Skulpturenwald und Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen

Weithin sichtbar ist die Himmelstreppe, die auf dem Gipfel der markanten Halde Rheinelbe steht. Gut zu erkennen ist sie für Autofahrende auf der A40, aber auch für Bahnpendler zwischen Essen und Bochum. Der Steinturm ist Teil eines ganzen Skulpturenwaldes, der sich über große Teile eines alten Zechengeländes erstreckt und dabei ein besonderes Exemplar eines Industriewaldes ist. Durch gleich mehrere Radwege auf alten Bahntrassen, der Kray-Wanner Bahn, der Hollandbahn nach Wattenscheid und dem neuen Radschnellweg RS 1 sind die Halde und der Skulpturenwald sehr gut mit dem Fahrrad zu erreichen.

Die folgende Übersichtskarte zeigt die in diesem Artikel beschriebenen Orte. Von Süd nach Nord, also vom Stadtrand zur Innenstadt, werden die Halde Rheinelbe, der Skulpturenwald mit der Nordhalde sowie der Wissenschaftspark Gelsenkirchen näher vorgestellt.

Übersichtskarte Zeche und Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen

Ausführliche Informationen zur Anreise, Koordinaten für GPS-Geräte usw. finden Sie unten auf dieser Seite.

Die Halde Rheinelbe (Süd)

Weithin sichtbar ist die 1 Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen, die sich direkt an der Stadtgrenze zu Bochum erhebt. Ihr höchster Punkt überragt die Umgebung um etwa 40 Meter und liegt dabei auf 106,2 Metern über dem Meeresspiegel. Ihre Grundfläche beträgt ungefähr 19 Hektar. Charakteristisch für sie ist ihr kegelförmiger Gipfel sowie eine eigen- und einzigartige Großskulptur, die auch aus der Entfernung zu erkennen ist.

Die Südhalde entstand ab ca. 1900 als einziges Bauwerk der Zeche Rheinelbe südlich der Kray-Wanner Bahn. Mitte der 1990er Jahre begann die Gestaltung des typischen und vom Architekturbüro Hermanns aus Hattingen konzipierten Spiralberges, dem heutigen Gipfel der Halde, für dessen Schüttung allerdings zunächst Vorarbeiten zur Eindämmung eines alten, schwelenden Haldenbrandes gemacht werden mussten. Unter anderem entstand dazu auch eine vierstufige Brandschutzwand aus Gabionen (steingefüllte Drahtkörbe) am Bach an der Ostseite. Im Jahre 1999 erfolgte dann die Einweihung.

Geländerelief Halde Rheinelbe

Die heutige Gestalt der Halde Rheinelbe ist vielfältig. Zunächst lässt sich der Berg in zwei Hauptterrassen gliedern, die die Halde zu einem Tafelberg machen. Dabei ist die untere dichter und die obere weniger dicht vor allem durch junge Birken und Sanddorn bewachsen. Im Reliefbild oben ist die Struktur der Halde gut zu erkennen.

Spiralberg mit Himmelstreppe

In der Mitte der obersten Terrasse erhebt sich kegelförmig der etwa 20 Meter hohe neue Spiralberg, auf den von drei Seiten führende Wege spiralförmig bis zum höchsten Punkt verlaufen – über eine kurze Treppe lässt sich der Weg aber über den steilen Hang abkürzen. Er ist bisher kaum durch niedrige Büsche und wenige Birken bewachsen und hebt sich somit nahezu vegetationsfrei und dunkel vom restlichen Berg ab.

Halde Rheinelbe mit Kegelgipfel und Himmelstreppe
Halde Rheinelbe mit Kegelgipfel und Himmelstreppe

Auf dem höchsten Punkt der Halde steht die von Herman Prigann (1942 – 2008) konstruierte ca. 10 Meter hohe Skulptur “Himmelstreppe”, vereinzelt auch als Himmelsleiter bezeichnet – nicht zu verwechseln mit der Himmelstreppe auf der Halde Norddeutschland bei Neukirchen-Vluyn. Sie besteht aus großen, alten Betonblöcken der Kokerei Königsborn, die in der Form einer Treppe aufgestapelt wurden, und ist Teil des Skulpturenwaldes, der sich nördlich der Halde auf dem ehemaligen Zechengelände fortsetzt (siehe dazu nächster Abschnitt).

Vom kleinen Plateau unterhalb der Himmelstreppe reicht der Blick weit über das Ruhrgebiet. In der Nähe erkennt man die Bramme auf der Schurenbachhalde, das Fördergerüst über dem Deutschen Bergbau-Museum von Bochum, die charakteristischen Fördergerüste und Schornsteine der Zeche und Kokerei Zollverein in Essen und die Arena auf Schalke.

Regelmäßig beobachten kann man auch Mountainbikefahrer, die die Halde für ihren Sport entdeckt haben. Natürlich ist die Skulptur auch beliebt bei Hobby-Fotografen, die häufig mit ihren Stativen kreuz und quer über die Halde laufen und geeignete Fotostandpunkte suchen.

Himmelstreppe auf der Halde Rheinelbe im Herbst
Himmelstreppe auf der Halde Rheinelbe im Herbst
Halde Rheinelbe im Schnee
Halde Rheinelbe im Schnee

InformationEine ausführliche Anfahrtsbeschreibung befindet sich unten auf dieser Seite.

Wanderbare HaldenDiese Halde wird im Reiseführer “Wanderbare Halden” von Nikola Hollmann & Andrea Slavik beschrieben und ist dort Teil einer Wanderung, die außerdem weitere interessante Ziele in der Umgebung vorstellt. Wanderbare Halden: Die schönsten Revier-Wandertouren mit Aus- und Weitblick*

Tipp des Autors:

Ganz in der Nähe liegt der Landschaftspark Mechtenberg mit dem Bismarckturm Essen. Durch die Lage am Radweg auf der Kray-Wanner Bahntrasse lässt sich die Halde per Fahrrad gut kombinieren mit der Zeche Zollverein in Essen und der Phänomania auf der einen und der Erzbahntrasse auf der anderen Seite.

Skulpturenwald Rheinelbe

Viele Besuchende der Halde Rheinelbe wissen nicht, dass die Himmelstreppe auf ihrem Gipfel nur ein Teil des größeren 2 Skulpturenwaldes Rheinelbe ist. Dieser erstreckt sich im Wesentlichen auf der nördlichen Seite der Kray-Wanner Bahn. Dabei bedeckt er das Gelände der ehemaligen Zeche Rheinelbe I / II / III, die in den 1920er Jahren bzw. 1931 stillgelegt wurde. Nachdem einige Gebäude abgerissen wurden, überließ man das Gelände überwiegend sich selbst. Es entstand ein teils dichter Wald auf der Industriebrache. Aus der alten Umspann-Station bzw. dem Schalthaus wurde die Forststation Rheinelbe, die zugleich das letzte erhaltene Gebäude der Zeche im Wald ist. 

Mit der Maus oder dem Finger kann je nach Gerät interaktiv zwischen der historischen und der aktuellen Situation gewechselt werden. Es ist zu beachten, dass Norden zugunsten des schöneren Layouts der Kartendarstellung links ist.

Vom Industriewald zum Skulpturenwald

Mitte der 1990er Jahre entstand der Skulpturenwald durch den Künstler Herman Prigann. Wie die Himmelstreppe der Halde Rheinelbe auch bestehen die Skulpturen aus Überresten der ehemaligen Zeche. Das sind überwiegend Stahl- und Betonteile sowie ein Schieber, die zu Türmen oder Pyramiden aufgeschichtet wurden. All die Skulpturen lassen sich sehr gut auf den Pfaden und Wegen durch den Industriewald besichtigen. Manches Werk versteckt sich jedoch ein wenig, eines ist sogar eine Art Tor, das man durchschreiten kann.

Betonskulpturen im Skulpturenwald Rheinelbe
Betonskulpturen im Skulpturenwald Rheinelbe

In der Mitte des Waldes befinden sich Tennisplätze. Interessant ist auch die Tatsache, dass sich am Rande des Zechengeländes, unweit der Kray-Wanner Bahn, einst ein Schwimmbad befunden hat. Es hatte mehrere Becken nebeneinander u.a. zum Bahnenschwimmen, zum Springen und für Kinder. Die Nordhalde hat das Schwimmbad Rheinelbe teilweise eingerahmt. Das genaue Schließungsdatum des Bades ist mir nicht bekannt, es ist jedoch nach den 1940er Jahren teilweise zurückgebaut worden, lag irgendwann brach und ist heute nicht mehr vorhanden.

Die Halde Rheinelbe (Nord)

Schon durch die Spezifizierung der bekannten Halde Rheinelbe mit dem Zusatz “Süd” wird deutlich, dass es auch noch eine zweite Halde in unmittelbarer Umgebung geben muss. Die Nordhalde liegt auf der anderen Seite der Kray-Wanner Bahntrasse neben der Schachtanlage I / II und wird in einigen Karten vor Ort nicht als Halde, sondern als »Industriewald« bezeichnet. Sie ist mit einer Höhe von 26 Metern über der Umgebung und ihrem höchsten Punkt auf 85 m ü. NN nicht nur wesentlich kleiner, sondern mit ihrer Fläche von ca. 9 Hektar auch sehr viel kleiner als ihre berühmte Schwester mit der Himmelstreppe auf der Spitze. Darüber hinaus ist sie vollständig durch recht junge Bäume bewaldet und bietet nur an wenigen Stellen Ausblicke über den Ortsteil Ückendorf.

Das Thema des Skulpturenwaldes führt jedoch auch auf die Nordhalde. Passenderweise ist es wieder eine Treppe, die das Thema aufgreift. In diesem Falle ist die ca. 70 Meter lange sogenannte Große Treppe jedoch bequem begehbar und führt vom Skulpturenwald auf die Halde bis kurz unter den “Gipfel” und wird ebenfalls von Beton- und Felsblöcken begleitet. Am Ende der Treppe stand ursprünglich mit dem Mondholz eine Skulptur aus Holzstämmen aus der Mitte der 1990er Jahre – ebenfalls vom Skulpturenwald-Künstler Herman Prigann entworfen –, deren umgefallenes Material heute eine Sitzgelegenheit bietet. Am nordwestlichen Rand befindet sich teilweise als eine Art Stützmauer in der Halde der ehemalige Sprengstoffbunker der Zeche, in den man durch ein Gitter in der Tür sogar hineinschauen kann.

InformationEine ausführliche Anfahrtsbeschreibung befindet sich unten auf dieser Seite.

Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Verlässt man den Skulpturenwald Rheinelbe in nördlicher Richtung an der Virchowstraße Richtung Hauptbahnhof, so stößt man dort auf das Gelände der ehemaligen Schachtanlage Rheinelbe VI. Hier und auf dem übrigen Gelände des ehemaligen Guss-Stahlwerks Gelsenkirchen befindet sich heute der 3 Wissenschaftspark Gelsenkirchen, zunächst auch als Wissenschaftspark Rheinelbe bezeichnet. Ins Auge fällt ein etwa 300 Meter langer Bau mit markanten Glas-Arkaden zur Seite eines kleinen Parks sowie einem Teich. Hier und in neun Quertrakten befinden sich Büros, Ateliers und finden regelmäßig verschiedene Kultur-Veranstaltungen und Tagungen statt.

Markantes Gebäude des Wissenschaftsparks auf dem Gelände der Zeche Rheinelbe
Markantes Gebäude des Wissenschaftsparks auf dem Gelände der Zeche Rheinelbe 6
Glas-Arkaden vom Wissenschaftspark Gelsenkirchen
Glas-Arkaden vom Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Der Wissenschaftspark wurde 1995 eröffnet. Noch zehn Jahre zuvor befanden sich an dieser Stelle Hallen und Anlagen des Stahlwerks, das 1984 geschlossen wurde. Dabei wurde die seinerzeit weltgrößte Dach-Photovoltaikanlage zur Erzeugung elektrischen Stroms aus Sonnenenergie installiert. Bis heute wird auf dem Dach regenerativer Strom erzeugt.

Ringsherum befindet sich eine gepflegte Grünanlage mit geschwungenen Wegen und besagtem Teich. Es ist nur noch ein Katzensprung bis zum Hauptbahnhof und zur Stadtmitte. Mit dem Fahrrad kann man daher von dort aus fast ausschließlich durch Grünanlagen und auf Bahntrassenradwegen bis nach Wattenscheid fahren.

Luftbild vom Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Informationen zum Besuch:

Anreise mit dem Auto:

Auf der die A40 bis zur Ausfahrt 28 Gelsenkirchen und dort auf die B227 Halterner Straße Richtung Gelsenkirchen. Nach ca. 600 m in der langgestreckten Linkskurve rechts abbiegen in die Kemnastraße. Geradeaus über die Ampel. An der abknickenden Vorfahrt dem Straßenverlauf links folgen in die Gelsenkirchener Straße, die hinter der Eisenbahnbrücke (kleine Ampel) an der Stadtgrenze in die Leithestraße übergeht. Etwa hundert Meter hinter der Brücke befindet sich der Haldenzugang. Es besteht die Möglichkeit, in Gegenrichtung kostenlos am Rand zu parken. Möglichkeiten dazu bietet auch der Nattmannsweg, die nächste Kreuzung links.

Die Halde Rheinelbe Süd (mit der Himmelstreppe, also den großen aufgeschichteten Betonblöcken auf der Spitze) wird von der Leithestraße über den Zugang am Radweg auf der Kray-Wanner Bahntrasse erreicht. Hinter der großen “Windwaage” geht es den Berg hinauf. Zum Skulpturenwald von der Bahntrasse gegenüber der Halde Rheinelbe nach Norden abbiegen.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Leithestraße (Kreuzung Hövelmannstraße) in Gelsenkirchen

Anreise mit Bus und Bahn:

Von Gelsenkirchen Hbf. zu Fuß auf der Bochumer Straße bis zum Wissenschaftspark und weiter durch die Parkanlagen bis zum Skulpturenwald oder zur Halde Rheinelbe.

Alternativ von Bochum Hbf. mit der Straßenbahn der Linie 302 Richtung Buer Rathaus bis Gesamtschule Ückendorf. Ca. 100 Meter zurücklaufen, bis der Fahrradweg auf der ehemaligen Bahntrasse erreicht wird. Hier rechts abbiegen und Richtung Südwesten etwa 950 Meter bis zur Windwaage laufen (es wird eine kleine, blaue Brücke überquert) und dann scharf links auf die Halde Rheinelbe (die mit der spitz aufragenden Himmelstreppe), der Skulpturenwald liegt auf der gegenüberliegenden Seite.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike:

Auf der Kray-Wanner Bahn direkt bis zur Auffahrt zur Halde Rheinelbe oder zum Skulpturenwald Rheinelbe. Außerdem aus Wattenscheid von der Zeche Holland auf dem Bahntrassen-Radweg bis zum Ende. Der Radschnellweg RS1 hat in der Nähe der Halde ebenfalls einen Anschluss an die Kray-Wanner Bahn.

Kartenmaterial / Literatur:

In den dargestellten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind außerdem zur Vertiefung empfohlen. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

   

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung

Geographische Koordinaten:
51°29’17.22″N, 7° 6’33.76″E – Zugang
51°29’14.78″N, 7° 6’44.12″E – Himmelstreppe (große Südhalde)
51°29’33.76″N, 7° 6’39.55″E – Große Treppe (Nordhalde)
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z. B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
368737 m, 5705802 m – Zugang
368935 m, 5705721 m – Himmelstreppe (große Südhalde)
368862 m, 5706310 m – Große Treppe (Nordhalde)

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.

Offizielle Internetseite des Wissenschaftsparks: www.wipage.de

Route Industriekultur (Halde Rheinelbe): www.route-industriekultur.ruhr