Landmarken und Halden im Ruhrgebiet

Navigation Hier klicken, um zur Hauptseite zu gelangen! Halden im Ruhrgebiet Linktipps Kunst, Landmarken und Aussichtspunkte im Ruhrgebiet Natur und Landschaft im Ruhrgebiet Zechen und Industrie Alte Gemäuer - Burgen und Schlösser Radfahren und Wandern Museen und Ausstellungen im Ruhrgebiet Impressum und Kontakt

Das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten

Bereits 1714 wurde im Muttental bei Witten-Bommern urkundlich vom handwerklichen Stollenbergbau berichtet. Hier entlang des Muttenbachs bauten zumeist Bauern schon viel früher in kleinen Löchern, den sogenannten Pingen, oberflächennah Kohle ab – jeweils bis sich die Pinge durch steigendes Grundwasser verfüllte. Schließlich ging man an dieser Stelle zum Stollenbergbau über und grub Schächte in den Berg – die Zeche Nachtigall und zahlreiche Klein- und Kleinstzechen im Bereich des Muttentals sind entstanden. Als einer der ersten Schächte im Ruhrgebiet befand sich hier seit 1839 der Schacht Hercules. 1892 wurde der Betrieb der Zeche Nachtigall nach einem größeren Wassereinbruch auch unter Betracht der Konkurrenz in den jungen Großzechen nördlich der Ruhr komplett eingestellt. Das Gelände wurde durch den Unternehmer Dünkelberg aufgekauft, der zentrale Schacht Hercules verfüllt und die Ziegelei Dünkelberg eingerichtet. Sie nutzte einen Stollen durch den Berg zum direkten Transport der Rohstoffe vom Steinbruch zum Ziegeleiofen, in diesem Fall eine Doppelringofenanlage mit dem weithin sichtbaren und markanten Schornstein. 1963 wurde auch die Ziegelei stillgelegt und das Gelände verfiel zunehmend, beherbergte es eine Zeit lang doch nur kleinere Fabrikationen oder Schrotthändler. Im Jahr 1970 hat die Stadt Witten einige Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Schließlich hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mit Sitz in Münster das Gelände 1979 übernommen, es aufwändig saniert bzw. teilweise rekonstruiert und ab 2003 ein Museum eröffnet. Das Muttental selbst wird durch den Bergbauwanderweg erschlossen, der auf diesen Seiten ebenfalls betrachtet wird und sehr gut mit einem Besuch in der Zeche Nachtigall verbunden werden kann.

Teil 1: Zeche Nachtigall und Ziegelei Dünkelberg über Tage

Das Museum ist heute eines von acht Standorten des LWL-Industriemuseums mit Sitz in der Zeche Zollern in Dortmund neben beispielsweise der Henrichshütte in Hattingen, der Zeche Zollern selbst oder dem Schiffshebewerk Henrichenburg. Hier wird zugleich die Arbeit in der Zeche Nachtigall, in der Ziegelei und in den vielen für die Region Muttental typischen Kleinzechen (»Kohle eimerweise«) sowie die Kohleschifffahrt auf der Ruhr dokumentiert. Der Besucher kann hier das aufgrund der Größe recht übersichtliche aber liebevoll gestaltete Gelände inspizieren. Die meisten Schauobjekte befinden sich in geschlossenen Räumen, weshalb ein Besuch bei Regenwetter unproblematisch ist. Angeschlossen an das Museum ist ein kleines Café. Wie auf den folgenden Bildern sichtbar ist, hat man mit der Rekonstruktion ein besonderes Flair geschaffen, das das Museum tatsächlich zu einem der lohnenswertesten und schönsten der hier betrachteten Ziele im Ruhrgebiet macht:

Zeche Nachtigall und Ziegelei Dünkelberg in Witten

Betriebsgebäude und Ziegelei Dünkelberg

Zeche Nachtigall Maschinenhaus

Dampffördermaschine von 1887 im Maschinenhaus

Zeche Eimerweise

Ausstellung »Zeche Eimerweise« mit Schacht Ingeborg II

Betriebsgebäude auf der Zeche Nachtigall

Maschinenhaus der Zeche Nachtigall - vorbildlich renoviert

Ziegelei Dünkelberg

Ziegelei Dünkelberg

Unter dem Dach der Ziegelei

Unter dem großen Dach der Ziegelei

Ziegelei

In der Ziegelei

Ziegelei

Ausstellung »Der Weg in die Tiefe« mit dem Hercules-Schacht

Verladung der Ruhrtalbahn

Güterwagen an der Verladestation der Ruhrtalbahn

Zeche Nachtigall Ziegelei

Doppel-Ringofen-Anlage der Ziegelei (Gebäude, nicht die Säulen)

Teil 2: Unter Tage im Nachtigallstollen

Besondere Attraktion des Museums für Erwachsene wie für Kinder ist der Besucherstollen, der in den 1980er Jahren von Bergleuten zwecks Rekonstruktion neu gesichert wurde und auch heute noch zur Sicherheit der Besucher und des Personals regelmäßig überprüft wird. Im Zuge einer Führung, die alle zwei Stunden stattfindet und etwa eine Stunde dauert, werden Kleingruppen mit Schutzhelmen bewaffnet und in den Stollen und den Streb begleitet. Man erfährt dabei grundsätzliches zum Ausbau und zur Sicherheit in Bergwerken. Hier stößt der Besucher auch in einer Nische auf eine Figur der Heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergleute. Ohne diese Figur würden sich auch heute noch viele Tunnelbauer weigern, in den Berg einzufahren. Etwas unbeachtet steht eine unscheinbare Tonne mit einem Stapel Zeitungspapier im Stollen, die sich als einfacher Abort unter Tage entpuppt. Eine einfache Erleichterung der Notdurft im Tunnelsystem war alleine schon aus hygienischen Gründen verboten. Ein besonderer Bergarbeiter hatte neben dem Abbau die Funktion, diesen Abort zu leeren und zu reinigen. Und weil im Ruhrgebiet die Sprache sehr direkt ist, wurden diese Menschen als Scheißkübelmajor bezeichnet.

Für die Sicherheit der Besucher wird einiges getan. Interessierte zu einer Stollenbesichtigung bekommen an der Kasse eine Marke, die gegen einen Helm in der Lampenstube getauscht wird. Stimmt später die Anzahl der Helme nicht mit der der Marken überein, so fehlt logischerweise eine Person (sieht man davon ab, dass das Tunnelsystem nicht so groß ist, dass man sich verlaufen könnte – es wird halt nur keiner eingeschlossen). Teile des Stollensystems werden künstlich bewettert, es wird also permanent Frischluft eingeblasen. Beim Betreten des Stollens wird mit einer Klapptafel markiert, dass eine oder mehrere Gruppen im Tunnelsystem unterwegs sind. Vor einer optischen Überprüfung der Anlage wird die erste Gruppe am Tage allerdings nicht in den Stollen hineingelassen. Spätestens nach dem dritten Anstoßen des Helmes an tragenden Holzbalken ist man dankbar, einen Kopfschutz erhalten zu haben. Insbesondere lange Personen haben diesmal deutliche Nachteile. Kinder sind hier im Vorteil. Für sie gibt es sogar besonders kleine Helme.

Unter einem feurigen »Glück auf!«-Ruf in der Gruppe geht es nun vom Frühsommer in die dunkle und manchmal auch etwas beklemmende Tiefe des Berges, die den Respekt vor der Arbeit der Kumpel unter Tage deutlich verstärkt:

Nachtigallstollen der Zeche Nachtigall

Der Besucherstollen mit angespitzten Nadelhölzern als Gerüst

Zeche Nachtigall Besucherstollen

Neigung mit dem Kohleflöz: Stollen im Streb

Stollen der Zeche Nachtigall

 

