Navigation Hier klicken, um zur Hauptseite zu gelangen! Halden im Ruhrgebiet Linktipps Kunst, Landmarken und Aussichtspunkte im Ruhrgebiet Natur und Landschaft im Ruhrgebiet Zechen und Industrie Alte Gemäuer - Burgen und Schlösser Radfahren und Wandern Museen und Ausstellungen im Ruhrgebiet Impressum und Kontakt

Emscherweg Teil 4 – Von Oberhausen nach Dinslaken

Mit dem Fahrrad von der Neuen Mitte Oberhausen bis zur Emschermündung in den Rhein (ca. 18,5 km)

Über etwas mehr als 80 Kilometer fließt die Emscher von Osten nach Westen quer durch das Ruhrgebiet. Sie entspringt bei Holzwickede im Kreis Unna, ganz im Osten des „Reviers“ gelegen. Dann verläuft sie durch Dortmund und einige weitere Großstädte bis zur Mündung in den Rhein bei Dinslaken. Durch die rasche Industrialisierung und die zahlreichen Kohlezechen stieg der Bedarf an Wasser im Ruhrgebiet zum Ende des 19. Jahrhunderts enorm an. Sauberes Trinkwasser wurde aus den beiden großen Flüssen Ruhr im Süden und Lippe im Norden gewonnen. Das daraus resultierende Abwasser wurde in die Emscher geleitet, was auf den ersten Blick ein gutes System zu sein scheint, um die Hauptflüsse sauber zu halten. Fortan verlief ein offener Schmutzwasserkanal quer durchs Ruhrgebiet. Zur Verhinderung von Hochwasser und für die rasche Ableitung der Fäkalien musste der Fluss eingedeicht werden. Dies lag auch an Bodensenkungen durch den Bergbau. So erhielt das Flussbett eine Betonsohle und hohe Deiche. Schnurgerade durchschnitt der Fluss die Landschaft, stank zum Himmel und war eine ökologische Katastrophe – die Emscher war der dreckigste Fluss Deutschlands, praktisch unbewohnt von Tieren und ein Sinnbild für das heruntergekommene Ruhrgebiet. Man kann sich vorstellen, dass auch die Siedlungsgebiete in Hauptwindrichtung hinter dem Fluss nicht die populärsten und teuersten ihrer Art sind oder waren.

Ein etwa 100 Kilometer langer Radweg führt von der Quelle bis zur Mündung der Emscher. Der Emscherweg macht damit den Wandel von der Kloake zum lebendigen Fluss erlebbar. Die vierte Etappe führt mich nach der ersten Tour von der Quelle in Holzwickede bis Dortmund, der zweiten von Dortmund bis Recklinghausen und Herne und der dritten Tour von Recklinghausen nach Oberhausen in der Fortsetzung bis zur Mündung der Emscher bei Dinslaken. Wir begleiten den von hier aus künstlich umgelegten Fluss auf seinen letzten Kilometern bis zum Rhein.

In der folgenden Karte ist der Wegeverlauf des Emscherweges (Etappe 4) mit einem magentafarbenen Band und mit Kilometrierung eingezeichnet. Ebenfalls eingetragen ist der Radweg Kleine Emscher, der zu einem späteren Zeitpunkt näher vorgestellt wird. Die dunkelblauen Pfeile markieren Anschlüsse zu anderen Themenradwegen oder solchen, die auf diesen Internetseiten beschrieben sind. Die Nummernpunkte stellen Orte dar, die mit einer entsprechenden Markierung auch im beschreibenden Text gekennzeichnet sind. Enthalten sind außerdem Standorte ausgesuchter Bergwerke der Region und Halden.

Karte Emscherweg Recklinghausen-Oberhausen

Beschilderung, Wegebeschaffenheit und Anreise:
Der Emscherweg ist durchgehend beschildert. An wichtigeren Punkten findet man große blaue Schilder mit dem Logo der Route, an den rot-weißen Verkehrsschildern des Radverkehrsnetzes NRW sind kleinere blaue Piktogramme angebracht. Stellenweise ist auch einfach nur dem roten Fahrrad-Piktogramm auf quadratischem weißen Grund mit einer Richtungsangabe in Form eines Pfeils zu folgen.

Wichtiger Hinweis: Aufgrund von Baustellen kommt es an einigen Stellen zu temporären und länger andauernden Umleitungen. Diese werden jedoch in der Routenbeschreibung nicht weiter erwähnt. Vor Ort ist eine Umleitungsbeschilderung eingerichtet.

Externer Link Externer Link

Überwiegend ist der Weg eine wassergebundene Oberfläche. Einige Abschnitte sind asphaltiert. Im Zuge von Umleitungen sind streckenweise Nebenstraßen und ganz wenige Hauptstraßen (mit markiertem Radstreifen) zu benutzen. Da Wasser selten bergauf fließt, hat die Tour ein leichtes Gesamt-Gefälle von etwa 20 Metern. Es gibt praktisch keine nennenswerten Steigungen außer kurze Damm-Anstiege an Deichen oder Querstraßen mit Brücken. Auch ohne E-Bike ist die Tour daher auch für ungeübte Radler durchaus schaffbar.

Hinweis: In einigen Informationen variieren die Schreibweisen des Weges. Auf dieser Seite wird ausschließlich die Variante ohne Bindestrich und in einem Wort verwendet: Emscherweg.

Kartenmaterial / Literatur: In den rechts dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind zur Vertiefung empfohlen. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

GPS-Koordinaten zu ausgesuchten Zielen finden Sie am Ende des Beitrags.

     

Anreise zum Ausgangspunkt des Emscherweges (Etappe 4) und des Radwegs Kleine Emscher:

Anreise mit dem Auto: Auf der A42 bis Ausfahrt 10 Oberhausen-Zentrum. Aus Richtung Gelsenkirchen links, aus Richtung Duisburg rechts abbiegen auf die Konrad-Adenauer-Allee. Alternativ Von der A2 auf der A516, die in diese Straße übergeht. Der Beschilderung zum CentrO / Gasometer folgen und links abbiegen auf die Essener Straße, links auf die Alte Walz und die zweite links auf die Arenastraße. Auf einem der Parkplätze parken.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Arenastraße in Oberhausen

Anreise mit Bus und Bahn: Mit den Zügen des Nah- und Fernverkehrs bis Oberhausen Hbf. Auf dem Bahnhofsvorplatz links der Beschilderung zum Bahnsteig 1 folgen. Von hier aus fahren alle Straßenbahnen und Busse zur Neuen Mitte. Alternativ auf dem Radverkehrsnetz bis zum CentrO / Gasometer / Schloss Oberhausen.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Auf dem Emscherweg (Etappe 3), dem Emscher-Park-Radweg oder die Deutsche Fußballroute NRW bis zum Knotenpunkt 09.

Es ist ein langjähriges Projekt geworden, den Emscherweg einmal komplett zu befahren. In dieser Etappe befindet sich der Ort, an dem die Idee mit meinem langjährigen Begleiter auf derartigen Touren, Stefan, zustande gekommen ist.

► Zur Etappe 1 Holzwickede (Quelle) – Dortmund
► Zur Etappe 2 Dortmund – Herne / Recklinghausen
► Zur Etappe 3 Herne / Recklinghausen – Oberhausen (vorherige Etappe)
► Zur Etappe 4 Oberhausen – Dinslaken (dieser Beitrag!)

Die letzte Etappe hat in Sichtweite des großen Gasometers an der Slinky-Brücke am Schloss und Kaisergarten in Oberhausen geendet. Wir waren von der Quelle kommend bis dahin dem immer breiteren Fluss gefolgt, der hier parallel zum Rhein-Herne-Kanal verläuft und mit ihm zusammen eine schmale Landzunge bildet. Diese sogenannte „Emscherinsel“ hat hier, am Gasometer, in dieser Form ihr Ende. Kanal und Emscher gehen auseinander. Der Kanal führt in einem langen Linksbogen zum Duisburger Binnenhafen, die Emscher macht eine scharfe Rechtskurve.

