Navigation Hier klicken, um zur Hauptseite zu gelangen! Halden im Ruhrgebiet Linktipps Kunst, Landmarken und Aussichtspunkte im Ruhrgebiet Natur und Landschaft im Ruhrgebiet Zechen und Industrie Alte Gemäuer - Burgen und Schlösser Radfahren und Wandern Museen und Ausstellungen im Ruhrgebiet Impressum und Kontakt

Zeche Fürst Hardenberg und Minister Stein in Dortmund

Ein einsamer Malakowturm und der Hammerkopfturm in der Neuen Evinger Mitte

Es gibt Beiträge auf diesen Webseiten, die auf Zufallsfunden basieren. So auch der Besuch der benachbarten Bergwerke Fürst Hardenberg und Minister Stein im Norden von Dortmund. Meine Mission war eigentlich an diesem Tag die Abholung einer Person vom Hauptbahnhof, die mit dem Fernzug anreisen wollte. Noch auf dem Wege zum Bahnhof wurde jedoch klar, dass der Zug deutlich später kommen würde. Also wurde das Navigationssystem im Smartphone programmiert und ein Abstecher in die nördlichen Stadtbezirke, etwa zehn Autominuten vom Hauptbahnhof entfernt, begonnen. Die Kamera war mehr zufällig als gewollt mit dabei. Auf dem Programm stehen zwei ganz besondere Fördertürme – jeder für sich ist ein einmaliges Denkmal besonderer Architektur und Industriegeschichte.

 

Zeche Fürst Hardenberg

Einer der wenigen erhaltenen Malakowtürme im Ruhrgebiet

Erstes Ziel führte zum Hardenberghafen am Dortmund-Ems-Kanal. Auf der nördlichen Seite des Hafenbeckens befand sich die Zeche Fürst Hardenberg, die noch vor Bau des Kanals entstanden ist. Im Jahre 1876 begann die Förderung durch den ersten Förderschacht, über dem der noch heute existierende Förderturm gebaut wurde. Etwa 20 Jahre später begann der Bau eines zweiten Schachtes neben dem ersten, der um 1900 in Betrieb ging. Ein Jahr zuvor wurde der Dortmund-Ems-Kanal erst eröffnet. Im Jahr 1963 erfolgte die Stilllegung der Doppelschachtanlage.

Aus dem Zechengelände wurde Gewerbegebiet, ein Teil ist derzeit eine unbebaute Brachfläche. Erhalten von der Zeche ist nur noch der Malakowturm samt Maschinenhalle von 1876. Malakowtürme sind imposante, gemauerte Türme aus Stein, die an eine Burg erinnern. Ihren Namen haben sie vom Fort Malakow auf der Halbinsel Krim erhalten. Später wurden stählerne Fördergerüste gebaut, viele frühe Malakowtürme wurden abgerissen und so sind nur noch 14 Exemplare im Ruhrgebiet erhalten. Der Förderturm der Zeche Fürst Hardenberg ist somit einer der wenigen noch existierenden Bauwerke dieser Art und steht unter Denkmalschutz. Er ist ca. 32 Meter hoch und hat sehr markante Strebepfeiler an den Seiten. Diese verstärken den Eindruck einer früheren Befestigungsanlage. Der Anbau im Erdgeschoss mit den spitz zulaufenden Fenster-Einfassungen ist in den 1930er Jahren entstanden. Die meisten übrigen Zechenanlagen und auch Teile einer Zechensiedlung wurden in den 1990er Jahren abgerissen. Anschließend wurde zwischen Hardenberghafen und Bahnstrecke nördlich der neuen Lindnerstraße das Güterverteilzentrum mit drei großen Hallen erbaut. Eine Vertriebsstelle einer Großbäckerei ist unmittelbarer Nachbar des Kulturdenkmals geworden.

Im Jahre 1997 hat die Industriedenkmalstiftung die Anlage von Förderturm und Maschinenhalle in Obhut genommen und saniert. Eine Nachnutzung stand lange Zeit in den Sternen. 2012 haben Privatleute den Turm gekauft und planen einen schrittweisen Umbau, offenbar übrigens inspiriert durch eine ausnahmsweise Öffnung während des Tags des offenen Denkmals. Vorgesehen ist eine Nutzung als Bürogebäude und Ausstellungsraum. Lassen wir uns überraschen, was aus diesem Denkmal geschehen wird.

Das Wetter hat es nicht besonders gut gemeint. Dunkle Wolken zogen über der Zeche auf, beinahe metaphorisch. Im kalten Wind und mit einigen peitschenden Regentropfen wurde geduldig die ein oder andere Wolkenlücke mit Sonnenstrahl abgewartet.

Malakowturm der Zeche Fürst Hardenberg in Dortmund

Malakowturm der Zeche Fürst Hardenberg am
Dortmund-Ems-Kanal – gesehen vom Deusenberg

Malakowturm der Zeche Fürst Hardenberg in Dortmund

Burgähnliche Architektur des alten Förderturms von Schacht I

Malakowturm der Zeche Fürst Hardenberg in Dortmund

Düstere Wolken über dem monumentalen Turm

Malakowturm der Zeche Fürst Hardenberg in Dortmund

Maschinenhalle auf der Rückseite des Turms, der
an dieser Seite kaum Fenster hat

Malakowturm der Zeche Fürst Hardenberg in Dortmund

32 Meter hoher Turm aus Ziegelstein und Straßenbaum

Big bag auf Brache

Aus vergessenen Big-Bags wachsen schon Pflanzen

Malakowturm der Zeche Fürst Hardenberg in Dortmund

Brachengelände zwischen Gewerbegebiet und Zeche

Zeche Fürst Hardenberg in Dortmund

Detail des Maschinenhauses

Tipp des Autors: Gut zu sehen ist der Malakowturm übrigens auch vom nahen Deusenberg, einer alten, renaturierten Mülldeponie mit guter Sicht über die Stadt Dortmund.

Anreise mit dem Auto: Die Anreise ist nicht ganz unkompliziert. Am besten ist, Sie nutzen ein Navigationssystem. Auf der A2 bis zum Kreuz Dortmund-Nordost und dort auf die B236 Richtung Schwerte, auf der B1 als Verlängerung der A44 aus Richtung Unna (A1) und der A40 aus Essen auf die B236 Richtung Lünen. Aus beiden Richtungen in Derne abfahren. Aus Richtung Schwerte zunächst links und dann nochmal links abbiegen auf die Walther-Kohlmann-Straße. Aus Richtung Lünen rechts abbiegen. Nach 500 m rechts abbiegen in die Kemminghauser Straße. Dieser 2,6 km folgen, bis diese in die Grävingholzstraße übergeht und nach 1,3 km rechts abbiegen auf die Holhauser Straße. Sofort links auf die Fürst-Hardenberg-Allee. Nach 1 km rechts in die Lindnerstraße bis zum Malakowturm, der auf der linken Seite liegt. Parkplätze befinden sich am Straßenrand.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Lindnerstraße in Dortmund

Geographische Koordinaten:51°32'57.04"N 7°26'32.40"E
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 391997 m, 5712048 m

Anreise mit Bus und Bahn: Auch mit dem Nahverkehr ist die Anreise etwas komplizierter oder zumindest mit Fußwegen verbunden, wenn man kurze Verbindungen bevorzugt. Nächstliegende Bushaltestelle ist „Kolberger Straße“ an der Einmündung zur Lindnerstraße. Hier fahren Busse der Linien 411, die Bahnhöfe von Regionalbahnlinien oder S-Bahnen anfahren, so z.B. Derne, Brackel oder Aplerbeck. Etwa 1,5 km lang ist der Fußweg zur Haltestelle Güterstraße der U41, die auch am Hauptbahnhof vorbeifährt.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Im nahen Lindenhorst besteht die Möglichkeit eines Abstechers zum Malakowturm von der Radroute Dortmund-Ems-Kanal, die auf der anderen Seite des Kanals verläuft, um vom Emscher-Park-Radweg. Die Anreise erfolgt dabei am besten über die Lindenhorster Straße und die Lindnerstraße.

Kartenmaterial: In den rechts dargestellten reiß- und wetterfesten Radwander- bzw. Rad- und Wanderkarten des Verlages Publicpress ist die Region eingezeichnet.

Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite beim Verlag – Karten werden versandkostenfrei versendet. Für Webseite und Verkauf ist der Verlag verantwortlich.

Rad- und Wanderkarte Dortmund und Umgebung   Radwanderkarte Ruhrgebiet  

 

Zeche Minister Stein

Industriedenkmal Hammerkopfturm

Die betriebliche Störung bei der Bahn hat dankenswerterweise noch angehalten. Daher bestand die Gelegenheit, ein zweites Ziel zu besuchen – die nahegelegene Zeche Minister Stein in der Neuen Evinger Mitte. Im Gegensatz zu allen übrigen Erkundungen bin ich dabei allerdings völlig unvorbereitet. Normalerweise wird vorher recherchiert, werden Karten ausgedruckt und mitgenommen. Diesmal ist alles anders und spontan.

Im Jahr 1875 begann die Kohleförderung im damals ländlichen Eving. Es sollte eine Großzeche mit sieben Schächten werden, die als letztes Bergwerk in Dortmund 1987 stillgelegt werden würde. Bekanntestes Relikt der Zeche und ein Wahrzeichen für den Stadtteil Eving ist der große Hammerkopfturm über dem Schacht IV. Dies ist eine weitere besondere Bauweise von Fördertürmen, bei denen die beiden Fördermaschinen (in diesem Falle sind es zwei) oben in der Turmspitze untergebracht sind. Diese ist aus Platzgründen erweitert, weshalb der Turm die Form eines auf dem Stil stehenden Hammers hat. Einen weiteren Turm dieser Art gibt es in deutlich kleinerer Bauweise in Castrop-Rauxel bei der Zeche Erin. Große Teile der Zeche wurden in den 1990er Jahren abgerissen, einige Gebäude wie der denkmalgeschützte Hammerkopfturm oder die Kaue sind jedoch erhalten geblieben. Der große Gasometer wurde 2003 gesprengt. Unter der Bezeichnung Neue Evinger Mitte und Service- und Gewerbepark Minister Stein wurde das Gelände im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA Emscher Park völlig umstrukturiert. Die Neue Mitte beinhaltet heute ein Einkaufszentrum und die Prisma Nachterlebniswelt. Im Gewerbepark sind zahlreiche Betriebe entlang einer zentralen Straßenachse angesiedelt.

Ich habe tatsächlich Zeit zu einem kleinen Rundgang. Auch die Sonne lässt sich nun hin und wieder blicken und scheint durch einige größer werdende Wolkenlücken. Und das Handy bleibt zunächst stumm.

Hammerkopfturm Zeche Minister Stein in Dortmund

Hammerkopfturm der Zeche Minister Stein

Hammerkopfturm Zeche Minister Stein in Dortmund

Aus der Zeche wurde ein Bürogebäude,
aus dem Gelände ein Gewerbepark.

Hammerkopfturm Zeche Minister Stein in Dortmund

Straßenschild vor dem Förderturm

Hammerkopfturm Zeche Minister Stein in Dortmund

Teil der Neuen Evinger Mitte auf der anderen Straßenseite

Hammerkopfturm Zeche Minister Stein in Dortmund Hammerkopfturm Zeche Minister Stein in Dortmund

Hinter dem neuen Saturn-Elektrofachmarkt befand sich einst eine Ziegelei. Die dabei entstandene Lehmgrube wurde später von der Zeche als Flotationsbecken genutzt. Allerdings ist davon heute nicht mehr viel zu sehen. Die Teiche gibt es noch, allerdings sind diese ringsherum durch einen hohen Zaun abgesperrt. Es ist eine sehr kleine, grüne Oase, jedoch kein ausgewiesenes Naturschutzgebiet. Man kann einmal ringsherum laufen. Und mit Glück einen Blick auf den feuchten Grund der Kuhle durch den Zaun und Lücken zwischen den dichten Zweigen erhaschen.

Endlich vermeldet das Telefon, dass der Zug wieder in Bewegung ist. Ich habe jetzt ziemlich genau 15 Minuten Zeit, um rechtzeitig am Hauptbahnhof anzukommen. Vorher führt es mich allerdings noch in den Supermarkt an der Zeche zum Bäcker, wo Kuchen erstanden wird. Meine abzuholende Person wird hungrig sein – das Bordrestaurant war nämlich ebenfalls geschlossen…

Anreise mit dem Auto: Auf der A2 bis zum Kreuz Dortmund-Nordost und dort auf die B236 Richtung Schwerte, auf der B1 als Verlängerung der A44 aus Richtung Unna (A1) und der A40 aus Essen auf die B236 Richtung Lünen. Aus beiden Richtungen in Derne abfahren. Aus Richtung Schwerte zunächst links und dann nochmal links abbiegen auf die Walther-Kohlmann-Straße. Aus Richtung Lünen rechts abbiegen. Nach 500 m rechts abbiegen in die Kemminghauser Straße. Nach 1,8 km links abbiegen in die Lüdinghauser Straße. Nach 400 m hinter dem Supermarkt rechts auf die Deutsche Straße abbiegen. Diese führt bis zur Neuen Evinger Mitte mit dem Hammerkopfturm, der nach ca. 1,5 km erreicht ist. Im Bereich des Einkaufszentrums bestehen viele zeitbegrenzte kostenlose Parkmöglichkeiten.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Deutsche Straße, Kreuzung Gewerbeparkstraße in Dortmund

Geographische Koordinaten:51°32'48.70"N, 7°27'51.40"E – Hammerkopfturm Minister Stein
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32): 393513 m, 5711758 m – Hammerkopfturm Minister Stein

Anreise mit Bus und Bahn: Von Dortmund Hbf. mit der U41 Richtung Brechten und Brambauer bis Zeche Minister Stein.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Die Deutsche-Fußballroute NRW verläuft auf der Derner Straße und der Bornstraße durch Kirchderne. Auch hier ist ein Abstecher durch das Naherholungsgbiet An den Teichen, über die Osterfeldstraße und die Oberevinger Straße zur Zeche Minister Stein möglich.

Quellen und weitere Informationen:

Industriedenkmalstiftung: www.industriedenkmal-stiftung.de
Route der Industriekultur (Minister Stein):

www.route-industriekultur.ruhr

Industriekultur im Ruhrgebiet Auf der Auswahlseite finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten und sehenswerten Zielen im Ruhrgebiet. Betrachtet werden alte Zechen und Industrieanlagen, Landschaft & Natur, Museen oder technische Besonderheiten ebenso wie Halden im Ruhrgebiet und Landmarken. Bitte auf das Schild klicken.

Halden Ausflugsziele Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 09 / 2017
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr