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Historischer Bergbaurundweg Holzwickede

Zeche und Halde Caroline • Emscherquellhof • Hixterwald • Haus Opherdicke • Schöne Flöte

Der Bergbauwanderweg Holzwickede führt um und durch die Gemeinde Holzwickede im westlichen Kreis Unna an der Stadtgrenze zu Dortmund und verbindet Relikte ehemaliger Zechen, historische Gutshäuser und naturgeographische Besonderheiten miteinander. Mit etwa 16 Kilometern Strecke ist er recht lang und damit vor allem für Fahrradfahrer und Ausdauer-Wanderer geeignet. Das Höhenprofil der Route ist sehr gemäßigt und beinhaltet nur begrenzt gewisse kleine Steigungen. Immerhin kann man dadurch hier und dort auch mal den Drahtesel rollen lassen.

Die Gemeinde und damit thematisch auch den Bergbaurundweg prägt die ehemalige Zeche Caroline. Bereits in den 30er Jahren des 18. Jhd. begann die Förderung von Kohle in einem Stollen im Bereich der Schönen Flöte, einem schmalen Waldgebiet entlang des Holzwickeder Baches im Osten von Holzwickede. Im Jahr 1855, also etwa 120 Jahre später, erfolgte aufgrund der Ermangelung der abbauwürdigen Vorräte der Übergang zum Tiefbau, ebenfalls in der Schönen Flöte. Mitte der 1870er Jahre zog die Hauptförderung von der Massener Straße im Osten um auf ein Areal nordwestlich des Bahnhofs, wo der neue Schacht III bald in Schacht I umbenannt wurde. Es waren ebenfalls die ausgebeuteten Lagerstätten, die 1951 zum endgültigen Aus der Zeche Caroline und damit auch dem gesamten Bergbau in Holzwickede führten. Die zweite große Zeche im Ort, die Zeche Freiberg an der westlichen Grenze zum Dortmunder Ortsteil Sölde, förderte ab 1861. Doch die aktive Zeit dauerte nur bis 1912, als die Zeche ebenfalls wegen Erschöpfens der Kohlevorkommen bereits wieder stillgelegt wurde.

Der Bergbaurundweg ist praktisch nicht ausgeschildert und verbindet ausschließlich auf kürzestem Wege die etwas über 20 Themen-Stationen, die sich durch erläuternde Hinweistafeln auszeichnen. Je nach Quelle zum Wanderweg kann die Zahl der Stationen auch auf knapp 30 steigen, wobei dann auf der Route in der Realität nicht erläuterte Etappenpunkte aufgeführt sind. Zwecks Orientierung ist in nebenstehender Karte die vorgesehene und auch für diesen Artikel durchgeführte Route eingezeichnet. Startpunkt ist der Emscherpark in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof von Holzwickede (grüner Kreis). Gegen den Uhrzeigersinn führt der Weg in Holzwickede, um Holzwickede und um Holz- wickede herum auf Straßen, Feld- und Waldwegen.

Es wird deutlich, dass stellenweise Abkürzungen möglich sind, sofern bestimmte Bereiche nicht von Interesse sind. Demgegenüber stehen mögliche Verlängerungen der Route bis hin ins nahe Ruhrtal. In einer ausführlichen Beschreibung (ganz unten) sind zur Orientierung Wegpunkte und Straßen angegeben. Für eine eigene Wanderung wird dringend entsprechendes Kartenmaterial angeraten.

Karte Bergbaurundweg Holzwickede

Die Anreise zum Bergbaurundweg

Startpunkt ist – wie erwähnt – der neu gestaltete Emscherpark in der Ortsmitte der Gemeinde Holzwickede. Damit ist er nur wenige hundert Meter vom Bahnhof Holzwickede entfernt, was sowohl für Wanderer als auch für Radfahrer eine praktische Anreisemöglichkeit mit dem öffentlichen Nahverkehr bietet. Die Fahrradmitnahme ist generell in allen den Bahnhof anfahrenden Zügen möglich, da sie spezielle Fahrradabteile oder große Flure besitzen. Es ist allerdings darauf zu achten, dass es im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr Beschränkungen gibt, in der morgendlichen Stoßzeit Zweiräder im Zug mitzunehmen. Angefahren wird Holzwickede von Zügen der Linien RE 7 (Krefeld - Rheine), RE 13 (Venlo - Hamm) und RB 59 (Dortmund - Soest). Holzwickede selbst liegt im Tarifgebiet VRR, am nächsten Bahnhof in Unna liegt die Grenze.

Weiterhin gibt es im Ort entlang der ersten Punkte einige Parkmöglichkeiten am Straßenrand oder auf öffentlichen Parkplätzen. Die Hauptstraße, an der der Emscherpark in unmittelbarer Nähe liegt, ist wenige Kilometer nördlich durch eine Anschlussstelle an die Bundesstraße 1 angebunden, die östlich von Holzwickede in die Autobahn A44 übergeht und in der Nähe die Autobahn A1 im AK Dortmund / Unna kreuzt.

Den Rundweg berührt außerdem der Emscher-Radweg, über den eine Fahrrad-Anreise aus Richtung Dortmund erfolgen kann. Über Opherdicke oder Hengsen lässt sich vom nahegelegenen Ruhrtalradweg von Fröndenberg-Altendorf oder Geisecke kommend ein Abstecher zu diesem Rundkurs machen. Hier ist allerdings eine Steigung vom Ruhrtal auf den Haarstrang zu bezwingen.

 

Bergbaurundweg Holzwickede – Erste Hälfte: Von Gewerbegebieten, Pingen, Höfen und einem Wasserschloss auf dem Berg

Der Drahtesel ist geputzt, die Reifen hart aufgepumpt, die Kette ein wenig nachgeölt und der Rucksack samt notwendigem Straßenatlas mit eingezeichneter Route auf dem Gepäckträger verstaut. Das Wetter hält, was Sven Plöger, der Wetteronkel, versprochen hat. Das erst wenige Kilometer kurze Bächlein plätschert munter durch den Emscherpark, auf Bänken sitzen Menschen beim Sonnenbaden. Kinder spielen auf einem kleinen Spielplatz und städtische Arbeiter stutzen die Bäume. Eine Informationstafel mit Erläuterungen zum Bergbau in Holzwickede steht etwas versteckt am nordöstlichen Parkzugang und bildet die erste Station, also den Wegkilometer Null. Informationen zum Bergbaurundweg fehlen allerdings gänzlich – er wird sowieso nur an derzeit einer einzigen Station fast wieder am Ziel durch einen Aushang beschrieben.

Hinter der Tafel stehen die evangelische Kirche der Gemeinde und daneben das kleine Rathaus, das im Sommer durch Weinlaub berankt ist. Ein kleiner Platz befindet sich davor. Viel los ist hier im Herzen der Gemeinde nicht, ist sie doch die kleinste eigenständige Ortschaft im Kreis Unna. Sie grenzt im Westen an die Großstadt Dortmund und im Süden an die Ruhr. Bekannt ist Holzwickede vor allem für die direkte Nachbarschaft zum Flughafen Dortmund, der sich genau jenseits der Stadtgrenze befindet. Sämtliche Flugreisende, die mit der Bahn weiterfahren, nutzen den Bahnhof Holzwickede, der mit dem Zusatz »Flughafen Dortmund« versehen ist. Einheimische kürzen die Gemeinde liebevoll Howi ab, unter der jüngeren Generation ist auch die anglizistische Bezeichnung Howitown gängig.

Es geht entgegen der Einbahnstraße, die für Radfahrer freigegeben ist, bis zur Ampelkreuzung nach Norden. Unter den zwei Eisenbahnbrücken hindurch über den ebenfalls freigegebenen Bürgersteig und vorbei an der Zufahrt zu eben diesen Flughafenbahnhof. An der nächsten Kreuzung hinter den Brücken zeichnet sich bereits die Station 2 ab, wobei das eigentliche Objekt, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Zeche Caroline, fast übersehen wird. Es ist ein Themen-Spielplatz, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er ist einer kleinen Zeche nachempfunden und beinhaltet ein großes Fördergerüst u.a. mit Seilscheibe und einer kleinen Lorenbahn. Er steht neben dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Zeche Caroline, die hier nach 1870 die Hauptförderung betrieb. Das ehemalige Zechengelände ist heute durch ein (derzeit entstehendes) Wohngebiet neu bebaut und das Verwaltungsgebäude zu einem Jugendheim mit dem Namen »Villa Pfiffikus« umgebaut worden.

Rathaus Holzwickede

Rathaus von Holzwickede – Startpunkt am Emscherpark

Spielplatz Zeche Caroline

Spielplatz auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Caroline

Die erste größere Etappe führt Richtung Ortsausgang leider wenig idyllisch auf einer Nebenstraße mitten durch ein Gewerbegebiet in Rausingen vorbei an Lagerhäusern und Firmen. An einer Kreuzung an der Gemeindegrenze steht an einem Zaun die aufklärende Informationstafel zur Zeche Freiberg, die in wenigen Gebäuden sogar noch erhalten ist (Station 3). Die Gebäude stehen auf Grund und Boden einer Firma und wurden daher nicht abgelichtet. Die abschüssige Strecke zur Emscher wird zum erholsamen Ausrollen genutzt. Hinter einer Rechtskurve zweigt etwas versteckt der Emscherradweg Richtung Dortmund ab, der für eine individuelle Umplanung und Erweiterung der Route prädestiniert ist. An einer Bahnschranke hat die Hellweg-Bahn nach Dortmund Vorfahrt, ein gelb-weißer Triebwagen der privaten Eisenbahngesellschaft Eurobahn surrt vorbei. Benannt ist die Bahnlinie nach der schmalen Landschaft Hellweg mit ihren Börden als nördliche Begrenzung der Mittelgebirgs-schwelle. Direkt hinter dem Übergang wird die Bahnstrecke Hagen-Hamm unterfahren. Es geht immer geradeaus und es wird langsam wieder ländlich. Bei Streckenkilometer 3,7 steht ein durchaus interessantes Objekt am Rand (Station 4). Direkt am Feld ist ein Dreibaum mit einer Seilwinde und Eimer im Schacht aufgestellt, doch erst nach Durchlesen des danebenstehenden Schildes wird deutlich, dass es sich bloß um ein Anschauungsobjekt für die frühe eimerweise Kohleförderung handelt, das hier nie in dieser Form gestanden hat. Der reale Schacht, der sich darunter befindet, ist ein ehemaliger seigerer und dann schräger Wetterschacht der Sölder Zeche Margarethe und besaß einen mit Abstand weniger romantischen elektrischen Ventilator auf dem Schachtrand. Mit Stilllegung der Zeche im Jahr 1926 hat auch der Wetterschacht ausgedient, wurde verfüllt und erst 2004 wieder in den oberen Metern freigelegt.

Es sind nur wenige kräftige Tritte in die Pedale zu machen, ehe das Gelände des Emscherquellhofes (Station 5) erreicht wird. Bei diesem Hof im wunderschönen Fachwerkstil handelt es sich tatsächlich um einen alten Bauernhof von 1801, der jedoch nach dem Kauf durch die Emschergenossenschaft in jüngster Zeit als Fortbildungszentrum und Ausstellungsraum v.a. zum Thema Emscher genutzt wird. Bekanntlich ist die Emscher ein etwa 80 Kilometer langer Fluss, der sich von Holzwickede durch das Ruhrgebiet bis Dinslaken zieht und dort in den Rhein mündet. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Flusslauf etwa ab Hörde komplett begradigt und in Betonschalen kanalisiert. Ziel dieser Begradigung war die Verhinderung von Hochwasserereignissen. Im Ruhrgebiet gab es seit Beginn der Industrialisierung ein einfaches System für die Wasserwirtschaft: Trinkwasser wurde aus der durch zahlreiche Sauerlandstauseen gespeisten Ruhr im Süden der Metropolregion gewonnen, Abwasser hingegen gelangte getrennt von der Ruhr in die nördlich verlaufende Emscher. So floss ein Teil des Abwassers übertage, bedingt durch mitgeführte Substrate als »Köttelbecke« bezeichnet, durch die Landschaft. Erst an der Emschermündung wurde das Abwasser zentral geklärt. Es ist Ziel eines millionenschweren Vorhabens, die Emscher in absehbarer Zeit gänzlich zu renaturieren und zu einem mäandrieenden Flüsschen und funktionierenden Ökosystem zu machen, wie sie es vor der Kanalisierung und Industrialisierung war.

Über einen Holzsteg lässt sich der Emscherquellteich überblicken. Begleitet wird der Besucher durch Zitate berühmter Personen, die auf die Ressource Wasser eingehen, sowie die Sage über die Emscher-Fee. Die Bezeichnung Emscherquellhof ist vielleicht etwas irreführend, denn die Emscher entspringt heute wieder wenige Kilometer südwestlich des Hofes im Hixterwald, was sich während des Bergbaus dort eine Zeit lang verändert hat. Und dieser Wald ist die nächste Station (6 und 7), die nach Überwindung einer kleinen Steigung nach kurzer Zeit erreicht wird.

Dreibaum

Dreibaum auf dem Luftschacht der Zeche Margarethe

Luftschacht Margarethe in Holzwickede

Schönes Anschauungsobjekt in bester Lage

Emscherquellhof

Eingeschneiter Emscherquellhof in Holzwickede

Emscherquellhof

Quellteich auf dem Gelände des Emscherquellhofes

Zunächst trifft man am Rande des Hixterwaldes auf das rückseitig zur Route stehende Informationsschild über die ehemalige frühe Zeche Schwarze Adler, einer Schachtzeche, deren Förderung bereits 1845 endete. Dahinter verbergen sich im Wald Dutzende Überreste des frühen Bergbaus in Form von Einsturztrichtern über ehemaligen Pingen. Dies sind frühe, schachtartige Grabungen an der oberflächennahen Kohle, die zumeist durch Grundwassereintritt zwangsläufig beendet wurden. Nachgegebenes Erdreich in Kraterform markiert den Ort dieser Mini-Schächte recht deutlich. Die große Ansammlung dieser Reste von ehemaligen Schachtpingen, die weitgehend dem Flözverlauf folgen, ist recht außergewöhnlich. Im Wald ist ebenfalls noch ein Überrest eines kleinen Sandsteinbruches zu finden. Auf den Fotos sind die Vielfalt und die große Anzahl der Einsturztrichter im Wald nicht annähernd zu erahnen.

Hixterwald

Hixterwald: frühes Kohle-Eldorado mit zahlreichen Pingen

Ehemaliger Steinbruch

Überreste von Pingen und einem Sandsteinbruch im Quellbereich

Hixterwald

Hixterwald

Auf dem weiteren Wege erwartet den Wanderer bei entsprechendem Wetter eine weite Aussicht, die insbesondere auf einer Bank am nahegelegenen Wasserturm (hinter der Autobahnbrücke rechts, dann kurz links) genossen werden kann. Hier ist ein herausstechender Punkt des Haarstrangs erreicht. Der Haarstrang ist ein schmaler Höhenzug, der sich von Büren von Ost nach West bis nach Schwerte zieht und dort ins Ardeygebirge übergeht. Er markiert recht scharf die Grenze zwischen der Deutschen Mittelgebirgsschwelle und dem Norddeutschen Tiefland, in diesem Falle zwischen dem Sauerland im Süden und dem Münsterland im Norden – der Westfälischen Bucht.

Auf dem Höhenzug geht es weiter durch Hengsen nach Opherdicke (gesprochen »Op Herdicke«, Betonung auf der zweiten Silbe), leider hier etwas verkehrsreicher in einem Abschnitt entlang der Landstraße. Im Osten des Dorfes befindet sich das ehemalige Wasserschloss Regenbogen, das heutige Haus Opherdicke oder auch Gut Opherdicke (Station 10) – Falsch ist alleine die Bezeichnung »Schloss Opherdicke«. Kernpunkt ist das Haupthaus aus dem 17. Jahrhundert mit seinen nachträglich angebauten charakteristischen Türmchen, das von einer Gräfte, also einem Wassergraben, umgeben ist. Dabei ist die Hoch- und Hanglage der Gutsanlage für ein Wasserschloss recht ungewöhnlich, da man derartige Exemplare eher im Flachland erwartet. Eine Natursteinbrücke bildet den Haupteingang. Angrenzend bilden mehrere im 18. und 19. Jahrhundert ergänzte Gebäude ein ganzes Karree im recht einheitlichen Baustil mit Natursteinen, Treppengiebeln und hölzernen Stalltüren. Dazu gehören Remise, Scheune, Schafstall und Gästehaus.

