Der Hervester Bruch in Dorsten

Das “Storchenland” im NSG Bachsystem des Wienbachs

In der Heide vor den Toren der Stadt Dorsten im nördlichen Ruhrgebiet lädt ein tiefliegendes Feuchtgebiet mit Bächen, Gräben und Teichen zur Beobachtung einer artenreichen Tierwelt ein. Mehrere Aussichtsplattformen und ein kleiner Aussichtsturm bieten gute Ausblicke auf Weißstorch, Heckrind und viele besondere und selten gewordene Vögel. Das als Hervester Bruch bekannte Gebiet ist Teil des großen Naturschutzgebietes rund um den Wienbach, der von Wulfen kommend bei Dorsten in den Hammbach fließt, um kurz darauf in die Lippe zu münden.

In der Übersichtskarte ist der bekannte östliche Teil des Naturschutzgebietes mit den Beobachtungsstationen rund um den Hervester Bruch eingezeichnet. Die vorgeschlagene gelbe Wegroute führt an diesen Stationen und an zahlreichen Informationstafeln vorbei. Es ist zugleich die einzige Möglichkeit, das Gebiet zu erkunden.

Übersichtskarte Hervester Bruch in Dorsten
Übersichtskarte Hervester Bruch in Dorsten

Die mit Nummernpunkten gekennzeichneten Orte ( 1 bis 3 ) werden im Text näher beschrieben.

Zwischen der Gälkenheide, der Wulfener Heide und der Langen Heide erstreckt sich das Gebiet, das auch als Hervester Bruch bezeichnet wird. „Bruch“ ist die Bezeichnung für eine feuchte Landschaft mit Sumpfflächen. Ein bekanntes Beispiel ist das Oderbruch, das sich bei Frankfurt / Oder an der deutsch-polnischen Grenze erstreckt und 1997 durch ein starkes Hochwasser bekannt wurde. Im Ruhrgebiet kennen wir Ortsnamen oder Straßennamen mit ähnlichen Bezeichnungen wie „Brau(c)k“, zum Beispiel in Gladbeck, oder Broich, zum Beispiel in Mülheim an der Ruhr, Hombruch in Dortmund oder Thabrauck in Fröndenberg. Der Brauckweg am Rande des Gebietes spricht dabei für sich.

Der Hervester Bruch ist das Niedermoor als Bestandteil des insgesamt weit ausgedehnten Naturschutzgebietes. Dieses besteht seit 2005 und ist fast 700 Hektar groß. Es erstreckt sich in drei schmalen Bereichen hoch bis Rhade, Lembeck, Klein Reken und Wulfen. Dabei folgt es verschiedenen Zuläufen zum Wienbach auf etwa 35 Kilometern Länge.

Das Niedermoor Hervester Bruch, das wir uns hier anschauen, bietet zahlreiche Feuchtgebiete, Tümpel und Wassergräben. Größtes Gewässer ist ein kleiner See, der erst in den 1990er Jahren durch Bergsenkungen entstanden ist. Dabei hat sich durch den Abbau der Kohle und des Nebengesteins die Erdoberfläche abgesenkt. In der Nähe befanden sich gleich mehrere Bergwerke – Zeche Fürst Leopold, Zeche Wulfen und Zeche Baldur. Wasser konnte dann irgendwann nicht mehr abfließen und staute sich zu diesem See auf. Ähnliche Bergsenkungsgewässer gibt es im Ruhrgebiet beispielsweise mit dem Pleckenbrinksee oder dem dem Lanstroper See in Dortmund oder dem Radbodsee in Hamm.

Neben der Wasserfläche hat der Hervester Bruch ausgedehnte Röhrichtzonen, in denen Schilfgewächse stehen. In der Mitte der Niedermoor-Landschaft fließt der Hervester Bruchgraben zum Wienbach. Im östlichen Teil jenseits der Landstraße wurden schon Ende der 1980er Jahre kleine Teiche und Tümpel künstlich angelegt.

Eine Herde Wasserbüffel hat es sich an einer Wasserfläche bequem gemacht
Eine Herde Wasserbüffel hat es sich an einer Wasserfläche bequem gemacht
Aussichtsturm mit Rastplatz in der Nähe des großen Bergsenkungsgewässers
1 Aussichtsturm mit Rastplatz in der Nähe des großen Bergsenkungsgewässers

Besondere Tiere haben sich eingestellt und während der Brutzeit kann man gleich an mehreren Standorten aus der Entfernung Storchennester samt Störchen und Nachwuchs beobachten. Auch die Wasserbüffel und Heckrinder sind seit 2004 eine Attraktion, die hier mit stoischer Ruhe dafür sorgen, dass die Pflanzen niedrig gehalten werden und verhindern, dass das Gelände mit dichten Büschen überzogen wird. Mehrere Beobachtungspunkte erlauben mit etwas Geduld gute Blicke auf die Tiere. Sie liegen alle an einer Rundtour von etwa 5,5 Kilometern Länge (je nach Start, Abkürzung in der Mitte möglich).

Von Dorsten kommend stößt man dabei zunächst auf den kleinen 1 Aussichtsturm, der sich neben einem Storchennest befindet. Von ihm aus hat man auch einen guten Blick auf das große Bergsenkungsgewässer. Von hier aus lassen sich auch kleinere Sumpf-, Wat- und Wasservögel beobachten, die hier auch auf der Durchreise rasten oder sogar aus dem hohen Norden kommend überwintern. Man kann mit etwas Glück Lerche, Rohrsänger, Reiher, Bekassine oder Kibitz sehen. Darüber hinaus findet man hier Amphibien und Libellen. Der Rastplatz direkt daneben lädt den menschlichen Besucher zu einer Pause ein. Hier wie an den anderen Stationen findet man Informationstafeln, die sich mit Themen dieser Landschaft beschäftigen.

Nur ein paar Meter entfernt vom Aussichtsturm kann man einen 2 Steg durch das hohe Schilf betreten. Er führt im Zick-zack durch die feuchte Niederung und endet schon bald an einem weiteren Aussichtspunkt. Dieser hat eine Bretterwand, durch die man hindurchgucken kann. So kann man Tiere wie die Wasserbüffel, Heckrinder oder Vögel in Ruhe beobachten, ohne dass diese verschreckt werden. Wenn man sich leise verhält.

Aussichtsplattform am Ende des Schilfsteges mit Rastbank und Informationstafeln
Aussichtsplattform am Ende des 2 Schilfsteges mit Rastbank und Informationstafeln

Folgt man dem “Erlebnispfad” weiter, so gelangt man in den östlichen Teil des Hervester Bruchs jenseits der Landstraße. Hier befinden sich gleich zwei Aussichtspunkte direkt nebeneinander. Der eine hat Sitzbänke und eine Informationstafel, der andere 3 Aussichtspunkt ist sogar überdacht. Beide haben einen guten Blick auf das hoch aufgeständerte Storchennest samt Bewohner. Allerdings ist es recht weit entfernt, sodass das Mitbringen eines Fernglases empfehlenswert ist (siehe Tipp am Ende der Seite).

Zweiter Aussichtspunkt mit überdachtem Unterstand und Informationstafeln
Zweiter 3 Aussichtspunkt mit überdachtem Unterstand und Informationstafeln

Grüne GlücksorteDer Hervester Bruch ist ein “grüner Glücksort” im gleichnamigen Buch von Thomas Dörmann. Unter dem Leitsatz “Geh raus & blüh auf” bietet es 80 Ziele aus den grünen Parks, Halden und Landschaften im Ruhrgebiet: Grüne Glücksorte im Ruhrgebiet*

Informationen zum Besuch:

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Das Naturschutzgebiet ist ständig frei zugänglich.

Im Naturschutzgebiet gelten die üblichen Verhaltensweisen zum Schutz von Tier- und Pflanzenwelt. Hunde sind an der Leine zu führen. Wege dürfen nicht verlassen werden. Camping oder Feuer machen sind nicht erlaubt.

Tipp! Bringen Sie ein Fernglas, einen Feldstecher oder ein Teleobjektiv mit, um die Tiere besser beobachten zu können!

Anreise mit dem Auto: Es stehen nur begrenzt Parkplätze am Rande des Naturschutzgebietes zur Verfügung. An sonnigen Wochenenden während der Brutzeit der Störche muss man damit rechnen, dass diese Plätze rasch belegt sind. Ich empfehle daher die Anreise mit dem Fahrrad oder als Spaziergang aus der Richtung Zeche Fürst Leopold.

Auf der A52 aus Richtung Essen bis zur Ausfahrt 45 Dorsten-Ost und weiter auf der L608. Aus Richtung Marl bis zur Ausfahrt 46 Marl-Frentrop und dort rechts auf die Dorstener Straße, dann nach 1 km links auf die L608 Richtung Wulfen. Entweder…

► Nach der Kanal- und Lippebrücke die nächste Ausfahrt rechts abfahren und rechts abbiegen auf die Halterner Straße. Nach 2,6 km im Kreisverkehr rechts auf die Fürst-Leopold-Allee und im Bereich der Zeche parken. Zu Fuß in die Straße An der Wienbecke, im Kreisverkehr rechts und nach der Bachüberquerung rechts in die Gälkenheide (Fußweg von der Zeche ca. 2,4 km bis zum Hervester Bruch).

Alternativ von der L608 links abbiegen auf die Halterner Straße. Kurz darauf links im Weg auf kleiner Parkfläche parken.

Alternativ rechts abbiegen auf die Halterner Straße und an der nächsten Kreuzung rechts in die Alte Hervester Straße. Hinter dem Bahnübergang befindet sich ein kleiner Parkplatz (siehe Symbol in der Karte)

► weiterfahren und an der nächsten Kreuzung nach ca. 2,2 km links abbiegen auf die Straße An der Wienbecke. Nach 2 km links in die Straße Gälkenheide und auf dem kleinen Parkplatz parken (siehe Symbol in der Karte)

Zieleingabe ins Navigationssystem: Gälkenheide oder Alte Hervester Straße in Dorsten

Anreise mit Bus und Bahn: Von Essen Hbf. oder Coesfeld mit RE 14 bzw. RB 45 bis Hervest-Dorsten. Alternativ von Dortmund Hbf. mit der RB 43 bis Dorsten und mit RE 14 oder RB 45 weiter bis Hervest-Dorsten. Den Bahnsteig verlassen und rechts halten und unter der Brücke in die Straße An der Wienbecke. Dem Links- und dem folgenden Rechtsbogen folgen, dann links zum Kreisverkehr. Hier rechts und auf dem straßenbegleitenden Weg weiter. Hinter dem Bach rechts in die Straße Gälkenheide bis zum Beginn des Naturschutzgebietes (ca. 2,7 km). Hinweis: Bis zum zweiten Storchennest sind weitere 2 km Weg zu bewältigen!

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Die Römer-Lippe-Route in Dorf Hervest verlassen und weiter auf der Dorfstraße immer geradeaus weiter. Diese geht in einen Weg über und überquert die Bahn. Anschließend befinden wir uns im Naturschutzgebiet.

Kartenmaterial / Literatur: In den dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind zur Vertiefung empfohlen. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

   

Geographische Koordinaten:
51°41’17.30″N, 7°00’21.40″E – Aussichtsturm
51°41’19.46″N, 7°00’23.02″E – Aussichtspunkt Schilfsteg
51°41’13.58″N, 7°01’08.69″E – Überdachter Aussichtspunkt Ost
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
362164 m, 5728235 m – Aussichtsturm
362197 m, 5728301 m – Aussichtspunkt Schilfsteg
363069 m, 5728095 m – Überdachter Aussichtspunkt Ost

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.