Evangelischer Friedhof Langendreer in Bochum

Mitten im Bochumer Osten, umgeben von Wohnstraßen, Bahnlinien und den Spuren der Industriegeschichte, liegt ein Ort, der überraschend still wirkt. Schon wenige Schritte hinter dem Eingang vom evangelischen Friedhof Langendreer mit dem neugotischen Spitzbogen verändert sich die Atmosphäre. Alte Bäume spenden Schatten über den Wegen, zwischen historischen Grabstätten blühen Rhododendren und Azaleen in kräftigen Farben, und über vielen Gräbern ragen hohe Obelisken in den Himmel. Der Stress und Lärm der Hauptstraße mit den Autos und Straßenbahnen ist hinter uns gelassen.

Der 1846 gegründete Friedhof stammt aus einer Zeit, in der Langendreer noch zwischen ländlichem Kirchdorf und aufstrebendem Bergbau- und Industriestandort stand. Die umliegenden Zechen Bruchstraße, Mansfeld und Vollmond sollten erst noch kommen, ebenso wie die das Stadtbild prägende Müser-Brauerei, die Teerfabrik oder auch der Autobauer Opel. Das meiste davon kennt man heute nur noch aus Geschichtsbüchern, von Infotafeln oder durch wenige Gebäude-Reste.

Zwischen Vogelstimmen und dichtem Grün erinnern zahlreiche Grabmale an Familien, die den Stadtteil in der Zeit von Bergbau und Industrie geprägt haben.

Zwischen Obelisken und Rhododendren auf dem Friedhof

Auffällig sind vor allem die ungewöhnlich hohen Grabsteine. Immer wieder ragen schlanke Obelisken zwischen den Bäumen empor. Manche wirken beinahe wie kleine Denkmäler oder Wegmarken einer vergangenen Epoche. Andere Grabmale scheinen unter schweren steinernen Tüchern verborgen zu sein. Diese verhüllten Formen vermitteln noch heute etwas Feierliches und Geheimnisvolles.

Viele der historischen Grabstätten tragen Symbole, die wir auf alten Friedhöfen des Ruhrgebiets immer wieder beobachten können. Palmen stehen für Hoffnung und das ewige Leben, Sterne für Orientierung und Glauben, während die nach unten gerichtete Fackel an ein erloschenes Leben erinnert. Wer langsam über den Friedhof schlendert, entdeckt diese Details oft erst auf den zweiten Blick. Die Symbolik von Grabsteinen wird auf der Übersichtsseite zu den Friedhöfen näher betrachtet.

Gerade im Frühjahr entsteht zwischen blühenden Rhododendren, alten Alleen und verwitterten Grabsteinen eine besondere Stimmung. Das Licht fällt durch den hohen Baumbestand, Vögel sind zu hören, und zwischen den historischen Monumenten wirkt der Friedhof fast wie ein verwunschener Park.

Der evangelische Friedhof Langendreer ist einer von mehreren Artikeln zu interessanten, alten oder besonderen Friedhöfen im Ruhrgebiet. Die zentrale Rubrik-Seite bietet neben einer Übersicht über die anderen Orte auch allgemeine Informationen wie beispielsweise eine Erläuterung zur Symbolik auf Grabsteinen ► Friedhöfe im Ruhrgebiet

Zwischen Brauerei-Turm und Grubenunglück

Auch die Geschichte des Bergbaus ist auf dem Friedhof präsent. Ein Ehrenmal erinnert an ein tragisches Grubenunglück der Zeche Neu-Iserlohn aus dem Jahr 1868, bei dem viele Bergleute ums Leben kamen. Es ist heute eine Station auf dem Industrielehrpfad Langendreer. Orte wie dieser zeigen, wie eng die Geschichte des Ruhrgebiets mit den Friedhöfen seiner Stadtteile verbunden ist. Hinter vielen Namen verbergen sich Geschichten von harter Arbeit, Familienleben und den Risiken der frühen Industrialisierung.

So auch in der Grabstätte der Familie Müser. Direkt neben dem Friedhof erinnert die ehemalige Müser-Brauerei an die industrielle Vergangenheit Langendreers. Der markante Turm der alten Brauerei ist von vielen Stellen des Friedhofs sichtbar und erinnert mit seiner Form an das Dortmunder U. Zwischen den historischen Grabstätten entsteht dadurch ein ungewöhnliches Nebeneinander aus Erinnerungskultur, Natur und Industriearchitektur.

Vielleicht liegt genau darin die Besonderheit dieses Ortes: Der evangelische Friedhof Langendreer erzählt nicht nur von Tod und Erinnerung, sondern auch vom Wandel eines Stadtteils. Natur, Industriekultur und Geschichte liegen hier dicht nebeneinander — zwischen steinernen Obelisken und blühenden Rhododendren.

Informationen zum Besuch:

Anreise mit dem Auto:

Auf der A448 bis zur Ausfahrt 9 Witten-Zentrum. Aus Dortmund erst links, dann rechts auf die Hauptstraße B 226 / B235 abbiegen. aus richtung Bochum / A43 links abbiegen auf die Hauptstraße. Nach 2 Kilometern liegt rechts der Friedhof mit dem Zugang sowie ein kleiner Parkplatz. Alternativ kann man in der Stockumer Straße am Rand parken und von dort den Friedhof betreten.

Zieleingabe für das Navigationssystem: Hauptstraße, Nähe Hausnummer 229 in Bochum

Anreise mit Bus und Bahn:

Von Bochum, Essen oder Dortmund mit der S-Bahn S1 bis Langendreer. Zu Fuß auf der Hauptstraße bis zum markanten Brauereiturm und dahinter links auf den Friedhof. Der Fußweg ist etwa 850 Meter lang.

In der Nähe vom Friedhof befinden sich an der Rudolf-Steiner-Schule und am Markt Langendreer Haltestellen der Straßenbahn 309 und 310. Außerdem ist am Friedhof die Bushaltestelle Elsterstraße der Buslinie 379.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike:

Der nahegelegene Markt ist an das Radverkehrsnetz NRW angebunden. Etwa am Ümminger See besteht Anschluss vom Parkway EmscherRuhr.

Zieleingabe für das Navigationssystem: Hauptstraße, Nähe Hausnummer 229 in Bochum


Kartenmaterial / Literatur:

In den folgenden gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist der Friedhof bzw. die Region abgebildet: ADFC Regionalkarte radrevier.ruhr Ost* (1:50.000) und Kompass Fahrradkarte Ruhrgebiet / Bergisches Land* (1:70.000) sowie der
Kompass Wanderkarte Ruhr* (2 x 1:35.000)


Diese thematisch passenden Bücher empfehle ich zur Vertiefung: Die faszinierendsten Friedhöfe der Welt*

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung:

Geographische Koordinaten: 51°28’10.63″N 7°19’25.25″E – Eingangsbereich und Denkmal Grubenunglück
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von beispielsweise GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 383568 m, 5703379 m – Eingangsbereich und Denkmal Grubenunglück

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.