Das Nahverkehrsmuseum Dortmund
Das Nahverkehrsmuseum Dortmund im Stadtteil Mooskamp bewahrt ein wichtiges Stück Stadt- und Verkehrsgeschichte. In historischen Straßenbahnwagen, einer alten Wagenhalle und auf dem Freigelände wird die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in Dortmund anschaulich dokumentiert. Viele Fahrzeuge können nicht nur von außen betrachtet, sondern teilweise auch betreten werden und vermitteln so einen unmittelbaren Eindruck vom Reisen vergangener Jahrzehnte.
Besonders reizvoll ist jedoch, dass einige historische Fahrzeuge nicht nur als Ausstellungsstücke dienen: An den Betriebstagen können Besuchende mit einem historischen Zug über die ehemalige Eisenbahnstrecke der Hansabahn fahren und so ein Stück Verkehrsgeschichte in Bewegung erleben.



Die Ausstellung erzählt zugleich die Geschichte einer Stadt, die im Zuge der Industrialisierung rasant wuchs. Mit den steigenden Einwohnerzahlen nahm auch der Bedarf an neuen Verkehrsmitteln zu. Wie aus den ersten Pferdebahnen und Straßenbahnen ein leistungsfähiges Nahverkehrsnetz entstand und welche Fahrzeugtypen dabei zum Einsatz kamen, zeigt ein Blick auf die Entwicklung des Dortmunder Straßenbahnverkehrs.
Die Straßenbahn als neues Fortbewegungsmittel
Die Industrialisierung im Ruhrgebiet hatte innerhalb kürzester Zeit ein enormes Bevölkerungswachstum zufolge. Täglich mussten tausende Arbeiter zum Teil bis zu zwei Stunden Fußweg auf sich nehmen, um von der Wohnung zur Arbeitsstätte zu gelangen. Freizeit mit der Familie gab es an Werktagen somit kaum. Die noch entstehende Eisenbahn diente vielmehr dazu, Städte miteinander zu verbinden, wegen der Schmutz- und Lärmbelastung der Dampflokomotiven nicht aber dem innerstädtischen Nahverkehr. Die noch existierende Postkutsche hatte Kapazitätsgrenzen. Autos mit Verbrennungsmotoren steckten gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen. An Buslinien, wie man sie heute kennt, war damals noch nicht zu denken.
Im 19. Jahrhundert gab es zahlreiche Entwicklungen bei den Fortbewegungsmitteln. Erste Pferde-Bahnen verkehrten, 1881 befand sich die erste elektrische Straßenbahn der Welt in Berlin im Probebetrieb. Die erste Straßenbahn in Dortmund fuhr in den 1890er Jahren als Freizeitbahn den Fredenbaumpark an und wurde sehr gut genutzt. In der Folge entstand das Straßenbahnnetz, das bis zur Inbetriebnahme der heutigen unterirdischen U-Stadtbahn stetig ausgebaut und modernisiert wurde.
Dazu kamen im Laufe der Zeit unterschiedlichste Straßenbahn-Baureihen zum Einsatz, die den technischen Fortschritt, die Moderne und den Zeitgeist sowie Überlegungen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit widerspiegeln. Frühe Bahnen besaßen beispielsweise noch einen offenen, vor Wetter ungeschützten Führerstand, weshalb sie als „Sommerwagen“ bezeichnet werden. Sind im Zweiten Weltkrieg die meist noch aus einem hölzernen Wagenkasten bestehenden Bahnen teilweise abgebrannt, so konnten neue Züge auf dem stählernen Fahrgestell aufgebaut werden (Aufbaubahn).
Wirtschaftlicher Betrieb durch Gelenktriebwagen
Der steigenden Konkurrenz gegen den motorisierten Individualverkehr trotzend mussten Kosten gesenkt werden. Da in jedem Wagenteil Begleitpersonal vorhanden war, konnten Personalkosten eingespart werden, indem die einst autarken Waggons miteinander verbunden und so zu längeren Gelenktriebwagen wurden. Dieser Triebwagentyp, kurz GTW, ist heute ausschließlich im Einmannbetrieb auf den Dortmunder Schienen unter und über der Erde unterwegs. Allerdings existieren in Dortmund heute ausschließlich U-Bahn-Linien und keine traditionellen Straßenbahnen mehr.
Im Jahre 2008 ersetzten die U43 und U44 mit dem Neubau der Ost-West-Tunnelverbindung die letzten Linien 403 und 404, auch wenn die Stadtbahn, wie sie hier heißt, insbesondere außerhalb der Innenstadt oberirdisch fährt. Eine Besonderheit hat die U47 nach Aplerbeck: Sie fährt in großen Teilen in der Mitte der Bundesstraße B1 bzw. zukünftig teilweise A40.
Nahverkehrsmuseum im Mooskamp
Im Dortmunder Norden befindet sich seit 2003 das Nahverkehrsmuseum Dortmund im Mooskamp. In einem alten Lokschuppen, in einer Wagenhalle und auf dem Freigelände können einmal im Monat historische Schienenfahrzeuge der Dortmunder Straßenbahn aus unterschiedlichen Epochen besichtigt werden. Die Exponate vermitteln plastisch und zum Anfassen die beschriebene Entwicklung auf dem Dortmunder Straßenbahnnetz.
















In einige Wagen darf man einsteigen und auf den alten Holzbänken platznehmen oder den Führerstand begutachten. Besonders lohnenswert ist eine Führung, während der fast sämtliche Fahrzeuge, deren Eigenarten und Geschichte anschaulich erläutert. So existieren beispielsweise Bahnen mit einer dritten Mittelachse, mit und ohne der zeitweise typischen Dortmunder Front-Form, mit Holzbänken oder Stoffsesseln. Abgerundet wird dies durch unterhaltsame oder interessante Anekdoten.














Vor den Schuppen gibt es ein Gleisvorfeld. Zwischen den Schienen wächst – typisch für Straßenbahnen – Gras. Dazwischen sind hier einige Stauden angepflanzt, die in den Sommermonaten bunt blühen.
Ganz außen gibt es einen Bahnsteig mit einem Wartehäuschen. So richtig mit Bank unterm Dach, Mülleimer, Haltestellen-H und einer Bahnhofsuhr. Mit etwas Glück steht bereits eine Straßenbahn am Bahnsteig. Was es damit auf sich hat, zeigt der nächste Abschnitt: die Mitfahrt auf der Hansabahn.







Straßenbahn auf der Hansabahn
Eisenbahnfreunde sind am meisten begeistert, wenn das Material rollt und nicht nur in einer Halle steht. Ein Höhepunkt beim Besuch des Museums ist daher die optionale Fahrt mit einer historischen Straßenbahn auf Schienen der alten Hansabahn zwischen Ellinghausen und Huckarde vorbei an der Kokerei Hansa (gegen Aufpreis).
Die Verbindungsbahn zwischen Kokerei, Hafen und Stahlwerk UNION ist in den 1920er Jahren entstanden und Teil der Hoesch-Bahnen. Die Bahnhof Mooskamp gGmbH ist Infrastrukturunternehmen eines Teils der Gesamtstrecke. Derzeit wird mit zwei Richtungswechseln eine Stichstrecke Richtung Elleringhausen sowie 3,5 Kilometer nach Süden etwa bis zur Mallinckrodtstraße befahren. Die Rückfahrt erfolgt über das Gelände der Kokerei Hansa.


















Da die Trasse keine Oberleitung besitzt, ist dem Zug ein Generatorwagen angehängt, der den Strom für den originalen Fahrmotor produziert. Nicht alle Straßenbahnen sind für die Weichen einer „normalen“ Eisenbahn geeignet. Sie bedurften eines Umbaus. Je nach Nachfrage können verschiedene Triebwagen eingesetzt werden, im Beispiel zu sehen ist der Gelenktriebwagen GT4 Nummer 431 von 1957 in den Originalfarben mit schwebendem Mittelteil sowie der Wagen 173 von 1914. Der GTW war ebenfalls mit Generatorwagen schon zeitweise im Almetal bei Brilon im touristischen Verkehr unterwegs.
Hansa-Brückenzug
Das größte Bauwerk der Strecke ist eine Kombination mehrerer Stahlfachwerkbrücken, der insgesamt etwas mehr als 300 Meter lange sogenannte „Hansa-Brückenzug“. Er überquert die Emscher, die Emschertalbahn sowie eine heute nicht mehr existierende Verbindungsstrecke. Der Brückenzug ist schnurgerade und trägt als Besonderheit eines der großen Gasrohre, die früher als Gasnetz quer durch Dortmund verliefen.









Die Fahrt endet unweit des Tunnels unter der Mallinckrodtstraße. Es ist zu verfolgen, inwieweit auch im Zuge der IGA 2027 Veränderungen an der Strecke, am Fahrtverlauf oder sogar im Pendelverkehr zur Kokerei Hansa erfolgen.
Tipp des Autors:
Das Eisenbahnmuseum ist ein kleines, noch eher unbekanntes, aber sehr lohnenswertes Ziel mit allerdings sehr eingeschränkten Öffnungszeiten. Die Fahrt mit der historischen Straßenbahn auf der Hansabahn ist ein Muss. Idealerweise wird der Besuch mit der Kokerei Hansa kombiniert. Es bietet sich außerdem ein Besuch des benachbarte Deusenbergs an. Andere Ziele in der Umgebung sind das LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Bövinghausen oder die Halde Schwerin in Castrop-Rauxel.
Informationen zum Besuch:
Öffnungszeiten und Eintrittspreise:
Geöffnet ist das Nahverkehrsmuseum ganzjährig am jeweils dritten Sonntag eines Monats von 12.00 bis 17.00 Uhr. Die Kosten für den Eintritt für einen Erwachsenen entsprechen der mittleren Kategorie €€ (zwischen 5,- Euro und 10,- Euro pro Person).
Zwischen April und Oktober findet ein Fahrbetrieb auf der alten Hansabahn statt (Fahrtzeiten siehe offizielle Internetseite). Eingesetzt wird eine historische Straßenbahn mit angehängtem Generatorwagen. Fahrkarten können an der Kasse beim Eintritt gekauft werden.
Im Eisenbahnmuseum besteht die Möglichkeit zu einem kleinen Imbiss in der historischen Lokhalle. In einer der Hallen gibt es eine Toilette.
Offizielle Internetseite: www.bahnhof-mooskamp.de
Anreise mit dem Auto:
Auf der A45 bis zur Ausfahrt 4 Dortmund-Marten, Huckarde, Hafen und dort sofort rechts abbiegen Richtung Huckarde / Hafen (nicht Richtung Marten). An der nächsten Ausfahrt abfahren Richtung Huckarde / Dorstfeld. Links abbiegen auf die Huckarder Straße Richtung Huckarde / Mengede. Vorbeifahren an der Kokerei Hansa und hinter der Brücke rechts abbiegen in die Straße Mooskamp. Im Normalfall kann man hier am Rand parken, bei Sonderveranstaltungen gibt es auch einen Parkplatz.
Zieleingabe ins Navigationssystem: Mooskamp 23 in Dortmund
Anreise mit Bus und Bahn:
Von Dortmund Hauptbahnhof mit der U47 Richtung Westerfilde bis Obernette. Von dort zu Fuß rechts auf die Obernetter Straße (nicht die Schienen überqueren) und an der Bodelschwingher Straße rechts. Nach 200 Metern an der Kreuzung geradeaus in den Mooskamp und weiter bis zum Nahverkehrsmuseum, das nach weiteren 300 Metern erreicht ist.
Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike:
Der Emscher-Park-Radweg führt direkt am Nahverkehrsmuseum vorbei. Ein kurzer Abstecher ist möglich vom Emscherweg hinter dem Deusenberg. In Höhe Ellinghausen (Straßenbrücke über den Kanal) kann ein Umweg von der Radroute am Dortmund-Ems-Kanal durchgeführt werden.
Kartenmaterial / Literatur:
In den folgenden gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist das Museum bzw. die Region abgebildet: ADFC Regionalkarte radrevier.ruhr Ost* (1:50.000), Kompass Fahrradkarte Ruhrgebiet / Bergisches Land* (1:70.000) sowie BVA Radwanderkarte Kreis Recklinghausen* (1:50.000).
Diese thematisch passenden Bücher empfehle ich zur Vertiefung: 111 Orte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss* und Dortmund von oben – die schönsten Luftbilder der Stadt*
Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung
Geographische Koordinaten: 51°32’57.20“N, 7°24’23.25“E
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von beispielsweise GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32): 389510 m, 5712106 m
Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.