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Der Radweg auf der Klöcknerbahn und Umgebung

Bahntrassenradeln auf alter Zechenbahn zwischen Unna, Kamen, Bergkamen und Werne

Aus dem dichten Netz von Zechenbahnen und Güterbahntrassen ist im Ruhrgebiet heute nicht viel übriggeblieben. Die Bergwerke und Industrien, die sie einst bedienten, gibt es vielfach nicht mehr und ließen die Schienen-Anbindungen überflüssig werden. Aus vielen Trassen im Revier wurden Radwege. Sie verlaufen gut ausgebaut, häufig steigungsarm und unabhängig vom Straßenverkehr. Man kommt zügig zwischen Orten hin und her oder kann auf einer Ausflugsfahrt Abstecher zu einigen naheliegenden Sehenswürdigkeiten machen.

Ein kleines Netz bestehend aus mehreren zusammenhängenden Bahntrassenradwegen findet man im Kreis Unna zwischen Unna, Bönen, Kamen, Bergkamen und Werne. Die Hauptachse ist die alte Klöcknerbahn, die vor allem die Zeche Königsborn mit verschiedenen Schachtanlagen an das übrige Eisenbahnnetz angebunden hat. Auf einer Radtour kann man mehrere alte Fördergerüste anschauen, an der Marina Rünthe ein Eis essen oder die große Haldenlandschaft in Bergkamen bezwingen.

Die folgende Karte zeigt den Verlauf der Hauptachse von Unna bis Werne (magenta). Es zweigen verschiedene ehemalige Bahnstrecken (rot) ab, die als Zubringer z.B. vom Bahnhof Kamen genutzt werden können oder zu alten Industrie- und Zechenanlagen führten. Die rechte Seite der Karte ist die Fortsetzung der linken Seite im Norden. Eingezeichnet sind außerdem andere Themenradwege (blau) wie der Sesekeweg oder die Römer-Lippe-Route. Die dicken schwarz-weißen Linien sind noch heute genutzte Bahnstrecken, die dünnen nicht mehr vorhandene Anschlussgleise ohne Radweg.

Übersichtskarte Klöcknerbahntrasse

Oberflächenbeschaffenheit und Beschilderung:
Die Trasse und alle abzweigenden Bahntrassenradwege sind gut ausgebaut und befahrbar. Die Oberfläche ist meist wassergebunden, in kurzen Abschnitten asphaltiert oder gepflastert und in einzelnen Abzweigen auch weniger befestigt.

Es gibt keine thematische Beschilderung des Radweges. Man kann sich aber sehr gut mithilfe des Radverkehrsnetzes NRW mit den bekannten weiß-roten Richtungsschildern orientieren. Kleine, quadratische Tafeln mit rotem Fahrrad-Piktogramm geben mit einem Pfeil die Fahrtrichtung an. Stößt der Weg auf einen anderen Radweg, so findet man größere Richtungsschilder mit einer Ortsangabe und Entfernung. Zusätzlich kann man dem Knotenpunktnetz des Radreviers.Ruhr folgen, das an diesen großen Richtungsschildern ebenfalls gekennzeichnet ist. So ist der Kreuzungspunkt mit dem Sesekeweg Punkt Nr. 1, die Marina Rünthe Nr. 2, der Bahnhof Kamen Nr. 14 und eine in der Nähe des Streckenendes in Stockum befindliche Brücke über die Lippe die Nr. 4. Sowohl am Abzweig nördlich von Kamen und nördlich von Bergkamen ist aus Richtung Norden besondere Achtung geboten, sich nicht zu verfahren. Die Beschilderung dort ist allerdings eindeutig, sofern man das Richtungsziel kennt.

Gesammelte Koordinaten für die Zieleingabe in Navigations- und GPS-Geräte finden Sie am Ende des Beitrags.

Kartenmaterial / Literatur: In den rechts dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher unten sind zur Vertiefung empfohlen.

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Die Bezeichnung des Weges verschwimmt manchmal etwas. Der heute nach dem Schriftsteller Max von der Grün benannte Abschnitt nach Bönen wird meist auch als Klöcknerbahntrasse bezeichnet, wohingegen auf der Klöcknerbahntrasse zwischen Schattweg und Kamen auch Schilder mit dem Namen dieses Schriftstellers hängen. Der Abschnitt nördlich von Bergkamen hat eigentlich mit der Klöcknerbahn ebenfalls nichts zu tun.

