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Der RuhrtalRadweg – Von der Quelle bis zur Mündung

Ruhrgebiet-Etappe 3 vom Baldeneysee bis zur Mündung: Essen-Steele → Duisburg (50 km)

Der RuhrtalRadweg verläuft seit 2006 von der Quelle der Ruhr bei Winterberg bis zu ihrer Mündung in den Rhein. Auf etwa 230 Kilometern Länge folgt er dem Flusslauf vom Dach des Sauerlands und erreicht etwa auf der Hälfte der Strecke das Ruhrgebiet. Auen, Felder und Weiden wechseln sich ab mit historischen Stadtkernen. Man entdeckt historische Zechengelände und Industrieflächen, passiert aber auch die sechs großen Stauseen. Immer wieder führt der Weg ans Wasser, das an vielen Stellen zum Greifen nah ist. Kaum ein Themaradweg in Deutschland bietet vergleichbare Kontraste auf kürzester Fläche – ein Grund, warum der RuhrtalRadweg zu den beliebtesten Flussradwegen gehört.

Diese Tourempfehlung, die den Radweg im Bereich des Ruhrgebiets vorstellt, bilden mehrere Tagesetappen zu je etwa 40 Kilometer Länge. Offizielle Tagesetappen sind nicht ausgewiesen und können vom Radfahrer je nach Kondition, Lust und Interesse frei gestaltet werden. Mancherorts lohnt ein Abstecher vom Weg: Sehenswürdigkeiten am Wegesrand werden kurz vorgestellt und auf existierende ausführliche Artikel auf diesen Internetseiten verwiesen. Klicken Sie dazu einfach auf die unterstrichenen Links im Laufe des Artikels.

Die Karte zeigt den ca. 50 km langen Abschnitt zwischen dem zentrumsnahsten Essener Stadtteil, Steele, und dem Ende am Rheinorange in Duisburg. Am roten Pfeil endet die vorherige und beginnt die beschriebene Etappe bis zur Mündung der Ruhr in den Rhein.

Karte RuhrtalRadweg Essen-Duisburg

Beschilderung, Wegebeschaffenheit und Nahverkehr:
Der Weg ist durchgehend gut beschildert mit dem bekannten mehrfarbigen Piktogramm. Zusätzlich geben die Schilder des Radverkehrsnetzes eine Orientierung und Entfernungsangabe zu den nächsten Stadtetappen. Für die Routenführung und den späteren Ausbau bemühte man sich, von befahrenen Straßen Abstand zu nehmen. Meistens läuft die Tour auf Nebenwegen oder eigenen Radwegen, die zum Teil straßenbegleitend sind. Einzelne Gefahrenpunkte an Kreuzungen lassen sich nicht vermeiden, sind aber meist gut ausgeschildert und geregelt. Viele Abschnitte sind asphaltierte Wege, häufig fährt man auch auf wassergebundener, betonierter oder gepflasterter Oberfläche. Immer wieder sorgen Informationstafeln für einen Überblick über die Orte, in denen man sich befindet. Regelmäßig gibt es Rastmöglichkeiten am Wegesrand. Häufig bietet es sich an, den Weg zu verlassen und einen Abstecher in die Altstädte oder zu nahen Sehenswürdigkeiten zu machen.

In vielen Orten haben sich Museen, Cafés, Hotels oder andere Einrichtungen auf Radfahrer eingestellt. Auch, wenn sich manch ein Extremsportler zum Ziel setzt, den gesamten Radweg zu bewältigen, so sind für die entspannte Fahrt unbedingt Etappen ggf. mit Übernachtung zu planen.

In den rechts dargestellten reiß- und wetterfesten Radwander- bzw. Rad- und Wanderkarten des Verlages Publicpress ist der Radweg dieses Abschnitts eingezeichnet, in der Niederrhein-Karte allerdings nur der letzte Wegeabschnitt. Besonders empfehlenswert für eine Tour auf dem Radweg ist der Leporello zum RuhrtalRadweg, der sich auf den Hauptverlauf des Weges konzentriert.

Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite beim Verlag – Karten werden versandkostenfrei versendet. Für Webseite und Verkauf ist der Verlag verantwortlich.

 Rad- und Wanderkarte Essen und Umgebung   Rad- und Wanderkarte Niederrhein - Krefeld, Moers, Straelen     Radwanderkarte Ruhrgebiet

Auf gesamter Länge ist der Radweg an vielen Orten sehr gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Für diese Tourenetappe existieren folgende Verbindungen mit Zügen: Essen-Steele-Ost ist über die S1 und die S3, Essen-Steele über die S1, S3 und S9 an den Hauptbahnhof angebunden. Am östlichen Ufer des Baldeneysees fährt vom Bahnhof Kupferdreh die S9 Richtung Essen und Wuppertal. In Werden und Kettwig fährt die S6 zwischen Köln und Essen. Auf dem folgenden Abschnitt bietet erst Mülheim a.d. Ruhr mit dem Hauptbahnhof einen guten Anschluss an das Bahnnetz. In der Nähe des Aquarius-Wasserturms befindet sich der S-Bahnhof von Styrum mit Anschlüssen an die S1 und S3. Das Ziel ist generell über den Duisburger Hauptbahnhof mit Zügen des Nah- und Fernverkehrs erschlossen. Insbesondere vom Binnenschifffahrtsmuseum ist auch die RB 36 nach Oberhausen vom nahegelegenen Bahnhof Ruhrort erreichbar. In allen genannten Linien gibt es Mehrzweckabteile für den Fahrradtransport. Achtung: Im Bereich des VRR ist der Fahrradtransport im Berufsverkehr eingeschränkt oder kann in Stoßzeiten problematisch sein. Mehr Hinweise zum Radfahren im Ruhrgebiet

Ruhrgebietetappe III: Essen – Duisburg
Ausgangspunkt der 3. Etappe ist das "Bootshaus Ruhreck" an der Kurt-Schumacher-Brücke am Südrand von Steele. Hier endete die vorherige Etappe zwischen Herdecke und Essen. Dieser Ort ist bequem über den Bahnhof Steele oder den Ostbahnhof mit der S-Bahn erreichbar. Am rechten Ufer wird der RuhrtalRadweg zum Bahntrassenradweg, also auf einer alten Eisenbahntrasse ohne Schienen. Er verläuft einige Kilometer auf der Trasse der ehemaligen Grugabahn bis zur "Zornigen Ameise". Vorbei an der Kossler Wiese wird der ehemalige Südbahnhof von Steele passiert. Direkt dahinter befindet sich die Spillendorfer Schleuse. Aus der Etappe 2 kennen wir bereits das Thema der Schlagden (gesprochen "Schlacht", wie der Kampf), die zum Teil in Längsrichtung des Flusses errichteten langen Steinschüttungen. Die alte Schleuse befindet sich auf der anderen Flussseite auf unzugänglichem Gebiet des Wasserwerks, die neue Schleuse passieren wir direkt. Kurz danach müssen wir die Trasse der Grugabahn linkerhand verlassen. Zwischen Heisingen und Holthausen erreichen wir die Heisinger Ruhraue. Durch die Bäume ist auf der anderen Seite der Ruhr unmittelbar am S-Bahnhof Holthausen (der jedoch mangels Brücke von hier aus nicht zu erreichen ist) das Fördergerüst über Schacht III der Zeche Heinrich zu erkennen. Die Schachtanlage dient heute noch und in Zukunft, lange nach Stilllegung des Untertage-Bergbaus, der Grubenwasser-Regulierung. Ohne diese Anlage würden einige Teile des Ruhrgebiets bedingt durch die Bergsenkungen unter Wasser stehen. Nächstes Ziel ist das Fährhaus Rote Mühle und die Rotemühlenschleuse, auch Schleuse Rohmannsmühle genannt, aus der Zeit der aktiven Ruhrschifffahrt. Da sich der Aufstau der Ruhr zum Baldeneysee bereits hier auswirkt und den Wasserspiegel anhebt, verlor die Schleuse ihre Notwendigkeit. Die Schleusenkammer ist noch zu erkennen und wird auch von den Schiffen auf dem Wasser genutzt, da die V-förmige Schlagd dieser Schleuse zwar einige Dezimeter überflutet, aber nach wie vor größtenteils vorhanden ist und eine Untiefe darstellt. Früher gab es hier übrigens tatsächlich eine Fährverbindung nach Holthausen.

Nachdem wir die Autobahn A44 unter- und die Kläranlage umfahren haben, öffnet sich das Ruhrbett nun deutlich zum bekannten Baldeneysee. Am Rande des Vogelschutzgebiets Heisinger Bogen, den die Ruhr wie eine Halbinsel umfließt, überqueren wir den Zulauf der Ruhr in den See über die alte 230 Meter lange Eisenbahnbrücke der ehemaligen Ruhrtalbahn. Sie wurde 1872 eröffnet. Bedingt durch den niedrigeren Wasserstand vor Aufstau des Sees floss die Ruhr ursprünglich nur durch eines der 5 Teilsegmente hindurch. Auf der anderen Seite, dem linken Ufer, befindet sich der Vorort Kupferdreh mit einem weiteren Anschluss an die Bahn. Wo sich heute das Gewerbegebiet rings um die Prinz-Friedrich-Straße im Mündungsbereich des Deilbachs erstreckt, bestand ebenfalls früher ein Bergwerk – die Zeche Prinz Friedrich. Eine Lore an der Straße erinnert noch heute daran.

Eisenbahnbrücke Kupferdreh

Reger Rad- und Inlinerverkehr auf der Eisenbahnbrücke

Eisenbahnbrücke Kupferdreh

Eisenbahnbrücke Kupferdreh am Ostende des Baldeneysees

Baldeneysee mit Fördergerüst von Carl Funke

Typisch Baldeneysee: Fördergerüst von Carl Funke am Ufer

RuhrtalRadweg am Baldeneysee

RuhrtalRadweg am Hardenbergufer

Baldeneysee in Essen

Blau und Grün am Baldeneysee im Essener Süden – rechts das Naturschutzgebiet Heisinger Bogen

Halde Pörtingsiepen

Bergehalde der Zeche Pörtingsiepen

RuhrtalRadweg

Uferradweg mit Blick zur Zeche Carl Funke

Baldeneysee

Heisinger Yachthafen auf der anderen Seeseite

Haus Scheppen

Haus Scheppen als neues Wasserschloss

Auf gut ausgebautem Weg führt der Radweg nun praktisch bis zum Stauwehr mit wenigen Ausnahmen direkt am Seeufer entlang. Von Kupferdreh bis zum Haus Scheppen begleiten uns (größtenteils aber kaum wahrgenommen) die Schienen der Hespertalbahn. Hier findet regelmäßig ein Museumsbahnverkehr statt. Der See selbst ist der größte der sechs Stauseen im Ruhrgebiet und entstand in den 1930er Jahren. Er dient der Feinsedimentation, also der Ablagerung von Schwebstoffen im Wasser, der Stromerzeugung aus Wasserkraft und der Freizeitgestaltung am und auf dem Wasser. Doch auch hier lässt sich die Bergbaugeschichte nicht leugnen. Auf dem Weg zum Haus Scheppen erblickt man am anderen Ufer das markante und idyllisch gelegene Fördergerüst der Zeche Carl Funke. Karte Halde Poertingsiepen

Und auch am eigenen Ufer sind Spuren sichtbar. Größtes Relikt der Zeche Pörtingsiepen an der Mündung des Hesperbachs in den See ist die langgestreckte Halde Pörtingsiepen. Die Abraumhalde schiebt sich zwischen Uferweg und der Hespertalbahn und erhebt sich mit steiler, bewachsener Böschung etwa 20 Meter über die Umgebung und erreicht eine maximale Höhe von ca. 73 Metern über dem Meeresspiegel. Die Fläche ist etwa 7 Hektar groß. Allerdings ist sie aufgrund des Bewuchses mindestens vom Weg aus nicht zugänglich. An ihrer anderen Spitze befindet sich das Streckenende der heutigen Museumsbahn mit dem Bahnhof Haus Scheppen. Die Ruine ist seit Stauung des Sees von Wasser umgeben und hat den Charakter eines Wasserschlosses.

Zwischen Ufer und Radweg schieben sich hinter Haus Scheppen nun ein Campingplatz und ein Hafen. Man nähert sich zeitweise dem Ufer wieder an und hat die auf der anderen Seite liegende Villa Hügel und auch die Tribüne der Regattastrecke in voller Pracht vor sich liegen. Nach etwa 3 Kilometern wird das Stauwehr des Baldeneysees erreicht. Es besteht aus 3 Walzenwehren, einer Schleuse und dem Wasserkraftwerk. Unmittelbar dahinter befindet sich die 3. alte Schleuse aus der Zeit der Ruhrschifffahrt auf dieser Etappe. Die Schleuse Neukirchen fiel nach Errichtung des Stauwehres für den Baldeneysee trocken und verlor dadurch ihre Funktion. Auf der Schleuseninsel befindet sich an das Schleusenbecken angrenzend die sogenannte Weiße Mühle. An sie schließt sich die Brehminsel an, eine natürliche Insel im Fluss, die als Naherholungsgebiet genutzt wird. In der Nähe des Ortszentrums von Werden ermöglicht eine kleine Brücke den Übergang.

Bekannt ist Werden für die ehemalige Abteikirche, die heutige Basilika St. Ludgerus. Bei einem Abstecher vom Radweg in die Stadt, die ein historisches Rathaus und einige Nebenstraßen inmitten eines historischen Ortskerns bietet, lässt sich die Kirche besuchen. Ein besonderes Verkehrsbauwerk ist auch die breite Brücke der B224. In der etwas unübersichtlichen Kreuzungssituation queren wir Brück- und Abteistraße, die Ruhr und schließlich die Ruhrstraße, bis wir vor dem Bahnhof von Werden stehen. Wir folgen der Straße Im Löwental bis unter die Brücke und fahren dahinter der Radverkehrsnetz-Beschilderung folgend nach links Richtung Ruhr. Achtung: Bei Verpassen dieser Abzweigung mit dem Mini-Schild landet man nach eigener leidlicher Erfahrung irgendwann in einer Sackgasse. Hinter dem Pegelhäuschen geht es durch die Freizeitanlage im Löwental, ebenfalls einer alten Schleuseninsel – denn dahinter entdeckt man mit der Papiermühlenschleuse die nächste Sehenswürdigkeit am Wegesrand. Während das schöne Schleusenhaus unzugänglich ist für Besucher, kann man die wieder freigelegte Schleusenkammer samt rekonstruierter Klappbrücke und Schleusentore besichtigen.

Weiße Mühle an der Schleuse Neukirchen in Essen

Weiße Mühle an der Schleuse Neukirchen

Essen-Werden

Altstadt von Werden: Park & Read am RuhrtalRadweg

Basilika St. Ludgerus, ehemalige Abteikirche in Werden

Basilika St. Ludgerus, ehemalige Abteikirche

RuhrtalRadweg in Essen-Werden

Blick von der Ruhrbrücke auf Werden – mit Ausschilderung

Papiermühlenschleuse in Essen

Romantische Papiermühlenschleuse mit Schleusenwärterhaus

Papiermühlenschleuse in Essen

Schleuse mit rekonstruierter Klappbrücke

Über mehrere Kilometer beginnt nun ein recht ruhiger Abschnitt des Radweges, der direkt am Ufer der Ruhr entlang auf dem alten Leinpfad verläuft. Man könnte hier viel mehr den Eindruck haben, sich im Sauerland zu befinden, als am Südrand einer Großstadt im Kohlenpott.

Ab und zu begegnet man mit Glück einem kleinen Schiff, das sich zwischen den roten und grünen Bojen und den damit markierten Untiefen hindurch kämpft. Kurz vor Kettwig befindet sich auf der rechten Seite die Ruine einer sogenannten Motte, die Turmhügelburg Luttelnau. Der Kattenturm ist ein ehemaliger Wohnturm und in wenigen Mauerresten erhalten. Er stammt aus dem 13. Jahrhundert. Eigentlich ist die Burg nicht zu übersehen, aber wenn die Idylle des Ruhrtals ablenkt, fährt man gut und gerne auch vorbei. Dort wo rechts vom Radweg heute Campingplätze und eine Tennisanlage liegen, befand sich früher ein Güterbahnhof mit Ringlokschuppen und Wasserturm. Auf der anderen Ruhrseite versteckt sich das Schloss Oefte, das früher durch eine Fähre angebunden war. Dass die Fähre nicht mehr fährt, ist nicht besonders tragisch, da das historische Gebäude als Teil eines Golfplatzes sowieso nicht zu besichtigen ist.

Unbemerkt hat man nun den Kettwiger Stausee erreicht. Einen Eindruck eines Sees wird man allerdings kaum bekommen, die Ruhr ist hier höchstens ein wenig breiter, sodass ein exakter Beginn gar nicht definiert werden kann. Es ist der letzte der sechs Stauseen im Flussverlauf und in den 1940er Jahren entstanden. Bevor wir das Stauwehr in Kettwig erreichen, überquert die S-Bahnstrecke Fluss oder Stausee über eine gewaltige Stahl-Fachwerkbrücke. Kurz danach beginnt die Promenade mit Sitzgelegenheiten am Seeufer. Wo heute Wohnhäuser stehen, dominierten noch vor wenigen Jahren ausgedehnte Fabrikhallen mit Backsteinwänden das Bild. Die Promenade endet kurz vor dem zweiteiligen Stauwehr samt Schleuse und Kraftwerk. Auf ihm überquert die Landstraße den Fluss. Aber auch schon vor dem „neuen“ Stauwehr existierte an dieser Stelle eine Schlagd mit einer Schleuse.

RuhrtalRadweg

Ruhiger Wegabschnitt zwischen Werden und Kettwig

Kattenturm der Burg Luttelnau

Kattenturm – Wohnturm der Burg Luttelnau

RuhrtalRadweg

Ruhrgebiet? Oder doch noch Sauerland?

Kettwiger See

Eisenbahnbrücke der S-Bahn über den Kettwiger See

Der ein oder andere Radfahrer wird sich erstaunt die Augen reiben, wenn er vor der großen Brücke einen Abstecher in die historische Altstadt von Kettwig macht. Der ist nämlich besonders lohnenswert, nicht nur auf einen Kaffee oder Eis auf die Hand. Besonders schön ist bereits der Blick auf oder von der alten Steinbrücke, die den kleinen Mühlengraben überquert. Fährt man in die Altstadt (vorsichtig, Fußgängerzone!) und hält sich links, so erreicht man die Kirchtreppe unterhalb der Marktkirche, die sich zwischen Fachwerkhäusern bis vor das Kirchenportal erstreckt. Vor allem Ortsfremde würden eine derartige Altstadtlage eher im Siegerland vermuten oder in anderen ländlichen Regionen – wohl kaum aber im Süden einer der größten Städte in Deutschland, Sinnbild für Industrie und Bergbau. Man muss es sich immer mal ins Gedächtnis rufen.

Kettwiger See

Anlegestellen und Promenadenweg am Stauwehr in Kettwig

Altstadt von Kettwig mit der Kirchtreppe

Historische Altstadt von Kettwig mit der Kirchtreppe

Altstadt von Kettwig

Steinbrücke über den Mühlengraben

Alte Steinbrücke in Essen-Kettwig

Alte Steinbrücke über einen ehemaligen Fließ der Ruhr

Zurück auf der Brücke am Wehr wechseln wir die Flussseite. Der Beschilderung auf der Hauptroute folgend (eine Alternativroute führt auf dem alten Leinpfad weiter am rechten Ufer bis Mülheim entlang) biegen wir erst an der folgenden Ampel rechts in die Volckmarstraße. Die 2. rechts in die Arndtstraße, an deren Ende rechts und sofort links in die Mintarder Straße. Es geht vorbei an der Schule auf einen Feldweg. Sobald man das Wäldchen linkerhand passiert hat, führt ein Weg links zum hinter eben diesem Wald versteckt gelegenen Schloss Hugenpoet. Wer nach dem Weg dorthin fragt, sollte bedenken, dass es sich bei „poet“ um ein Dehnungs-E handelt, weshalb das Schloss nicht wie ein Dichter, sondern eher wie ein Fuß im alten Dialekt „Poth“ (vgl. Halde Entenpoth in Dortmund) ausgesprochen wird. Um das Haupthaus mit seinem Schlosshotel zu erreichen, muss die erste und die zweite Vorburg durchquert werden. Alle sind durch einen Wassergraben voneinander getrennt. Die heutigen Gebäude entstanden in ihrem Ursprung im 17. Jahrhundert, wobei damit Vorgängerbauten ersetzt wurden.

Zurück auf dem Feldweg bildet bereits jetzt die Mintarder Autobahnbrücke eine wichtige Zielmarke auf dem Radweg. Kurz vor Mintard wird die Stadtgrenze zwischen Essen und Mülheim a.d. Ruhr überfahren. An der St. Laurentius-Kirche überqueren wir die August-Thyssen-Straße, die durch ihren Namen einmal mehr einen Hinweis auf das industrielle Gedächtnis der Region gibt. An dieser Stelle ist Vorsicht zu walten – manch herannahendes Auto ist erst spät zu sehen. Es wirkt nicht nur so, als würde man sich mit jedem Tritt in die Pedale vom Fluss entfernen. Wir radeln direkt auf den westlichen Talhang zu. Und dann, wenn man glaubt, man hätte sich verfahren, lotst das kleine Piktogramm den Weg am Ortsrand entlang und unter der Autobahnbrücke hindurch.

Die Mintarder Ruhrtalbrücke ist etwa 1,8 Kilometer lang, besteht aus Stahl und führt die Autobahn A52 zwischen Essen und Düsseldorf als Balkenbrücke in einer maximalen Höhe von ca. 60 Metern über das Ruhrtal. Sie wurde 1966 eröffnet und gilt als längste Stahlbrücke dieser Art in Deutschland. Charakteristisch ist der langgestreckte Bogen, den die Brücke bildet, der auf 18 Pfeilern ruht. Das Ortsbild von Mintard wird von der Brücke geprägt, die praktisch allgegenwärtig ist.

Schloss Hugenpoet

Zweite Vorburg und Hauptgebäude von Schloss Hugenpoet

Schloss Hugenpoet

Schlosshotel von der zweiten Vorburg gesehen

Ruhrtalbrücke Mintard

Mintarder Autobahnbrücke vom RuhrtalRadweg gesehen

Mintard

Der Weg führt an der kleinen Kirche vorbei

RuhrtalRadweg in Mintard

Ortsdurchfahrt von Mintard: Ruhig und schön

RuhrtalRadweg in Mintard

Vorbeifahrt an Pferdekoppeln und Kornfeldern

Auf dem folgenden Wegabschnitt sind Pferde mit Reitern häufig anzutreffen. Der Radweg schlängelt sich hinter der Brücke durch die Auen und am Rande mehrerer Reiterhöfe entlang. Dazu ist genau zu beobachten, wohin an den Abzweigen und Kreuzungen die Schilder den Weg weisen. Gleich mehrfach auf kurzer Entfernung ändert sich die Fahrtrichtung. Doch schließlich fährt man in Sichtweite zum Deich auf einem Feldweg, dem Ruhrauenweg, inmitten der Äcker.

Die Mintarder Straße wird nach etwa 2 Kilometern überquert – auch hier bedarf es gewisser Aufmerksamkeit beim Überfahren. Dahinter geht es für ein kurzes Stück hoch auf dem Ruhrdeich weiter. Auf dem anderen Flussufer liegt der Ortsteil Menden, nicht zu verwechseln mit der in der ersten Etappe bei Fröndenberg berührten Stadt im Sauerland. Nach diesem Stadtteil ist die Mendener Brücke benannt, mithilfe derer die berühmte Bundesstraße 1 die Ruhr in ihrem Verlauf vom Oderbruch an der polnischen Grenze bis Aachen am Dreiländereck überquert. Wir können die Straße unter der Brücke mit dem Radweg gefahrlos queren. Nun befinden wir uns in der Saarn-Mendener Ruhraue. Hinter der Brücke geht es rechts zum Ufer. Auf dem Kahlenbergweg, benannt ebenso wie das später noch erwähnte Kraftwerk nach dem Ortsteil auf der anderen Seite, nähern wir uns der Innenstadt von Mülheim an.

An der nächsten Kreuzung muss man eine Auswahl treffen. Dazu muss man sagen, dass der eigentliche RuhrtalRadweg die Innenstadt und den sehenswerten Wasserbahnhof umfährt. Lohnenswert ist an dieser Stelle die Fortsetzung der Tour über das Kahlenbergwehr und die Ruhrinsel bis zum Kraftwerk und Wasserbahnhof. Von dort kann die Fahrt auf dem alten Leinpfad bis zur Innenstadt und Schlossbrücke fortgesetzt werden, um im MüGa-Park auf der anderen Seite die eigentliche ausgeschilderte Route wieder zu erreichen.

RuhrtalRadweg

Ein kurzer Abschnitt auf dem Ruhrdeich bei Mülheim (Rückblick)

RuhrtalRadweg

Kurz vor Mülheim a.d. Ruhr: Blick aufs andere Ufer

Wasserbahnhof Mülheim an der Ruhr

Über Abstecher erreichbar: Wasserbahnhof Mülheim

Weiße Flotte Mülheim

... Startpunkt der Weißen Flotte

Die reguläre Strecke führt auf dem Saarner Auenweg etwas im Hinterland der Ruhrauen, aber immerhin schön schattig durch bewaldete Abschnitte. Der RuhrtalRadweg führt im gesamten Stadtgebiet über einige Brücken, die zum Teil ungewöhnlich, durchaus spektakulär und manches Mal überraschend sind. So scheint das nun folgende, schwer einsehbare Bauwerk beispielsweise kaum ein Ende zu nehmen. Der Steg führt zwischen den Wipfeln der Bäume immer wieder um Knicke weiter und weiter und schraubt sich durch eine konstante Steigung auf kurzer Strecke in die Höhe. Nicht darauf vorbereitete Radler werden ein wenig atemlos oben ankommen. Hier stoßen wir auf den Fossilienweg, der sich thematisch auf Geologie und Bodenthemen konzentriert. Rastplätze und Spielgeräte am Wegesrand lockern die Fahrt auf. Abermals nutzen wir nun eine alte Bahntrasse, nämlich die der Unteren Ruhrtalbahn. Diese verlief zwischen Kettwig und Mülheim-Styrum am westlichen Ufer der Ruhr entlang.

Überraschend schnell ist der MüGa-Park erreicht und – wie gesagt – bislang wenig von der Stadt selbst gesehen. Die Anlage der ehemaligen Mülheimer Landesgartenschau 1992 auf einem alten Bahngelände ist heute ein beliebtes Naherholungsgebiet und bietet mit dem Ringlokschuppen, der Camera Obscura im schönen Wasserturm und dem Schloss Broich zahlreiche Sehenswürdigkeiten oder Möglichkeiten für Aktivitäten. Von der kleinen Brücke auf das Parkgelände lässt sich einen Blick nach rechts Richtung Schlossbrücke und Innenstadt erhaschen. Wer sich die Innenstadt nun doch noch anschauen möchte, muss die Route und den Park am Schloss verlassen und über die Brücke an der Stadthalle fahren. Der MüGa-Park wird vom RuhrtalRadweg durchquert. Linkerhand ist der Ringlokschuppen zu sehen. Rechts liegt das alte Schloss Broich. Über die verwinkelte Kfar-Saba-Brücke erreichen wir den östlichen Parkteil auf der anderen Straßenseite. Hier befinden sich einige Wassergärten und ein Wasserspielplatz. Direkt am Fluss laden Bänke zu einer Rast ein, um den Schiffsverkehr und das Treiben im gegenüberliegenden Stadthafen aus dem Projekt Ruhrbania zu beobachten.

Die Eisenbahnbrücke der ehemaligen Rheinischen Bahn wird ebenso wie die darauffolgende Straßenbrücke der B223 unterfahren.

MüGa-Park

Ringlokschuppen im MüGa-Park Mülheim

MüGa-Park

Beste Aussicht auf den stadtnahen Fluss auf den Stadthafen

MüGa-Park

Östlicher Parkteil des MüGa-Parks

Broicher Wasserturm mit Camera Obscura

Camera Obscura im alten Wasserturm

Schloss Broich

Südseite von Schloss Broich

Schloss Broich

Innenhof des Schlosses

Es folgt kurz darauf wieder eines dieser überraschenden Brückenbauwerke. In einer konstanten Linkskurve geht es in die Höhe – und bald haben wir registriert, dass es sich um eine vollständige Schneckenform handelt, die die Rampe zur Bergstraße bildet. Auf der Straße halten wir uns rechts und werden durch eine Ampel ausgebremst, auf der auch wir auf dem Radweg halten müssen. Kurz darauf geht es auf dem Broicher Damm rechts ab. Mit Schwung wird ein kleiner Taleinschnitt durchfahren und die Auffahrt zur nächsten Ruhrbrücke bewältigt. Von der Brücke kann man einen Blick auf die Skyline der Innenstadt mit den markanten gleichförmigen Hochhäusern am Hauptbahnhof werfen.

Vor dem Umspannwerk führt ein Holzsteg nach links als Rampe vom Damm bergab. Zahlreiche Spielgeräte säumen den Weg, bevor wir plötzlich vor dem romantischen Wasserturm Styrum stehen, in dem das interessante Aquarius-Wassermuseum zu besuchen ist. Der Name Aquarius ist dabei ein Hinweis auf die lateinische Bezeichnung von Wasser: aqua. Besonders charakteristisch für den Turm ist das separate Treppenhaus bis zur halben Höhe und die verglaste Aussichtsplattform unter dem Dach – das Ruhrland-Panorama. Der Aquarius-Turm steht am Rande des Schlossparks Styrum. Er erstreckt sich um das Haupthaus, das direkt im Schatten des Wasserturms steht, und lässt sich frei besuchen und für eine Rast auf einer Bank zwischen den blühenden Stauden nutzen.

RuhrtalRadweg

 

Styrumer Wasserturm, Aquarius

Der romantische Wasserturm von Styrum mit separater Treppe

Aquarius Wassermuseum im Styrumer Wasserturm

Aquarius-Wassermuseum im Styrumer Wasserturm

Schloss Styrum

Südseite von Schloss Styrum

Schloss Styrum Schloss Styrum

Hinter dem Schlosspark stoßen wir auf die Moritzstraße. Hier folgen wir der Beschilderung links. An der Kreuzung vor dem Einkaufszentrum halten wir uns schräg-links. Es geht ein Stück entlang der Steinkampstraße (nicht über die kleine Brücke fahren!), die wiederum parallel zur Autobahn 40 verläuft. Die nächsten mehrere hundert Meter Strecke gehören daher zu den weniger romantischen des Radweges. Kurz vor der Ruhrbrücke queren wir die Straße. Das geschieht über einen Weg, der unter der Brücke verläuft. Wir tauchen auf der anderen Seite auf, um erneut unter der Autobahnbrücke zu verschwinden. Dahinter folgen wir der Friesenstraße und passieren das Naturbad und dessen biologische Wasserklärung in Form zahlreicher Röhrichtpflanzen. Am Ende der Straße fahren wir links, unterqueren die Eisenbahn und überqueren die Stadtgrenze nach Oberhausen, genauer in den Vorort Alstaden und befinden uns nun auf der Solbadstraße.

Hier stießen Bergleute der Zeche Alstaden auf solehaltige Quellen mit der iodreichsten Schüttung in Deutschland. Noch im selben Jahr eröffnete das Solbad Alstaden auf dem Zechengelände, das dieses Wasser fortan zum Badebetrieb nutzte (und der Solbadstraße ihren Namen gab). 1909 zog das Solbad in den Nachbarort Speldorf in Mülheim um, wo das Solbad Raffelberg erbaut wurde, dessen Gebäude noch heute erhalten sind. Den Bereich um den Raffelbergpark erreicht man übrigens über die Steinkampstraße, die vorhin lange parallel zum Radweg führte.

Unmittelbar hinter der Eisenbahnbrücke befindet sich rechts eine Bergehalde. Sie ist als Solbadhalde bekannter als unter ihrem offiziellen Namen, der Halde Alstaden. Sie ist ein benachbart zum ehemaligen Schacht I der Zeche eingequetschter Hügel, der sich bemerkenswerte fünf Meter über das umliegende Gelände erhebt und damit eine maximale Höhe von etwa 35 Metern über dem Meeresspiegel erreicht. Ein kleiner Rundweg mit der Gesamtlänge von 400 Metern führt um die Halde, die jedoch bei Ablaufen dieses Weges mehr als bewaldeter Hügel denn als Bergehalde erscheint. Erschlossen wird der Rundweg durch drei Zugänge von der Solbad- und Haldenstraße.

Auf der anderen Seite der Straße liegt gegenüber der Halde der Ruhrpark mit Spiel- und Sportanlagen sowie ausgedehnten Grünflächen. In der Mitte entdeckt man auf einer Anhöhe die Seilscheibe der Zeche Alstaden. Man könnte den Park auch durchqueren, denn die ausgeschilderte Route führt auf der Solbadstraße und Speldorfer Straße gegen den Uhrzeigersinn einmal um ihn herum. Unmittelbar an der Eisenbahnbrücke der Strecke zwischen Oberhausen und Duisburg erblicken wir wieder den Fluss. Wieder auf einem hohen Deich verläuft der Radweg parallel zur Straße Am Ruhrufer. Linkerhand blickt man auf eine Bodendeponie, die sich inzwischen hoch auf der Halbinsel in der Aue erhebt.

RuhrtalRadweg

Abschnitt entlang der Steinkampstraße und A40

Solbadhalde

Unspektakulär: Niedrige Solbadhalde mit Wald

RuhrtalRadweg

RuhrtalRadweg auf dem Deich in Alstaden

Ruhraue bei Oberhausen

Blick über die Auen zur Bodendeponie

Halde Am Ruhrufer

Radweg am Rande der Halde Am Ruhrufer

Halde Am Ruhrufer

Ehemalige Halde mit Biotop

Halde Am Ruhrufer

Statt Erhebung entdeckt man heute eine wassergefüllte Senke

RuhrtalRadweg

Endspurt: Durch die Ruhrauen von Duisburg

Apropos Deponie. Am Ende der Straße stoßen wir auf die letzte Bergehalde im Tourverlauf. Sie hat einen besonders idyllisch klingenden Namen, der RuhrtalRadweg führt direkt an ihr vorbei und dennoch wird der größte Teil der Radfahrer achtlos vorbei fahren. Denn die Halde Am Ruhrufer ist nicht mehr als Bergehalde zu erkennen – im Gegenteil. Gegen Anfang der 1970er Jahre brannte der Abraum. Dies passierte im Ruhrgebiet in der Vergangenheit recht häufig durch Selbstentzündung der Restkohle im Material aufgrund des Wärmestaus. Im Innern glimmt das brennbare Material dann meistens ohne außerhalb sichtbarer Flammen so vor sich hin.

Karte Solbadhalde, Ruhruferhalde

Noch heute sind unter den hier betrachteten Halden zahlreiche, die unter die Rubrik brennende Halden fallen. Je nach Ausmaß der Schwelbrände kann es selten zu mehr oder weniger deutlich sichtbaren Rauch-Ausgasungen kommen. Würde man es heute aus Sicherheitsgründen unterlassen, wurde die Halde bis in die 1990er Jahre wegen der starken (und deutlich sichtbaren) Emissionen, des Staubes und der damit verbundenen Belastung für Anwohner komplett abgetragen – bis auf einen Meter unter dem Grundwasserspiegel. Danach ist im Bereich der ehemaligen Bergehalde ein dichtbewachsenes Feuchtbiotop in einem Krater entstanden. Damit ist die Halde eigentlich genau das Gegenteil der Haldendefinition. Die Seen sind am Rand stark zugewachsen und nur schwer zugänglich, weswegen sich auch besondere Tier- und Pflanzenarten angesiedelt haben. Die Halde kann rechts oder links am Ufer weiter umfahren werden. Beide Wege treffen nach ähnlicher Streckenlänge auf der anderen Seite aufeinander.

Vor der Autobahnbrücke überfahren wir die Stadtgrenze von Oberhausen in die letzte Etappenstadt Duisburg. Dahinter geht es zweimal links. Genießen wir das viele Grün am Rande, denn schon bald verläuft der Radweg durch Hafengebiete. Am Ende der Allee und hinter dem verschämten Rest einer Brücke unterqueren wir gleich mehrere Brückenbauwerke – die der Autobahn A3, einer Güterbahnstrecke und die der Landstraße 1 (die sich prima einordnet in die bereits angetroffene Autobahn 1 bei Schwerte und die Bundesstraße 1 in Mülheim). Dahinter geht es rechts und bald wieder links. Das Gewässer, auf das wir zufahren und durch die Bäume erahnen, ist der Rhein-Herne-Kanal, der sich hier kurz vor seinem westlichen Ende und der Einmündung in die Ruhr befindet. Als Radfahrer gibt man dem letzten Teilstück die Ehre und begleitet ihn bis zur Schleuse. Den Verbindungskanal zur Ruhr queren wir hinter einem Sperrtor über eine Miniaturausgabe der Fehmarnsundbrücke. Es geht vorbei an der Schleuse Meiderich, wo der Rhein-Herne-Kanal in den Hafenkanal bzw. den Duisburger Binnenhafen übergeht.

Der Duisburger Binnenhafen (nicht zu verwechseln mit dem Innenhafen) ist der größte seiner Art in Europa und liegt im Mündungsbereich der Ruhr in den Rhein. Allerdings hat er mit der Ruhr keine weitere Berührung, die unabhängig davon als südlichster von drei parallelen Wasserstraßen in den großen Strom mündet. Der Hafen besteht aus mehreren Hafenbecken, die im Winkel vom Hafenkanal abzweigen und sich vom ursprünglichen Hafen in Ruhrort ausgedehnt haben. Das ein oder andere Hafenbecken lässt sich vom Radweg, der etwas höher als die begleitende Straße verläuft, einsehen.

RuhrtalRadweg

Verbindungskanal zur Ruhr am Rande des Innenhafens

RuhrtalRadweg

Ruhrgebiet-Variante der Fehmarnsundbrücke

RuhrtalRadweg

Oberbürgermeister-Lehr-Brücke aus Köln an der Ruhrschleuse

Ruhrwehr Duisburg

Ruhrwehr vor der Schleuse (verdeckt; Blick zurück)

Wir überqueren die letzte Schleuse der Ruhr, die Ruhrschleuse von Kaßlerfeld. Hier lassen sich auf der Brücke stehend die Schleusenvorgänge sehr gut beobachten. An die Schleuse schließt sich das große Ruhrwehr an. Vier Wehröffnungen auf einer Gesamtbreite von 150 Metern regulieren den Wasserspiegel der Ruhr und schützen auch vor Hochwasser aus dem Rhein. Auch dieses Bauwerk wird vom Radweg überfahren – zum letzten Mal überqueren wir den Fluss: Es geht in den Endspurt. Und dann rechts.

Die letzte Ruhrbrücke überhaupt ist zugleich auch eine Besonderheit. Die Oberbürgermeister-Lehr-Brücke (auch Karl-Lehr-Brücke) der Ruhrorter Straße überquert Ruhr und Hafenkanal. Dabei stammt der große runde Brückenbogen auf dem Teil über der Ruhr von der im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstörten Hohenzollernbrücke in Köln, der bekannten Eisenbahnbrücke in Domnähe zwischen Deutz und dem Hauptbahnhof.

Unglaublich aber wahr – hinter der letzten Brücke ist das Ziel schon fast zu sehen. Zum Greifen nah. Am Ende der Halbinsel Neuenkamp erblicken wir bald das sehnlich erwartete orangefarbene Etwas. Etwa 220 Kilometer flussabwärts vom Ruhrkopf, an dem die Ruhr als kleines Rinnsal entsprungen ist, fließt sie als bedeutender Fluss, der dem Ruhrgebiet den Namen gegeben hat, in den Rhein. An dieser Stelle markiert eine ganz besondere Landmarke mit dem Namen Rheinorange den Mündungsbereich. Es handelt sich um eine 25 Meter hohe, sieben Meter breite und einen Meter tiefe Stele aus Stahl. Aus der Entfernung wirkt sie recht klein, wenn auch durch ihre Farbgebung nicht gerade unscheinbar. Steht man allerdings davor, ist die Stele plötzlich riesig. Sie wurde 1992 eingeweiht und von Lutz Fritsch entworfen. Lackiert ist die Skulptur in einem signalfarbenen Orangeton zwecks Schaffung eines Kontrasts zur bewegten Industriekulisse. Dabei wird der verwendete Farbton mit der Nummer 2004 im RAL-Farbsystem als »Reinorange« bezeichnet. Im Bezug auf den großen Strom ergibt sich somit ein geschicktes Wortspiel.

Rheinorange

Ziel des RuhrtalRadwegs: Rheinorange

Rheinorange

Stele am Zusammenfluss von Ruhr und Rhein

Und genau hier haben auch wir nach drei Etappen und etwa 130 Kilometern Länge im Ruhrgebiet oder 230 Kilometern Gesamtstrecke (der Radweg ist etwa 10 Kilometer länger als der Fluss!) das Ziel erreicht und schauen zu, wie das Wasser der Ruhr in den Rhein mündet und Richtung Nordsee getragen wird.

So ganz stimmt es übrigens nicht, mit dem Ziel. An der Karl-Lehr-Brücke zweigt nämlich ein kurzer Abstecher von der offiziellen Route ab. Er führt zum Museum der Binnenschifffahrt in Duisburg-Ruhrort und quert dann auch doch noch einmal den Fluss.

Zum Hauptbahnhof fahren wir am besten bis zu der Brücke mit dem Kölner Bauteil zurück und im Kreisverkehr auf die Ruhrorter Straße Richtung Stadtmitte. Im Grunde ist dieser immer geradeaus zu folgen, denn sie führt irgendwann am Hauptbahnhof vorbei. An der Schwanentorbrücke lohnt ein Abstecher entlang des Innenhafens von Duisburg.

Geographische Koordinaten:
51°26'18.66"N, 7°03'43.55"E – Schleuse Steele
51°24'35.74"N, 7°04'45.98"E – Fährhaus und Schleuse Rote Mühle
51°23'31.60"N, 7°04'29.18"E – Eisenbahnbrücke Kupferdreh
51°23'51.61"N, 7°02'54.10"E – Haus Scheppen
51°23'49.21"N, 7°00'07.40"E – Stauwehr Baldeneysee
51°23'36.76"N, 6°59'59.30"E – Schleuse Werden
51°23'16.60"N, 7°00'17.02"E – Abtei Werden
51°22'52.47"N, 6°59'43.15"E – Papiermühlenschleuse
51°22'07.73"N, 6°57'40.37"E – Burg Luttelnau
51°21'39.07"N, 6°56'09.87"E – Stauwehr Kettwiger See
51°21'41.74"N, 6°56'15.85"E – Brücke über Mühlengraben
51°21'44.83"N, 6°56'14.06"E – Kirchtreppe Kettwig
51°21'42.10"N, 6°55'01.54"E – Schloss Hugenpoet
51°22'35.01"N, 6°53'44.31"E – Mintarder Brücke über RuhrtalRadweg
51°24'48.94"N, 6°52'35.29"E – Kahlenbergwehr
51°25'37.75"N, 6°52'17.99"E – Schloss Broich im MüGa-Park
51°25'41.64"N, 6°52'08.58"E – Ringlokschuppen im MüGa-Park
51°25'46.40"N, 6°52'27.86"E – Brücke Rheinische Bahn über Radweg
51°26'17.98"N, 6°51'49.56"E – Styrumer Brücke
51°26'35.51"N, 6°51'24.01"E – Aquarius Wasserturm, Schl. Styrum
51°26'58.46"N, 6°50'01.96"E – Solbadhalde
51°27'31.21"N, 6°48'54.92"E – Halde am Ruhrufer
51°27'05.74"N, 6°46'58.65"E – Brücke Verbindungskanal
51°26'42.31"N, 6°45'17.25"E – Ruhrschleuse und Ruhrwehr
51°26'37.07"N, 6°44'46.08"E – Oberbürgermeister-Lehr-Brücke
51°26'57.41"N, 6°43'20.17"E – Rheinorange – Streckenende
51°27'34.53"N, 6°43'48.03"E – Museum der dt. Binnenschifffahrt
51°25'48.41"N, 6°46'23.60"E – Duisburg Hauptbahnhof
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
365309 m, 5700372 m – Schleuse Steele

366431 m, 5697162 m – Fährhaus und Schleuse Rote Mühle
366054 m, 5695189 m – Eisenbahnbrücke Kupferdreh

364234 m, 5695856 m – Haus Scheppen
361011 m, 5695868 m – Stauwehr Baldeneysee
360844 m, 5695488 m – Schleuse Werden

361169 m, 5694856 m – Abtei Werden
360494 m, 5694128 m – Papiermühlenschleuse
358082 m, 5692812 m – Burg Luttelnau

356308 m, 5691976 m – Stauwehr Kettwiger See
356426 m, 5692055 m – Brücke über Mühlengraben
356394 m, 5692151 m – Kirchtreppe Kettwig

354989 m, 5692107 m – Schloss Hugenpoet
353543 m, 5693784 m – Mintarder Brücke über RuhrtalRadweg
352328 m, 5697959 m – Kahlenbergwehr

352038 m, 5699476 m – Schloss Broich im MüGa-Park
351860 m, 5699602 m – Ringlokschuppen im MüGa-Park
352236 m, 5699738 m – Brücke Rheinische Bahn über Radweg

351525 m, 5700735 m – Styrumer Brücke
351048 m, 5701291 m – Aquarius Wasserturm am Schloss Styrum
349485 m, 5702046 m – Solbadhalde

348221 m, 5703096 m – Halde am Ruhrufer
345954 m, 5702377 m – Brücke Verbindungskanal
343975 m, 5701713 m – Ruhrschleuse und Ruhrwehr
343369 m, 5701569 m – Oberbürgermeister-Lehr-Brücke
341730 m, 5702249 m – Rheinorange – Streckenende
342303 m, 5703379 m – Museum der dt. Binnenschifffahrt
345205 m, 5700009 m – Duisburg Hauptbahnhof

Industriekultur im Ruhrgebiet

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Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 09 / 2017
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