Der Pleckenbrinksee und das Wickeder Ostholz in Dortmund
Dass der Bergbau auch Jahrzehnte nach seiner Aufgabe noch Auswirkungen auf die Landschaft und die Menschen haben kann, zeigt der Pleckenbrinksee im Dortmunder Stadtteil Wickede besonders anschaulich. Das Gewässer entstand nicht als klassischer Baggersee oder künstlich angelegter Parksee, sondern ist eine Folge der Veränderungen, die der Steinkohlenbergbau tief unter der Erdoberfläche hinterlassen hat. Gleichzeitig verdeutlicht der See, wie stark Teile des Ruhrgebiets bis heute von dauerhaft betriebenen Pumpwerken abhängen, um Gebäude, Straßen und Siedlungen vor ansteigendem Grund- und Oberflächenwasser zu schützen.
Der Pleckenbrinksee ist jedoch mehr als nur ein technisches oder geologisches Zeugnis der Bergbaugeschichte. Inzwischen hat sich das Gewässer zu einem kleinen Naturraum entwickelt, in dem Wasservögel, Schilfzonen und offene Wasserflächen das Bild prägen. Besonders reizvoll wird der Ausflug in Verbindung mit einem Spaziergang durch das benachbarte Wickeder Ostholz. Das kleine Waldgebiet liegt unmittelbar an der Stadtgrenze zu Unna und bietet ein ruhiges Wegenetz fernab größerer Ausflugsziele. Hier wartet mit dem Wickeder Waldsee eine weitere Wasserfläche, die sich inmitten des Waldes gebildet hat. Stellenweise verläuft der Weg saisonal sogar zwischen Wasserflächen hindurch und sorgt für ungewohnte Perspektiven in einem ansonsten eher unscheinbaren Stadtwald.

Die Kombination aus Bergbaugeschichte, Senkungsgewässern, Waldwegen und naturnahen Uferbereichen macht den Spaziergang zu einer interessanten Entdeckung am äußersten Osten Dortmunds – in einer Landschaft, die ihre Entstehungsgeschichte erst auf den zweiten Blick preisgibt.
Zunächst wird der See, im weiteren Verlauf auch das Wickeder Ostholz mit dem Waldsee vorgestellt.
Der Pleckenbrinksee – Wie aus einem Maisfeld ein großes Feuchtbiotop wurde
Mitten in einer bewirtschafteten Ackerfläche in der Alten Rott nördlich von Dortmund Wickede, unweit der Grenze zum Kreis Unna, befindet sich bereits seit etwa den 1930er Jahren (in Topographischen Karten der 1950er Jahre schon eingezeichnet) eine sanfte Geländesenke, eine mehrere Meter tiefe, trichterförmige Bergsenkung über Abbaugebieten der längst geschlossenen Zeche Massener Tiefbau. Ein Drainagesystem und eine Pumpe sorgten über Jahrzehnte für die zuverlässige Abführung von Grund- und Regenwasser, nachdem es anscheinend bereits um 1930 zu einer kleineren Gewässerbildung kam. Bis diese Entwässerung im Jahr 2007 offenbar plötzlich und endgültig ausfiel.
Zu diesem Zeitpunkt begann das Maisfeld zunächst zu versumpfen, ehe sich in kürzester Zeit ein kleiner Teich und später ein beachtlicher See mit einer Ost-West-Erstreckung von heute über 400 Metern und ca. 1,50 Metern Tiefe entwickelte. Die folgende Abbildung zeigt den Pleckenbrink vor und nach Entstehung des Sees in den 2000er Jahren. Mit der Maus oder dem Finger kann je nach Gerät interaktiv zwischen der historischen und der aktuellen Situation gewechselt werden. Das kleine Wäldchen jeweils am oberen Bildrand liegt bereits im Kreis Unna:
Überraschenderweise siedelten sich äußerst rasch Wasservögel an, die zum Teil auf der Roten Liste stehen. Schon früh führte man Diskussionen zum Erhalt dieses neuen Biotops. Zur Sicherung des Bergsenkungsgewässers, das fortan nach der alten Flur- oder Gehöftbezeichnung Pleckenbrink – auch die Straße trägt diesen Namen – als Pleckenbrinksee bezeichnet wurde, musste eine unter dem neuen See verlaufende Gasleitung (in den beiden oben abgebildeten Orthofotos als Diagonale sogar recht gut zu erahnen) unter letztmaligem Abpumpen des Wassers ertüchtigt werden gegen Auftrieb. Das Gebiet stellte man unter Naturschutz und schränkte die Zugänglichkeit ein. Seitdem gehört der See zum benachbarten Naturschutzgebiet Wickeder Ostholz.

















Geschützte Landschaft
Der Pleckenbrinksee lässt sich vollständig zu Fuß umrunden über ruhige Nebenstraßen und Wald- und Wiesenwege auf einer Länge von etwa 1,6 Kilometern. Im Abstand von maximal 50 bis 100 Metern vom Gewässer können dabei die zahlreichen Wassertiere wie Gänse und Enten, aber auch Frösche, Molche, Libellen, Kiebitze, Ammern oder Rotschwänze beobachtet werden. Wege darf man im Naturschutzgebiet nicht verlassen, um Tiere nicht zu stören. Eine Nutzung des Sees für Spiel oder Sport ist nicht erlaubt.
Im Frühling und Sommer blüht das Naturschutzgebiet auf und viele Wiesenpflanzen und solche an Acker-Rändern zeigen sich prächtig. Darunter Mohn oder Kamille.












Der Waldsee im Wickeder Ostholz
Wer den Pleckenbrinksee besucht, kann den Ausflug problemlos mit einem Spaziergang durch das benachbarte Wickeder Ostholz verbinden. So entsteht eine rund fünf Kilometer lange Runde, die deutlich mehr Abwechslung bietet als der kurze Abstecher zum See allein. Besonders für alle, die nicht nur auf dem Körneweg mit dem Fahrrad vorbeikommen, lohnt sich die Erweiterung.
Das Wickeder Ostholz liegt am östlichen Rand von Dortmund unmittelbar an der Stadtgrenze. Hinter den Bäumen beginnt bereits Unna-Massen im Kreis Unna. Viel weiter nach Osten kommt man innerhalb des Stadtgebiets kaum noch. Das Waldgebiet selbst ist überschaubar und verfügt über ein recht einfaches Wegenetz. Gerade dadurch wirkt es angenehm ruhig und eignet sich gut für einen kurzen Spaziergang ohne große Orientierungssuche.






Eine kleine Überraschung wartet im südlichen Teil des Waldes. Dort hat sich der Wickeder Waldsee gebildet, ein weiteres Gewässer, das heute fest zum Landschaftsbild gehört. In der Nähe der Baedekerstraße und eines Spielplatzes führt der Weg stellenweise zwischen Wasserflächen hindurch. Rechts und links begleiten Schilf, Ufervegetation und spiegelnde Wasserflächen den Spaziergang. Die Szenerie erinnert ein wenig an die Abschnitte am Pfingstsee in der Kirchheller Heide, wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab.
Hinweis: Das Erscheinungsbild des Waldsees und der Wasserpegel können sich saisonal ändern. Es wird über ein teilweises ständiges Ableiten von Wasser in den Bach diskutiert.
Gemeinsam mit dem Pleckenbrinksee zeigt sich hier eine Seite Dortmunds, die viele eher am Stadtrand großer Waldgebiete oder in ehemaligen Bergbaulandschaften vermuten würden. Zwischen Wohnbebauung, Stadtgrenze und Wald haben sich zwei Gewässer entwickelt, die dem Gebiet einen überraschend naturnahen Charakter verleihen und einen kurzen Spaziergang deutlich interessanter machen.












Informationen zum Besuch:
Die Wege rings um den Pleckenbrinksee sind ständig frei zugänglich. Wie im Text beschrieben ist eine weitere Annäherung untersagt. Es gelten die üblichen Verhaltensregeln in Naturschutzgebieten. Der Kurler Busch ist ein auf Wegen begehbarer Wald. Auch dieser ist Teil eines Naturschutzgebietes.
Der kleine See liegt in der Nähe des Körne-Radwegs zwischen Kamen und Dortmund. Damit ist ein Besuch im Rahmen einer großen Radtour denkbar.
Anreise mit dem Auto:
Auf der B1 als Verlängerung der A40 aus Richtung Dortmund und der A44 aus Richtung Kassel bis zur Ausfahrt Holzwickede. Aus Richtung Unna rechts, aus Richtung Dortmund links abbiegen auf die Nordstraße Richtung Flughafen Dortmund. Nach ca. 300 m die Zweite rechts abbiegen auf die Chaussee Richtung Unna (nicht geradeaus in das Flughafenparkhaus fahren). Nach ca. 1 km an der Ampel links abbiegen in die Zeche-Norm-Straße Richtung Wickede. Die Straße umrundet die Landebahn. An der abknickenden Vorfahrt dem Straßenverlauf rechts weiter folgen und unter der Bahn hindurch bis zur großen Kreuzung fahren. Hier links abbiegen auf den Wickeder Hellweg und kurz darauf rechts abbiegen in die Straße Pleckenbrink.
Da direkt am See Parken nicht möglich ist und Nebenstraßen vor Ort für Durchfahrt gesperrt sind, sollte man in dieser Straße etwa im Bereich der Kreuzung Rauschenbuschstraße am Rand parken. Linkerhand befinden sich im Abstand mehrere Parkplätze einer Kleingartensiedlung. Zu Fuß dem Straßenverlauf bis zur Westspitze des Sees folgen. Ein weiterer Verbindungsweg bei Parken in der Siedlung besteht am Spickmannweg östlich Hausnummer 60 und westlich von Hausnummer 2 der Baedekerstraße.
Einen Zugang zum Ostholz gibt es auch vor dem Kindergarten an der Bushaltestelle Baedekerstraße.
Zieleingabe ins Navigationssystem: Pleckenbrink, Nähe Kreuzung Rauschenbuschstraße in Dortmund
Anreise mit Bus und Bahn:
Von Unna oder Dortmund-Stadthaus (von Dortmund Hbf. mit der U-Bahn Richtung Hacheney, Aplerbeck, Hörde oder Westfalenhallen erreichbar) mit der S-Bahn S4 bis Dortmund-Wickede West. Von dort mit dem Bus der Linie 428 Richtung Baedekerstraße bis Spickmannweg (zu Fuß in den Spickmannweg und rechts von Hausnummer 60 den Weg zum See gehen) oder Baedekerstraße (Endstation; zu Fuß rechts von Hausnummer 32 am Spielplatz vorbei und durchs Naturschutzgebiet; sofort links und hinter dem Wäldchen rechts zum See). Die Fahrtzeit mit dem Bus beträgt zehn Minuten.
Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike:
Der Körne-Radweg führt in der Nähe vom Pleckenbrinksee sowie am Ostholz vorbei. Es ist ein Abstecher von 5 bis 10 Minuten Fahrzeit möglich.
Kartenmaterial / Literatur:
In den folgenden gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die der See bzw. die Region abgebildet: ADFC Regionalkarte radrevier.ruhr Ost* (1:50.000), Kompass Fahrradkarte Ruhrgebiet / Bergisches Land* (1:70.000) sowie Kompass Wanderkarte Ruhr* (2 x 1:35.000).
Diese thematisch passenden Bücher empfehle ich zur Vertiefung: 52 kleine & große Eskapaden im Ruhrgebiet: Ab nach draußen!*
Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung
Geographische Koordinaten: 51°32’54.5″N, 7°37’03.9″E
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von beispielsweise GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32): 404158 m, 5711725 m
Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.
In GoogleEarth lässt sich mit Verstellen des Zeitschiebers die Situation vor und während der Seebildung darstellen!