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Die Zechenbahntrasse »Allee des Wandels« in Herten

Radfahren auf ehemaligen Eisenbahnstrecken zwischen Westerholt und dem Landschaftspark Hoheward

Das Ruhrgebiet war früher mehr als heute von Bahnstrecken durchzogen, die einst Kohle und Koks, Stahl und Eisen zwischen den Förderanlagen und Fabriken hin und her transportierten. Mit Niedergang des Bergbaus und Schließung der Zechen wurden viele dieser Bahnstrecken unnötig. Einige dieser Strecken dienen heute als sogenannter Bahntrassen-Radweg und führen steigungsarm und vergleichsweise kreuzungsfrei abseits vom Straßenverkehr durch die Landschaft.

So ein Bahntrassen-Radweg ist auch die Allee des Wandels, die auf der Zechenbahn zwischen dem Bahnhof Westerholt an der Hertener Bahn, der Zeche General Blumenthal in Recklinghausen und der Halde Hoheward im Hertener Süden eingerichtet wurde. Der Radweg vereint auf seiner Route wunderschönen Altstadtkern und Themen des Bergbaus – von den Überresten einer Zeche über kleine oder ehemalige Abraumhalden bis hin zur Großhalde. Vollendet man ihn zur großen Runde, ist auch noch ein schönes Wasserschloss, alte Parkanlage und Kunst im öffentlichen Raum drin. Die Hauptstrecke ist etwa 10,1 km Lang, der Abzweig nach Recklinghausen ca. 2,6 Kilometer. Mit einer Tour durch den Schlosspark Herten lässt sich ein knapp 21 Kilometer langer Rundweg durchführen. Der Hauptweg ist in folgender Karte mit einem Magentaband und entsprechend farbiger Kilometrierung dargestellt, der Rundwegvorschlag in blau.

Allee des Wandels

Beschilderung, Wegebeschaffenheit und Anreise:
Die eigentliche Allee des Wandels verläuft vollständig auf asphaltierten oder gepflasterten Oberflächen. Die vorgeschlagene Erweiterung zum Rundweg nutzt auch wassergebundene Wege. An einigen Stellen führt er einfach unter oder über Straßen hinweg. Dennoch gibt es einzelne „Bahnübergänge“, wo Straßen ebenengleich überquert werden. Hier und dort regelt den Übergang eine Ampel, gibt es eine Verkehrsinsel in der Mitte als Querungshilfe oder der Verkehr ist überschaubar. Dennoch ist gerade hier an den beschilderten Stellen Vorsicht geboten. Beschildert ist der Weg nicht. An einigen Stellen informieren Informationstafeln über Besonderheiten an der Strecke oder am Wegesrand. Eine grobe Übersichtskarte ist daher empfehlenswert für die Navigation, ebenso ein GPS-Track für Navigationsgeräte. Darüber hinaus ist eine App mit dem Namen „Allee des Wandels“ in den Appstores verfügbar, die weiterführende Informationen anbietet.

Anreise zum Ausgangspunkt des Bahntrassen-Radweges:

Anreise mit dem Auto: Auf der A43 bis zur Ausfahrt 11 Recklinghausen / Herten und dort auf die L511 Richtung Herten. Diese geht in die Westerholter und schließlich Hertener Straße über. Nach 5,5 km rechts abbiegen in die Hertener Straße. Nach 300 m rechts in die Langenbochumer Straße. Der Radweg beginnt hinter dem Bahnübergang, also davor oder dahinter am Rand parken.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Langenbochumer Straße, Nähe Kreuzung Hasseler Weg in Herten

Anreise mit Bus und Bahn: Der Ausgangspunkt in Westerholt ist mit Fahrrad im Gepäck nur mäßig mit dem Nahverkehr zu erreichen. Noch gibt es keinen Bahn-Haltepunkt. Die Anreise mit dem Fahrrad oder Auto wird daher empfohlen. Alternativ ist der östliche und südliche Streckenanfang über den Hauptbahnhof Recklinghausen sowie Recklinghausen-Süd erreichbar.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Das Südende der Tour ist an den Emscher-Park-Radweg angebunden. Der Ausgangspunkt Westerholt ist über das regionale Radverkehrsnetz erreichbar.

 

Kartenmaterial: In den rechts dargestellten reiß- und wetterfesten Radwander- bzw. Rad- und Wanderkarten des Verlages Publicpress ist die Region dargestellt.

Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite beim Verlag – Karten werden versandkostenfrei versendet. Für Webseite und Verkauf ist der Verlag verantwortlich.

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Los geht´s!
Schon der Ausgangspunkt in Westerholt ist das, was viele Besucher im Ruhrgebiet nicht erwarten würden oder möchten. Gerade die Kritiker sind bei der Idylle dieses Ortes oft überrascht. Der heutige Stadtteil von Herten war einst eine Freiheit, eine Siedlung mit einer Art Stadtrecht. Entstanden ist die Freiheit um die alte Wasserburg, auf der heute das Schloss Westerholt größtenteils im 19. Jahrhundert neu errichtet wurde. Besonderheit ist die erhaltene nahezu geschlossene Bebauung durch Fachwerkhäuser im Ortskern, dem Alten Dorf, das ebenfalls durch einen Wassergraben, eine Mauer und Tore gesichert war. In der Mitte steht die Schlosskapelle mit der Turmruine. Hier kann man durch die Gassen zwischen den Fachwerkhäusern flanieren oder im Biergarten eine Rast machen – noch bevor wir überhaupt einen Meter geradelt sind. Aber vielleicht merken wir uns diese Einkehr als Belohnung für die vollbrachte Tour. Südlich vom Schloss schließt sich ein Golfplatz an.

Altes Dorf Westerholt - Fachwerkhäuser im Ruhrgebiet

Mühlenpforte – Tor zur Freiheit Westerholt

Altes Dorf Westerholt - Fachwerkhäuser im Ruhrgebiet

Fachwerk, soweit das Auge reicht: Altes Dorf Westerholt

Altes Dorf Westerholt - Fachwerkhäuser im Ruhrgebiet

Der historische Ortskern hat noch eine kleine Stadtmauer, gesehen vom Schloss aus

Altes Dorf Westerholt - Fachwerkhäuser im Ruhrgebiet

Idyllischer Ortskern

Altes Dorf Westerholt - Fachwerkhäuser im Ruhrgebiet

Wasserschloss Westerholt von der Westseite

Altes Dorf Westerholt - Fachwerkhäuser im Ruhrgebiet

Teetrinken oder auf dem Tee spielen – alles ist möglich

Altes Dorf Westerholt - Fachwerkhäuser im Ruhrgebiet

Altes Dorf mit einem intakten und einem ruinösen Kirchturm

Der Radweg beginnt an der Langenbochumer Straße direkt am Bahnübergang der Hertener Bahn oder Hamm-Osterfelder Bahn. Früher hatte Herten einen Bahnhof, jedoch wurde der Personenverkehr in den 1980er Jahren eingestellt. Eine Reaktivierung als S-Bahn-Linie mit Neubau von Haltestellen in Herten und Westerholt ist jedoch in Planung. Damit würden diese beiden Orte am Wegesrand der Allee des Wandels eine gute Anreise mit dem Zug bekommen. Hier am Bahnübergang zweigte einst „unsere“ Zechenbahn ab und führte mehr oder weniger parallel zur Hauptstrecke und erschloss die Bergwerke im Hertener Norden und in Recklinghausen.

Statt er-schlossen ist die Strecke aber nun ge-schlossen. So führt der Radweg nun in nordöstlicher Richtung von der Hertener Bahn weg aus Westerholt. Begleitet wird die Fahrt von grünen Stahlrohren, die uns in dieser oder ähnlicher Gestalt noch ein Stück begleiten – im Zweifel bis zur Zeche General Blumenthal. Wir passieren ein weißes Schild, auf dem die Grenze der Zuständigkeit zwischen den Bergämtern Marl und Recklinghausen markiert ist.

In Höhe vom Fleischfabrikanten Herta (der Name ist in Bezug auf den Ort nicht ganz zufällig) passieren wir Hof Wessels, eine weitere Einkehr am Wegesrand. Irgendwo hier bemerke ich das erste Mal, dass der Vorderreifen recht platt ist. Den habe ich vor dem Einladen ins Auto wohl nicht richtig aufgepumpt. An einer roten Bank, die, wie man später merken wird, typisch für den Themenradweg ist, kommt die kleine Not-Pumpe vom Rahmen zum Einsatz. Der Reifen hat wieder genug Druck. Ein komisches Gefühl bleibt.

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Anfang der "Alle des Wandels" in Westerholt

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Bahntrassenradweg, begleitet von Rohrleitungen

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Gut gekennzeichnete Vorfahrtsregelung

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Erstes Etappenziel ist durch die Bäume sichtbar

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Der Radweg erreicht das Gelände der Zeche Schlägel & Eisen

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Rote Brücke, gesehen vom Aussichtshügel

Rund eineinhalb Kilometer nach dem Streckenanfang erreichen wir nach einer Rechtskurve und eine ebenfalls rote Brücke – zumindest die Brüstung ist rot – das erste Etappenziel auf einem alten Zechengelände.

Das Bergwerk Schlägel & Eisen besaß vier Schachtanlagen mit insgesamt acht Schächten. Bedingt durch die touristische Erschließung des Landschaftsparks Hoheward und die kulturelle Nutzung ist vor allem die Zeche Ewald für Herten inzwischen recht bekannt. Die Zeche Schlägel & Eisen ist jedoch das zweite von drei großen Bergwerken der Stadt, das vor allem in den nördlichen Stadtteilen auf verschiedenen Schachtanlagen förderte. Das dritte ist die Zeche Westerholt. Benannt ist die Zeche Schlägel & Eisen nach den beiden wichtigsten Werkzeugen im Bergbau, die zugleich Symbol für den Montansektor und im Ruhrgebiet allgegenwärtig sind. Die Förderung begann 1877 auf dem Gelände der Schachtanlage I / II in Disteln, die wir später noch erreichen.

Diese Schachtanlage Schlägel & Eisen III / IV / VII begann 1897 mit der Förderung. Der Radweg folgt der ehemaligen Kohleverladung auf die Schiene, die von einigen Anlagen überbrückt wurde. Davon ist nichts mehr erhalten. Von den drei Fördergerüsten stehen noch zwei, das über Schacht III mit einem roten Strebengerüst und über Schacht IV mit einem deutlich höheren und noch vergleichsweise jungen weißen Stahlkastengerüst. Das Gerüst über dem Schacht VII wurde zusammen mit der zugehörigen Schachthalle in den 2010er Jahren abgerissen – ebenso wie die große, runde Kohlenmischhalle. Auffällig sind auch die großen Grubenlüfter am Schacht IV. Einige Gebäude wie zum Beispiel der Haupteingang sind heute noch erhalten und haben zum großen Teil schon eine neue Nutzung. Dabei ist das Gelände mit Straßen und Durchgängen erschlossen, sodass man zwischen den Fördertürmen und übrigen Gebäuden spazieren oder fahren kann. Es gibt Rastplätze am Wegesrand und einen Parkourplatz. Die Entwicklung des übrigen Gebietes, das mit Flächen für Gewerbeansiedlung und Parkplätze verplant ist, lässt sich am besten von einem neuen Aussichtshügel im Westen überblicken. Eine Auffahrt liegt dort, wo der Radweg das Zechengelände erreicht. Hier ist auch eine Bank als niedriger Aussichtsturm aufgestellt. Zugegebenermaßen fragt man sich mit Blick auf die Finanzen, ob es nicht eine gute stabile Bank auch getan hätte. Und nicht ein nicht einmal ein Meter hoher Aussichtspunkt.

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Die verbliebenen Förderanlagen von Schlägel & Eisen

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Haupteingang zur Schachtanlage III / IV / VII

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Füße des großen, weißen Fördergerüstes

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Blick vom Aussichtshügel auf das ehemalige Zechengelände

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Parkanlage und Radweg mit Aussichtshügel

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Neues Gewerbegebiet rahmt die Fördertürme ein

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

 

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

 

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Hier befand sich der VII: Seilscheibe und Protego-Hauben

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Hier verlässt die "Allee des Wandels" das Zechengelände

Auf dem Areal befanden sich außerdem zwei Bergehalden, die jedoch bereits in den 1950er Jahren nicht mehr in historischen Abbildungen zu sehen sind und teilweise vom 1941 in Betrieb gegangenen Schacht VII samt Nebengebäuden überdeckt ist. Sie hatten eine sichtbare Fläche von etwa 3 ha und 1 ha. Die haben mit dem heute hier befindlichen Aussichtshügel nichts zu tun.

Anreise zur Zeche Schlägel & Eisen III / IV / VII:

Anreise mit dem Auto: Auf der A43 bis zur Ausfahrt 11 Recklinghausen / Herten und dort auf die L511 Richtung Herten. Diese geht in die Westerholter Straße über. Nach 3,5 km am Kreisverkehr rechts abbiegen in den Glückauf-Ring und durch die Toreinfahrt fahren. Dann parken.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Glückauf-Ring in Herten

Anreise mit Bus und Bahn: Der Ausgangspunkt in Westerholt ist mit Fahrrad im Gepäck nur mäßig mit dem Nahverkehr zu erreichen. Noch gibt es keinen Bahn-Haltepunkt. Die Anreise mit dem Fahrrad oder Auto wird daher empfohlen. Ansonsten von Buer-Rathaus oder Herten-Mitte mit der Buslinie 243 bis Bergwerk Schlägel und Eisen.

Apropos Aussicht. Der Blick über den Lenker aufs Vorderrad verheißt nichts Gutes. Es hat wieder Luft verloren – und das nur, während ich ein wenig kreuz und quer über das Zechengelände gefahren bin. Es ist nicht viel, aber sichtbar und bei der Fahrt auf Asphalt auch hörbar. Mangels Werkzeug und Ersatzschlauch, die ich traditionell nicht mit mir führe, droht ein Abbruch der Tour. Was nützt es, wenn ich noch ein, zwei Kilometer weiterkomme, dann aber zurück schieben muss? Ich beschließe, es noch einmal aufzupumpen und auf den nächsten Kilometern wenig zu belasten (nicht zu sehr über den Lenker lehnen zum Beispiel). Und dann – mal gucken. Die Pumpe ist übrigens auch ziemlicher Schrott.

Wir verlassen das Zechengelände, das man wirklich sehr schön erkunden und in seiner Entwicklung beobachten kann, und überqueren die Feldstraße über eine Ampel. Nach 800 Metern erinnert die Bushaltestelle „Bahnübergang“ noch an eine Kreuzung des Schienenweges mit der Backumer Straße. An dieser Stelle besteht die Möglichkeit, rechts in das Backumer Tal abzubiegen. Dies ist ein Naherholungsgebiet u.a. mit dem Schwimmbad, das den einfallsreichen Namen „Copa ca Backum“ in Anlehnung an die berühmte Copacabana in Rio de Janeiro trägt. Einige hundert Meter weiter zweigte von der Zechenbahn ein Anschlussgleis zur nicht einmal ein Kilometer in nördlicher Richtung entfernten Schachtanlage Schlägel & Eisen V / VI ab. Kurz dahinter durchschneiden wir das Naturschutzgebiet Kellergatt. Vermutlich basiert das ebenfalls auf einer Deponieanschüttung. Allerdings ist bisher nicht recherchiert, ob es sich um eine Bergehalde oder eine Mülldeponie gehandelt hat. Eine dritte Anschüttung in den 1950er Jahren ist weitere 250 Meter dahinter in der Rechtskurve linksliegend zu erkennen. Mit den beiden Bergehalden vom Zechengelände sind wir jetzt schon bei fünf. Die Bahnstrecke führt in einem Bogen nach Süden und erreicht den Vorort Disteln.

An einem schöngelegenen und gut genutzten Rastplatz besteht neben einer Sitzmöglichkeit ein guter Aussichtspunkt in Richtung unseres Ziels, denn hier hebt sich die Halde Hoheward am Horizont ab. Die werden wir heute noch erreichen. Ich bin optimistisch. Der Schlauch hat wieder etwas an Volumen verloren, aber nicht so stark wie zuvor. Es gibt noch einmal ein paar Stöße mit der kaputten Luftpumpe. Der Weg, der den Rastplatz passiert, führt übrigens bei Bedarf zu den Wassertürmen von Herten. Die Doppelwassertürme sind zwei große Wasserbehälter, die die Versorgung der Region mit Trinkwasser sicherstellen. Man kann sie allerdings nur von der Straße aus betrachten, nur selten sind sie zum Besuch geöffnet.

Mit kritischem Blick aufs Vorderrad setze ich die Fahrt fort, aber wohl ist mir immer noch nicht. Es ist übrigens Sonntag und potenzielle Fahrradgeschäfte oder Supermärkte mit Fahrradabteilung haben geschlossen.

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Rostige Schienen – Überreste am Rande des Radwegs

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Am Naturschutzgebiet Kellergatt

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Aussicht zum Ziel der Radtour: Halde Hoheward erhebt sich am Horizont

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Rastplatz, Parkplatz, Aussichtspunkt

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Kurve der alten Bahntrasse, hinten Wassertürme von Herten

An der Akkoallee haben wir Disteln erreicht, einem Vorort von Herten direkt an der Stadtgrenze zu Recklinghausen. In der Nähe befand sich die Schachtanlage I / II unweit der Kaiserstraße. Nach dem Abriss der meisten Anlagen und Überbauung durch ein Gewerbegebiet mit Supermarkt oder Baumarkt ist heute kaum noch zu erkennen, wo sich einst das bereits in den 1940er Jahren aus der Förderung genommene Zechengelände und die Bahnverladung befanden.

Ein Relikt Übertage ist ein Höhenzug, der sich nördlich der ehemaligen Eisenbahn, zwischen dem neuen Gewerbegebiet Zechenstraße und der neu entstandenen Wohnsiedlung südlich an der Tiergartenstraße versteckt. Von der Kreuzung „An der Halde“ mit der Tiergartenstraße führt ein Weg in eine kleine parkähnliche Anlage mit einem Spielplatz. Es ist für die Bewohner die kürzeste und ruhigste Fußweg-Verbindung zu Supermarkt, Läden oder Bäckereien an der nahen Josefstraße. Die auch unter dem Namen Halde Disteln bekannte Halde Schlägel & Eisen I / II erstreckte sich über 5,5 Hektar nördlich der Schachtanlage. Zuletzt war sie bewaldet und wurde gegen Ende der 1980er Jahre bis in die 1990er Jahre vermutlich vollständig abgetragen. Große Flächen wichen dem Gewerbegebiet an der neuen Zechenstraße. Gleichzeitig entstand auf einem Teil des Haldengeländes ein neuer kleiner Höhenzug von etwa 1,5 Hektar Fläche. Die neue Halde, möglicherweise auch ein Landschaftsbauwerk mit Boden- und Schutt vom Abriss der Tagesanlagen, erstreckt sich als Bergkamm auf einer Länge von ca. 350 Metern und wirkt wie eine Barriere zum alten Zechengelände. Ihre Fläche beträgt etwa 1,5 ha. Bei einer Böschungshöhe von maximal 13 Metern (Ostteil) wird eine absolute Höhe von 81,1 Metern über dem Meeresspiegel erreicht. Am höchsten Punkt weitet sich der Kamm zu einem dreieckigen, kleinen Plateau auf. Zugänge befinden sich jeweils ganz im Osten und Westen sowie als Trampelpfad über die Flanke von Norden. Die Böschungen sind dicht bewachsen, der Weg wird freigehalten. Dennoch hält sich die Aussicht in Grenzen und reicht über die benachbarten Wohngebiete, auf Baumarkt und Supermarkt sowie weiter hinten auf die nicht weit entfernte Großhalde Hoheward mit dem Horizontobservatorium.

Halde Schlägel & Eisen 1/2

Neue Halde in Disteln

Halde Schlägel & Eisen 1/2

Aussicht vom Haldengipfel

Halde Schlägel & Eisen 1/2 Halde Schlägel & Eisen 1/2

Die Erkundung der Halde erfolgte schon einmal vor längerer Zeit. Ich habe erst einmal alle unnötigen, zuvor geplanten Abstecher von der Hauptroute verworfen. Man muss das mit dem offensichtlich beschädigten Schlauch im Reifen ja nicht darauf anlegen.

Anreise zur Halde Schlägel & Eisen I / II:

Anreise mit dem Auto: Auf der A43 bis zur Ausfahrt 11 Recklinghausen / Herten. Dort die Abfahrt Herten wählen. Aus allen Richtungen rechts abbiegen auf die B225, die in die L622 übergeht. Dem Verlauf bis zur Stadtgrenze folgen. Die erste Straße hinter dem Ortseingangsschild rechts abbiegen (Tiergartenstraße) und an der ersten Möglichkeit schräg-links halten. Im Bereich der Kreuzung An der Halde links am Rand parken. Der Zugang befindet sich nahezu genau gegenüber der Nebenstraße, man läuft genau auf das Landschaftsbauwerk zu.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Tiergartenstraße, Kreuzung An der Halde in Herten

Anreise mit Bus und Bahn: Von Recklinghausen Hbf. mit dem Bus der Linie 249 Richtung Buer bis Tiergartenstraße (eine davor zum Bereitmachen: Segensberg). Die Fahrt dauert etwa 15 Minuten. Zu Fuß in die Tiergartenstraße, links abbiegen und der Tiergartenstraße weiter folgen und direkt hinter der Kreuzung links in den kleinen Pfad zur Halde abbiegen.

Haben wir die Straße mit Mittelinsel überquert, so wartet schon die nächste Halde auf uns. Die Halde Akkoallee entstand vermutlich in den 1940er Jahren und erstreckt sich auf nur 0,5 ha rechts von uns hinter dem Rohr. Noch heute ist das Gelände etwa 5 Meter über der Umgebung hervorstechend und bewaldet oder mit Büschen bewachsen. Es ist übrigens das siebte thematisierte Landschafsbauwerk in Form einer Deponie oder Halde am Weg.

Rund 600 Meter weiter liegt der Abzweig, an dem wir uns entscheiden müssen. Geradeaus geht es noch etwa 2,6 Kilometer bis zur Zeche, Halde und dem Landschaftsbauwerk General Blumenthal (Nummer Acht und Neun). Über den Abzweig rechts erreichen wir die Halde Hoheward, unser Tagesziel. Eine Brücke quert die tieferliegende Hertener Bahn. Dabei bildete diese eine Seite eines Gleisdreiecks, einer Schienenkreuzung mit Verbindungsmöglichkeit in alle Richtungen. Der Weg nach Recklinghausen ist aufgrund der technischen Probleme ebenfalls gestrichen.

Es geht leicht bergab. Hinter der Brücke, die wir nach etwa 200 Metern überqueren, liegt rechts die zehnte Bergehalde am Streckennetz – die Halde Spanenkamp oder auch Halde Stuckenbusch. Nicht einmal einen Kilometer südöstlich von der Halde in Disteln breitet sie sich fächerförmig von der Bahnstrecke ausgehend mitten im Wald aus. Sie liegt genau an der Stadtgrenze zwischen Herten und Recklinghausen. Benannt nach der Straße Spanenkamp in der jenseits der Stadtgrenze zu Recklinghausen gehörigen Siedlung Stuckenbusch (Namensgeber der Alternativbezeichnung) erstreckt sich diese Haldenfläche über ca. 7 ha. Auf die Bergemassen wurde wohl Anfang der 1980er Jahre, lange nach Abschluss der Bergeschüttung in den 1950er Jahren, für einen kurzen Zeitraum noch Bodenmaterial aufgestockt. Auf geneigtem Gelände reicht der höchste Punkt auf 61 Meter über den Meeresspiegel. Mit bis zu maximal fünf Metern überragt sie das Gelände. An ihrer westlichen Böschung verläuft der renaturierte Resser Bach zusammen mit einem Waldpfad. Schon lange ist die Halde an Böschung und auf dem ausgedehnten, flachen Haldentop bewaldet. Ausblicke ergeben sich durch die geringe Höhe und den Bewuchs jedoch nicht.

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Kreuzung mit der Akkoallee

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Halde Akkoallee hinter der Rohrleitung

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Abzweigstelle: wir fahren rechts weiter

Halde Spanenkamp / Stuckenbusch

Trampelpfad am Rande der Halde Spanenkamp

Halde Spanenkamp / Stuckenbusch

Böschung der Halde Spanenkamp im Wald

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Schnurgerade ehemalige Bahntrasse – das Ziel rückt näher

Die nächsten zweieinhalb Kilometer verlaufen recht entspannt und zügig. Die Strecke wendet sich links in Südrichtung. Abermals ist, inzwischen deutlich näher, der „Gebirgszug“ zu erkennen, auf den wir zufahren. Der Berg ruft bereits von Weitem – genauer gesagt ruft die Nummer elf. Hinter dem Resser Bach lag die 1908 in Betrieb gegangene Schachtanlage V der Zeche Ewald, dem zweiten großen Bergwerk an der Allee des Wandels. Allerdings handelt es sich an dieser Stelle nur um eine kleine Anlage zur Bewetterung. Schließlich überqueren wir die Autobahn A2.

Am Fuße der großen Halde endet der Weg ziemlich abrupt an einem Gitter. Es versperrt das Portal zum ca. 640 Meter langen Tunnel, der mitten unter der Großhalde verläuft. Ein Ausbau für den Radweg ist in Planung. Dieser Tunnel hat die Besonderheit, einer der wenigen seiner Art zu sein, die zuerst da waren, bevor der Berg existierte, den er untertunnelt. Die Bahnstrecke ist nämlich älter als die Halde, die die Bahntrasse erst ab den 1990er Jahren überdeckte. Zuvor wurde der Tunnel gebaut und überdeckt. Bis dahin verlief die Strecke zwischen den zwei zunächst separat liegenden Halden Ewald und Emscherbruch durch das sogenannte Hoheward-Tal, das es heute nicht mehr gibt. Beide Halden sind zu einer Großhalde zusammengewachsen, die heute im Landschaftspark Hoheward als riesiges Naherholungsgebiet nutzbar ist. Auf ihrer Spitze steht knapp 100 Meter über der Umgebung das weithin sichtbare Horizontobservatorium als Landmarke und eine große Sonnenuhr gibt die Zeit an. Fährt man links auf die Straße Am Handweiser, so stößt man auf eine weitere Einkehrmöglichkeit am Fuße der großen Treppe zum Haldengipfel. Die absolute Höhe von ca. 150 Meter über dem Meeresspiegel lässt unsere bajuwarischen Mitbewohner sicherlich zu einem müden Lächeln ermuntern. Doch vor uns befindet sich die größte Haldenlandschaft im Ruhrgebiet und auf dem europäischen Kontinent. Im Gegensatz zu den Alpen haben wir im Revier unser Gebirge wenigstens selbst gemacht.

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Informations- und Raststation kurz vor dem Ziel

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Endstation: Eisenbahntunnel unter der Halde Hoheward

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Blick zurück: Hier stehen Masten der alten Oberleitung

Radweg "Allee des Wandels" in Herten

Portal des Haldentunnelns von oben gesehen

Direkt links neben dem Tunnelportal, dem derzeitigen Ende der Allee des Wandels, führt ein Zick-zack-Weg bergauf bis zu einem Aussichtsbalkon, der direkt über dem Tunnel gebaut wurde. Von hier lässt sich gut auf den Verlauf der Trasse bis zum Portal blicken. Am Balkon verläuft die sogenannte Balkonpromenade vorbei. Auf ca. 5,5 Kilometern Länge umrundet sie die Halde nahezu auf ebener Höhe. Immer wieder bieten derartige Balkone gute Aussichten in die Umgebung. Genau gegenüber vom Nordportal des Tunnels führt die Promenadenbrücke in Hufeisenform über den Haldenhang hinaus und erinnert entfernt an die bekannte Aussichtsplattform am Grand Canyon in den USA. Radfahrer mit viel Kondition und genügend Luft im Reifen können natürlich auch die Auffahrt bis zum Haldengipfel wagen. Eine belohnende Schussfahrt bergab ist allerdings nur kaum möglich, da die meisten Auffahrten serpentinenartig oder im Zick-zack angelegt sind und man vor jeder Kehre scharf bremsen muss (sollte). Die Aussicht lohnt sich aber dennoch, gehört die Halde doch mit zu den höchsten im Ruhrgebiet, die auch ständig zugänglich sind.

Eigentlich sind wir ja hier am Ziel angekommen. Es steht Ihnen natürlich frei, auf gleicher Strecke wieder zurückzufahren. Sicherlich hat es einen Reiz, das ganze aus der gegensätzlichen Perspektive abzufahren. Aber ich bin ein Freund davon, neue Wege kennenzulernen. So wird aus der Tour ein Rundweg, den ich Ihnen gerne ans Herz legen möchte.

Ich bin dazu nach einer Dreiviertel-Umrundung der Halde auf der Balkon-Promenade unterhalb der Ewald-Empore am Doncasterplatz von der Halde gefahren. Also genau gegenüber der drei Fördertürme von Zeche Ewald. Gaanz vorsichtig, um die Vorderradbremse nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen. Es geht über den Platz bis zum Malakowturm und direkt davor rechts entlang der Wasserachse. Geradeaus würde das Besucherzentrum Hoheward zu einem Besuch einladen. Und unter dem anderen Förderturm von Schacht II ist ein Biergarten. Auf der Albert-Einstein-Allee geht es bis zur Kreuzung mit der Ewaldstraße, an der Ampel biegen wir (auf der gegenüberliegenden Seite) rechts ab. Es geht unter der Autobahn her und vor dem Supermarkt links. Vielleicht 200 m weiter biegen wir rechts auf die Kunstachse Burgenland. Sie führt fast 2 Kilometer durch den Wald zum Schloss Herten. Rechts und links lassen sich an mehreren Stellen Hügel erkennen, auf denen zum Teil Modelle einer Zeche mit Fördertürmen und Schornsteinen stehen – eine Kombination von Land-Art und skulpturaler Kunst im öffentlichen Raum. Wir fangen gar nicht erst an, die in die Halden am Wegesrand zu den bisherigen ermittelten zu zählen. Alle erwischt man eh nicht. Alle Wege führen zum Schloss und das passieren wir links. Die gepflasterte Zufahrt führt zum Resser Weg. An der Ampel biegen wir links ab auf den straßenbegleitenden Radweg. Nach 500 m geht es an der nächsten Ampel rechts auf die Hertener Straße, bis wir nach kurzer Zeit auf dem abgetrennten Randstreifen die Kreuzung mit der Westerholter Straße erreicht haben. Geradeaus kommen wir zum Ausgangspunkt am Bahnübergang, links geht es zum „Alten Dorf“, die alte Freiheit Westerholt.

Halde Hoheward

Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward

Halde Hoheward

Treppe am Handweiser

Zeche Ewald

Balkonpromenade am Doncasterplatz

Zeche Ewald

Malakowturm der Zeche Ewald

Zeche Ewald

Drei Generationen von Fördertürmen

Kunstachse Burgenland

Zeche im Miniaturformat: Kunstachse Burgenland

Land-Art und Skulpturen im Schlosswald Herten

Schloss Herten

Wasserschloss Herten

Ich geb zu, dass es nicht die entspannteste Tour war, die ich fahre und für den Blog dokumentiere. Mit Hängen und Würgen bin ich wieder am Ausgangspunkt angekommen. Der Reifen ist wieder ziemlich platt und bedarf einer Fehlersuche. Viel mehr Kilometer hätten es nicht sein dürfen. Aber es wäre schade gewesen, auf diese wirklich schöne Tour an diesem sonnigen Sonntag verzichten zu müssen. Im nächsten geöffneten Fahrradladen gibt es eine neue Ausstattung passender Schläuche. Inklusive Ersatz. Und notwendiges Werkzeug wird ab jetzt auch eingepackt. Und eine funktionierende Luftpumpe.

Wenige Stunden später stand die Diagnose. Der Schlauch ist völlig intakt (und hat inzwischen weitere Touren bewältigt). Das Ventil war kaputt.

Geographische Koordinaten:
51°36'15.14"N, 7° 5'39.12"E – Start in Westerholt
51°35'53.42"N, 7° 5'23.84"E – Kapelle Westerholt
51°35'51.25"N, 7° 5'26.41"E – Schloss Westerholt
51°36'29.63"N, 7° 7'02.91"E – Zeche Schlägel & Eisen III / IV / VII
51°36'15.31"N, 7° 9'24.89"E – Aufstieg Halde Disteln
51°36'09.82"N, 7° 9'23.16"E – Zeche Schlägel & Eisen I / II
51°36'12.33"N, 7° 9'52.96"E – Halde Akkoallee
51°36'04.45"N, 7°10'26.52"E – Abzweigstelle Blumenthal / Hoheward
51°35'45.56"N, 7°10'02.82"E – Halde Spanenkamp
51°35'14.05"N, 7° 9'49.30"E – Zeche Ewald V
51°34'18.06"N, 7° 9'49.83"E – Nördliches Tunnelportal Hoheward

51°34'19.47"N, 7° 8'49.57"E – Zeche Ewald
51°35'30.07"N, 7° 7'49.56"E – Schloss Herten
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
368020 m, 5718738 m – Start in Westerholt

367709 m, 5718075 m – Kapelle Westerholt
367756 m, 5718007 m – Schloss Westerholt
369643 m, 5719144 m – Zeche Schlägel & Eisen III / IV / VII
372363 m, 5718632 m – Aufstieg Halde Disteln
372325 m, 5718464 m – Zeche Schlägel & Eisen I / II
372901 m, 5718527 m – Halde Akkoallee
373540 m, 5718267 m – Abzweigstelle Blumenthal / Hoheward
373070 m, 5717695 m – Halde Spanenkamp
372785 m, 5716728 m – Zeche Ewald V
372752 m, 5714998 m – Nördliches Tunnelportal Hoheward

371593 m, 5715071 m – Zeche Ewald
370494 m, 5717281 m – Schloss Herten

Quellen und weitere Informationen:

Bahntrassenradeln: www.bahntrassenradeln.de
Halde Hoheward und Hoheward-Tunnel: www.halden.ruhr
Stadt Herten (Allee des Wandels): www.herten.de
ruhrzechenaus (Zeche Schlägel & Eisen): www.ruhrzechenaus.de
Stadt Herten (Kunstachse Burgenland):

www.herten.de

Industriekultur im Ruhrgebiet

Weitere Bergehalden sind von der Übersichtsseite zu diesem Thema auswählbar. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Halden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden.

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Halden Ausflugsziele

Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 11 / 2017
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr