Der Lippeauen-Weg in Lünen

Rundweg Natur- und Kulturlandschaftserlebnis Lüner Lippeaue

Die größte Stadt im Kreis Unna liegt in einer schönen Auenlandschaft der Lippe. Erlebbar wird diese Aue durch den ca. 18 Kilometer langen Rad- oder Wanderrundweg der Biologischen Station Dortmund-Unna. Mehr als ein Dutzend Erlebnisstationen zum Anfassen und Lernen sind vor allem für Kinder interessant und entsprechend gestaltet und beschrieben. Sie verknüpfen teilweise multimediale Zusatzinformationen oder Videos auf dem Smartphone. Im Kontrast zum stellenweise romantischen Fluss stehen die geschäftige Innenstadt von Lünen und das weithin sichtbare Steag-Kohlekraftwerk in Alstedde. Auch eine alte Zeche samt Bergehalden und Siedlung werden vom Weg berührt. Die Tour ist exzellent an thematische Radwege wie die Römer-Lippe-Route und den Sesekeweg angebunden und kann mit diesen kombiniert werden. Um aus der Wanderung einen Spaziergang zu machen, ist in genau in der Mitte in der Innenstadt von Lünen eine Abkürzung und das Zerteilen in einen Ost- und einen Westteil möglich.

In der nachfolgenden Karte ist der Routenverlauf mit Kilometrierung vom offiziellen Startpunkt dargestellt. Die Lippe ist als Flusslauf mit ihren zahlreichen Bögen erkennbar.

Übersichtskarte Lippeauenweg in Lünen (Lüner Lippeaue)
Übersichtskarte Lippeauenweg in Lünen (Lüner Lippeaue)

Die Nummernpunkte 1 , 2 usw. markieren interessante Orte am Wegesrand, die auch im Beschreibungstext vorgestellt werden. Das sind Dinge, Gebäude oder ausgesuchte Erlebnisstationen am Wegesrand. Der Startpunkt liegt ganz im Osten (rechts auf der Karte) am Parkplatz nahe der Hammer Straße.

Beschilderung, Wegebeschaffenheit und Anreise:

Die Tour verläuft ohne nennenswerte Steigungen auf Schotterwegen und im geringeren Teil auf Asphalt. Ein kurzes Stück führt auf dem Mehrzweckstreifen der Hammer Straße entlang, ein weiteres Stück auf einem straßenbegleitenden Weg an der Moltkestraße vorbei am Kraftwerk. Gegen Ende der Tour ist auch die Münsterstraße in Wethmar eine vielbefahrene Straße, die der Tourempfehlung folgend auf dem Bürgersteig genutzt wird, jedoch leicht umgangen oder umfahren werden kann. Die übrigen Wege verlaufen auf Deichen und zwischen Wiesen und Feldern. Die Innenstadt selbst wird im Bereich der Fußgängerzone gequert. Hier sind die einzigen wegenahen Einkehrmöglichkeiten zu finden.

Mit dem Logo der Tour ist der Verlauf an den wichtigsten Stationen ausgeschildert. Das Piktogramm zeigt den Buchstaben L und eine blaue Form, die eine menschliche Lippe sein könnte. Zwischen der Hammer Straße und der Innenstadt sowie von der Mühle Buddenburg bis zur Innenstadt verläuft die Tour auf der sehr gut gekennzeichneten Römer-Lippe-Route.

Kartenmaterial / Literatur: In den dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. das thematisch passende Buch zum Thema Wandern ist zur Vertiefung für weitere Touren im Revier empfohlen. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

   

Für Wanderer, denen 18 km zu viel sind, kann ich den Tipp geben, den Lippeauenweg in Lünen in der Innenstadt bequem in zwei ähnlich große Hälften zu teilen und diese Hälften an verschiedenen Tagen zu erwandern.

Anreise zum Ausgangspunkt des Lippeauenwegs Lünen:

Anreise mit dem Auto: Auf der A2 bis zur Ausfahrt 15 Kamen / Bergkamen. Aus Richtung Kamener Kreuz / Hamm rechts abbiegen, aus Richtung Dortmund links abbiegen auf die Lünener Straße. Dem Verlauf ca. 5 km folgen und hinter der Kanalbrücke rechts abbiegen auf die Hammer Straße. Nach 900 m links abbiegen in An der Fähre. Hier sind ein großer Parkplatz und der offizielle Startpunkt der Tour.
Prinzipiell lässt sich allerdings überall in die Tour einsteigen und dabei z.B. in den Wohngebieten in Wethmar, Alstedde oder Geistviertel parken.

Zieleingabe ins Navigationssystem: An der Fähre in Lünen
Anreise mit Bus und Bahn: Mit den Zügen des Nahverkehrs (RB 50 und 51) bis Lünen Hbf. Die Tour verläuft direkt am Bahnhof vorbei. Ein Einstieg ist direkt möglich.

Anreise mit dem Fahrrad: Auf der Römer-Lippe-Route (► Beitrag Teil 1 Hamm-Lünen | ► Beitrag Teil 2 Lünen-Haltern am See) stößt man automatisch auf den Lippeauenweg. Aus Richtung Hamm kommend erreicht man den Weg in der Nähe des Ausgangspunktes, aus Richtung Waltrop kommend an der Mühle Buddenburg (Station 6). Hier besteht außerdem ein Anschluss zum Emscher-Park-Radweg am nahen Datteln-Hamm-Kanal und zum Radweg auf der Seilbahntrasse in Brambauer. Auch der Sesekeweg erreicht die Tour direkt an seinem Ende an der Mündung der Seseke in die Lippe. In der Übersichtskarte sind die Anschlüsse durch blaue Pfeile markiert.

Die Fotos in diesem Beitrag stammen von drei Wanderungen bzw. Radtouren, die alle Teile des Lippenauenweges berührten. Die hier beschriebene Wanderung mit Nina fand exakt wie beschrieben im Frühjahr statt. Von dieser Tour stammen die Fotos mit Bäumen ohne Laub. Die Halden wurden zuvor bereits im Rahmen eines eigenen Beitrags besucht.

Vom Stauwehr bis zur Buddenburg

Ich treffe Nina am Ausgangspunkt am Lippewehr. Mit ihr habe ich schon Touren wie den BaldeneySteig oder im Muttental bewandert. Unmittelbar am Parkplatz rauscht das Wasser der Lippe über ein Stauwehr. Geräuschvoll und beruhigend. Hier befindet sich die erste der zahlreichen sogenannten Erlebnisstationen, die häufig aus dem auffälligen „Zeitpegel“ und interessant gestalteten Informationsstellen bestehen. Übrigens befand sich hier früher eine Schleusenanlage, die auf die Zeit der Lippe-Schifffahrt zurückgehen dürfte. Dazu werden wir später mehr erfahren.

Die erste Etappe ist leider nicht besonders schön. Zunächst noch auf einem begleitenden Weg, müssen wir bald auf den Achtung! Mehrzweckstreifen der Hammer Straße ausweichen. Doch es ist nur ein kurzes Stück, dann biegen wir rechts in einen ruhigen Weg ein und folgen nun einem Abschnitt der Römer-Lippe-Route bis in die Stadtmitte von Lünen. Eine hölzerne Plattform bietet einen schönen Blick in die kleine Auenlandschaft rechts von uns. Die Erlebnisstation fordert uns auf, einen Specht zu suchen. Es ist Nina, die ihn schließlich entdeckt. Wir verraten nicht, wo er sich versteckt. Als Tipp kann ich sagen, dass man die Bäume in der Umgebung absuchen sollte. Auch etwas höher, was vermutlich der Grund dafür ist, dass der Specht überhaupt noch da ist.

Im Wald vor uns liegt urplötzlich ein Objekt, das dort nicht hingehört: ein Schiff. Ein 1 Prahm, genauer gesagt. Es handelt sich dabei um den Nachbau eines römischen Lastenkahns, der hier zur Versorgung des nahen Römerlagers in Bergkamen gedient haben dürfte. Wir können an Bord des flachen Kahns gehen und stellen fest, dass die Ladung des Schiffs, einige Fässer, geschickt Informationen über die alten Römer verbergen. Die Schifffahrt vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert wird später noch einmal ein Thema sein.

Panoramabild mit der Halde Victoria I / II Ost am Ufer der Lippe gesehen von der Brücke Zwolle-Allee
Panoramabild mit der Halde Victoria I / II Ost am Ufer der Lippe gesehen von der Brücke Zwolle-Allee

Rechts von uns, am anderen Ufer der Lippe, erhebt sich die östliche Bergehalde der Zeche Victoria, die einzige der beiden, die auch besuchbar ist. Wir werden sie später noch untersuchen. Unter der Zwolle-Allee hindurch führt der Weg nun hoch über der Lippe auf einem Deich. Bald blicken wir auf die westliche Bergehalde hinter dem großen Zechengelände, das wir später von der anderen Seite sehen werden. Vor der Eisenbahn verlassen wir den Deich, gehen ein kurzes Stück an der Straße entlang und biegen vor der Flussbrücke rechts ab. Hier begleiten wir die Seseke samt begleitendem Radweg auf ihren letzten Metern bis zu ihrer 2 Mündung in die Lippe. Wir gehen über die Brücke der Seseke, von der sich die Mündung gut betrachten lässt. Hier markieren Informationstafeln die nächste Erlebnisstation. Es sind Schiebetafeln, die den Wandel der Seseke deutlich machen und die Umlegung der Mündung zu ihrer heutigen Stelle begründen. Früher floss die Seseke nämlich westlich um die Stadt herum, wie man im Text lesen kann.

Zügig geht es hoch auf dem Deich weiter – rechts die Lippe, links die Innenstadt liegend. Die offizielle Route führt mit einem kleinen Abstecher links durch die 3 Fußgängerzone. Prinzipiell kann man aber auch einfach weiterlaufen und dem Deich- und Promenadenweg um die Innenstadt herum folgen.

An der Konrad-Adenauer-Straße verlassen wir die Stadt allmählich. Auf der anderen Straßenseite führt ein Pfad mit einer kleinen Spitzkehre in die weiten Wiesen der Auenlandschaft. Rechts von uns liegt das Segelfluggelände Lünen. In leichter Entfernung schlängelt sich die Lippe in ausladenden Bögen durch die Fläche. Links liegt das Geistviertel der Stadt. Wir müssen einige Schuppen vom Segelflugplatz umrunden und laufen auf einem Weg zwischen Wäldchen und Kleingartenanlage in der Geist entlang. An Flugtagen kann man die mobile Winde betrachten, mit der die Segelflieger in die Luft gezogen werden. Der Bach Rühenbecke, der unweit von hier in die Lippe mündet, zwingt uns zu einem Umweg bis zur Moltkestraße. Erst hier können wir eine Brücke nutzen. Zwischen Acker und Wiesen erreicht der Weg ein Biotop mit Rastplatz und Schaukel. Dies ist die nächste Erlebnisstation, die zum Keschern im Biotop einlädt. Die 4Schaukelliege nutzen wir zu einer kleinen Rast und zum Vertilgen des ersten Proviants und der Kekse.

Nun müssen wir die Aue für ein längeres Stück verlassen. Auf der Moltkestraße laufen wir auf einem straßenbegleitenden Weg am ehemaligen 5 Kohlekraftwerk entlang. Das Kraftwerk der STEAG wurde Ende 2018 stillgelegt und 2021 größtenteils gesprengt bzw. abgerissen. Im Kreisverkehr halten wir uns schräg rechts und kommen bald an der 6 Mühle Buddenburg an. Die alte Wassermühle im schönen Fachwerkhaus steht auf der linken Seite am Rande eines kleinen Teiches. Sie geht zurück aufs 16. Jahrhundert, das Gebäude im Fachwerkstil auf das 18. Jahrhundert. In den 1930er Jahren wurde die Mühle aufgegeben und der Teich später verfüllt. Nach der Jahrtausendwende wurden das Gebäude und Gelände im heutigen Zustand restauriert. Man kann die kleine Anlage am Teich betreten. Eine Erlebnisstation lädt zur sportlichen Betätigung ein. Das Thema ist natürlich eine Mühle.

Platz zum Forschen und Erholen: Liegeschaukel für die großen, Treppe zum Keschern für die Kleinen.
Platz zum Forschen und Erholen: Liegeschaukel für die großen, Treppe zum Keschern für die Kleinen.

An der Mühle berühren wir wieder die Römer-Lippe-Route, die uns von nun an ein Stück begleitet. Außerdem zweigt Richtung Süden ein Radweg zum Datteln-Hamm-Kanal ab. Er führt auf der alten Trasse der Seilbahn der Zeche Minister Achenbach durch Brambauer bis an die Kreisgrenze an der großen Halde.

Anreise zur Mühle Buddenburg und zum Haus Buddenburg:

Anreise mit dem Auto: Von der A2 und der B1 auf der B236 bis zum Ende der vierspurig ausgebauten Strecke. Rechts auf die B54 Richtung LKünen.- Vor dem Kanal links in die Brambauerstraße. Rechts in die Brunnenstraße über den Kanal. Im Kreisverkehr links abbiegen auf die Brunnenstraße. Nach wenigen hundert Metern liegt links die Mühle. Das Haus Buddenburg ist rechts über die Schloßallee erreichbar.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Brunnenstraße in Lünen

Anreise mit Bus und Bahn: Zunächst von Dortmund Hbf. mit RB 50 oder RB 51 nach Lünen. Von Lünen Hauptbahnhof / ZOB mit dem Bus C1 Richtung Brambauer bis Buddenburg (eine Haltestelle davor zum Bereitmachen: Kraftwerk STEAG). Zum Haus Buddenburg in die Schloßallee gegenüber der Mühle und die Lippe überqueren.

Gegenüber der Wassermühle laufen wir auf der Schloßallee. Das klingt nach Monopoly und schöner als es ist, so zwischen Kraftwerk und Gewerbegebiet. Aber bald queren wir die Lippe wieder und lassen die Industrie hinter uns. Vor uns liegt das ehemalige 7 Haus Buddenburg im Stadtteil Lippholthausen. Es steht auf einem alten Burggelände aus dem 13. Jahrhundert. Das Wasserschloss aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde 1977 abgerissen. Es bestand aus einem großen Hauptgebäude und zwei kleineren Nebengebäuden rechts und links der Einfahrt. Heute markieren Hecken die Lage der schon seit Jahrzehnten nicht mehr vorhandenen Gemäuer. Informationstafeln zeigen historische Ansichten des Anwesens. Ein hölzernes Bett, ein Stehpult, ein gedeckter Tisch und andere Gegenstände vermitteln wieder auf besondere Art und Weise Geschichten als „Erlebnisareal“. Viel gibt es zu entdecken und zu erforschen.

Am nahen Stauwehr, ein paar Meter weiter gelaufen, besteht die Möglichkeit, näher ans Wasser der Lippe heranzutreten. Hier wird das Kühlwasser aus dem Kraftwerk in den Fluss geleitet. Farbige Würfel aus Beton gehen auf die Herkunft des Wassers in der Lippe ein. Direkt hinter uns ist für Fische eine Fischtreppe gebaut. Damit können den Strom hinauf- und hinabwandernde Fische das hohe Stauwehr umgehen, das sie sonst behindern würde. Sie ist ein Beitrag dazu, dass sich bestimmte Fische wieder in der Lippe wohlfühlen und überhaupt anzutreffen sind.

Auf der anderen Seite: Über dem Deich zurück

Kurz vor den Häusern von Alstedde biegen wir rechts ab und laufen bald hoch über der Aue auf dem Lippedeich entlang. Der Deich wurde in den 1970er Jahren zum Hochwasserschutz von Alstedde errichtet und in den 1990er Jahren wegen der aufgetretenen Bergsenkungen verlängert. Der Fuchsbach ist seitdem von der Lippe abgeschnitten und muss mithilfe eines Pumpwerks künstlich entwässert werden. Ein 8 Rastplatz bietet gute Aussichten vom Deich auf die Lippeaue, wo sich mit etwas Glück die Schottischen Hochlandrinder zeigen und beobachten lassen. Auch viele Vögel sind in der zeitweise überfluteten und schlammigen Aue zuhause. Die Erlebnisstation thematisiert die verschlungenen Flussläufe in großen Bögen, die sogenannten Mäander. Spielerisch lässt sich nachvollziehen, dass das Wasser in Flussschlingen sehr viel langsamer fließt als in begradigten Flüssen. Es ist angewandte Physik.

Hinter der Lippeaue befand sich bis vor Kurzem noch ein Kraftwerk, das inzwischen teilweise abgerissen ist
Hinter der Lippeaue befand sich bis vor Kurzem noch ein Kraftwerk, das inzwischen teilweise abgerissen ist

Ein Stück weiter wartet die nächste Erlebnisstation mit dem Thema 9 Uferbefestigung. Die künstliche Stabilisierung wurde bis 2014 im Bereich der Lippe abgebaut. Das Ufer wird vom Fluss selbst und immer wieder neu geformt, was zu zahlreichen neuen Lebensräumen für Tiere führt. So nisten zum Beispiel Eisvögel in Höhlen, den Brutröhren, in den Steilufern.

Grüne GlücksorteDas in diesem Beitrag beschriebene Ziel ist ein “grüner Glücksort” im gleichnamigen Buch von Thomas Dörmann. Unter dem Leitsatz “Geh raus & blüh auf” bietet es 80 Ziele aus den grünen Parks, Halden und Landschaften im Ruhrgebiet: Grüne Glücksorte im Ruhrgebiet*

Von Norden erreichen wir die altbekannte Konrad-Adenauer-Straße und nähern uns wieder der Innenstadt. Auf der Promenade an der Lippe erreichen wir die blaue Brücke der Fußgängerzone. Zuvor dürfen wir die Erlebnisstation mit dem Thema der Lippe-Schifffahrt nicht verpassen. Auch nach den Römern (wir erinnern uns an den Prahm kurz nach Beginn unserer Wanderung und die Schleuse am Stauwehr am Ausgangspunkt) gab es regen Schiffsverkehr für den Warenhandel. Die Eisenbahn und zuletzt der Bau des Datteln-Hamm-Kanals haben jedoch dazu geführt, dass sie am Anfang des 20. Jahrhunderts Geschichte wurde.

Links liegt der Platz mit der 10 Persiluhr und empfehlenswerten Eiscafés. Geradeaus geht es Richtung Bahnhof, den wir vor dem Supermarkt links abbiegend auf der Seite des Omnibusbahnhofs erreichen.

Vor dem Bahnhof links, über den Bahnübergang und hinter der Brücke wieder rechts. Hier liegt die Siedlung der 11 Zeche Victoria (oder Viktoria). Wir haben die Halden schon der anderen Flussseite gesehen, hier gelangen wir zum Zechenplatz, wo sich früher der Eingang zum Bergwerk befunden hat. Nichts mehr ist vorhanden. Die Fläche ist planiert und wartet auf eine Nachfolgenutzung. Eingegrenzt wurde das Zechengelände durch den Fluss Lippe und die Bahnstrecke Dortmund-Münster. Sie ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Zeche in Essen im Deilbachtal. Eine Erlebnisstation nimmt sich ausführlich des Themas der Zeche an. Auf einer Karte sind thematische Standorte wie Siedlungen, Pumpwerke, die Halden und anderes mit Bezug auf die Zeche, den Bergbau und seine Auswirkungen eingetragen.

Den Anfang der Zeche Victoria machten die 1910 in Betrieb gegangenen Schachtanlagen I und II, deren Gelände wir vor uns liegen sehen. Im Jahr 1940 übernahm die Zeche auch die Schachtanlage der Zeche Preußen im Süden von Lünen bei Gahmen, die schließlich von Preußen I 1/2 in Victoria III / IV umbenannt wurden. 1992 endete die Ära des Bergbaus in Lünen, die Schächte wurden nacheinander Ende der 90er Jahre verfüllt und die Anlagen übertage größtenteils abgerissen. Das Luftbild zeigt die Zeche in den 1920er Jahren aus Richtung Osten Richtung Stadtmitte gesehen. Im Vordergrund liegt ein Teil der Halde, links fließt die Lippe am Zechengelände vorbei. Die zwei Fördergerüste sind rechts am Bildrand zu erkennen.

Historische Aufnahme der Zeche Victoria in Lünen
Historische Aufnahme der Zeche Victoria in Lünen

Gleich zwei Bergehalden befinden sich auf dem ehemaligen Zechengelände, eine ältere Halde im Osten und eine jüngere im Südwesten. Die Haldenlandschaft erstreckte sich über fast 1,5 Kilometer entlang der Lippe. Getrennt waren die beiden Haldenkörper durch einen kurzen Kanal vom Zechengelände zur Lippe. Eine Brücke überspannte dieses Gewässer. Heute hat sich die Fläche der Halden reduziert. Die Osthalde wird durch die Zwolle-Allee durchschnitten, Teile der Westhalde sind abgetragen.

Betrachten wir zunächst die jüngere Westhalde. Sie wuchs etwa ab den 1950er bis 1960er Jahren zunächst langgestreckt entlang der Lippe bis zur Bahnstrecke. Die Fläche beträgt etwa 4,5 Hektar. Der höchste Punkt liegt auf 73 Metern über dem Meeresspiegel. Da die Umgebung unterschiedlich hoch ist, variieren die Böschungen zwischen 18 und 25 Metern. Die höchsten und deutlichsten Hänge sind auf der Südseite der Lippe zu finden. In nördlicher Richtung erinnern die Hänge an Schüttkegel und sind etwas flacher. Die Nordseite ist bewachsen, nach Süden hin erstrecken sich ein noch recht nacktes Plateau und mit Wildgräsern bewachsene Hänge. Die Natur arbeitet mächtig an der Rückgewinnung der Fläche. Ein Konzept für eine Neunutzung ist nicht existent oder wird nicht umgesetzt. Der Berg ist weitestgehend sich selbst überlassen.

Etwa 500 Meter flussaufwärts von der Westhalde liegt die Osthalde idyllisch an einem Mäanderbogen der Lippe. Wir hatten sie ja bereits von der anderen Fluss-Seite gesehen. Sie wird sonst nur im Norden durch eine Firma und im Westen durch die Zwolle-Allee begrenzt. Mit ihrer mittleren Höhe von 28 Metern über der Umgebung sowie 81 Metern über dem Meeresspiegel überragt dieser in der Fläche etwa 5,5 ha große Berg die anderen beiden Bergehalden der Zeche. Die optische Höhe wird jedoch durch die Straße verringert. Während die Höhe der Bergehalde vom Ufer der Lippe gemessen wird, überspannt die an der Halde vorbeilaufende Straße die Lippe bereits in gut zwölf Metern Höhe über Grund, also fast auf halber Höhe der Halde. Daher sind die Zugänge recht hoch gelegen und der visuelle Abstand zum Gipfel nur noch sehr gering.

Anreise zur Osthalde Victoria:

Anreise mit dem Auto: Auf der A2 bis zur Ausfahrt 15 Kamen / Bergkamen und aus jeder Richtung rechts abbiegen auf die B61 Richtung Lünen. Dem Straßenverlauf durch Oberaden und Beckinghausen und über die Kanalbrücke knapp sechs Kilometer folgen und an der zweiten Ampel hinter dem Kanal rechts in die Zwolle-Allee abbiegen. Nächste Straße rechts (Willi-Melchers-Straße), im Kreisverkehr links und im Wohngebiet am Rand parken. Zu Fuß zurück zur Zwolle-Allee, dieser links folgen. Hinter der ersten Brücke und vor der zweiten Brücke (Fluss) befinden sich je zwei Zugänge. Der jeweils hintere führt einmal um die Halde, die anderen enden in einer Sackgasse.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Zwolle-Allee bzw. Willi-Melchers-Straße in Lünen

Anreise mit Bus und Bahn: Zunächst von Dortmund Hbf. mit RB 50 oder RB 51 nach Lünen. Von Lünen Hauptbahnhof / ZOB mit dem Regiobus der Linie R11 Richtung Cappenberger See / Nordlünen bis Wethmarer Dorfstraße (dritte Station). Der Hauptstraße weiter in Fahrtrichtung folgen bis zur Kreuzung Zwolle-Allee. Hier rechts abbiegen und bis zur Lippe-Brücke etwa 800 Meter laufen.

Entstanden sind die Zwolle-Alle und die Lippebrücke in der derzeitigen Form gegen Ende der 1980er Jahre. In einem alten Luftbild aus dieser Zeit ist bereits die Erschließung der Halde durch Wege inmitten einer noch jungen und niedrigen Bewachsung erkennbar. Mehr als 20 Jahre später ist die Halde hauptsächlich durch Birken dicht bewaldet und bietet insbesondere in der belaubten Saison daher kaum Ausblicke. Das blitzweiße Schloss Cappenberg am Nordrand der Lippeniederung lässt sich im Winterhalbjahr durch die Zweige erahnen, sofern die Lage bekannt ist. Seit den 80er Jahren hat sich auch die Anzahl der begehbaren Wege reduziert. Viele ältere Wege, die durchaus noch in Topographischen Karten enthalten sind, sind hoffnungslos zugewachsen.

Wir biegen links ab. Durch die Zechensiedlung stoßen wir wieder auf die Bundesstraße 54, die Münsterstraße. Auf dem Bürgersteig geht es ein ganz schönes Stück weiter, ehe wir endlich wieder auf einem Weg Richtung Auen rechts abbiegen. Die nächste Erlebnisstation beschäftigt sich mit dem Wandel der Landwirtschaft.

An der Hüttenallee biegen wir links ab. Rechts liegt das Gelände der alten 12 Eisenhütte Westfalia. Sie wurde 1826 gegründet und wurde einige Jahre später auf die reine Verarbeitung von Eisen umgestellt und dabei insbesondere auf die Zulieferung für den Bergbau. Von der alten Eisenhütte sind noch ein paar wenige Gebäude in unterschiedlichen Zuständen erhalten, wie die Direktorenvilla, ein Pförtnerhaus, die alte Kantine oder das Fährhaus.

Die Verlängerung der Allee führt zu einer 13 Fußgängerbrücke über die Lippe, hinter der sich der Ausgangspunkt am Stauwehr wieder befindet. Das kleine Häuschen vor der Brücke besitzt einen Rastplatz. Dann haben wir unser Tagesziel erreicht.

Geographische Koordinaten:
51°37’00.86″N, 7°33’29.89″E – Start, Station 1 (Parkplatz)
51°36’36.48″N, 7°31’46.18″E – Brücke Sesekemündung
51°37’01.88″N, 7°29’14.02″E – Liegeschaukel und Biotop
51°36’55.24″N, 7°28’22.36″E – Mühle Buddenburg
51°37’13.42″N, 7°28’38.60″E – Ehem. Haus Buddenburg
51°37’24.59″N, 7°29’42.11″E – Aussichtspunkt Fuchsbach
51°37’12.88″N, 7°30’38.93″E – Aussichtspunkt Steilufer
51°37’01.44″N, 7°31’29.37″E – Persiluhr
51°37’04.62″N, 7°32’22.42″E – Victoriaplatz (Zeche)
51°36’55.64″N, 7°32’43.94″E – Osthalde Victoria
51°37’01.86″N, 7°31’45.37″E – Lünen Hbf. / ZOB
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
400186 m, 5719415 m – Start, Station 1 (Parkplatz)
398176 m, 5718701 m – Brücke Sesekemündung
395266 m, 5719546 m – Liegeschaukel und Biotop
394268 m, 5719361 m – Mühle Buddenburg
394592 m, 5719916 m – Ehem. Haus Buddenburg
395821 m, 5720236 m – Aussichtspunkt Fuchsbach
396906 m, 5719852 m – Aussichtspunkt Steilufer
397869 m, 5719479 m – Persiluhr
398891 m, 5719557 m – Victoriaplatz (Zeche)
399299 m, 5719271 m – Osthalde Victoria
398177 m, 5719486 m – Lünen Hbf. / ZOB

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Internetseite der Biostation zum Weg: www.lüner-lippeaue.de