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Die »Neue Mitte« in Oberhausen

Vom Hüttenwerk zum Einkaufszentrum und Freizeitpark

Ein immer wiederkehrendes Beispiel für gelebten Strukturwandel stellt das Unterhaltungs- und Einkaufszentrum am Rande von Oberhausen auf dem Gelände eines ehemaligen Hüttenwerkes dar. Dieser Artikel bietet eine Beschreibung der verschiedenen Einrichtungen, Anlagen und Sehenswürdigkeiten, einen historischen Abriss für das Hintergrundwissen und die üblichen Tipps für die Anreise.

Der Anfang des Industrieareals unvorstellbarer Größe, das die Stadt Oberhausen und benachbarte Städte damals wie heute prägte und auch noch beeinflusst, bildete bereits 1758 die Eisenhütte St. Antony-Hütte in Klosterhardt, das erste Eisenwerk im Ruhrgebiet. Nur wenige Jahre später entstand 1782 in der Nähe die Hütte Gute Hoffnung. Nach einigen Verkäufen und Käufen, die hier der Einfachheit halber nicht näher erläutert werden, gehörten beide Hütten je zu einem Viertel den Industriellen Gottlob Jacobi, Heinrich A. Huyssen und den Brüdern Franz und Gerhard Haniel, die nach den Namen die »Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen« mit der Abkürzung der Nachnamen JHH gründeten. In den 1850er Jahren entstand die Zeche Oberhausen zum Abbau der für die Verhüttung notwendigen Kohle in eigener Hand. Im Jahre 1873 wurde aus der JHH eine Aktiengesellschaft, die Gutehoffnungshütte, Actienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb (GHH). Die Zeche Osterfeld ersetzte mit der Zeit die 1931 stillgelegte Zeche Oberhausen. Nach dem zweiten Weltkrieg musste der inzwischen durch Firmenzukäufe oder Fusionen u.a. mit M.A.N. oder Ferrostahl gewachsene Konzern auf Drängen der Besatzungsmächte aufgespalten werden. So entstanden die Hüttenwerke Oberhausen AG (HOAG) - die Bergwerke gingen in die Bergbau AG Neue Hoffnung auf. Ein Jahr, nachdem die HOAG in der Mehrheit von Thyssen übernommen wurde, begann 1969 die Stilllegung der Gutehoffnungshütte. Die Stilllegung der Zeche Osterfeld begann gegen Ende der 1970er Jahre.

Die folgende Abbildung ist interaktiv und zeigt zunächst das Gelände der Gutehoffnungshütte mit der heutigen Neuen Mitte. Darin sind alle im Beitrag beschriebenen Ziele eingezeichnet. Ergänzt ist das Luftbild um Markierungen von Straßennamen und Haltestellen. Mit einem Klick auf die Karte wird das Luftbild im Hintergrund gegen eines aus den 1960er Jahren ausgetauscht. Im Vergleich ist der Wandel vom Industriegelände zum Urban Entertainment Center.

 Historische Ansichten der Gutehoffnungshütte / Luftbild Neue Mitte Oberhausen

Aus dem Gelände der ehemaligen Gutehoffnungshütte wurde eine 143 Hektar große Industriebrache. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld misst ganz grob etwa einen halben Hektar! Eine britische Investorengruppe kaufte das Areal 1991. Bereits 1992 wurden die Anlagen des alten Thyssen- Werkes abgerissen. Im Jahre 1996 fand die Eröffnung des neu gebauten Einkaufszentrum CentrO (Das O steht dabei für Oberhausen) und der zentralen Straßenbahntrasse statt. Das CentrO bildet das Kernstück der sogenannten Neuen Mitte in Oberhausen. Daneben existiert ein Freizeitpark, eine Multifunktionshalle, das Metronom-Theater und das Sea Life-Aquarium.

Das markanteste Gebäude und eines der wenigen Industrierelikte der ehemaligen Hütte ist der große Gasometer. Damit bildet das Konzept der Neuen Mitte einen starken Kontrast zum in der Nachbarstadt Duisburg befindlichen Landschaftspark Nord. Hier sind die meisten Anlagen des Hochofenwerkes erhalten und in einen öffentlichen Park integriert. Nach Schließung der Zeche Osterfeld mussten auch hier die meisten Gebäude der Abrissbirne nachgeben. Dieses Gelände wurde jedoch in eine Grünfläche umgewandelt. Hier entstand der OLGA-Park, der 1999 Austragungsort der Landesgartenschau in Nordrhein-Westfalen war und heute ein öffentlicher Naherholungspark ist. Im Gegensatz zu vielen Gartenschauen, in denen möglichst viele bunte Sommerblumen und Gärten präsentiert werden, wurde hier der Schwerpunkt auf die natürliche Rückgewinnung von ehemaligen Industrieflächen gesetzt.

Panorama vom Gasometer Oberhausen

Panoramablick vom Gasometer auf das Herzstück der Neuen Mitte Oberhausens

 

Informationen zur Anreise zur Neuen Mitte und zum Gasometer:

Alle auf dieser Seite behandelten Ziele lassen sich an einem Tag bequem zu Fuß oder mit dem öffentlichen Nahverkehr besuchen. Auf der zentralen Straßenbahntrasse fahren Straßenbahnen und Busse in einem sehr dichten Takt und halten an allen Unterwegsstationen.

Sie verbinden unter anderem die Innenstadt Oberhausens und den Hauptbahnhof mit der Neuen Mitte. Alle Orte liegen in unmittelbarer Nähe zu den Haltestellen dieser Trasse. Für Autos bieten sich die über 14.000 Parkplätze im Bereich des CentrO selbst an.

Anreise mit dem Auto: Auf der A42 bis Ausfahrt 10 Oberhausen-Zentrum oder bis 11 Oberhausen-Neue Mitte. Parkplätze zum CentrO sind an den Ausfahrten bereits ausgeschildert. Parken ist in den Parkhäusern kostenlos. In einigen der Parkhäuser gibt es ein Leitsystem und praktische rote und grüne Lichtzeichen über den Parkplätzen, die das finden freier Plätze erleichtern.

Zum Gasometer auf der A42 bis zur Ausfahrt 10 Oberhausen-Zentrum. Aus Richtung Gelsenkirchen links, aus Richtung Duisburg rechts abbiegen auf die Konrad-Adenauer-Allee. Von der A516 (aus Richtung A2 Kreuz Oberhausen) an der Abfahrt der A42 weiter auf der Konrad-Adenauer-Allee. Der Beschilderung zum Gasometer folgen und jeweils auf der linken Spur dreimal links abbiegen auf die Essener Straße, dann auf die Alte Walz und in die Arenastraße. Dort befinden sich große Parkplätze.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Centroallee, Arenastraße in Oberhausen

kachelmannwetter.com

Anreise mit Bus und Bahn: Mit den Zügen des Nah- und Fernverkehrs bis Oberhausen Hbf. Auf dem Bahnhofsvorplatz links der Beschilderung zum Bahnsteig 1 folgen. Von hier aus fahren alle Straßenbahnen und Busse zur Neuen Mitte.

Anreise mit dem Fahrrad: Der Emscherweg und der Emscher-Park-Radweg verlaufen auf der Emscherinsel an der Neuen Mitte vorbei und sind über die Brücken angebunden. Auch über die Deutsche Fußballroute NRW sind CentrO, Gasometer und Co. erreichbar.

Kartenmaterial: In den rechts dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.



     
Geographische Koordinaten:
51°29'24.39"N, 6°52'43.88"E – CentrO
51°29'37.12"N, 6°52'13.73"E – Gasometer
51°29'40.89"N, 6°52'41.56"E – Tausendfüßlerbrücke
51°28'57.37"N, 6°52'43.26"E – Aussichtsturm auf der Knappenhalde
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
352741 m, 5706462 m – CentrO
352171
m, 5706872 m – Gasometer

352715 m, 5706973 m – Tausendfüßlerbrücke
352705 m, 5705628 m – Aussichtsturm auf der Knappenhalde

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

 

Das Einkaufszentrum CentrO

Im September 1996 wurde das riesige Einkaufszentrum, das seinerzeit das größte dieser Art in Europa war, eröffnet. Damit begann die Ära der heftigen Diskussion zwischen Fachleuten und Bürgern über den Sinn bzw. über den nicht oder tatsächlich vollzogenen Strukturwandel. Das CentrO führte bzw. führt auch heute noch dazu, dass die Innenstadt Oberhausens selbst und die Mitten benachbarter Städte wie zum Beispiel Bottrop unter dem Druck der Konkurrenz leiden und sich mühevoll dagegen stemmen müssen.

Das CentrO ist ein recht flacher, aber etwa 560 Meter langgestreckter Bau, der sich leicht gekrümmt über das Gelände der ehemaligen Gutehoffnungshütte zieht. Außen ist das Gebäude mit Ziegelsteinen verklinkert, das Innere wird dominiert von Stahl und Glas. Im Zentrum befindet sich die 32 Meter hohe Hauptkuppel. Rund 72.000 m² Ladenfläche bietet das Einkaufszentrum, wobei die Länge der Ladenfronten ca. 3 Kilometer beträgt. Der Boulevard ist zweistöckig, wobei die obere Etage in der Mitte offen ist. Die Mall verbindet zwei Pole an den Enden des Einkaufszentrums. Am einen befindet sich in einem großen Rund die große Essmeile, die mediterrane sogenannte Coca-Cola-Oase. Ringsherum kann man beim Asiaten, Italiener, Griechen, Schotten oder anderen sein Essen kaufen.

Zwischen diesen beiden Polen sind viele Einzelhändler verschiedenster Kategorien und Branchen angesiedelt. 14.000 Parkplätze in den Parkhäusern sind sogar kostenlos, zahlreiche Bus- und Straßenbahnlinien fahren in einem dichten Takt zum Einkaufszentrum. Regelmäßig lockt das CentrO mit besonderen Veranstaltungen.

Platz der Guten Hoffnung

Eingang West am »Platz der Guten Hoffnung«

Centro Oberhausen

Boulevard im CentrO

Centro Oberhausen

»Coca-Cola-Oase«: Essmeile am östlichen Ende des CentrOs

Centro Oberhausen

Das CentrO als zweistöckiges Einkaufszentrum

Centro Oberhausen

 

Gasometer am CentrO CentrO Oberhausen

Öffnungszeiten: Das CentrO ist Mo bis Sa ab 10.00 Uhr geöffnet und schließt um 20.00 Uhr, Do um 21.00 Uhr. Die Coca-Cola-Oase ist (auch So und Feiertags von 10.00 bis 22.00 bzw. 24.00 Uhr geöffnet, So und Feiertage bis 22.00 Uhr. Die Promenade schließt nach 24.00 Uhr.

Im CentrO verteilt sind viele sanitäre Einrichtungen. Unzählige gastronomische Einrichtungen quasi aller Art sorgen für das leibliche Wohl. Die »Coca-Cola-Oase« als Essmeile befindet sich am östlichen Ende der Passagen. In der Mitte befinden sich verteilt Cafés und Eisstände.

Anreise mit Bus und Bahn: Direkt an der Haltestelle Neue Mitte befindet sich der Westeingang zum Einkaufszentrum am Platz der Guten Hoffnung.

InfoBitte beachten Sie die ausführlichere Anfahrtsbeschreibung auch für Autos am Anfang dieses Artikels.

Weitere Informationen:

Offizielle Internetseite des CentrO: www.centro.de
Marina Oberhausen: www.marina-oberhausen.de

 

Der Gasometer Oberhausen

Ausstellungshalle der Superlative

Das auffälligste Relikt der Gutehoffnungshütte in der Neuen Mitte Oberhausen, ein Wahrzeichen der Stadt und Landmarke im Ruhrgebiet ist der große Gasometer, nordwestlich zwischen einer Eisenbahntrasse und dem hier parallel zur Emscher verlaufenden Rhein-Herne-Kanal gelegen. Er wurde im Jahre 1929 gebaut, 1949 nach einem Brand drei Jahre zuvor wieder aufgebaut und hat eine Höhe von rund 118 Metern. Die Funktion des Scheibengasometers sind die Zwischenspeicherung und der Erhalt eines konstanten Drucks von Gichtgas oder Hochofengas. Dieses wird unten in den Behälter eingeführt. Eine bewegliche Platte drückt von oben auf das Gas und passt sich je nach Volumen in der Höhe an. Ist die Gasmenge höher, steigt die Platte nach oben, ist sie geringer, so sinkt sie ab. Da das Speichervolumen begrenzt ist, passiert die Scheibe ab einer bestimmten kritischen Höhe Überdruckventile, die Gas nach draußen abgeben. Der Gasometer Oberhausen hat ein Speichervolumen von fast 350.000 m³ und ist damit der größte seiner Art auf dem europäischen Kontinent.

Seit 1988 ist der Gasometer von Oberhausen außer Funktion. Er wurde nach seiner Stilllegung für umgerechnet ca. 8 Mio. Euro umgebaut und bildet seitdem die höchste Ausstellungshalle Europas. Die Gasdruckscheibe, die bewegliche Platte zur Regulierung des Gasdrucks, ist fixiert auf Säulen und bildet das Dach bzw. die erste Etage für wechselnde Ausstellungen innerhalb des Gebäudes. Auf ihr ist als drittes Stockwerk eine tribünenartige Arena errichtet. Der gewaltige Luftraum darüber bis zum Dach wird seitdem für außergewöhnliche Installationen genutzt, so zum Beispiel "The Wall", eine Mauer von 13.000 Ölfässern (1999), eine riesige Erdkugel, auf die Satellitenaufnahmen und Wolkenströmungen mit mehreren Beamern projiziert wurden (2016 / 2017), das "Big Air Package" (2013) oder ein 3D-Modell des Matterhorns, das umgekehrt aufgehängt ebenfalls als Leinwand für thematische Projizierungen diente (2018 / 2019).

Hinweis: Die in den Fotos der Ausstellungen enthaltenen identifizierbaren Fotografien wurden zur Wahrung des Urheberrechts der Autoren gegen eigene Aufnahmen ausgetauscht.

Gasometer Oberhausen

Oberes Drittel des großen Gasometers von Oberhausen

Auge des Himmels

Ausstellungshalle im Erdgeschoss

Gasometer Oberhausen Innen

Ausstellungshalle im Erdgeschoss: "Der Berg ruft"

Gasometer Oberhausen Innen

 

Gasometer Oberhausen

Der Gasometer von Oberhausen von unten

Gasometer Oberhausen Innen

 

Gasometer Dach

Blick von der Zwischendecke zum Dach des Gasometers

Gasometer Oberhausen Innen

Die Menschen schauen auf das, was unter der Decke hängt
(zweiteiliges Foto mit umgedrehtem Matterhorn)

Gasometer Oberhausen Innen

Ausstellung mit riesenhafter Erdkugel im Innern,
gesehen vom Dach des Gasometers

Gasometer Oberhausen Innen

Gasometer Oberhausen Innen

Ein gläserner Panorama-Aufzug fährt im dunklen Innern des Gasometers auf das Dach, auf dem der Besuchende an drei Eckpunkten an die Dachkante herangeführt wird und von dort eine gute Aussicht auf die Umgebung hat. Unten auf dem Rhein-Herne-Kanal gleiten Binnenschiffe dahin, Lokomotiven fahren wie auf einer Modelleisenbahn ihre Runden. Ins Auge fällt das gesamte Gelände der Neuen Mitte mit dem CentrO, dem Freizeitpark, der Marina, der Knappenhalde, dem Erlebnisbad und dem Wasserturm, außerdem auf dem anderen Kanal- und Flussufer der OLGA-Park sowie ganz im Osten der Gehölzgarten Ripshorst mit dem tanzenden Strommast. Am Horizont sind die großen Halden in Bottrop gut sichtbar, die Halde Haniel und die Halde Beckstraße mit dem Tetraeder samt dem benachbarten Alpincenter.

Gasometer am Rhein-Herne-Kanal und an der Emscher in Oberhausen

Gasometer am frühen Morgen von der Tausendfüßlerbrücke aus gesehen. Links der Rhein-Herne-Kanal, rechts die Emscher

Gasometer Oberhausen

Eine von drei Aussichtsplattformen an der Dachkante

Schiff am Gasometer auf dem Kanal

Schiff auf dem Rhein-Herne-Kanal

OLGA-Park in Oberhausen (Garten Osterfeld)

Blick auf den OLGA-Park mit dem markanten Gartendom. Im Hintergrund sticht Halde Haniel hervor

Aussichtsplattform auf dem Gasometer Oberhausen

Treppenturm und Überdruckventile an der Dachkante

Gasometer Oberhausen

Nach fast 40 Kilometern parallelem Verlauf trennen sich hier
die Emscher und der Rhein-Herne-Kanal

Gasometer Oberhausen Innen

Die Sonne scheint durch dichte Wolken und beleuchtet das rosafarbene Schloss Oberhausen im Kaisergarten nebenan.
Gut zu erkennen ist auch die Slinky-Brücke über den Kanal, allerdings im Wolkenschatten...

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Die letzte Ausstellung "Der Berg ruft" fand bis zum 27. Oktober 2019 im Gasometer statt. Derzeit ist der Gasometer bis zur nächsten Ausstellung nicht zugänglich.

Der Gasometer ist nicht beheizt. Insbesondere im Winter und Frühjahr ist warme Kleidung anzuziehen.

Anreise mit Bus und Bahn zum Gasometer: Bis Haltestelle Neue Mitte. Zu Fuß rechts vorbei an der König-Pilsener-Arena, dahinter rechts.
InfoBitte beachten Sie die ausführlichere Anfahrtsbeschreibung auch für Autos am Anfang dieses Artikels.

Weitere Informationen:

Offizielle Internetseite: www.gasometer.de
Route Industriekultur (Gasometer): www.route-industriekultur.ruhr

 

Die Knappenhalde

Bergehalde und Schlackenberg mit Bunker • Schwester der Knappenhalde

Zwischen der Knappenstraße, der Lipper Straße und der Cöln-Mindener Eisenbahn erhebt sich eine etwa 60 Meter über Grund hohe Bergehalde, die eine Höhe von 102 Metern über dem Meeresspiegel erreicht. Damit ist sie praktisch die höchste Erhebung der Stadt Oberhausen und eine der ersten für die Öffentlichkeit begehbar gemachten Halden im Ruhrgebiet. Ab 1856 begann die Aufschüttung zur Spitzkegelhalde durch die Zeche Oberhausen bzw. Königsberg I / II. Schließlich wurde die Halde von der Eisenhütte genutzt, um Hochofenschlacke abzulagern, nachdem die Förderung durch die Zeche 1931 eingestellt war – daher auch der Name »Schlackenberg«. Im zweiten Weltkrieg baute man unter der Halde ein Luftschutzbunker-System mit mehreren Eingängen, die zum Teil noch heute in Ansätzen sichtbar sind.

»An das Bunkersystem unter der Knappenhalde habe ich noch eine Erinnerung. Ein Schulfreund hatte mir davon erzählt und wir haben 1979 oder 80 eine kleine Expedition unternommen; die Eingänge waren damals noch offen, die Gasschleusen noch erkennbar. Meiner Erinnerung nach hatte es 4 Eingänge, in jeder Himmelsrichtung einen. wir sind über die heute dem CentrO gegenüberliegende Seite eingestiegen. Man konnte da gut 50 Meter hineinlaufen, es war aber sehr niedrig, weil die Böden zugeschüttet waren. Kurz vor dem eigentlichen Bunker war der Gang – vermutlich durch Bergsenkung – zerbrochen und man konnte sich nur noch kriechend fortbewegen, dann war ein paar Meter weiter Schluss. Irgendwo seitlich war ein größerer Schacht, vllt. eine Art Treppenhaus, Treppen waren dort aber keine mehr. Gefunden haben wir nichts außer ein paar alten Bierflaschen mit Bügelverschluß, wie man sie in den 60er Jahren hatte. Es war in dem Gang relativ warm, etwa wie in einem Treibhaus.« (E-Mail eines Lesers dieser Internetseiten zu diesem Thema, mit freundlicher Genehmigung)

Nach dem Krieg diente die Halde zur Ablagerung von Trümmern und Schutt. Bereits 1953 wurde die Halde erstmals begrünt, 1979 von der Stadt Oberhausen gekauft und 1980 für die Öffentlichkeit als Naherholungsgebiet zugänglich gemacht. 2004 erfolgte eine Sanierung mit Neugestaltung der Wege.

Glücksorte

Diese Halde wird im Reiseführer "Wanderbare Halden" von Nikola Hollmann & Andrea Slavik beschrieben und ist dort Teil einer Wanderung, die außerdem weitere interessante Ziele in der Umgebung vorstellt.
Wanderbare Halden: Die schönsten Revier-Wandertouren mit Aus- und Weitblick*

Auf dem schneckenförmig auf die Halde führenden Weg nach oben zieren Pflaster-Mosaike von Werner Philipp Klung unter dem Titel »Berg der Arbeit« den Weg. Am höchsten Punkt der Knappenhalde steht der stählerne, mit der Zeit aufgestockte und frei zugängliche Aussichtsturm. Von ihm lassen sich über die Baumkronen hinweg die Stadt Oberhausen und das Gelände der ehemaligen Gutehoffnungshütte mit dem heutigen CentrO, dem Gasometer und den Freizeiteinrichtungen überblicken.

Aussichtsturm auf der Knappenhalde Oberhausen

Aussichtsturm am höchsten Punkt der Knappenhalde

Gasometer von der Knappenhalde gesehen

Blick von der Knappenhalde auf den Gasometer

Wasserturm in der Neuen Mitte, von der Knappenhalde gesehen

Wasserturm am Westrand der Neuen Mitte

Blick von der Knappenhalde auf Oberhausen

Der Rundblick ist industriell geprägt

Oberhausen von der Knappenhalde gesehen

Hauptbahnhof und Marienkirche von Oberhausen

Blick von der Knappenhalde auf den Gasometer

Detailansicht des Gasometers, oben Aussichtsplattformen

Oberhausen Industrie

Aufgang zur Knappenhalde

Die Knappenhalde hatte zu Zeiten ihrer Aufhaldung noch eine kleine Schwester, der sich auf der anderen Seite der Knappenstraße befand. In den 1920er Jahren war diese Halde, die direkt an das Zechengelände grenzte, sogar flächenmäßig größer als die Anschüttungen der späteren großen Knappenhalde, die wir auch heute noch kennen. Kurz nach der endgültigen Stilllegung der Zeche Oberhausen I / II Ende der 1950er Jahre wurde diese Halde aber abgetragen und mit Hallen überbaut. Diese stehen bis heute. Die Abtragung könnte mit dem Abriss der Übertageanlagen zusammenfallen.

Die nachfolgende Abbildung zeigt ein historisches Luftbild der beiden alten Halden der Zeche Oberhausen an der Knappenstraße. Die große knappenhalde ist in ihrer Schüttungsphase zu sehen und hat zu diesem Zeitpunkt ihre heutige Ausdehnung noch nicht erreicht. Südlich von ihr ist die fast kreisrunde, aber deutlich flachere Schwesterhalde zu identifizieren. Beide Halden sind zur Orientierung mit einer braunen Kontur markiert. Mit einem Mausklick oder Fingertipp auf die Grafik wird das Luftbild gegen ein aktuelles ausgetauscht, das die heutige Situation mit der überbauten kleineren Halde und der großen Knappenhalde zeigt, die sich als bewaldeter Berg in dichter Besiedlung zeigt.

 Historische Ansichten vom MüGa-Park

Anreise mit Bus und Bahn zur Knappenhalde: Bis Haltestelle Lipperfeld, auf der westlichen Seite links über die Fußgängerbrücke. Der Radweg führt schließlich unter der Stadtbahntrasse durch und trifft auf die Brückstorstraße. Dieser etwa 300 Meter folgen bis zur Kreuzung Lipperstraße. Hier weitere 200 Meter bis zum Haldenaufgang im Süden.

InfoBitte beachten Sie die ausführlichere Anfahrtsbeschreibung auch für Autos am Anfang dieses Artikels.

 

Weitere Ziele in der direkten Nachbarschaft:

Sea Life Oberhausen – Einblick in die Unterwasserwelt

Das Sea Life ist ein Aquarium, das sich auf Fluss-, See- und Meerestiere konzentriert. Seit 2004 zeigt es etwa 20.000 Tiere in über 50 thematischen Großaquarien. Um das Sea Life nicht zu kurz kommen zu lassen und gleichzeitig diese Seite durch viele Fotos einseitig zu belasten, wird es in einem eigenen Artikel ausführlich beschrieben und vorgestellt.

Artikel zum Sea Life in Oberhausen

 

Siedlung Eisenheim

Unmittelbar neben dem OLGA-Park kann man die älteste Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet entdecken. Die Siedlung Eisenheim besticht durch ihre Backsteinhäuser im Kreuzgrundriss und den Schuppen und kleinen Gärten dahinter.

Artikel zur Siedlung Eisenheim

 

Schloss Oberhausen und Kaisergarten

In westlicher Richtung schließt sich das Schloss Oberhausen mit der Ludwiggalerie an. Es grenzt an den Kaisergarten mit einem kleinen Tierpark. Höhepunkt ist die ungewöhnliche Slinky-Springs-Brücke über den Kanal.

Artikel zum Schloss Oberhausen

 

OLGA – Oberhausener Landesgartenschau

Auf dem nördlich der Neuen Mitte gelegenen ehemaligen Zechengelände Osterfeld fand 1999 eine Landesgartenschau statt. Heute ist aus daraus ein öffentlicher Stadtpark mit zahlreichen Erinnerungen und Relikten der Montanzeit geworden. Er bietet Wasserspiele, Aussichtsplattformen und viele Gräben, Wälle und Betonteile, die einen Hinweis auf die Vergangenheit geben.

Artikel zum OLGA-Park

 

Gehölzgarten, Klärpark und Zauberlehrling

Wie ein Band verläuft der Gehölzgarten als botanisch-kulturgeographischer Lehrpfad unweit der Neuen Mitte Oberhausens um das Haus Ripshorst. Besonders aufregend sind der tanzende Strommast, die Kanalbrücke zur Brache Vondern und der Emscher Klärpark mit einem begehbaren Faulturm.

Artikel zum Gehölzgarten Ripshorst

Industriekultur im Ruhrgebiet

Weitere Bergehalden sind von der Übersichtsseite zu diesem Thema auswählbar. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Halden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden.

Auf der Auswahlseite Industriekultur finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten und sehenswerten Zielen im Ruhrgebiet. Betrachtet werden Natur & Landschaft, alte Zechen und Industrieanlagen und andere technische Besonderheiten.

Halden Ausflugsziele

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Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 07 / 2021
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr

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