Besucherbergwerk Nachtigall

Auf den Schienen wartet ein Wagen auf den Grubengaul

Stollen der Zeche Nachtigall

Von hier geht es geradewegs zurück in den Sommer

Stollen der Zeche Nachtigall Stollen der Zeche Nachtigall

Fazit und Tipp des Webmasters: Der Besuch des Museums ist sehr lohnenswert auch und vor allem für die ganze Familie. Ein Besuch kann besonders gut mit einer Wanderung im bergbauhistorisch interessanten Muttental, mit einer Fahrt mit der Muttenthalbahn und einem Besuch im Gruben- und Feldbahnmuseum Theresia kombiniert werden. Durch die Anbindung an den RuhrtalRadweg ist das Museum ein gut geeignetes Ziel für eine spannende Pause. Aussicht auf das Ruhrtal bietet das Berger-Denkmal am Hohenstein. Entlang der Trasse der Ruhrtalbahn Richtung Hagen und Dahlhausen befinden sich zahlreiche weitere sehr lohnenswerte Ziele, die mit dem Museumszug oder auch mit dem PKW in einer Kette je nach Geschmack zu einem ganzen Erlebnistag kombiniert werden können, beispielsweise das Freilichtmuseum Henrichshütte in Hattingen, die Burg Blankenstein im gleichnamigen romantischen Vorort oder dem Eisenbahnmuseum Bochum.

 

Informationen zum Besuch der Zeche Nachtigall:

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Das Museum ist ganzjährig Di-So und an bestimmten Feiertagen geöffnet von 10.00-18.00 Uhr (Letzter Einlass 17.30 Uhr), zwischen den Jahren ist es geschlossen. Die Führung durch den Nachtigallstollen, die an dieser Stelle vom Autor der Seiten als besonders lohnenswert empfohlen werden kann, erfolgt täglich alle zwei Stunden und muss an der Kasse angemeldet werden – die Zahl der Besucher ist auf eine Kleingruppe beschränkt. Bei Voranmeldungen ist es jedoch möglich, auch größere Gruppen aufgeteilt zeitversetzt gesondert in den Berg zu leiten. Für die Führung fallen Extrakosten an.

Auf diesen Internetseiten sind die Eintrittspreise kategorisiert. Die Kosten für den Eintritt für einen Erwachsenen für dieses Museum entsprechen der kleinsten Kategorie (unter 5,- Euro pro Person). Genaue Preise, Rabatte und Ermäßigungen sind der offiziellen Internetseite oder Aushängen zu entnehmen. Die Stollenführung kostet einen Aufpreis. An einigen speziellen Tagen ist der Eintritt frei!

Warnungen, dass man teilweise sehr gebückt laufen muss, sollten dabei ernstgenommen werden! Zwar gibt es immer wieder die Möglichkeit, bei Erläuterungen zwischen zwei Türstocken aufrecht stehen zu können, insgesamt ist das Bewegen im Stollen möglicherweise beschwerlich. Bei eventuellen Knie-, Rücken- oder Herzproblemen oder solchen mit Dunkelheit und Enge sollte auf eine Besichtigung unter Tage verzichtet werden.

Hunde können auf das Freigelände mitgenommen werden, nicht aber z.B. in den Stollen.

Offizielle Internetseite: www.zeche-nachtigall.de

Anreise mit dem Auto: Auf der A43 Bochum-Hagen bis zur Ausfahrt 20 Witten-Heven. Dort auf der See-Straße Richtung Witten. Die Straße geht in die Herbeder Straße über. Am Kreisverkehr auf die B226 Ruhrdeich Richtung Wetter. An der nächsten Ampel rechts in die Ruhrstraße. Über die Ruhr fahren und hinter der Kurve an der Ampel rechts in die Nachtigallstraße abbiegen. Ein erster Parkplatz befindet sich bereits kurz vor dem Feldbahnmuseum, falls der Parkplatz an der Zeche überfüllt sein sollte oder eine Wanderung ins Muttental angeschlossen werden soll.

Zum Parkplatz direkt an der Zeche Nachtigall den ersten Parkplatz rechts liegenlassen, später rechts halten und am Feldbahnmuseum über die Ruhrtalbahn fahren. Diese wird an der Zeche Nachtigall erneut überquert. Hier befindet sich der genannte kleine Parkplatz, der kostenlos ist und nur für Museumsbesucher zur Verfügung gestellt wird. Achtung: Schnell sind seine Kapazitätsgrenzen erreicht! Im Notfall dann auf dem Parkplatz am Feldbahnmuseum parken.

Für die Anreise wird eine Karte oder ein Navigationssystem empfohlen.