Der Emscherweg folgt von hier aus der Emscher, die eigentlich korrekt als „Neue Emscher“ bezeichnet werden müsste. Die Alte Emscher ist der ursprüngliche natürliche Verlauf. Sie verlief mit zahlreichen Flussschlingen vom Kaisergarten vorbei am heutigen Landschaftspark Duisburg-Nord und schließlich am heute nicht mehr existierenden Ort Alsum (wo sich heute der Alsumer Berg befindet) in den Rhein. Am Anfang des 20. Jahrhunderts kam es jedoch zu Problemen durch Bergsenkungen. Da Wasser, wie schon im Höhenprofil der Fahrradtour festgestellt, selten bergauf fließt, drohten Teile von Duisburg zu überfluten. In den 1910er Jahren wurde die Emscher daher umgeleitet. Die heute sogenannte Kleine Emscher fließt am Gasometer Oberhausen geradeaus in mehr oder weniger westlicher Richtung und bei Aldenrade einige Kilometer flussabwärts des großen Stroms in den Rhein. Ende der 1940er Jahre wurde die Emscher noch einmal umgelegt. Die Kleine Emscher wurde abgeschnitten und die Emscher macht heute unter der Brücke der A42 ihre scharfe Rechtskurve. Seitdem fließt sie in nordwestlicher Richtung bis zu ihrer heutigen Mündung bei Dinslaken. In der nachfolgenden Karte sind die drei Mündungsverläufe ab dem Gasometer Oberhausen dargestellt. Nicht ganz zufällig symbolisieren die Farben der Flüsse sauberes, mittelsauberes und verschmutztes Wasser entsprechend dem Zeitraum. Eingezeichnet ist zusätzlich das im Bau befindliche Mündungsdelta, das die Emschermündung abermals nach Norden über die Stadtgrenze nach Voerde verlagert.

Karte Emscherweg Recklinghausen-Oberhausen

 

 

Der Emscherweg Teil 4 – Los geht´s!

Nachdem wir den notwendigen, aber – wie ich finde – nicht langweiligen geschichtlichen Teil hinter uns gebracht und verstanden haben, folgen wir zwischen Knotenpunkt 9 und 10 nun dem Emscherweg von der Neuen Mitte aus nach Buschhausen. Haben wir die Straßen hinter uns gelassen, kommen wir zur Kreuzung mit dem Radweg Kleine Emscher. Genau an dieser Stelle führte bis in die 1940er Jahre die Emscher in westlicher Richtung nach Aldenrade. Hier an der Autobahnbrücke wird sie zur POI: Ort von Interesse am Wegesrand Neuen Emscher und macht seit ihrer zweiten Umlegung die scharfe Rechtskurve und nutzt ihren derzeitigen Verlauf. Wir fahren weiter geradeaus und stoßen auf den typischen Deich. Kanalisiert und ein wenig müffelnd fließt das Wasser zügig abwärts. Hinter uns liegt besagte scharfe Kurve, dahinter erhebt sich im Licht der aufgehenden Sonne der große Gasometer. Hin und wieder kreuzt eine Straßenbrücke den Fluss.

Emscherweg

Der Gasometer Oberhausen vom Emscherweg gesehen

Slinky-Springs-Brücke Oberhausen (Slinky Springs to Fame)

Start der 4. Etappe: Slinky-Brücke am Kaisergarten Oberhausen

Slinky Springs to Fame in Oberhausen (Rehberger Brücke)

Besondere Brückenkonstruktion: "Slinky Springs to Fame" oder Rehberger Brücke

Slinky Springs to Fame in Oberhausen (Rehberger Brücke)

Slinky-Brücke über den Rhein-Herne-Kanal am Schloss

Schloss Oberhausen

Kleines Schloss Oberhausen

Am Knotenpunkt 13 kreuzen wir die alte POI: Ort von Interesse am Wegesrand Bahntrasse zwischen Ruhrort und Sterkrade. Hier verläuft der Bahntrassenradweg „Grüner Pfad“, der kurz darauf in den Radweg auf der HOAG-Trasse übergeht. Diese werden wir später noch einmal berühren. Von hier aus würden wir sehr gut zum nahen Landschaftspark Duisburg-Nord auf dem Gelände des Hüttenwerks Meiderich gelangen. Außerdem ist in Gegenrichtung der Bahnhof Sterkrade gut erreichbar. An dieser Stelle ist übrigens vor einiger Zeit die Idee entstanden, den Emscherweg überhaupt, in handlichen Etappen zerlegt, zu befahren. Hin und wieder weht noch einmal ein Hauch Aroma vom Fluss, aber insgesamt ist man überrascht, wie gut man diesen Geruch der „Köttelbecke“ ausblenden kann. Olfaktorische Adaption nennen es die Riechkolben-Experten, die Gewöhnung bei dauerhafter Inanspruchnahme der Riechzellen. Der menschliche Körper ist immer wieder beeindruckend.

Emscherweg im Ruhrgebiet

Brücke des Radwegs Grüner Pfad auf der alten Eisenbahn

Emscherweg im Ruhrgebiet

Rad- und Wanderweg parallel zum Fluss

Emscherweg im Ruhrgebiet

Emscher im Morgengrauen, hinten ist der Gasometer zu sehen

Emscherweg im Ruhrgebiet

Hohe Deiche begrenzen den Fluss in seinem Unterlauf

Emscherweg im Ruhrgebiet

Apropos Körper. Unsere Beine trampeln uns auf dem linken Emscherdeich oder etwas dahinterliegend weiter flussabwärts. Ein Regenrückhaltebecken vor uns ist im Bau, sodass schon seit einigen Jahren auf Ortsstraßen zurückgegriffen werden muss. Es geht aber recht entspannt auf der ruhigen Dienststraße und später der Kurfürstenstraße bis Holten, einem Vorort von Oberhausen. Am großen Kreisverkehr hinter dem Ortseingang blicken wir rechts bald auf die POI: Ort von Interesse am Wegesrand Turmwindmühle von Holten, die privat bewohnt ist und gegenüber der Tankstelle liegt.

Wir können auch einen Abstecher in den POI: Ort von Interesse am Wegesrand Revierpark Mattlerbusch machen. Der Revierpark ist einer von fünf, die in den 1970er Jahren gegründet wurden. Sie dienten damals im noch hauptsächlich industriellen und vor allem in der Luft verschmutzten Ruhrgebiet als grüne Erholungsfläche, Sport- und Spielgelegenheit für die Bevölkerung. In der Mitte befindet sich die Niederrhein-Therme. Wenn man den Abstecher in den Revierpark gemacht hat, kann man die Runde gleich vergrößern zum Kastell Holten, das sich in der Nähe befindet. Am Rande einer Parkanlage steht der alte Ostflügel der alten Burg, der aus dem 16. Jahrhundert stammt. Die Wurzeln der Burg gehen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Nicht weit von hier verläuft übrigens die HOAG-Trasse entlang, auf die wir später teilweise noch einmal stoßen werden.

Anreise zum Kastell Holten:

Anreise mit dem Auto: Auf der A3 bis zur Ausfahrt 11 Oberhausen-Holten. Aus allen Richtungen rechts abbiegen und der Königstraße folgen bis zum Kreisverkehr. Rechts auf die Kurfürstenstraße. Im Kreisverkehr rechts auf die Siegesstraße vorbei an der Mühle. Links in die Burgstraße. Im Kreisverkehr rechts auf Am Stadtgraben. Rechts in die Wasserstraße, dann links auf die Kastellstraße. Hier befinden sich Parkplätze.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Kastellstraße in Oberhausen

Anreise mit Bus und Bahn: Mit den Zügen von Oberhausen Hbf., Duisburg Hbf. oder Wesel bis Holten oder Sterkrade und von dort mit dem Bus 954 bis Holten Markt. Von dort zu Fuß auf der Kastellstraße bis zum Kastell Holten.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Auf dem Emscherweg in Holten bis zum Markt und dort auf die Kastellstraße. Von der HOAG-Trasse an der Kläranlage Emschermündung abfahren und auf der Sassenstraße bis zur Dinslakener Straße. Links und durch den Park zum Kastell.

 

Emscherweg im Ruhrgebiet

Mühle an alter Tankstelle in Holten

Revierpark Mattlerbusch in Duisburg

Kiosk an einem Spielplatz mitten im Revierpark

Revierpark Mattlerbusch in Duisburg

Revierpark Mattlerbusch in einem Bild: Hügelige Landschaft mit breiten Wegen, viel Grün und Pferde

Revierpark Mattlerbusch in Duisburg

Hügellandschaft, Abwechslung für Radfahrer im flachen Land

Emscherweg im Ruhrgebiet

Kastell Holten, etwas abseits vom Radweg

In Holten stoßen wir nach der Umleitung zurück auf den Flussradweg, der wieder auf dem hohen Deich verläuft. Hier besteht die Möglichkeit, zum etwa 1,5 km entfernten Bahnhof Holten zu fahren. Vorbei an den zwei Sportplätzen fahren wir erst einmal nur für ein kurzes Stück entlang des Flusses. Ein langes, rostiges Stahlband auf der linken Seite bietet sich als spontane Tribüne bei Fußballspielen an. Die nächste Kreuzung führt uns wieder zum Radweg auf der bereits bekannten HOAG-Trasse. Die Trasse hat seit dem Treffen vorhin einen großen Bogen über Sterkrade gemacht und führt nun in westlicher Richtung zurück zum Rhein. Sie kann später als eine Option für den Rückweg genutzt werden. Über sie ist übrigens von hier aus ein Abstecher zur nahen Halde Hühnerheide mit einer guten Aussicht über die Umgebung möglich.

Vor uns liegt das zentrale Klärwerk Emschermündung. Die Kläranlage stammt aus den 1970er Jahren und war zu ihrer Gründung die größte Anlage ihrer Art in Europa. Weithin sichtbar sind die drei markanten POI: Ort von Interesse am Wegesrand Faultürme mit ihrer silbrig glänzenden Oberfläche, die wie große Eier aussehen. Auf den letzten Etappen haben wir ähnliche Anlagen in Bottrop und Deusen gesehen. Das komplette Wasser der Emscher mitsamt ihrer Schmutzfracht wird (zum Zeitpunkt der Befahrung noch) durch die Kläranlage geleitet und gelangt anschließend gereinigt in den Unterlauf und letztlich in den Rhein. Nur bei Hochwasser fließt die Emscher als Bypass am Klärwerk vorbei.

Die Kläranlage müssen wir umfahren. Wahlweise tun wir das auf der offiziellen Wegführung des Emscherweges rechtsherum über einen kurzen Abschnitt auf der HOAG-Trasse oder links, ebenfalls auf der HOAG-Trasse, durch die alte Arbeitersiedlung Wehofen hindurch. Letztere Variante geschieht jedoch auf eigene Faust, vor allem weil ein Weg durch die Siedlung mit ihren diagonal verlaufenden Straßen schnell die Orientierung verlieren lässt. An der Brücke der Holtener Straße über die Emscher kommen beide Touren-Varianten wieder zusammen. Egal, welche Sie gewählt haben, wir haben nun das Stadtgebiet von Dinslaken erreicht und damit die letzte Stadt, durch die die Emscher (Stand 2020 – denn später wird mit der neuen Mündung noch die Stadt Voerde hinzukommen) fließt. Zwischen Emscher und der Deponie Wehofen, einer von drei künstlichen Halden oder Deponien, die von ihrer Anlage her an ein Kleeblatt erinnern, führt der Weg hoch oben und weitestgehend ohne schattenspendendes Grün weiter. Wir befinden uns nun im POI: Ort von Interesse am Wegesrand Hangpark, einer Parkanlage zwischen Halden und Fluss. Ein Fitness-Parcours und Spielgeräte laden zu einer kleinen Pause mit sportlicher Betätigung, zum Schaukeln oder Wippen ein. Wir passieren eine leuchtend-türkisfarbene alte Eisenbahnbrücke, die zwar befahrbar, aber eine Sackgasse ist.

Emscherweg im Ruhrgebiet

Brücke der HOAG-Trasse bei Holten. Wir müssen hinüber.

Emscherweg im Ruhrgebiet

Türkisfarbene Brücke

Emscherweg im Ruhrgebiet

Hangpark an der Deponie Wehofen mit Ruheplätzen und Fitness-Geräten. Schattenspendendes Grün muss noch nachwachsen

Emscherweg im Ruhrgebiet

Hier hängt der Radweg an der Brücke

Emscherweg im Ruhrgebiet

Wegeverlauf hoch auf dem Deich

Der Emscherweg ist an der folgenden Straßenbrücke „angehängt“ und schwebt auf einem Metallgerüst unter der Brücke hindurch. Ob das Riffelblech für Fahrräder oder als Hundespur auf dem Gitterrost des Weges dient, ist mir nicht ganz klar. Beides ist denkbar und nützlich. Auf jeden Fall sollte man absteigen, da mit Gegenverkehr zu rechnen ist und der Weg nicht sehr breit ist. Gibt es Personen mit Problemen, über derartige Gitter zu laufen, durch die man hindurch nach unten blicken kann, ist ein Umweg über die Straße, links, zweimal rechts mit Rückkehr zum Weg an der nächsten Brücke recht einfach möglich.

Wir wechseln die Fluss-Seite noch einmal und müssen an der Straßenbahn-Haltestelle Pollenkamp einmal einen Abstecher durch ein Wohngebiet machen. Hier befinden wir uns auch in der Nähe des Stadtzentrums und des Bahnhofs, der nur etwa 2 Kilometer entfernt liegt. Doch wir halten durch und kehren hinter der Ampel wieder ans linke Ufer der Emscher zurück. Genießen wir noch ein wenig den Radweg, der zeitweise wie eine Allee aussieht. Wir kommen zum Radrevier-Knotenpunkt 1 und müssen jetzt nach und nach die Punkte 2, 3 und 4 anfahren. Letzterer markiert unser Ziel. Es ist nicht mehr weit und die Punkte liegen dicht zusammen.

Emscherweg im Ruhrgebiet

Emscherweg im Stadtgebiet von Dinslaken

Emscherweg im Ruhrgebiet

 

Emscherweg im Ruhrgebiet

 

Emscherweg im Ruhrgebiet

Nach der übernächsten Straßenkreuzung verlassen wir die Emscher und kommen nach Stapp, einer kleinen Siedlung direkt hinterm Deich am Rhein. Mitten im Dorf stehen wir vor dem Knotenpunkt 3, der uns derzeit noch zur Qual der Wahl zwingt. Rechts geht es zum Mündungshof, links zur Emschermündung. Da der Bericht ganz am Ende des Flusses aufhören sollte, fahren wir zunächst rechts, überqueren die neue blaue Brücke und biegen links ab zum Mündungshof. Von der Brücke aus ist die Mündung der Emscher schon zu sehen und wir blicken das erste Mal auf den Rhein.

Wer die ersten Etappen der Emscherweg-Befahrung verfolgt hat, wird feststellen, dass der Bauernhof als Ausflugs- und Erlebnisstation nicht der einzige im Verlauf des Flusses ist. Die Emscher entspringt (mehr oder weniger) am Emscherquellhof, den ersten Hof, den wir uns dort teilweise anschauen konnten. In der zweiten Etappe haben wir den zweiten Hof, den Hof Emschertal am großen Rückhaltebecken Mengede / Ickern besucht. Nun gibt es mit dem POI: Ort von Interesse am Wegesrand Hof Emschermündung noch eine weitere Hofanlage, die von der Emschergenossenschaft betreut wird und eine schöne Einkehrmöglichkeit bietet. Auf dem Gelände gibt es einen Spielplatz und Picknickplätze, Toiletten (auch barrierefrei), einen Trinkwasserbrunnen und einen Garten mit Färbepflanzen, Kräutern und Blumen für Schmetterlinge zum besichtigen. Ein Café bietet Kaffee und Kuchen, ökologische Produkte und regionales Frühstück (Öffnungszeiten beachten, Anreisehinweise weiter unten). Der Imkerverein trifft sich, der NABU und die VHS, die Seminarräume im Hof Emschermündugn nutzt. Der Hof selbst wurde 1911 errichtet und 2013 umgebaut.

Emscherweg im Ruhrgebiet

Blick auf die Emschermündung: Der Rhein ist schon zu sehen!

Emscherweg im Ruhrgebiet

Weißes Haus vom Hof Emschermündung, altes Kraftwerk Voerde

Emscherweg im Ruhrgebiet

Der Hof Emschermündung ist geöffnet: Gelegenheit zur Einkehr

Emscherweg im Ruhrgebiet

Neben Café und Toilette gibt es auch einen Garten zu bewundern

Emscherweg im Ruhrgebiet Emscherweg im Ruhrgebiet

Zurück am Knotenpunkt 3 folgen wir den letzten Metern des Emscherweges. Auch er wird sich mit der neuen Mündung wandeln, sodass diese Beschreibung in absehbarer Zeit an dieser Stelle erneuert werden muss. Wir gelangen zum Fuße des hohen Deiches, den wir an einer Rampe und Treppe erklimmen können. Unmittelbar auf der Deichkrone befindet sich der Knotenpunkt 4 mit der Übersichtstafel, die mit „Emschermündung“ betitelt ist. Von hier aus sehen wir die aktuelle POI: Ort von Interesse am Wegesrand Mündung der Emscher in den Rhein. Eine Brücke führt über das Wehr, eine hohe Barriere, die das Flusswasser als kleiner Wasserfall bewältigen muss. Fachlich wird dieses 6 Meter hohe Ding als „Absturzbauwerk“ bezeichnet. Dieses stellt eine Barriere für Fische dar, die die Emscher eigentlich stromaufwärts schwimmen möchten.

Im Zuge des Emscherumbaus kommt es, ganz zum Schluss, auch hier zu einer Renaturierung. Die Mündung wird zum dritten Mal, wenn auch nur leicht, umgelegt. Statt über den kanalisierten Weg und das Wehr wird sie in einem künstlich gebauten Delta mit geringen Höhenunterschieden als eine Art Auenlandschaft in den Rhein münden. Die Baustelle zwischen hier und dem Hof Emschermündung ist bereits jetzt erkennbar. Der Flusslauf wird sich dadurch um einige Meter verlängern. Durch die Umlegung wird allerdings tatsächlich erneut die Stadtgrenze überschritten. Das Emscherdelta liegt auf dem Gebiet der Stadt Voerde (Niederrhein).

Emscherweg im Ruhrgebiet

Auffahrt auf den Deich: Das Ziel ist in Sicht! Knotenpunkt 4

Emscherweg im Ruhrgebiet

Hier fließt die Emscher bei Dinslaken in den Rhein

Emscherweg im Ruhrgebiet

Ziel der 4. Etappe und Endpunkt des Emscherwegs: Die Emschermündung bei Dinslaken

Emscherweg im Ruhrgebiet

Hohes Absturzbauwerk, das das Wasser überwindet
(wegen Niedrigwasser bei der Tour nicht überflossen)

Emscherweg im Ruhrgebiet

Hier entsteht derzeit die neue, dritte Emschermündung
Hinten ist das alte Kraftwerk Voerde zu sehen

 

Anreise zur Emschermündung / Hof Emschermündung

Anreise mit dem Auto: Auf der A59 bis zur Ausfahrt 1 Dinslaken-West am Autobahnende. Rechts abbiegen auf die Willy-Brandt-Straße / B8. Nach 1,2 km links auf die Konrad-Adenauer-Straße. Nach 900 m rechts abbiegen auf die Heerstraße. Nach 1,1 km links abbiegen auf die Hagelstraße. Hinter der Bahnbrücke nach 300m rechts in die Straße Am Hagelkreuz zum Emschermündungshof oder geradeaus über die Brücke nach Stapp und im Bereich der Straße Rheinaue parken.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Am Hagelkreuz 20 oder Rheinaue in Dinslaken

Anreise mit Bus und Bahn: Mit dem RRX 5, dem RE 19 oder 49 bis Dinslaken. Von dort mit dem Bus 918 Richtung Voerde bis Freesmann (ein Halt davor zum Bereitmachen: Flurstraße). Dort auf die Hagelstraße bis zur Zufahrt zum Hof Emschermündung oder über die blaue Brücke bis zur Straße Rheinaue und dort rechts.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Auf dem Rheinradweg (nördlich von Duisburg auf der östlichen Rheinseite) bis zum Knotenpunkt 04. Hier endet auch der Emscherweg aus dieser Beschreibung.

Wenn das Delta fertiggestellt ist, der Fluss umgeleitet und Pflanzen im neuen Mündungsbereich Fuß gefasst haben, kehre ich zurück. Dann wird der Fluss nicht mehr der dreckigste Fluss Europas sein, der er einmal war. Mit Begeisterung lässt sich schon jetzt anschauen, was heute mit großem Aufwand repariert wird, was früher entweder technisch nicht möglich war oder ohne Bewusstsein zur Natur geschehen ist. Vom zaghaften Rinnsal über den Quellteich, vorbei am mäandrierenden Bach und dann als kanalisierte Schmutzwasserautobahn bis in den Rhein. Jede Etappe des Radwegs war anders, jede hatte ihre Besonderheiten. Ein gut ausgebauter Radweg ohne Stau und Menschenmassen, ein größtenteils begleitender Fluss (noch mit einigen Schönheitsfehlern), interessante Kunst am Wegesrand und eine beeindruckende Entwicklung machen den Themenradweg aus. Ein schönes Radfahr-Projekt in vier Teilen war es. Der "Herr der Ringe" und der "Hobbit" haben es nur zu einer Trilogie geschafft – die Radtour an der Emscher ist eine Tetralogie.

Noch ein wenig über den Fluss philosophierend stehen wir hier nun. Eigentlich ist die Etappe zu ende. Es bestehen mehrere Möglichkeiten zur Rückkehr. Der Bahnhof Dinslaken ist von hier aus ca. 4 Kilometer entfernt. Von dort fahren RRX und Regionalexpress zurück nach Oberhausen Hbf. Entweder über das Straßennetz oder über den Rheindeich via Alt-Walsum kann man zum Anfang der HOAG-Trasse gelangen und dieser bis zum zweiten Kreuzungspunkt mit dem Emscherweg folgen. Alternativ von der HOAG-Trasse über den Radweg Kleine Emscher (demnächst im weiteren Verlauf dieses Beitrags beschrieben) zurück bis zum Emscherweg kurz vor dem Kaisergarten Oberhausen.

Geographische Koordinaten:
51°29'24.39"N, 6°52'43.88"E – CentrO
51°29'37.12"N, 6°52'13.73"E – Gasometer
51°29'32.41"N, 6°51'31.36"E – Slinky Springs to Fame
51°29'31.50"N, 6°51'37.28"E – Schloss Oberhausen und Galerie
51°31'17.13"N, 6°47'13.74"E – Mühle in Holten
51°31'37.07"N, 6°47'01.95"E – Kastell Holten
51°32'41.32"N, 6°45'36.03"E – Hangpark (Standort der Wippe)
51°33'47.03"N, 6°41'49.00"E – Hof Emschermündung
51°33'45.35"N, 6°41'31.49"E – Emschermündung (Absturzbauwerk)
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth
und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
352741 m, 5706462 m – CentrO
352171 m, 5706872 m – Gasometer
351350 m, 5706750 m – Slinky Springs to Fame
351463 m, 5706719 m – Schloss Oberhausen und Galerie
346488 m, 5710129 m – Mühle in Holten
346488 m, 5710129 m – Kastell Holten
344677 m, 5712791 m – Hangpark (Standort der Wippe)

340369 m, 5714956 m – Hof Emschermündung
340030 m, 5714915 m – Emschermündung (Absturzbauwerk)

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Externer Link

Quellen und weitere Informationen:

Offizielle Webseite des Emscherweges: www.emscher-weg.de
Route der Industriekultur (Klärwerk Emschermündung): www.route-industriekultur.ruhr
Route der Industriekultur (Themenroute Emscher): www.route-industriekultur.ruhr
Route der Industriekultur (Emschermündung): www.route-industriekultur.ruhr
Emscherumbau, Blog der Emschergenossenschaft: blog.eglv.de
Hof Emschermündung: www.hof-emschermuendung.de
Lernmaterial der EGLV: www.zauberweltwasser.de/
Emscherkunst:

www.emscherkunst.de

 

Der Radweg Kleine Emscher (demnächst)

Dieser Teil wird bald ebenfalls ergänzt. Er wird für die Rückkehr von der Emschermündung zurück zum Ausgangspunkt am Gasometer genutzt. Schauen Sie einfach noch einmal vorbei – dann lesen Sie auch, wo ich mir vermutlich einen Platten gefahren habe und wie ich mit Hängen und Würgen und fünfmal pumpen die letzten zehn Kilometer zum Auto bewältigt habe. Und wieso ich ab sofort immer Flickzeug mit mir herumtrage.

Industriekultur im Ruhrgebiet

Weitere Bergehalden sind von der Übersichtsseite zu diesem Thema auswählbar. Hier ist neben einer Einführung in die Thematik der Halden, Typen und Generationen auch eine Übersichtskarte zu finden.

Auf der Auswahlseite Industriekultur finden Sie weitere Artikel dieser Art zu anderen ausgesuchten und sehenswerten Zielen im Ruhrgebiet. Betrachtet werden Natur & Landschaft, alte Zechen und Industrieanlagen und andere technische Besonderheiten.

Halden Ausflugsziele

* Affiliate- / Werbelink. Mehr Informationen dazu in der Datenschutzerklärung.

Zuletzt geändert oder Aktualität geprüft: 04 / 2020
Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de & www.halden.ruhr