 

Ein bisschen Hintergrundgeschichte
Bei der Fahrt auf der Tour ist es ganz nützlich zu wissen, welche Trassen zu welchem Zeitpunkt gebaut wurden und welchen Hintergrund sie haben. Von Interesse ist dabei aber weniger die Jahreszahl (wir sind ja hier nicht in der Schule) als der Fakt, ob ein Abschnitt vor oder nach einem bestimmten anderen errichtet wurde. Von Unna-Königsborn bis zum Kamener Bahnhof führt seit 1900 eine Strecke, die ein Teilstück der Bahnstrecke von Unna und Fröndenberg ist. Dies ist einer der wenigen Abschnitte mit einem Personenverkehr, wenn dieser auch schon früh wieder eingestellt wurde. Nördlich von Königsborn kreuzte dieser Abschnitt die Bahnstrecke, die ebenfalls vom Bahnhof Königsborn aus über Heeren-Werve bis Bönen zu den dortigen Schachtanlagen der Zeche Königsborn führte. Sie ist heute ein anderer Radweg und als Max-von-der-Grün-Weg bekannt.

Vom Bahnhof Kamen führte außerdem eine Strecke mit Anschluss der Zeche Grillo westlich um die Stadt herum und endete an der Zeche Monopol. Die dritte wichtige Strecke ist die 1902 eröffnete Bahnstrecke der Werne-Bockum-Höveler Eisenbahn von der Zeche Werne in Richtung Hamm, ganz im Norden unserer Tour. Hier fand ebenfalls ein geringfügiger Personenverkehr statt.

So haben wir hier zunächst drei verschiedene Streckenabschnitte südlich von Kamen, nördlich von Kamen und von Bergkamen nach Werne und weiter nach Hamm. Erst später erfolgte allerdings die Verbindung dieser drei Strecken über die Ostumgehung von Kamen und von Bergkamen nach Rünthe. In Heeren-Werve gab es später auch eine Verbindungskurve mit der Zechenbahn (heute Max-von-der-Grün-Weg) nach Bönen und in Bergkamen erfolgte aus nördlicher Richtung kommend ein weiterer Anschluss an die Zeche Monopol, während die Trasse nach Kamen stillgelegt wurde.

Alle Strecken sind heute stillgelegt. Die Schienen wurden abgebaut und die Trassen zu Radwegen umfunktioniert. Das bedeutet, wer einfach nur schön von Unna zur Marina fahren möchte, dem kann die Geschichte egal sein. Treten wir also in die Pedale:

 

Von Unna-Königsborn und Heeren-Werve nach Kamen

Der Startpunkt des Bahntrassenradweges auf der Klöcknerbahn liegt einsam und verlassen am Schattweg in Kamen. Vom Bahnhof Königsborn aus ist der größte Teil der Trasse bis hierher zwar ebenfalls stillgelegt, führt allerdings über das Gelände der aktiven Glückauf-Kaserne der Bundeswehr und ist für Zivilisten nicht zugänglich. Ein paar hundert Meter südöstlich von uns führt der Radweg auf der stellenweise ebenfalls Klöcknerbahn genannten Trasse nach Bönen. Nach dem gleichnamigen Schriftsteller ist er Max-von-der-Grün-Weg genannt. Der Name des Autors taucht auch auf unserem Abschnitt Richtung Kamen weiter auf. Hier am Schattweg (der damals noch nicht in der heutigen ausgebauten Form existierte) gab es früher einen Bahn-Haltepunkt. Ob dieser intensiv genutzt wurde, ist fraglich. Mit der Stilllegung des Personenverkehrs um 1919 auf dieser Strecke wurde dieser Halt jedenfalls jetzt vor über 100 Jahren aufgegeben.

Anreise zum Ausgangspunkt der Radtour am Schattweg:

Anreise mit dem Auto: Auf der A1 bis zur Ausfahrt 83 Kamen-Zentrum. Rechts auf die Unnaer Straße (B233) Richtung Unna. Nach wenigen hundert Metern hinter der Autobahn links abbiegen auf den Schattweg Richtung Heeren-Werve. Nach etwa 1,3 km liegt links der Streckenbeginn, aber hier ist keine Parkmöglichkeit. Beispielsweise nach 100 weiteren Metern links abbiegen und weiter auf dem Schattweg und in der Wohnsiedlung am Rande des Heerener Holzes Parken.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Schattweg, Parkmöglichkeiten nahe Kreuzung Grafendwald in Kamen

Anreise mit Bus und Bahn: Mit der S4 bis Unna-Königsborn. Vom Bahnsteig links auf die Hubert-Biernat-Straße. Am Ende links in die Hammer Straße und dann im Kreisverkehr links in die Gießerstraße. Diese geht in den Schattweg über. Dort liegt der Streckenbeginn (ca. 3,6 km Anfahrtsweg). Alternativ von Unna (RE 7, RE 13, RB 54 / 59) rechts vom Bahnhof und durch den Rad- und Fußgängertunnel. Sofort rechts, im Kreisverkehr geradeaus auf der Hammer Straße bis zum nächsten Kreisverkehr. Dort links in die Gießerstraße. Diese geht in den Schattweg über. Dort liegt der Streckenbeginn (ca. 4,8 km Anfahrtsweg)

Dieser Streckenabschnitt ist einer der wenigen früher zeitweise von Personenzügen befahrenen Teile. Es ist der letzte Abschnitt der Strecke, die von Fröndenberg/Ruhr über Unna nach Kamen führte und der einzige stillgelegte Teil davon. Zwischen Fröndenberg und Unna ist sie heute eine von einer Regionalbahn befahrene Strecke, zwischen Unna und Königsborn ist sie Teil der S-Bahn Rhein-Ruhr mit der nach Dortmund fahrenden Linie S4. Auf alter Bahntrasse fahren wir nun in nordwestlicher Richtung durch landwirtschaftlich geprägtes Gebiet. Rechts von uns liegt das Heerener Holz, ein Waldstück, das eine Naturwaldzelle hat und unter Naturschutz steht. Im recht waldarmen nördlichen Kreis Unna ist dies eine der wenigen größeren Waldflächen. Vom Anschluss an die Straße In der Bredde können wir den Wald erreichen.

Auf der Trasse unterfahren wir die neue Autobahnbrücke der A1. Unsere Strecke beschreibt dahinter eine deutliche Rechtskurve. Einst führte die ursprüngliche Bahnstrecke Fröndenberg-Kamen geradeaus weiter zum Bahnhof Kamen, wo sie dann endete. Wir fahren jetzt auf einer vergleichsweise jungen Bahnstrecke, die erst Jahrzehnte nach der Verbindung nach Kamen entstanden ist. Sie umrundet die Stadt Kamen auf der Ostseite. Gleich mehrfach entdecken wir Schilder des Radverkehrsnetzes, die jeweils links in Richtung Stadtmitte weisen. Unter anderem am Knotenpunkt 1 des Radreviers.Ruhr. Hier kreuzen wir den Sesekeweg, der entlang der POI: Ort von Interesse am Wegesrand Seseke von Bönen über Kamen nach Lünen bis zu ihrer Mündung in die Lippe führt. Gar nicht weit von uns, links können wir sie teilweise hinter dem Feld sehen, liegt eine der ältesten Eisenbahnbrücken Deutschlands, die „Fünf-Bogen-Brücke“. Wer also am Thema Eisenbahn und Architektur interessiert ist, kann einen kurzen Abstecher dorthin machen. Über den Sesekeweg würden wir auch zur westlichen Güterbahnstrecke um Kamen kommen, die im folgenden grauen Kasten als Alternativstrecke Richtung Bergkamen vorgestellt wird.

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Der Beginn des Radwegs auf der Klöcknerbahn am Schattweg

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Der Weg führt zunächst durch ländliches Gebiet

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Knotenpunkt 1 des Radreviers Ruhr an der Kreuzung mit dem Sesekeweg. Unser Radweg führt geradeaus weiter

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Brücke unter der Bahnstrecke Dortmund-Hamm – ein RRX kreuzt

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Schattige Lage entlang der Felder bei Kamen

Wir unterfahren die Bahnstrecke zwischen Dortmund und Hamm, auf der immer wieder schnelle Nahverkehrs- und Fernverkehrszüge hin und her fahren. Diese führt einige hundert Meter westlich von hier über besagte Fünf-Bogen-Brücke.

Wir sind nicht weit vom berühmten Kamener Kreuz entfernt, wo sich die Autobahn A1 „Hansalinie“ mit der „Warschauer Allee“, der A2, kreuzt. Seit den 1930er Jahren existiert das Autobahnkreuz. Der Volksmund sagt, das Kamener Kreuz sei die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Deutschland und gleichzeitig wichtigste Pilgerstätte vieler auch internationaler Auto- und LKW-Fahrer. Nicht einmal der Kölner Dom oder das Schloss Neuschwanstein kommen ansatzweise auf die Zahl tausender "Besucher" pro Tag, die dort allerdings sicherlich ein wenig länger verbleiben. Auf der Derner Straße (Zugang von der Klöcknerbahntrasse) könnte man von der nahen Autobahnbrücke auf das Kreuz schauen und auch die markante Skulptur mit einem gelben ADAC-Hubschrauber von weitem sehen.

Links liegen die Ausläufer der Stadt mit einigen Mehrfamilienhäusern (mal mehr und mal weniger schön), rechts einige Felder oder kleine Wäldchen. Die A2 markiert das Ende der städtischen Siedlung von Kamen. Dahinter befindet sich rechts die POI: Ort von Interesse am Wegesrand Parkanlage (Am) Galgenberg, die über eine Treppe (mit schiefer Ebene für schiebende Fahrräder) erreicht wird. Die hügelige Landschaft der Parkanlage und insbesondere eine zentrale Erhebung im Norden hängen nach Aussagen eines Anwohners mit dem Kamener Kreuz zusammen. Hier ist der Aushub der Bauarbeiten des Autobahnkreuzes abgelagert. Wege durchziehen den Park mit Wiesen, auf denen dicht inzwischen recht alt gewordene Bäume stehen. Es handelt sich übrigens nicht um den Galgenberg an sich, den man einige Kilometer westlich von hier findet. Daher betont man hier gerne Am Galgenberg.

Kurz darauf erreichen wir die Abzweigung zum Radweg auf der älteren Trasse, die sich vom Kamener Bahnhof aus Südwesten kommend angenähert hat.

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Hier befand sich früher ein Schienen-Abzweig: Klöcknerbahntrasse links und Strecke zum Bahnhof Kamen rechts (Blick zurück)

Alternative Strecke vom Bahnhof Kamen

Vom Bahnhof Kamen aus führte eine weitere Bahnstrecke westlich um die Stadtmitte herum. Auch sie ist abgebaut und kann als ausgebauter Radweg quer durch die Stadt genutzt werden. Der Radweg beginnt an der Westicker Straße ein wenig westlich vom Bahnhof (Knotenpunkt 14). Von dort führt sie zunächst schnurgerade in nördlicher Richtung. Wir stoßen am Knotenpunkt 15 auf die Seseke samt Radweg Sesekeweg, der den Fluss zwischen Bönen und Lünen begleitet. Zuvor haben wir an der Kreuzung mit der Wilhelm-Bläser-Straße die Möglichkeit, bis zur Mündung des Körnebachs in die Seseke und dort auf den Radweg entlang der Körne in Richtung Dortmund zu fahren.

Links von uns liegt hinter der Brücke über die Seseke das neue Wohngebiet Seseke-Aue. Es erstreckt sich teilweise auf dem Gelände der alten Zeche Grillo. Noch heute sind das Fördergerüst und die Maschinenhalle zu sehen. Außerdem befindet sich hier eine langgestreckte Bergehalde. Mit einem kleinen Abstecher über die Kreuzung an der Hochstraße geht es auf dem Korridor weiter und rings um die Stadt Kamen. Ein kleiner Supermarkt liegt direkt an der Trasse, ansonsten fahren wir hinter Garagen und Gärten meist von Mehrfamilienhäusern her. Unter der Autobahn A2 führt eine Brücke, hinter der die Kupferbergsiedlung erreicht wird. Nach Überqueren der Münsterstraße stoßen wir auf den Radweg, der aus Richtung Unna kommend Kamen auf der Ostseite umrundet hat.

Zeche Monopol in Kamen

Zeche Grillo im heutigen TechnoPark Kamen

Zeche Grillo in Kamen

Markantes rotes Fördergerüst der Zeche Grillo

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Ehemalige Bahnstrecke mitten durch die Wohnsiedlungen

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

... und heute damit gute Radverbindung im Westen von Kamen

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Anreise mit Bus und Bahn: Mit dem RRX oder den Regionalexpress-Zügen von Hamm und Dortmund bis Kamen. Vor dem Bahnhof links auf der Straße Am Bahnhof und dann links in die Westicker Straße bis zum Beginn des Bahntrassenradweges auf der rechten Seite (Richtung Knotenpunkt 15).

 

Von Kamen nach Rünthe

Die beiden unterschiedlich alten Streckenäste haben Kamen an diesem Abzweig nun in die Zange genommen. Übrigens gibt es nicht weit vom Abzweig entfernt direkt an der westlichen Trasse ein Restaurant mit kleinem Biergarten bzw. überdachter Terrasse. Wie der Abzweig auch, liegt dieses bereits auf dem Stadtgebiet von Bergkamen. Unser Radweg auf der Klöcknerbahn führt zwischen Büschen durch die Felder. Links ist in der Ferne die Halde Großes Holz zu sehen, davor der ungewöhnlich gebaute Förderturm der Zeche Monopol. Hinter einem Bauernhof führte in unserer Fahrtrichtung Norden nach rechts abzweigend ein Gleisanschluss zu einer Firma. Heute ist dieser ein Weg.

Die Siedlungsbereiche von Kamen und Bergkamen liegen gar nicht so weit auseinander. Daher enden die Felder bald schon wieder und wir fahren durch die Wohnsiedlungen am Rande von Bergkamen. Die Landwehrstraße queren wir unweit eines Imbisses mithilfe einer Verkehrsinsel und fahren geradeaus in die Straße „Drei Finken“. Die sie umgebende Wohnsiedlung ist erst nach Schließung der Bahnstrecke entstanden. Die ursprüngliche Bahnstrecke beschrieb von hier aus eine langgestreckte Linkskurve und führte parallel zur heutigen Fritz-Husemann-Straße bis zur Zeche Monopol. Wir folgen einem erst später entstandenen Abzweig von dieser Strecke weiter nach Norden. Die Industriestraße queren wir an einer Ampel. Unser Radweg macht zwei kurze scharfe Schlenker, die der Güterzug früher sicherlich nicht gemacht hat. Unsere Bahnstrecke führte hier bis etwa in die 1970er oder 1980er Jahre weiter. Dann wurde sie auf dem Teilstück abgebaut, während etwa zeitgleich eine neue Strecke nach Südwesten zur Zeche Monopol gebaut wurde. An der Brücke unter der Strecke zwischen Lünen und Hamm ist der Verlauf wieder identisch. Für uns äußert sich das darin, dass wir auf eine in einer langen Kurve verlaufenden anderen Radweg stoßen, der von hier noch ein Stück weiter führt, um nahe der sogenannten Gartensiedlung zu enden. Wir folgen der Beschilderung in Richtung Knotenpunkt 2 und unterfahren bald die noch aktive Eisenbahnstrecke zwischen Lünen und Hamm, die in West-Ost-Richtung verläuft. Nicht weit von hier hat sich früher der Bahnhof Bergkamen-Werne befunden, der ab den späten 1920er Jahren nur noch Bahnhof Bergkamen hieß.

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Zwischen Kamen und Bergkamen (Blick zurück)

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Fachwerk trifft Förderturm: Zeche Monopol

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Durch die Wohngebiete von Bergkamen

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Mit Ampel gesicherter "Bahnübergang"

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Achtung: Wir wechseln die Bahntrasse (Blick zurück)

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Wir fahren geradewegs auf Rünthe zu

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Rastplatz am Wegesrand, kurz vor dem ehemaligen Abzweig zum Kanalhafen und zur Zeche Werne III

Früher gab es eine direkte Verbindung zum alten Zechenhafen am Datteln-Hamm-Kanal. Noch heute ist der alte, knapp 3 Meter hohe Damm hinter einer Pferdeweide zu erkennen. Kurz vor der Rünther Straße führte ein aus der Gegenrichtung abzweigendes Anschlussgleis zur Schachtanlage III der Zeche Werne. Auf dessen Weg gelangen wir zum heutigen Veranstaltungszentrum „Schacht III“.

Abstecher zur Zeche und Halde Werne III

Interessant ist außerdem die nicht verachtenswerte Bergehalde. Sie liegt ein wenig östlich von der heute bekannten Marina am Datteln-Hamm-Kanal in der Rünther Heide südlich der Wohnsiedlungen. Wenn sie auch deutlich niedriger als ihr Gegenstück auf der Hauptschachtanlage I / II ist, überrascht sie durch ihre Ausdehnung, die zunächst nicht ganz offensichtlich ist. Sie erstreckt sich auf fast einem Kilometer Länge von der Klöcknerbahntrasse in Ostrichtung entlang des Beverbaches bis zur Schlägel- und Westfalenstraße in der Kettelersiedlung. Der höchstgelegene Punkt liegt mit 70 Metern Höhe über dem Meeresspiegel etwa 15 Meter über der Umgebung. Einen scharfen Einschnitt erfährt sie durch die Verlängerung der Straße Zum Schacht III, die den künstlichen Abraumberg hart in einen großen Ost- und einen schmalen, zungenförmigen Westteil aufteilt. Während die höchste Böschung im Westen nur fünf Meter hoch ist, ist der Ostteil bis zu dreimal so hoch. Beide Haldenteile sind durch einen jungen Wald mit unterschiedlichen Gehölzarten bewachsen.

Karte Halde Werne III

Halde Werne 3

Kleiner Krater im Ostbereich der Halde Werne III

Halde Werne 3

Sicht auf eine Siedlung mit fast ausnahmslos erdfarbenen Häusern

Halde Werne 3

Rundweg entlang der Böschungskante

Halde Werne 3

Schnurgerader Weg auf dem Kamm des Westteils

Die Trasse nach dem Abzweig der Anschlussbahn ist nun wieder älter als das Teilstück zwischen Bergkamen und Rünthe, das hinter uns liegt. Bereits in den 1920er Jahren existierte die Bahnstrecke zwischen den zwei Schachtanlagen der Zeche Werne und damit auch die Fluss- und Kanalbrücke. Im Film „Speed“ von 1994 mit Keanu Reeves und Sandra Bullock, in dem es um einen Bus geht, der nicht bremsen darf, fehlt ein 15 Meter langes Teilstück einer noch nicht fertiggestellten Autobahn. Hier sind es knapp 50 Meter, die fehlen. Aber sowohl im Kinofilm als auch auf dem Radweg ist es nicht nur ein Stück Weg, sondern jeweils eine Brücke. Die Eisenbahnbrücke über den Datteln-Hamm-Kanal existiert heute nicht mehr. Unser Bahntrassenradweg endet daher ziemlich unerwartet am Wasser. Aber keine Sorge, man wird das Ende nicht übersehen und unfreiwillig baden gehen.

Hier haben wir den Knotenpunkt 2 erreicht. Direkt neben uns befindet sich ein Parkplatz, der sich auch als Ausgangspunkt für eine Radtour auf dem kleinen Radwegenetz eignet. Von hier aus kommen wir unmittelbar zur POI: Ort von Interesse am Wegesrand Marina Rünthe. Aus dem alten Verladehafen der Zeche Werne wurde der größte Yachthafen NRWs. Es gibt mit Restaurant, Biergarten und Eisdiele einige Einkehrmöglichkeiten. Man kann den Moment jedoch auch nutzen, an der Promenade zu spazieren und auf einer Bank mit Blick aufs Wasser von der enormen Leistung des fast ebenen und unglaublichen 10 Kilometer langen Radwegs bis hierher zu erholen. Ausführlicher ist die Marina in ihrem eigenen Beitrag beschrieben.

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Abruptes Ende: Knotenpunkt 2 am Datteln-Hamm-Kanal

Marina Rünthe Yachten

Marina Rünthe im ehemaligen Zechenhafen

Marina Rünthe

Blick über die Marina Rünthe. Hinten ist die blaue Straßenbrücke zu erkennen, die wir auf der Radtour nutzen werden

Marina Rünthe in Bergkamen Marina Rünthe Yachten

Wir nutzen die Straßenbrücke mit den schönen blauen Stahlbögen der Werner Straße (B233) über den POI: Ort von Interesse am Wegesrand Datteln-Hamm-Kanal und fahren dahinter auf der parallel zur Straße verlaufenden Bahntrasse fort. Hier verläuft außerdem der Themenradweg Römer-Lippe-Route zwischen Detmold im Teutoburger Wald und Xanten am Niederrhein. Den Ostenhellweg queren wir wieder mithilfe einer Ampel. Dann nähern wir uns der POI: Ort von Interesse am Wegesrand Lippe. Über den Fluss spannt sich eine schöne rot-graue Stahlfachwerkbrücke direkt neben der Straßenbrücke.

 

Von Rünthe nach Werne-Stockum

Bis ins Jahr 2012 endete der schöne Radweg auf alter Bahntrasse direkt hinter einer mustergültig sanierten Lippebrücke an einem Zaun, denn das Zechengelände war nicht öffentlich zugänglich. Dann allerdings wurde der Radweg von Rünthe nach Stockum eröffnet, der auf der weiteren Trasse der Zechenbahn verläuft und das Areal neu erschloss. Die Zäune sind nun abgerissen und das Zechengelände öffentlich zugänglich. Die Lippe markiert übrigens die Stadtgrenze. Wir sind nun in Werne.

Man befährt oder betritt ein heute landschaftlich recht interessantes Gebiet zwischen Bundesstraße und Lippe. Der Fluss verlief hier ursprünglich in engen Mäanderbögen und wurde zum Teil begradigt. Sogar eine Schleuse hat sich hier befunden – einzelne Altarme sind heute noch vorhanden, andere verschwunden, der Verlauf des Schleusenkanals lässt noch erahnen, vor allem in Luftbildern und digitalen Geländemodellen.

Keilförmig schiebt sich die Halde zwischen Bundesstraße, Zechenanlage und die ehemalige Bahntrasse, dem heutigen Radweg von Rünthe nach Stockum. Sie erstreckt sich auf einer Grundfläche von ca. 6,5 ha. An ihrer höchsten Stelle ist sie 74 Meter über dem Meeresspiegel hoch und überragt die Umgebung um etwa 18 Meter. Vor ihrer Existenz floss der Hornebach von der Innenstadt kommend über das Gelände und in Höhe der ehemaligen Schleuse in die Lippe. Anhand historischer Ansichten lässt sich nachweisen, dass je ein Haldenkörper nördlich und südlich des Bachs angeschüttet wurde, ehe dieser umgeleitet wurde und die Bergehalde zu einer einzigen über das alte Bachbett hinüber zusammenwuchs. Heute verläuft der Bach parallel zur B233 nach Süden und mündet unweit der roten Brücken in Rünthe – von der Straßenbrücke aus ist die Mündung in die Lippe zu sehen. Von seinem ursprünglichen Verlauf ist heute nichts mehr zu sehen.

Lippebrücke Werne

Abruptes Ende des Radweges Rünthe-Stockum bis 2012

Halde Werne am neuen Radweg Werne-Stockum

Neuer Radweg Rünthe-Stockum, links die Halde

Halde Werne 1/2

Radweg auf alter Bahntrasse, hinten die Halde Werne I / II

Halde Werne 1/2

Aufstieg auf die Halde vom Radweg aus

Zeche Werne

Relikte der Zeche Werne I / II zwischen Stadtzentrum und Lippe

In Werne begann das Montanzeitalter um die vorletzte Jahrhundertwende. Im Jahre 1902 lief die Förderung durch die Zeche Werne mit ihrer Schachtanlage I / II an. Diese liegt nur wenig südlich der historischen Stadtmitte in unmittelbarer Nähe zum Fluss Lippe, der die südliche und östliche Grenze der Anlage darstellt. Ab 1913 begann auch der Betrieb auf der wenige Kilometer südlich in Bergkamen-Rünthe liegenden Schachtanlage III, die wir auf unserer Radtour ja schon gesehen haben. Im Jahre 1975 erfolgte die Stilllegung nach Zusammenlegung mit der Zeche Heinrich Robert in Hamm, die ins spätere Bergwerk Ost aufging und 2010 geschlossen wurde.

Während Teile der Schachtanlage I / II durch Gewerbeansiedlungen genutzt sind, ist die größte Fläche des Geländes bis zum Lippeufer mit dem ehemaligen Kohlenlager eine Brachlandschaft, auf der sich die Natur ausbreitet. Parallel zum Radweg verläuft ein Pfad näher am Ufer entlang und ermöglicht es, das POI: Ort von Interesse am Wegesrand Stauwehr und wenige Überreste der Schleusenanlage (wassergefüllte Senken in der gedachten Verlängerung der Wehranlage) näher zu untersuchen.

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Stauwehr der alten Schleuse Werne

Lippe bei Werne

Idyllischer Flussverlauf zwischen Rünthe und Stockum

Völlig unbemerkt haben wir nicht nur die Stadt, sondern auch die Bahnstrecke gewechselt. Nun fahren wir auf der Werne-Bockum-Höveler Eisenbahn in östlicher Richtung. Allzu lang ist der Radweg allerdings nicht. Er endet hinter der Wohnsiedlung und dem Gewerbegebiet kurz vorm Gerstein-Kraftwerk. Bis dorthin ist aus der Gegenrichtung die Strecke noch in Betrieb. Das Ende kommt erneut unerwartet.

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Auf der Werne-Bochum-Höveler Eisenbahn (Blick zurück)

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Hier fahren wir durch die letzten Siedlungen von Werne

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

Hier verlassen wir die Wohnbebauung (Blick zurück)

Radweg auf der Klöcknerbahntrasse

... und werden nach dieser Passage am Ende des Radwegs sein.

Wir haben einige Optionen. Die einfachste ist, die Strecke einfach wieder zurückzufahren. Von hier aus kommt man in südlicher Richtung bis zur Lippe, aber nicht viel weiter. Zur Römer-Lippe-Route muss man sich durch Stockum schlängeln. Wenn man nur ein Stück zurückfährt, kann man die Lippebrücke am Fischerhof nehmen und auf der anderen Seite zurück nach Rünthe fahren. Vielleicht wird aber auch alles einfacher und der Radweg durchgängig bis Hamm. Irgendwann. Dann komme ich wieder.

Geographische Koordinaten:
51°34'21.26"N, 7°41'26.87"E – Radwegbeginn am Schattweg
51°35'25.29"N, 7°40'59.42"E – Sesekeweg, Knotenpunkt 1
51°35'07.23"N, 7°39'38.74"E – Bahnhof Kamen
51°36'31.94"N, 7°39'41.87"E – Abzweig zum Kamener Bahnhof
51°37'44.92"N, 7°38'49.29"E – Abzweig Z. Monopol, Gartensiedlung
51°38'30.39"N, 7°38'56.21"E – Anschluss Werne Schacht III
51°38'55.83"N, 7°38'35.19"E – Lippebrücke
51°40'00.71"N, 7°41'03.03"E – Streckenende in Stockum
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.
UTM-Koordinaten (Zone 32):
409270 m, 5714312 m – Radwegbeginn am Schattweg

408778 m, 5716299 m – Sesekeweg, Knotenpunkt 1
407215 m, 5715770 m – Bahnhof Kamen
407323 m, 5718385 m – Abzweig zum Kamener Bahnhof
406353 m, 5720658 m – Anschluss Zeche Monopol, Gartensiedlung
406512 m, 5722061 m – Anschluss Werne Schacht III
406123 m, 5722854 m – Lippebrücke
409000 m, 5724806 m – Streckenende in Stockum

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

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Industriekultur im Ruhrgebiet

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Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 08 / 2020
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