Zieleingabe in das Navigationssystem: Nachtigallstraße 35 in 58452 Witten

Geographische Koordinaten: 51°25'41.41"N, 7°18'39.91"E
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 382722 m, 5698896 m

Anreise mit Bus und Bahn: Die nächste Haltestelle mit dichterem Takt ist der etwa zwei Kilometer entfernt gelegene Hauptbahnhof von Witten. Hier halten Züge der Linien RE 4 (Dortmund - Hagen - Düsseldorf - Aachen), RE 16 und RB 40 (Essen - Bochum - Hagen - Siegen) und S5 (Dortmund - Hagen - M'gladbach). Vom Bahnhofsgebäude zu Fuß links bis zur Bahnunterführung Herbeder Straße. Dieser nach Westen folgen bis zum Kreisverkehr (vorbei an der Bushaltestelle Tor Thyssen und der Straßenbahnhaltestelle Hans-Böckler-Straße) und dann links. Im nächsten Kreisverkehr links und über die Fußgängerinsel; etwa 50 Meter hinter dem Kreisel führt rechts ein Fußgängerweg Richtung Ruhr. Diesem über die Nachtigallbrücke über die Ruhr folgen, an der Straße dahinter rechts. Am Bahnübergang befindet sich der Eingang zum LWL- Museum. Vom Wittener Hauptbahnhof ist der Fußweg bei normaler Gehgeschwindigkeit nach eigener Erfahrung in etwa 20 Minuten zu bewältigen – auf diesem Wege wurde die Anreise durchgeführt und getestet.

Anreise mit dem Museumszug: Freitags und sonntags und an bestimmten Feiertagen pendelt im Sommerhalbjahr zwischen Bochum- Dahlhausen (Eisenbahnmuseum) und Hagen Hbf. die "Linie Ruhrtal" von der RuhrtalBahn, Kurz Linie R, auf der für Personenverkehr bereits 1971 stillgelegten Bahnstrecke. Als Fahrzeug wird ein nostalgischer Schienenbus oder ein Dampfzug (Preußische P8) eingesetzt. Diese Züge halten auch direkt an der Zeche Nachtigall. Mit diesen Museumszügen ist es möglich, interessante Ziele der Region wie das Eisenbahnmuseum Dahlhausen, die Henrichshütte Hattingen und Zeche Nachtigall bequem zu verbinden. Informationen zu den Fahrtagen und zum Fahrpreis erfragen Sie bitte auf der Ruhrtalbahn-Webseite.

Anreise mit dem Fahrrad: An der Zeche Nachtigall führt der RuhrtalRadweg Winterberg-Duisburg von der Quelle bis zur Mündung entlang der Ruhr direkt vorbei. Die kleine Einkehrmöglichkeit mit Suppen und Kuchen am Museum bietet sich somit für eine willkommene Rast an.

Kartenmaterial: In den rechts dargestellten reiß- und wetterfesten Radwander- bzw. Rad- und Wanderkarten des Verlages Publicpress ist das Museum eingezeichnet. In der Rad- und Wanderkarte "Dortmund und Umgebung" im Maßstab 1:50.000 liegt es im Planquadrat F2, im Wander-Leporello WestfalenWanderWeg im Maßstab 1:35.000 auf der Seite 2. Im Rad-Leporello RuhrtalRadweg im Maßstab 1:50.000 befindet sich die Zeche Nachtigall auf der Kachel 12.

Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite beim Verlag – Karten werden versandkostenfrei versendet. Für Webseite und Verkauf ist der Verlag verantwortlich.

Rad- und Wanderkarte Dortmund und Umgebung   Westfalen WanderWeg  

Quellen und weitere Informationen:

Zeche Nachtigall (offizielle Webseite): www.zeche-nachtigall.de
Route Industriekultur (Zeche Nachtigall): www.route-industriekultur.ruhr

Ruhrtalbahn:

www.ruhrtalbahn.de

Industriekultur im Ruhrgebiet Auf der Auswahlseite finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten und sehenswerten Zielen im Ruhrgebiet. Betrachtet werden alte Zechen und Industrieanlagen, Landschaft & Natur, Museen oder technische Besonderheiten ebenso wie Halden im Ruhrgebiet und Landmarken. Bitte auf das Schild klicken.

Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 09 / 2017
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr