Radfahren auf der Sambatrasse in Wuppertal
Eine stillgelegte Bahnstrecke, ein Schienenbus als Denkmal, alte Bahnsteige zwischen Bäumen und eine Brücke mit Blick auf Löwen und Tiger: Die Sambatrasse in Wuppertal ist einer der ungewöhnlichsten Bahntrassenradwege der Region.
Auf der ehemaligen Burgholzbahn zwischen Cronenberg und Wuppertal geht es heute auf rund 10 Kilometern durch schattige Wälder, vorbei an Spuren der Eisenbahnvergangenheit und mit einem stetigen Gefälle durch viele und lange Kurven hinab ins Tal.



Der offizielle, aber eher unbekannte Name der Strecke lautet Burgholzbahn – benannt nach dem großen Waldgebiet Burgholz, das sie durchquert. Bekannt ist sie aber vor allem unter ihrem volkstümlichen Namen: „Der Samba“, „Sambatrasse“ oder auch „Cronenberger Samba“. Der Grund dafür liegt in der Streckenführung: Die ehemalige Bahnlinie schlängelt sich mit so zahlreichen Kurven durch die Landschaft, dass die Fahrgäste früher geschunkelt haben. Man möge sich vorstellen, wie das auf Stehplätzen ausgesehen haben muss…
Die kurvige Streckenführung durch den Wald ist in der folgenden Karte auch gut zu erkennen. Die Nummernpunkte in dieser Karte markieren einige typische Standorte am Wegesrand von 1 bis 8 in Fahrtrichtung bergab von Cronenberg bis Wuppertal.

Auf den Spuren der alten Eisenbahn
Die Musik zum Tanz ist aus, denn die Bahnstrecke wurde 1988 stillgelegt. Dabei hätte das Ständchen nach der Eröffnung 1891 fast zum 100. Geburtstag gespielt. Der Zustand der Strecke war schlecht. Eine Sanierung hätte Ende der 1980er Jahre viel Geld gekostet. Nach einem Steinschlag und einer Stelle mit unterspülten Gleisen wurde die Strecke unmittelbar gesperrt und trotz Protesten in der Bevölkerung nie wieder eröffnet.
Ähnlich ging es in dieser Zeit auch anderen Eisenbahnstrecken in der Umgebung des Bergischen Landes und Sauerlands. Ein Beispiel ist die Oesetalbahn zwischen Menden und Iserlohn, bei der eine marode Brücke als Grund für die Gesamtstilllegung diente. Man kann nur spekulieren, ob eine derartige Strecke heute noch stillgeleget werden würde – mit modernen, leichteren Triebwagen, abgestimmten Anschlüssen an Mobilstationen oder attraktiven Freizeitangeboten in der Umgebung. Vielleicht hätten nur wenige Jahre genügt, um den Betrieb der Strecke zu erhalten.
Aber dann würde man an dieser Stelle sicherlich nicht darüber lesen, denn dieser Artikel beschreibt im weiteren Verlauf einen ganz besonderen Bahntrassenradweg.
Von der Eisenbahn zum Radweg
Im Jahr 2007 wurde der heutige Bahntrassenradweg auf der Sambatrasse eröffnet. Dabei blieb ein wenig von der ursprünglichen Atmosphäre der Eisenbahn erhalten. Noch heute entdeckt man entlang der Strecke zahlreiche Hinweise auf die Vergangenheit: ehemalige Bahnsteige, ein altes Wartehäuschen vor dem verlassenen Empfangsgebäude, Formsignale oder Zäune aus Schienenresten und weitere Relikte erinnern daran, dass hier früher Züge unterwegs waren. Das Brummen der Motoren ist leiser geworden – sie stecken jetzt in modernen E-Bikes.
Das Streckenende ist am ehemaligen
Haltepunkt Hindenburgstraße, wo sich heute ein Spielplatz befindet. Reste von Bahnsteigen existieren unter anderem an der Straße Zur Waldesruh mit dem
Haltepunkt Boltenberg. Der Halt Wuppertal-Burgholz hatte damals wie heute eine Gastronomie, heute ein Biergarten auf dem Bahnsteig. Der Bahnhof Küllenhahn ist – ebenso wie Cronenberg – im einmaligen Stil der Bahnhöfe im Bergischen Land mit viel Holz und Schieferverkleidung gestaltet. Er steht heute noch.


Der Einstieg am
Bahnhof Cronenberg ist mit einem Formsignal gekennzeichnet. Es zeigt mit den beiden schräg hochstehenden Ärmchen Hp2 und markiert damit für die Züge Langsamfahrt.
Ein roter Schienenbus erinnert an die Vergangenheit
Am oberen Ende der Strecke in Cronenberg wartet schließlich ein sichtbares Zeichen der Eisenbahngeschichte: Ein roter
Schienenbus vom Typ VT 95 erinnert an die Fahrzeuge, die einst auf Nebenstrecken wie dem Samba unterwegs waren. Er steht vor einem weiteren Formsignal auf einem Firmenparkplatz direkt neben der Strecke. Dies dürfte ein Einfahrsignal in den Bahnhof Cronenberg gewesen sein. Ein zugehöriges Form-Vorsignal („Spiegelei“) versteckt sich nur wenige Meter hinter dem Schienenbus.
Zuletzt fuhren auf der Strecke allerdings andere Züge, nämlich Akku-Triebwagen des Typs ETA 515, die mit ihrem markanten Brummen die Strecke hinauffuhren. Sie sehen allerdings sehr ähnlich aus. Es genügte meist ein einzelner Triebwagen, um die Fahrgast-Nachfrage zu bedienen. Sie waren auch durch die Akkus schwerer als die Vorgänger und manch einer macht diese Fahrzeuge für den schlechten Zustand der Strecke mit verantwortlich. Ein Exemplar dieser besonderen Akkutriebwagen ist im Eisenbahnmuseum Bochum zu besichtigen.







Ein Radweg mit eingebauter Steigung
An einigen Kreuzungen wurde die Erinnerung an die Eisenbahn im Boden verewigt: Pflastersteine bilden dort das Muster zweier Schienen. Auf halber Strecke ist ein Biergarten auf einem ehemaligen Bahnsteig zu finden – statt auf den nächsten Zug zu warten, kann man hier am alten
Haltepunkt Burgholz eine Pause einlegen. Vor allem, wenn man ohne Strom-Unterstützung aus dem Tal auffährt.
Wie viele Bahntrassenradwege besitzt auch die Sambatrasse ein besonderes Merkmal: die gleichmäßige Streckenführung. Bahnlinien vermeiden starke Steigungen, und genau davon profitieren heute Radfahrende. Wer von Cronenberg in Richtung Steinbeck fährt, kann die Sambatrasse entspannt bergab genießen und auf langen Strecken einfach rollen lassen.






In Gegenrichtung geht es allerdings über mehrere Kilometer stetig bergauf. Das ist keine wirklich sportliche Bergprüfung, aber durchaus spürbar – mit etwas Kondition gut machbar, mit einem E-Bike natürlich deutlich entspannter.
Nur wenige Minuten von der Stadt entfernt taucht man in eine grüne Landschaft ein und fährt dort, wo früher Züge durch den Wuppertaler Süden rollten. Etwas mehr als 20 Minuten haben die Züge für die Strecke zuletzt benötigt, um an den acht Haltestellen zu halten. Auf halber Strecke ist der
Bahnhof Küllenhahn mit der ehemaligen Güterverladung, einem Wartehaus und einem Lebkuchenhaus. Aus Richtung Tal kommend regelt ein Einfahrsignal den Verkehr. Es zeigt mit einem Flügel „Fahrt“ an.











Über den Zoo – Radfahren mit Blick auf Löwen und Tiger
Ein besonderer Höhepunkt ist die neu gebaute Brücke über den Wuppertaler Zoo. Die Sambatrasse führt direkt über das Zoogelände hinweg und ermöglicht einen ungewöhnlichen Blick auf den höchstgelegenen Teil des Tierparks.
Vor allem in der laubfreien Jahreszeit kann man mit etwas Glück sogar einige Bewohner entdecken – Löwen und Tiger haben hier ihr Zuhause. Ein Radweg, auf dem man während der Fahrt einen Blick auf exotische Tiere werfen kann, ist sicherlich eine Seltenheit.

Die Verbindung mit dem Zoo bietet sich daher besonders an: Die Radtour lässt sich wunderbar mit einem Besuch des Wuppertaler Zoos kombinieren. Dann kann man auch die Brücke von unten anschauen und stellt fest, dass sie auf „Felsen“ ruht und schön in die Gestaltung des Zoos eingebunden wurde. Doch dazu demnächst mehr…

Fazit
Die Sambatrasse eignet sich hervorragend als entspannte Ausflugstour. Vielleicht sogar, um ins geschäftige Wuppertal zu fahren und beispielsweise Schwebebahn, Zoo oder die Nordbahntrasse zu besuchen. Besonders entspannt ist die Fahrt von Cronenberg in Richtung Steinbeck, da hier das natürliche Gefälle für eine angenehme Abfahrt sorgt. Wer die Strecke als Hin- und Rückfahrt fährt, sollte sowohl von der Zeit her als auch für die Kraft oder die Akkureichweite den stetigen Anstieg zurück nach Cronenberg einplanen – oder unterwegs eine Pause einlegen.
Informationen zur Anreise:
Am Ausgangspunkt Cronenberg sowie am Zoo in Wuppertal bestehen Parkmöglichkeiten. Das Streckenende im Tal liegt in der Nähe der Nordbahntrasse, über die man aus dem Ruhrgebiet nach Wuppertal anreisen kann.
Kartenmaterial / Literatur:
In den folgenden gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Sambatrasse bzw. die Region abgebildet: Kompass Fahrradkarte Ruhrgebiet / Bergisches Land* (1:70.000) und ADFC-Regionalkarte Bergisches Land*
Diese thematisch passenden Bücher empfehle ich zur Vertiefung: Radeln für die Seele: Alte Bahntrassen*, Bahnradeln im Ruhrgebiet: Auf 12 Radtouren* und Radgenuss Ruhrgebiet: Auf Traumtouren durch das Revier*
Quellen und weitere Informationen:
Cronenberger Samba: www.der-cronenberger-samba.de
Bahnstrecken in Wuppertal: www.bahnen-wuppertal.de
Bei Youtube findet man einige Videos mit historischen Aufnahmen und teilweise Führerstandsmitfahrten aus der Zeit des aktiven Bahnverkehrs.