Alleenradweg in der Uelzener Heide / Mühlhauser Mark

Von schattenspendenden Bäumen eingerahmt verläuft der Alleenradweg auf der alten Eisenbahntrasse von Unna bis Welver. Sogar die englische Königin Elisabeth war schon hier unterwegs, als noch Züge fuhren. Heutige Besucher sind weniger prominent, aber zahlreich und statt auf stählernen Spurkränzen auf gummibereiften Fahrrädern unterwegs, von Pedalen getreten oder von summenden Elektromotoren der Pedelecs unterstützt. Etwa 9 Kilometer lang ist die Strecke im Ruhrgebiet bis zur Grenze des Kreises Unna. Weitere 11 Kilometer sind es dann nochmal auf dem Gebiet der Stadt Hamm und des Kreises Soest und bis zum Endpunkt in Welver.

Mit der Uelzener Heide / Mühlhauser Mark wird dabei ein besonderes Naturschutzgebiet durchquert, das durch seine besondere Vielfalt von Acker- und Wiesenflächen, Feldhecken, kleinen Wäldern und zahlreichen kleinen Bächen auffällt. Radweg und Heide werden hier näher vorgestellt.

In der folgenden Karte ist der Alleenradweg pink mit Kilometrierung vom Ausgangspunkt in Unna bis zum Ziel in Welver markiert. Außerdem sind der Sesekeweg, der RadKreisUnna und die Salzroute Salzkotten-Unna eingetragen. All diese Wege können für eine eigene Tourenplanungen größerer Rad-Runden genutzt werden. Zur Orientierung sind auch Bahnhöfe an unterschiedlichen Bahnstrecken in der Nähe der Radwege markiert.

Übersichtskarte Alleenradweg Unna-Welver

In diesem Beitrag wird neben dem Bahntrassenradweg auch die Uelzener Heide beziehungsweise Mühlhauser Mark näher vorgestellt.

Anreise mit dem Auto:

Auf der A44 Dortmund-Kassel bis zur Ausfahrt 53 Kreuz Unna-Ost und dort auf die B233 Richtung Unna abbiegen. Dann im Kreisverkehr links abbiegen und an der Ampel rechts auf die B1 Richtung Soest. Danach links abbiegen und nach der Kurve rechts auf die Morgenstraße. Am Ende rechts auf den Ostring und später den Tunnel durchqueren. Dahinter rechts abbiegen Richtung Königsborn. Dann im Kreisverkehr rechts in die Viktoriastraße und im nächsten Kreisverkehr links auf die Hammer Straße. Nach ca. 2 km liegt schließlich an der Fußgängerampel der Beginn des Radweges. Parkplätze befinden sich in begrenzter Zahl am Tierheim.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Hammer Straße 117 in Unna (Tierheim)

Anreise mit Bus und Bahn:

Idealerweise direkt zum Bahnhof Königsborn (S-Bahn), der von der Linie S4 aus Dortmund (Stadthaus, Dorstfeld) und Unna erreicht wird. Von dort auf der Hubert-Biernat-Straße in östlicher Richtung bis zur Hammer Straße, dort rechts und an der Ampel auf den Alleenradweg.

Alternativ zum Bahnhof Unna und dort dem Radverkehrsnetz und Knotenpunktsystem in den Kurpark folgen und am Bahnhof Königsborn rechts abbiegen auf die Hubert-Biernat-Straße. Am Ende links auf die Hammer Straße und dann an der Fußgängerampel auf den Alleenradweg abbiegen.

Der Endpunkt in Welver wird von der RB 89 zwischen Soest und Hamm erreicht. Über diese Bahnhöfe ist auch Unna erreichbar.

Anreise mit dem Fahrrad:

Von der Hellwegroute, dem RadKreisUnna und der Salzroute bestehen Umsteigemöglichkeiten auf den Alleenradweg. Langfristig ist auch ein Anschluss an den zukünftig am Bahnhof Königsborn vorbeiführenden Radschnellweg RS1 vorgesehen.

Ziemlich genau in der Mitte liegt der Ausgangspunkt des Seseke-Weges. Kurz vor Welver wird die Route Historische Stadtkerne gekreuzt.

Tipp! Am Bahnhof Unna kann an der Radstation der DasDies Service gGmbH, ein Integrationsunternehmen der Arbeiterwohlfahrt, ein Fahrrad (auch E-Bike) und ggf. Kinderanhänger gegen Gebühr geliehen werden. So könnte eine umständliche Anreise mit eigenen Fahrrädern entfallen. Unbedingt vorher reservieren. Die Buchung geht auch online: www.dasdies.de

Kartenmaterial / Literatur:

In den dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind außerdem zur Vertiefung empfohlen. Mit Klick auf die jeweiligen Titel gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

   

InformationKoordinaten für GPS-Geräte oder zur Tourenplanung finden Sie am unteren Ende der Seite.

Zuvor ein wenig geschichtlicher Hintergrund zur Eisenbahnstrecke

Die Westfälische Emschertalbahn verbindet Welver mit Oberhausen-Sterkrade und verläuft ab Unna durch das Ruhrgebiet. Die zweigleisige Trasse wurde 1876 eröffnet. Unter großer Begeisterung der Bevölkerung hat 1965 die englische Königin Elisabeth II. (1926-2022) am Bahnhof Bramey-Lenningsen ihrem Zug übernachtet – noch heute erzählen Anwohner davon. Im Jahre 1968 wurde der Teil zwischen Unna und Welver stillgelegt, der westliche Teil bis Dortmund jedoch zu einer S-Bahn ausgebaut. Hier fährt daher heute die S4 zwischen Unna und Lütgendortmund.

Der westliche Teil bis Lenningsen, also etwa in der Mitte der Gesamtstrecke, wurde schon in den 1970er Jahren zu einem (nicht asphaltierten) Rad- und Wanderweg. Erst 2015 wurde der gesamte Weg jedoch in moderner Form und heutigem Erscheinungsbild eröffnet. Seitdem ist er durchgehend asphaltiert, hat neue Brücken und Sitz- und Rastmöglichkeiten. An verschiedenen Stellen bieten sich Möglichkeiten der Einkehr in Hofcafés oder Gutshöfen. Bis auf kleine Ausnahmen ist der Verlauf sehr eben und ohne steilen An- oder Abstiege, was dem Charakter der alten Bahnstrecke entspricht.

Radfahren auf dem Alleenradweg

Am Bahnhof von Königsborn ist heute das Ende der Westfälischen Emschertalbahn, die einst zwischen Oberhausen und Welver verlief. Der Bahnhof ist ein Sackbahnhof, in dem die S-Bahnen S4 zwischen Dortmund-Lütgendortmund und Unna die Richtung wechseln müssen. Westlich von Königsborn teilt sich die Strecke auf und führt als kleine Verbindungskurve nach Unna. Von hier aus führte die Bahnstrecke weiter bis Welver. Das Streckenende in Welver, einem eher unbekannten Ort, begründet sich mit dem dortigen Anschluss an die Bahnstrecke von Hamm nach Soest und weiter über Paderborn nach Kassel.

Vom Kreis-Tierheim zum Bahnhof, an dem schon die Queen übernachtet hat

An der Fußgängerampel an der Hammer Straße beginnt der Radweg. Eine Informationstafel, nach einigen Metern rechts, zeigt den Streckenverlauf mit Rastplätzen und Sehenswürdigkeiten an der Strecke.

Bald verläuft der ehemalige Bahndamm hoch über landwirtschaftlichen Flächen. Rechts und links spenden Bäume Schatten, sodass man auch im Sommer fast durchgängig wie in einem belaubten Tunnel zwischen den sonst sehr sonnebeschienenen Feldern fährt. Der Alleenradweg macht daher seinem Namen alle Ehre.

Einzelne alte Bahnbrücken über Feldwegen und Bäche sind allerdings durch leichte Neubauten aus Holz ersetzt. Immer wieder gibt es Rastplätze mit Tischen und Bänken.

Einer von vielen Rastplätzen und eine neue Brücke im Wegeverlauf des Alleenradweges Unna-Welver (Blick zurück)
Einer von vielen Rastplätzen und eine neue Brücke im Wegeverlauf des Alleenradweges Unna-Welver (Blick zurück)

Nach den ersten zwei Kilometern kreuzt die alte Trasse schließlich die durchaus stark befahrene Bahnstrecke zwischen Unna und Hamm. Allerdings ist die Brücke über diese Strecke abgerissen. Wir verlassen den Bahndamm, folgen rechts der Heerener Straße ein kurzes Stück und biegen hinter dem Bahnübergang wieder links ab. Weiter geht es nun wie zuvor hoch oben zwischen schattigen Bäumen auf ebener Strecke. Dort fahren wir durch das Naturschutzgebiet Uelzener Heide / Mühlhauser Mark, das wir jedoch bald wieder verlassen. Es wird weiter unten näher vorgestellt.

Rund vier Kilometer lang zieht sich die Trasse durch die flache Börde. Inzwischen ist der Bahndamm allerdings nicht mehr so hochgelegen wie am Anfang. Es ergeben sich trotzdem schöne Blicke in die Landschaft und bald ist linksseitig der auffällige Förderturm „Ostpol“ der Zeche Königsborn zu sehen.

Von Bramey-Lenningsen zum Treffpunkt Sesekeweg

Alte Radsätze einer Lok sind in Lenningsen ein Denkmal für die Eisenbahn. Ein altes Formsignal steht neben dem ehemaligen Bahnhofsgebäude, in dem heute ein Kindergarten untergebracht ist. Hier im Bahnhof hat die englische Königin Elisabeth II. im Jahre 1965 in ihrem Zug übernachtet. Das Bahnhofsgebäude ist zugleich Ortsmittelpunkt.

Weiter auf der Trasse liegt auf der rechten Seite ein wunderschöner Themenspielplatz mit Eisenbahn-Elementen. Der Alleenradweg wird vom Gnadenweg gekreuzt, der Zubringer zu einem Hofcafé auf einem Erdbeerhof in der Nähe ist. Nach etwas mehr als einem Kilometer würde der Radweg die Kreisgrenze erreichen. Weiterhin schnurgerade wird der äußerste Süden von Hamm durchschnitten, ehe es erneut über eine Grenze in den Kreis Soest geht. Teilweise muss die Pentlinger Straße neben dem Bahndamm genutzt werden, ehe es weiter als Radweg an Wambeln vorbei geht. Dabei wird auch der ehemalige Bahnhof Allen passiert.

Kurz vor Welver ist die Bahntrasse „naturbelassen“ und zugewachsen. Der Alleenradweg schwenkt auf das örtliche Straßennetz um und macht einen kleinen Zickzack durch Scheidingen und Meyerich. Schließlich ist das Ziel am Bahnhof Welver nach 21 Kilometern erreicht.

Am Gnadenweg, wo sich früher die östliche Bahnhofsausfahrt von Lenningsen befunden hat, kann man den Alleenradweg nach links verlassen. Ein nur wenige hundert Meter kurzer Feldweg führt zum sogenannten “Treffpunkt Sesekeweg“. Hier beginnt der Themenradweg, der entlang der Seseke bis zu ihrer Mündung in die Lippe bei Lünen folgt.

InformationKoordinaten zur Tourenplanung und GPS-Geräte finden Sie ganz unten.

Quellen und weitere Informationen:

Bahntrassenradeln von Achim Bartoschek: www.bahntrassenradeln.de

Die Uelzener Heide / Mühlhauser Mark

Bereits kurz nach Beginn des Radweges am Tierheim an der Hammer Straße durchquert der Alleenradweg auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Unna und Welver das Naturschutzgebiet Uelzener Heide / Mühlhauser Mark, das sich bis zu den namensgebenden Orten Uelzen und Mühlhausen sowie bis kurz vor Nordlünern und Heeren-Werve erstreckt. Es wurde erst 2008 unter Schutz gestellt und ist fast 200 ha groß.

Was sich auf dem ersten Blick als womöglich langweiliges Ackerland darstellt, ist bei näherer Betrachtung eine überraschend abwechslungsreiche Landschaft, die man sehr gut zu Fuß, aber auch auf dem Fahrrad und zu jeder Jahreszeit erkunden kann.

Bäume und Felder in der Uelzener Heide / Mühlhauser Mark in Unna
Bäume und Felder in der Uelzener Heide / Mühlhauser Mark in Unna
Uelzener Heide / Mühlhauser Mark in Unna

Hier wechseln sich kleine Waldflächen, Feldhecken und Weiden sowie auch einige landwirtschaftlich genutzte Flächen auf kleinstem Raum häufig ab. Gerade Feldhecken und Waldränder sind von Tieren häufig genutzte Bereiche und daher wertvolle Elemente im Naturschutzgebiet.

Ausgehend von einigen Quellen im Süden bei Mühlhausen gibt es Bäche, Sumpfzonen und zeitweise austrocknende Teiche, sogenannte Blänke. Dort findet man Röhrichtpflanzen und Kopfweiden vor. Man kann außerdem Ausschau nach Mistelzweigen in Bäumen halten, die hier in Unna und Bönen im Vergleich zur übrigen Bundesrepublik ganz besonders häufig vorkommen – warum, weiß man allerdings nicht so genau.

Gutshof inmitten der Heide in Unna
Gutshof inmitten der Heide in Unna

Ein Spaziergang durch das Naturschutzgebiet

Sowohl von der Bahntrasse als auch von verschiedenen kleinen Wanderparkplätzen wie an der Schwertlacke in Uelzen kann man das Gebiet sehr schön wandernd oder auf dem Rad durchqueren. Die Bahntrasse selbst verläuft erhöht auf einem bewaldeten Damm durch das Schutzgebiet, das man von dort aus nur begrenzt anschauen kann. Man hat von allen übrigen Pfaden und Wegen einen schönen Blick über die weiten Felder, die immer wieder von Hecken und kleinen Wäldchen oder Streuobstwiesen unterbrochen sind.

Bäume und Wiesen in der Uelzener Heide in Unna
Felder und Bäume der Heide in Unna im Herbst
Felder und Bäume der Heide in Unna im Herbst

Zu jeder Jahreszeit präsentiert sich die Mühlhauser Mark anders – im Frühjahr mit zarten Blättchen und Ackerpflanzen, im Sommer mit blühenden Hecken und Feldern, im Herbst mit gewaltiger Farbenpracht, reifen Äpfeln und Birnen und vielleicht letzten Feldfrüchten. Mit etwas Glück sieht man an den Feldhecken und Wiesen Tiere wie Rebhühner oder Fasane.

Ganz im Norden der Uelzener Heide befindet sich außerdem noch ein Bodendenkmal. Es sind allerdings nur noch Reste der ehemaligen Gräfte des alten Wasserschlosses Haus Heide, das 1966 abgerissen wurde, die als Teiche vorhanden sind. Informationstafeln erläutern das Gelände, Pfosten markieren den Standort der alten Gebäudeecken. 

Tipp! Ein schöner Rundgang durch die Mühlhauser Mark und Uelzener Heide ist im Buch Wanderungen für die Seele – Ruhrgebiet* vorgeschlagen. Optional kann dieser direkt am Bahnhof Unna beginnen.

Informationen zum Besuch:

Parkplätze gibt es an der Schwertlacke, Kreuzung Steimanns Hof, an der Heerener Straße bei Haus Nr. 170 / 172 sowie in den Ortschaften von Lünern, Uelzen und Mühlhausen. Der nächstgelegene Bahnhof ist in Unna, der allerdings etwa 3 km entfernt liegt.

Es gelten die üblichen ruhigen Verhaltensweisen in Naturschutzgebieten. Insbesondere das Stören von Tieren und das Verlassen der Wege ist verboten.

Tipp des Autors:

Die Tour auf der Bahntrasse oder in der Mühlhauser Mark kann gut mit anderen Zielen in der Region kombiniert werden. In Unna bietet sich der Besuch des Zentrums für Internationale Lichtkunst in der Lindenbrauerei an. Der Kurpark ist ein altes Relikt der Saline Unna und kann bei der Durchquerung im Rahmen der Anreise näher auf seine wenigen Hinweise darauf untersucht werden. In Lenningsen ist ein Abstecher zum Kirchplatz Flierich lohnenswert. Der Ostpol in Bönen ist ein Wahrzeichen und ehemaliger Förderturm auf dem Gelände der Zeche Königsborn.

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung:

Geographische Koordinaten:
51°33’11.57″N, 7°41’21.29″E – S-Bahnhof Königsborn
51°33’21.95″N, 7°42’10.79″E – Ausganspunkt Hammer Straße Unna
51°34’32.92″N, 7°47’21.80″E – Bahnhof Lenningsen
51°36’58.90″N, 7°57’20.03″E – Zielpunkt Bahnhof Welver
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von zum Beispiel GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
409124 m, 5712161 m – S-Bahnhof Königsborn
410083 m, 5712465 m – Ausganspunkt Hammer Straße Unna
416109 m, 5714554 m – Bahnhof Lenningsen
427688 m, 5718886 m – Zielpunkt Bahnhof Welver

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.