Unter den Füßen: Die schönsten Kanaldeckel im Ruhrgebiet
Wer durch das Ruhrgebiet spaziert, schaut meist nach vorne auf Fördergerüste, Rathäuser, Industriebauten oder historische Altstädte. Manchmal lohnt sich jedoch ein Blick nach unten – und das nicht nur, um ein Stolpern zu verhindern, wenn Gehwegplatten mal wieder hochstehen oder Schlaglöcher im Asphalt des Bürgersteigs sind.
Zwischen Pflastersteinen auf Marktplätzen und in Fußgängerzonen verbergen sich mancherorts kleine Kunstwerke aus Gusseisen. Nicht überall, aber an einigen Orten zeigen Kanaldeckel, Schachtabdeckungen oder sogenannte Schmuckdeckel Stadtwappen, Wahrzeichen oder historische Motive. Sie erzählen von der Geschichte ihrer Städte, erinnern an Industrie und Handwerk oder setzen einfach einen besonderen Akzent im Stadtbild.
Ein Selfie mit den Füßen auf derartigen Kanaldeckeln kommt an Selbstbildnisse mit Ortstafeln heran. So wie im ersten Beispiel aus Dresden, direkt vor der bekannten Frauenkirche. Hier ist das Stadtwappen der sächsischen Landeshauptstadt als Relief im Kanaldeckel eingebaut.


Wer einmal damit beginnt, auf Kanaldeckel zu achten, wird überrascht sein, wie unterschiedlich sie gestaltet sind. Plötzlich tauchen Wappen, Schriftzüge, historische Symbole oder kunstvolle Ornamente auf.
Schmuckdeckel in Deutschland
Die folgenden Beispiele sind zunächst quer durch Deutschland gefunden und fotografiert worden. Sie stammen aus Hamburg, Bad Zwischenahn, Erfurt, Bamberg, Hildesheim, Freiburg im Breisgau, Bremerhaven, Bremen, Lübeck, Westerstede, Salzburg und Niendorf. Es ist eine Auswahl besonders interessanter oder markanter Kanaldeckel.












Ein oder mehrere Fußpaare im Bild sind übrigens völlig beabsichtigt und beweisen die Anwesenheit an diesem Ort. Die Person hinter einigen der Füße hat mich überhaupt auf das Thema gebracht. Zuvor habe ich – wie vermutlich viele andere auch – diese Deckel nicht beachtet.
Warum sind Kanaldeckel eigentlich rund?
Ein runder Kanaldeckel hat einen entscheidenden Vorteil: Er kann nicht in den Schacht fallen. Egal wie man ihn dreht oder kippt – sein Durchmesser bleibt immer größer als die Öffnung. Bei einem quadratischen Deckel wäre das anders. Würde man ihn diagonal stellen, könnte er unter Umständen durch die Öffnung rutschen. Außerdem lassen sich runde Deckel leichter bewegen. Sie können auf der Kante gerollt werden, was bei den oft mehr als 50 Kilogramm schweren Gussdeckeln die Arbeit erleichtert. Nicht zuletzt verteilen sie den Druck des Verkehrs gleichmäßig auf den Schachtring.
Literatur-Tipp:
In einem Buch werden tausende Kanaldeckel aus aller Welt* gesammelt – für wen die aus dem Ruhrgebiet zu wenige sind. Auch interessant im Zusammenhang mit Kanalisation: 222 unnütze Fakten über Abwasser: Die geheime Welt unter unseren Füßen.*
Weil unter den Lesenden auch Karten-Liebhaber sind: 65 Karten über Kacke: Über unbekannte Geschäfte und unangenehme Wahrheiten*
Kunstwerke aus Eisen mit Wappen und Symbolen im Revier
Anders als die oft anonymen Standarddeckel sind diese Exemplare unverwechselbar. In Dortmund blickt der Adler des historischen Stadtwappens aus dem Pflaster. In Lünen wacht der Löwe aus dem Stadtwappen über die Fußgängerzone. Bottrop, Hattingen, Hagen oder Olfen setzen ebenfalls auf individuell gestaltete Deckel, die lokale Geschichte und Identität sichtbar machen.
Besonders passend erscheint dies im Ruhrgebiet. Schließlich war die Region über Jahrzehnte ein Zentrum der Eisen- und Stahlindustrie. Viele Kanaldeckel stammen aus Gießereien, deren Namen bis heute in den Gussteilen verewigt sind. Selbst dort, wo kein Stadtwappen zu sehen ist, werden die Deckel damit zu kleinen Zeugnissen der Industriegeschichte.













Anders als Denkmäler oder Wahrzeichen drängen sich diese Kunstwerke nicht in den Vordergrund. Wer sie entdecken möchte, muss den Blick senken und vielleicht auch ein bisschen danach suchen. Gerade das macht ihren Reiz aus. Sie liegen unscheinbar im Alltag und werden doch täglich von Tausenden Menschen überquert.
Warum haben viele Kanaldeckel überhaupt Muster?
Die erhabenen Muster dienen nicht nur der Dekoration. Sie sorgen für mehr Griffigkeit bei Nässe (Regen, Schnee und Eis) und erhöhen gleichzeitig die Stabilität des Gusseisens.
Die folgende Karte markiert Orte, von denen mir Motiv-Schachtdeckel bekannt sind. Diese können sich in mehreren oder auch nur einem einzigen Exemplar in der Stadtlandschaft darstellen.

Kennen Sie noch weitere Beispiele? Gerne nehme ich diese in der Karte und nach einem Besuch vor Ort als Foto auf dieser Seite auf. Melden Sie sich gerne per E-Mail über die Kontaktseite.
Kanaldeckel in direkter Nachbarschaft in Nordrhein-Westfalen
Aber auch rings um das Ruhrgebiet, direkt in der Nachbarschaft, gibt es derartige Kanaldeckel. Beispielsweise in Münster, Velbert, Köln, Wuppertal oder Altena, insbesondere oben auf der Burg Altena.








Einige der Fotos stammen von Ramona K. und von Tanja M.. Vielen Dank, dass die Bilder an dieser Stelle gezeigt werden können.