Die äußerst gepflegt wirkenden Gebäude gehören seit 1980 allesamt dem Kreis Unna, der die Anlage mehrfach und zuletzt 2010 renovierte. Die Einrichtungen werden für verschiedenste Veranstaltungen, Ausstellungen, Seminare oder Feste genutzt. In einem der Häuser sitzt das Rechnungsprüfungsamt des Kreises. Im Park, der sich östlich anschließt, steht ein kleiner Pavillon mit besonders markanter Turmhaube. Der Park wird derzeit aus einer wilden Wiese umgebaut zu einem Garten. Für den Überblick ist ein Film mit einem virtuellen dreidimensionalen Modell der Anlage vom Katasteramt des Kreises Unna empfohlen – der Link dazu steht ganz unten.

Haus Opherdicke

Haus Opherdicke: Hauptgebäude mit Gräfte

Haus Opherdicke Stall

Der Schafstall des Gutes bildet mit anderen Gebäuden ein Karree

Haus Opherdicke Gasthaus

Wirtschaftsgebäude, u.a. Sitz des Rechnungsprüfungsamtes

Pavillon Haus Opherdicke

Pavillon im derzeit noch etwas wilden Garten

Vom Haupttor führt geradeaus der Weg zu einem alten Steinbruch, der entgegen der Karte oben gut und gerne als weitere Station gesehen werden kann. Am Haus Opherdicke steht sogar eine Informationstafel dazu.

Der Weg führt konstant bergab und man muss scharf bremsen, um nicht die nächste Informationstafel zur Kleinzeche Jospeh (Station 11) am rechten Straßenrand zu verpassen. Übersehen im Zuge der Befahrung des Rundweges wurde die offensichtlich im Hengstener Weg vorhandene Infotafel zur Zeche Carlsbank (Station 12). Der Schwung des Berges reicht ohne in die Pedale zu treten bis kurz hinter die Autobahnbrücke, wo ein neuer, spannender Abschnitt des Rundweges beginnt. Theoretisch besteht an dieser Stelle die Möglichkeit zur Abkürzung des Weges. Jetzt, wo es spannend wird...

 

Zweite Hälfte: Von Flöten, Halden, Lichtlöchern, Wasserkunst und Erbstollen

Schon auf der Straße sind im Bachtal, selbst wenn man nicht darauf achtet, sehr ungewöhnliche, längliche und streifenartige Geländeformen auffällig, die alte Spuren von Pferdewagen vom Abtransport der Kohle darstellen (Station 13). Sie sind ein erstes Indiz auf die Frühzeit der Zeche Caroline, die hier im Bachtal zunächst mit einem Stollen und schließlich mit zwei Schächten Kohle förderte, ehe der Umzug an die Rausinger Straße um 1870 bevorstand. Das Tal wird vielleicht durch seine schmale und langgestreckte Form »Schöne Flöte« bezeichnet und hat rein gar nichts mit einer Artikelbeschreibung bei eBay zu tun. Durch die Schöne Flöte fließt der Holzwickeder Bach stark mäandrierend, also in zahlreichen Bögen, wird im weiteren Verlauf noch eine Station des Rundweges darstellen und prägte auch ein wenig die frühe Zeche Caroline.

Das augenscheinlich größte landschaftlich sichtbare Relikt der ehemaligen Zeche Caroline ist die heute noch erhaltene Bergehalde direkt am Waldrand (Station 14). Sie ist grob geschätzt etwa acht bis zehn Meter hoch, eine GPS-Messung ist durch den Wald nicht zuverlässig möglich und in topographischen Karten wurde keine Höhe vermerkt. Durch ihre langgezogene Kegelform ist sie hervorstechend und auch für Fachfremde leicht zu identifizieren – sie ist damit auch ohne eine Informationstafel leicht zu finden, obgleich sie nicht direkt am Wegesrand liegt. Die Halde ist stark bewachsen, eine von anderen Halden im Revier gewohnte Aussicht beschränkt sich hier auf den östlichen Ortseingang von Holzwickede.

Pferdekarrenspuren in der Schönen Flöte

Pferdekarrenspuren als Rinnen im Gelände

Halde Caroline in Holzwickede

Halde Caroline am Waldrand der Schönen Flöte

Halde im Wald

90°-Panorama der Schönen Flöte an der Halde Caroline. Bildmitte hinten: Standort der ehemaligen Schachtanlage I / II

