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Die Zeche Fürst Leopold I / II in Dorsten

Vom Bergwerk zum Creativ Quartier • Maschinenhalle II • Bergehalden

Drei Bergwerke haben die Wirtschaft und Entwicklung der Stadt Dorsten maßgeblich geprägt. Es begann mit der westlich gelegenen Zeche Baldur, wo 1911 die Kohleförderung im Stadtteil Holsterhausen begann. Zwei Jahre später lief die Förderung der Zeche Fürst Leopold etwa 2 Kilometer östlich davon in Hervest an. Einige Jahrzehnte später entstand in Wulfen, einige Kilometer in nordöstlicher Richtung, noch die dritte Zeche, die ab 1964 Kohle an die Erdoberfläche förderte. Alle Standorte liegen nördlich der Lippe und sind ein Hinweis auf die sogenannte Nordwanderung des Bergbaus, bei der die Zechen ausgehend von den oberflächennahen Flözen im Süden mit immer größeren Aufwand den viel tiefer liegenden Flözen in Nordrichtung folgen. Daher liegen die Sohlen tiefer und sind die Schächte länger als in anderen Teilen des Reviers. An allen drei Standorten wurden Siedlungen auf- oder massiv ausgebaut. Bekanntestes Beispiel ist die seinerzeit sogenannte »Neue Stadt Wulfen« im Stadtteil Barkenberg, eine überdimensionierte Großwohnsiedlung, die jedoch inzwischen zurückgebaut wurde.

Bereits 1931 wurden die Zechen Baldur und Fürst Leopold zusammengelegt. 1982 entstand das Verbundbergwerk mit der Zeche Wulfen. Ende der 1990er Jahre wurde dieses Bergwerk wiederum mit der nahen Zeche Westerholt aus Herten zusammengelegt, das 2008 stillgelegt wurde. Zum Anfang des Jahrtausends wurde die Förderung auf den Zechen in Dorsten eingestellt, so z.B. auf Zeche Fürst Leopold im Jahr 2001. Die Zeche Fürst Leopold, die Schwerpunkt in diesem Beitrag ist, lag verkehrsgünstig am Knotenpunkt dreier Eisenbahnstrecken, die im Turmbahnhof Hervest-Dorsten zusammenkamen. Außerdem lag am nahen Wesel-Datteln-Kanal, der parallel zur Lippe verläuft, ein Hafen. Das Gelände der Zeche erstreckte sich nördlich der Halterner Straße bis zur inzwischen nur noch bis zu einem Umspannwerk führenden alten Venloer Bahn. Die Schachtanlage Fürst Leopold bestand, wie die anderen beiden Schachtanlagen auch, aus zwei Schächten.

Große Bereiche des stillgelegten Bergwerks wurden einige Jahre später abgerissen. Neue Straßen erschließen das alte Zechengelände und einzelne Gewerbe- und Handelsbetriebe haben sich bereits angesiedelt. Erfreulicherweise blieb ein Kern historischer Gebäude der Zeche rings um den alten Platz vor der Lohnhalle erhalten, wird als Denkmal erhalten und – im Gegensatz zu manch anderen Orten dieser Art – aktiv genutzt. Hier gibt es ein gastronomisches Angebot beispielsweise mit einem Biergarten unter altem Baumbestand. Schwerpunkt ist mit dem »Creativ Quartier« jedoch der kulturelle Bereich mit Ateliers von Künstlern und Ausstellungen. Auch aus der Entfernung ist der stählerne Förderturm von Schacht II erkennbar – er ist ebenfalls ein Denkmal und wird auch in Zukunft erhalten bleiben. Der benachbarte Förderturm von Schacht I wurde abgerissen.

Zeche Fürst Leopold in Dorsten

 

Zeche Fürst Leopold in Dorsten

 

Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Die zwei Maschinenhäuser vor dem Fördergerüst von Schacht II

Zeche Fürst Leopold in Dorsten

 

Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Lohnhalle und Fürstentafel - 80 Meter langer Tisch

Ein wenig abseits des zentralen Platzes liegt die Maschinenhalle vom Schacht II. Sie ist seit 2011 in Besitz der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, kurz Industriedenkmalstiftung. Betreut wird die Halle vom Verein für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte Dorsten e.V., kurz Bergbauverein Dorsten. Die Halle besteht eigentlich aus zwei nebeneinanderliegenden einzelnen Maschinenhäusern, was sich aus der Entfernung anhand der zwei Zwillings-Giebel am Dach erkennen lässt. Direkt daneben, auf der anderen Straßenseite, steht das Fördergerüst in Stahl-Fachwerk-Bauweise mit vier Seilscheiben. Diese sind bei genauerer Betrachtung paarweise leicht zur Seite geneigt, um die Übersetzung von den Maschinenhallen zu ermöglichen. Das Gerüst wurde 1913 errichtet und gehört seit 2015 zur Stiftung.

Das östliche und westliche Maschinenhaus stammt von 1912 bzw. 1914. In jedem Gebäudeteil steht jeweils die originale und erste Zwilingstandemdampffördermaschine, eine mit Dampfkraft betriebene Fördermaschine, die die Seile für Förderkorb und Seilfahrt, also die Material- und Personenbeförderung in die Tiefe und wieder hinauf, angetrieben haben. Das heißt, dass in zwei benachbarten Hallen gleich vier beeindruckende, über 100 Jahre alte Wunderwerke der Mechanik stehen. Zwischen den Zwillings-Einheiten befindet sich jeweils mittig der Leitstand für den Maschinisten. Nur die östliche Maschine ist ein Denkmal, da am westlichen Geschwisterteil spätere Anbauten erfolgt sind. Im Zuge von Vorführungen wird diese Zwillings-Maschine mit Hilfsmotoren in Bewegung gesetzt. Solch eine Gangbarkeit einer so alten Fördermaschine ist nur an sehr wenigen Orten im Ruhrgebiet zu bewundern. Bemerkenswert ist auch die Erhaltung der originalen Bodenfliesen und der handbetriebenen Kranbahn unter dem Dach. Große Fenster erhellen die Halle mit dem Spitzdach. Die folgenden Bilder zeigen zunächst das östliche Maschinenhaus mit der Zwillingsdampfmaschine, die ein technisches Denkmal darstellt.

Info!Informationen zur Zugänglichkeit und Anreise finden Sie am Ende der Seite. Ich habe es am Tag des offenen Denkmals 2017 besucht und bedanke mich herzlich für die freundlichen Erläuterungen durch die Helfer.

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Zwillings-Dampfmaschine von 1912 im östlichen Maschinenhaus

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Hauben und Öler auf der Maschine

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Panoramablick auf die Fördermaschine aus der Ecke der Halle

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

In der Mitte befindet sich das Treibrad mit dem Förderseil

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Steuerwarte an der Maschine

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Glänzende Armaturen an der Maschine

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Kunst an der Nordwand der Halle

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Steuerwarte und Informationstafel zum Funktionsprinzip der Förderung

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Man muss nur durch eine Tür gehen, um von der östlichen in die westliche Maschinenhalle zu gelangen. Ganz anders präsentiert sich hier die Situation. Man entdeckt eine im Ursprung baugleiche Maschine, die jedoch in den 1970er Jahren umgebaut wurde und daher nicht unter Denkmalschutz steht. Sie ist allerdings nicht weniger beeindruckend. Auffällig ist der grüne Anstrich der Zylinder.

Diese Halle hat eine kleine Zwischenetage bekommen, auf der wechselnde Kunstausstellungen stattfinden. Auffällig ist das im Hintergrund befindliche, etwa 9 Meter hohe Leopold-Regal mit 34 Fächern mit Utensilien und Geschichten von Bergarbeitern der Zeche. Die westliche Maschinenhalle ist auf den nachfolgenden Fotos sichtbar.

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Westliche Zwillings-Fördermaschine in froschgrün

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Details an der Maschine

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Fast die ganze Maschine, in dieser Halle ist der Leitstand (rechts im Bild) verglast und geschlossen

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

In dieser Halle ist eine Zwischenetage eingebaut worden

Maschinenhalle der Zeche Fürst Leopold in Dorsten

Leopold-Regal hinter der Maschine

Info!Informationen zum Besuch und zur Anreise zur Zeche finden Sie am unteren Ende der Seite.

Tipp Von den Helfern am Denkmaltag wurde ausdrücklich ein Spaziergang durch die benachbarte Zechensiedlung (zurück zum Zechenplatz, durch die Pförtnerhäuser verlassen und auf die gegenüberliegende Straßenseite) mit einem Aufbau als Dorf empfohlen. Leider hat das nicht mehr in meinen Zeitplan gepasst, der an diesem Tag noch einige andere Ziele vorgesehen hat.

 

Halde Fürst Leopold I / II

An die Bahnstrecke angrenzend befand sich auf dem Zechengelände eine Bergehalde. Sie lag im Nordosten und dehnte sich in östlicher Richtung aus. In der unten dargestellten Abbildung ist sie etwa 6,5 ha groß. Zu beachten ist im alten Luftbild ein Gewässer am Ende der Haldenböschung, denn dieses ist noch heute vorhanden. Die Halde selbst wurde abgetragen. An ihrer Stelle befinden sich zwei kreisrunde, begehbare Landschaftsbauwerke. Wenn Sie auf die Abbildung klicken, wird das historische Luftbild durch ein aktuelles ausgetauscht. So können Sie die damalige und heutige Situation durch mehrfaches Hin- und Herwechseln einfach vergleichen. Zur Illustration sind heute noch erhaltene Gebäude in beiden Abbildungen mit einer roten Kontur markiert.

 Historische Ansichten der Zeche Fürst Leopold

 

Halde Baldur I / II

Mit Zusammenlegen der Zeche Fürst Leopold und Baldur im Jahre 1931 verlor der Standort Baldur I / II in Holsterhausen an Bedeutung und wurde zurückgebaut. Heute befindet sich an Stelle der Schachtanlage das Gewerbegebiet Baldurstraße. Die angrenzende Bahnstrecke der „Venloer Bahn“ Haltern-Venlo ist heute ein Radweg. Der Name der Zeche stand Pate für eine Rad- und Fußgängerfähre an der Lippe unweit des Geländes. Die kleine Fähre wird von den Passagieren selbst mit Muskelkraft bewegt.

Auch diese Schachtanlage besaß eine Bergehalde. Sie lag westlich des heutigen Gewerbegebietes und dehnte sich zungenförmig in westlicher Richtung aus. In der Darstellung von 1952 hatte sie eine Fläche von etwa 3 ha. Auch hier lässt sich die Darstellung zwischen der historischen und der aktuellen Situation umschalten. So findet man heraus, dass auf der inzwischen abgetragenen Bergehalde eine Kläranlage befindet, dessen geklärtes Wasser in die Lippe geführt wird.

 Historische Ansichten der Zeche und Halde Baldur

 

Informationen zum Besuch der Zeche Fürst Leopold:

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Das Gelände des Creativ Quartiers ist ständig und frei zugänglich. Für den Besuch der Gaststätten und Ausstellungen sind Öffnungszeiten zu beachten und den eigenen Internetseiten zu entnehmen.

Die Maschinenhalle ist üblicherweise zwischen Ostern und Oktober jeden Sonntag von 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Ab 14.00 Uhr wird die historische Dampfmaschine in Bewegung gesetzt. Auf diesen Internetseiten sind die Eintrittspreise kategorisiert. Die Kosten für den Eintritt für einen Erwachsenen für dieses Museum entsprechen der kleinsten Kategorie (unter 5,- Euro pro Person). Genaue Preise, Rabatte und Ermäßigungen sind der offiziellen Internetseite oder Aushängen zu entnehmen.

Die obere Ebene der Maschinenhallen mit den Fördermaschinen wird nur über Treppen erreicht.

Anreise mit dem Auto: Auf der A52 bis zur Ausfahrt 46 Marl-Frentrop. Aus Richtung Essen links, aus Richtung Marl rechts abbiegen auf die B225. Nach ca. 900 m links abbiegen und auf die L608 Richtung Dorsten / Wulfen auffahren. Nach 3,4 km abfahren und rechts abbiegen auf die Halterner Straße. Nach 3 Kilometern liegt das Kreativquartier rechts. Parkplätze befinden sich vor dem Supermarkt an der Zechenstraße oder in der Fürst-Leopold-Allee am Rand (im Kreisverkehr rechts).

Auf der A31 bis zur Ausfahrt 38 Dorsten. Aus Richtung Bottrop links, aus Richtung Emden rechts abbiegen auf die Königsberger Allee Richtung Dorsten. Nach ca. 3 km an der Ampel links auf die B225 und B 224. Den Kanal und die Lippe überqueren und dann rechts auf die Halterner Straße. Das Kreativquartier liegt nach 1 Kilometer auf der linken Seite.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Fürst-Leopold-Allee, Fürst-Leopold-Platz oder Halterner Straße 105 in Dorsten

Geographische Koordinaten: 51°40'19.24"N, 6°58'59.42"E – Zeche Fürst Leopold (Platz)
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 360540 m, 5726484 m – Zeche Fürst Leopold (Platz)

Anreise mit Bus und Bahn: Von Essen Hbf. mit dem RE 14 Richtung Borken bis Hervest-Dorsten. Alternativ von Dorsten (z.B. aus Oberhausen oder Dortmund Hbf.) mit RB 45 Richtung Coesfeld bis Hervest-Dorsten. Vom Bahnhof links halten parallel zu den Gleisen und den Fußgängerdurchgang zur Halterner Straße nutzen. Links unter der Bahn und über den Kreisverkehr bis zum Kreativquartier. Der Fußweg beträgt etwa 1 Kilometer.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Die Römer-Lippe-Route und der Rundkurs Ruhrgebiet verlaufen nahe an der ehemaligen Zeche vorbei.

Quellen und weitere Informationen:

Industriedenkmal-Stiftung (Zeche Fürst Leopold): www.industriedenkmal-stiftung.de
Förderverein Zeche Fürst Leopold: www.bergbau-dorsten.de
Route der Industriekultur (Zeche Fürst Leopold): www.route-industriekultur.ruhr
Creativ Quartier: www.creativquartier-fuerst-leopold.de
Zeche Fürst Leopold bei Ruhrzechenaus.de:

www.ruhrzechenaus.de

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Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 08 / 2018
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