftergebäude der Zeche untergebracht, dessen Aufgabe die Bewetterung war, also der Verbesserung der klimatischen Bedingungen unter Tage. Dazu wurde die Luft aus der Tiefe durch starke Ventilatoren abgesaugt, sodass anderswo automatisch frische Luft durch Unterdruck in die Tiefe gezogen wurde. Seit 2001 ist das Lüftergebäude Kulturstandort und bietet verschiedene Räumlichkeiten von 160 bis 200 m² für alle Generationen. Darüber hinaus befinden sich hier Probenräume.

Rings um das Gebäudeensemble von Schacht IX und dem Consol-Theater erstreckt sich auf etwa 17 Hektar Fläche der ausgedehnte Consol-Park zwischen Bickern-, Bismarck-, Consol- und Kanalstraße. Geprägt ist er durch ein hügeliges Relief mit unterschiedlichen, vor allem von großen Wiesenflächen bedeckten Höhenstufen. Im Park befinden sich einzelne Aktionspunkte wie eine Skateranlage, ein Spielplatz oder ein kleiner Fußballplatz. Hier und dort lassen sich rostige Skulpturen und Relikte der Zeche entdecken. Natürlich sind die Höhenstufen künstlicher Natur und jüngeren Datums aus der Zeit der Gestaltung des Parks. An dessen Stelle befand sich vor allem ein großer Rangierbahnhof. In älteren topographischen Karten von 1894 ist in einem Bereich östlich dieser Gleisanlagen, der sich etwa an der Stelle des höchsten Punktes im Consol-Park befindet, eine langgestreckte Bergehalde mit der größten Ausdehnung etwa am heutigen Kreisverkehr an der Kanalstraße eingezeichnet. Höhe und Ausmaß dieser Althalde sind unbekannt – es ist zu vermuten, dass diese bereits während der Expansionsphase abgetragen wurde.

Consol-Park Gelsenkirchen-Bismarck

Gebäude von Schacht IX im Consol-Park

Bahntrassenradweg

Früher Bahngleis und Gleisharfe, heute Fahrradweg mit Spielplatz

Park auf dem Gelände der Zeche und Kokerei Consolidation

Parklandschaft mit abwechslungsreichen Geländeformen

Beton-Förderturm Schacht 4 und Consol-Theater

Förderturm Schacht IV und Consol-Theater im Lüftergebäude

Consol-Park

Fußball- und Basketballplatz und breite Wege zum Flanieren

Consol Park

Sitzgelegenheiten am Rande grüner, terrassierter Wiesen

Fazit und Tipp des Webmasters: Der Besuch des kleinen Industriemuseums ist an den Öffnungstagen sehr lohnenswert. Der Besuch des Consol-Parks und der Zeche kann mit dem Fahrrad als kurzer Abstecher von der Erzbahntrasse aus erfolgen. Kombiniert werden kann er mit einem Zoobesuch in der ZOOM-Erlebniswelt oder im LWL-Industriemuseum Zeche Hannover. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das Bahnbetriebswerk Bismarck.

 

Informationen zum Besuch der Zeche Consolidation:

Der Consol-Park und das Außengelände des Industriedenkmals können jederzeit frei besichtigt oder genutzt werden. Die Maschinenhalle Süd ist jeden ersten Sonntag des Monats zwischen 13.00 und 18.00 Uhr geöffnet. Genaue Termine sind der Internetseite des Initiativkreises Bergwerk Consolidation e.V. zu entnehmen. Der Eintritt ist ebenso wie in die Maschinenhalle Nord frei, eine Spendenbox steht für freiwillige Gaben bereit. Zu den vollen Stunden um 14.00, 15.00, 16.00 und 17.00 Uhr wird die Dampf-Fördermaschine für etwa 10 Minuten durch Druckluft in Betrieb genommen.

Anreise mit dem Auto: Auf der A42 bis zur Ausfahrt 18 Gelsenkirchen-Bismarck. Aus Richtung Dortmund rechts, aus Richtung Oberhausen links abbiegen auf die Reckfeldstraße. Nach ca. 1,1 km am Kreisverkehr rechts in die Erdbrüggenstraße. Im folgenden Kreisverkehr die zweite Ausfahrt rechts in die Consolstraße und hier im weiteren Verlauf am Rand parken – oder im angrenzenden Wohngebiet westlich der Bismarckstraße (B227).

Zieleingabe ins Navigationssystem: Consolstraße in 45889 Gelsenkirchen

Geographische Koordinaten: 51°31'45.39"N, 7° 6'37.58"E – Maschinenhalle IX Süd
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 368929 m, 5710377 m – Maschinenhalle IX Süd

Anreise mit Bus und Bahn: Von Dortmund, Herne oder Dorsten mit der RB 43 bis Gelsenkirchen-Zoo. Vom Bahnsteig die Treppe hinunter und links auf die Bismarckstraße. Dieser bis zur Kreuzung Bickernstraße folgen und dort links abbiegen. Hinter der roten Radweg-Brücke befindet sich ein Zugang.

Von Gelsenkirchen Hbf. mit der Linie 301 Richtung Buer Rathaus bis Bergwerk Consolidation (eine davor zum Bereitmachen: Bismarckstraße). Von dort auf der Marschallstraße Richtung Osten (Bramkampstraße und Solarsiedlung links liegen lassen) bis zum Zechengelände.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Vom Radweg Erzbahntrasse von Bochum nach Gelsenkirchen zwischen der Hüllerbachbrücke und Autobahnbrücke an der einzigen Straßenquerung links der Beschilderung Richtung Zeche Consol auf der Grimbergstraße über den Bahnübergang. Hinter der Rechtskurve über den Hüllerbach und direkt dahinter rechts auf den Fahrradweg. Dieser führt kreuzungsfrei entlang des Bahnbetriebswerks Gelsenkirchen-Bismarck und über die Autobahn 42 direkt in den Consol-Park.

Quellen und weitere Informationen:

Route Industriekultur (Zeche Consol): www.route-industriekultur.ruhr
Consol-Theater: www.consoltheater.de
Initiativkreis Bergwerk Consolidation:
www.ib-consolidation.de

 

Halde Consolidation II / VII

Etwa ein Kilometer östlich von der Gründungsschachtanlage I / VI und einen Kilometer südwestlich der oben vorgestellten Schachtanlage wurde im Jahr 1871 der Schacht II in Betrieb genommen, der in unterschiedlichen Quellen die Namen Wilhelm oder Wilhelmine trägt. Hieraus wurde 1903 die zweite Schachtanlage der Zeche Consolidation, die spätere Schachtanlage II / VII. Auf dem Gelände an der Magdeburger Straße, das bis 1996 in Betrieb blieb, findet man heute Gewerbebetriebe. Es gibt leider nicht mehr viel, das an die Zeche erinnert.

Die angrenzende Bahnstrecke zwischen Wanne-Eickel und Bottrop (Emschertalbahn) wurde historischen Aufnahmen zufolge von zwei kleinen Bauwerken überragt, die möglicherweise Bandbrücken o.ä. darstellten. Auf der anderen Seite der Schienen wurde eine kleinere von zwei Bergehalden aufgeschüttet. Sie lag am Abzweig einer weiteren, heute nicht mehr existierenden Bahnstrecke zum Bahnhof Gelsenkirchen-Bismarck in der Fläche zwischen den auseinanderführenden Schienen. Auf der Innenfläche der Kurve dieses Abzweigs befand sich eine zweite, wesentlich größere Halde, die zuletzt etwa 5 ha groß war und bis zur Hochkampstraße reichte. Vermutlich existierte sogar noch eine dritte Haldenfläche nördlich der Hochkampstraße. Bereits in den 1950er Jahren ist von der kleinen Halde nichts mehr zu sehen. An ihrer Stelle befand sich zu diesem Zeitpunkt die auch heute noch existierende Kleingartenanlage Grenzgarten neben dem katholischen Friedhof. Nur wenige Jahre später wurde offenbar auch die große Halde abgetragen. Heute liegen hier Ausläufer des Industrieparks Berliner Brücke – nach der Straßenbrücke über die Eisenbahn – bzw. dem Gewerbepark Schalke. Die abzweigende Eisenbahn wurde weiter nördlich etwa um 2005 zur Alfred-Zingler-Straße umgebaut.

In der nachfolgenden Grafik ist die historische Situation dargestellt. Die zwei bzw. drei Haldenflächen sind hervorgehoben. Mit einem Mausklick lässt sich die Abbildung durch ein aktuelles Luftbild austauschen. Somit lässt sich mit Hin- und Herschalten zwischen damals und heute vergleichen und die Entwicklung nachvollziehen.

 Historische Ansichten vom MüGa-Park

 

Industriekultur im Ruhrgebiet

Weitere Bergehalden sind von der Übersichtsseite zu diesem Thema auswählbar. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Halden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden.

Auf der Auswahlseite Industriekultur finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten und sehenswerten Zielen im Ruhrgebiet. Betrachtet werden Natur & Landschaft, alte Zechen und Industrieanlagen und andere technische Besonderheiten.

Halden Ausflugsziele

Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 08 / 2018
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(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr