Die Halde Schwerin in Castrop-Rauxel

Die große Sonnenuhr und der Schweriner Ring auf der Pyramide

Es weht ein Hauch von Mecklenburg-Vorpommern im Ruhrgebiet, denn Schwerin gibt es nicht nur in Norddeutschland: Im gleichnamigen Ortsteil der Stadt Castrop-Rauxel förderte die Zeche Graf Schwerin als eine von zwei großen Zechen im Stadtgebiet neben der Zeche Erin. Benannt ist sie allerdings nicht nach der Landeshauptstadt von MecPom mit dem berühmten Schloss, sondern nach dem preußischen General Kurt Christoph Graf von Schwerin.

Im Jahre 1875 wurde mit der Kohleförderung auf Zeche Graf Schwerin begonnen, die Stilllegung des Bergwerks erfolgte 1967. Mit dem Bergwerk ist die umgebende Siedlung überhaupt erst entstanden, noch um die vorletzte Jahrhundertwende befanden sich hier Wald- und Ackerflächen. Hinterlassen hat die Zeche der Nachwelt eine achtenswerte Bergehalde. Neben der Bezeichnung Halde Schwerin ist sie in der Literatur häufig auch nach dem benachbarten Bergwerk als Halde Graf Schwerin zu finden. Neben dem Zechengelände ist außerdem ein Landschaftsbauwerk entstanden, das als Landmarke Schwerin mit dem Schweriner Ring bezeichnet wird. Da die Bergehalde mit der großen Sonnenuhr ebenfalls ein Wahrzeichen oder eine Landmarke besitzt, besteht eine Verwechslungsgefahr.

In der Karte sind die zwei Halden dargestellt. Darin ist auf der nördlichen Halde Schwerin das Geokreuz mit der Sonnenuhr und den Kunstobjekten ringsherum zu sehen. Unterhalb davon, westlich vom alten Zechengelände, ist die Landmarke Schwerin mit dem Schweriner Ring zu sehen. Mit der Maus oder dem Finger kann je nach Gerät interaktiv zwischen der historischen und der aktuellen Situation gewechselt werden. In den 1950er Jahren, aus denen das Luftbild stammt, ist die Halde noch in Schüttung.

Die beiden so ungleichen Landschaftsbauwerke werden in diesem Beitrag näher vorgestellt. Ausführliche Informationen zur Anreise mit dem Auto, Bus und Bahn, Fahrrad und als Wanderer finden sich am Ende des jeweiligen Abschnitts.


Die Halde Schwerin

Bergehalde der Zeche Graf Schwerin mit der großen Sonnenuhr

Die große Bergehalde hat eine Fläche von ca. 14,5 Hektar. Ihr höchster Punkt liegt auf 151 Metern über dem Meeresspiegel und rund 33 Meter über der Umgebung. Bereits 1988 ist die Rekultivierung der Halde abgeschlossen worden, die zwei Jahre darauf vom damaligen Kommunalverband Ruhr erworben wurde. Die weitere Ausgestaltung erfolgte Mitte der 1990er Jahre im Zuge der IBA Emscher Park durch einzelne Künstler, aber auch durch verwirklichte Bürgervorschläge. So sind Trockenmauern, Baum- und Heckenanpflanzungen und der Landschaftsbalkon aus Sandstein und Eisenbahnschienen mit Blick auf die benachbarten Felder und Windkraftanlagen ebenso dazugekommen wie das Holzkunstwerk »Sinuspergola« oder der am Rande der Halde gelegene Wassertempel ganz aus Bergbaumaterialien in einem Quellbereich.

Geokreuz und Sonnenuhr

Die Halde wesentlich prägend ist jedoch das »Geokreuz«, das exakt in die Haupthimmelsrichtungen ausgerichtete Treppenanstiege auf den Gipfel darstellt. Die Materialien der Treppen bilden die Industrieachse (im Westen Stahlbrammen, im Osten die daraus hergestellten Eisenbahnschienen) und die Naturachse (im Süden Holz und im Norden weiterverarbeitete hölzerne Eisenbahnschwellen). Die Achsen kreuzen sich im Mittelpunkt der großen Sonnenuhr von Jan Bormann am höchsten Punkt der Halde Schwerin. Diese besteht aus 24 Edelstahlsäulen mit einer Höhe von 10 Metern, die in einem Durchmesser von 16,5 Meter einen Kreis bilden. Eine Ausnahme bildet der schräge Polstab exakt im Norden auf 12 Uhr, dessen Vertikale deutlich höher ist. Mithilfe der Sonnenuhr lässt sich die Uhrzeit exakt bestimmen. Naturbedingt zeigt der Schattenwurf des Polstabes allerdings nur selten das an, was die Armbanduhr mit ihrer Zonenzeit auch vermeldet, sondern die Wahre Ortszeit (WOZ). Definiert wird diese durch den Zeitpunkt, in dem die Sonne den Ortsmeridian, also den Längengrad durch die Halde, durchschreitet und am höchsten Punkt genau im Süden steht. Bei Bewegung mit den Breitengraden nach Osten oder Westen verändert sich dieser Zeitpunkt der Wahren Ortszeit im Vergleich zur Zonenzeit. Für die Umrechnung in die Mitteleuropäische Winter- oder Sommerzeit sind mathematische Gleichungen in Anspruch zu nehmen.

Der oberste Gipfelbereich ist recht frei von Baumbewuchs und ermöglicht einen guten Blick über das Umland. Die Sicht reicht auf Dortmund mit dem markanten Florianturm und dem Sauerland im Hintergrund nach Osten, auf den Hammerkopfturm von Zeche Erin oder über die große Halde Hoheward mit dem typischen Horizontobservatorium im Westen. Bei klarer Sicht erkennt man sogar den Tetraeder auf der Halde Beckstraße in Bottrop, die Halde Haniel oder den Gasometer in Oberhausen.

Wassertempel von Peter Strege am Nordrand der Halde
Wassertempel von Peter Strege am Nordrand der Halde

Grüne GlücksorteDie Halde Schwerin ist ein “grüner Glücksort” im gleichnamigen Buch von Thomas Dörmann. Unter dem Leitsatz “Geh raus & blüh auf” bietet es 80 Ziele aus den grünen Parks, Halden und Landschaften im Ruhrgebiet: Grüne Glücksorte im Ruhrgebiet*

Halde Schwerin im Schnee

Der Februar 2021 war ungewöhnlich langanhaltend frostig und hat das Ruhrgebiet mit einer dicken Schicht Schnee eingepackt. Die vergleichsweise seltene Konstellation von viel Schnee, der einige Tage liegenbleibt und schönem Wetter habe ich zu einem Besuch auf der Halde Schwerin genutzt. Die folgenden Fotos zeigen die Halde daher in der schönsten Variante im Winterhalbjahr.

Die Sonnenuhr der Halde Schwerin im Schnee: Die westliche Treppe des Geokreuzes ist unter dem Schnee nur zu erahnen
Die Sonnenuhr der Halde Schwerin im Schnee: Die westliche Treppe des Geokreuzes ist unter dem Schnee nur zu erahnen
Halde Schwerin im Schnee

Tipp des Autors: Die Halde eignet sich hervorragend als Einstieg in die Haldenthematik und ist einen Besuch wahrlich wert. Sie ist recht kleinräumig und bietet bei guter Pflege schöne Aussichten und eine interessante Gipfelgestaltung. Kombinieren lässt sich der Besuch recht gut mit den LWL-Museen Zeche Zollern im benachbarten Bövinghausen oder Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop. In Castrop-Rauxel selbst erinnert der Erin-Park an das zweite große Bergwerk der Stadt. Die Halde ist Station auf der CK-Tour des “Halden-Hügel-Hoppings“, die mit einer weiteren Tour zu einer längeren Wanderung oder Fahrradrunde verbunden werden kann.

Wanderbare HaldenDiese Halde wird außerdem im Reiseführer “Wanderbare Halden” von Nikola Hollmann & Andrea Slavik beschrieben und ist dort Teil einer Wanderung, die außerdem weitere interessante Ziele in der Umgebung vorstellt. Wanderbare Halden: Die schönsten Revier-Wandertouren mit Aus- und Weitblick*

Informationen zum Besuch:

Die Halde ist ständig frei zugänglich und bietet geschotterte Wege an der Haldenbasis. Treppen führen von den vier Himmelsrichtungen auf das Haldentop, eine Rampe bietet sich für Radfahrer an. Ganz oben Wald- und Wiesenboden. Geringe und kurze Steigungen.

Anreise mit dem Auto: Diese Halde liegt sehr verkehrsgünstig an Autobahnen. Es bieten sich sowohl die Abfahrten Dortmund-Bodelschwingh (im Kreuz Castrop-Rauxel-Ost, A42 / A45) oder Castrop-Rauxel (A42) an.

Von der Ausfahrt Dortmund-Bodelschwingh im Kreuz Castrop-Rauxel-Ost links abbiegen auf die L657 nach Süden. Nach 2,2 Kilometern an der Ampel hinter den Windrädern rechts in die Bodelschwingher Straße abbiegen und der Beschilderung zur Halde folgen. Die Straße wird zur 30-Zone. Hinter der Rechtskurve befindet sich nach etwa 150 Metern der Haldenzugang, der durch ein Schild markiert ist. Am Straßenrand (Beschilderung: Parkplatz Halde Schwerin) ergeben sich genügend Parkmöglichkeiten direkt am Zugang zur Halde.

Von der Ausfahrt Castrop-Rauxel zunächst auf die B235 Richtung Castrop-Rauxel fahren. Nach ca. 1,7 km an der Ampel links der Beschilderung Richtung Schwerin folgend auf die Dortmunder Straße abbiegen. Nach 800 m links abbiegen in die Grimbergstraße oder die folgende Overbergstraße und dann rechts auf die Bodelschwingher Straße bis zum Haldenzugang abbiegen.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Bodelschwingher Straße in Castrop-Rauxel

Anreise mit Bus und Bahn: Von Dortmund Hbf., Herne oder Wanne-Eickel Hbf. mit der RB 43 bis Castrop-Rauxel-Süd. Aus Richtung Dortmund über den Bahnübergang, aus Richtung Herne nach links gehen. An der ersten Kreuzung rechts und sofort links. Dort befindet sich die Haltestelle Münsterplatz.

Dort umsteigen in die Buslinie 341 Richtung Schwerin-Seniorenheim. An der Haltestelle Overbergstraße aussteigen (eine davor zum Bereitmachen: Elsterngrund). Die Fahrt dauert ca. 17 Minuten. In die Overbergstraße laufen und am Ende rechts in die Bodelschwingher Straße bis zum Haldenzugang – der Fußweg beträgt etwa 500 Meter.

Alternativ mit der RB 43 nach Castrop-Rauxel-Merklinde. Von dort der Straße durch die scharfe Linkskurve Richtung Norden folgen. An der Dortmunder Straße links, im Kreisverkehr rechts, dann wieder rechts in die Overbergstraße. Am Ende rechts bis zum Haldenzugang. Dieser Fußweg ist etwa 1,7 Kilometer lang.

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike: Obwohl sie kaum durch thematische Radwege erschlossen wird, ist die Halde äußerst beliebt bei Radfahrern. Einzig der Radweg Grüne Acht führt in der Nähe vorbei.

Die Halde ist eine der wichtigsten Stationen auf dem Halden-Hügel-Hopping-Weg “CK” Von Castroper Kohle und Kelten und kann sehr gut mit einem weiteren HHH-Weg in und um Castrop-Rauxel verbunden werden.

Kartenmaterial / Literatur: In den dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind zur Vertiefung empfohlen. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

   

Geographische Koordinaten:
51°32’40.28″N, 7°20’10.11″E – Zugang und Parkplatz
51°32’45.57″N, 7°20’14.37″E – Sonnenuhr
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
384623 m, 5711692 m – Zugang und Parkplatz
384709 m, 5711854 m – Sonnenuhr

Nützliche Informationen zum Lesen der Koordinaten und Verwendung in GPS-Geräten bietet der Beitrag Anreise, GPS und Co.


Die Landmarke Schwerin

Sie ist nicht zu verwechseln mit der oben beschriebenen Bergehalde und im Vergleich ein geradezu lächerlicher Hügel. Straßenschilder weisen hier zur Landmarke Schwerin, während die Halde Schwerin mit der Landmarke Sonnenuhr keine 300 Meter Luftlinie entfernt liegt. Ortsunkundige werden also unter Umständen etwas verwirrt und suchen verzweifelt die 24 Stahlstelen auf dieser übersichtlichen Anhöhe und sind womöglich enttäuscht.

Etwa ein Hektar nimmt die kleine Erhebung zwischen der Dortmunder Straße und dem ehemaligen Zechengelände Graf Schwerin ein. Altlasten und Bodenmaterial dieses Geländes bildeten diese vergleichsweise kleine Deponie in der Form einer etwas verzogenen Pyramide. Die Asymmetrie ergibt sich durch die angrenzenden Protegohauben auf dem ehemaligen Schacht II, für die eine Ecke der Pyramide „abgeschnitten“ ist. Das kontaminierte Material wurde dauerhaft eingekapselt, anschließend mit Erdboden bedeckt und rekultiviert. An vielen ehemaligen Zechen- oder Kokereigeländen sind derartige Landschaftsbauwerke zu finden und sind meist Teil einer parkähnlichen Anlage. Im Erin-Park befinden sich die nächstgelegenen Deponien dieser Art, in Dortmund-Derne ist eine besonders große und interessant ausgebaute dieser Art im Stadtteilpark zu finden. Von der Mengeder Straße im Südosten verläuft ein einziger Weg in konstanter Steigung bis zum Gipfel im Nordwesten, mehrere Meter über der Umgebung hoch. Der Blick reicht in die nähere Umgebung auf die Zechenbrache, die Windräder vor der nahen Halde und auf das neue Einkaufszentrum nebenan. Auch der Golfplatz Castrop-Rauxel ist sichtbar. Von wenigen Stellen lässt sich auch die Spitze der Sonnenuhr auf der Bergehalde ausmachen.

Geometrie angewandt: Der Ring auf der Pyramide

Mit dem Schweriner Ring steht seit August 2010 etwas unterhalb des Gipfels eine kleine Landmarke. Es handelt sich um einen Stahlreif mit einem Durchmesser von etwa 4,3 Meter und einem Gewicht von 3,3 Tonnen. Das Material ist Kugellagerstahl. Auf Initiative des lokalen Künstlers Jan Bormann, der auch für die Sonnenuhr auf der Halde Schwerin verantwortlich ist, wurde an dieser Stelle dieser Ring aufgestellt, der aufgrund Materialfehler Ausschuss bei der Produktion für Windräder war und somit für den eigentlichen Zweck unbrauchbar ist. Er steht am Rande der Gipfelfläche, sodass von Weitem der Eindruck entsteht, der Ring könnte sich leicht in Bewegung setzen und den Hang hinunter rollen.

Schweriner Ring in Castrop-Rauxel (Landmarke Schwerin)

Informationen zum Besuch:

Anreise mit dem Auto: Dieses Ziel liegt sehr verkehrsgünstig an Autobahnen. Es bieten sich sowohl die Abfahrten Dortmund-Bodelschwingh (im Kreuz Castrop-Rauxel-Ost, A42 / A45) oder Castrop-Rauxel (A42) an.

► Von Dortmund-Bodelschwingh der L657 nach Süden bis Schwerin folgen. Bald liegt das Landschaftsbauwerk bereits auf der rechten Seite, eine Parkmöglichkeit besteht am Zugang jedoch nicht. An der nächsten Kreuzung rechts in der Dortmunder Straße bietet der Straßenrand beidseitig Platz. Alternativ kann man auch am benachbarten Supermarkt parken und sich dem Hügel von der Rückseite aus nähern.

► Von der Ausfahrt Castrop-Rauxel zunächst auf die B235 Richtung Castrop-Rauxel fahren. Nach ca. 1,7 km an einer Ampel links der Beschilderung Richtung Schwerin folgend auf die Dortmunder Straße abbiegen. Durch den Kreisverkehr fahren und bereits dahinter am Straßenrand parken. Der Beschilderung zur Landmarke Schwerin zu Fuß weiter folgen und links abbiegen in die Mengeder Straße.

Zieleingabe ins Navigationssystem: Mengeder Straße, Nähe Kreuzung Dortmunder Straße in Castrop-Rauxel

Anreise mit Bus und Bahn: Von Castrop-Rauxel Münsterplatz (Nähe Bahnhof Castrop-Rauxel-Süd), Bahnhof Marten (jeweils angefahren von RB 43) oder Marten Süd (S-Bahn S4) mit den Linien 341, 480 bzw. 482 bis Neuroder Platz, z. T. auch Schweriner Hellweg. Bitte unbedingt je nach Richtung mithilfe der Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn über die Verbindungen informieren!

Geographische Koordinaten: 51°32’28.98″N, 7°20’09.76″E – Ring

UTM-Koordinaten (Zone 32): 384608 m, 5711343 m – Ring