Bergehalde

Böschung der Bergehalde: Zweige um einen Baum in Nestform

Halde

Halde und Feld an der Schönen Flöte

Die Schussfahrt talabwärts wird jäh durch eine Informationstafel (Station 15) gestoppt. Sie beschreibt die Wasserkunst am Holzwickeder Bach. Diese Kunst hat jedoch wenig mit künstlerischer Schönheit, sondern vielmehr mit dem Hochpumpen von Wasser aus den tiefergelegenen Schächten und Stollen der Zeche zu tun. Zu diesem Zwecke trieb ab etwa 1795 ein durch einen künstlichen Kanal angetriebenes Wasserrad mechanische Pumpen an, die untertage Grubenwasser in den Erbstollen umleiteten, damit der Weg unterhalb des natürlichen Grundwasserspiegels frei für den Kohleabbau war. Bekannt ist – wie auf der Tafel auch erwähnt wird – dieses System aus dem Harz. Auf einer Wanderung von Torfhaus auf den Brocken gelangt man hinter einem Hochmoor an gut erhaltenen Wasserbauwerken aus dem Erzbergbau vorbei. Am Ort der Informationstafel in Holzwickede befand sich etwa der Anfang des Kunstkanals, der sich an dieser Stelle heute noch durch in den Prallhang des Mäanderbogens eingelassene Natursteine darstellt. Wenige Meter bachaufwärts befand sich ein kleines Staubecken, von dem wie vom weiteren Kunstkanal heute nichts mehr zu sehen ist. Die Nutzung der Anlage beschränkte sich auf einen kurzen Zeitraum bis 1801.

Einige hundert Meter weiter passiert man den zum Projekt gehörenden Kunstschacht (Station 16), durch den der mechanische Antrieb in den Untergrund geführt wurde. Er soll sich der Informationstafel nach noch heute als Einsturztrichter im Bachtal darstellen. Apropos Einsturztrichter: Mit etwas Aufmerksamkeit entdeckt man auch am Holzwickeder Bach einige Pingen wie im Hixterwald, wenn auch nicht so zahlreich.

Eine Informationstafel am Lichtloch 18 des Erbstollens (Station 17) regt zum Suchen im Wald an. Mithilfe dieses Lichtlochs wurde beim Vortrieb des Caroliner Erbstollens Bergematerial mit Eimern ans Tageslicht nach oben gezogen und in unmittelbarer Umgebung verteilt, weshalb hier strenggenommen von einer weiteren Bergehalde gesprochen werden muss, allerdings kann man es beim Thema der Halden im Ruhrgebiet auch übertreiben. Eine mögliche Stelle am Bach wird vom Wanderer vielleicht als Relikt des Lichtlochs ausgemacht, aber die Bestätigung dazu findet man nicht. Der auf einem Foto abgebildete Wald- und Bachzustand ist offensichtlich nicht mehr ganz aktuell.

Relikte der Wasserkunst am Holzwickeder Bach

Natursteinmauer als Begrenzung des historischen Kunstkanals

Schöne Flöte Holzwickede

Informationstafel zur Wasserkunst am Holzwickeder Bach

Caroliner Erbstollen

Brücke zum Stollenmundloch des Erbstollens

Caroliner Erbstollen Mundloch

Ausgang des Caroliner Erbstollens (Station 18)

Am Ende des Waldes kurz hinter der Informationstafel zum Lichtloch befindet sich das über die Grenzen von Holzwickede bekannte Freibad Schöne Flöte. In den Sommermonaten bietet es sich somit zu einer kleinen Abkühlung an, sofern man an Badekleidung bei der Vorbereitung der Wanderung gedacht hat.

Die Route führt über den Parkplatz und durch die Massener Heide zur nächsten Station in der Verlängerung der Schönen Flöte nach Norden. Alleine dafür macht der Rundweg einen recht großen Umweg, doch für Interessierte in den Frühen Bergbau der Zeche Caroline ist diese Station 18 ein Ankerpunkt. Etwas versteckt liegend am Hang hinter einem Wohnhaus liegt der rekonstruierte Eingang zum Caroliner Erbstollen, der unter Umständen nach Voranmeldung sogar näher besichtigt werden kann. Eine Bank vor einer überdachten Informationswand mit einer der wenigen Karten zum Bergbaurundweg (mit Textmarker eingetragene Route auf dem Stadtplan) drängt sich förmlich als ruhig gelegener Rastplatz auf.

Unbestritten nähert sich der Wanderer wieder langsam aber sicher dem Ausgangspunkt. An der Massener Straße weist ein Schild (Station 19) auf die Lage eines weiteren Lichtschachtes über einem Stollenumbruch von 1818 mitten im Feld hin, dessen Lage in etwa durch eine bewachsene Insel im Acker gekennzeichnet ist. Erwähnt wird an dieser Insel außerdem ein Tagesbruch über diesem Stollen von 1960, aus dem seitdem Grubenwasser in Rohrleitungen zum Holzwickeder Bach geleitet wird. Das Ende dieses Rohres passiert man im Bereich des Lichtlochs 18 in der Schönen Flöte und fragt sich, was es damit auf sich hat. Die Information wäre daher an der Stelle wünschenswert gewesen.

Radfahrer müssen nun aufpassen, dass sie die nächste Informationstafel von Station 20 nicht blind passieren. Denn diese steht versteckt entgegen der Fahrtrichtung mit dem Rücken an einem Gebüsch direkt hinter einer Ecke des ehemaligen Steigerhauses. Wenige Meter von hier befanden sich nämlich die ersten beiden tonlägigen Schächte der Zeche Caroline, namentlich Schacht I und II. Zu sehen ist davon freilich nichts mehr. Wohl aber erkennt man die sich im südlich gelegenen Wald abzeichnende Bergehalde, die vor gewisser Zeit noch im Zuge des Rundweges bezwungen wurde. Von hier aus führte auch einst eine Pferdebahn zwecks Verladung der geförderten Kohle in Richtung Bahnstrecke, doch eine entsprechende Information dazu fehlt am Rundweg.

Emscherpark

Zunächst wenig einladender Eingang zum Emscherpark

Emscherpark Holzwickede

Bäume, ganze Fluss- und Teichsysteme und Bänke als Erholung

Kurz vor dem Ziel muss der Radfahrer wieder einmal kräftig Vorder- und Rückbremse betätigen oder in den Rücktritt steigen. Im Augenwinkel hat man ein Schild wahrgenommen, das in einem abzweigenden Fußgängerweg steht, zwar nicht wirklich zum Bergbaurundweg gehört, dennoch aber nicht uninteressant ist. Es steht direkt neben zwei Steinsäulen, die zugleich als einziges Relikt der ehemaligen Burg und Gut Dudenroth beschrieben sind, die bereits im Jahre 1976 abgerissen wurde.

Mit dem südlichen Eingang zum Emscherpark und dem begleitenden Bächlein ist wieder fast der Ausgangspunkt erreicht. Auf den geschotterten Wegen rollt der Drahtesel wieder dorthin zurück, wo die Tour vor wenigen Stunden angefangen hat.

 

Exakte Route:

Es wird nochmals darauf hingewiesen, eigenes Kartenmaterial auf die Wanderung mitzunehmen und die Route ggf. einzuzeichnen. Das können ein Stadtplan von Holzwickede, aber auch ein Ruhrgebiets-Atlas mit allen eingezeichneten Nebenstraßen sein; im Notfall aber auch ein Kartenausdruck von GoogleEarth, GoogleMaps oder OpenStreetMap. Für private Zwecke können Sie sich gerne auch oben stehende Karte zur Orientierung ausdrucken.

Ausgangspunkt Alleestraße / Goethestraße (51°30'5.36"N, 7°37'5.25"E) vor dem Rathaus. Auf der Alleestraße 170 Meter nach Norden bis zur Kreuzung Bahnhofstraße. Weitere 260 Meter geradeaus unter den zwei Brücken hindurch bis zur Kreuzung Rausinger Straße (51°30'19.36"N, 7°37'2.92"E). Der Straße 1,4 Kilometer bis zum Ende folgen (Wegkilometer 1,8; 51°30'16.05"N, 7°36'2.53"E). Links abbiegen und der Schäferkampstraße auf 1,9 Kilometern über und unter der Bahn folgen bis zum Ende. Links abbiegen und nach 204 Metern rechts in den Luftschachtweg fahren (Beschilderung »Emscherquellhof«). Nach 415 Metern links auf das Gelände des Emscherquellhofes fahren (Beschilderung; 51°29'25.05"N, 7°36'38.79"E). Anschließend rechts bzw. von der Anlage dann geradeaus in die Quellenstraße fahren (Wegkilometer 3,95). Nach 260 Metern links auf die Landskroner Straße. Dieser bergauf folgen bis hinter den Wald, dann in den Waldweg einbiegen (51°29'8.75"N, 7°36'40.34"E). Nach Besichtigung des Hixterwaldes zurück auf die Landskroner Straße und dem Verlauf weiter folgen. Links auf die Lichtendorfer Straße abbiegen. Nach 100 Metern geradeaus in die Wellstraße. Gegenüber der Straße im Schwarzen Adler befindet sich eine Station. Zurück zur Lichtendorfer Straße und dieser über die Autobahn folgen. Es bietet sich an der ersten Straße rechts eine Fernsicht vom Haarstrang über das Ruhrtal an (51°28'56.56"N, 7°37'19.58"E). Der Lichtendorfer Straße weiter folgen bis Hengsen (Wegkilometer 6,5). Im Kreisverkehr geradeaus durch Hengsen und Opherdicke. Nach etwa 1,4 Kilometern liegt rechts das Haus Opherdicke (51°29'18.31"N, 7°38'47.57"E). Zurück nach Opherdicke und an der Kirche rechts in die Holzwickeder Straße (oder gegenüber von Haus Opherdicke in die Alle zum Steinbruch und dann links auf die Holzwickeder Straße). Dieser ca. einen Kilometer folgen bis kurz hinter die Autobahnbrücke. Dahinter rechts in den Wald (51°29'45.16"N, 7°38'2.73"E). Dem Waldweg immer geradeaus bis zum Ende am Freibad folgen (Wegkilometer 10,5; 51°30'14.53"N, 7°38'30.90"E). Dort rechts und sofort wieder links in einen kleinen Pfad, der um das Freibad und über den Parkplatz führt. Am Ende des Parkplatzes rechts in die Straße Massener Heide. Nach 260 Metern links in die Straße Am Stuckenberg (51°30'32.34"N, 7°38'41.89"E). Dieser um die scharfe Kurve am Feldrand folgen und nach 0,9 Kilometern rechts abbiegen in den Waldweg (51°30'42.79"N, 7°38'25.73"E). Nach 150 Metern rechts und zur Holzbrücke (51°30'48.34"N, 7°38'28.21"E). Nach Besichtigung wieder zurück auf die Straße Am Stuckenberg. Rechts nach Westen fahren. An der Bahnunterführung ( 51°30'34.69"N, 7°38'6.98"E) links in die Massener Straße fahren (Wegkilometer 12,85). Achtung: Der Bürgersteig ist als Radweg nutzbar, was an dieser Stelle aber nicht ausgeschildert ist. Eine Anwohnerin wies auf eine erhöhte Unfallgefahr auf der Straße hin! Die nächsten Stationen befinden sich sowieso auf der linken Seite. Nach 600 Metern geradeaus über die Kreuzung Billmericher Weg / Goethestraße. Der Massener Straße weiter 800 Meter folgen bis zur Kreuzung Opherdicker Straße (Wegkilometer 14,3; 51°29'51.05"N, 7°37'51.52"E). Fast exakt einen Kilometer geradeaus fahren bis zum Eingang zum Emscherpark. Der Bürgersteig ist für Fahrräder freigegeben. Die Kirchstraße überqueren, bis nach 16 Wegkilometern der Ausgangspunkt am Rathaus erreicht ist.

Quellen und weitere Informationen:

Der Bergbaurundweg wurde selbst mit dem Fahrrad komplett befahren. Die Eindrücke dieser Tour bilden die Basis für den Artikel. Vertiefende Informationen zu den Stationen sind jeweils aufgestellten Informationstafeln entnommen. Für die Geschichtsdaten des Haus Opherdicke wurde folgender Zeitungsartikel verwendet:

Ohne Autor: Ein Haus voller Geschichte in neuem Glanz. In: Hellweger Anzeiger vom 29.04.2011

Video zum Haus Opherdicke bei YouTube: www.youtube.com
Karte und Teilbeschreibungen des Rundweges: www.ruhrkohlebergbau.de
Industriekultur im Ruhrgebiet

Weitere Bergehalden sind von der Übersichtsseite zu diesem Thema auswählbar. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Halden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden.

Auf der Auswahlseite zur Industriekultur finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten und sehenswerten Zielen im Ruhrgebiet. Betrachtet werden Gebäude oder Gelände wie Zechen, Museen oder technische Besonderheiten.

Halden Ausflugsziele

Angaben zur Anreise mit dem ÖPNV sowie Straßennamen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de • Stand: 02 / 2012